Geschichte/Politik

Wahlplakate der Jahre 1953 und 1957

Nobelpreisträger

1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959

1959

01. Januar Bundespräsident der Schweiz wird Paul Chaudet.
Der kubanische Diktator Fulgencio Batista flieht ins Ausland. Fidel Castro kommt an die Macht.
Die UdSSR verzichtet auf die Zahlung der Stationierungskosten für ihre in der DDR befindlichen Truppen durch die DDR.
02. Januar Vom sowjetischen Weltraumbahnhof Baikonur hebt die Mondsonde Lunik 1 ab.
Fidel Castro und seine Revolutionstruppen rücken in Havanna, der Hauptstadt Kubas ein.
03. Januar Alaska wird der 49. Bundesstaat der USA.
04. Januar Bis zum 16. Januar besucht DDR-Ministerpräsident Grotewohl Ägypten, den Irak und Indien.
05. Januar In Dresden wird die Militärakademie "Friedrich Engels" eröffnet.
07. Januar Robert Schuman wird erneut zum Präsidenten der Parlamentarischen Versammlung der Europäischen Union gewählt.
Die USA erkennen die kubanische Regierung unter Fidel Castro an.
08. Januar Zum französischen Staatspräsidenten wird General Charles de Gaulle proklamiert.
Der österreichische Bundeskanzler Julius Raab weilt bis zum 17. Januar auf Staatsbesuch in Japan.
09. Januar In Wiesbaden stirbt der deutsche Hochfrequenz-Ingenieur und Rundfunkpionier Hans Bredow.
10. Januar Ein sowjetischer Friedensvertragsentwurf für Deutschland wird veröffentlicht.
12. Januar Bundeskanzler Konrad Adenauer lehnt den am 10. Januar überreichten sowjetischen Entwurf eines Friedensvertrages mit Deutschland ab.
Das Berliner Abgeordnetenhaus wählt Willy Brandt (SPD) zum zweiten Mal zum Regierenden Bürgermeister. SPD und CDU bilden im neuen Senat eine Koalitionsregierung, so dass es keine parlamentarische Opposition geben wird.
Michael DiSalle tritt sein Amt als Gouverneur von Ohio an.
15. Januar Der neue Berliner SPD/CDU-Senat wird vereidigt. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt (SPD) vertritt in seiner Regierungserklärung die Auffassung, die Krise um Berlin habe noch keineswegs ihren Höhepunkt erreicht. Er wiederholt sein Nein zu der sowjetischen Forderung Berlin (West), den Status einer freien entmilitarisierten Stadt zu geben.
Wegen der Nichterfüllung eines Abkommens über die Rückführung Volksdeutscher beschließt die Bundesregierung wirtschaftliche Sanktionen gegen Rumänien. 1956 hatte sich Rumänien verpflichtet, 8432 Volksdeutschen im Rahmen der Familienzusammenführung die Ausreise in die Bundesrepublik zu ermöglichen.
In Paris stellt Premierminister Michel Debré dem im Dezember 1958 gewählten Parlament sein Regierungsprogramm vor. Algerien soll danach politisch und verwaltungsmäßig weiterhin zu Frankreich gehören.
In der Sowjetunion beginnt eine Volkszählung. 500.000 Zähler befragen etwa 200 Mio. Menschen nach Geburtsdaten, Beruf, Muttersprache, Familienstand und Einkommensquelle.
17. Januar Der Dortmunder Stadtrat protestiert geschlossen gegen die geplante Verlegung einer britischen Militäreinheit nach Dortmund-Brackel, deren Raketen vom Typ "Corporal" auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden können.
20. Januar Edmund Rehwinkel, seit 1949 Präsident der Landwirtschaftskammer Hannover, wird in Bonn zum Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes gewählt.
Die Gespräche zwischen dem stellvertretenden sowjetischen Ministerpräsidenten Anastas I. Mikojan und US-Präsident Dwight D. Eisenhower in Washington gehen ohne greifbares Ergebnis zu Ende.
21. Januar Die saarländische Regierung unter Ministerpräsident Hans Egon Reinert tritt zurück, um die Bildung einer Allparteienregierung zu ermöglichen.
Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm führt den Rückgang der Verkehrstoten von 13.457 im Jahre 1957 auf 11.017 im Jahre 1958 auf die am 1. September 1957 eingeführte Geschwindigkeitsbegrenzung in geschlossenen Ortschaften zurück.
22. Januar Das politische Bewusstsein und die Unabhängigkeit bundesdeutscher Richter stehen im Mittelpunkt einer Bundestagsdebatte, in der Gerichtsurteile gegen antisemitische Äußerungen kritisch bewertet werden.
Die CDU spricht sich in ihrem Pressedienst "Deutschland Union-Dienst" für die möglichst rasche Entwicklung einer privaten Atomwirtschaft in der Bundesrepublik aus. Dies sei im Interesse einer internationalen Konkurrenzfähigkeit wünschenswert.
Im Sportpalast von Havanna beginnen die öffentlichen "Kriegsverbrecherprozesse" des Castro-Regimes gegen die Anhänger des früheren Diktators Fulgencio Batista y Zaldívar.
Die US-Regierung gewährt der europäischen Atomenergiekommission (EURATOM) Kredite bis zu 135 Mio. US-Dollar (rund 567 Mio. DM) zum Ankauf US-amerikanischer Kernreaktoren für Atomkraftwerke.
Der englische Rennfahrer, Le-Mans-Sieger und Formel-1-Weltmeister des Jahres 1958, John Michael "Mike" Hawthorn, stirbt bei einem Unfall.
23. Januar Bundeswohnungsbauminister Paul Lücke erläutert vor dem Bundestag seinen Plan der stufenweisen Überführung der Wohnungswirtschaft in die soziale Marktwirtschaft. Der Mietstopp soll demnach nicht vor Ende 1962 völlig aufgehoben werden.
Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard gibt bekannt, dass die Bundesrepublik ab 16. Februar – zunächst bis zum 31. Dezember 1959 – auf Importkohle einen Zoll von 20 DM je Tonne erheben wird. Mit dieser Maßnahme soll der Absatzkrise im bundesdeutschen Kohlebergbau begegnet werden.
Den Achtstundentag für Abiturienten führt das hessische Kultusministerium ein. Bei der mündlichen Reifeprüfung dürfen Prüfzeit und Wartezeit nicht mehr länger als acht Stunden dauern.
Walter Ulbricht erneuert den Vorschlag einer Konföderation zwischen beiden deutschen Staaten.
24. Januar Auf einer Sitzung ihres Direktoriums in Hannover spricht sich die Deutsche Partei (DP) für die Wiedereinführung der Todesstrafe aus.
25. Januar In Bochum demonstrieren 70.000 Bergleute gegen Zechenstilllegungen.
26. Januar In Paris stirbt der umstrittene geistige Heiler Bruno Gröning.
27. Januar In Moskau beginnt der XXI. KPdSU-Parteitag, der bis zum 5. Februar dauert. Zentrales Thema ist der zu verabschiedende Siebenjahresplan 1959-1966.
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl hält sich zu einem Besuch in China auf und trifft mit Staats- und Parteichef Mao Zedong zusammen.
28. Januar Der alte und neue Ministerpräsident des Landes Hessen, Georg August Zinn (SPD), stellt in Wiesbaden sein Kabinett vor, das wie in der vergangenen Regierungsperiode von SPD und BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) gebildet wird.
Das Kuratorium Unteilbares Deutschland startet die Berlin-Aktion "Macht das Tor auf!"
29. Januar Fürst Rainier III. von Monaco setzt die Verfassung des Landes außer Kraft. Anlass ist die Weigerung der Volksvertretung, den Haushalt des Fürstentums zu beschließen.
Eine Gruppe liberaler und konservativer spanischer Politiker gründet eine politische Partei mit dem Namen Union Española, die gegen die Regierung von Francisco Franco Bahamonde opponiert.
Die Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf fordert in ihrem Geschäftsbericht die Beibehaltung der achtklassigen Schule und äußert Skepsis gegenüber einer vollakademischen Ausbildung der Volksschullehrer und gegenüber einem wachsenden Anteil an weiblichen Lehramtsbewerbern.
30. Januar Das griechische Parlament beschließt ein Gesetz, nach dem die Strafverfolgung deutscher Kriegsverbrecher eingestellt wird. Die Bundesregierung hatte zuvor zugesagt, dass die deutsche Justiz die Verfolgung übernehmen werde.
31. Januar Das Bundesatomministerium meldet, dass im Januar die radioaktive Konzentration im Regenwasser in der Bundesrepublik 60mal höher ist, als es die Norm der Europäischen Atomgemeinschaft erlaubt.
In Frankreich wird André Le Troquer, von 1954 bis 1958 Präsident der französischen Nationalversammlung, in dem Sittenskandal um die "Rosa Balletts" wegen Verführung Minderjähriger angeklagt.
01. Februar Nach einer Volkabstimmung, an der nur Männer beteiligt sind, wird in der Schweiz die Einführung des Frauenwahlrechts abgelehnt.
In Österreich wird die 45-Stunden-Woche eingeführt.
02. Februar Etienne Hirsch wird zum Präsidenten der Euratom-Kommission gewählt.
Großbritannien hebt die Verfassung von Malta auf und setzt einen Gouverneur ein.
Indira Gandhi wird Vorsitzende der indischen Kongresspartei.
03. Februar Die amerikanischen Musiker Buddy Holly, Ritchie Valens und The Big Bopper sterben bei einem Flugzeugabsturz in den USA. Der Tag wird als "The Day The Music Died" bekannt.
Aus Protest gegen die Verweigerung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen in der Schweiz treten 50 Lehrerinnen des Baseler Mädchengymnasiums in einen eintägigen Streik.
04. Februar In Dortmund beteiligen sich 80.000 Arbeitnehmer an einem Streik gegen die hier geplante Stationierung einer britischen Raketeneinheit.
05. Februar Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß teilt mit, dass die Bundesrepublik bei der US-amerikanischen Firma Lockheed 96 Abfangjäger vom Typ "Starfighter" bestellt hat.
Am Zonengrenzbahnhof Büchen trifft der 500. Aussiedlertransport aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten (Pommern, Ostpreußen und Schlesien) ein. Seit Ende 1955 sind rund 221.000 Deutsche aus diesen Gebieten in die Bundesrepublik gekommen.
Die Deutsche Bundesbank in Frankfurt am Main berichtet, dass sie über einen Bestand von 26 Mrd. DM an Gold und Devisen verfügt. Mit dieser Währungsreserve steht die Bundesrepublik an zweiter Stelle hinter den USA.
06. Februar Das Bundesverteidigungsministerium bestellt in den USA 96 Starfighter.
Zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt das Landgericht Bonn die beiden ehemaligen KZ-Aufseher Gustav Sorge und Wilhelm Schubert. Vorgeworfen wird den beiden Mord bzw. versuchter Mord in mehr als 130 Fällen.
07. Februar Nach Kurzbesuchen in London und Paris erörtert der amerikanische Außenminister John Foster Dulles in Bonn mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und Außenminister Heinrich von Brentano aktuelle Fragen der Berlin- und der Deutschland-Politik. In Übereinstimmung mit Bundeskanzler Konrad Adenauer lehnt er jegliche einseitigen Zugeständnisse an die Sowjetunion ab. Dulles bekräftigt, die Alliierten riskierten lieber einen Krieg, als dass sie Berlin opferten.
09. Februar In Paris findet eine Protestdemonstration von rund 2.000 rechtsradikalen Algerien-Franzosen für die Erhaltung der französischen Oberhoheit über Algerien statt. Die Demonstranten wenden sich gegen das Waffenstillstandsangebot der französischen Regierung an die algerischen Aufständischen.
11. Februar Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, der sich zu einem Besuch in den Vereinigten Staaten aufhält, wird von US-Präsident Dwight D. Eisenhower zu einer Unterredung empfangen. Eisenhower bekräftigt erneut die Bereitschaft seines Landes, Berlin gegen jede Bedrohung zu verteidigen.
12. Februar Die Führung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wählt Carlo Schmid einstimmig zu ihrem Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten am 1. Juli.
13. Februar Bundespräsident Theodor Heuss führt den neuen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Gebhard Müller in sein Amt ein.
14. Februar Der Deutsche Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen legt in Bonn den Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemein bildenden öffentlichen Schulwesens vor. Danach soll die Volksschuloberstufe zur Hauptschule entwickelt werden und damit als weiterführende Schule neben Real- und Oberschule bestehen.
15. Februar In Alton / Hampshire stirbt der britische Physiker und Nobelpreisträger (Physik 1928) Owen Richardson.
16. Februar Wegen des österreichisch-italienischen Konflikts um Südtirol verweigern die italienischen Behörden österreichischen Regierungsbeamten die Einreise.
Der Revolutionsführer Fidel Castro wird Ministerpräsident von Kuba.
18. Februar Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm erklärt auf eine Anfrage im Bundestag, dass er eine vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit auf den Autobahnen nicht für erforderlich halte. Im Interesse einer Entlastung der Landstraßen müsse die Benutzung der Autobahnen auch den langsamen LKW weiterhin erlaubt sein.
19. Februar Zu seinem ersten Wehrbeauftragten wählt der Bundestag den 60-jährigen Staatssekretär im niedersächsischen Vertriebenenministerium und Generalleutnant a. D. Helmuth von Grolman.
Die Zypernkonferenz in London unter Beteiligung Großbritanniens Griechenlands und der Türkei endet mit der Unterzeichnung eines Abkommens, in dem grundsätzlich festgelegt wird, dass die britische Kronkolonie innerhalb des kommenden Jahres eine unabhängige Republik werden soll. Großbritannien soll auf der Insel Stützpunkte unter eigener Souveränität behalten; die Rechte der türkischen Minderheit werden garantiert.
In Assuan (Ägypten) beginnen zweiwöchige Trauerfeiern für den am 11. Juli 1957 verstorbenen Aga Khan III., das Oberhaupt der Ismaeliten.
20. Februar Das Amtsgericht Hamburg ordnet die Beschlagnahme von Heft 8 der Illustrierten "Stern" an, in dem über angebliche verfassungswidrige Praktiken des Verfassungsschutzes berichtet wird.
Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin entscheidet, dass die Streitkräfte des Landes einschließlich der NATO-Brigade in der Bundesrepublik mit Atomwaffen der USA ausgerüstet werden.
Die kanadische Regierung in Ottawa gibt bekannt, dass die Streitkräfte des Landes einschließlich der NATO-Brigade in der Bundesrepublik mit Atomwaffen der USA ausgerüstet werden.
21. Februar Der britische Premierminister Harold Macmillan ruft bei seinem Moskau-Besuch zu einer Beendigung des Kalten Krieges auf.
23. Februar Besonders aufmerksam will der hessische Kultusminister Ernst Schütte prüfen, ob der Geschichtsunterricht die jüngste deutsche Vergangenheit ausreichend berücksichtigt. In einer Pressekonferenz in Wiesbaden verlangt der SPD-Politiker von jedem Lehrer, dass er sich im Unterricht mit den Fragen des Nationalsozialismus auseinandersetze.
Damaskus feiert den ersten Jahrestag des Zusammenschlusses von Syrien und Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik. Die beiden Staaten betrachten ihre Vereinigung als einen Schritt auf dem Weg zur arabischen Einheit.
24. Februar Führende Politiker von CDU und CSU unter Vorsitz von Bundeskanzler Konrad Adenauer schlagen in Bonn Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard für das Amt des Bundespräsidenten vor. Erhard erklärt sich zu einer Kandidatur bereit.
In Moskau lehnt der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow die von den Westmächten am 16. Februar vorgeschlagene Außenministerkonferenz über Deutschland und Berlin ab. Er fordert erneut ein Treffen der Regierungschefs über die Beendigung des Kalten Krieges und die Lösung des Deutschlandsproblems.
Der Bergarbeiterstreik in Belgien, der am 13. Februar begonnen hatte, wird durch einen Kompromiss über die Schließung von Minen im Borinage-Gebiet bei Mons beendet. Regierung und Arbeitgeber garantieren den rund 4.000 arbeitslosen Bergarbeitern die Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Wegen staatsfeindlicher Betätigung werden in der Tschechoslowakei 175 Menschen verhaftet. Radio Prag teilt mit, es handle sich bei den Verhafteten um ehemalige Industrielle, bei denen Warenlager, Waffen, Geheimdokumente und Rundfunksender gefunden worden seien.
25. Februar Das Frankfurter Landgericht untersagt einem Mainzer Möbelhändler "vergleichende Werbung". Der Händler hatte damit geworben, seine Preise lägen "20 % unter den von vielen Möbelhändlern herausgegebenen Verkaufslistenpreisen".
