Wahlplakate
der Jahre 1953 und 1957
| 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 |
| 01. Januar | Das am 5. November 1957 vom Deutschen
Bundestag beschlossene
Allgemeine Kriegsfolgengesetz tritt in Kraft. Die "Römischen Verträge" über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) treten in Kraft. Bundespräsident der Schweiz wird Thomas Holenstein. |
| 02. Januar | In Flensburg wird die deutsche
Verkehrssünderdatei
(Verkehrszentralregister) eingerichtet. Das Ministerium für Kultur der DDR ordnet an, die Erscheinungen der "westlichen Dekadenz" in der Unterhaltungs- und Tanzmusik in der DDR zu bekämpfen. In Berlin beginnt das Bundeskartellamt mit seiner Arbeit. |
| 03. Januar | In Berlin stirbt der
deutsche Physiker und Erfinder der berühmten Meißner-Schaltung, Alexander
Meißner. Als Zusammenschluss der früheren britischen Kolonien wird in der Karibik die Westindische Föderation gegründet. |
| 04. Januar | In Sigmaringen
stirbt die Tochter von König Ludwig III. von Bayern und seiner Gattin
Erzherzogin Maria Theresia von Österreich-Este,
Adelgunde von Bayern. In London stirbt der britische Luftfahrtpionier und Gründer des Luftfahrtunternehmens AVRO, Sir Edwin Alliott Verdon Roe. Nach 1.400 Erdumkreisungen stürzt Sputnik, der erste künstliche Erdsatellit, in dichtere Schichten der Erdatmosphäre und verglüht. |
| 07. Januar | Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard
führt in Frankfurt am Main Karl Blessing als Präsidenten der Deutschen
Bundesbank in sein Amt ein. Vizepräsident wird Heinrich Tröger. Walter Hallstein wird zum Präsidenten der EWG-Kommission, Louis Armand zum Präsidenten der Euratom-Kommission gewählt. Paul Finet wird Präsident der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). |
| 12. Januar | Auf einem außerordentlichen Parteitag
wählt die Berliner SPD den Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, Willy
Brandt, zu ihrem Vorsitzenden. In der Sonntagsmesse wird ein Hirtenwort der deutschen katholischen Bischöfe verlesen, in dem diese vor den "Folgen und Gefahren einer Mischehe mit Andersgläubigen" warnen. |
| 13. Januar | Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard
schlägt eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit um eine Stunde vor. 9.235 Wissenschaftler aus 4 Staaten richten einen gemeinsamen Appell an die USA, um eine Einstellung der Atombombenversuche zu erwirken. |
| 15. Januar | Das deutsche Bundesverfassungsgericht fällt mit dem Lüth-Urteil einen wegweisenden Beschluss zur Meinungsfreiheit. |
| 16. Januar | Zu acht Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 5.000 DM wegen fahrlässiger Tötung und fortgesetzter Verstöße gegen das Heilpraktikergesetz verurteilt das Landgericht München II den "Wunderdoktor" Bruno Gröning in einer Berufungsverhandlung. |
| 17. Januar | Der Zentralbankrat der Deutschen
Bundesbank senkt den Diskontsatz von 4% auf 3,5%, entsprechend werden auch
der Lombardsatz (auf 4,5%) und der Zinssatz für Kassenkredite (auf 3,5%) um
einen halben Prozentpunkt herabgesetzt. Die US-amerikanische Marine gibt die erfolgreiche Erprobung des neuen Raketentyps "Polaris" (Reichweite rund 2.700 km) bekannt, der als Bewaffnung für atomgetriebene U-Boote gedacht ist. |
| 20. Januar | 45 Bundestagsabgeordnete bringen den
Antrag ein, die Todesstrafe bei Mord wiedereinzuführen. In Frankreich wird ein Finanzgesetz erlassen, das die Reduzierung der Streitkräfte von 1.044.000 auf 890.000 Soldaten bis zum Jahresende vorsieht. Olaf V. wird in Oslo als norwegischer König auf die Verfassung vereidigt und damit inthronisiert. |
| 21. Januar | Frankreich, Italien und die Bundesrepublik
wollen eine gemeinsame Produktion auf waffentechnischem Gebiet mit dem Ziel
einer Standardisierung entwickeln. Mit der exponierten Lage seines Landes und dem Wunsch, auch nur den Anschein einer herausfordernden Geste zu vermeiden, begründet der dänische Ministerpräsident Hans Christian Svane Hansen die ablehnende Haltung seines Landes gegenüber der Errichtung von Raketenabschussbasen auf seinem Staatsgebiet. |
| 22. Januar | DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl
schlägt einen Volksentscheid in beiden deutschen Staaten über die
Einbeziehung in eine atomwaffenfreie Zone vor. Mit 334 gegen 226 Stimmen spricht die französische Nationalversammlung der Regierung unter dem Sozialisten Félix Gaillard das Vertrauen für ihre Außenpolitik aus. Der sowjetische Parteichef Nikita S. Chruschtschow bestreitet in einer Rede vor Landarbeitern in Minsk, dass die UdSSR auf der Genfer Konferenz der Regierungschefs im Juli 1955 mit den Westmächten übereingekommen sei, die Wiedervereinigung Deutschlands durch freie Wahlen zu erreichen. Dieses Ziel sei nur auf der Basis einer Konföderation beider deutscher Staaten möglich. |
| 23. Januar | Im Bundestag in Bonn wirft die SPD der
Regierung während einer außenpolitischen Debatte vor, die Chance zur
Wiedervereinigung verpasst zu haben, und fordert den Rücktritt von
Bundeskanzler Konrad Adenauer. In Venezuela wird der Diktator Pérez Jiménez gestürzt. |
| 24. Januar | In Wien stirbt die österreichische Theater- und Filmschauspielerin Hedwig Bleibtreu. |
| 27. Januar | In München stirbt der königlich Preußische
Offizier, Herrenmeister des Johanniterordens und 5. Kaisersohn
Oskar Karl von Preußen. Die Pionierorganisation Ernst Thälmann wird für Kinder in der DDR zur sozialistische Massenorganisation. |
| 28. Januar | Die Bundesregierung zeigt sich befremdet darüber, dass im "Päpstlichen Jahrbuch für 1958" auf die Nennung der deutschen Namen für die Diözesen östlich der Oder-Neiße-Linie verzichtet wird. |
| 29. Januar | Einer Reduzierung der britischen Streitkräfte auf dem europäischen Kontinent um 8.500 Soldaten im kommenden Haushaltsjahr stimmt der Rat der Westeuropäischen Union (WEU) zu. |
| 30. Januar | Der schwäbische Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel stirbt in Stuttgart. |
| 31. Januar | Im Januar liegt die Arbeitslosenquote in
der Bundesrepublik um 219.000 über dem Wert vom Dezember 1957 und steigt
damit auf 7,4% an. Im Januar 1957 waren jedoch noch rund 44.000 Bundesbürger
zusätzlich arbeitslos gemeldet. Der USA gelingt mit dem Abschuss des "Explorer 1" erstmals der Start eines Erdsatelliten. |
| 01. Februar | Ägypten und Syrien schließen sich zur
Vereinigten Arabischen
Republik zusammen. In Charlottesville, Virginia, stirbt der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger (Physik 1937) Clinton Davisson. |
| 03. Februar | Auf der bis zum 6. Februar dauernden 35.
Tagung des Zentralkomitees der SED werden die Funktionäre Karl Schirdewan,
Ernst Wollweber und Fred Oelßner ihrer Ämter enthoben. Sie hatten sich für
Liberalisierungen eingesetzt. Erich Honecker wird Mitglied des Sekretariats des Zentralkomitees und des Politbüros der SED. Von Belgien, Luxemburg und den Niederlanden wird der Benelux-Vertrag (Union Économique Benelux) unterzeichnet. Der nordvietnamesische Staatspräsident Ho Chi Minh erklärt in Hanoi, seine Regierung sei bereit, zusammen mit Südvietnam alle Maßnahmen zu treffen, um eine friedliche Wiedervereinigung der beiden seit 1954 getrennten Landesteile herbeizuführen. |
| 04. Februar | Der Filmschauspieler Paul Hörbiger wird in Krems an der Donau von einem Gericht von dem Verdacht freigesprochen, eine 14-jährige Schülerin vergewaltigt zu haben. |
| 06. Februar | Willy Brandt, der Regierende Bürgermeister von Berlin, fliegt für 14 Tage in
die USA, nimmt die Ehrendoktorwürde der Universität Pennsylvania entgegen
und trifft danach den amerikanischen Präsidenten Eisenhower. In München stirbt bei einem Flugzeugabsturz der ehemalige Stammtorhüter von Manchester City und der englischen Nationalmannschaft, Frank Swift. |
| 08. Februar |
Französische Flugzeuge bombardieren ein tunesisches Dorf im Grenzgebiet zu
Algerien. 79 Menschen werden dabei getötet. Die japanische Regierung ersucht die USA, die Rückgabe der Insel Okinawa an Japan zu erwägen. Die US-Amerikaner haben die Insel, die seit 1951 unter ihrer Verwaltung steht, zu einer Militärbasis ausgebaut. Bei den Präsidentschaftswahlen in Paraguay wird der einzige Kandidat, der seit 1954 amtierende Alfredo Stroessner, für die kommenden fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. |
| 10. Februar |
Die Mitgliedstaaten der EWG legen einen einheitlichen Zolltarif für Kohle-
und Stahlerzeugnisse fest. Frankreich und Italien werden Ausnahmeregelungen,
so genannte Abweichungen, zugestanden. Für eine Dauer von zwei Jahren dürfen
sie bei bestimmten Erzeugnissen höhere Zölle verlangen. In Tallinn stirbt der estnische Leichtathlet Aleksander Klumberg-Kolmpere. Er stellte 1922 der erste offiziell anerkannte Weltrekord im Zehnkampf auf. |
| 11. Februar | Die Volkskammer beschließt die Umstrukturierung des Staatsapparats. Der Wirtschaftsrat wird durch die "Staatliche Plankommission" ersetzt, die Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) werden neu organisiert und der "Staatlichen Plankommission" unterstellt. Die Industrieministerien werden aufgelöst. |
| 12. Februar |
Eine erste Gruppe von zehn von insgesamt 21 deutschen Wissenschaftlern und
Technikern, die seit 1945 zwangsweise in der UdSSR mit Aufträgen der
Sowjetbehörden befasst und die zweieinhalb Jahre in Suchumi am Schwarzen
Meer interniert waren, trifft in Friedland ein. Im Fremdarbeiterprozess in Arnsberg werden die Urteile verkündet: Wegen Totschlags bzw. Beihilfe dazu werden zwei Angeklagte zu fünf Jahren bzw. 18 Monaten Haft verurteilt, außerdem gibt es eine Verfahrenseinstellung und drei Freisprüche. Die Angeklagten gehörten zur SS-Division "Zur Vergeltung", die kurz vor Kriegsende sowjetische Zwangsarbeiter, die angeblich sabotageverdächtig waren, in Massenerschießungen hingerichtet hatte. |
| 14. Februar | Irak und Jordanien gründen die Arabische Föderation. |
| 16. Februar | In Celle stirbt der deutsche Serienmörder (Der Totmacher) Rudolf Pleil. |
| 18. Februar |
Das libanesische Außenministerium in Beirut teilt mit, Libanon wolle seine
Unabhängigkeit und Integrität bewahren und sich weder der Vereinigten
Arabischen Republik von Ägypten und Syrien noch der Arabischen Föderation
von Irak und Jordanien anschließen. Man wolle aber beiden Zusammenschlüssen
gegenüber eine "brüderliche Haltung" einnehmen. Wirtschaftshilfe in Höhe von 98 Mio. US-Dollar und damit drei Mio. mehr als im Vorjahr wollen die USA Polen gewähren. Polen soll dabei hauptsächlich landwirtschaftliche Überschussprodukte erhalten. |
| 19. Februar |
Zwei weitere Erklärungen zur Frage einer atomwaffenfreien Zone in
Mitteleuropa werden veröffentlicht: Während der Oberbefehlshaber der
NATO-Streitkräfte in Europa, General Lauris Norstad, erklärt, der
Rapacki-Plan bezwecke eine einseitige Abrüstung des Westens, bezeichnet die
sowjetische Regierung den Plan als wertvollen Beitrag zur Friedenssicherung
an der Nahtstelle zwischen West und Ost. Die Volksrepublik China kündigt an, sie wolle bis Jahresende ihre Truppen (rund 350.000 Mann) aus Nordkorea zurückziehen. Zugleich werden die USA und die Vereinten Nationen aufgefordert, ihre in Südkorea stationierten Soldaten ebenfalls abzuberufen. |
| 20. Februar | In den USA stirbt der amerikanische Politiker und 32. Gouverneur von Illinois, Dwight Green. |
| 21. Februar | Otto Habsburg-Lothringen, der älteste Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I., der seit dem Sturz der Monarchie im Jahr 1918 im Ausland lebt, erklärt sich bereit, die bestehenden Gesetze Österreichs anzuerkennen und sich zur Republik zu bekennen. |
| 23. Februar | Bei den allgemeinen Wahlen in Argentinien wird Arturo Frondizi mit absoluter Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Seine Partei, die Unión Cívica Radical Intransigente (Linksradikale), erhält im Senat sämtliche Sitze und in der Abgeordnetenkammer 133 von 187 Mandaten. |
| 24. Februar | Im Fairfield County, Connecticut, stirbt der österreichische Schriftsteller und Übersetzer Paul Amann. |
| 25. Februar |
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß kritisiert den Plan einer
atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa des polnischen Außenministers Adam
Rapacki und schlägt statt dessen vor, dass eine solche Zone alle
Ostblockstaaten mit Ausnahme der Sowjetunion umfassen müsse. Mit Empörung kommentieren die Wiener Zeitungen den Überfall jugendlicher Bandenmitglieder auf einen 17-jährigen Lehrling. Die Täter haben das ihnen unbekannte Opfer geschlagen und schließlich zu Tode getrampelt, ohne genau zu wissen, warum, wie sie bei ihrer Festnahme angeben. In einem Interview mit dem Deutschen Fernsehen erklärt der Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa, General Lauris Norstad, die Stationierung von Atomwaffen auf dem Boden der Bundesrepublik sei für die Verteidigung des Westens notwendig. Nach 25stündiger Gefangenschaft wird der von kubanischen Rebellen entführte Automobilweltmeister Juan Manuel Fangio (Argentinien) wieder freigelassen. |
| 26. Februar |
In einer Unterhausdebatte kritisiert der britische Oppositionsführer und
Abgeordnete der Labour-Party, Hugh Gaitskell, die Drohung Großbritanniens,
bei jedem militärischen Angriff nukleare Waffen einzusetzen. Diese Maßnahme
sei unwirksam bei Ereignissen, die zwischen einem Großangriff und einem
bloßen Grenzzwischenfall anzusiedeln seien. In Kuba entführen Aufständische den Rennfahrer Juan Manuel Fangio, der an einem von Staatspräsident Fulgencio Batista veranstaltete Rennen teilnehmen wollte. Er wird einen Tag später wieder freigelassen. |
| 27. Februar |
Der Bundestag in Bonn billigt den Grünen Plan 1958, der Subventionen für die
Landwirtschaft in Höhe von 1,341 Mrd. DM vorsieht. Der im Oktober 1956 vom Bundestag eingesetzte Sonderausschuss Radioaktivität stellt in einem ersten Bericht eine beständige Zunahme der Radioaktivität aufgrund von Atomwaffenversuchen fest. |
| 28. Februar |
In einer Aussprache im Bundestag in Bonn über die Einführung von
Privatfernsehen setzt sich die Regierung für die Zulassung eines zweiten
TV-Programms ein. Um 107.000 auf 1,325 Mio. sinkt die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik im Februar 1958, dies entspricht einer Quote von 6,8%. Gegenüber dem Februar 1957 sind 213.000 Personen mehr arbeitslos gemeldet. Nach Angaben der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik in der DDR ist der Volkswirtschaftsplan für 1957 mit 101,6% übererfüllt worden. Bei den Parlamentswahlen im Sudan gewinnt die bisherige Regierungspartei Umma, die für die Autonomie des Landes eintritt, 63 von 173 Mandaten; die Nationale Unionisten-Partei, die für den Anschluss an die Vereinigte Arabische Republik (VAR) plädiert, erhält nur 45 Sitze. |
| 01. März |
Der griechische Ministerpräsident Konstandinos Karamanlis gibt den Rücktritt
seiner Regierung bekannt, nachdem ihm mehrere Abgeordnete der
Regierungspartei aus Protest gegen ein neues Wahlgesetz die Unterstützung
entzogen haben. Der Bischof der italienischen Stadt Prato Monsignore Pietro Fiordelli, wird von einem Gericht in Florenz zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er ein nur standesamtlich getrautes Ehepaar als "im Konkubinat lebende öffentliche Sünder" bezeichnet hat. |
| 03. März |
In Berlin stirbt der ehemalige Minister für
Staatssicherheit der DDR
Wilhelm Zaisser. In einem Schreiben an US-Präsident Dwight D. Eisenhower spricht sich der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin für eine Gipfelkonferenz aus, auf der alle Fragen erörtert werden sollten, die zur weltpolitischen Entspannung beitragen. Dies gelte jedoch nicht für die Wiedervereinigung Deutschlands und das Problem der osteuropäischen Staaten, da durch die Behandlung dieser Fragen die internationale Spannung verschärft werde. Nach dem Rücktritt des bisherigen Ministerpräsidenten Abdel Wahab Mirjan wird Nuri As Said neuer irakischer Regierungschef. |
| 05. März |
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß, der sich zu Gesprächen in
den USA aufhält, erklärt, die Bundeswehr werde US-amerikanische Raketen vom
Typ "Matador" erhalten, die sowohl mit herkömmlichen als auch mit atomaren
Sprengköpfen ausgerüstet werden können. In Linz stirbt der erste Landeshauptmann des österreichischen Bundeslandes Oberösterreich nach dem Zweiten Weltkrieg, Adolf Eigl. |
| 06. März |
Gamal Abd an Nasser, Präsident der neu gegründeten Vereinigten Arabischen
Republik (VAR), gibt seine Kabinettsliste bekannt; der Regierung gehören 24
ägyptische und 14 syrische Politiker an. In Mettmach, Oberösterreich, stirbt der österreichische Gutsbesitzer, Politiker und erster Bundesparteiobmann der neu gegründeten FPÖ, Anton Reinthaller. |
| 07. März |
40 Persönlichkeiten aus dem politischen, kulturellen und kirchlichen Leben
der Bundesrepublik gründen in Frankfurt am Main den Arbeitsausschuss "Kampf
dem Atomtod". Die französische Nationalversammlung spricht Ministerpräsident Félix Gaillard, der im Zusammenhang mit der Erhöhung des Verteidigungsbudgets für Algerien die Vertrauensfrage gestellt hat, das Vertrauen aus. In Uruguay wählt der Nationalrat Carlos Fischer als Nachfolger von Arturo Lezama zum Präsidenten der Republik. |
| 08. März |
Das Schwurgericht in Steyr verurteilt den 38-jährigen Hilfsarbeiter Alfred
Engleder zu lebenslanger verschärfter Kerkerhaft. Der "Unhold von Steyr",
der im Sommer 1957 gestellt werden konnte, hat zwei Sexualmorde und vier
Vergewaltigungsversuche begangen. Die aus Syrien und Ägypten gebildete Vereinigte Arabische Republik (VAR) schließt sich mit dem Jemen, der seine staatliche Eigenständigkeit behält, zu den Vereinigten Arabischen Staaten zusammen. |
| 10. März | In feierlicher Zeremonie wird Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Kölner St.-Andreas-Kirche durch Hochmeister Marian Tumler zum Ehrenritter des Deutschen Ordens ernannt. |
| 11. März |
Der SPD-Abgeordnete und Bundestagsvizepräsident Carlo Schmid, der sich auf
einer Vortragsreise durch Polen befindet, erklärt in der Warschauer
Universität, jeder redliche Deutsche bedauere die an Polen während des
Zweiten Weltkriegs begangenen Untaten zutiefst. Er drückt zugleich die
Hoffnung auf einen Neuanfang der Beziehungen aus. In Österreich beginnt die fünftägige Zeichnungsfrist für Volksaktien an dem chemischen Betrieb Hiag. In Dänemark stirbt der Erfinder der Lego-Steine und Gründer des Unternehmens Lego, Ole Kirk Christiansen. |
| 12. März |
In einer Rundfunkansprache vertritt der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer die
Ansicht, eine Wiedervereinigung Deutschlands sei nur in Etappen zu
erreichen. Erstes Ziel müsse es sein, eine allgemeine Abrüstung einzuleiten.
