Geschichte/Politik

Wahlplakate der Jahre 1953 und 1957

Nobelpreisträger

1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959

1957

01. Januar Das Saarland wird elftes Bundesland der Bundesrepublik. Hubert Ney wird erster Ministerpräsident.
Bundespräsident der Schweiz wird Hans Streuli.
In der DDR tritt eine neue Straßenverkehrsordnung in Kraft.
In Deutschland werden die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 3 auf 2 % gesenkt.
02. Januar In 12 Großbetrieben der DDR wird die 45-Stunden-Woche eingeführt.
04. Januar In Wien stirbt der österreichische Politiker und Bundespräsident Theodor Körner.
05. Januar Die ersten drei Divisionen der Bundeswehr werden unter das Kommando der NATO gestellt.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower verkündet die "Eisenhower-Doktrin", eine Schutzgarantie der USA für Nahost-Staaten.
In Prag stirbt der tschechoslowakische Schachmeister Oldřich Duras.
09. Januar Infolge der Sueskrise tritt der britische Premierminister Anthony Eden zurück.
10. Januar Als Nachfolger von Anthony Eden wird Harold Macmillan britischer Premierminister.
In Hempstead, New York, stirbt die chilenische Dichterin, Diplomatin und Nobelpreisträgerin (Literatur 1945) Gabriela Mistral.
11. Januar In Budapest demonstrieren Tausende von Arbeitern für höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen. Die Proteste werden durch Miliz und sowjetische Panzereinheiten unterbunden.
12. Januar Bei einem Rennen im neuseeländischen Ardmore verunglückt der englische Formel-1-Rennfahrer Ken Wharton tödlich.
14. Januar Der amerikanische Schauspieler Humphrey Bogart stirbt in Hollywood.
15. Januar Die israelischen Streitkräfte räumen El Arish, die größte Stadt der Sinai-Halbinsel mit etwa 26.000 Einwohnern. Damit ist die erste Phase des israelischen Rückzugs aus Ägypten beendet.
16. Januar Das Bundeskabinett beschließt einstimmig, dem geplanten Gemeinsamen Markt der sechs Montanstaaten und der Europäischen Atomgemeinschaft beizutreten.
In New York stirbt der italienische Dirigent Arturo Toscanini.
17. Januar Das Gesetz über die "Örtlichen Organe der Staatsmacht" führt den "Demokratischen Zentralismus" in der DDR ein.
18. Januar Die DDR-Volkskammer beschließt das Gesetz über die schrittweise Verkürzung der Arbeitszeit, nachdem zum Jahreswechsel in einigen Betrieben die 45-Stunden-Woche eingeführt worden ist. Die Arbeitszeitverkürzung soll ohne zusätzliche Arbeitskräfte und ohne Lohnreduzierung durchgeführt werden.
19. Januar In Budapest werden zwei Führer des ungarischen Volksaufstandes vom Oktober 1956 hingerichtet.
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York fordert Israel ultimativ auf, die besetzten Gebiete auf dem Sinai vollständig zu räumen und sich hinter die Waffenstillstandslinie aus dem Jahr 1949 zurückzuziehen.
Der Staatsratsvorsitzende und Außenminister der Volksrepublik China, Zhou Enlai, beendet eine zwölftägige Reise durch mehrere Ostblockstaaten.
Die Arbeitgeberverbände des Bauhauptgewerbes und die IG Bau, Steine und Erden einigen sich nach mehrmonatigen Verhandlungen auf eine Arbeitszeitverkürzung von 48 auf 45 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Regelung gilt ab 1. April.
Das erste nach Kriegsende von deutschen Ingenieuren und Arbeitern konstruierte Flugzeug, ein einmotoriger Hochdecker vom Typ "Do 27", wird in Unterpfaffenhofen an Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) übergeben.