26. Februar Der Bundestag beschließt eine Erhöhung des Kindergeldes von 30 auf 40 DM vom 1. März an.
Der saarländische Landtag wählt mit 30 gegen zehn Stimmen bei einer Enthaltung und einer ungültigen Stimme Hans Egon Reinert erneut zum Ministerpräsidenten. Die Regierung Reinert war am 21. Januar zurückgetreten wegen parteiinterner Auseinandersetzungen um die Person des ehemaligen Ministerpräsidenten Hubert Ney.
Die Regierung von Südrhodesien (Simbabwe) verhängt den Ausnahmezustand und verbietet die Befreiungsbewegung Afrikanischer Nationalkongress.
27. Februar Die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg meldet, dass in der Bundesrepublik noch 143.637 Lehrstellen offen sind.
Der Prozess gegen den Schriftsteller Erich Kuby und den Rundfunk-Redakteur Rüdiger Proske endet in Hamburg mit Freisprüchen. Gegenstand des Prozesses war ein Hörspiel über die Festung Brest im Zweiten Weltkrieg, durch das sich der General a. D. Bernhard Ramcke beleidigt fühlte.
28. Februar In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 1 gestartet.
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ordnet an, dass die antisemitische Schrift des Holzkaufmanns Friedrich Nieland eingezogen wird. Dieser Fall hatte im Januar zu einem Justizskandal geführt, nachdem das Hamburger Landgericht sowie das Oberlandesgericht eine Anklageerhebung gegen Nieland abgelehnt hatten.
Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst eines Industriearbeiters in der Bundesrepublik hat sich von November 1958 bis Februar 1959 um rund 1 % auf 2,57 DM erhöht. Das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt der männlichen Angestellten beträgt im Februar 655 DM, das einer weiblichen Angestellten dagegen nur 382 DM.
01. März Nach dreijähriger Verbannung kehrt der Führer der nach Unabhängigkeit strebenden Zyperngriechen, Erzbischof Makarios III., nach Zypern zurück.
Der designierte Staatspräsident Uruguays, Martín R. Echegoyen stellt ein neues Kabinett vor. Aus den Wahlen am 30. November 1958 war die konservative Partei der Blancos, die Partei des Präsidenten, als Sieger hervorgegangen.
02. März Die gewerkschaftseigene Baugesellschaft "Neue Heimat" erwirkt beim Hamburger Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die "Neue Heimat" beanstandet einen Artikel, der die Kreditwürdigkeit des Baukonzerns in Frage gestellt habe.
03. März Bei einem Besuch der Leipziger Messe erklärt der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow seine Bereitschaft, das Berlin-Ultimatum über den 27. Mai hinaus zu verlängern und die Kontrolle über den alliierten Berlin-Verkehr bis zum Abschluss eines Friedensvertrages nicht an die Behörden der DDR zu übergeben.
In den USA stirbt der amerikanische Schauspieler und Comedian Lou Costello (Abbott und Costello).
04. März Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle beschließen im Landhaus de Gaulles in Marly-Le-Roi, die deutsch-französische Zusammenarbeit weiter zu festigen. Die Sicherung des Friedens werde am besten durch die Einigkeit aller Westmächte gewährleistet.
Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow stattet der Leipziger Frühjahrsmesse einen Freundschaftsbesuch ab.
05. März Als sozialpolitisches Hauptziel der Regierung bezeichnet Bundesarbeitsminister Theodor Blank in Köln die Steigerung der Einkommen, nicht deren Umverteilung.
Die österreichische Regierungskoalition von Volkspartei und Sozialisten zerbricht wegen Streitigkeiten in Fragen des Wohnungsbaus, der Umsatzsteuer und der Preispolitik.
06. März Der jugoslawische Staatschef Marschall Josip Broz Tito beschuldigt in Skopje die Regierungen Albaniens und Bulgariens, Eroberungsabsichten gegenüber jugoslawischen Grenzgebieten zu verfolgen und damit nach Befehlen der Sowjetunion zu handeln.
Auf das österreichische Kulturinstitut in Rom wird ein Anschlag mit einem Molotow-Cocktail verübt.
07. März In Graz stirbt der österreichische Physiker Adolf Smekal.
Knapp acht Monate nach dem Sturz der Monarchie im Irak kommt es im Norden des Landes zu einer Militärrevolte gegen das Regime von General Abd Al Karim Kasim. Der Aufstand kann am 10. März niedergeschlagen werden.
08. März Bei den französischen Kommunalwahlen verbuchen die Kommunisten Stimmengewinne von durchschnittlich 8 %. Gaullisten und Sozialisten müssen Verluste hinnehmen.
Die UdSSR feiert den "Tag der Frau", eine Art Muttertag, an dem die Frauen von ihren Familien mit kleinen Aufmerksamkeiten bedacht werden.
In Arlington, Virginia, gründet George Lincoln Rockwell die American Nazi Party.
09. März In der Botschaft der UdSSR in Ost-Berlin trifft der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer mit dem sowjetischen Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow zusammen. Übereinstimmung besteht in dem Bestreben, alle deutschlandpolitischen Probleme auf dem Verhandlungsweg zu lösen.
Der Führer der zypriotischen Untergrundbewegung, General Jeorjios Griwas, fordert nach dem Zypern-Abkommen vom 19. Februar die Bevölkerung der Insel über Flugblätter zu einer Waffenniederlegung auf.
Das österreichische Bundeskabinett in Wien empfiehlt Künstlern und Wissenschaftlern des Landes, zur Vermeidung weiterer Zwischenfälle auf die Teilnahme an Veranstaltungen in Italien zu verzichten. Den Hintergrund bildet der Streit beider Staaten um Südtirol.
10. März Auf dem Parteikongress der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei in Warschau fordert Parteichef Wladyslaw Gomulka von der Bundesregierung die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens.
Großbritannien und die USA erklären sich auf der Genfer Konferenz über die Nichtfortsetzung der Kernwaffenversuche mit der unbefristeten Einstellung aller Atom- und Wasserstoffbombenversuche einverstanden.
Der österreichische Ministerrat billigt in Wien ein "Antikorruptionsgesetz", wonach die Entgegennahme eines Geschenkes im Werte von 150 Schilling (25 DM) für eine Amtshandlung bereits den Tatbestand der Korruption erfüllen kann.
In Lhasa, der Hauptstadt von Tibet, bricht der Tibetaufstand aus.
11. März Die SPD-Abgeordneten Carlo Schmid und Fritz Erler treffen zu politischen Gesprächen in Moskau ein.
Die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) gibt auf einer Tagung in Hamburg bekannt, dass in der Bundesrepublik 6.000 bis 10.000 Lehrer fehlen.
12. März Der US-Kongress in Washington stimmt der Aufnahme der Inselgruppe Hawaii als 50. Staat der USA zu.
Der britische Premierminister Harold Macmillan trifft zu einem zweitägigen Besuch in Bonn ein. Er berichtet Bundeskanzler Konrad Adenauer über seine Moskaureise im Februar und erzielt mit der Bundesregierung Einverständnis über die Ablehnung eines neutralisierten und entmilitarisierten Raumes in Europa.
13. März Das Bundesverteidigungsministerium unterzeichnet in Bonn die Verträge zum Ankauf von 50 Jagdbombern des Typs Fiat G-91 und erhält die Lizenz zum Nachbau solcher Flugzeuge in der Bundesrepublik.
Ein Sprecher der NATO teilt in Paris mit, dass die französische Mittelmeerflotte im Falle eines Krieges nicht unter NATO-Kommando, sondern unter französischem Oberbefehl operieren soll.
14. März Die SPD schließt drei Mitglieder wegen Zugehörigkeit zur rechtsorientierten Organisation "Rettet die Freiheit" aus. Einem weiteren Mitglied wird die Parteizugehörigkeit entzogen wegen Teilnahme an der Gesamtdeutschen Arbeiterkonferenz in Leipzig.
15. März Der Bundesminister für Atomenergie und Wasserwirtschaft, Siegfried Balke, weiht in Berlin-Wannsee das Institut für Kernforschung ein.
Die Aktienkurse an der New Yorker Wertpapierbörse erreichen Rekordhöhen. Die Umsätze seit Jahresbeginn kommen nahe an die des entsprechenden Zeitraums von 1929 heran, dem lebhaftesten Jahr der New Yorker Börse.
16. März In einer scharfen Protestnote beschuldigt die iranische Regierung in Teheran die Sowjetunion, den Luftraum des Iran in den letzten drei Monaten 81mal verletzt zu haben. Die sowjetisch-iranischen Beziehungen haben aufgrund einer stärkeren Anlehnung Teherans an die USA einen Tiefstand erreicht.
17. März In Bonn tauschen Bundesaußenminister Heinrich von Brentano und der britische Botschafter Sir Christopher Steel die Urkunden über ein deutsch-britisches Kulturabkommen aus.
Während des Tibetaufstands flieht der Dalai Lama ins indische Exil nach Dharamsala.
18. März Die SPD verkündet einen Deutschlandplan, der einen Vorschlag zur Schaffung einer entmilitarisierten, atomwaffenfreien "Entspannungszone" in Mitteleuropa vorsieht.
Das Bundeskabinett beschließt eine Änderung der Arbeitszeit für Bundesbeamte. Diese brauchen nur noch an jedem zweiten Sonnabend zu arbeiten. Zum Ausgleich wird die tägliche Arbeitszeit der meisten Beamten um eine Dreiviertelstunde auf 17.30 Uhr verlängert.
Bundespostminister Richard Stücklen gibt in einer Fragestunde des Bundestages bekannt, dass bis 1960 sämtliche Telefon-Handvermittlungen in der Bundesrepublik beseitigt und durch automatische Einrichtungen ersetzt werden.
Als "höchstes Staatsgeheimnis" behandelt die US-Regierung einen Vorschlag an Moskau in der Deutschlandfrage. Dennoch sickert durch, dass die Vereinigten Staaten eine Konföderation der Bundesrepublik und der DDR für möglich halten.
Der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower unterzeichnet eine Bestimmung zur Eigenstaatlichkeit von Hawaii.
19. März Die SPD legt in Bonn einen Deutschlandplan vor, der eine Wiedervereinigung Deutschlands in drei Phasen vorsieht. Ausgangspunkt ist eine weitgehend entmilitarisierte Zone in Mitteleuropa.
Der Bundestag beschließt, die geplanten Mittel zur Förderung der Westberliner Wirtschaft von 100 auf 500 Mio. Mark zu erhöhen.
In einer Presseerklärung erkennt der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow die Berlin-Rechte der früheren westalliierten Besatzungsmächte an und nimmt das Berlin-Ultimatum von 1958 zurück.
20. März Für etwa 500 Forschungsaufgaben auf fast allen Wissenschaftsgebieten stellt die gemeinnützige Deutsche Forschungsgemeinschaft einen einmaligen Betrag von 8 Mio. DM zur Verfügung.
Helmuth von Grolman wird als erster Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages vereidigt.
Die erste Streikwelle seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Charles de Gaulle am 8. Januar lähmt das Pariser Leben in weiten Teilen. Gefordert wird eine Rücknahme sozialpolitischer Maßnahmen, die im Sparprogramm der neuen Regierung enthalten sind.
22. März Der französische Ministerpräsident Michel Debré besucht die französischen Truppen in Algerien und wendet sich an die algerische Unabhängigkeitsbewegung mit den Worten: "Frankreich ist in Algerien und bleibt auch dort".
23. März Zur zehnten Wiederkehr des 12. Mai 1949, an dem die sowjetische Blockade von West-Berlin zu Ende ging, ruft der Regierende Bürgermeister der Stadt, Willy Brandt, die Bevölkerung zu einer Sammlung "Luftbrückendank" auf.
24. März In der Bundesrepublik werden die ersten Volksaktien (Preussag-Aktien) ausgegeben. Damit beginnt die Privatisierung industriellen Bundesvermögens.
Der ehemalige Justiz- und Unterrichtsminister Aldo Moro wird in Rom zum Generalsekretär der Christlichen Demokraten Italiens gewählt.
Der irakische Ministerpräsident Abd Al Karim Kasim gibt in Bagdad den Austritt seines Landes aus dem Bagdad-Pakt bekannt. Laut Kasim verfolgt der Irak eine Politik der Neutralität und der Nichtbeteiligung an Verträgen oder Militärbündnissen.
25. März Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle spricht sich in Paris gegen die Preisgabe Berlins, aber für die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze aus.
Politische Führer der Republiken Senegal, Soudan (Mali), Niger, Obervolta (Burkina Faso) und Dahomey (Benin) gründen in Dakar (Senegal) die Afrikanische Föderalistische Partei. Angestrebt wird eine größere Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten innerhalb der Französischen Gemeinschaft.
26. März Die Westmächte und die Bundesrepublik schlagen in Noten an die UdSSR die Einberufung einer Deutschland-Konferenz der Außenminister für den 11. Mai in Genf vor.
Die Forschungsabteilung im US-Außenministerium in Washington teilt mit, dass die Atomversuche 1958 über dem Südatlantik eine über 160 km starke Schicht tödlicher Radioaktivität in etwa 6.000 km Höhe verursacht haben.
Der amerikanische Schriftstellers Raymond Chandler stirbt in La Jolla, Kalifornien.
Ein "Kongress Schwarzer Schriftsteller und Künstler" findet bis zum 1. April in Rom statt. Die rund 200 Teilnehmer aus 33 Ländern Afrikas und Amerikas fordern die vollständige Entkolonisierung ihrer Kontinente.
27. März Anhänger der "Kampagne für nukleare Abrüstung" beginnen in Aldermaston (Großbritannien) einen viertägigen Protestmarsch nach London. In Aldermaston werden die britischen Kernwaffen entwickelt.
28. März Auf Anordnung des Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Zhou Enlai, übernimmt in Tibet der Pantschen Lama die Regierungsgewalt. Neben dem Dalai Lama ist er der ranghöchste Herrscher des Priesterstaates.
In Paris stirbt der französische Soziologe, Geograph, Wirtschaftsexperte, Schriftsteller und Mitglied der Ehrenlegion, André Siegfried.
29. März Vor Kulturfunktionären in Ost-Berlin wendet sich Otto Grotewohl, Ministerpräsident der DDR, gegen angebliche Versuche der Kirche, eine "fortschrittliche Entwicklung der Jugend" zu verhindern.
Papst Johannes XXIII. ermahnt während des Pontifikalamts im Petersdom die Politiker, im Interesse des Weltfriedens ihre Zwietracht aufzugeben.
30. März Der ehemalige stellvertretende Oberbefehlshaber der NATO, Bernard Law Montgomery, plädiert in der Londoner "Sunday Times" für einen Abzug aller ausländischen Truppen aus Deutschland und für eine Sicherung der NATO-Front durch die Bundesrepublik.
31. März Vor "Aufweicherscheinungen" gegenüber dem Kommunismus, wie sie sich in letzter Zeit in verstärktem Maße bei den Sozialdemokraten gezeigt hätten, warnt Bundeskanzler Konrad Adenauer auf einer Wahlkundgebung seiner Partei in Uelzen.
Am letzten Tag des Haushaltsjahres 1958/59 weist die Bundeskasse im Gegensatz zu früheren Jahren keinen nennenswerten Überschuss aus. Dies ist auf die außerordentliche Steigerung der Verteidigungsausgaben während dieser Haushaltsperiode zurückzuführen.
In Frankfurt am Main stirbt der Gründer des Suhrkamp-Verlages, Peter Suhrkamp.
01. April Der erste Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Helmuth von Grolman, tritt in Bonn sein Amt an
02. April Zum zehnjährigen Bestehen des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses tritt der NATO-Rat zu einer feierlichen Jubiläumssitzung in Washington zusammen.
Der ehemalige ungarische Staatspräsident Zoltán Tildy wird aufgrund einer Teilamnestie aus dem Zuchthaus entlassen. Tildy wird vorgeworfen, als Mitglied des Kabinetts von Ministerpräsident Imre Nagy 1956 den Sturz der Volksdemokratie angestrebt zu haben.
03. April Die Volkskammer in Ost-Berlin verabschiedet ein Gesetz, in dem die Post verpflichtet wird, mit den Organen der Zoll- und Warenkontrolle zusammenzuarbeiten. Postsendungen, die im Grenzverkehr der Zoll- und Warenkontrolle unterliegen, müssen den Dienststellen unentgeltlich vorgelegt werden.
Dem Dalai Lama, Oberhaupt des chinesisch besetzten Tibet, ist es trotz der Verfolgung durch chinesische Truppen gelungen, Indien zu erreichen. Dort wird ihm Asyl gewährt.
04. April Auf einer Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft selbständig Schaffender in der SPD in Hamburg ruft der stellvertretende Parteivorsitzende Herbert Wehner die Sozialdemokraten zu einer verstärkten Werbung um die Mittelschichten auf.
Der 1. Sekretär der SED, Walter Ulbricht, fordert den Parteivorstand der SPD in einem Brief zu gemeinsamen deutschlandpolitischen Beratungen mit der SED auf. Die SPD weist diesen Vorschlag zurück.