Die kubanische Regierung unter Nuñez Portuondo tritt zurück, nachdem Staatspräsident Fulgenico Batista y Zaldívar, der 1952 durch einen Staatsstreich an die Macht kam und seither diktatorisch regiert, die verfassungsmäßigen Grundrechte für die Dauer von 45 Tagen aufgehoben hat, um einem angekündigten Putschversuch Fidel Castros zu begegnen. Dem neuen Kabinett unter Gonzalo Guell gehören fast alle Minister der zurückgetretenen Regierung erneut an. |
| 14. März |
Albert II. wird in Monaco geboren. Die Sowjetunion lehnt es ab, sich weiterhin an Abrüstungsgesprächen im hierfür zuständigen UN-Subkomitee zu beteiligen, solange dort nur die vier Großmächte und Kanada vertreten seien. Dies erklärt das sowjetische Außenministerium in Moskau. In einem Kommuniqué des iranischen Kaiserhofs wird die Auflösung der Ehe zwischen Schah Mohammed Resa Pahlawi und Kaiserin Soraya bekannt gegeben. Das seit 1951 verheiratete Paar ist kinderlos. |
| 15. März | Bundesverteidigungsminister Franz Josef
Strauß kehrt von einem zweiwöchigen Aufenthalt in Washington zurück; im
Anschluss erklärt er, dass in der Bundesrepublik keine
Mittelstreckenraketen-Basen errichtet würden. In der DDR wird das Institut für Deutsche Militärgeschichte gegründet. |
| 16. März | Bei allgemeinen Wahlen in der UdSSR stimmen 99,98% der Wahlberechtigten für die Kandidaten der Einheitsliste zum Obersten Sowjet. |
| 17. März | Die US-Marine startet erfolgreich ihren
künstlichen Erdsatelliten "Vanguard 1". Zehn Tage nach der letzten Vertrauensabstimmung spricht die französische Nationalversammlung Ministerpräsident Félix Gaillard erneut das Vertrauen aus. Zugleich wird eine von der Regierung vorgeschlagene Verfassungsänderung gebilligt, die es dem Präsidenten erleichtert, im Falle eines Regierungssturzes das Parlament aufzulösen. |
| 18. März | 1.500 junge Frauen aus den höheren Gesellschaftsschichten Großbritanniens werden Königin Elisabeth II. und ihrem Mann Prinz Philip als sog. Debütantinnen vorgestellt. Das im 18. Jahrhundert durch König Georg III. eingeführte Zeremoniell soll künftig nicht mehr durchgeführt werden, da es unzeitgemäß sei. |
| 19. März | Die Kommunalarbeiter in der Bundesrepublik
und West-Berlin befolgen einen Aufruf der Gewerkschaft Öffentliche Dienste,
Transport und Verkehr (ÖTV) zu einem 24stündigen Warnstreik zur
Unterstützung ihrer Lohnforderungen. In Straßburg konstituiert sich bis zum 21. März das Europäische Parlament, gemeinsames Organ von Montanunion, Europäischer Wirtschaftsgemeinschaft und Europäischer Atomgemeinschaft. In Kolumbien erhalten bei allgemeinen Parlamentswahlen die Liberalen unter Laureano Gomez 1,745 Mio., die Konservativen unter Führung von Guillermo Valencia 1,262 Mio. Stimmen. |
| 20. März | Das Oberlandesgericht Bamberg verwirft die
Berufung einer Würzburger Firma und bestätigt damit ein Urteil des
Landgerichts Würzburg, wonach weder Likör noch "irgendeine andere
Flüssigkeit" in sog. Bocksbeutel abgefüllt in den Handel gebracht werden
darf. Die Bocksbeutelflasche sei allein dem Frankenwein vorbehalten. Im Iran wird die Erdölleitung zwischen der am Persischen Golf gelegenen Hafenstadt Abadan und der Hauptstadt Teheran eröffnet. |
| 21. März | Bei den Wahlen zum nordirischen Parlament gewinnen die Unionisten 37 Sitze, die Ulster-Labour Party vier, die Nationalisten sieben Mandate und die übrigen Parteien insgesamt vier Sitze. |
| 22. März | Auf einer Kundgebung in Suhl kündigt
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl Gegenmaßnahmen der
Warschauer-Pakt-Staaten für den Fall an, dass die Bundeswehr mit Atomwaffen
ausgerüstet wird. Der Oberkommandierende der syrischen Armee, General Afif Bizri, erklärt seinen Rücktritt. Durch die Berufung des Generals im August 1957 wurde eine Wende zu einer panarabischen Politik in Syrien eingeleitet. |
| 23. März | Bei allgemeinen Wahlen in Jugoslawien
erhalten die Kandidaten des Sozialistischen Bundes der Werktätigen 96,7% der
Stimmen. 98% der 3.863 Wahlberechtigten beteiligen sich an den allgemeinen Wahlen in Liechtenstein. Dabei erhält die bisherige Regierungspartei, die Progressive Bürgerpartei, neun Sitze, die Patriotische Unionspartei sechs Mandate. In Liechtenstein gibt es kein Frauenwahlrecht. Der saudi-arabische König Saud Ibn Abd Al Asis ernennt seinen Bruder, Prinz Faisal Ibn Abd Al Asis Ibn Saud zum Ministerpräsidenten und Außenminister. In der Sowjetunion endet eine mehrtägige nukleare Versuchsserie. |
| 24. März | In Kopenhagen unterzeichnen Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm und der dänische Minister für öffentliche Arbeiten, Kai Lindberg, ein Protokoll über die sog. Vogelfluglinie, die über die Insel Fehmarn laufende kürzeste Verbindung zwischen der Bundesrepublik und Skandinavien. |
| 25. März | Der Bundestag beschließt, die Bundeswehr im Rahmen der NATO mit Atomwaffen auszurüsten, falls es nicht zu Abrüstungsvereinbarungen kommt. |
| 26. März | Bei den Wahlen zu den elf niederländischen
Provinzialräten müssen die Sozialistische und die beiden protestantischen
Parteien Verluste hinnehmen. Stärkste Partei wird die Katholische
Volkspartei mit 190 der insgesamt 571 Sitze, gefolgt von der Sozialistischen
Partei mit 178 Mandaten. Die US Armee startet erfolgreich ihren Erdsatelliten "Explorer 3". In einem Interview mit der mexikanischen Zeitung "Excelsior" bietet der sowjetische Parteisekretär Nikita S. Chruschtschow den Staaten Lateinamerikas die "selbstlose Hilfe" seines Landes durch die nicht an politische Bedingungen geknüpfte Lieferung von Gütern und Rohstoffen an. |
| 27. März | Die SPD-Bundestagsfraktion fordert die
Bildung einer neuen Regierung, die sich von der atomaren Bewaffnung der
Bundeswehr abwendet. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin übernimmt der sowjetische Parteiführer Nikita S. Chruschtschow auch das Amt des Ministerpräsidenten. Die britische Königin Elisabeth II. und ihr Mann Prinz Philipp beenden einen dreitägigen Staatsbesuch in den Niederlanden. |
| 28. März | Vor dem britischen Unterhaus erklärt
Generalzahlmeister Reginald Maudling, dass ein Scheitern der gegenwärtigen
Verhandlungen über die Errichtung einer europäischen Freihandelszone eine
Tragödie für den Kontinent bedeuten würde. In einer Note an die US-Regierung protestiert die Sowjetunion gegen die geplanten Atomwaffenversuche auf den zum Treuhandgebiet der Vereinten Nationen gehörenden Marshall-Inseln. |
| 29. März | Auf dem zweitägigen FDP-Bundesparteitag in Düsseldorf werden Reinhold Maier als Vorsitzender der Partei und Erich Mende als sein Stellvertreter wiedergewählt. |
| 31. März | Die Zahl der Arbeitslosen in der
Bundesrepublik liegt Ende März bei 1,1 Mio. (5,7%). Damit hat die Zahl
gegenüber dem Februar um 216.000 abgenommen, liegt aber um fast 400.000 über
dem Wert im März 1957. Zum Abschluss der fünftägigen Sitzung des Obersten Sowjet gibt der sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko bekannt, dass die Sowjetunion einseitig als ersten Schritt die Versuche mit allen nuklearen Waffen einstellt. Pierre Frieden (Christlich-Sozialistische Partei) wird Nachfolger des am 26. März zurückgetretenen luxemburgischen Ministerpräsidenten Joseph Bech. Bei den Parlamentswahlen in Kanada erzielt die konservative Regierungspartei unter Ministerpräsident John G. Diefenbaker einen überraschend großen Erfolg. Sie erhält 209 (bisher 113) der 265 Parlamentssitze. |
| 01. April | Die Ministerpräsidenten von Bayern,
Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein fordern von der Bundesregierung
Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung der Zonenrandgebiete. Einen Aufruf an alle Deutschen, durch politische Massenstreiks sich der Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen entgegenzustellen, veröffentlicht das Präsidium des Nationalrats der Nationalen Front der DDR. In Reaktion auf die sowjetische Ankündigung über die Einstellung von Kernwaffenversuchen vom 31. März erklärt US-Außenminister John Foster Dulles, sein Land wolle Versuche zur Entwicklung einer "sauberen" Atomwaffe fortsetzen. Großbritanniens Premierminister Harold Macmillan betont in einer Stellungnahme, der Westen sei bereit, im Rahmen eines Abrüstungsabkommens auch die Kernwaffenversuche bei ausreichender Kontrolle einzustellen. Der kubanische Rebellenführer Fidel Castro sagt der Regierung des Diktators Fulgenico Batista y Zaldívar "den totalen Krieg" an. Ein Aufstandsversuch wird jedoch von Regierungstruppen niedergeschlagen. |
| 02. April | An der
Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der Akademie der
Wissenschaften der DDR findet bis zum 3. April die
Babelsberger Konferenz statt. Truppen der indonesischen Zentralregierung landen auf der Insel Celebes, um die dortige Aufstandsbewegung zu bekämpfen. |
| 03. April | Auf einer Pressekonferenz in Paris tritt
General Lauris Norstad, Oberbefehlshaber der Nordatlantikpakt-Truppen in
Europa, für die Fortführung der Kernwaffenversuche der Westmächte ein, damit
eine größere Skala militärischer Mittel zur Verfügung stehe. US-Präsident Dwight D. Eisenhower schlägt dem Kongress in Washington eine Reorganisation der militärischen Kommandostruktur vor, die insbesondere die Position des Verteidigungsministers stärken soll, um künftig Rangeleien zwischen den drei verschiedenen Wehrmachtsteilen zu unterbinden. Die UN-Kommission für die Rechtsstellung der Frau beendet ihre am 17. März begonnene Sitzungsperiode. In Wien stirbt der österreichische Lyriker Theodor Kramer. |
| 04. April | Am ersten
Ostermarsch gegen nukleare Aufrüstung von London zum Atomforschungszentrum
Aldermaston nehmen tausende Menschen
teil. Er dauert bis Ostersonntag, 6. April. Der sowjetische Parteichef Nikita S. Chruschtschow erklärt sich bereit, den Atomteststopp der UdSSR durch eine internationale Kontrollkommission überwachen zu lassen. |
| 06. April | In Freiburg im
Breisgau stirbt der deutsche Schriftsteller
Reinhold Schneider. In seiner Osterbotschaft ruft Papst Pius XII. die Menschheit auf, mit aller Kraft die Wiederherstellung eines gerechten Friedens anzustreben. Dominic Mintoff, Premierminister der britischen Kronkolonie Malta, kündigt an, dass die Mittelmeerinsel ihre Unabhängigkeit fordern werde, falls London nicht eine finanzielle Unterstützung gewähre. Die Ehe zwischen dem persischen Schah und seiner Frau Soraya wird wegen Kinderlosigkeit geschieden. |
| 08. April | In den Länderparlamenten der Bundesrepublik beginnen die Auseinandersetzungen über die Anträge auf Volksbefragung über die Atomrüstung der Bundeswehr. |
| 09. April | Der österreichische Bundeskanzler Julius Raab sagt in einem Interview mit Bezug auf Südtirol, das italienische Volk sei leider "von einem ungeheuerlichen Nationalgefühl erfüllt", und verlangt zugleich die strikte Einhaltung der völkerrechtlichen Verpflichtungen des Abkommens über Südtirol. |
| 10. April | Zum Abschluss eines neuntägigen Besuchs des rumänischen Ministerpräsidenten Chivu Stoica in der Volksrepublik China fordern beide Seiten u. a. die Einstellung der Kernwaffenversuche durch Großbritannien und die USA, die Ersetzung der Militärblöcke durch kollektive Sicherheitssysteme sowie die Auflösung militärischer Stützpunkte außerhalb der eigenen Grenzen. |
| 11. April | Ghana wird Mitglied in der UNESCO. |
| 12. April | Das Bundesverteidigungsministerium
dementiert Pressemeldungen über eine angebliche Beteiligung der
Bundesrepublik an der französischen Atomwaffenproduktion. Auch eine
bundesdeutsche Atomwaffenproduktion stehe nicht zur Debatte. Heinrich Rau, stellvertretender DDR-Ministerpräsident, führt in Belgrad Gespräche mit der jugoslawischen Regierung. Darin wird festgestellt, dass große Möglichkeiten bestünden, die Beziehungen zwischen beiden Staaten beträchtlich zu erweitern. 630 Mio. DM sollen nach Auskunft des Bundesbauministeriums in diesem Jahr für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stehen. |
| 13. April | Der Berliner Landesparteitag der SPD beschließt, den Arbeitsausschuss "Kampf dem Atomtod" in West-Berlin zu unterstützen. Zugleich distanziert sich die Partei von der in der gleichen Angelegenheit betriebenen kommunistischen Propaganda. |
| 14. April | Die Bundesregierung erklärt, dass die
Verwirklichung der Absicht parlamentarischer Fraktionen, Volksbefragungen
zur Atomfrage zu veranlassen, gegen das Grundgesetz verstößt. Tunesien wird Mitglied in der Weltbank und im Internationalen Währungsfonds (IWF). Der sowjetische Satellit "Sputnik 2" verglüht nach 162 Tagen im Orbit in der Erdatmosphäre. |
| 15. April | Die seit dem 6. November 1957 amtierende
französische Regierung des Radikalsozialisten Félix Gaillard wird wegen des
französisch-tunesischen Konflikts gestürzt. Der britische Schatzkanzler Derick Heathcoat-Amory legt den Haushaltsplan 1958/59 vor, der Gesamtausgaben in Höhe von 5,075 Mrd. Pfund (rund 60,4 Mrd. DM) vorsieht. Davon entfallen allein 1,418 Mrd. Pfund (rund 16,9 Mrd. DM) auf Militärausgaben. Einen Verzicht auf Kriegshandlungen und eine Regelung der Streitigkeiten durch Verhandlungen schlägt der pakistanische Premier Malik Firoz Khan Noon der indischen Regierung vor. Im Konflikt beider Staaten geht es um die Zugehörigkeit Kaschmirs. |
| 16. April | Bei den Parlamentswahlen in der
Südafrikanischen Union, bei denen nur die rund 1,6 Mio. weißen
Einwohner wahlberechtigt sind, erzielt die Nationale Front von
Ministerpräsident Johannes Strijdom 103 (bisher 94) Parlamentssitze. Die
oppositionelle United Party erhält 53 Mandate (bisher 57), die Labour Party
verliert alle fünf Sitze. Nach dem Rücktritt der von der Istiklal-Partei gestellten Minister, an deren politischem Kurs Kritik geübt wurde, löst der marokkanische König Muhammad V. die Regierung auf. |
| 17. April | In Hamburg demonstrieren über 100.000 Menschen gegen
Atomwaffen. Zum Abschluss einer dreitägigen Konferenz der NATO-Verteidigungsminister in Paris erklären die Teilnehmer, die Verteidigungsstrategie des Nordatlantikpakts müsse auf einer starken Abwehrkraft beruhen, zu der sowohl ein Verteidigungsschild mit konventionellen und atomaren Waffen als auch die mit Atomwaffen ausgerüstete Vergeltungsmacht gehöre. |
| 18. April | Eine Volksbefragung zur atomaren
Bewaffnung der Bundeswehr auf Bundesebene, wie sie der Arbeitsausschuss
"Kampf dem Atomtod" anstrebt, lehnt der Bundesvorstand der FDP ab. Die sowjetische Regierung protestiert gegen Alarmflüge von mit Atom- und Wasserstoffwaffen ausgerüsteten US-amerikanischen Bombern im Bereich der Arktis und verlangt wegen dieser Vorgänge die Einberufung des UN-Sicherheitsrats. Wegen einer Abstimmungsniederlage im Reichstag – es geht um die Erhöhung der Brotpreise – erklärt die finnische Regierung von Ministerpräsident Rainer von Fieandt ihren Rücktritt. Am 26. April wird ein Übergangskabinett unter Ministerpräsident Reino Kuuskoski gebildet, das bis zu den Wahlen im Juli die Geschäfte führen soll. |
| 19. April | Bundeskanzler Konrad Adenauer beendet
einen viertägigen Staatsbesuch in Großbritannien, in dessen Verlauf er auch
von Königin Elisabeth II. empfangen wurde. Während des Besuchs wurde ein
deutsch-britisches Kulturabkommen unterzeichnet. In Bielefeld, Bremen, Dortmund, Essen, Hamburg, Kiel, Mannheim und München finden Massenkundgebungen des Arbeitsausschusses "Kampf dem Atomtod" gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Kernwaffen statt, an denen sich insgesamt rund 200.000 Menschen beteiligen. Josip Broz Tito wird von der Bundesvolksversammlung einstimmig zum dritten Mal für weitere vier Jahre zum jugoslawischen Staatspräsidenten und zum Vorsitzenden des Bundesexekutivrats gewählt. Ehemalige jüdische Häftlinge der nationalsozialistischen Konzentrationslager aus 16 Staaten gedenken in Warschau des 15. Jahrestags des Aufstandes im Warschauer Ghetto, der im Sommer 1943 endgültig niedergeschlagen wurde. Am 21. April folgt eine Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Treblinka in Polen, in dem während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland 300.000 Juden vergast wurden. |
| 20. April | In Berlin
stirbt der deutsche Physiker, Entwickler der Quarzuhr in Deutschland und
Entdecker der Inkonstanz der Erdrotationsgeschwindigkeit,
Adolf
Scheibe. Frankreichs Staatspräsident René Coty beauftragt den ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Georges Bidault mit der Regierungsbildung. Dieser gibt den Auftrag jedoch am 22. April zurück, weil seine eigene Partei, die christlich-soziale MRP, ihm die Unterstützung versagt hat. |
| 21. April | Maltas Premierminister Dominic Mintoff
erklärt aus Protest über die mangelnde finanzielle Unterstützung der
Kronkolonie durch Großbritannien seinen Rücktritt. Der UN-Sicherheitsrat in New York debattiert über die Aufklärungsflüge der USA über der Arktis. Das Zentralkomitee der KPdSU beschließt die Einführung des Sieben- bzw. Sechsstundentags in verschiedenen Zweigen der Schwerindustrie. Der 72-jährige US-amerikanische Dichter Ezra Pound wird aus einer Nervenheilanstalt entlassen, in die er 1946 eingewiesen worden war. Pound, der sich im Zweiten Weltkrieg in den Dienst des faschistischen Regimes in Italien gestellt hatte, entging auf diese Weise einem Hochverratsprozess. |
| 22. April | Prinzessin Margaret von Großbritannien
eröffnet in Port of Spain (Trinidad) in Vertretung von Königin Elisabeth II.