20. Januar Bei den Wahlen zum polnischen Parlament, dem Sejm, erringt die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei mit 51,7% der Stimmen (237 von 458 Mandaten) die absolute Mehrheit. 63 Abgeordnete der neuen Volksvertretung, darunter 12 Vertreter der Katholiken, sind parteilos.
Der österreichische Bundeskanzler Julius Raab schlägt in einer Rundfunkansprache einen neutralen Status für Ungarn vor.
Die Regierungschefs von Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien und Syrien erklären ihre Ablehnung der Eisenhower-Doktrin.
Die Deutsche Partei (DP) und die Freie Volkspartei (FVP) kommen überein, eine einheitliche Partei unter dem Namen Deutsche Partei zu bilden.
In New York stirbt der erste Olympiasieger der Neuzeit, James Brendan Connolly.
21. Januar Mit dem Gesetz über die Rentenreform führt der Bundestag die "Dynamische Rente" ein.
In rund 550 Musterungsbezirken in der Bundesrepublik beginnt die Musterung der ersten etwa 100.000 Wehrpflichtigen.
In Bremen stirbt der deutsche Politiker und ehemalige Kommodore der legendären Bremen, Adolf Ahrens.
22. Januar In Bad Reichenhall stirbt die deutsche Chanson-Sängerin Claire Waldoff.
Israel zieht sich vom Sinai zurück.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entscheidet, dass die Fünf-Prozent-Klausel im Bundeswahlgesetz von 1953 und in Kommunalwahlgesetzen nicht gegen das Grundgesetz verstößt. Die Bayernpartei und die Gesamtdeutsche Volkspartei hatten in Verfassungsbeschwerden vorgebracht, dass die Sperrbestimmungen die Wahlrechtsgleichheit beeinträchtigen.
In Waterbury/Connecticut nimmt die Polizei den 53-jährigen Werkzeugmacher George Metesky fest, der in den vergangenen 16 Jahren mindestens 32 Zeitbomben an öffentlichen Plätzen in New York deponiert und zur Explosion gebracht hat.
24. Januar Auf dem 8. Bundesparteitag der FDP in West-Berlin wird der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Reinhold Maier, zum Parteivorsitzenden gewählt.
In Berlin stirbt der deutsche Schauspieler Ludwig Trautmann.
In Zürich stirbt der deutsche Schriftsteller Alexander Moritz Frey.
25. Januar Mit 544 gegen 32 Stimmen stimmt die französische Nationalversammlung für den Bau des seit Jahren geplanten Straßentunnels durch den Montblanc.
In Starnberg stirbt der bayrische Prinz Franz Maria Luitpold von Bayern.
28. Januar Der Bundesnachrichtendienst (BND) wird offizielles Staatsorgan,  General a. D. Reinhard Gehlen wird zum ersten Präsidenten ernannt.
29. Januar Die 83. Zivilkammer des Landgerichts West-Berlin entscheidet in einer seit 20 Jahren umstrittenen Erbschaftsangelegenheit, dass es sich bei der in Unterlengenhardt bei Bad Liebenzell lebenden Anna Anderson nicht um die Tochter des Zaren Nikolaus II., die Großfürstin Anastasia, handelt.
30. Januar Auf dem bis zum 1. Februar dauernden 30. Plenum des ZK der SED legt Walter Ulbricht eine von der SED erarbeitete neue Deutschland-Konzeption vor, in der von einer Konföderation beider deutschen Staaten (BRD und DDR) die Rede ist.
31. Januar Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik beträgt im Januar 1.476.416, davon 1.128.933 Männer und 347.483 Frauen. Die erhebliche Zunahme der Arbeitslosen, es sind rund 223.700 mehr als im Januar 1956, wird auf das winterliche Wetter zurückgeführt.
Der deutsche Erfinder des Radars und Unternehmer Christian Hülsmeyer stirbt.
01. Februar In Dresden stirbt der deutsche Generalfeldmarschall und Armeekommandeur im Zweiten Weltkrieg Friedrich Paulus.