Der Ministerrat des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses bekräftigt zum Abschluss seiner Tagung in Washington die Entschlossenheit der NATO, die Freiheit von West-Berlin zu verteidigen und die Rechte und Pflichten der Westmächte in der geteilten Stadt wahrzunehmen.
Französisch-Sudan wird mit Senegal zur Mali-Föderation zusammengefasst.
05. April 200 Delegierte der schottischen Labour Party fordern in Aberdeen eine bessere Überwachung radioaktiver Abfälle. Drei schottische Jungen waren am 31. März beim Spielen auf einer Müllhalde mit radioaktivem Material in Berührung gekommen.
Das Parlament des US-Bundesstaates Arkansas verabschiedet ein Gesetz, nach dem das Blut von Farbigen für Transfusionen mit einem besonderen Etikett versehen werden muss. Damit solle eine Sicherung gegen die Übertragung von Krankheitskeimen geschaffen werden.
Die tschechoslowakische Aero L-29 Delfín startet zu ihrem Erstflug.
08. April Bundeskanzler Konrad Adenauer gibt seine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten bekannt.
Insgesamt rund 10.000 bis 15.000 Rückkehrer aus der Sowjetunion werden noch in der Bundesrepublik erwartet. Dies teilt die Leitung des Grenzdurchgangslagers Friedland mit.
Wegen des Ausbleibens von Ausgleichslieferungen wird die Lieferung westdeutscher Steinkohle in die DDR eingestellt.
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl bietet Bundeskanzler Adenauer Vorverhandlungen über einen Friedensvertrag an.
Der Ministerrat des Südostasienpakts (SEATO) tritt in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington zu Beratungen über Sicherheitsfragen zusammen. Die SEATO ist ein Verteidigungsbündnis zwischen Australien, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Pakistan, den Philippinen, Thailand und den Vereinigten Staaten.
Vor der Jugendstrafkammer Hagen wird einer der größten Nachkriegsprozesse gegen Jugendliche eröffnet. Wegen Totschlags, Landfriedensbruchs und Körperverletzung haben sich 37 junge Männer aus Schwerte und Iserlohn zu verantworten.
Der "BAS" (Befreiungsauschuss für Südtirol) verübt gegen den Rohbau von italienischen Wohnhäusern in Bozen einen Sprengstoffanschlag.
09. April Die Bundesrepublik zahlt 125 Mio. DM Wiedergutmachung an die Niederlande für während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg erlittenes Unrecht. Dies teilt die deutsche Verhandlungsführung in Bonn mit.
Gegen die vorgesehene Rassentrennung an den südafrikanischen Hochschulen protestieren Studenten der Göttinger Universität in einem Schreiben an den Kultusminister der Südafrikanischen Union.
Im US-amerikanischen Bundesstaat Oklahoma wird die Prohibition – das Verbot der Herstellung und des Verkaufs alkoholischer Getränke – nach 51 Jahren durch eine Volksabstimmung aufgehoben. Der einzige Bundesstaat, in dem die Prohibitionsgesetze weiterhin gelten, ist Mississippi.
10. April Auf dem 2. Wirtschaftstag der CDU und der CSU in Hannover geben die Unionsparteien die Parole "Mehr Marktwirtschaft" aus.
Als Maßnahme gegen Terrorakte algerischer Unabhängigkeitskämpfer in Paris verhaftet die Polizei in ganz Frankreich 465 verdächtige Algerier.
Der japanische Kronprinz Akihito heiratet in Tokio die bürgerliche Michiko Shoda.
13. April In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 2 gestartet.
Die Aktienkurse an den deutschen Börsen erreichen den höchsten Stand seit Kriegsende. Der Konjunkturoptimismus wird zurückgeführt auf das Bekannt werden der Kandidatur von Bundeskanzler Konrad Adenauer für das Bundespräsidentenamt.
Spanien hebt den Visumzwang für Staatsangehörige aller europäischen Länder mit Ausnahme der kommunistischen Staaten auf.
15. April In Dresden werden fünf Studenten, die gegen die politischen Verhältnisse in der DDR protestiert haben, zu Zuchthausstrafen bis zu zehn Jahren verurteilt.
Ein 13. Monatsgehalt für alle Angestellten und die Einführung der Fünf-Tage-Woche bei 40stündiger Arbeitszeit fordert der DGB-Angestelltentag, der in Wiesbaden zu Ende geht.
US-Außenminister John Foster Dulles tritt aus Gesundheitsgründen von seinem Amt zurück.
16. April Das im Jahre 1938 zwischen dem Deutschen Reich, Großbritannien, Frankreich und Italien geschlossene Münchner Abkommen über die Angliederung des Sudetenlandes an das deutsche Staatsgebiet ist nach Auffassung der Bundesregierung nicht mehr gültig. Damit wird einer Äußerung des Präsidenten des Vertriebenenbundes, Hans Krüger, widersprochen.
17. April Der Zollfahndung in Mönchengladbach gelingt der seit Jahren größte Schlag gegen den internationalen Zigarettenschmuggel. Insgesamt 1,15 Mio. unverzollter US-amerikanischer Zigaretten werden aus einem italienischen Kühlwagen beschlagnahmt, der sich auf der Fahrt aus den Niederlanden über die Bundesrepublik nach Italien befand.
Zuchthausstrafen bis zu zehn Jahren verhängt das Dresdner Bezirksgericht gegen fünf Studenten, die gegen die politischen Verhältnisse in der DDR protestiert hatten.
Der seit dem 16. Februar amtierende kubanische Ministerpräsident und ehemalige Rebellenführer Fidel Castro weilt auf Einladung der US-amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsverleger in Washington.
18. April US-Präsident Dwight D. Eisenhower bestimmt in seiner Ferienresidenz Augusta (Georgia) Christian A. Herter zum Nachfolger des schwerkranken Außenministers John Foster Dulles.
19. April Bei Landtagswahlen können die SPD in Niedersachsen und die CDU in Rheinland-Pfalz ihre jeweils führende Position weiter ausbauen.
Der kubanische Ministerpräsident Fidel Castro erklärt nach einer Unterredung mit US-Vizepräsident Richard Nixon in Washington, er sei überzeugt, dass die USA ein großes Maß an gutem Willen gegenüber Kuba besäßen.
Leere Wahllokale kennzeichnen den Beginn der Gemeindewahlen in der französischen Kolonie Algerien. Sowohl algerische Nationalisten als auch rechtsextremistische Organisationen der dort lebenden Franzosen haben zum Boykott der Wahlen aufgerufen.
20. April Ein politischer Zwischenfall stört die Festsitzung der Zehnjahresfeier des Europarats in Straßburg. Als der österreichische Außenminister Leopold Figl die Südtirol-Frage anschneidet, protestieren die Italiener und drohen, den Saal zu verlassen.
Die US-amerikanische Marine schießt ein Fernlenkgeschoß des Typs "Polaris" vom Versuchsgelände Cape Canaveral (Florida) ab. Fünf frühere Versuche, diese Rakete abzuschießen, waren misslungen.
21. April Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, kommt in London mit dem britischen Premierminister Harold Macmillan zusammen. Gegenstand des Gespräches sind deutschlandpolitische Fragen.
In einer Note an die Bundesregierung protestiert die Sowjetunion in scharfer Form gegen eine Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.
Trotz einiger Proteste wird der 17. Juni, der Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR 1953, in Nordrhein-Westfalen nun als "stiller" Feiertag begangen. Ein entsprechendes Änderungsgesetz zur Feiertagsordnung nimmt der Düsseldorfer Landtag einstimmig an.
Vor dem Volkskongress in Peking gibt der stellvertretende Ministerpräsident der Volksrepublik China, Li Fu Chun, bekannt, dass für 1959 eine Steigerung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion um 40 % angestrebt sei.
22. April Der bundesdeutsche Botschafter in Paris Herbert Blankenhorn wird vom Bonner Landgericht wegen vorsätzlicher falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede zu vier Monaten Gefängnis mit zweijähriger Bewährungsfrist verurteilt.
Aus dem französischen Kraftwerk Marcoule wird zum ersten Mal mit Atomenergie erzeugter Strom in das Überlandnetz Frankreichs geleitet.
23. April Themen der Ständigen Konferenz der Kultusminister in München sind die Gegenwartskunde im Geschichts- und Deutschunterricht der Bundesrepublik sowie die Raumnot in den Schulen. Rund 11.000 Klassenräume fehlen für den Unterricht.
24. April Der Haushaltsausschuss des Bundestages genehmigt einen höheren Zinszuschuss für die Aktion "Besser und schöner wohnen" des Wohnungsbauministeriums.
Die 1. Bitterfelder Konferenz über kulturpolitische Probleme steht unter dem Motto: "Greif zur Feder, Kumpel! Die sozialistische Nationalkultur braucht Dich!".
25. April Die schwedischen Schüler sprechen sich in einer Volksabstimmung gegen eine Einführung der Fünf-Tage-Woche in der Schule aus.
26. April Der US-Erdsatellit Discoverer 2, der am 13. April gestartet worden war, tritt in die Erdatmosphäre ein und verglüht.
27. April Zur Vorbereitung der Genfer Deutschlandkonferenz im Mai treffen sich in Warschau die Außenminister der Ostblockstaaten. Im wesentlichen unterstützen sie den Vorschlag der Sowjetunion zur Wiedervereinigung und Neutralisierung Deutschlands.
Der chinesische Staatsgründer Mao Zedong gibt seinen Rücktritt als Staatspräsident bekannt. Sein Amt als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas behält er allerdings. Nachfolger wird Liu Shao-ch'i, der stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas.
29. April In einem offenen Brief an DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl protestiert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Otto Dibelius, gegen die staatliche Propagierung des Atheismus in der DDR.
Am Dhaulagiri im Himalaja stirbt der österreichische Bergsteiger und Erstbesteiger des Haramosh, Heinrich Roiss.
Die Vereinigten Staaten liefern dem Ersten Norwegischen Luftabwehrbataillon "Nike"-Raketen. In Fort Bliss (US-Bundesstaat Texas) nimmt eine Abordnung der norwegischen Luftstreitkräfte die Ausrüstung entgegen.
30. April Nach dem Tod von Hans-Egon Reinert wird Franz-Josef Röder zum neuen Ministerpräsidenten des Saarlandes gewählt. Er führt die alte CDU/CVP/SPD-Koalition fort.
In Bonn spricht sich Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier dafür aus, den Austritt der Bundesrepublik aus der NATO in Kauf zu nehmen, wenn dadurch die Wiedervereinigung Deutschlands erreicht werden könne.
Der Absatz von Zigaretten in der Bundesrepublik erreicht im April einen Nachkriegshöchststand. In diesem Monat werden rund sechs Mrd. Zigaretten versteuert, das sind 1,1 Mio. Stück oder 21 % mehr als im gleichen Monat des Vorjahres.
01. Mai Auf der größten Maikundgebung, die Berlin je gesehen hat, jubeln 600.000 Menschen aus dem Westteil der Stadt ihrem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt zu und fordern ein Ende der Spaltung Berlins.
Im Ruhrbergbau beginnt die stufenweise Einführung der Fünftagewoche bei vollem Lohnausgleich, die bis zum 1. Mai 1961 abgeschlossen sein soll.
Die am 26. April in Panama gelandeten Rebellen aus Kuba ergeben sich in dem kleinen Fischerdorf Nombre de Dios. Ihr Versuch, das Volk Panamas zu einem Aufstand gegen die Regierung zu bewegen, war fehlgeschlagen.
06. Mai König Hussein von Jordanien vereidigt das neue Kabinett des Ministerpräsidenten Hazza Madschjali, nachdem der bisherige starke Mann Jordaniens, Samir el Rifai, am 5. Mai überraschend zurückgetreten war.
Nach Berichten US-amerikanischer Wissenschaftler vor dem Kongressausschuss für Radioaktivität ist aufgrund von Kernwaffenversuchen für die nächsten Monate eine Verdopplung der Radioaktivität nördlich des 40. Breitengrades zu erwarten. Der 40. Grad nördlicher Breite zieht sich mitten durch Amerika, Spanien, Süditalien, Griechenland und die Türkei.
08. Mai Drei Tage vor Beginn der Genfer Außenministerkonferenz zur deutschen Frage tritt US-Außenminister Christian A. Herter im US-Fernsehen entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein.
Wegen der Ermordung eines Polizisten wird in London der 25-jährige Arbeiter Ronald Marwood durch den Strang hingerichtet. In der britischen Hauptstadt kommt es zu Protestdemonstrationen gegen die Hinrichtung.
09. Mai Die Bundesregierung weist in einer Antwortnote an die Regierung der Sowjetunion deren Kritik vom 1. April zurück, die sich entschieden gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr gewandt hatte.
10. Mai Die Neuwahlen zum österreichischen Nationalrat bringen keine großen Veränderungen. Stärkste Fraktion mit 79 Abgeordneten ist wieder die Österreichische Volkspartei von Bundeskanzler Julius Raab, allerdings nur noch mit einem Mandat Vorsprung vor der sozialistischen Partei.
11. Mai In Genf beginnt die Außenministerkonferenz der vier Siegermächte über die Deutschlandfrage und Berlin. Als Berater nehmen auch Delegationen der Bundesrepublik und der DDR an den Verhandlungen teil.
Der Stadtrat von Johannesburg (Südafrikanische Union) beschließt, in Bussen und Straßenbahnen, die von Schwarzen benutzt werden, nun auch farbige Fahrer einzusetzen. Diese erhalten allerdings einen geringeren Lohn als ihre weißen Kollegen.
Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS veröffentlicht die Ergebnisse der ersten Volkszählung, die in der UdSSR seit 1939 vorgenommen wurde. Danach beträgt der Anteil der weiblichen Bevölkerung 55 % (114,8 Mio.), derjenige der männlichen Bevölkerung folglich nur 45 % (94 Mio.).
12. Mai Hinrich Wilhelm Kopf wird in Hannover zum neuen niedersächsischen Ministerpräsidenten einer Regierung aus SPD, FDP und BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) gewählt.
In West-Berlin finden Gedenkfeiern zum 10. Jahrestag der Aufhebung der sowjetischen Blockade und zu Ehren der fast einjährigen US-Luftbrücke zur Versorgung der Westberliner statt.
In Moskau erscheint eine Neufassung der offiziellen Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Sie ersetzt die bisher gültige Parteigeschichte aus der Stalin-Ära.
13. Mai Mit großen Feierlichkeiten wird in Algier der Erhebung der Algerien-Franzosen vor einem Jahr gedacht. Dieser Putsch hatte 1958 zur Rückkehr de Gaulles nach Frankreich geführt.
14. Mai Die Münchener Staatsanwaltschaft erhebt Anklage in der "Spielbanken-Affäre" gegen drei Politiker der Bayernpartei. Der Vorwurf lautet auf Bestechung und Meineid.
Die bundeseigenen Kieler Howaldtswerke erhalten von der Sowjetunion einen Auftrag zum Bau von Frachtschiffen im Wert von rund 40 Mio. DM.
In Paris stirbt Sidney Bechet, einer der wichtigen Solisten des frühen Jazz.
Bei einer Kundgebung des Allgemeinen Irakischen Industrieverbandes in Bagdad kündigt Ministerpräsident Abd Al Karim Kasim die Eisenhower-Doktrin auf. Danach kann der US-Präsident im Nahen Osten auf das Hilfeersuchen eines Staates hin militärisch intervenieren, auch wenn kein unmittelbarer Angriff auf die USA bevorsteht.
15. Mai Der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko schlägt den Westmächten in Genf erneut vor, einen Friedensvertrag mit beiden Teilen Deutschlands abzuschließen. Das Problem der Wiedervereinigung müssten die Bundesrepublik und die DDR dann untereinander verhandeln.
Das schwedische Parlament in Stockholm verabschiedet ein Pensionsgesetz, das jedem Schweden ein Altersruhegeld bis zu zwei Dritteln seines höchsten Einkommens zusichert.
16. Mai In Wien findet ein Sudetendeutscher Tag statt, an dem rund 300.000 Vertriebene aus Böhmen, Mähren und Schlesien teilnehmen.
17. Mai Einem 21-jährigen Postangestellten aus der Mark Brandenburg (DDR) gelingt die Flucht in den Westen Berlins mit einem Postomnibus. Die Volkspolizisten lassen ihn anstandslos die Sektorengrenze überqueren.
Der kubanische Ministerpräsident Fidel Castro unterzeichnet in Havanna ein Agrargesetz, wodurch der Besitz an Grundeigentum in Kuba neu geregelt wird. Landwirtschaftlich nutzbares Land dürfen künftig nur noch kubanische Staatsangehörige besitzen und erben.
18. Mai Weit über 10.000 Ostpreußen fordern in der Westberliner Waldbühne noch einmal ihr Recht auf Selbstbestimmung und Rückkehr in die Heimat.