das erste Parlament der Westindischen Föderation. Zum Abschluss einer einwöchigen Konferenz in Accra (Ghana) verpflichten sich die acht unabhängigen afrikanischen Staaten zur gegenseitigen Sicherung ihrer Souveränität, zur Beseitigung jeder Rassendiskriminierung und zur Zusammenarbeit bei ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. |
| 23. April | Der NATO-Generalsekretär Paul-Henri Spaak
spricht sich nach zweitägigen Verhandlungen mit der Bundesregierung in Bonn
dafür aus, die Mitgliedsstaaten des Nordatlantikpakts allgemein mit den
modernsten Waffen auszurüsten. Eine Sonderstellung für die Bundesrepublik
könne es nicht geben. Nach Angaben des norwegischen Außenministers Halvard Lange besitzt seine Regierung Informationen, daß in der DDR, in Polen und in der Tschechoslowakei Abschußrampen für Mittelstreckenraketen errichtet worden seien. Die drei angesprochenen Staaten und die Sowjetunion erklären die Mitteilung für frei erfunden. Das Nürnberger Schwurgericht spricht den 59-jährigen ehemaligen kommandierenden General des 13. SS-Armeekorps, Max Simon, und fünf seiner Offiziere von der Anklage des Mordes und der Rechtsbeugung frei, weil sie formaljuristisch richtig gehandelt hätten. |
| 24. April | Großbritannien und die Bundesrepublik schließen ein Abkommen über Unterstützungszahlungen für die britische Rheinarmee. Die Bundesrepublik soll in den kommenden drei Jahren hierfür rund 108,5 Mio. Pfund (etwa 1,291 Mrd. DM) bezahlen. |
| 25. April | Abschluss des ersten deutsch-sowjetischen
Handelsabkommens. Es sieht einen auf drei Jahre befristeten Warenaustausch
im Wert von 3,15 Mrd. DM vor. Weil sie sich mit ihrem Gesetzentwurf über die künftige Regelung der Altersversorgung im Parlament nicht durchsetzen kann, tritt die schwedische Regierung unter Tage Erlander zurück. Am 27. April löst König Gustav VI. Adolf die Zweite Kammer des Reichstags auf und schreibt Neuwahlen für den 1. Juni aus. |
| 26. April | Während des Parteitages des Bundes der
Kommunisten in Jugoslawien, der ein neues Parteiprogramm beschlossen hat und
der nun nach fünftägiger Dauer in Ljubljana zu Ende geht, hebt
Staatspräsident Josip Tito u. a. die Verbesserung der Beziehungen seines
Landes zur Sowjetunion hervor. In einer Rede in Kiew erhebt der sowjetische Parteiführer Nikita S. Chruschtschow schwere Vorwürfe gegen den früheren Ministerpräsidenten Georgi M. Malenkow, der 1957 als "Parteifeind" aller Ämter enthoben wurde. Er wird von Chruschtschow als Alleinverantwortlicher für die Unzulänglichkeiten in der sowjetischen Landwirtschaft bezeichnet. In Wulkaprodersdorf stirbt der österreichische Maler und Grafiker Kurt Absolon. |
| 27. April | Unter Aufsicht der Vereinten Nationen
finden die ersten allgemeinen Wahlen in Togo statt, das als Mandatsgebiet
der UNO unter französischer Verwaltung steht. Von den 46 Sitzen der
Gesetzgebenden Versammlung fallen 28 auf die Partei Comité d'Unité Togolaise,
die für die Unabhängigkeit des Landes bzw. für den Anschluss an das 1957
selbständig gewordene Ghana eintritt. Die indonesische Zentralregierung meldet die Einnahme von Solok, dem militärischen Hauptquartier der Aufständischen auf Sumatra. |
| 28. April | Vor dem
Schwurgericht Ulm beginnt der
Ulmer Einsatzgruppen-Prozess. Er dauert bis zum 29. August und richtete
sich gegen zehn Gestapo,- SD- und Polizeiangehörige, die zwischen Juni und
September 1941 mehr als 5.500 jüdische Kinder, Frauen und Männer im
litauisch-deutschen Grenzgebiet ermordet hatten. Der Erste Stellvertretende Ministerpräsident der UdSSR, Anastas I. Mikojan, beendet seinen viertägigen Besuch in der Bundesrepublik. Die USA beginnen mit einer neuen auf 30 Versuche angelegten Atomtestreihe auf der Pazifikinsel Eniwetok. Auch Großbritannien startet einen neuen Kernwaffenversuch: Über der Weihnachtsinsel, die ebenfalls im Pazifik liegt, wird ein britischer Atomsprengkörper in großer Höhe zur Explosion gebracht. Zum Abschluss der UN-Seerechtskonferenz in Genf, die am 24. Februar begonnen hat, können sich die Teilnehmer nicht über die Breite der Territorialgewässer einigen. |
| 29. April | Ägypten unterzeichnet in Rom ein Abkommen
mit der Suezkanalgesellschaft über die Entschädigung für die Aktienbesitzer
an dem 1956 verstaatlichten Suezkanal. König Idris II. von Libyen lässt sich von seiner Frau Alia scheiden, weil sie dem Land keinen männlichen Thronerben geschenkt hat. Das Paar lebte nach der Eheschließung 1954 nur ein Jahr zusammen. |
| 30. April | Um über eine halbe Million sinkt die
Arbeitslosigkeit im April in der Bundesrepublik. Wie im April 1957 sind
knapp 590.000 Menschen arbeitslos, dies entspricht einer Quote von 3%. Bei einem viertägigen Treffen von Vertretern der marokkanischen Istiklal-Partei, der Neo-Destur-Partei Tunesiens und der algerischen Nationalen Befreiungsfront in Tanger wird in einer Resolution über den Unabhängigkeitskrieg Algeriens dem Land die totale Unterstützung Tunesiens und Marokkos zugesichert. |
| 01. Mai | Die Auseinandersetzung um die Atomrüstung
der Bundeswehr ist Hauptthema der diesjährigen Kundgebungen zum
Internationalen Tag der Arbeit. In Karlsruhe findet bis zum 4. Mai der 5. Deutsche Studententag statt. In Albanien wird die Lebensmittelrationierung aufgehoben. Arturo Frondizi wird neuer Staatspräsident von Argentinien. |
| 02. Mai | Bei den Wahlen zu der um 30 Sitze auf 233
Abgeordnete erweiterten Nationalversammlung in Südkorea erhalten die
Liberalen 125 Sitze (bisher 133), 81 entfallen auf die Demokratische Partei,
die bisher 46 Abgeordnete entsandte. Die übrigen 27 Sitze gehen an kleinere
Parteien. Die jemenitische Regierung protestiert bei UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld gegen den Aufmarsch britischer Truppen in dem zum Protektoratsgebiet der Kronkolonie Aden gehörigen Sultanat Lahidsch. Eine japanische ultranationalistische Gruppierung entwendet bei einer Handelsmesse in Nagasaki die Flagge der Volksrepublik China. |
| 03. Mai | Die Erhebung einer Wasserstraßengebühr für alle Schiffe, die nicht in der DDR beheimatet sind, beschließt der DDR-Ministerrat. |
| 04. Mai | Aus den Präsidentschaftswahlen in
Kolumbien, den ersten allgemeinen Wahlen seit zehn Jahren, geht der Kandidat
der Nationalen Front, Alberto Lleras Camargo, mit 85% der abgegebenen
Stimmen als Sieger hervor. Während des Wahlkampfs kam es zu blutigen
Auseinandersetzungen in dem bislang von einer Militärjunta regierten Land.