02. Februar Nach fünftägiger Debatte erzielt die französische Nationalversammlung einen Kompromiss über die Neuordnung in den Kolonien. Die 13 Afrika-Besitzungen mit Ausnahme der arabischen Territorien erhalten halbautonomen Status.
04. Februar In Stuttgart stirbt der Schauspieler Erich Ponto.
06. Februar Der Bundestag beschließt gegen vier CSU-Stimmen, dass Berlin die Hauptstadt Deutschlands ist. Mit dem Bau eines Parlamentsgebäudes und Bauten für künftige Bundesbehörden sollte begonnen werden. Der Umzug der Bundesministerien nach Berlin ist vorgesehen.
Die Nachfolgefirmen der IG Farben verpflichten sich zu Entschädigungszahlungen an ehemalige jüdische KZ-Häftlinge.
08. Februar In Heidelberg stirbt der deutsche Physiker und Nobelpreisträger (Physik 1954) Prof. Dr. Walter Bothe.
In Washington, DC, stirbt der österreich-ungarische Mathematiker und einer der Väter der Informatik, John von Neumann.
Das österreichische Innenministerium legt für den Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I. den Namen Otto Habsburg-Lothringen fest.
09. Februar Bei der Einweihung der neuen Wertpapierbörse in Frankfurt am Main kündigt Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard Maßnahmen der Regierung an, um Kleinsparern die Eigentumsbildung durch Aktienerwerb zu ermöglichen.
14. Februar Nach vier Monaten wird der Streik in der Metallindustrie Schleswig-Holsteins durch einen Kompromiss beendet, der die Forderung der Arbeiter nach Gleichstellung mit Angestellten bei Lohnfortzahlung im Krankheitsfall weitgehend erfüllt.
Allgemeine Protestkundgebungen und Vorlesungsstreiks kündigt der Verband Deutscher Studentenschaften für den Fall an, dass Bund und Länder die Studentenförderung nicht verbessern. Gefordert wird eine Summe von wenigstens 120 Mio. DM im neuen Haushaltsjahr.
15. Februar Die Inneren Truppen des MfS der DDR werden in das Ministerium des Innern (MdI) eingegliedert. Das Wachregiment Berlin bleibt der einzige militärische Verband des MfS.
Andrej Gromyko wird Außenminister der Sowjetunion.
18. Februar In Budapest beginnt der erste Schauprozess gegen Beteiligte am Volksaufstand in Ungarn vom Oktober 1956.
Zum ersten Mal seit Kriegsende wird an den Zeitungskiosken in Warschau die internationale Ausgabe der "New York Times" verkauft.
19. Februar Die Bundesrechtsanwaltskammer und der Deutsche Anwaltsverein fordern in einem Gesetzesvorschlag die Einführung einer Pflichtversicherung für freie Berufe, die vom Staat Zuschüsse erhalten soll.
Befürworter der Rassentrennung in den USA verüben in Knoxville/Tennessee einen Sprengstoffanschlag auf den schwarzen Jazz-Trompeter Louis Armstrong. Die Explosion reißt ein Loch in den Boden der Stadthalle, in der 3.000 streng getrennt sitzende Weiße und Farbige einem Konzert Armstrongs zuhören. Menschen kommen bei dem Sprengstoffattentat nicht zu Schaden.
20. Februar Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Otto Dibelius, unterzeichnen einen Vertrag über die Militärseelsorge in der Bundeswehr, der die Unabhängigkeit kirchlicher Verkündigung sichert.
Die Regierungschefs und Außenminister der sechs Staaten der Montanunion einigen sich in Paris darauf, einen Gemeinsamen Markt und eine Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) zu errichten. In den Gemeinsamen Markt sollen auch die Überseebesitzungen der Mitgliedstaaten einbezogen werden.