Die Regierungen der Volksdemokratien Nordvietnam und China protestieren gegen das Vorgehen der Regierung von Laos gegen die kommunistischen Verbände der ehemaligen Partei Pathet Lao (Kommunistische Partei von Laos). Diese waren am 11. Mai von der laotischen Regierung zur Aufgabe gezwungen worden.
19. Mai Der neue Landtag von Rheinland-Pfalz wählt in Mainz den Landesvorsitzenden der CDU, Peter Altmeier, erneut zum Ministerpräsidenten. Die Koalition aus CDU und FDP wird damit fortgesetzt.
In Düsseldorf fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund die Einführung eines neunten und zehnten Schuljahres in allen Ländern der Bundesrepublik. Die beiden neuen Schuljahre sollen nicht der Berufsvorbereitung dienen, sondern die Schüler vor allem auf ihre gesellschaftliche Rolle im Alltag vorbereiten.
20. Mai Das von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß erwirkte Ermittlungsverfahren gegen den Kirchenpräsidenten von Hessen-Nassau, Martin Niemöller, wird von der Staatsanwaltschaft in Kassel eingestellt. Strauß hatte am 28. Januar Strafantrag gegen Niemöller wegen Beleidigung der Bundeswehr gestellt.
21. Mai Der Bundesparteitag der Freien Demokraten in West-Berlin nominiert Max Becker als Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl am 1. Juli.
Das Bezirksgericht Erfurt (DDR) verurteilt einen Bauern und einen Gastwirt zu sieben Jahren Zuchthaus, weil sie den Empfang bundesdeutscher Fernsehsender organisiert und Jugendliche dazu eingeladen haben.
Auf der Genfer Außenministerkonferenz droht der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow erneut damit, dass die Sowjetunion einen separaten Friedensvertrag mit der DDR abschließen werde, falls die Genfer Konferenz über Deutschland scheitern sollte.
Der US-amerikanische Atomwissenschaftler Edward Teller sagt in Milwaukee (Wisconsin) voraus, dass die UdSSR in zehn Jahren "der unumstrittene Führer der Welt auf dem Gebiet der Wissenschaft" sein werde.
Die in Großbritannien lebenden Farbigen bilden ein "Verteidigungskomitee", nachdem in London ein Schwarzer ermordet worden war. Premierminister Harold Macmillan und Innenminister Richard A. Butler erkennen das Komitee offiziell an.
22. Mai Auf dem Bundesparteitag der Freien Demokraten in West-Berlin wird Reinhold Maier zum dritten Mal zum Parteivorsitzenden gewählt.
Bundestagsvizepräsident Carlo Schmid äußert in Bonn die Auffassung, dass es angesichts der nach dem Krieg geschaffenen Tatsachen kaum möglich sein werde, das Heimatrecht der Vertriebenen zu verwirklichen.
Das Bundesarbeitsministerium lehnt die Zulassung von Selbstbedienungstankstellen, wie sie in Schweden eingeführt wurden, aus Sicherheitsgründen ab.
In Düsseldorf tagt in Anwesenheit des Bundeswohnungsbauministers Paul Lücke das Präsidium des Deutschen Städtetages.
In Graz stirbt die österreichische Ärztin Oktavia Aigner-Rollett. Sie war die zweite Frau, die an der Universität Graz das Studium der Medizin abgeschlossen hat, die erste Frau, die in Graz als Ärztin eine Praxis eröffnete und erste Sekundarärztin in Österreich.
23. Mai Der zehnte Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes wird in Bonn feierlich begangen. Bundeskanzler Konrad Adenauer betont seine Hoffnung, dass eine von einer gesamtdeutschen Nationalversammlung geschaffene Verfassung das Grundgesetz eines Tages ablösen werde.
Auf dem Landesparteitag der Westberliner Sozialdemokraten wählen die Delegierten den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt für weitere zwei Jahre zu ihrem Vorsitzenden.
24. Mai Der Erste Sekretär der SED Walter Ulbricht schlägt vor dem SED-Zentralkomitee in Ost-Berlin den Abschluss eines Nichtangriffspaktes zwischen der Bundesrepublik und der DDR vor.
Der amerikanische Außenminister John Foster Dulles stirbt in Washington (D.C.).
25. Mai Wegen der Annahme von Bestechungsgeldern verurteilt das Bonner Landgericht sieben ehemalige Beamte des Besatzungsschädenamtes zu langjährigen Freiheitsstrafen.
27. Mai Der Stichtag des sowjetischen Berlin-Ultimatums von 27. November 1958 verstreicht, ohne dass es zu politischen Konsequenzen kommt.
Die Gesellschaften, die in der Bundesrepublik auf dem Gebiet der zivilen Nutzung von Kernenergie tätig sind, gründen das "Deutsche Atomforum".
Anlässlich der Begräbnisfeierlichkeiten für den ehemaligen US-Außenminister John Foster Dulles weilt Bundeskanzler Konrad Adenauer in Washington und erörtert dort mit US-Präsident Dwight D. Eisenhower den bisherigen Verlauf der Genfer Deutschlandkonferenz der Siegermächte.
In Katmandu vereidigt König Mahendra Bir Bikram Schah die erste gewählte Regierung des Königreichs Nepal.
28. Mai Die dritte Bundesfrauenkonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bremen fordert gleiche Löhne für Männer und Frauen.
Das US-Repräsentantenhaus in Washington bewilligt ein Verteidigungsbudget von umgerechnet 160 Mrd. DM. Das entspricht dem vierfachen Gesamthaushalt der Bundesrepublik.
In der Nähe der Karibik-Insel Antigua gelingt es der US-amerikanischen Armee zum ersten Mal, zwei Affen nach einem Weltraumflug mit einer "Jupiter"-Rakete lebend und unverletzt zu bergen.
29. Mai Auf der Deutschlandkonferenz in Genf treten die Delegationen der Westmächte und der Sowjetunion zum ersten Mal zu Geheimverhandlungen ohne deutsche Berater zusammen.
30. Mai Streiks und Umsturzversuche sorgen in den lateinamerikanischen Ländern Peru, Paraguay, Ecuador und Nicaragua für Unruhe.
31. Mai Bei den Senatswahlen in der französischen Kolonie Algerien setzen sich erneut die konservativen Kreise der Großgrundbesitzer durch, die gegen die gaullistische Politik einer Versöhnung zwischen einheimischer Bevölkerung und Franzosen sind.
01. Juni Die Bemühungen um die Lösung des Deutschlandproblems werden mit stillschweigender Billigung aller Beteiligten von der Tagesordnung der Genfer Außenministerkonferenz gestrichen. Behandelt wird nur noch die Berlin-Frage.
Die britische Kronkolonie Singapur erhält als Staat im britischen Commonwealth die Selbstverwaltung.
In einer feierlichen Sitzung verabschiedet die tunesische Nationalversammlung in Tunis die erste Verfassung Tunesiens.
Der nicaraguanische Präsident Luis Anastasio Somoza Debayle verhängt den Belagerungszustand über das Land. Er begründet die Maßnahme mit wachsenden oppositionellen Aktivitäten gegen seine diktatorische Regierung.
Franzosen, die ins Ausland reisen wollen, können wieder Devisen bei französischen Banken kaufen. Die Höchstgrenze ist auf umgerechnet 420 DM pro Kopf festgesetzt worden.
02. Juni Der Westberliner Senat beschließt die Umbenennung einer Straße im Tiergarten in "John-Foster-Dulles-Allee". Damit soll der am 24. Mai verstorbene US-Außenminister wegen seines Eintretens für Berlin besonders geehrt werden.
Das Hauptquartier der US-Einheiten in West-Berlin ordnet an, dass weibliche Angehörige der US-Garnison künftig in der Öffentlichkeit keine Blue Jeans, Shorts oder eng anliegenden Badeanzüge mehr tragen dürfen.
In Bremen stirbt der deutsche Bootsbauer, Yachtkonstrukteur und Werftbesitzer Henry Rasmussen.
03. Juni In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 3 gestartet, er ereicht jedoch nicht den Orbit.
Die Volkskammer der DDR beschließt ein Gesetz über die Einrichtung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und den Beginn der endgültigen Vergesellschaftung der Landwirtschaft.
Die Westmächte empfehlen der Bundesrepublik in Genf, die Wahl des Bundespräsidenten am 1. Juli nicht in West-Berlin abzuhalten.
In Ost-Berlin findet eine internationale Pressekonferenz über den "Agentensumpf Westberlin" statt.
In Indonesien wird der Ausnahmezustand ausgerufen, nachdem Präsident Achmed Sukarno am Vortag in der Verfassungsgebenden Versammlung mit seinem Versuch gescheitert war, die autoritäre Verfassung von 1945 wieder in Kraft zu setzen.
04. Juni Im Zuge einer Bodenreform enteignet Kuba ausländischen Besitz.
05. Juni Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt seinen Verzicht auf die Kandidatur zum Bundespräsidenten. Heinrich Lübke wird nun als Kandidat der CDU/CSU aufgestellt.
Die syrisch-jordanische Grenze wird auf Veranlassung Syriens (Vereinigte Arabische Republik) geschlossen. Es handelt sich dabei um eine Vergeltung für die Weigerung Jordaniens, syrische Bauern ihre auf jordanischem Gebiet liegenden Felder bearbeiten zu lassen.
06. Juni In Karlsruhe wird die Badische Volkspartei gegründet, deren wichtigstes Ziel die Wiederherstellung des Landes Baden und damit die Auflösung des Bundeslandes Baden-Württemberg ist.
08. Juni Griechenland stellt einen Antrag auf Assoziierung mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) .
Das US-amerikanische Postministerium in Washington gibt die erste Postzustellung durch einen ferngelenkten Flugkörper bekannt. Das Lenkgeschoß vom Typ "Regulus" beförderte von einem Unterseeboot etwa 3.000 Briefe nach dem Marinestützpunkt Mayport in Florida.
09. Juni In Göttingen stirbt der deutsche Chemiker und Nobelpreisträger (Chemie 1928) Adolf Otto Reinhold Windaus.
Auf der konstituierenden Sitzung des neu gewählten österreichischen Nationalrates wird der bisherige Außenminister Leopold Figl (Österreichische Volkspartei) einstimmig zum Parlamentspräsidenten gewählt.
Über den Wunsch Frankreichs, in der NATO (Nordatlantisches Verteidigungsbündnis) eine größere Rolle zu spielen, kommt es zu einem offenen Konflikt zwischen den westlichen Großmächten. Frankreich weigert sich, Atomwaffen auf französischem Boden zu lagern, sofern die "Grande Nation" nicht auch die Kontrolle über diese Waffen erhält.
In Groton (USA) läuft das erste Atom-Unterseeboot mit Polaris-Atomraketen vom Stapel.
10. Juni Rund 92,5 % der in einer CDU-Umfrage in Hamburg erfassten Bürger halten die Entscheidung Konrad Adenauers, Bundeskanzler zu bleiben, für falsch.
Bundespräsident Theodor Heuss überreicht in Bonn dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes Robert Schumann in Anerkennung seiner Verdienste um die europäische Zusammenarbeit das Große Bundesverdienstkreuz.
Auf der Genfer Konferenz überrascht der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko seine westlichen Kollegen mit einem neuen Berlin-Ultimatum. Hierin wird u. a. gefordert, dass die Bundesrepublik und die DDR innerhalb eines Jahres über einen Friedensvertrag und über die Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten verhandeln.
11. Juni Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle empfängt in Paris den Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt. Brandt bekundet erneut das Vertrauen der Westberliner Bevölkerung in die Sicherheitsgarantien der Westmächte.
Wegen Mordes an sieben Juden im polnischen Getto Tschenstochau verurteilt das Hanauer Schwurgericht den ehemaligen Polizeiwachtmeister Wilhelm Unkelbach zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe.
Die von der französischen Regierung unter Ministerpräsident Michel Debré geplanten Maßnahmen, die eine Verschmelzung der Kolonie Algerien mit der Verwaltung im Mutterland fördern sollen, werden von der Nationalversammlung in Paris mit überwältigender Mehrheit gebilligt.
Die sowjetische Parteizeitung "Prawda" veröffentlicht einen Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, wonach der ursprüngliche Siebenjahresplan auf sechs Jahre verkürzt wird. Schon 1964 sollen die USA wirtschaftlich eingeholt werden.
12. Juni Mit den Stimmen der Koalitionsparteien CDU/CSU und DP (Deutsche Partei) verabschiedet der Bundestag den Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1959/60.
Wegen Unstimmigkeiten bezüglich des neuen kommunistischen Kurses gibt der kubanische Außenminister Roberto Agramonte sein Amt auf.
13. Juni Der Parteivorstand der SPD leitet in Bonn ein Parteiordnungsverfahren gegen den früheren Bundesvorsitzenden des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes Oswald Hüller ein, weil dieser Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR sowie eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens gefordert hatte.
Bei den seit Tagen andauernden Demonstrationen gegen die kommunistische Regierung des südindischen Bundesstaates Kerala kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten.
14. Juni In München stirbt der deutsche Drehbuchautor, Regisseur und Volksschauspieler Joe Stöckel.
Mehr als 500 Menschen gedenken im Großen Haus der Städtischen Bühne in Frankfurt am Main der 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordeten Anne Frank. Die durch ihr veröffentlichtes Tagebuch mit Aufzeichnungen über ihr erschütterndes Schicksal unter deutscher Besatzung in Amsterdam (1942 bis 1944) bekannte Jüdin wäre am 12. Juni 30 Jahre alt geworden.
15. Juni Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Konrad Adenauer von der Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten nominieren CDU und CSU Landwirtschaftsminister Heinrich Lübke als neuen Kandidaten.
Die Regierungsbildung in Österreich führt zu einer Krise in der Österreichischen Volkspartei. Bundeskanzler Julius Raab, der dem Koalitionspartner SPÖ (Sozialistische Partei Österreichs) den Posten des Finanzministers angeboten hatte, kann sich mit diesem Vorhaben in den eigenen Reihen nicht durchsetzen.
16. Juni Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Niederlanden wird ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen.
Zwei MIG-Düsenjäger unbekannter Herkunft greifen über internationalen Gewässern etwa 136 km vor der nordkoreanischen Küstenstadt Wonsan ein US-amerikanisches Marine-Patrouillenflugzeug an. Dabei wird ein US-Besatzungsmitglied schwer verletzt.
N'Garta Tombalbaye wird Premierminister der Republik Tschad, die seit 1958 ein autonomer Staat innerhalb der Französischen Gemeinschaft ist.
17. Juni In zahlreichen Feierstunden und Kundgebungen wird in der Bundesrepublik und West-Berlin der Opfer des Aufstandes gedacht, mit dem sich am 17. Juni 1953 die Bevölkerung der DDR gegen ihre Regierung erhoben hatte.
Der 76-jährige Eamon de Valera, der insgesamt 21 Jahre lang irischer Ministerpräsident war, wird zum Staatspräsidenten der Republik Irland gewählt.
18. Juni Als Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin übernimmt Bundespräsident Theodor Heuss das wieder aufgebaute Schloss Bellevue.
Die schwarze Bevölkerung der südafrikanischen Stadt Durban erhebt sich gegen die weiße Regierungsmacht. Die Polizei geht mit Tränengas gegen demonstrierende Frauen vor.
Im Interesse eines beschleunigten Straßenbaus stellt das Bundeskabinett acht Mrd. DM zur Verfügung.
Ein von der Opposition gegen den spanischen Diktator Francisco Franco Bahamonde angekündigter Generalstreik endet mit dem erwarteten Misserfolg. Der Grund für das Scheitern ist in erster Linie die Uneinigkeit der Franco-Gegner.
In Beverly Hills stirbt die amerikanische Schauspielerin Ethel Barrymore.
19. Juni Eine scharfe Auseinandersetzung zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard bestimmt das tagespolitische Geschehen in der Bundesrepublik. In einem Interview mit der New York Times hatte Adenauer angedeutet, dass er Erhard nicht für einen geeigneten Nachfolger in seinem Amt halte.
Übermittlung des Entwurfs eines deutsch-deutschen Nichtangriffspaktes an Bundesaußenminister Heinrich von Brentano und die anderen Konferenzdelegationen in Genf durch DDR-Außenminister Lothar Bolz.
20. Juni Nach sechswöchigen Verhandlungen, die keine merkliche Annäherung zwischen West und Ost gebracht haben, vertagen die Außenminister der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion ihre Genfer Deutschlandkonferenz. Die Gespräche sollen am 13. Juli fortgesetzt werden.
21. Juni Der Zentralrat der Juden in Deutschland verfolgt mit wachsender Besorgnis ein Wiederaufleben antisemitischer Erscheinungen in der Bundesrepublik und die Rückkehr ehemaliger Nationalsozialisten in Schlüsselstellungen. Dies wird in einer Entschließung auf der Jahressitzung des Rats in Düsseldorf festgestellt.
22. Juni In Wiesbaden stirbt der deutsche Politiker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Thüringens erster Regierungspräsident nach dem Zweiten Weltkrieg, Hermann Brill.