In einer Note an die polnische Regierung lehnt die US-Regierung den Rapackiplan einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa ab und schlägt statt dessen die Schaffung einer Inspektionszone vor, die sich von Großbritannien bis zum südlichen Ural erstrecken soll. |
| 05. Mai | Bei einem
Autounfall auf der Autobahn Köln-Düsseldorf in Langenfeld stirbt der
ehemalige Botschafter Deutschlands in Paris während des Zweiten Weltkriegs,
Otto Abetz. Die Regierung unter Ministerpräsident Nuri As Said gewinnt bei den Wahlen im Irak 140 der 145 Sitze in der Abgeordnetenkammer. Da für 125 Mandate nur jeweils ein Kandidat aufgestellt worden war, hatte die Opposition zum Wahlboykott aufgerufen. Wie die indonesische Zentralregierung meldet, haben ihre Truppen Bukittinggi die Hauptstadt der Aufständischen auf Sumatra, besetzt. Die "Pekinger Volkszeitung", Organ der chinesischen KP, kritisiert in scharfer Form den Parteitag der jugoslawischen Kommunisten im April. |
| 06. Mai | Britische Flugzeuge im Sultanat Lahidsch
reagieren auf eine Beschießung von jemenitischem Gebiet aus durch einen
Angriff auf jemenitische Grenzbefestigungen in der Nähe von Katala. Die libanesische Regierung beschließt weitere Wirtschaftshilfe der Vereinigten Staaten abzulehnen, sofern diese an Bedingungen geknüpft ist. |
| 07. Mai | Ohne Gegenstimmen billigt der Bundestag in
Bonn eine Diätenerhöhung. In einem Schreiben an UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld erklärt die britische Regierung, der Luftangriff auf jemenitische Grenzbefestigungen am 6. Mai sei in Ausübung des Rechts auf Selbstverteidigung erfolgt. Zugleich protestieren die Briten gegen die Beschießung ihrer Flugzeuge von jemenitischem Gebiet aus. |
| 08. Mai | US-Außenminister John Foster Dulles
erneuert anlässlich eines Besuchs in West-Berlin die US-amerikanischen
Garantien für die geteilte Stadt. Der mit der Regierungsbildung beauftragte frühere französische Ministerpräsident René Pleven gibt seinen Auftrag zurück. Staatspräsident René Coty beauftragt daraufhin Pierre Pflimlin mit der Bildung einer Regierung. Der marokkanische König Muhammad V. kündigt in einer Rundfunkrede an, er werde durch eine Reihe von Gesetzen die Umwandlung Marokkos in eine konstitutionelle Monarchie ermöglichen, um das Volk stärker als bisher an der Macht zu beteiligen. Am gleichen Tag ernennt er den bisherigen Außenminister und Anführer der Istiklal-Partei, Ahmed Balafrej, zum Ministerpräsidenten. Mario Echandí Jiménez wird Staats- und Regierungschef von Costa Rica. |
| 09. Mai | Im Anschluss an die Beisetzung eines
ermordeten Oppositionspolitikers kommt es im Libanon zu Demonstrationen
gegen die Regierung und den Staatspräsidenten Kamil Schamun. Nach der Volksrepublik China kritisiert auch die Sowjetunion in scharfer Form das im April verabschiedete Parteiprogramm der jugoslawischen Kommunisten. Die jugoslawische Zeitschrift "Kommunist" wirft ihrerseits den Chinesen vor, sie wollten eine konstruktive Klarstellung der Probleme verhindern, denen der zeitgenössische Sozialismus gegenüberstehe. |
| 10. Mai | Der türkische Staatspräsident Celal Bayar beendet einen viertägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik und West-Berlin. Auf einem Empfang in Bonn werden von beiden Seiten die dauerhafte deutsch-türkische Freundschaft, die Gemeinsamkeit der Sicherheitsinteressen beider Länder im Nordatlantikpakt und die Notwendigkeit der Wiedervereinigung Deutschlands hervorgehoben. |
| 11. Mai | Bei den Wahlen zur griechischen Abgeordnetenkammer erreicht die Nationale Radikale Union 41,2% der abgegebenen Stimmen bzw. 173 der 300 Parlamentssitze. Am 17. Mai tritt die neue Regierung die von Ministerpräsident Konstandinos Karamanlis geführt wird, ihr Amt an. |
| 12. Mai | Die Bundesregierung beantragt beim
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine Einstweilige Verfügung zur
Aussetzung der geplanten Volksbefragung in Hamburg über die atomare
Bewaffnung der Bundeswehr. Ahmed Balafrej wird Premierminister von Marokko. |
| 13. Mai | "Im Interesse des Preises" kauft die
Bundesregierung überschüssige Butter und lässt sie einlagern. Der seit dem 1. Mai amtierende argentinische Präsident Arturo Frondizi verfügt eine 60%ige Lohnerhöhung für alle Angestellten und Arbeiter, um drohenden sozialen Unruhen vorzubeugen. Unter Führung des Generals Jacques Massu putscht die französische Armee in Algier gegen die Zentralregierung in Paris. |
| 14. Mai | Mit 274 gegen 129 Stimmen bei 137
Enthaltungen stimmt die französische Nationalversammlung für die Einsetzung
der Regierung Pierre Pflimlin. Das US-amerikanische Repräsentantenhaus verabschiedet das Auslandshilfegesetz 1958/59, das Zahlungen in Höhe von 3,6 Mrd. US-Dollar (rund 15 Mrd. DM) vorsieht. Dies sind etwa 300 Mio. US-Dollar (etwa 1,25 Mrd. DM) weniger als Präsident Dwight D. Eisenhower gefordert hatte. Das Europäische Parlament tritt in Straßburg zu seiner ersten ordentlichen Sitzungsperiode zusammen. Auf einem außerordentlichen Parteitag in Wien verabschiedet die SPÖ ein neues Parteiprogramm, das ihr den Weg zur Massenpartei öffnet. |
| 15. Mai | US-Vizepräsident Richard M. Nixon kehrt
von einer dreiwöchigen Goodwillreise durch sieben südamerikanische Staaten
zurück, in deren Verlauf er sich heftigen Protesten und tätlichen Angriffen
gegenübersah. Auf einer Pressekonferenz in Paris erklärt sich der französische General Charles de Gaulle bereit, die Macht im Staat zu übernehmen, wie dies u. a. von den putschenden Militärs in Algier gutgeheißen wird. Die Sowjetunion startet den Erdsatelliten "Sputnik 3", den mit 1.327 kg bislang schwersten künstlichen Himmelskörper. Zum Abschluss eines am 29. April begonnenen Staatsbesuches des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Republik, Gamal Abd an Nasser, in der Sowjetunion wird eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der beide Seiten u. a. für die friedliche Koexistenz, das Verbot von Kernwaffen sowie den Abschluss von Nichtangriffsverträgen eintreten. |
| 16. Mai | In Paris veröffentlichen die
Sozialistische und die Kommunistische Partei sowie die drei
Gewerkschaftsverbände Aufrufe, in denen sie zur Verteidigung der Republik
aufrufen. Die libanesische Regierung beschuldigt die Vereinigte Arabische Republik, bewaffnete Gruppen ins Land geschleust und so Unruhen ausgelöst zu haben. Nach Besprechungen mit König Hussein von Jordanien beauftragt der irakische König Faisal II. den bisherigen Ministerpräsidenten des Irak, Nuri As Said, mit der Regierungsbildung für die aus beiden Staaten bestehende Arabische Föderation. |
| 17. Mai | In Frankreich wird für drei Monate der
Notstand ausgerufen. Die Vereinigten Staaten gewähren Jordanien über die bereits zugesicherten 32,5 Mio. US-Dollar (etwa 136 Mio. DM) hinaus eine zusätzliche Finanzhilfe in Höhe von 7,5 Mio. US-Dollar (rund 31,5 Mio. DM). |
| 18. Mai | Die deutsche
Freimaurerloge schließt sich zusammen. Nach Mitteilung der hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden haben in drei Gemeinden des Landes Volksbefragungen stattgefunden, in denen sich jeweils 91% bis 94% der Wähler gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr aussprachen. |
| 19. Mai | In Bonn wird die
Friedrich Naumann Stiftung gegründet. Zahlreiche Todesopfer fordert in der libanesischen Hauptstadt Beirut ein Feuergefecht zwischen Regierungstruppen und Oppositionellen. Die marokkanische Regierung fordert den Abzug der in Ostmarokko nahe der algerischen Grenze stationierten französischen Truppen. |
| 20. Mai | Die französische Nationalversammlung erneuert mit großer Mehrheit die Sondervollmachten der Regierung für Algerien. Der frühere Ministerpräsident Pierre Mendès-France fordert die Regierung auf, "der Arroganz und Angriffslust der Aufrührer von Algier nicht länger geduldig zuzusehen". |
| 21. Mai | Der österreichische Bundeskanzler Julius
Raab beendet einen viertägigen Aufenthalt in den USA, in dessen Verlauf er
inoffizielle Gespräche mit Regierungsmitgliedern führte. Der österreichische Nationalrat verabschiedet ein Preistreibereigesetz, das es der Preis-Lohn-Kommission aus Vertretern der Sozialpartner und der Regierung ermöglicht, einen "üblichen" Preis verbindlich festzusetzen. |
| 22. Mai | Die Bundesregierung erhebt vor dem
Verfassungsgericht in Karlsruhe Klage gegen das Land Hessen wegen Verletzung
der Bundestreue, weil Hessen sich geweigert hat, gegen die geplante
Durchführung von Volksbefragungen zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr in
hessischen Städten einzuschreiten. Das Bundesatomministerium bildet eine aus 15 Experten bestehende Reaktorsicherheitskommission. Bei den Wahlen zum japanischen Reichstag erreichen die regierenden Liberaldemokraten erneut die absolute Mehrheit. Am 12. Juni wird Ministerpräsident Nobosuke Kischi in seinem Amt bestätigt. |
| 23. Mai | In Stuttgart endet der Bundesparteitag der
SPD, der am 19. Mai begonnen hat und in dessen Verlauf Erich Ollenhauer in
seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt wurde. In Algier wird ein Zentraler Wohlfahrtsausschuss für Algerien und die Sahara gebildet, zu dessen Präsidenten General Jacques Massu und Sid Cara gewählt werden. In Belgrad und Warschau wird bekannt gegeben, dass der für Anfang Juni angekündigte Besuch des jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Tito in Polen auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Der Parteitag der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China billigt einstimmig die vom Zentralkomitee nach Vorschlägen Mao Zedongs ausgearbeitete Generallinie für den Aufbau des Sozialismus. Diese sieht die richtige Lösung der Widersprüche im Volk, gleichzeitige Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie mit Vorrang der Schwerindustrie, Festigung des sozialistischen Eigentums sowie die Diktatur des Proletariats vor. |
| 24. Mai | Der Putsch französischer Militärs in
Algerien führt auch auf Korsika zum Umsturz: Demonstranten unter Führung des
aus Algier kommenden Parlamentsabgeordneten Pascal Arrighi besetzen in
Ajaccio die Präfektur und bilden einen Wohlfahrtsausschuss. Aus dem Zusammenschluss von United Press (UP) und International News Service (INS) entsteht die amerikanische Nachrichtenagentur UPI. |
| 25. Mai | Bei den Wahlen zur italienischen
Abgeordnetenkammer und dem Senat erreichen die Christlichen Demokraten die
Mehrheit und können ihre bisherige Mandatszahl noch vergrößern. Die
Kommunisten müssen in der Abgeordnetenkammer leichte Verluste hinnehmen,
bleiben aber zweitstärkste Fraktion. Am 2. Juli bildet der Christdemokrat
Amintore Fanfani in Koalition mit den Sozialdemokraten eine neue Regierung
für Italien. Den Ausnahmezustand für Tunesien verkündet Staatspräsident Habib Burgiba, nachdem es in den Tagen zuvor zu Gefechten zwischen tunesischen und französischen Truppen gekommen ist. In einer Rundfunkansprache bezeichnet Frankreichs Ministerpräsident Pierre Pflimlin den Wohlfahrtsausschuss auf Korsika als illegal und erklärt, auch das Mutterland sei vom Bürgerkrieg bedroht. |
| 26. Mai | Beim Versuch, einen Zwischenfall zwischen
jordanischen und israelischen Truppen am Scopusberg bei Jerusalem zu
schlichten, wird George A. Flint, Vorsitzender der israelisch-jordanischen
Waffenstillstandskommission, getötet. In Rom stirbt der Erzbischof von Chicago und Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche, Samuel Stritch. |
| 27. Mai | Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
untersagt per Einstweiliger Verfügung die Durchführung einer Volksbefragung
zur Atombewaffnung der Bundeswehr im Bundesland Hamburg bis zur
Sachentscheidung des Gerichts. Der französische General Charles de Gaulle gibt bekannt, er habe "das reguläre Verfahren für die Bildung einer republikanischen Regierung" eingeleitet. Er warnt vor jeder Störung der öffentlichen Ordnung und spricht den militärischen Führern in Algier sein Vertrauen aus. Die Sowjetunion kündigt die Sperrung der im Wirtschaftsabkommen von 1956 zugesagten Kredite an Jugoslawien für fünf Jahre an. Auf Ceylon (heute Sri Lanka) wird nach fünftägigen Unruhen zwischen Singhalesen und Tamilen der Ausnahmezustand verhängt. |
| 28. Mai | Die DDR-Volkskammer beschließt die
Abschaffung der Lebensmittelkarten. Die französische Regierung unter Ministerpräsident Pierre Pflimlin tritt zurück. In Paris findet eine Großkundgebung gegen die Machtübernahme General Charles de Gaulles statt. |
| 29. Mai | Der französische Staatspräsident Réné Coty
beauftragt General Charles de Gaulle mit der Regierungsbildung, nachdem in
Algier am 13. Mai des Jahres ein Putsch der
französischen Streitkräfte zum Sturz der Regierung in Paris geführt hat. In der DDR werden die Lebensmittelkarten abgeschafft. Die tunesische Regierung übermittelt dem UN-Sicherheitsrat eine Beschwerde, in der Frankreich beschuldigt wird, das tunesisch-französische Truppenstationierungsabkommen gebrochen zu haben. In San Juan, Puerto Rico, stirbt der spanische Lyriker, Prosaist und Nobelpreisträger (Literatur 1956) Juan Ramón Jiménez. |
| 30. Mai | Bundesverteidigungsminister Franz Josef
Strauß bezeichnet das auf dem SPD-Bundesparteitag verabschiedete
Wehrprogramm als gleichbedeutend mit einem Ausscheiden der Bundesrepublik
aus dem westlichen Militärblock NATO. Der finnische Staatspräsident Urho Kekkonen beendet einen neuntägigen Staatsbesuch in der Sowjetunion. Beide Länder sprechen sich für die Einstellung aller Kernwaffenversuche und die Schaffung einer atomwaffenfreien Zone aus. Als offenen Bruch bestehender Abkommen bezeichnet die jugoslawische Regierung die sowjetische Kreditsperre vom 27. Mai. Beim 500-Meilen-Rennen von Indianapolis verunglückt der amerikanische Rennfahrer Pat O’Connor tödlich. |
| 31. Mai | Auf dem Bundesparteitag des
Gesamtdeutschen Blocks/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE)
in Bad Hersfeld wird Frank Seiboth als Nachfolger des nicht mehr
kandidierenden Fritz von Kessel zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Im Mai geht die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik weiter zurück: Sie liegt nun mit 470.000 (entsprechend 2,4 %) um 120.000 unter der Zahl im April und um 15.400 unter dem Vorjahresstand. |
| 01. Juni | General Charles de Gaulle wird neuer
Regierungschef in Frankreich. Bei den Wahlen zum schwedischen Reichstag erreicht die bisherige Minderheitsregierung unter dem Sozialdemokraten Tage Erlander durch die Unterstützung der Kommunisten eine knappe Mehrheit im Parlament. 35 der 71 Sitze erhält die konservative Regierungspartei bei den Wahlen zur Legislativversammlung in Ecuador. Die Unabhängigen – sie unterstützen die Regierung – erhalten zehn Mandate. Die Opposition hat 26 Sitze inne. |
| 02. Juni | In einer Erklärung zur Ernennung des
französischen Ministerpräsidenten Charles de Gaulle kündigt die
Bundesregierung an, sie werde alles tun, um die bisherige freundschaftliche
Zusammenarbeit mit dem westlichen Nachbarland Frankreich fortzusetzen. In Botschaften an den tunesischen Staatspräsidenten Habib Burgiba und den marokkanischen König Muhammad V. erklärt der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle, die gegenwärtigen Schwierigkeiten in den Beziehungen Frankreichs zu den nordafrikanischen Ländern sollten baldmöglichst beseitigt werden. |
| 03. Juni | Singapur verkündet seine Unabhängigkeit
und ist nicht mehr britische Kolonie. In einem Schreiben an den US-amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower schlägt der sowjetische Parteiführer und Ministerpräsident Nikita S. Chruschtschow die Aufnahme von Verhandlungen über einen amerikanisch-sowjetischen Handelsvertrag vor. Nach einer Meldung der Zeitschrift "Die Volksarmee", dem Organ der DDR-Truppe, ist es in der Sowjetunion gelungen, Hartbenzin herzustellen, das sich auf Antarktisstationen bereits bewährt haben soll. |
| 04. Juni | Bei der Rückkehr von einem zehntägigen
Aufenthalt in der Sowjetunion erklärt der Generaldirektor des Essener
Krupp-Konzerns Berthold Beitz, seine Firma habe in der UdSSR Abschlüsse
über die Lieferung von Maschinen und Industrieausrüstungen in Höhe von 50
Mio. DM getätigt. Der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle bricht zu einer Reise nach Algerien auf. Er erklärt bei einer Ansprache in Algier, es werde von nun an nur noch Franzosen mit gleichen Rechten und Pflichten geben. |
| 05. Juni | Léon Delbecque, stellvertretender Vorsitzender des Wohlfahrtsausschusses für Algerien und die Sahara erklärt in einer Rundfunkansprache, die Ausschüsse wollten die am 13. Mai mit dem Putsch in Algier begonnene Revolution gegen die französische Regierung bis zur Vollendung fortsetzen. |
| 06. Juni | Während seines Staatsbesuchs in den
Vereinigten Staaten, der nach viertägiger Dauer endet, betont
Bundespräsident Theodor Heuss, dass die Bundesrepublik zum Westen gehöre und
es in diesem Punkt keine Neutralität geben könne. Der Rat der Arabischen Liga beendet eine mehrtägige Sitzung in der libyschen Hafenstadt Bengasi, auf der es nicht gelang, eine Einigung über die Beilegung des Konflikts zwischen dem Libanon und der Vereinigten Arabischen Republik zu erzielen. |
| 07. Juni | DDR-Behörden lassen die Besatzung eines
US-amerikanischen Militärhubschraubers festnehmen, der versehentlich auf dem
Gebiet der DDR gelandet ist. Die DDR protestiert zugleich gegen die
Verletzung ihres Luftraumes und macht die Freilassung der US-Soldaten von
der Aufnahme von Regierungsverhandlungen abhängig. Nach seiner Rückkehr aus Algerien ernennt der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle den Oberbefehlshaber in Algerien, General Raoul Salan, der auch am Putsch vom 13. Mai beteiligt war, zum Generaldelegierten in der französischen Kolonie Algerien. In Nikosia kommt es bei einer Demonstration türkischer Zyprioten für eine Teilung der Insel zu blutigen Kämpfen mit Angehörigen der griechischen Bevölkerungsgruppe, bei denen vier Menschen getötet werden. Die britischen Kolonialherren verhängen daraufhin ein Ausgehverbot für die vier größten Städte auf der Mittelmeerinsel und erlassen am 12. Juni ein völliges Versammlungsverbot für die gesamte Insel. Nach sechstägiger Dauer endet in Sofia der 7. Parteikongress der bulgarischen Kommunistischen Partei. Der Kongress billigt die Richtlinien für den dritten Fünfjahresplan (1958–1962), die eine Steigerung der Industrieproduktion um 60%, eine beschleunigte Entwicklung der Leicht- und Lebensmittelindustrie sowie die Verdoppelung der Elektrizitätserzeugung vorsehen. |
| 08. Juni | Auf dem Bundesparteitag der Deutschen
Partei (DP) in West-Berlin, der am 6. Juni begonnen hat, wird der
Parteivorsitzende Heinrich Hellwege, Ministerpräsident von Niedersachsen, in
seinem Amt bestätigt. Mit 76,4% der abgegebenen Stimmen wird der Kandidat der Regierung, Admiral Americo Tomas, zum neuen portugiesischen Präsidenten gewählt. Er tritt sein Amt am 9. August an. |
| 09. Juni | Die Bundesregierung beantragt beim
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Einstweilige Verfügungen gegen die
Länder Bremen und Hessen, um in diesen Ländern angesetzte Volksbefragungen
zur atomaren Bewaffnung der Bundeswehr zu verschieben. Auf der Generalversammlung der Industriegewerkschaft Bergbau in München, die noch bis zum 13. Juni dauert, fordert deren Vorsitzender Heinrich Gutermuth die Verstaatlichung des Kohlebergbaus. In seiner Thronrede zur Eröffnung des Parlaments in Athen fordert der griechische König Paul die Gewährung des Selbstbestimmungsrechts für die Bevölkerung Zyperns. Am selben Tag ersucht die britische Regierung in London die Türkei, auf ihre Landsleute auf der Mittelmeerinsel beschwichtigend einzuwirken. |
| 10. Juni | Der Zentrale Wohlfahrtsausschuss für
Algerien und die Sahara fordert in einer Erklärung an den französischen
Ministerpräsidenten Charles de Gaulle die Verschiebung der Gemeindewahlen in
dem nordafrikanischen Land, die Aufhebung des Sonderstatus Algeriens sowie
die Auflösung der politischen Parteien. Am folgenden Tag weist de Gaulle die
Erklärung in scharfer Form zurück. Vor dem britischen Unterhaus befürwortet Verteidigungsminister Duncan Sandys ein umfassendes Abrüstungsabkommen. |
| 11. Juni | Das
Bundesverfassungsgericht erlässt das "Apothekenurteil“,
das bis heute richtungweisend in der Frage der Berufsfreiheit ist. Der neu gewählte japanische Reichstag in Tokio bestätigt den bisherigen Ministerpräsidenten Nobosuke Kischi in seinem Amt. Der österreichische Nationalrat ratifiziert den deutsch-österreichischen Vertrag zur Regelung vermögensrechtlicher Beziehungen vom 15. Juli 1957. |
| 12. Juni | In einer Einstweiligen Verfügung untersagt
das Bundesverfassungsgericht dem Land Bremen die Durchführung einer
Volksbefragung zur atomaren Aufrüstung der Bundeswehr. Gemäß dem Beschluss des UN-Sicherheitsrats trifft eine erste Beobachtergruppe in Beirut ein, um eine mögliche Einmischung von außen in den innenpolitischen Konflikt im Libanon zu überprüfen. Auf der Mitgliederversammlung der deutsch-niederländischen Handelskammer in Wiesbaden wird ein Gutachten vorgelegt, das die Verschmutzung des Rheins als an der Grenze des Erträglichen bezeichnet. |
| 13. Juni | Mit den Stimmen der Regierungsparteien
CDU/CSU und DP sowie der FDP lehnt der Bundestag einen Gesetzentwurf der
SPD-Fraktion ab, der eine Volksbefragung über die atomare Aufrüstung der
Bundeswehr im gesamten Bundesgebiet vorsah. Die Türkei und Griechenland beschuldigen in Noten an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen das jeweils andere Land, für die Unruhen auf Zypern verantwortlich zu sein. |
| 14. Juni | Der DDR-Ministerrat beschließt Maßnahmen zur Förderung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), die Einzelbauern zum Eintritt in die LPG bewegen sollen. |
| 15. Juni | Die neue Kampagne der Ostblockstaaten gegen Jugoslawien beruhe weniger auf ideologischen Differenzen als auf der Weigerung Jugoslawiens, in das sozialistische Lager einzutreten. Diese Ansicht äußert der jugoslawische Staatspräsident Josip Tito in einer Rede in Labin (Istrien). |
| 16. Juni | Der ungarische Politiker
Imre Nagy wird durch sowjetische Truppen hingerichtet. Sein Tod löst
weltweit Empörung aus. Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin Willy Brandt fordert in einem Schreiben an den Magistrat in Ost-Berlin die Freilassung Inhaftierter, die im Zusammenhang mit dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 verurteilt wurden, sowie die Zusammenarbeit und einen unbeschränkten Verkehr zwischen beiden Teilen der Stadt. Der Schweizer Bundesrat beschließt die Schaffung eines Landesverteidigungsrates als beratendes Organ des Bundesrats. Die Vereinigten Staaten und Japan schließen ein Abkommen über die Zusammenarbeit bei der Nutzung der Atomenergie. Malaysia wird Mitglied in der UNESCO. Die Chushi Gangdrug Guerilla-Bewegung von freiwilligen Kämpfern zur Verteidigung Tibets wird ausgerufen. |
| 17. Juni | Das ungarische Justizministerium gibt
bekannt, dass die Führer des Volksaufstands von 1956 in einem Geheimprozess
verurteilt worden seien. Der frühere Ministerpräsident Imre Nagy, der
ehemalige Verteidigungsminister General Pal Maleter sowie Miklos Gimes und
Josef Szilagyi seien zum Tode verurteilt und bereits hingerichtet worden.