21. Februar Nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe die gemeinsame Veranlagung von Ehegatten zur Einkommensteuer, wie sie im Einkommensteuergesetz von 1952 festgelegt wurde.
Mit ihrem Antrag, die Absetzbarkeit von Parteispenden bei der Einkommensteuer aufzuheben, löst die SPD im Bundestag eine heftige Debatte über die Parteienfinanzierung aus.
Einstimmig beschließt der Bundestag die Errichtung einer Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Sitz in West-Berlin.
22. Februar Ein klares Nein zum Karneval fordert der westfälische Präses Ernst Wilm in einem Schreiben an die Pfarrer seiner Landeskirche. Bedenken seien angebracht, weil die Vergnügungsindustrie den Karneval auch dort, wo er keine Tradition habe, künstlich hochtreibe und zur Zuchtlosigkeit geradezu aufmuntere, nur um Geld zu verdienen.
Bundeskanzler Konrad Adenauer und der EKD-Ratsvorsitzende Otto Dibelius unterzeichnen den Militärseelsorgevertrag.
Nach viertägiger Dauer werden die deutsch-schweizerischen Verhandlungen über den Grenzverlauf im Raum Schaffhausen erfolgreich abgeschlossen.
Der Schweizer Bundesrat befürwortet in einem 124 Seiten umfassenden Papier die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechtes in eidgenössischen Angelegenheiten.
25. Februar Der spanische Staatschef Generalissimus Francisco Franco Bahamonde bildet seine Regierung um. Es werden 12 neue Minister ernannt und zwei neue Ministerien – für wirtschaftliche Koordination und für Wohnbau – eingerichtet.
26. Februar Ein Militärgericht in Syrien verurteilt 13 Oppositionelle wegen Teilnahme an einer Verschwörung zum Tod.
Bei den Parlamentswahlen in Thailand erringt die Regierungspartei von Ministerpräsident Luang Pibul Songgram einen knappen Sieg. Sie erhält 81 der 158 Parlamentssitze.
27. Februar Der Bundestag verabschiedet den Grünen Plan 1957, ein Unterstützungsprogramm für die Landwirtschaft, das u. a. hohe Subventionen für Milchbauern vorsieht.
In Frohburg/Sachsen stirbt der stellvertretende Ministerpräsident der DDR, Otto Nuschke.
Mao Zedong ruft in der Volksrepublik China die Kulturrevolution aus.
28. Februar Die Zahl der Arbeitslosen ist im Februar um 364.085 auf 1.112.331 (770.625 Männer und 341.706 Frauen) gesunken. Der deutliche Rückgang wird auf das milde Februarwetter zurückgeführt.
Deutsche Banknoten zu 1 und 2 DM verlieren ihre Gültigkeit. Sie werden durch Münzen ersetzt.
01. März In mehreren Betrieben der Bundesrepublik wird die 45-Stunden-Woche eingeführt.
In Düsseldorf stirbt der deutsche Industrielle und Gründer des Henkel-Konzerns Fritz Henkel.
Mit nur acht Stimmen Mehrheit gewinnt die italienische Regierung unter Ministerpräsident Antonio Segni die Abstimmung über die Vertrauensfrage im Parlament in Rom.
Nachdem vor einem Monat die Schweizer Mineralölgesellschaft Migrol ihre Benzinpreise gesenkt hatte, verringern nun auch die anderen Gesellschaften die Kraftstoffpreise um 2 Rappen (etwa 2 Pfennig) auf 56 Rappen.
02. März Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Heinrich Weitz, beendet seine zehntägigen Verhandlungen in Moskau über Fragen der Familienzusammenführung und der in der Sowjetunion vermissten Deutschen ohne konkretes Ergebnis.
03. März In einer Volksabstimmung lehnen die Schweizer eine Verfassungsvorlage zur Einführung der Dienstpflicht im zivilen Luftschutz ab.