Während der Untersuchungshaft in der Landesstrafanstalt Hohenasperg tötet sich der kurz vorher identifizierte und verhaftete ehemalige hohe SS-Funktionär Karl Jäger selbst.
Die argentinischen Streitkräfte erzwingen den Rücktritt der Regierung. Sie beschuldigen Staatspräsident Arturo Frondizi, Kommunisten und Anhänger des ehemaligen argentinischen Präsidenten Juan Domingo Perón in die Regierung aufgenommen zu haben.
23. Juni Der in Deutschland geborene Atomphysiker Klaus Fuchs wird aus der britischen Haftanstalt Wakefield vorzeitig entlassen. Wegen des Verrats britischer Atomgeheimnisse an die Sowjetunion war der ehemalige KPD-Funktionär und spätere britische Staatsbürger 1950 zu einer Gefängnisstrafe von 14 Jahren verurteilt worden.
In Paris stirbt der französische Schriftsteller, Jazztrompeter und Chansonnier Boris Vian.
24. Juni Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (CDU) entscheidet, dass die Berliner Mitglieder der Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten volles Stimmrecht haben.
25. Juni Während eines Staatsbesuches in Italien wirbt der französische Präsident Charles de Gaulle für eine Mittelmeer-Allianz zwischen Frankreich, Italien, Marokko und Tunesien. Ziel soll u. a. die Minderung der Spannungen zwischen Israel und den arabischen Ländern sein.
Eamon de Valera wird Staatspräsident von Irland.
In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 4 gestartet, er ereicht jedoch nicht den Orbit.
26. Juni Nach dem Bundestag verabschiedet nun auch der Bundesrat die Gesetze zur wirtschaftlichen Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik.
27. Juni Als Spitzenorganisation der christlichen Gewerkschaften wird in Mainz der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) gegründet.
Die Sowjetunion protestiert gegen die Abhaltung der Bundespräsidentenwahl am 1. Juli in West-Berlin. Dies sei eine Provokation und verstoße gegen den Vier-Mächte-Status der Stadt.
28. Juni Auf ihrem Parteitag in Zürich beschließen die schweizerischen Sozialdemokraten ein neues Parteiprogramm, in dem keinerlei marxistische Standpunkte mehr vertreten werden. Der Begriff des "Klassenkampfes" ist nicht mehr enthalten. Kein Wirtschaftszweig wird für eine Verstaatlichung empfohlen.
29. Juni Der Erste stellvertretende sowjetische Ministerpräsident Frol R. Koslow eröffnet in New York eine Ausstellung, in der die Sowjetunion einen Querschnitt aus Kultur, Wissenschaft und Technik zeigt.
30. Juni Der Minister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), teilt in Bonn mit, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 74.377 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik geflüchtet sind.
Bei der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung sind erstmals seit 1949 mehr offene Stellen als Arbeitslose registriert. 255.395 Erwerbslosen stehen 319.455 nicht besetzte Arbeitsplätze gegenüber.
Nach Angaben des Bundesministeriums für Familien- und Jugendfragen ist der Zigarettenverbrauch in der Bundesrepublik im ersten Halbjahr 1959 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 7 % gestiegen.
Im Namen von 56 Mio. Mitgliedern aus 97 Ländern tritt der Internationale Bund Freier Gewerkschaften in West-Berlin für die Sicherung des Weltfriedens und der Freiheit ein. Der Westberliner Bevölkerung wird jede denkbare Unterstützung zugesagt.
In Mexiko-Stadt stirbt der mexikanische Politiker, Schriftsteller und Philosoph José Vasconcelos Calderón.
01. Juli Heinrich Lübke wird in West-Berlin zum neuen Bundespräsidenten gewählt.
In der bayerischen Kleinstadt Wörth treten der Bürgermeister sowie die Stadträte zurück, um gegen die Auflösung der dortigen Amtsgerichtszweigstelle zu protestieren. Aus dem gleichen Grund treten die öffentlichen Bediensteten in einen Streik.
Die Mehrheit des israelischen Parlaments billigt einen Vertrag über Waffenlieferungen an die Bundesrepublik und stellt sich damit hinter die in Israel heftig umstrittene Politik von Ministerpräsident David Ben Gurion.
In der Vereinigten Arabischen Republik wird ein Gesetz wirksam, nach dem im Schriftverkehr von Behörden und Firmen ausschließlich arabische Schriftzeichen verwendet werden müssen.
Für eine Reihe von Konsumgütern des Massenbedarfs wie Fahrräder und Uhren treten in der Sowjetunion Preissenkungen zwischen 16 und 21 % in Kraft.
02. Juli Durch ein Großfeuer im Pentagon, dem Sitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums, werden wichtige Geheimdokumente vernichtet. Es entsteht ein Sachschaden von umgerechnet 125 Mio. DM.
Die Sowjetunion schießt eine Rakete mit zwei Hunden und einem Kaninchen an Bord in den Weltraum, die nach der Landung am 6. Juli unversehrt geborgen werden.
03. Juli Der französische Verteidigungsminister Pierre Guillaumat kündigt in einem Rundfunkinterview an, dass Frankreich demnächst über Atomwaffen verfügen werde.
Die Verhandlungen des UNO-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld mit der Regierung der Vereinigten Arabischen Republik in Kairo über die Öffnung des Suezkanals für israelische Schiffe enden ohne Ergebnis.
Auf einer internationalen Konferenz in Kopenhagen gegen Verschmutzung der Meere durch Öl wird ein totales Verbot für die Ölentleerung durch Schiffe auf See gefordert.
In Oslo stirbt der norwegische Schriftsteller Johan Bojer.
04. Juli In Dänemark und Indonesien werden deutsche Vermögenswerte, die während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt worden waren, wieder freigegeben.
05. Juli Der israelische Ministerpräsident David Ben Gurion tritt nach Differenzen im Kabinett über das Waffengeschäft mit der Bundesrepublik von seinem Amt zurück.
Der indonesische Staatspräsident Achmed Sukarno löst die Verfassungsgebende Versammlung des Landes auf und setzt die Verfassung außer Kraft. Er selbst erhält dadurch nahezu diktatorische Vollmachten.
06. Juli Das Saarland, das bisher zum französischen Währungsgebiet gehörte, wird in das bundesdeutsche Wirtschaftsgebiet eingegliedert, der Saar-Franken von der Deutschen Mark abgelöst.
Der Maler George Grosz stirbt kurz nach seiner Rückkehr aus dem US-amerikanischen Exil in West-Berlin.
07. Juli Vor dem Landgericht München beginnt der sog. Spielbankenprozess, in dem u. a. drei Politiker der Bayernpartei wegen Meineids unter Anklage stehen. Sie sollen bestochen worden sein, um für die Einrichtung von Spielbanken in Bayern zu stimmen.
Der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer verzichtet darauf, 1961 erneut als Kanzlerkandidat seiner Partei bei den Bundestagswahlen anzutreten.
Nach dem Ablauf der Währungsvereinbarungen mit Frankreich wird die D-Mark auch im Saarland offizielle Währung.
08. Juli Der bisherige Berliner Senatsdirektor für Volksbildung, Heinrich Albertz (SPD), wird Chef der Senatskanzlei.
09. Juli Mit einem einstündigen Streik protestieren über 200.000 Saarländer in mehreren Städten des Bundeslandes gegen die nach ihrer Meinung überhöhten Preise nach der wirtschaftlichen Eingliederung in die Bundesrepublik.
Die Münchner SPD nominiert den 33-jährigen Rechtsreferenten Hans-Jochen Vogel zum Kandidaten für die Wahl des Oberbürgermeisters im Frühjahr 1960.
10. Juli Die CDU bringt einen Gesetzesentwurf in den Bundestag ein, der die Übernahme des Volkswagenwerkes in den Besitz des Bundes und eine spätere Privatisierung des Unternehmens vorsieht.
In Italien treten eine Million Arbeiter in der Metallindustrie in einen auf fünf Tage befristeten Streik, um Lohnerhöhungen zwischen 13 und 18 % durchzusetzen.
11. Juli In Luxemburg wird ein Ausgleichsvertrag zwischen der Bundesrepublik und Luxemburg unterzeichnet. Darin verpflichtet sich die Bundesrepublik zu Wiedergutmachungsleistungen für im Zweiten Weltkrieg erlittenes Unrecht in Höhe von 90 Mio. DM. Luxemburg gibt die beschlagnahmten deutschen Vermögen frei.
Zum Abschluss des Staatsbesuchs des äthiopischen Kaisers Haile Selassie I. in Moskau wird ein Handels- und Kulturabkommen zwischen der Sowjetunion und Äthiopien abgeschlossen.
13. Juli Als Demonstration für Frieden und Freiheit zum Wiederbeginn der Genfer Außenministerkonferenz ruht im Bundesgebiet und in West-Berlin für zwei Minuten die Arbeit. Nach dreiwöchiger Verhandlungspause treten in Genf die Außenminister erneut zu Beratungen über einen Friedensvertrag mit Deutschland zusammen.
Der frühere US-Botschafter in der Sowjetunion und Gouverneur von New York, Averell Harriman, plädiert für die De-facto-Anerkennung der DDR und löst damit heftige Proteste in der Bundesrepublik aus.
14. Juli Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erklärt das vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Errichtung der Stiftung "Preußischer Kulturbesitz" für verfassungsgemäß. Die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen hatten eine Normenkontrollklage eingereicht.
Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist die Begrenzung der Redezeit im Bundestag und ihre Aufteilung nach der Stärke der Fraktionen nicht grundgesetzwidrig. Mehrere SPD-Abgeordnete hatten gegen diese Geschäftsordnungspraxis Klage eingereicht, da die Redezeiten der Regierungsmitglieder nicht gerechnet werden.
In Imperia, Italien, stirbt der Musikclown und Komponist Charles Adrien Wettach, besser bekannt unter dem Namen "Grock".
In den USA beginnt ein unbefristeter Streik von 500.000 Stahlarbeitern. Die Stahlarbeitergewerkschaft fordert die Erhöhung des Stundenlohnes um 15 Cents (etwa 63 Pfennig) und bessere Sozialleistungen. Durch den Streik werden über 90 % der Stahlproduktion stillgelegt.
Der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow trifft zu einem zehntägigen Besuch der Volksrepublik Polen in Warschau ein.
15. Juli Vor dem Kongress der Sozialistischen Internationale in Hamburg fordert der Vorsitzende der britischen Labour Party und Oppositionsführer im Unterhaus, Hugh Gaitskell, die Neutralisierung eines in Zukunft wiedervereinigten Deutschlands.
Als Übergang von der alten Währung zum neuen "harten" Franc werden in Frankreich Banknoten ausgegeben, auf die beide Werte aufgedruckt sind. Die endgültige Umstellung auf den neuen Franc soll am 1. Januar 1960 wirksam werden.
In Mailand stirbt der italienische Arzt, Psychologe und Gründer der "Katholischen Universität vom Heiligen Herzen" im Mailand, Agostino Gemelli.
16. Juli Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verurteilt sechs Mitglieder der seit 1956 verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) wegen illegaler Betätigung für eine verfassungswidrige Organisation zu Freiheitsstrafen zwischen 12 und 30 Monaten.
Der japanische Ministerpräsident Nobosuke Kischi trifft zu einem offiziellen Besuch in der Bundesrepublik ein.
Auf der Genfer Außenministerkonferenz schlägt der US-amerikanische Außenminister Christian A. Herter vor, die Vereinten Nationen (UNO) mit der Überwachung subversiver Aktionen in beiden Teilen Berlins zu beauftragen.
Nach schwierigen Koalitionsverhandlungen mit der Sozialistischen Partei (SPÖ) stellt der österreichische Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP) sein drittes Kabinett vor. Neuer Außenminister ist der bisherige Staatssekretär Bruno Kreisky (SPÖ).
17. Juli Der saarländische Landtag in Saarbrücken verabschiedet ein Wiedergutmachungsgesetz, das allen Bewohnern Entschädigungen zubilligt, die in der Zeit der französischen Verwaltung des Landes gegen die Lostrennung der Saar von Deutschland protestiert und deswegen Nachteile erlitten hatten.
Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach hat Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wegen seiner Entscheidung, auf das Amt des Bundespräsidenten zu verzichten und Kanzler zu bleiben, an Popularität eingebüßt. Während im Mai 48 % der Befragten mit seiner Politik einverstanden waren, geht die Zustimmung im Juli auf 43 % zurück.
Der kubanische Staatspräsident Manuel Urrutia Lleo wird durch scharfe Angriffe von Ministerpräsident Fidel Castro zum Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger wird der bisherige Minister für revolutionäre Gesetzgebung, Osvaldo Dorticós Torrado. Castro hatte zuvor seinen Rücktritt erklärt, der jedoch von Dorticós nicht angenommen wird.
In New York City stirbt die amerikanische Jazzsängerin Billie Holiday.
18. Juli Als erster Schritt einer Wirtschaftsreform in Spanien wird der Kurs der Peseta um 40 % abgewertet. Für 100 Peseten müssen nun 7 DM gezahlt werden.
19. Juli Neun Mitglieder eines südafrikanischen Jazzorchesters bitten während einer Konzerttournee in Schweden um politisches Asyl.
20. Juli In Anwesenheit von Schriftstellern und Dichtern aus 38 Ländern wird in der Frankfurter Paulskirche der XXX. Kongress des PEN-Club eröffnet, der bis zum 25. Juli dauert.
Da wegen der anhaltenden Trockenheit die Milch in der DDR rationiert ist, bietet die Bundesregierung Milchlieferungen an. Die DDR-Behörden weisen dieses Angebot zurück.
Der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow sagt seinen geplanten Besuch der skandinavischen Länder ab. Zur Begründung führt er die angeblich unfreundliche Haltung der Öffentlichkeit dieser Länder gegenüber der Sowjetunion an.
In Stockholm einigen sich die Vertreter der skandinavischen Staaten, Österreichs, Portugals, der Schweiz und Großbritanniens über die Bildung einer Freihandelszone (EFTA).
Spanien wird als 18. Mitglied in die Europäische Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) aufgenommen. Das Land erhält von der OEEC einen Kredit in Höhe von umgerechnet 420 Mio. DM.
21. Juli Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich wird ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen.
Nach einem Bericht des Deutschen Industrieinstituts in Köln sind in der DDR 43,5 % aller Frauen berufstätig. In der Bundesrepublik beträgt der Anteil weiblicher Beschäftigter etwa 34 %.
Der US-amerikanischen Luftwaffe gelingt es, eine Interkontinentalrakete vom Typ "Atlas" 9.000 km weit zu schießen und den Raketenkopf im Südatlantik zu bergen. Damit gelingt erstmals die Bergung einer Raketenspitze.
22. Juli Zum ersten Mal wird in einem bundesdeutschen Wirtschaftszweig die 42,5-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Gehaltsausgleich tarifvertraglich festgelegt. Darauf einigen sich in Frankfurt am Main der Arbeitgeberverband der Süßwarenindustrie und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die Regelung tritt am 1. Januar 1960 in Kraft.
Bei den Feiern zum 15. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik Polen bekräftigt der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow die Forderung nach einem Friedensvertrag mit Deutschland und nach Festschreibung der bestehenden Grenzen.
23. Juli Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Richard M. Nixon, trifft zu einem offiziellen Besuch in der Sowjetunion ein, wo er sich bis zum 2. August aufhalten will.
In Algerien beginnen die französischen Truppen die bisher größte Offensive gegen die algerischen Widerstandskämpfer in den Kabylischen Bergen.
Die Regionalregierung in Trient (Italien) verabschiedet ein Sprachengesetz für Südtirol.
24. Juli Der Internationale Juristenkongress in Genf beschuldigt die Volksrepublik China, durch Massenhinrichtungen von Tibetern und systematische Verschleppung von Kindern die tibetische Nation ausrotten zu wollen.
In Stuttgart stirbt der Politiker und ehemalige württembergische Finanzminister Alfred Dehlinger.
25. Juli Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge protestiert gegen die von den chinesischen Behörden vorgesehene Auflösung der deutschen Friedhöfe in China. Dort ruhen 800 Tote aus dem Ersten Welt krieg und aus der Zeit vor 1914.
In Nabern/Teck stirbt der deutsche Segelflugpionier Wolf Hirth.
Wegen Versorgungsengpässen übernimmt die DDR von der Bundesrepublik 2.000 Rinder im Gegenwert von 2 Mio. Verrechnungseinheiten.
Der Ministerrat der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft billigt den Beitritt Griechenlands als assoziiertes Mitglied.
26. Juli In Freilassing stirbt der Brunnenbauer, Rutengänger und Hellseher Alois Irlmaier.
Der kubanische Ministerpräsident Fidel Castro, der am 17. Juli seinen Rücktritt erklärt hatte, nimmt die Amtsgeschäfte wieder auf.