Die Nachricht löst außerhalb der Ostblockstaaten Empörung und Proteste aus.
Tunesien und Frankreich einigen sich darauf, dass die französischen Truppen innerhalb von vier Monaten aus allen Stützpunkten in Tunesien außer der Hafenstadt Biserta abgezogen werden. |
| 18. Juni | Das Schreiben
des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin Willy Brandt, in dem er am
16. Juni die Freilassung Inhaftierter, die im Zusammenhang mit dem
Volksaufstand am 17. Juni 1953 verurteilt wurden, sowie die Zusammenarbeit
und einen unbeschränkten Verkehr zwischen beiden Teilen der Stadt fordert,
wird vom Magistrat in Ost-Berlin zurückgewiesen. Das Zentralkomitee der sowjetischen Kommunistischen Partei beschließt die Aufhebung der Pflichtablieferungen von landwirtschaftlichen Produkten durch die Kolchosen. Arbeiten der Maschinen-Traktoren-Stationen sollen künftig nicht mehr durch Naturalien entlohnt werden. Die Algerische Befreiungsfront FLN gibt bekannt, dass sie auch mit der neuen französischen Regierung unter Charles de Gaulle keine Kompromisse schließen wolle, sondern weiterhin für die Unabhängigkeit Algeriens kämpfen werde. |
| 19. Juni | Nach Angaben von
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß soll die Bundeswehr bis 1963
so umorganisiert werden, dass sie sowohl den Anforderungen eines atomaren
wie eines konventionell geführten Krieges entspricht. Im britischen Unterhaus legt Premierminister Harold Macmillan einen Plan zur Lösung der Zypernfrage vor. |
| 20. Juni | Der Bundestag verabschiedet eine
Steuerreform, die u. a. die Möglichkeit des sog. Splitting für Ehegatten
vorsieht. Nach den Worten von Finanzminister Franz Etzel ist die neue
Gesetzgebung, die zum 1. September gültig wird, mittelstands- und
familienfreundlich. In Köln stirbt der Chemiker und Nobelpreisträger (Chemie 1950) Kurt Alder. Als schwächstes Glied der großen demokratischen Gemeinschaft bezeichnet der brasilianische Präsident Juscelino Kubitschek de Oliveira die Staaten Lateinamerikas. |
| 21. Juni | Der französische Franc wird um 20%
abgewertet. Der Ungarn-Ausschuss der Vereinten Nationen erörtert die Hinrichtung des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy. UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld verhandelt mit den Regierungen Israels und Jordaniens, um eine Lösung im Konflikt um die israelische Enklave am Scopusberg bei Jerusalem herbeizuführen. |
| 22. Juni | Zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz
verabschieden Politiker der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ein
"Straßburger Manifest", das den politischen Zusammenschluss der EWG-Staaten
vorsieht. Wegen anhaltender Unruhen schiebt der Bundesrichter des US-Staates Arkansas, Harry J. Lemley, die Rassenintegration in der Schule von Little Rock für zweieinhalb Jahre auf. Die schwarzen Schüler waren ab September 1957 teils von Bundessoldaten zum Unterricht begleitet worden. |
| 23. Juni | Der libanesische Ministerpräsident Sami
as-Sulh erklärt in einem Interview, man könne nicht mehr von einer
Infiltration sprechen, sondern Syrien und Ägypten führten offenen Krieg
gegen sein Land. Zum Abschluss eines am 4. Juni begonnenen Staatsbesuchs des nepalesischen Königs Mahendra in der UdSSR erklärt sich die Regierung der Sowjetunion zur technischen Hilfeleistung gegenüber dem Himalaja-Staat bereit. Während einer vom 21. bis 27. Juni dauernden Sitzungsperiode stimmt das Europäische Parlament in Straßburg über die künftige Europa-Hauptstadt ab. |
| 24. Juni | Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
erklärt die Steuerbegünstigungen für private Spenden an politische Parteien
für grundgesetzwidrig. Auf Antrag der Bundesregierung erlässt das Bundesverfassungsgericht eine Einstweilige Verfügung, die es der hessischen Landesregierung untersagt, Volksbefragungen über die Aufrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen in den hessischen Gemeinden zuzulassen. |
| 25. Juni | Durch einen Unfall stirbt der
Aufbauminister der DDR,
Heinz
Winkler. Nachdem die belgische Koalitionsregierung aus Sozialisten und Liberalen bei den Parlamentswahlen am 1. Juni ihre Mehrheit verloren hat, bildet Gaston Eyskens eine Minderheitsregierung aus Mitgliedern der Christlich-Sozialen Partei, die über 104 der 212 Abgeordnetensitze in Brüssel verfügt. |
| 26. Juni | In der Schweizer Bürgergemeinde Riehen im
Halbkanton Basel-Stadt wird den Frauen per Volksabstimmung das Stimmrecht
eingeräumt. Das Direktorium der Weltbank verlängert die Amtszeit des Präsidenten Eugene R. Black bis zum 1. Mai 1963. |
| 27. Juni | In der Bundesrepublik wird der Diskontsatz
um 0,5% auf 3% gesenkt. In einer Rundfunkrede bezeichnet der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle die Algerienfrage, die wirtschaftliche Lage des Landes und die Staatsreform als dringlichste Aufgaben seiner Regierung. Die vom österreichischen Nationalrat verabschiedete Novelle zum Kartellgesetz legt fest, dass künftig als Kartell nicht nur vertragliche Bindungen gelten, sondern auch sog. Gentleman-Agreements, also informelle Absprachen zwischen Unternehmern. |
| 28. Juni | In einer Rede vor Danziger Werftarbeitern
erkennt der polnische Parteiführer Wladyslaw Gomulka die führende Rolle der
Sowjetunion und die Unantastbarkeit des "Sozialistischen Lagers" an. Auf der Isle of Wight stirbt der englische Dichter Alfred Noyes. |
| 29. Juni | In Düsseldorf stirbt der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold. |
| 30. Juni | Um knapp 70.000 auf rund 400.000 sinkt die
Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik. Dies sind 2,1% der Erwerbstätigen.
Im Vorjahr waren etwa 52.000 Bundesbürger mehr arbeitslos. Nach Angaben der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO ist die Landwirtschaftsproduktion im Wirtschaftsjahr 1957/58 erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg rückläufig. Der Senat der Vereinigten Staaten beschließt mit 64 gegen 20 Stimmen, das bisherige Territorium Alaska als 49. Staat in die Union aufzunehmen. In den USA erreicht die Zahl der Arbeitslosen mit rund 5,437 Mio. den höchsten Stand seit August 1941. |
| 01. Juli |
Das 1957
verabschiedete Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau tritt in
Kraft. In Genf beginnt die Konferenz von Experten zum Studium der Möglichkeiten der Aufdeckung von Verletzungen eines möglichen Abkommens über die Einstellung nuklearer Versuche, an der Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Kanadas, der UdSSR, Polens, Rumäniens und der Tschechoslowakei teilnehmen. Nach Angaben von US-Außenminister John Foster Dulles wollen die Vereinigten Staaten nur im äußersten Notfall im Libanon eingreifen, falls die Bemühungen der Vereinten Nationen um eine Lösung des innenpolitischen Konflikts scheitern sollten. In Weybridge, England, stirbt der ungarische Tänzer, Choreograf und Tanztheoretiker (Begründer der Labanotation) Rudolf von Laban. |
| 02. Juli | Der Bundestag beschließt einstimmig, die
Bildung eines Vier-Mächte-Gremiums zur Lösung der
deutschen Frage zu
beantragen. Amintore Fanfani von den Christlichen Demokraten wird neuer italienischer Ministerpräsident nach den Neuwahlen vom 25. Mai. In seinem Kabinett sind auch die Sozialdemokraten mit vier Ministern vertreten. Vor einer Gruppe US-amerikanischer Touristen bricht ein Wachsoldat der berittenen britischen Garde eine uralte Tradition seiner Truppe – er spricht die Passanten an. |
| 03. Juli | Der ehemalige SS-Hauptscharführer und
Arrestverwalter des Konzentrationslagers Buchenwald, Gerhard Martin Sommer,
wird wegen Mordes in 25 Fällen zu lebenslanger Zuchthausstrafe und zur
Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt. Gerhard
Martin Sommer wurde nachgewiesen, dass er mindestens 25 KZ-Häftlinge durch
Injektionen getötet hat. Zum Abschluss einer zweiten dreitägigen Reise durch Algerien kündigt der seit dem 1. Juni amtierende französische Ministerpräsident Charles de Gaulle umfangreiche finanzielle Hilfen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes an. |
| 04. Juli | Der Haushalt für das Jahr 1958/59 mit
einem Gesamtvolumen von 36,8 Mrd. DM wird
verabschiedet. Dabei ist erstmals der Verteidigungsetat der größte Posten. In Düsseldorf stirbt der deutsche Schriftsteller Emil Barth. Die UN-Beobachtertruppe im Libanon erklärt in einem ersten Bericht, dass sie keine Infiltration von Ausländern und keinerlei Waffenschmuggel habe feststellen können. Der libanesische Staatspräsident Kamil Schamun bezeichnet die Stellungnahme als tief enttäuschend und wirft den UN-Beobachtern Untätigkeit vor. Das Parlament von Formosa (Taiwan) billigt die Ernennung Tschen Tschengs zum Ministerpräsidenten. |
| 05. Juli | Zum Abschluß ihrer viertägigen Sitzung in Paris erklärt die Versammlung der Westeuropäischen Union (WEU), der vom polnischen Außenminister Adam Rapacki vorgeschlagene Plan einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa stelle eine tödliche Gefahr für den Westen dar. |
| 06. Juli | Bei den Landtagswahlen in
Nordrhein-Westfalen erzielt die CDU mit 104 von 200 Parlamentssitzen die
absolute Mehrheit. Einen großen Wahlerfolg kann die mexikanische Regierungspartei, die Revolutionäre Institutionelle Partei, bei den Präsidenten- und Kongresswahlen erringen. Ihr Kandidat Adolfo Lopez Mateos erhält 6,7 Mio. Stimmen, für den Kandidaten der oppositionellen Nationalen Aktion, Luis Hector Alvarez, stimmen 0,7 Mio. Mexikaner. Die Stimmbürger der Schweiz billigen in einer Volksabstimmung zwei neue Verfassungsartikel, den Filmartikel und den Straßenbauartikel. Auf der Rennstrecke von Lakewood im US-Bundesstaat Georgia verunglückt der amerikanische Rennfahrer Art Bisch tödlich. Beim Großen Preis des Automobilclubs von Frankreich in Reims verunglückt der italienische Formel-1- und Sportwagen-Rennfahrer Luigi Musso tödlich. In Berlin-Charlottenburg stirbt der deutsche Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent Carl Boese. |
| 07. Juli | In Genf unterzeichnet Walter Hallstein
eine förmliche Vereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Internationalen
Arbeitsorganisation (IAO). Bei den finnischen Reichstagswahlen, die am Sonntag und Montag abgehalten werden, kann die Kommunistische Partei 50 der 200 Sitze erreichen und wird damit stärkste Fraktion. Am 29. August bilden die Sozialdemokraten und die Agrarpartei gemeinsam mit der Sammlungspartei sowie der finnischen und der schwedischen Volkspartei eine Koalitionsregierung unter dem Sozialdemokraten Karl August Fagerholm. Mit Wirkung zum 1. Januar 1959 verzichtet die UdSSR auf die Zahlung der Stationierungskosten für ihre in der DDR befindlichen Truppen. |
| 08. Juli | Der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S.