Bei den Parlamentswahlen in Chile erleidet die Landarbeiter-Partei von Präsident General Carlos Ibañez del Campo eine Niederlage. Wahlgewinner sind die Zentrumsparteien.
Auf den siebenbürger Journalisten und Juristen Rudolf Kasztner wird in Tel Aviv ein Attentat verübt.
04. März In Stiebar/Niederösterreich stirbt die ehemalige Prinzessin von Bayern, Elisabeth Marie Auguste.
Ohne zuvor die formelle Zustimmung seines Kabinetts einzuholen, ordnet der israelische Ministerpräsident David Ben Gurion den vollständigen Rückzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen und vom Golf von Akaba an.
05. März Bei den Neuwahlen zum irischen Parlament erreicht die seit drei Jahren oppositionelle Fianna-Fail-Partei unter Eamon de Valera die absolute Mehrheit.
06. März Aus den ehemaligen britischen Kolonien Goldküste und Britisch-Togo wird die Republik Ghana, der erste unabhängige schwarzafrikanische Staat, gebildet.
Das israelische Parlament lehnt nach einer scharfen Debatte drei Misstrauensanträge gegen die Regierung David Ben Gurion ab.
07. März Bundesatomminister Siegfried Balke rechnet damit, dass zwischen 1965 und 1970 das erste deutsche Kernkraftwerk an das Stromversorgungsnetz angeschlossen wird.
Ein Kontingent der UN-Streitmacht rückt in den Gazastreifen ein, der kurz zuvor von den israelischen Truppen geräumt wurde.
08. März Energisches Vorgehen gegen unberechtigte Preiserhöhungen kündigt die Bundesregierung in Bonn nach einer Sondersitzung an, auf der Maßnahmen gegen den Preisauftrieb bei Brot, Fleisch, Fett und anderen wichtigen Nahrungsmitteln beraten werden.
Bundespräsident Theodor Heuss appelliert an die Bevölkerung, auch in diesem Jahr während der Sommerferien Berliner Kinder bei sich aufzunehmen.
Die Gesamtdeutsche Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, die von Halle nach West-Berlin verlegt worden war, billigt den Vertrag über die Militärseelsorge in der Bundeswehr vom 20. Februar.
Wegen Verbreitung des Buches "Adolf Hitler, sein Kampf gegen die Minusseele", das im Prometheus-Verlag in Buenos Aires erschienen ist, verurteilt das Stuttgarter Landgericht den Versandbuchhändler Erich Teich zu drei Monaten Gefängnis ohne Bewährung.
09. März Zu Zuchthausstrafen zwischen zwei und zehn Jahren wegen Staatsverrats werden in der DDR der Dissident Wolfgang Harich und zwei weitere Mitglieder seiner Gruppe verurteilt.
Mit 350 gegen 60 Stimmen befürwortet der US-amerikanische Kongress die Eisenhower-Doktrin vom 5. Januar.
10. März Bei den Landtagswahlen in der Steiermark kann die regierende ÖVP 24 Sitze gewinnen. 21 Sitze entfallen auf die SPÖ, 3 auf die FPÖ. Die Kommunisten, die bisher ein Mandat hatten, sind im Landtag nicht mehr vertreten.
In Riad wird der saudi-arabische Terrorist Osama Bin Laden geboren.
11. März Die ersten Nachkriegsmusterungen in der Bundesrepublik sind abgeschlossen.
In Gaildorf in Baden-Württemberg stirbt der deutsche Schauspieler Albert Florath.
In Boston stirbt der amerikanische Polarforscher Richard Evelyn Byrd. Er überflog angeblich am 9. Mai 1926 als erster Mensch den Nordpol.
12. März Das Landgericht München weist die Klage des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und des Verlags "Nürnberger Presse" gegen Werbespots im Fernsehprogramm des Bayerischen Rundfunks ab.
In Österreich wird die paritätische Kommission für Lohn- und Preisfragen gebildet.