28. Juli Der SPD-Parteivorstand ermahnt den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), zur Linie der Partei zurückzukehren. Der SDS hatte auf seinem Frankfurter Kongress im Mai Verständnis für die Politik der DDR in der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands gezeigt.
In New York City stirbt der deutsche Schauspieler und Synchronsprecher Clemens Hasse.
29. Juli Das Bundesverfassungsgericht korrigiert das so genannte Gleichberechtigungsgesetz und hebt die Vorrechte des Vaters bei der Erziehung der Kinder auf.
Die in Genf versammelten Außenminister der vier Großmächte beschließen die Konferenz am 5. August zu beenden, auch wenn bis dahin keine Einigung in der Berlin-Frage erzielt worden ist.
Über 5.000 algerische Strafgefangene in den französischen Gefängnissen treten in einen Hungerstreik, weil ihnen die Anerkennung als politische Gefangene verweigert wird.
30. Juli Die Sowjetunion gewährt Indien einen Kredit in Höhe von umgerechnet 1,6 Mrd. DM. Von den USA wird ein Kredit in fünffacher Höhe erwartet.
Die Grenze zu Syrien, die Jordanien im Juni nach Grenzzwischenfällen geschlossen hatte, wird wieder geöffnet.
31. Juli Die Türkei stellt einen Antrag auf Assoziierung mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).
Wegen der angespannten Fleischversorgung bestimmt die polnische Regierung jeden zukünftigen Montag zum fleischlosen Tag.
In Spanien gründet eine Gruppe junger Basken die links orientierte, separatistische baskisch-nationalistische Untergrundorganisation "Euskadi Ta Askatasuna".
01. August Die zollfreie Einfuhr von Butter im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs wird von 1.000 g auf 250 g beschränkt, und statt 2.000 g Zucker dürfen nur noch 500 g zollfrei eingeführt werden. Durch diese Maßnahme soll der "Buttertourismus" eingeschränkt werden, der sich infolge der starken Preissteigerungen in der Bundesrepublik entwickelt hatte.
02. August Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Richard M. Nixon, beendet seinen Besuch in der Sowjetunion und reist nach Warschau weiter.
Der schweizerische Außenminister Max Petitpierre fordert in Bern die Aufgabe der strikten Neutralitätspolitik der Schweiz. Die Eidgenossenschaft müsse stärker zur Einheit und sozialen Stabilität Europas beitragen.
Nach sechs Wochen Dauer geht der Streik in den britischen Druckereibetrieben zu Ende. Die Tarifpartner einigen sich auf die Einführung der 42,5-Stunden-Woche.
03. August Der SPD-nahe Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) bekennt sich nach internen Auseinandersetzungen dazu, dass Kommunismus und demokratischer Sozialismus politisch unvereinbar seien.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower teilt auf einer Pressekonferenz in Washington mit, dass der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow eine Einladung in die Vereinigten Staaten angenommen habe und er selbst Ende des Jahres in die Sowjetunion reisen wolle.
In Stockholm beginnt die 12 Tage dauernde Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses, die von den Vereinten Nationen (UNO) die Einrichtung eines Weltkonvents gegen Antisemitismus fordert.
04. August Die Regierung des Königreiches Laos proklamiert in fünf von zehn Provinzen des Landes den Notstand, um die Operationen kommunistischer Rebellen wirksamer bekämpfen zu können.
05. August In der DDR wird eine staatliche Untersuchung abgeschlossen, die den Bedarf an verschiedenen Kleidergrößen feststellen sollte. Beim DDR-Wirtschaftsministerium waren zahlreiche Beschwerden eingegangen, dass Damenbekleidung ab Größe 46 nur schwer erhältlich sei.
Die Genfer Außenministerkonferenz der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs wird ohne konkretes Ergebnis beendet.
Über die venezolanische Hauptstadt Caracas wird der Ausnahmezustand verhängt, nachdem es zu blutigen Straßenschlachten zwischen Arbeitslosen und der Polizei gekommen war. Grund für die Ausschreitungen ist die Aufhebung des Notstandsprogramms, das befristete Arbeitsplätze geschaffen hatte.
06. August Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm (Deutsche Partei) erklärt in Bonn, dass die Bundesregierung mehrere hundert Mio. DM in den Ausbau der Flughäfen investieren müsse, damit geeignete Rollbahnen für die ab 1965 zu erwartenden Überschallflugzeuge zur Verfügung stünden.
Die indische Regierung protestiert in Peking gegen die Behinderung des Handels mit Tibet durch chinesische Behörden.
07. August In der Bundesrepublik beginnt die Stationierung US-amerikanischer "Mace"-Geschosse, die eine Reichweite von 1.300 km besitzen und mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden können.
Von der US-Raumfahrtbasis Kap Canaveral wird der Satellit Explorer VI mit einer Drei-Stufen-Rakete abgeschossen. Der 63,9 kg schwere Erdtrabant soll die Strahlungshülle der Erde erforschen.
In Nizza stirbt der finnische Komponist Armas Launis.
08. August Im "Spielbanken-Prozess" verkündet das Landgericht München drakonische Strafen. Alle fünf Angeklagten, drei davon prominente Mitglieder der Bayernpartei, werden wegen Meineids zu Freiheitsstrafen zwischen 15 und 33 Monaten verurteilt.
Die Konferenz der unabhängigen afrikanischen Staaten in der liberianischen Hauptstadt Monrovia verurteilt den Einsatz ausschließlich farbiger Truppen durch Frankreich im Krieg gegen Algerien und bezeichnet dieses Vorgehen als Brudermord.
09. August In Stuttgart geht das dreitägige Bundesfest der katholischen Jugend zu Ende. Bei der Veranstaltung, an der 80.000 Jugendliche teilnahmen, wurde bewusst auf politische Themen verzichtet.
In der japanischen Stadt Nagasaki finden Gedenkfeiern für die 73.000 Toten statt, die 1945 Opfer des Atombombenabwurfs durch die USA geworden waren.
In Prag stirbt der tschechische Komponist, Dichter, Publizist, Sänger, Schauspieler, Musiker, Dramatiker, Regisseur und Dramaturg Emil František Burian.
10. August Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Willi Richter, fordert in Düsseldorf die Einführung der 40-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.
In Bonn stellt das Verteidigungsministerium den neuen Kampfanzug für die Bundeswehr vor. Er besteht aus drei statt bisher zwei Teilen und ist aus Wolle gefertigt.
In der DDR werden nach einem Bericht des Bielefelder Informationsdienstes "Kirche und Fernsehen" zukünftig Eltern bestraft, wenn sie zulassen, dass Kinder und Jugendliche westliche Rundfunk- und Fernsehsendungen empfangen.
11. August Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Karl-Günther von Hase, weist Berichte der britischen Zeitung "Daily Herald" zurück, die Bundesrepublik sei an der Herstellung der französischen Atombombe beteiligt.
Das Deutsche Industrieinstitut in Köln weist die Forderung der Gewerkschaften nach Einführung der 40-Stunden-Woche in allen Tarifbereichen als nicht finanzierbar zurück.
Die bayerische Staatsregierung beschließt, keine neuen Konzessionen für Spielbanken zu erteilen und die bestehenden Spielbanken in Garmisch-Partenkirchen, Bad Wiessee, Bad Kissingen und Bad Reichenhall bis 1965 zu schließen.
Nach einer Meldung der DDR-Nachrichtenagentur ADN werden bisher 40,5 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der DDR von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften bewirtschaftet.
In der zyprischen Hauptstadt Nikosia wird die Gründung einer neuen griechischen Untergrundorganisation bekannt gegeben, die für den Anschluss Griechenlands an Zypern kämpft.
12. August Der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower kündigt in Gettysburg an, er werde mit einer neuen Politik die "erstarrte Aussichtslosigkeit des Kalten Krieges" beenden.
Die Cortes, das spanische Parlament, verabschieden ein Gesetz über die öffentliche Ordnung, das der Polizei erweiterte Vollmachten zugesteht.
13. August In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 5 gestartet.
14. August Eine Meinungsumfrage des Serviceinstituts für Marktforschung im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass 71 % der Bundesbürger die Bewaffnung der Bundesrepublik für notwendig halten.
15. August In Tirol finden Gedenkfeiern anlässlich des 150. Jahrestages der Freiheitskämpfe gegen die Franzosen statt.
Zwischen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit und der weißen Minderheit kommt es in der südafrikanischen Provinz Natal zu blutigen Auseinandersetzungen.
In Großbritannien tritt ein neues Gesetz gegen Prostitution in Kraft, das es Prostituierten verbietet, auf der Straße auf Kunden zu warten.
16. August Die Regierungen der Vereinigten Arabischen Republik und Jordaniens nehmen die 1958 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wieder auf.
17. August Mit einer großen Umbesetzung leitet das Bundesverteidigungsministerium die seit langem geplante Verjüngung der Generalität ein. Das Alter der Generale liegt nun zwischen 52 und 65 Jahren.
Das US-amerikanische Repräsentantenhaus billigt eine Entschließung, wonach der Volksrepublik China die Aufnahme in die Vereinten Nationen (UNO) verweigert werden soll, da die Chinesen sich mit ihren Aktionen gegen Tibet und Laos als friedliebende Nation disqualifiziert hätten.
18. August Die sechstägige Außenministerkonferenz der amerikanischen Staaten in Santiago de Chile geht mit einer gemeinsamen Entschließung zu Ende, in der Diktaturen als unvereinbar mit dem amerikanischen System demokratischer Staatsführung bezeichnet werden.
19. August Das Bundeskabinett stimmt einem Gesetzentwurf des Ernährungsministeriums zu, in dem das Schlachten von Katzen und Hunden unter Strafe gestellt wird.
Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ist es Ausländern gestattet, die estnische Hauptstadt Reval und die litauische Hauptstadt Wilna zu besuchen. Gleichzeitig werden Gorki und vier andere Städte an der Wolga von der sowjetischen Regierung für Ausländer gesperrt.
Der ehemalige Diktator Kubas, Fulgencio Batista y Zaldívar, erhält in Portugal politisches Asyl.
Die niederländische Regierung schafft das Überseeministerium ab. Die noch verbliebenen überseeischen Besitzungen der Niederlande werden vom Innenministerium verwaltet.
In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 6 gestartet.
20. August In Wernstein am Inn stirbt der österreichische Schriftsteller Alfred Kubin.
In der DDR wird der "Große Stern der Völkerfreundschaft" gestiftet. Mit dem Orden werden besondere Verdienste um die Freundschaft und Zusammenarbeit der Völker und die Erhöhung des internationalen Ansehens der DDR ausgezeichnet.
Die Kommunistische Partei der Volksrepublik China lockert die Bestimmungen über die Volkskommunen.
Der US-Gewerkschaftsbund AFL-CIO beschließt, den anstehenden Besuch des sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita S. Chruschtschow offiziell zu ignorieren und keine Gespräche mit dem Politiker zu führen.
21. August Der ehemalige Wehrmachtsgeneral Hasso von Manteuffel wird vom Düsseldorfer Schwurgericht wegen Totschlags zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte 1944 an der Ostfront einen Soldaten erschießen lassen, obwohl dieser kurz zuvor von einem Kriegsgericht nur zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower proklamiert in Washington Hawaii zum 50. Staat der USA.
22. August In einem Schreiben des sowjetischen Partei- und Regierungschefs Nikita S. Chruschtschow an Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wird die Bundesrepublik vor der Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen gewarnt und zu einer Politik der Entspannung aufgefordert.
23. August Einem Bauern aus Thüringen gelingt es, mit seiner Familie und 14 Kühen die DDR-Grenzanlagen zu überwinden und in die Bundesrepublik zu fliehen.
24. August Bundespostminister Richard Stücklen (CSU) lehnt in Bremen eine Arbeitszeitverkürzung für Postbedienstete mit dem Hinweis auf den Personalmangel und das jährliche Defizit der Post von 150 Mio. DM ab.
25. August Ministerpräsident Jawaharlal Nehru erklärt in Neu-Delhi die Bereitschaft Indiens, das Fürstentum Bhutan gegen die Volksrepublik China zu verteidigen. Bhutan wird seit mehreren Wochen von kommunistischen Aufständen erschüttert, die von China gesteuert sein sollen.
26. August Nach einer Meinungsumfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie machen 50 % der Befragten Deutschland für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich. 11 % geben den Kriegsgegnern die Schuld, 10 % halten beide Seiten für verantwortlich, und 19 % geben vor, nichts zu wissen.
Als erster US-Präsident besucht Dwight D. Eisenhower bis zum 27. August die Bundesrepublik. Dabei bekräftigt er die Garantie der westlichen Verbündeten zum Schutz West-Berlins.
Wegen offensichtlicher Fehlplanungen und technischer Schwierigkeiten setzt die Kommunistische Partei der Volksrepublik China die Planziele für 1959 drastisch herab.
27. August Der Staatspräsident Frankreichs, Charles de Gaulle, tritt eine viertägige Inspektionsreise zu den französischen Truppen in Algerien an.
Vor der Küste des Versuchsgeländes Kap Canaveral (US-Bundesstaat Florida) starten die Vereinigten Staaten eine Mittelstreckenrakete des Typs "Polaris" erstmals erfolgreich von Bord eines Schiffes.
28. August In der Bundesrepublik läuft die Wehrerfassung aller Kriegsteilnehmer des Geburtsjahrgangs 1922 an, die Reserveübungen ableisten und im Verteidigungsfall die Bundeswehr personell ergänzen sollen.
Indien stellt seine Grenze zu China unter Militäraufsicht, nachdem es zu mehreren Übergriffen chinesischer Truppen auf indisches Hoheitsgebiet gekommen war.
29. August Die USA, die Sowjetunion und Großbritannien verkünden eine Verlängerung des 1958 vereinbarten Atomwaffenteststopps bis zum 31. Dezember 1959.
30. August Die Bundeswehr wird mit den US-amerikanischen Raketen "Nike" und "Matador" ausgerüstet, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden können.
31. August Am Vorabend des 20. Jahrestages des deutschen Angriffs auf Polen wendet sich Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in einer Rundfunkansprache an das polnische Volk und betont den Willen der Bundesrepublik zu freundschaftlichen Beziehungen.
01. September In West-Berlin trifft die erste israelische Studentengruppe ein, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Bundesrepublik besucht.
Der polnische Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz wertet das Freundschaftsangebot von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) vom 31. August als Versuch, einen Keil zwischen Polen und die Sowjetunion zu treiben.
03. September Die Deutsche Bundesbank in Frankfurt am Main erhöht den Diskontsatz von 2,75 auf 3 % und den Lombardsatz von 3,75 auf 4 %.
04. September Bundespräsident Theodor Heuss verleiht in Bonn dem US-amerikanischen Raketenforscher deutscher Abstammung Wernher von Braun das Große Bundesverdienstkreuz.
06. September Vor 25.000 Heimatvertriebenen spricht sich auf dem "Tag der Heimat" in West-Berlin der Regierende Bürgermeister der Stadt, Willy Brandt (SPD), dafür aus, das Recht auf Heimat in friedlicher Verständigung mit den polnischen Nachbarn zu suchen.
In Genf wird das Welturheberrechtsabkommen zum Schutz des geistigen Eigentums von Künstlern und Publizisten beschlossen.
07. September Auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Stuttgart spricht sich Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard gegen eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung aus, da der guten Auftragslage in der Wirtschaft ein Mangel an Arbeitskräften gegenüberstehe.
08. September Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt (SPD) bekräftigt in einer Regierungserklärung die Entschlossenheit Berlins, durch den weiteren wirtschaftlichen Aufbau der ehemaligen Reichshauptstadt einen Beitrag zu leisten, der am Ende das deutsche Volk auf dem Boden der Freiheit wieder zu einer staatlichen Gemeinschaft zurückführe.
Nach einer Umfrage des DIVO-Instituts in Frankfurt am Main hat Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in der Gunst der Wähler überholt. Während nur 43 % der Befragten eine gute Meinung von Adenauer haben, wird Erhard von 65 % positiv beurteilt.
09. September In der Stadtverordnetenversammlung von Ost-Berlin werden offen die Mängel bei der Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern, das Zurückbleiben des Wohnungsbaus und die unzureichende Planerfüllung vieler Volkseigener Betriebe diskutiert.
10. September Auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Stuttgart wird der DGB-Vorsitzende Willi Richter für weitere drei Jahre wieder gewählt.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower bezeichnet die Achtung des Status von Berlin als entscheidende Voraussetzung für eine Gipfelkonferenz der vier Siegermächte.
11. September Die sechs ehemaligen kommunistischen Abgeordneten des 1. Deutschen Bundestages (1949–1953) fordern in einem offenen Brief an Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (CDU) und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), das 1956 vom Bundesverfassungsgericht erlassene Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) aufzuheben.
Piero Malvestiti wird zum Präsidenten der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gewählt.