Chruschtschow trifft zu einem offiziellen Besuch der DDR auf dem Ostbahnhof
(Friedrichshain) ein. Der ehemalige französische Ministerpräsident Georges Bidault gibt die Gründung einer neuen Partei, der Christlich-Demokratischen Bewegung Frankreichs, bekannt. Ihre Ziele sind der Zusammenschluss Europas, die Verteidigung Algeriens und die Weiterführung der Aufgabe Frankreichs in seinen überseeischen Besitzungen. |
| 09. Juli | Dem ehemaligen Arzt des
Konzentrationslagers Buchenwald, Hans Eisele, der per Haftbefehl gesucht
wird, gelingt die Flucht ins Ausland. In Hamburg stirbt die einzige Frau im Brandenburgischen Provinzialbruderrates der Bekennenden Kirche, Anni von Gottberg. Die US-amerikanische Luftwaffe schießt eine "Thor-Able"-Rakete mit einer Maus an Bord ins Weltall. Die Raketenspitze kehrt nach amerikanischen Angaben am folgenden Tag unversehrt zur Erde zurück, kann jedoch nicht aufgefunden werden. |
| 10. Juli | Unter dem Motto "Der Sozialismus siegt" beginnt in der
Ostberliner Werner-Seelenbinder-Halle (Prenzlauer Berg) der bis zum 16. Juli
währende V. Parteitag der SED. Die Nationalversammlung von Kambodscha billigt einstimmig die Einsetzung von Prinz Norodom Sihanouk als Ministerpräsident. In seiner letzten Sitzung vor den Parlamentsferien billigt der österreichische Nationalrat in Wien u. a. ein Ladenschlussgesetz, das einen allgemeinen Geschäftsschluss für 18 Uhr bzw. 18:30 Uhr für die Lebensmittelgeschäfte sowie die Einhaltung eines freien Nachmittags pro Woche festlegt. |
| 11. Juli | Der Schweizer Bundesrat entscheidet sich
grundsätzlich für die Ausrüstung der Armee mit Atomwaffen. Ausgezeichnet werden zwei am Putsch vom 13. Mai in Algier beteiligte französische Generäle: Brigadegeneral Jacques Massu wird zum Disivionsgeneral befördert, General Raoul Salan wird mit der Militärmedaille geehrt. |
| 12. Juli | Die EWG-Landwirtschaftsminister beenden eine zehntägige Konferenz im italienischen Stresa, auf der Grundlagen für eine gemeinsame Agrarpolitik festgelegt werden. |
| 13. Juli | Zwischen Ägypten und der Suezkanalgesellschaft wird ein Entschädigungsabkommen unterzeichnet. |
| 14. Juli | Nach einem militärischen Staatsstreich
wird in Bagdad die Republik Irak ausgerufen. König Feisal II., Kronprinz Abd
Allah und der Ministerpräsident der Arabischen Föderation von Irak und
Jordanien, Nuri es-Said, werden getötet. Wegen anhaltender Unruhen verhängt der britische Gouverneur von Zypern, Sir Hugh Foot, für 48 Stunden den Ausnahmezustand. Der algerische Rebellenführer Mohammed Bellounis wird von Franzosen erschossen. Das Ghanaische Pfund wird offizielle Währung des westafrikanischen Staates Ghana. |
| 15. Juli | Auf Ersuchen des libanesischen Präsidenten
Kamil Schamun landen 5.000 Mann einer US-amerikanischen Marineeinheit
südlich von Beirut, um gemäß der Eisenhower-Doktrin von 1957 für Ruhe und
Ordnung zu sorgen. Der Irak tritt aus der Arabischen Föderation mit Jordanien aus, die am 14. Februar geschlossen wurde. Am selben Tag erkennt die Vereinigte Arabische Republik als erster Staat die Republik Irak an. Die Südafrikanische Union wird wieder Vollmitglied der Vereinten Nationen (UN), nachdem das Land im November 1956 seine Mitwirkung in der Weltorganisation aus Protest gegen die Behandlung der Rassenfrage durch die UN fast vollständig eingestellt hat. |
| 16. Juli | Zum Abschluss des fünften SED-Parteitags,
der am 10. Juli in Ost-Berlin begonnen hat, wird der Übergang zur
"Vollendung des Sozialismus" verkündet und der Beschluss gefasst, den
Lebensstandard der Bundesrepublik bis 1961 zu überflügeln. Die Sowjetunion und die Volksrepublik China protestieren gegen die US-amerikanische Intervention im Libanon am 14. Juli und fordern den sofortigen Truppenrückzug. Der indische Premierminister Jawaharlal Nehru erklärt zur Lage im Nahen Osten, dass die Einmischung Außenstehender im Libanon die Gefahr der völligen Vernichtung der Menschheit in sich berge. US-amerikanische Flugzeuge überfliegen Westösterreich und verletzen damit die Neutralität des Landes. Die österreichische Regierung in Wien protestiert am 17. Juli gegen die Verletzung des Luftraums, am 21. Juli schließt sich die Sowjetunion dem Protest an. |
| 17. Juli | Auf ein Hilfegesuch König Husseins hin
landen britische Fallschirmjägertruppen in Jordanien. Zu einem Blitzbesuch trifft der Präsident der Vereinigten Arabischen Republik (VAR), Gamal Abd an Nasser, in Moskau ein, wo er mit Ministerpräsident Nikita S. Chruschtschow "die zur Erhaltung des Friedens notwendigen Maßnahmen" erörtert. |
| 18. Juli | Das
Ehegattensplitting wird eingeführt. Der Bundesrat in Bonn lehnt einen Gesetzentwurf über den Ehrenschutz für ausländische Staatsoberhäupter – die sog. Lex Soraya – einstimmig ab. Der UN-Sicherheitsrat stimmt über drei Resolutionsentwürfe zur Lage im Nahen Osten ab, von denen jedoch keiner angenommen wird. Zur britischen Intervention in Jordanien erklärt die sowjetische Regierung, die Aktion habe die Zerschlagung der arabischen Befreiungsbewegungen und die Wiedereinrichtung der Kolonialherrschaft zum Ziel. In einer Rede in Damaskus feiert der Präsident der Vereinigten Arabischen Republik, Gamal Abd an Nasser, den Umsturz im Irak als einen Sieg des arabischen Volkes. |
| 19. Juli | Die Besatzung eines US-Hubschraubers, die
seit ihrer Notlandung auf dem Gebiet der DDR am 7. Juni festgehalten wurde,
ist wieder auf freiem Fuß. Der britische Außenminister Selwyn Lloyd, der sich seit dem 16. Juli in den USA aufhält, teilt mit, dass Großbritannien und die Vereinigten Staaten übereingekommen seien, nicht im Irak militärisch zu intervenieren. Die Vereinigte Arabische Republik und der Irak schließen einen Vertrag, der gegenseitigen militärischen Beistand und eine enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit vorsieht. |
| 20. Juli | Die Vereinigten Staaten von Amerika gewähren Jordanien eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 12,5 Mio. US-Dollar (rund 52,4 Mio. DM). |
| 21. Juli | Franz Meyers (CDU) wird zum
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten gewählt. Zwischen der DDR-Regierung und der evangelischen Kirche wird ein Stillhalteabkommen geschlossen. |
| 22. Juli | In München
stirbt der deutsche Maler Emil Böhm. Im UN-Sicherheitsrat wird ein japanischer Resolutionsentwurf abgelehnt, der vorschlägt, der UN-Generalsekretär solle mit der Lösung der Krise im Nahen Osten beauftragt werden. Israel und am 19. Juli bereits Saudi-Arabien ersuchen die USA und Großbritannien, Militärflugzeuge nicht mehr über ihr Gebiet fliegen zu lassen. |
| 24. Juli | Zum Abschluss eines viertägigen
Staatsbesuchs in der Sowjetunion gibt der österreichische Bundeskanzler
Julius Raab bekannt, dass die Reduzierung der von Österreich als Reparation
zu liefernden Ölmengen um 50% und die Intensivierung der
Wirtschaftsbeziehungen vereinbart worden seien. Frauen werden zum ersten Mal Mitglieder des britischen Oberhauses, nachdem durch ein 1957 erlassenes Gesetz verdiente Männer und Frauen auf Lebenszeit zu Peers ernannt werden können. In Gouda stirbt die niederländische Schriftstellerin Til Brugman. |
| 25. Juli | In einem Abkommen wird vereinbart, dass
der italienische Staatskonzern ENI das Recht zur Erdölsuche und -ausbeute im
südlichen Marokko erhält. Das Moskauer Gebietsgericht verurteilt den langjährigen Mittelstürmer der sowjetischen Fußballnationalmannschaft, Eduard Strelzow, zu zwölf Jahren Freiheitsentzug. Er hatte kurz vor der Fußballweltmeisterschaft in Schweden unter Alkoholeinfluss eine Frau vergewaltigt. |
| 26. Juli | Bundespräsident Theodor Heuss begnadigt
den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Otto John, der am 22. Dezember
1956 wegen Landesverrat zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. John
hatte sich im Juli 1954 in die DDR abgesetzt, war aber im Dezember 1955
zurückgekehrt. Der neue irakische Ministerpräsident Abd Al Karim Kasim erklärt vor der Presse, der Irak werde mit allen Staaten freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Die Ölförderung werde im Interesse seines Landes und der ganzen Welt weitergehen. Die letzten sowjetischen Truppen aus Rumänien werden abgezogen. Die Beobachtertruppe der Vereinten Nationen nimmt ihre Tätigkeit im Libanon wieder auf. Königin Elisabeth II. von Großbritannien ernennt den britischen Thronfolger, den neunjährigen Prinz Charles, zum Prinzen von Wales. |
| 27. Juli | In Varel
stirbt der deutsche Politiker und Bürgermeister der Stadt Varel,
Adolf Heidenreich. Der Irak erhält eine provisorische Verfassung, die den Staat als Republik sowie als einen Teil der Arabischen Nation festlegt. |
| 28. Juli | US-Verteidigungsminister Neil McElroy erklärt, man müsse zwischen sauberen, normalen und "gesalzenen" Atombomben unterscheiden je nach der Art ihrer radioaktiven Strahlung. |
| 29. Juli | In London beginnt eine zweitägige
Konferenz der Bagdadpakt-Staaten mit Ausnahme des Irak, auf der die
US-amerikanische und britische Intervention im Nahen Osten gebilligt wird. US-Präsident Dwight D. Eisenhower unterzeichnet den "National Aeronautics and Space Act", der die Schaffung der NASA vorsieht. |
| 30. Juli |
Die von
Hamburg und Bremen geplante Volksbefragung über die atomare Bewaffnung der
Bundeswehr wird vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung wird eigenständige Bundesbehörde. |
| 31. Juli | Mit rund 356.000 Erwerbslosen
(entsprechend 1,8%) erreicht die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik den
tiefsten Stand seit zehn Jahren. Zum neuen Präsidenten des Libanon wählt das Parlament mit großer Mehrheit den Generalstabschef der Armee, Generalmajor Fuad Schihab. |
| 01. August | Tschechoslowakische Soldaten überschreiten
bei Treppenstein die Grenze zur Bundesrepublik und führen auf der Suche nach
einem Deserteur Vernehmungen und Haussuchungen durch. Die sowjetische Regierung beschuldigt Italien und Israel, ihr Territorium bzw. ihren Luftraum für militärische Transporte nach Libanon und Jordanien bereitgestellt zu haben. Zum Abschluss seiner am 1. Juli begonnenen Tagung empfiehlt der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen die Bereitstellung nationaler Nahrungsmittelreserven. Damit könnten Notstandssituationen weitgehend ausgeschlossen, übermäßige Preiserhöhungen verhindert und die Wirtschaft der Entwicklungsländer gefördert werden. |
| 02. August | Der seit dem 2. Juli amtierende
italienische Ministerpräsident Amintore Fanfani trifft zu einem zweitägigen
Besuch in Bonn ein, in dessen Verlauf u. a. die weltpolitische Lage erörtert
wird. Die Regierung der Vereinigten Staaten erkennt die neue Regierung des Irak an. |
| 03. August | Das
amerikanische Atom-U-Boot
USS Nautilus unterquert als erstes Schiff den geografischen Nordpol. Der sowjetische Ministerpräsident Nikita S. Chruschtschow und der Präsident der Volksrepublik China, Mao Zedong, beenden eine zunächst geheim gehaltene viertägige Konferenz in Peking. In einem Schlusskommuniqué verurteilen beide Seiten das Eingreifen der Briten und der US-Amerikaner im Nahen Osten und erneuern den "Revisionismus"-Vorwurf gegenüber Jugoslawien. Zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs in Bagdad erklärt der US-amerikanische Sonderbotschafter Robert Murphy, er sei davon überzeugt, dass die neue irakische Regierung eine unabhängige Politik betreiben und sich an keinen Machtblock anschließen wolle. |
| 04. August | Zum Waffenstillstand ruft die griechische Untergrundbewegung auf Zypern EOKA auf. Am folgenden Tag schließt sich die türkische Untergrundbewegung TMT dem Aufruf an. |
| 06. August | Um ein weiteres Anwachsen der Kohlenhalden
in der Bundesrepublik zu verhindern, sollen Interessen und Programme der
verschiedenen Energieträger besser aufeinander abgestimmt werden. Darauf
einigen sich die Bundesregierung und Vertreter des Bergbaus bei einem
Treffen in Bonn. Die vom UN-Sicherheitsrat entsandte Beobachtertruppe im Libanon teilt mit, dass ihre Arbeit von bewaffneten Banden behindert würde, die auch auf Beobachterfahrzeuge geschossen hätten. |
| 07. August | Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
beschließt die Einberufung einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung zur
Erörterung der Lage im Nahen Osten. Erfolgreich verläuft der erste Weltraumraketenversuch Großbritanniens, zu dem im australischen Woomera eine einstufige Rakete vom Typ "Black Knight" gestartet wird. |
| 08. August | Beamte der DDR-Volkspolizei dringen bei
der Suche nach einem Flüchtling in die Exklave Steinstücken in West-Berlin
ein. In New York beginnt die Sondertagung der UN-Vollversammlung. Generalsekretär Dag Hammarskjöld schlägt zur Regelung der Krise im Nahen Osten eine gemeinsame Erklärung der arabischen Staaten vor, die u. a. die gegenseitige Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten und ein System der wirtschaftlichen Kooperation dieser Länder festlegen soll. |
| 09. August | Die Nationale Befreiungsfront Algeriens
FLN sagt in einer Erklärung an die Bevölkerung der französischen Regierung
unter Charles de Gaulle den Kampf an. Wirtschaftshilfe in Höhe von 3,83 Mrd. US-Dollar (rund 16 Mrd. DM) wollen die Vereinigten Staaten unverzüglich der jordanischen Regierung zur Verfügung stellen. Als keinesfalls mit der Neutralitätspolitik vereinbar bezeichnet die sowjetische Nachrichtenagentur TASS den Beschluss des Schweizer Bundesrates vom 11. Juli, die Armee mit Atomwaffen auszurüsten. |
| 11. August | Der britische Premierminister Harold
Macmillan führt auf Zypern Gespräche mit dem Gouverneur Sir Hugh Foot,
nachdem er zuvor schon mit den Regierungen in Athen und Ankara über eine
Lösung der Zypernfrage verhandelt hat. In einem sog. China-Memorandum erläutern die Vereinigten Staaten ihre Politik gegenüber der Volksrepublik China dahingehend, dass eine Anerkennung durch die USA als bedeutsamer Sieg der chinesischen Kommunisten und möglicherweise als Schwäche des Westens interpretiert würde. Die UNO-Konvention zur Staatsangehörigkeit verheirateter Frauen tritt in Kraft. |
| 12. August | Die ersten 1.800 US-amerikanischen Soldaten werden aus dem Libanon abgezogen. |
| 13. August | In Bonn wird der deutsch-belgische
Ausgleichsplan unterzeichnet, durch den der Grenzverlauf neu geregelt wird
und der den Austausch kleinerer Geländestreifen vorsieht. US-Präsident Dwight D. Eisenhower legt der UN-Vollversammlung einen Sechspunkteplan zur Lösung der Nahostkrise vor, der u. a. die sofortige Aufstellung einer internationalen Streitmacht, einen Wirtschaftshilfeplan sowie Garantien für die Sicherheit Libanons und Jordaniens vorsieht. |
| 14. August | Im Methodist
Hospital, Memphis/Tennessee, stirbt Gladys Love Presley, die Mutter von
Elvis Presley, an Hepatitis. In Paris stirbt der französische Physiker und Gründungspräsident des Weltfriedensrates Frédéric Joliot-Curie. Laut Bericht der UN-Beobachter im Libanon hat sich die Lage seit der Präsidentenwahl am 31. Juli beträchtlich beruhigt. Nach Ansicht des indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru ist eine Lösung der Probleme im Nahen Osten ohne vorherigen Abzug aller fremden Truppen unmöglich. |
| 15. August | Der britische Premierminister Harold
Macmillan veröffentlicht einen neuen Zypernplan. Die Mitgliedsstaaten des westlichen Militärblocks NATO und Japan reduzieren die Embargolisten für den Handel mit kommunistisch regierten Staaten. So unterliegen u. a. Flugzeuge für Zivilzwecke, fast alle Werkzeugmaschinen sowie Schiffe mit bis zu 20 Knoten Geschwindigkeit keiner Ausfuhrgenehmigung mehr. Phui Sananikone löst Prinz Suvanna Phuma in seinem Amt als laotischer Ministerpräsident ab. |
| 16. August | Zwei ungarische Emigranten dringen aus Protest gegen die politischen Zustände in Ungarn in die Botschaft ihres Heimatlandes in Bern ein und liefern sich dort ein Feuergefecht mit dem Gesandtschaftspersonal, ergeben sich jedoch schließlich der herbeigeholten Polizei. |
| 17. August | Die Vereinigten Staaten scheitern mit ihrem ersten Versuch, eine Mondrakete zu starten. |
| 18. August | Der saudi-arabische Ministerpräsident Prinz Faisal, Bruder von König Saud, beendet einen viertägigen Besuch in Kairo, der laut Schlussdokument die Differenzen zwischen Saudi-Arabien und der Vereinigten Arabischen Republik bereinigen konnte. Beide Seiten sprechen sich für einen Abzug der britischen und US-amerikanischen Truppen aus dem Nahen Osten aus. |
| 19. August | Jugoslawien ersucht die drei Westmächte um Kredite in Höhe von 300 Mio. US-Dollar (rund 1,26 Mrd. DM), um nach der Aussetzung der sowjetischen Kredite sein Industrialisierungsprogramm weiterhin finanzieren zu können. Am 23. August storniert die UdSSR auch ihre vertraglich vereinbarten Weizenlieferungen an Jugoslawien. |
| 21. August | In Genf geht die Expertenkonferenz für die
Kontrolle von Nuklearversuchen zu Ende, die am 1. Juli begonnen hat. Das
Ergebnis, ein ausgearbeitetes Kontrollsystem, wird als Erfolg gewertet. Zehn Tage vor der 400-Jahr-Feier der Universität Jena flieht deren Rektor, Josef Hämel, in die Bundesrepublik. |
| 22. August | Den Ärzten in der DDR wird die Teilnahme
an wissenschaftlichen Kongressen im westlichen Ausland untersagt, nachdem
viele ihrer Kollegen diese Gelegenheiten zur Flucht genutzt haben und in der
DDR akuter Ärztemangel herrscht. Einstimmig nimmt die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York einen von zehn arabischen Staaten eingebrachten Plan für den Nahen Osten an. US-Präsident Dwight D. Eisenhower kündigt an, sein Land sei aufgrund der in Genf erzielten Ergebnisse bereit, Kernwaffenversuche für zunächst ein Jahr einzustellen, sobald eine Konferenz über die kontrollierte Einstellung aller Atomwaffenversuche zusammengetreten ist. |
| 23. August |
In Bellême, Dép. Orne, stirbt der französische
Schriftsteller und Nobelpreisträger (Literatur 1937)
Roger Martin du Gard. Küstenbatterien der Volksrepublik China beginnen mit der Beschießung der Quemoy-Inseln, die ihrer Küste vorgelagert sind, jedoch zu Formosa (Taiwan) gehören. Gleichzeitig kommt es zu Gefechten zwischen leichten Seestreitkräften beider Seiten. |
| 24. August | In Kapstadt stirbt der amtierende Ministerpräsident der Südafrikanischen Union, Johannes G. Strijdom. Sein Nachfolger wird am 2. September Hendrik Frensch Verwoerd. |
| 25. August | Die 7. US-Flotte, die im Gebiet von
Formosa (Taiwan) operiert, und andere im Fernen Osten stationierte Einheiten
der Vereinigten Staaten werden wegen des Angriffs der Volksrepublik China