Die UdSSR und die DDR schließen einen Truppenvertrag, der die rechtlichen, finanziellen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten der sowjetischen Truppenverbände in der DDR regelt.
In New York stirbt die amerikanische Schauspielerin Josephine Hull (Arsen und Spitzenhäubchen).
13. März Das Bundeskabinett billigt die Prägung von 200 Mio. neuen 2-DM-Stücken. Die Münze unterscheidet sich von den bisher umlaufenden durch ein Bildnis des Physikers und Nobelpreisträgers Max Planck auf der Vorderseite.
Eine Erhöhung der monatlichen Diäten der Abgeordneten von 300 auf 500 DM beschließt der Landtag von Nordrhein-Westfalen.
In Berlin stirbt der deutsche Schauspieler und Regisseur Paul Bildt.
14. März Die Bundesminister für Wirtschaft und Ernährung, Ludwig Erhard und Heinrich Lübke, stimmen einer Anhebung des Brotpreises um drei Pfennig je Kilo zu.
Der Ältestenrat des Bundestages in Bonn erlässt ein Fotografierverbot in den Plenarsitzungen bis zum Ende der Legislaturperiode.
In Modena verunglückt der italienische Automobilrennfahrer Eugenio Castellotti tödlich.
Der indonesische Präsident Achmed Sukarno proklamiert im ganzen Land den Kriegs- und Belagerungszustand, der ihm als Oberbefehlshaber der Streitkräfte praktisch diktatorische Gewalt einräumt.
15. März Die Verkürzung der Arbeitszeit auf 45 Stunden pro Woche und die Neuregelung der Besoldung sind die Hauptforderungen auf dem Vertretertag des Deutschen Beamtenbundes in Bad Godesberg.
Die USA teilen mit, dass ihre Streitkräfte in der Bundesrepublik über Atomwaffen verfügen.
Der siebenbürger Journalist und Jurist Rudolf Kasztner stirbt an den Folgen des am 3. März 1957 in Tel Aviv auf ihn verübten Attentats.
16. März Nach Angaben der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft ist in der Bundesrepublik Deutschland jede fünfte Frau berufstätig.
In der Bundesrepublik wird das „Gesetz zur Durchführung einer Repräsentativstatistik“, kurz Mikrozensus, verkündet.
Die UdSSR warnt die diplomatischen Vertreter der Westmächte vor der Errichtung der EURATOM und des Gemeinsamen Marktes und legt eigene Pläne für eine gesamteuropäische Zusammenarbeit vor.
17. März Der philippinische Staatspräsident Ramon Magsaysay kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Sein Nachfolger wird der bisherige Vizepräsident Carlos García.
18. März In London tritt das Subkomitee der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen zusammen.
Der Ministerrat der Westeuropäischen Union billigt die Reduzierung der britischen Streitkräfte in der Bundesrepublik.
19. März Eine lange umstrittene Strafrechtsreform, die eine Verhängung der Todesstrafe nur noch für wenige Vergehen vorsieht, wird in Großbritannien endgültig verabschiedet.
20. März In einer Fragestunde befasst sich der Bundestag in Bonn mit dem "Buch der Etikette", das von der stellvertretenden Protokollchefin des Auswärtigen Amtes, Erica Pappritz, mitverfasst worden ist.
Das französische Verteidigungsministerium in Paris eröffnet vor einem Militärgericht ein Verfahren gegen den Chefredakteur der Wochenzeitschrift "L'Express", Jean-Jacques Servan-Schreiber, der in zwei Artikeln seine Erfahrungen als Leutnant in der französischen Kolonie Algerien beschrieben hat.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor Erbschäden durch die Anwendung von Kernenergie und durch radioaktive Strahlung.
21. März In ihrer Frühjahrssession, die am 4. März begonnen hat, beschließen die Eidgenössischen Räte u. a., dass die Schweiz nicht dem europäischen Gemeinsamen Markt beitreten wird, um die Neutralität der Eidgenossenschaft zu wahren.