12. September Theodor Heuss scheidet aus dem Amt des Bundespräsidenten.
Bundesarbeitsminister Theodor Blank (CDU) kündigt in Bonn ein Gesetz gegen die Verunreinigung der Luft an und weist auf das Waldsterben im Ruhrgebiet hin.
Im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück wird eine Mahn- und Gedenkstätte eröffnet.
In der Sowjetunion wird die Raumsonde Lunik 2 gestartet.
13. September Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer (CDU) versichert in Bremen, die Bundesregierung werde niemals auf die deutschen Ostgebiete verzichten.
Die russische Raumsonde Lunik 2 schlägt als erster künstlicher Flugkörper auf dem Mond auf.
14. September In Innsbruck stirbt der deutsche Maler und Holzschneider Gustav Bechler.
15. September  Im Bundestag findet ein Staatsakt anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Bundesrepublik Deutschland statt, bei dem der neue Bundespräsident Heinrich Lübke vereidigt und sein Vorgänger Theodor Heuss verabschiedet werden.
Auf Einladung von US-Präsident Eisenhower besucht Nikita S. Chruschtschow als erster sowjetischer Regierungschef die USA. Nach Begrüßung auf dem Washingtoner Luftwaffenstützpunkt Andrews durch Präsident Eisenhower tritt er eine zweiwöchige Rundreise durch die USA an.
16. September Das Bundeskabinett beschließt die auf drei Jahre befristete Einführung einer Heizölsteuer von 30 DM je Tonne. Mit dieser Maßnahme soll dem Steinkohlebergbau die Anpassung an die veränderte Lage auf dem Energiemarkt erleichtert werden.
18. September In Varnhalt stirbt der Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste, Adolf Ziegler.
20. September Zum zehnten Jahrestag der Vereidigung der ersten Bundesregierung auf das Grundgesetz spricht Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in einer Rundfunkrede die Hoffnung aus, dass die Wiedervereinigung Deutschlands im zweiten Jahrzehnt des Bestehens der Bundesrepublik erreicht werden könne.
In Herzogenaurach stirbt der ehemalige Offizier und Politiker Alfred Fletcher.
21. September Der Ministerrat der DDR billigt ein Gesetz, nach dem zukünftig die Staatsflagge der DDR in der Mitte einen Hammer und einen Zirkel – von Ähren umkränzt – trägt.
23. September Nach Angaben des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft in Bonn werden in der Bundesrepublik jährlich pro Kopf 180 DM für Alkohol, 121 DM für Tabakwaren und nur 0,92 DM für die Förderung der Wissenschaft ausgegeben.
25. September Die Kultusminister der Bundesländer beschließen in Berlin die Einführung des neunten Schuljahres an allen Volks- und Hauptschulen, an denen dies noch nicht geschehen ist.
Der Regierungschef von Sri Lanka, Solomon Bandaranaike, wird ermordet.
26. September In West-Berlin wird an der Stelle der 1938 zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße das neu errichtete jüdische Gemeindezentrum eingeweiht.
An den folgen eines Attentats stirbt der Premierminister von Ceylon, Solomon West Ridgeway Dias Bandaranaike.
27. September Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in West-Berlin wird der Bundesvorsitzende Gerhard Stoltenberg in seinem Amt bestätigt.
Nach der Preussag wurde der Wolfsburger Volkswagenkonzern als zweites großes Bundesunternehmen privatisiert.
28. September In Kassel stirbt der erfolgreichste deutsche Automobilrennfahrer der Vorkriegszeit, Rudolf Caracciola.
30. September Bundespräsident Heinrich Lübke ernennt den 59-jährigen schleswig-holsteinischen Landwirt und CDU-Bundestagsabgeordneten Werner Schwarz zum Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.
Durch ein neues Rundfunkgesetz will die Bundesregierung eine Neuordnung des Rundfunk- und Fernsehwesens, vor allem die Einrichtung eines "staatlichen" zweiten Programms erreichen.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg sind in der Bundesrepublik nur 187.199 Arbeitslose, dafür aber 350.393 offene Stellen registriert.
01. Oktober In der Bundesrepublik tritt zum ersten Mal ein bundeseinheitliches Standesrecht für alle Rechtsanwälte in Kraft. Die neue Ordnung sieht eine völlige Niederlassungsfreiheit der Anwälte vor.
In Sigmaringen wird die 10. Panzerdivision als 10. Panzergrenadierdivision in Dienst gestellt.
Nach einer Verfügung des Berliner Senators für Volksbildung wird den Lehrern "Die Behandlung geschlechtlicher Fragen im Rahmen der schulischen Erziehung" zur Pflicht gemacht.
Die Richter der Bezirks- und Kreisgerichte der DDR werden nicht mehr vom Justizministerium ernannt, sondern von den örtlichen Volksvertretungen gewählt.
Der bisher bestehende Fünfjahrplan der DDR wird abgebrochen und durch einen Siebenjahrplan ersetzt. Die Volkskammer verabschiedet außerdem das Gesetz über die neue Staatsflagge mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz nunmehr inmitten der Farben Schwarz-Rot-Gold.
02. Oktober Der amtierende israelische Ministerpräsident David Ben Gurion spricht sich erneut für freundschaftliche Beziehungen zur Bundesrepublik aus und vertritt die Ansicht, dass die junge deutsche Generation nicht für die Verbrechen des Nationalsozialismus verantwortlich gemacht werden könne.
Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Henry Kissinger fordert in Bonn eine größere Opferbereitschaft der westlichen Völker für eine kombinierte konventionelle und atomare Rüstung.
Das Auswärtige Amt gibt in Bonn bekannt, dass die Bundesrepublik seit 1956 rund 192 Mio. DM an Entwicklungsländer gezahlt hat.
03. Oktober Der Parteivorstand der SPD fordert die Bundesregierung auf, die Bundeswehr nicht mit Atomwaffen auszurüsten und diplomatische Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern aufzunehmen. Bisher bestehen nur mit der Sowjetunion diplomatische Beziehungen.
04. Oktober Die sowjetische Raumsonde Lunik 3 wird gestartet, um erstmals Bilder der erdabgewandten Seite des Mondes zu machen.
05. Oktober Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) spricht sich in einem Interview mit der israelischen Zeitung "Maariv" gegen eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel aus, da ein solcher Schritt in den arabischen Ländern Verstimmung auslösen würde.
Die Westdeutsche Rektoren-Konferenz empfiehlt in Bonn allen bundesdeutschen Hochschulen keine offiziellen Vertreter zur 550-Jahr-Feier der Universität Leipzig zu entsenden. Begründet wird diese Empfehlung mit der eingeschränkten Freiheit der Wissenschaften an DDR-Hochschulen.
In Ost-Berlin beginnen groß angelegte Feiern zum zehnten Jahrestag der Gründung der DDR.
06. Oktober Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) äußert in New York die Ansicht, dass ein internationales Abkommen über Kernwaffen und eine Begrenzung der konventionellen Rüstung möglich, eine totale Abrüstung dagegen utopisch sei.
07. Oktober In West-Berlin kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Arbeitern der DDR-Reichsbahn und Westberliner Polizeikommandos, als die Ostberliner Behörden die neue Staatsflagge auf dem Gelände der S-Bahn, die von der DDR betrieben wird, aufziehen lassen. Westberliner Polizeikommandos holen die Fahnen ein und werden dabei tätlich angegriffen.
Auf einer Kundgebung zur Feier des zehnten Jahrestags der Gründung der DDR in Ost-Berlin schlägt der Erste Sekretär des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht, einen vatikanähnlichen Status für West-Berlin vor.
In Rom stirbt der amerikanische Sänger und Schauspieler Mario Lanza.
08. Oktober In München stirbt der deutsche Heldentenor Bernd Aldenhoff.
09. Oktober Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) gibt in Bonn Pläne zu gesetzlichen Regelungen für den Verteidigungsfall bekannt, wonach Bundesbürger für den Schutz der Zivilbevölkerung dienstverpflichtet werden können.
Der durch die Dürreperiode in der Bundesrepublik verursachte Rückgang bei der Milcherzeugung führt zu einem starken Anstieg der Butterpreise, die jetzt bei 7,60 DM je Kilo liegen.
10. Oktober Die mittelamerikanische Republik Guatemala erklärt den Kriegszustand mit Deutschland offiziell für beendet. Gleichzeitig werden diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik aufgenommen.
11. Oktober Bei den Bürgerschaftswahlen in Bremen erringt die SPD ein weiteres Mal die absolute Mehrheit. Wilhelm Kaisen (SPD), der seit 1945 regiert, bleibt somit Bürgermeister des kleinsten Bundeslandes.
Aus Protest gegen die Entscheidung des Frankfurter Landgerichts, die Schilder "Bücher aus der Deutschen Demokratischen Republik" durch die Bezeichnung "Bücher aus dem innerdeutschen Handel" zu ersetzen, verlassen die Vertreter der DDR die Buchmesse in Frankfurt.
12. Oktober In Ost-Berlin stirbt der österreichische Schriftsteller, Theaterautor und Regisseur Arnolt Bronnen.
14. Oktober Das Bundeskabinett verabschiedet das Kriegswaffengesetz, in dem bestimmt wird, in welchem Fall die Bundesregierung die Erzeugung und den Transport von Kriegswaffen genehmigen darf.
Der australische Schauspieler Errol Flynn stirbt in Vancouver.
16. Oktober Der US-amerikanische General und Friedensnobelpreisträger George C. Marshall stirbt in Washington.
17. Oktober In Schönau an der Brend stirbt Otto Feick, der Erfinder des Rhönrads.
Wegen fahrlässiger Tötung wird in Stuttgart ein 21-jähriger Kraftfahrer zu einem Jahr Gefängnis und fünf Jahren Führerscheinentzug verurteilt. Er hatte mit seinem LKW auf der Autobahn gewendet und war mit einem Auto zusammengestoßen, dessen zwei Insassen bei dem Unfall starben.
Das Hissen der neuen DDR-Flagge wird in mehreren westeuropäischen Hauptstädten unterbunden.
18. Oktober Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), erklärt in Saarbrücken, dass es am Tag der Wiedervereinigung Deutschlands keine "EntSEDfizierung" geben werde.
Der nigerianische Politiker und Diplomat Adamou Mayaki wird zum Wirtschafts- und Planungsminister in der Regierung von Hamani Diori ernannt.
Die russische Raumsonde Luna 3 umkreist den Mond und funkt die ersten Bilder von seiner Rückseite zur Erde.
20. Oktober Die Bundesregierung beantragt beim Bundesverfassungsgericht, die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN) als kommunistisch gelenkte Organisation zu verbieten.
DDR-Verteidigungsminister Willi Stoph (SED) kündigt eine Erhöhung der Gefechtsbereitschaft der Nationalen Volksarmee an. Nach seinen Worten soll damit der allgemeinen Abrüstung zum Durchbruch verholfen werden.
In Wien stirbt der deutsche Schauspieler Werner Krauß.
21. Oktober Die SPD-Bundestagsfraktion fordert die Erhöhung des gesetzlichen Mindesturlaubs von 12 auf 18 Tage für alle Arbeitnehmer. Jugendliche sollen 24 Tage Urlaub im Jahr bekommen.
22. Oktober Der Rat der Westeuropäischen Union (WEU) erteilt der Bundesrepublik die Genehmigung, Fernlenkwaffen zur Flugabwehr zu bauen. In den Vereinbarungen der WEU ist festgelegt, dass die Bundesrepublik von der Produktion bestimmter Waffentypen ausgeschlossen ist.
Zwei Piloten vom Jagdbombergeschwader 34 Bundesluftwaffe werden mit ihren Maschinen über dem Gebiet der Tschechoslowakei vermisst.
23. Oktober Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) beantragt beim Bundesverwaltungsgericht in West-Berlin, die "Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN)" zur verfassungsfeindlichen Organisation zu erklären.
Mit Franz-Josef Röder (CDU) wird zum ersten Mal ein Ministerpräsident des Saarlandes Präsident des Bundesrates.
Der Bundesrat lehnt die vom Bundestag beschlossene Einführung einer Heizölsteuer ab.
24. Oktober Der zu einem Besuch in Bonn erwartete irakische Erziehungsminister Abdel Hamid lässt die zu seinem Empfang bereitstehenden Regierungsbeamten vergeblich am Flughafen warten und teilt telefonisch mit, dass er statt dessen nach Ost-Berlin gereist sei.
25. Oktober Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein bleibt die CDU mit 39,9 % stärkste Partei, büßt aber 4,4 % der Wählerstimmen gegenüber 1955 ein.
26. Oktober Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheidet, dass gesüßtes, obergäriges Bier (Malzbier) in Bayern zwar erlaubt ist, jedoch nicht unter der Bezeichnung Bier angeboten werden darf. Weiterhin wird der Verkauf dieses Getränks in Bierflaschen untersagt, um Verwechslungen auszuschließen.
Vom österreichischen Verteidigungsministerium wird dem Bundesheer das Singen bestimmter Lieder der deutschen Wehrmacht verboten. Darunter sind "O du schöner Westerwald" und "Auf der Heide blüht ein kleines Blümelein".
Bis zum 31. Oktober tagt in Berlin der 5. FDGB-Kongress.
27. Oktober Nach einer Meinungsumfrage des DIVO-Instituts in Frankfurt am Main halten 40 % der Befragten die Wiedervereinigung für das wichtigste Problem der Bundesrepublik.
28. Oktober Das Bundesinnenministerium veröffentlicht eine Studie, nach der wegen der steigenden Studentenzahlen ein Numerus clausus für bestimmte Studienfächer (z. B. Jura) eingeführt werden muss.
Nach einer gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung und der Länderregierungen soll künftig das Zeigen der DDR-Flagge mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz als Verstoß gegen die Verfassung und die öffentliche Ordnung mit polizeilichen Mitteln verhindert werden.
29. Oktober Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) bezeichnet in Schongau die Produktion von Atomwaffen durch die Bundesrepublik als "militärisch überflüssig, politisch falsch und ökonomisch nicht durchführbar".
Der Erste Sekretär der SED, Walter Ulbricht, lädt in Ost-Berlin Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zu einem Besuch in die DDR ein. Zur gleichen Zeit solle Ministerpräsident Otto Grotewohl (SED) die Bundesrepublik besuchen. Von der Bundesregierung wird diese Einladung als kommunistisches Propagandamanöver zurückgewiesen.
30. Oktober Auf ihrem Parteitag in Verden lehnt die Deutsche Partei (DP), die 1957 bei den letzten Bundestagswahlen 17 Mandate errungen hatte, eine Fusion mit der CDU ab.
In Nashville, Tennessee, stirbt der ein amerikanische Politiker und 41. Gouverneur des Bundesstaates Tennessee, Harry Hill McAlister.
01. November Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bischof von Berlin-Brandenburg, Otto Dibelius, kann wider Erwarten ungestört in der Marienkirche in Ost-Berlin predigen. Dibelius hatte sich kritisch zur Obrigkeit in der DDR geäußert, weshalb ihm ein Predigtverbot angedroht wurde.
02. November In Ost-Berlin und in Leipzig kommt es zu Demonstrationen Jugendlicher gegen die von der SED betriebene Jugend- und Kulturpolitik.
04. November Der bundesdeutsche Frachter "Bilbao" wird von französischen Kriegsschiffen aufgebracht und zum Anlaufen des Hafens Cherbourg gezwungen. Die Ladung – angeblich Munition für die algerische Unabhängigkeitsbewegung – wird beschlagnahmt.
Zur Feier seines zehnjährigen Bestehens findet in Bonn eine dreitägige Jubiläumsveranstaltung des Deutschen Frauenrings statt, der insbesondere die Diskriminierung lediger Mütter zur Sprache bringen will.
05. November Die 5,5 %ige Anleihe der Bundesrepublik über 300 Mio. DM, die bei einer Laufzeit von 12 Jahren zu einem Kurs von 96,5 % ausgegeben wird, ist bereits am ersten Tag der Zeichnung nach wenigen Stunden ausverkauft.
In London wird der Deutsch-Kanadier Günther Fritz Podola, der wegen Ermordung eines Polizisten zum Tode verurteilt wurde, hingerichtet.
06. November Das Bonner Landgericht entscheidet, dass gegen den früheren persönlichen Referenten des Bundeskanzlers, Hans Kilb, sowie gegen die Mercedes-Direktoren Rolf Staelin und Fritz Koenecke kein Strafverfahren eröffnet wird. Ihnen war im Zusammenhang mit der "Leihwagen-Affäre" Begünstigung, Vorteilsnahme und Bestechung vorgeworfen worden.
07. November In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 7 gestartet.
In Newport Beach, Kalifornien, stirbt der britisch-amerikanische Schauspieler Victor McLaglen.
08. November US-Präsident Dwight D. Eisenhower ernennt Walter C. Dowling zum neuen Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik. Er tritt die Nach folge von David K. E. Bruce an.
09. November Das Oberlandesgericht Celle weist den aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammenden Anspruch von zwei Volkswagensparern auf einen neuen VW zurück.