auf Quemoy in Alarmbereitschaft versetzt. Algerische Nationalisten stecken in vielen Teilen Frankreichs Erdöl- und Munitionslager in Brand, um ihrer Forderung nach der Souveränität ihres Heimatlandes Nachdruck zu verleihen. In der englischen Stadt Nottingham kommt es zu einer dreistündigen Straßenschlacht zwischen 200 weißen und farbigen Einwohnern. In den Vereinigten Staaten wird ein Gesetz verabschiedet, nach dem Präsidenten nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt eine Pension erhalten. |
| 26. August | In Dakar (Französisch-Westafrika, heute
Senegal) kommt es während einer Ansprache des französischen
Ministerpräsidenten Charles de Gaulle zu Demonstrationen für die
Unabhängigkeit des Landes und die afrikanische Einheit. De Gaulle, der seit
dem 20. August die französischen Besitzungen in Afrika bereist, stellt wie
zuvor in Conakry (Französisch-Westafrika, heute Guinea) fest, die
Bevölkerung könne sich durch ein Nein bei der Volksabstimmung über die neue
französische Verfassung für die Souveränität entscheiden. In London stirbt der britische Komponist und Dirigent Ralph Vaughan Williams. |
| 27. August | Wegen des anhaltend schlechten Wetters
erklärt die Landwirtschaftskammer von Schleswig-Holstein den Generalnotstand
für die Ernte. Damit ist es ohne Formalitäten möglich, Bundeswehrsoldaten,
Bundesgrenzschutz und Bereitschaftspolizei als Erntehelfer einzusetzen. Am
29. August erklärt auch Nordhessen den Erntenotstand. Auf einer Konferenz in Nyborg in Dänemark verabschiedet der Weltkirchenrat eine Resolution, in der die Atommächte zu verstärkten Bemühungen um eine Einstellung der Kernwaffenversuche aufgerufen werden. Der Rat will außerdem zum geeigneten Zeitpunkt eine Delegation nach Zypern entsenden. Zwischen der Europäischen Atomgemeinschaft EURATOM und den USA tritt ein Abkommen über Lieferung von Kernbrennstoffen und technischen Ausrüstungen sowie über technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit in Kraft. Zwei Hunde, die an Bord einer sowjetischen Rakete rund 450 km weit ins All geschossen wurden, kehren unversehrt zur Erde zurück. Auf einer Pressekonferenz in Washington erklärt US-Präsident Dwight D. Eisenhower, er glaube nicht, dass irgendein Land einen Überraschungsangriff auf die USA wagen würde. Auch wenn ein solcher Angriff Erfolg habe, sei die Niederlage des Angreifers gewiss. |
| 28. August | Der zypriotische Erzbischof Makarios III. ruft seine Landsleute dazu auf, "unter allen Opfern" den britischen Zypernplan vom 15. August zu bekämpfen. Er verlangt außerdem eine wirksame Intervention der Vereinten Nationen zur Lösung der Zypernfrage. |
| 29. August | Im Prozess gegen Angehörige des
Einsatzkommandos Tilsit der SS verhängt das Schwurgericht Nürnberg gegen
alle zehn Angeklagten Zuchthausstrafen zwischen drei und 15 Jahren. Sie
wurden der gemeinschaftlichen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord in
mehreren 1.000 Fällen für schuldig befunden. Zum Abschluss seiner Afrikareise erklärt der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle in Algier, mit einem Ja bei der Volksabstimmung über die Verfassung könnten die Algerier sich dafür entscheiden, "vollwertige Franzosen" zu werden. Die Volksrepublik China fordert die Besatzung der Insel Quemoy zur Kapitulation oder zum Aufstand gegen die Regierung von Formosa (Taiwan) auf. Die Landung chinesischer Truppen auf den zu Formosa gehörenden Inseln stehe unmittelbar bevor. Der Sozialist Karl-August Fagerholm wird neuer finnischer Ministerpräsident. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas beschließt, die Landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften in sog. Volkskommunen zusammenzuschließen. |
| 30. August | Die Sowjetregierung erklärt ihre Zustimmung zu der von den Vereinigten Staaten und Großbritannien am 22. August vorgeschlagenen Einberufung einer Konferenz über den Atomteststop nach Genf. |
| 31. August | Um etwa 23.500 auf 332.600 ist die
Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik im August gegenüber dem Vormonat
zurückgegangen. Damit beträgt die Arbeitslosenquote 1,7%. Nach Angaben der niederländischen Regierung sind seit Dezember 1957 etwa 39.000 Niederländer aus Indonesien in ihr Heimatland zurückgekehrt. Nur noch etwa 6.500 niederländische Staatsangehörige leben weiterhin in der ehemaligen Kolonie. |
| 01. September | Island protestiert gegen die Tätigkeit
britischer Fischkutter und begleitender Marineeinheiten in der von Island
beanspruchten ausschließlichen Fischereizone von zwölf Seemeilen. Nach einer Erklärung des japanischen Außenministers Aiichiro Fudschijama lehnt sein Land jede direkte und indirekte Beteiligung am Formosa-Konflikt ab. |
| 03. September | Der Bundesvorstand der SPD beschließt die Kampagne gegen die Atomrüstung der Bundeswehr fortzusetzen und weiterhin den Ausschuss "Kampf dem Atomtod" zu unterstützen. |
| 04. September | Der Regierende Bürgermeister von
West-Berlin, Willy Brandt, berichtet vor dem Abgeordnetenhaus über die
stetig wachsende Zahl der Flüchtlinge aus der DDR und appelliert zugleich an
die DDR-Bewohner, "so lange zu bleiben, wie es geht". Die Bundesregierung stoppt die Vergabe von Einfuhrgenehmigungen für feste Brennstoffe aus Ländern außerhalb der Montanunion, um die Situation des inländischen Kohlebergbaus zu verbessern. In Erklärungen an die vier Siegermächte und die Bundesrepublik schlägt die DDR-Regierung die Bildung einer Viermächtekommission und einer Kommission beider deutscher Staaten für Verhandlungen über einen Friedensvertrag vor. |
| 09. September | Mehr als zwei Monate nach dem entsprechenden Beschluss des Bundestages in Bonn übermittelt die Bundesregierung den vier Siegermächten eine Erklärung darüber, dass die Errichtung eines Viermächte-Gremiums auf Botschafterebene gewünscht wird, das Vorschläge zur Lösung der deutschen Frage erarbeiten soll. |
| 11. September | Für eine von allen Parteien gemeinsam
erarbeitete Außenpolitik der Bundesregierung spricht sich der
FDP-Vorsitzende Reinhold Maier aus. Der Maler und Graphiker Hans Grundig stirbt in Dresden. In Bremen stirbt der deutsche Schachmeister Carl Carls. |
| 14. September | Im Wattengebiet von Cuxhaven starten zwei
Raketen des Konstrukteurs Ernst Mohr und erreichen als erste deutsche
Flugkörper der Nachkriegszeit die Hochatmosphäre. Einweihung der Nationalen Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft sich in Paris erstmals mit dem französischen Regierungschef Charles de Gaulle. |
| 16. September | Um die weitere Abwanderung von Ärzten aus der DDR zu verhindern, beschließt das Politbüro der SED, dass wissenschaftliche Forschung und Lehre sowie die Tätigkeit des Arztes im allgemeinen eine intensivere Förderung erfahren sollen. |
| 17. September | Auf Anregung von Wirtschaftsminister Ludwig Ehrhard führten
die deutschen Banken den Dispositionskredit für Privatkunden ein. In Wien stirbt der deutsch-österreichische Chemiker und Begründer der Kosmochemie, Friedrich Adolf Paneth. |
| 18. September | Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer (CDU), hält die Hinzuziehung von Vertretern der DDR-Regierung bei Beratungen eines Viermächte-Gremiums für möglich und spricht sich für direkte technische Verhandlungen mit den DDR-Behörden aus. Die Bundesregierung hat bislang alle direkten Verhandlungen mit Ost-Berlin abgelehnt. |
| 21. September | In Kiel geht der CDU-Bundesparteitag nach
viertägiger Dauer zu Ende. Der Verband der Ärzte Deutschlands (Hartmann-Bund) lehnt auf seiner Jahrestagung in Baden-Baden eine Beteiligung der Patienten an den Krankheitskosten ab. |
| 23. September | In Wien stirbt der britische Opernsänger Alfred Piccaver. |
| 24. September | Im Zuge der Umbildung der DDR-Regierung in Ost-Berlin werden acht Ministerien, die für verschiedene Wirtschaftsbereiche zuständig waren, aufgelöst und der Staatlichen Planungskommission unterstellt. Gleichzeitig wird der Stellvertretende Ministerpräsident Franz Selbmann seines Amtes enthoben. |
| 28. September | Bei den Landtagswahlen in
Schleswig-Holstein erreicht die CDU 44,4% der Stimmen bzw. 33 Landtagssitze
(bisher 25), die SPD 35,9% bzw. 26 Sitze (25), der GB/BHE 6,9% (5 Sitze;
bisher 10), die FDP 5,4% bzw. 3 Sitze (12). Der Südschleswigsche
Wählerverband, der bislang einen Vertreter entsandte, ist im neuen Landtag
nicht mehr vertreten. In einem Referendum nimmt das französische Volk eine neue, von Charles de Gaulle geprägte Verfassung an, die dem Präsidenten eine stärkere Macht verleiht. Karol Wojtyła (später Papst Johannes Paul II.) wird Weihbischof von Krakau. |
| 29. September | In Helsinki stirbt der finnische Komponist Aarre Merikanto. |
| 30. September | Im September sind rund 327.560
Bundesbürger arbeitslos, dies entspricht einer Erwerbslosenquote von 1,7%,
der niedrigsten seit zehn Jahren. In Noten an die Bundesregierung machen sich die drei Westmächte den Bonner Vorschlag eines Viermächte-Gremiums zur Lösung der deutschen Frage zu eigen und lehnen den DDR-Vorschlag über die Bildung einer zusätzlichen Kommission beider deutschen Staaten ab. In Schielberg im Landkreis Karlsruhe stirbt der deutsche Politiker Adolf Franz Samwer. |
| 01. Oktober | Auf seiner ersten Sitzung nach der
Sommerpause, die in West-Berlin abgehalten wird, protestiert der Bundestag
in einem Appell an die Weltöffentlichkeit "gegen die fortdauernde Verletzung
der Gesetze der Menschlichkeit" in der DDR. In den USA wird die NASA gegründet. Sie entsteht aus der Vorgängerorganisation NACA (National Advisory Committee for Aeronautics). |
| 02. Oktober | Der Bundestag in Bonn fordert die
Regierung auf, die rasche Schaffung einer europäischen Freihandelszone
herbeizuführen. Guinea erlangt seine Unabhängigkeit von Frankreich, Staatspräsident wird Sékou Touré. |
| 03. Oktober | Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU)
spricht sich für die allmähliche Herstellung von Beziehungen zu den
Ostblockstaaten aus. Dies könne zunächst durch die Einrichtung von
Handelsmissionen geschehen. In Berlin stirbt der deutsche Schauspieler Lutz Götz. |
| 04. Oktober | Nach Angaben von
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß wird die Bundeswehr in diesem
Jahr mit 172.000 Soldaten etwa die Hälfte ihrer Sollstärke erreichen. Mit Inkrafttreten der neuen Verfassung endet die Vierte Französische Republik und wird durch die Fünfte Republik abgelöst. Nach dem französischen Verfassungsreferendum wird die "République Soudanaise" ein Mitglied der französischen Gemeinschaft. |
| 05. Oktober | In Nürnberg geht das erste Bundestreffen der Stalingradkämpfer nach zweitägiger Dauer zu Ende. Die über 1.000 ehemaligen Soldaten und Offiziere fordern die Sowjetunion auf, die Pflege deutscher Soldatengräber auf ihrem Gebiet zuzulassen. |
| 07. Oktober | In Luxemburg wird der Europäische Gerichtshof errichtet, der an die Stelle des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) tritt. |
| 09. Oktober |
Der
Berufsförderungsdienst der Bundeswehr wird eingerichtet. Er unterstützt
Soldaten bei ihrer Vorbereitung auf einen zivilen Beruf nach Ende ihrer
Dienstzeit. In Rom stirbt Papst Pius XII. In Dresden stirbt der deutsche Bariton und Kammersänger Rudolf Bockelmann. |
| 10. Oktober | Die SPD-Fraktion im Bonner Bundestag beantragt die Einrichtung eines Amtes für innerdeutsche Regelungen mit Sitz in West-Berlin. |
| 11. Oktober | In Ost-Berlin stirbt der Lyriker, Erzähler und Dramatiker Johannes R. Becher, seit 1954 DDR-Minister für Kultur. Er verfasste den Text der Nationalhymne der DDR. |
| 14. Oktober | Der sowjetische Botschafter in Bonn, Andrei A. Smirnow, überreicht Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Note seiner Regierung über die deutsch-sowjetischen Beziehungen. Bonn wird darin vorgeworfen, die Möglichkeiten zur Verbesserung der Beziehungen nicht zu nutzen, sondern bestehende Meinungsverschiedenheiten noch zu verstärken. |
| 16. Oktober | Albanien wird Mitglied in der UNESCO. |
| 17. Oktober | Direktorium und Bundestagsfraktion der Deutschen Partei (DP) beschließen, dass die Partei trotz des vielfachen Zusammenwirkens mit der CDU eigenständig bleiben solle. Es gelte, ein Zwei-Parteien-System zu verhindern, das starke Minderheiten unterdrücke. |
| 18. Oktober | Tunesien führt als Landeswährung den Dinar ein. |
| 19. Oktober | In Ebersberg stirbt der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Josef Wintrich. |
| 20. Oktober | Bundespäsident Theodor Heuss reist bis zum 23. Oktober zum Staatsbesuch nach Großbritannien. |
| 21. Oktober |
In einer Rede vor etwa 1.000 Lehrern in Leipzig bezeichnet DDR-Parteichef
Walter Ulbricht die Einführung des sog. Polytechnischen Unterrichts als
Kernfrage bei der Weiterentwicklung des Schulwesens, weil hierdurch der
Widerspruch zwischen Theorie und Praxis zwischen Schule und Leben gelöst
worden sei. Im britischen Oberhaus (House of Lords) werden die ersten beiden weiblichen Mitglieder zugelassen. |
| 22. Oktober |
Die Bundesregierung lehnt den Vorschlag der Sozialdemokraten
ab, den Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen. Für die Bundesbeamten wird die 45-Stunden-Woche eingeführt, wobei an Samstagen noch bis 13 Uhr gearbeitet werden muss. Für die Angestellten und Arbeiter des Bundes gilt die Arbeitszeitverkürzung schon seit dem 1. Oktober. |
| 23. Oktober |
Bundespräsident Theodor Heuss beendet einen viertägigen Staatsbesuch in
Großbritannien, bei dem er auch von Königin Elisabeth II. empfangen wurde. In Wiesbaden stirbt der ehemalige Bundestagspräsident Erich Köhler. |
| 24. Oktober |
Der Bürgermeister der Hansestadt Bremen, Wilhelm Kaisen, wird turnusgemäß
als Nachfolger des Berliner Regierenden Bürgermeisters, Willy Brandt, zum
Bundesratspräsidenten gewählt. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß entscheidet, dass die Bundeswehr mit Jagdbombern vom Typ "Starfighter F 104" der US-amerikanischen Firma Lockheed ausgerüstet werden soll. |
| 27. Oktober |
Sieben der elf Staaten, die 1956 für ihre Bürger, die Opfer des
nationalsozialistischen Regimes wurden, Schadensersatzansprüche an die
Bundesrepublik gestellt haben, erinnern in Mahnnoten die Bundesregierung in
Bonn an diese Ansprüche. Der Sozialbeirat der Bundesregierung tritt zurück, weil er sich mit seiner Meinung, die Renten könnten im laufenden Jahr um 6,1% erhöht werden, nicht durchsetzen konnte. Walter Ulbricht erklärt Ostberlin zum Hoheitsgebiet der DDR. General Muhammad Ayub Khan verhängt den Belagerungszustand über Pakistan und errichtet eine Militärdiktatur. |
| 28. Oktober |
In Hamburg wird die Bundeswehrführungsakademie eröffnet. Angelo Giuseppe Roncalli wird als Nachfolger des verstorbenen Pius XII. zum Papst gewählt und nimmt den Namen Johannes XXIII. an. |
| 29. Oktober | In Tokio kritisiert Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard die nach seiner Ansicht zu niedrigen Preise einiger für Westeuropa bestimmter japanischer Exportartikel. |
| 30. Oktober | Vor einem Polizeikongress in Stuttgart fordert Innenminister Gerhard Schröder (CDU) eine Notstandsgesetzgebung für die Bundesrepublik. |
| 31. Oktober |
Das Bundesarbeitsgericht erklärt den Metallarbeiterstreik in
Schleswig-Holstein im Winter 1956/57, bei dem es in erster Linie um die
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ging, für verfassungswidrig. Die IG Metall
wird zu Schadensersatzzahlungen an die Arbeitgeber verurteilt. Saisonal bedingt ist die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik im Oktober um knapp 30.000 auf 356.750 angestiegen. Dies entspricht einer Erwerbslosenquote von 1,8%. Im Oktober 1957 waren rund 11.900 Bundesbürger mehr arbeitslos. Bis zum 19. Dezember dauert die Genfer Konferenz der drei Atommächte USA, UdSSR und Großbritannien über die Einstellung der Kernwaffenversuche. |
| 02. November | Zwischen den nationalen Wissenschaftlichen Akademien der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wird ein Kulturabkommen geschlossen. |
| 04. November | In Berlin stirbt die deutsche Schauspielerin Ida Wüst. |
| 05. November | Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt (SPD), weist die Erklärungen von SED-Chef Walter Ulbricht, Berlin gehöre zum Territorium der DDR, zurück. Berlin und die DDR gehörten vielmehr zu Deutschland, die Hauptstadt Deutschlands sei und bleibe Berlin. |
| 07. November | Der Bürgermeister von Ost-Berlin, Friedrich Ebert, kündigt Reiseerleichterungen für Bewohner von West-Berlin in die DDR an und erklärt zugleich, in Ost-Berlin stünden 10.000 Arbeitsplätze für Westberliner zur Verfügung. |
| 08. November |
Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard kehrt von einer fünfwöchigen Reise
durch sieben asiatische Länder zurück. Auf Kritik stieß er u. a. deshalb,
weil er die politische Lage in Ceylon (Sri Lanka) als zu instabil für
bundesdeutsche Investoren bezeichnete. Fragen des atlantischen Militärbündnisses sowie mögliche Folgen des wirtschaftlichen Zusammenschlusses in Europa sind Hauptthemen bei den zweitägigen Gesprächen zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem kanadischen Ministerpräsidenten John Diefenbaker in Bonn. |
| 10. November |
Beim Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Konstandinos Karamanlis in
Bonn wird u. a. vereinbart, dass die Bundesrepublik dem südeuropäischen Land
eine Anleihe in Höhe von 200 Mio. DM gewährt. Der sowjetische Ministerpräsident Nikita S. Chruschtschow fordert auf einer Kundgebung in Moskau die Revision des Potsdamer Abkommens und kündigt an, die Sowjetunion werde ihren Teil der Kontrolle über Berlin an die DDR übertragen. Damit löst Chruschtschow die Berlin-Krise aus. |
| 12. November | Die DDR-Regierung fordert in einem Memorandum 60 Staaten auf, ihre diplomatischen Beziehungen zu Deutschland nicht auf die Bundesrepublik zu beschränken, sondern auch die DDR anzuerkennen. |
| 13. November | Nach Angaben der Rationalisierungsgemeinschaft Mensch und Arbeit ist die Zahl der berufstätigen Frauen in der Bundesrepublik seit 1952 um 37,5% auf rund 6,2 Mio. gestiegen. |
| 14. November |
Der baden-württembergische Ministerpräsident Gebhard Müller (CDU) wird vom
Bundesrat zum Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe
gewählt. Er wird Nachfolger des verstorbenen Joseph Wintrich. In Blaricum stirbt der niederländische Maler der Moderne Bart van der Leck. Edgar Sanabria übernimmt das Amt des Präsidenten von Venezuela. |
| 15. November |
Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt vor Journalisten in Bad Godesberg,
durch die Moskauer Rede von Ministerpräsident Nikita S. Chruschtschow am 10.
November sei eine äußerst gefährliche Lage nicht nur für die Bundesrepublik,
sondern für die ganze Welt entstanden. Die Hamburger Börse, eine der ältesten deutschen Einrichtungen dieser Art, feiert ihr 400-jähriges Bestehen. Im spanischen Madrid stirbt der US-amerikanische Film- und Theaterschauspieler Tyrone Power. |
| 16. November |
Bei den Wahlen zur Volkskammer und zu den Bezirkstagen in der DDR erhalten
die Einheitslisten 99,7% der Stimmen. In Ungarn finden die erste Parlamentswahl nach der Revolution statt. Die Zahl der Wahlberechtigten wird auf 6,6 Millionen geschätzt. Die Kandidaten auf der Einheitsliste der Patriotischen Volksfront bekommen 99,6 % der abgegebenen Stimmen. |
| 17. November | General Ibrahim Abbud übernimmt in einem unblutigen Staatsstreich die Macht im Sudan. |
| 18. November | Das Segelschulschiff "Gorch Fock" wird in Dienst gestellt. |
| 20. November |
Vor dem Berliner Abgeordnetenhaus erklärt der Regierende Bürgermeister Willy
Brandt, die Westberliner Bevölkerung werde sich durch die sowjetischen
Drohungen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Am selben Tag empfängt
Bundeskanzler Konrad Adenauer in Bonn den sowjetischen Botschafter Andrei A.
Smirnow zu Besprechungen über den Status von Berlin. Das US-Außenministerium erklärt, die Vereinigten Staaten würden auf ihren Rechten in Berlin bestehen und seien gewillt, die Versorgung ihrer Truppen und gegebenenfalls der Bevölkerung gegen alle Widerstände durchzusetzen, falls die Sowjets die Kontrolle der Zufahrtsstraßen und des Luftverkehrs der DDR-Regierung übergeben. Zwischen der Bundesrepublik und der DDR wird die Lieferung von Steinkohle aus dem Ruhrgebiet gegen Braunkohle und Weizen aus der DDR vereinbart. |
| 23. November | Bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen werden die bisherigen Regierungen bestätigt: In Hessen erreichen SPD und GB/BHE gemeinsam 55 der 96 Landtagssitze, die regierende CSU erhält in Bayern allein 101 der 204 Mandate, ihre Koalitionspartner gewinnen 17 (GB/BHE) bzw. 8 Sitze (FDP). |
| 24. November |
SED-Chef Walter Ulbricht erklärt in einem Interview mit der Londoner "Daily
Mail", dass derjenige, der das Gebiet der DDR auf dem Wasser-, Land- oder
Luftweg benutze, die Regierung der DDR de facto anerkenne. In den USA stirbt der Wissenschaftler und Erfinder Charles Kettering. Er erfand unter anderem die erste elektrische Registrierkasse. In Turnbridge Wells (Kent) stirbt der britische Politiker sowie Mitbegründer und erster und einziger Präsident des Völkerbunds, Lord Robert Cecil. |
| 25. November | Französisch-Sudan erhält von Frankreich die interne Unabhängigkeit. |
| 26. November | Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle treffen in Bad Kreuznach zu einer allgemeinen Aussprache zusammen. |
| 27. November | Die Sowjetunion kündigt das Besatzungsstatut für Groß-Berlin auf und fordert eine entmilitarisierte Freie Stadt West-Berlin innerhalb von sechs Monaten. Im Fall der Nichterfüllung würden die sowjetischen Berlin-Rechte an die DDR übertragen werden. |
| 28. November |
In Reaktion auf das sowjetische Ultimatum vom Vortag betont
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl erneut, dass ganz Berlin auf dem
Territorium der DDR liege und Hauptstadt der DDR sei. In der selben Frage
erklärt das britische Außenministerium, die internationalen Abkommen über
Deutschland und Berlin könnten nicht einseitig widerrufen werden. In Kiel stirbt der deutsche Maler, Graphiker, Bildhauer und Kunsthandwerker Alwin Blaue. |
| 29. November |
Ein 2.000 m² großes Grundstück bei Perugia in der italienischen Provinz
Umbrien ist der Hauptpreis bei der Tombola auf dem diesjährigen
Bundespresseball, zu dem sich die Bonner Politprominenz in Bad Neuenahr
versammelt. In einem Interview mit der "New York Times" erklärt SED-Chef Walter Ulbricht, dass die DDR eine alliierte Luftbrücke nach West-Berlin als eine gegen sie gerichtete militärische Drohung betrachten werde. |
| 30. November |
Im November erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik um
rund 69.500 auf 462.200. Dies entspricht einer Erwerbslosenquote von 2,2%.
Im November 1957 lag die Arbeitslosenzahl um 52.900 über dem jetzigen Wert. Französisch-Äquatorialafrika wird aufgelöst. Es entstehen dafür die vier Länder Republik Kongo, Gabun, Tschad und Zentralafrikanische Republik. |
| 01. Dezember |
Gründung der Ludwigsburger Zentralstelle zur Verfolgung
nationalsozialistischer Gewaltverbrechen. Das Kuratorium Unteilbares Deutschland veröffentlicht einen Appell, in dem die DDR u. a. mit der Parole "Macht das Tor auf!" zur Öffnung ihrer Grenzen aufgefordert wird. |
| 02. Dezember |
Bundeskanzler Konrad Adenauer bezeichnet das Chruschtschow-Ultimatum vom 27.
November als gegen die Einheit des Westens gerichtet. Der sowjetische
Ministerpräsident wolle den Westen dahin bringen, sein Bündnis mit der
Bundesrepublik zu lockern. In Heidelberg stirbt der deutsche Staatsrechtler Carl Bilfinger. Der ehemalige US-Präsident Harry S. Truman erklärt in einem Interview mit der bundesdeutschen Tageszeitung "Die Welt", eine Preisgabe Berlins würde zugleich die Preisgabe Europas an die Sowjetunion bedeuten. |
| 03. Dezember | Auf ihrer konstituierenden Sitzung wählt die DDR-Volkskammer Johannes Dieckmann erneut zu ihrem Präsidenten. |
| 04. Dezember | Es kommt zu weiteren Reaktionen auf das sowjetische Berlin-Ultimatum vom 27. November. Der britische Außenminister Selwyn Lloyd nennt die Vorschläge rechtlich und moralisch unannehmbar. Als Insel innerhalb der kommunistischen Herrschaft habe Berlin nicht die geringste Chance, frei zu bleiben. US-Außenminister John Foster Dulles nennt die Stationierung US-amerikanischer Truppen in der Bundesrepublik und West-Berlin für die Sicherheit des Landes notwendig. |
| 05. Dezember |
Bundeskanzler Konrad Adenauer und Außenminister Heinrich von Brentano nehmen
an einer Sondersitzung des Westberliner Abgeordnetenhauses zur Beratung der
Berlin-Frage teil. Der Kanzler vertritt dabei die Auffassung, dass auf
keinen Fall unter dem Druck des sowjetischen Ultimatums vom 27. November
über die gesamtdeutsche Frage verhandelt werden sollte. Das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz mit Sitz in Bad Godesberg bei Bonn wird eingerichtet. Das Frankfurter Schöffengericht verurteilt einen 31-jährigen Hilfsarbeiter aus Wanne-Eickel zu zwei Jahren Haft wegen Unzucht mit Männern und Diebstahl. Der Verurteilte gibt sich seit Jahren als jüngster Sohn des deutschen Kaisers Wilhelm II. aus und nennt sich Prinz Otto Wilhelm von Hohenzollern-Reuß. |
| 07. Dezember | Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in West-Berlin – die Wahlbeteiligung liegt bei 93,7% – erhält die SPD mit 52,6% der Stimmen die absolute Mehrheit. Die CDU erreicht 37,7%, alle anderen Parteien scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. |
| 08. Dezember |
In einem persönlichen Brief an Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) sichert
der US-amerikanische Außenminister John Foster Dulles die Unterstützung und
Hilfe der Vereinigten Staaten für die Stadt West-Berlin zu. Die neue Regierung unter Otto Grotewohl tritt ihr Amt an und beschließt die Aufhebung der Länderkammer, die nach Auflösung der Länder 1952 de facto noch bestand. |
| 09. Dezember |
Nach den Landtagswahlen in Bayern vom 23. November bildet der bisherige
Ministerpräsident Hanns Seidel (CSU) eine Koalitionsregierung aus CSU, FDP
und GB/BHE. In Indianapolis wird die John Birch Society gegründet. |
| 10. Dezember |
Verleihung der Nobelpreise. Der Literaturnobelpreis wird dem sowjetischen
Schriftsteller Boris Pasternak zugesprochen. Dessen einziger Roman "Doktor
Schiwago" wurde jedoch von der sowjetischen Regierung als "zu unpolitisch"
kritisiert, weshalb Pasternak den Nobelpreis zurückweisen musste. Der Friedensnobelpreis wird an den Dominikanerpater Georges Pire verliehen. Pire ist Gründer verschiedener karitativer Verbände und organisiert Patenschaften, Beherbergungswerke sowie die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien in so genannten Europadörfern. |
| 11. Dezember |
Georg August Zinn (SPD) wird vom am 23. November gewählten hessischen
Landtag in seinem Amt als Ministerpräsident bestätigt. Die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD einigen sich darauf, Generalleutnant a. D. Helmuth von Grolman für das Amt des Wehrbeauftragten des Bundestages vorzuschlagen. In Kitzbühel stirbt der österreichische Maler und Architekt Alfons Walde. |
| 12. Dezember |
Der Bundestag in Bonn beschließt die Erhöhung der Renten um 6,1% zum 1.
Januar 1959. Guinea tritt den Vereinten Nationen bei. In Innsbruck stirbt der österreichische Jurist, ranghohe Verwaltungsbeamter, Hofrat und Widerstandskämpfer Anton von Mörl zu Pfalzen und Sichelburg. |
| 13. Dezember | Bundesinnenminister Gerhard Schröder teilt dem Deutschen Beamtenbund und dem Deutschen Gewerkschaftsbund in einem Brief mit, dass Bundesbeamte kein Weihnachtsgeld erhalten werden. Die gegenwärtige Lage lasse derartige Zuwendungen nicht zu, außerdem seien im Haushalt keine Mittel dafür vorgesehen. |
| 14. Dezember |
Auf ihrer Außenministerkonferenz in Paris bekunden die drei Westmächte und
die Bundesrepublik ihre Entschlossenheit, ihre Rechte in Berlin zu wahren
und lehnen die sowjetischen Forderungen vom 27. November ab. In West-Berlin schließen sich der Bund der Vertriebenen Deutschen und der Verband der Landsmannschaften zum Bund der Vertriebenen – Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände zusammen. Präsident des Gesamtverbands wird Hans Krüger. |
| 15. Dezember |
Eine Volksabstimmung über den künftigen Status Berlins befürwortet der
Regierende Bürgermeister Willy Brandt. Diese müsse unter Kontrolle der
Vereinten Nationen oder der vier Siegermächte in beiden Teilen der Stadt
durchgeführt werden. In Zürich stirbt der österreichische Physiker und Nobelpreisträger (Physik 1945) Wolfgang Pauli. |
| 17. Dezember | Kurt Georg Kiesinger (CDU) wird Nachfolger des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Gebhard Müller, der am 14. November zum Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe gewählt wurde. |
| 21. Dezember |
In Los Angeles stirbt der deutsche Schriftsteller
Lion Feuchtwanger. In Frankreich wird Ministerpräsident Charles de Gaulle zum ersten Staatspräsidenten der Fünften Republik gewählt. |
| 22. Dezember |
Die Bundesregierung billigt den Kartellvertrag zwischen dem Ruhrbergbau und
den konzerngebundenen Ölgesellschaften, der verschiedene Maßnahmen zur
Behebung der Absatzkrise im bundesdeutschen Steinkohlebergbau vorsieht. Der Verband der Heimkehrer ruft die Bundesbürger dazu auf, am Heiligabend um 19 Uhr zum Zeichen der unverbrüchlichen Treue zu Berlin Kerzen ins Fenster zu stellen. |
| 23. Dezember |
Bundeskanzler Konrad Adenauer stellt in seiner Weihnachtsbotschaft fest, das
deutsche Volk verbringe Weihnachten unter dem Druck des schärfsten Angriffs,
den der Osten in den letzten Jahren gegen die Freiheit gerichtet habe.
Dennoch erwarte er keine ernsthafte Störung des Friedens. Die Große Hilfsstrafkammer am Koblenzer Landgericht verurteilt im sog. Lottoprozess 14 der 19 Angeklagten zu Gefängnisstrafen zwischen vier Monaten und dreieinhalb Jahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Sie haben durch Manipulationen nachträglich die richtigen Gewinnzahlen in Totoscheine eingetragen und so rund 2,3 Mio. DM ergaunert. |
| 24. Dezember | In Stadtoldendorf stirbt der deutsche Schriftsteller Konrad Beste. |
| 25. Dezember |
Die sowjetische Regierung gibt bekannt, dass sie künftig Noten zurückweisen
werde, in denen die DDR als "sowjetische Zone" bezeichnet wird. In Köln stirbt der deutsche Oberst, Befehlshaber des Detachement von Randow (Freikorps) im Baltikum sowie Stifter des Deutschritter-Kreuzes, Alfred von Randow. |
| 28. Dezember | Obwohl sie bei den Wahlen am 7. Dezember die absolute Mehrheit im Abgeordnetenhaus erreicht hat, spricht sich die SPD in West-Berlin für eine Fortsetzung der großen Koalition mit der CDU aus. |
| 29. Dezember | Die Bundesrepublik, Großbritannien, Frankreich, Italien, die skandinavischen Staaten, die Benelux-Länder und die Schweiz erklären die Konvertibilität ihrer Währungen und kündigen das Abkommen über die Europäische Zahlungsunion. Damit tritt das Europäische Währungsabkommen (EWA) vom 5. August 1955 in Kraft. |
| 30. Dezember | Der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, äußert die Überzeugung, dass es keinen Krieg um Berlin geben werde, jedoch könne noch manche kritische Situation entstehen. |
| 31. Dezember | Die USA, Großbritannien und Frankreich protestieren in gleich lautenden Noten an die Sowjetunion gegen das Berlin-Ultimatum Chruschtschows vom 27. November. Das Statut der Stadt soll nur im Zusammenhang mit der Deutschlandfrage erörtert werden. |
| 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 |