11. November Die Bundesrepublik Deutschland schließt ein Kulturabkommen mit Ägypten und Syrien.
In Noten an die drei Westmächte protestiert die sowjetische Regierung gegen die von der Bundesregierung geplante Einrichtung des Langwellensenders "Deutschlandfunk" in West-Berlin. Ein bundesdeutscher Sender in Berlin verstoße gegen den Vier-Mächte-Status und diene lediglich der "subversiven Tätigkeit".
Bundesfinanzminister Franz Etzel (CDU) legt in Bonn den Haushaltsplan für 1960 vor. Der Etat veranschlagt Ausgaben in Höhe von 43,1 Mrd. DM, denen 41,9 Mrd. DM an Einnahmen gegenüberstehen. Die Deckungslücke von 1,2 Mrd. DM soll durch Sparmaßnahmen geschlossen werden.
Um der zunehmenden Luftverschmutzung Einhalt zu gebieten, verabschiedet der Bundestag ein Gesetz, das die Industrie zu Schutzmaßnahmen gegen den hohen Ausstoß von Rauch, Gasen und Staub verpflichtet.
In Göttingen wird vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) der Grundstein für das erste Studentendorf in der Bundesrepublik gelegt, das fast 600 Studierende aufnehmen soll.
12. November Bundesschatzminister Hermann Lindrath (CDU) und der niedersächsische Finanzminister Hermann Ahrens (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten/Gesamtdeutscher Block) unterzeichnen einen Vertrag des Bundes mit dem Land Niedersachsen über die Teilprivatisierung des Volkswagenwerks und die Errichtung der "Stiftung Volkswagenwerk" zur Förderung von Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre.
13. November Auf dem bis zum 15. November dauernden Parteitag der SPD wird das "Godesberger Programm" verabschiedet.
Der Bundesrat lehnt einstimmig den Regierungsentwurf für ein neues Rundfunkgesetz ab, der u. a. die Einrichtung eines zweiten (staatlichen) Fernsehprogramms beinhaltet.
Die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg teilt mit, dass im Bundesgebiet 136.000 Lehrstellen unbesetzt sind.
14. November Die tschechoslowakische Regierung bestätigt den Absturz der seit dem 22. Oktober vermissten Maschinen der Bundesluftwaffe über dem Gebiet der Tschechoslowakei und das Überleben der beiden Piloten vom Jagdbombergeschwader 34.
15. November Der außerordentliche Parteitag der SPD in Bad Godesberg beschließt mit großer Mehrheit ein neues Grundsatzprogramm. Mit ihrem "Godesberger Programm" vollzieht die SPD den Wandel zur Volkspartei der linken Mitte.
Die seit dem 22. Oktober vermissten zwei Jagdbomberpiloten der Bundesluftwaffe befinden sich nach Mitteilung des Prager Außenministeriums in der Tschechoslowakei unter Arrest.
In Carlops bei Edinburgh stirbt der schottische Physiker und Nobelpreisträger (Physik 1927) Charles Thomson Rees Wilson.
16. November Bundesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling (CDU) spricht sich in Köln vor der Jahresversammlung des katholischen Volkswart-Bundes gegen die Freikörperkultur (FKK) aus, die auf die Mehrheit der Erholungssuchenden abstoßend wirke.
Der Ministerpräsident der Republik Guinea, Sékou Touré, trifft zu einem viertägigen Besuch in der Bundesrepublik ein.
17. November Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) trifft zu einem dreitägigen Besuch in London ein, um die jüngsten Meinungsverschiedenheiten mit der britischen Regierung über die Abrüstungspolitik beizulegen.
Bundesarbeitsminister Theodor Blank (CDU) spricht sich in Bonn dafür aus, künftig noch mehr italienische Arbeiter in der Bundesrepublik zu beschäftigen, um den Mangel an Arbeitskräften zu beseitigen.
18. November Der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow fordert vor Journalisten in Moskau neue Verhandlungen über West-Berlin und beruft sich dabei auf ein prinzipielles Einverständnis mit dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle über Deutschland.
20. November Das Bundeskabinett in Bonn verabschiedet einen Gesetzentwurf zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung, der erhöhte Leistungen der Krankenkassen vorsieht und Vorsorgemaßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit fördert.
Durch den Kursrückgang des US-Dollars auf 4,18 DM wird die vorübergehende Schwäche der Deutschen Mark an den Devisenbörsen überwunden.
Die Vereinten Nationen verabschieden die Erklärung der Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention). Seitdem gilt der 20. November als internationaler Tag der Kinderrechte.
In den USA wird der künstliche Erdsatellit Discoverer 8 gestartet.
24. November In Ost-Berlin wird zwischen der Bundesrepublik und der DDR ein Abkommen darüber unterzeichnet, dass 1960 Waren und Dienstleistungen im Wert von 2,3 Mrd. Verrechnungseinheiten ausgetauscht werden.
25. November Auf Anordnung des DDR-Innenministeriums werden aus "staatsbewussten" Funktionären in Großbetrieben sog. Sicherheitsaktive oder Kontrollgruppen zusammengestellt. Sie sollen Rowdytum, Gerüchte, Sabotage und den Empfang westlicher Rundfunksendungen bekämpfen.
26. November Nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) in Den Haag müssen etwa 15.000 der rund 290.000 erfassten Angehörigen des Jahrgangs 1922 mit einer Einberufung rechnen.
Bei einem Besuch in Ost-Berlin erklärt der tschechoslowakische Staatspräsident Antonín Novotný die Bereitschaft seines Landes zum Abschluss eines separaten Friedensvertrags mit der DDR.
27. November Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), fordert in West-Berlin alle Lehrer auf, "die Jugend endlich mit dem Willen zu einem wiedervereinigten Deutschland" zu erfüllen.
In Karlsruhe wird erstmals die Ausstellung "Ungesühnte Nazijustiz – Dokumente zur NS-Justiz" gezeigt.
28. November Die Moskauer Parteizeitung "Prawda" kritisiert in ihrer Wochenendausgabe das "Godesberger Programm" der SPD und wirft den Sozialdemokraten "Verleugnung der Arbeiterklasse" und "Billigung der angriffslüsternen Bundeswehr" vor.
30. November Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erhebt in Hannover Anspruch auf einen Teil des Volkswagenwerks, da es auch aus Mitteln der Deutschen Arbeitsfront finanziert worden sei. Die Deutsche Arbeitsfront war als nationalsozialistische Organisation an die Stelle der 1933 verbotenen Gewerkschaften getreten.
Nach einer in Wien veröffentlichten Meinungsumfrage des Gallup-Instituts betrachten 50 % der Österreicher die Deutschen als das "sympathischste Volk". Rund 16 % stimmen für die Schweizer, 11 % für die US-Amerikaner, 5 % für die Briten und nur 1 % für die Sowjets.
01. Dezember Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) führt in Paris politische Gespräche mit dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle. Einigkeit erzielen die beiden Politiker über die "absolute Notwendigkeit" der NATO.
12 Länder unterzeichnen den Antarktisvertrag, ein Meilenstein der internationalen Politik: Ein ganzer Kontinent wurde staatenlos und zur Domäne der Wissenschaften.
02. Dezember Der Bundestag verabschiedet ein Rentenanpassungsgesetz, das am 1. Januar 1960 in Kraft tritt. Danach werden die Renten in der Arbeiter- und Angestelltenversicherung um 5,94 % erhöht. Gegen das Gesetz stimmt nur die FDP.
Die beiden Piloten zweier Düsenjagdbomber der Bundeswehr, die am 22. Oktober über dem Gebiet der Tschechoslowakei abgestürzt waren, werden der bayerischen Grenzpolizei übergeben.
In Südfrankreich stürzt die Staumauer von Malpasset ein, durch die Flutwelle sterben über 400 Menschen.
Die Volkskammer der DDR beschließt ein Gesetz über die "sozialistische Entwicklung des Schulwesens". Darin wird die Einführung der 10-jährigen Schulpflicht und des Polytechnikums festgelegt.
04. Dezember In Wien stirbt der österreichische Schauspieler, Sänger, Regisseur und Drehbuchautor Hubert Marischka.
Der US-Weltraumbehörde NASA gelingt es, in der Merkur-Raumkapsel, die für einen späteren bemannten Satellitenflug konstruiert ist, ein Lebewesen ins Weltall zu schießen und zur Erde zurückzubringen. Bei dem erfolgreichen Astronauten handelt es sich um ein Rhesusäffchen mit dem Namen "Sam".
05. Dezember Der tschechoslowakische Parlamentspräsident Zdenek Fierlinger äußert sich positiv über die Möglichkeit besserer Beziehungen zwischen dem tschechoslowakischen und dem deutschen Volk. Dies hänge jedoch davon ab, ob "die deutschen Durchschnittsbürger den Militarismus und Revanchismus in Schranken halten" könnten.
06. Dezember In seinem Dienstzimmer in Düsseldorf erliegt der SPD-Politiker Georg Glock einem Herzschlag.
07. Dezember Der Sprecher der Bundesregierung, Felix von Eckardt (CDU), protestiert gegen Äußerungen des indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru zur Wiedervereinigung Deutschlands. Nehru hatte in einer Pressekonferenz erklärt, dass niemand, auch nicht in der Bundesrepublik und in der DDR, die Wiedervereinigung wirklich wolle.
08. Dezember Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion erteilt ihrem aus Münster stammenden Mitglied Peter Nellen eine scharfe Rüge, weil dieser auf einer Veranstaltung des "Komitees gegen Atomrüstung" gesprochen hatte. Auf einen Ausschluss Nellens aus der Fraktion wird verzichtet.
Bundespostminister Richard Stücklen (CSU) gibt in Bonn bekannt, dass die Bundespost bis 1963 5,15 Mrd. DM in den Fernsprechdienst investieren werde, um eine bessere Telefonversorgung zu erreichen. Gegenwärtig kommen auf 100 Bundesbürger 9,4 Telefonanschlüsse.
Ein internationales Abkommen über den Bau einer Erdöl-Pipeline vom Wolga-Ural-Gebiet nach Schwedt an der Oder wird geschlossen.
09. Dezember Gegen die Stimmen der SPD und bei Stimmenthaltung der FDP beschließt der Verteidigungsausschuss des Bundestages die Anschaffung einer geheim gehaltenen Zahl unbemannter gelenkter Flugkörper vom Typ "Mace", die nur mit atomarer Munition verschossen werden.
Im Rathaus der Hansestadt Hamburg findet ein Festakt zum hundertjährigen Bestehen des Landesparlaments, der Hamburger Bürgerschaft, statt.
10. Dezember In Bonn sorgt die Veröffentlichung eines abgehörten Gesprächs zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Staatssekretär Felix von Eckardt (CDU) für politischen Wirbel. Adenauer hatte über den Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), gesagt, dass er "den Kerl" entlassen würde, wenn dieser nicht Berliner wäre.
Die südafrikanische Polizei erschießt bei einer Demonstration an der Alten Werft in Windhoek (Namibia) elf Menschen, viele andere werden verletzt.
Der Deutsche Anwaltsverein warnt in Hamburg vor der Aufnahme des Jurastudiums, da nur geringe Berufsaussichten bestünden. Nach Ansicht des Anwaltsvereins studieren viele Abiturienten nur, weil sie in einem akademischen Beruf die Garantie für Ansehen und Wohlstand sehen.
11. Dezember In der Bundesrepublik wird eine weit verzweigte kommunistische Untergrundorganisation aufgedeckt und ein Verteilerring für Propagandamaterial zerschlagen. Bei der Aktion der Strafverfolgungsbehörden werden 49 Personen verhaftet.
12. Dezember Die deutschen katholischen Bischöfe sprechen sich in einer Erklärung zum Regierungsentwurf eines Bundesrundfunkgesetzes gegen die Einführung eines rein kommerziellen Fernsehens aus. Sie fürchten eine "immer stärker werdende Hemmungslosigkeit" bei der Werbung und den Missbrauch finanzieller Stärke.
13. Dezember Der Kreis Eilenburg wird der erste "vollgenossenschaftliche Kreis" der DDR.
14. Dezember Die Sowjetunion kritisiert in einer Protestnote an die Bundesregierung die "beschleunigte Aufrüstung" in der Bundesrepublik.
Erzbischof Makarios III. wird als erster Präsident der Republik Zypern gewählt.
17. Dezember Im bayerischen Landtag in München kommt es bei der Beratung des Gesetzes zum vorläufigen Abschluss der Entnazifizierung zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten/Gesamtdeutscher Block (BHE) und der SPD über die Einschätzung des Nationalsozialismus.
Nach einem vom Bundesverteidigungsministerium in Bonn veröffentlichten Bericht hat die Bundeswehr am Jahresende eine Stärke von 240.000 Mann. Damit sind zwei Drittel der vorgesehenen Endstärke von 350.000 Soldaten erreicht.
18. Dezember Ein Abkommen über den Bau einer Erdölleitung vom sowjetischen Wolga-Ural-Gebiet nach Schwedt/DDR wird getroffen.
19. Dezember In Paris findet ein Treffen der Regierungs- und Staatschefs von Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik statt. Hauptthema der Beratungen ist die Vorbereitung einer Ost-West-Gipfelkonferenz in Paris am 27. April 1960, zu der auch der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow eingeladen werden soll.
Der Erste Sekretär der SED, Walter Ulbricht, gibt in einer Rede in Ost-Berlin Spannungen in der Landwirtschaft der DDR und daraus resultierende Versorgungsengpässe zu. Der Widerstand der Bauern gegen die Kollektivierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft habe jedoch nur "bestimmte ideologische Ursachen".
20. Dezember Zwischen der DDR und Indien wird in Neu-Delhi ein Handelsabkommen unterzeichnet. Die Verrechnung der Handelsgüter soll in indischer Währung erfolgen.
21. Dezember Der Schah von Persien, Reza Pahlevi, heiratet in dritter Ehe Farah Dibah.
In einem Gedenkartikel zu seinem 80. Geburtstag bezeichnet die Moskauer Parteizeitung "Prawda" den 1953 verstorbenen sowjetischen Partei- und Regierungschef Josef W. Stalin als einen aufrechten Kämpfer für den Sozialismus. Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" nennt Stalin einen "guten Freund der deutschen Arbeiterklasse".
22. Dezember Das Bundeswohnungsbauministerium legt in Bonn seinen Jahresbericht vor. Danach entstanden seit Jahresbeginn in der Bundesrepublik 580.000 Wohnungen. Berechnungen ergeben einen Bedarf von weiteren 1,2 Mio. Wohnungen.
23. Dezember Das deutsche Atomgesetz (AtG) über die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz vor ihren Gefahren wird verkündet.
Nach langwierigen Beratungen in Bundestag und Bundesrat wird ein neues Lebensmittelrecht verabschiedet, das die Verwendung von Fremdstoffzusätzen in Lebensmitteln einschränkt und kennzeichnungspflichtig macht.
Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) spricht sich für den Umbau des Bundestages nach dem Vorbild des britischen Unterhauses aus.
24. Dezember Einem Aufruf des Kuratoriums Unteilbares Deutschland folgend stellen viele Bundesbürger Kerzen in die Fenster, um ihre Verbundenheit mit den Menschen in der DDR zu zeigen.
25. Dezember In der Kölner Innenstadt werden die erst vor wenigen Wochen eingeweihte jüdische Synagoge und ein Denkmal der Widerstandskämpfer von zwei Mitgliedern der Deutschen Reichspartei (DRP) mit Hakenkreuzen und nationalsozialistischen Parolen beschmiert.
Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) fordert in einer Rundfunkrede die Deutschen in der Bundesrepublik auf, ihrer Landsleute in der DDR zu gedenken, die noch immer in der Sklaverei, unter geistigem Druck und in Not und Armut lebten.
27. Dezember Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur UPI sind am Heiligabend 238, am ersten Weihnachtsfeiertag 155 und am zweiten Feiertag 182 Bewohner der DDR nach West-Berlin geflüchtet.
28. Dezember In Osterode am Harz stirbt der deutsche Politiker Adolf Kahlen.
29. Dezember Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), appelliert in einer Rundfunkansprache an die Bevölkerung in der DDR, in der Heimat auszuharren, da das Land nicht an Menschen ausbluten dürfe.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower wird vom US-amerikanischen Nachrichtenmagazin "TIME" zum "Mann des Jahres 1959" gewählt. Ihm folgen in der Liste bedeutender Persönlichkeiten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der britische Premierminister Harold Macmillan.
30. Dezember Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) befördert Oberst Wolf Graf Baudissin, der die Abteilung "Innere Führung" im Verteidigungsministerium aufgebaut hat, zum Brigadegeneral.
31. Dezember In Paris, London, Antwerpen und in mehreren Städten der Bundesrepublik kommt es zu "Hakenkreuzschmierereien".
Bei einem Sprengstoffanschlag der französischen Untergrundorganisation "Rote Hand" in Frankfurt am Main wird ein Algerier schwer verletzt.

 

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