Im Rahmen der Wiederherstellung politischen Organisationsstruktur nach sowjetischem Muster wird "Der Kommunistische Jugendverband Ungarns" gegründet. Er ist die einzige landesweite Jugendorganisation und steht unter der Führung der Partei (USAP).
23. März Das Bundesarbeitsgericht in Kassel stellt fest, dass das Gleichberechtigungsgesetz auch beim Abschluss von Tarifverträgen gilt. Dementsprechend sind tarifliche Bestimmungen, die für Frauen bei gleicher Tätigkeit einen geringeren Lohn vorsehen als für Männer, nichtig.
Der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin schlägt in einem Schreiben an Bundeskanzler Konrad Adenauer Regierungsverhandlungen über den Ausbau der deutsch-sowjetischen Handelsbeziehungen vor.
24. März Der Schweizer Bundesanwalt René Dubois begeht Selbstmord, nachdem er der Beteiligung an einem Spionagefall verdächtigt worden war. Die ägyptische Botschaft im Bern hatte im November 1956 angegeben, ihre Telefongespräche mit Kairo würden abgehört und deren Inhalt an französische Stellen weitergeleitet.
25. März Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bestätigt die Gültigkeit des Reichskonkordats mit dem Vatikan von 1933.
Die saarländische Regierung unter Ministerpräsident Hubert Ney tritt zurück, weil ihr für die Bewältigung der bevorstehenden Aufgaben eine sichere parlamentarische Grundlage fehle. Die Koalition aus CDU und SPD verfügt über 24 der 50 Landtagssitze.
Vertreter der Benelux-Staaten, Frankreichs, Italiens und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen die Römischen Verträge über die Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM).
Brüssel wird Sitz der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).
26. März Der Regisseur Max Ophüls stirbt im Alter von 54 Jahren in Hamburg.
Das Bundesverfassungsgericht bestätigt, dass das Reichskonkordat von 1933, abgeschlossen zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich, weiter Gültigkeit hat.
Unter dem Verdacht, seit geraumer Zeit vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund der DDR große Geldsummen für die illegale Tätigkeit der verbotenen Kommunistischen Partei in der Bundesrepublik erhalten zu haben, wird der frühere Leiter des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts des DGB, Viktor Agartz, festgenommen.
UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld und der ägyptische Staatspräsident Gamal Abd an Nasser erzielen nach langwierigen Verhandlungen eine Übereinkunft über die Suezkanalgebühren und den Gasastreifen.
27. März Dem österreichischen Bundesheer werden die ersten Düsenjäger übergeben.
28. März Eine große Musiktruhe als Gastgeschenk überreicht Bundeskanzler Konrad Adenauer Schah Mohammed Resa Pahlawi zu Beginn seines sechstägigen Staatsbesuchs im Iran.
Zum ersten Mal seit Ausbruch des Suezkonflikts im Oktober 1956 passiert ein Schiffskonvoi den Suezkanal.
Die britische Regierung hebt die Verbannung des Erzbischofs von Zypern, Makarios III., auf und erlaubt ihm, die Seychellen-Inseln zu verlassen. Er darf jedoch zunächst nicht nach Zypern zurückkehren.
29. März In Oxford (England) stirbt der irische Schriftsteller Joyce Cary.
30. März Bei den indischen Parlamentswahlen erreicht die regierende Kongresspartei des Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru im Zentralparlament die Zwei-Drittel-Mehrheit und in elf der 14 Landesversammlungen die absolute Mehrheit.
31. März Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik ist im März um 410.099 auf 702.232 (402.492 Männer und 299.740 Frauen) gesunken.
In den 12 Territorien Französisch-Schwarzafrikas und den sechs Provinzen der Insel Madagaskar werden die Territorialversammlungen gewählt.
01. April Die ersten 10.000 Wehrpflichtigen rücken in die Bundeswehrkasernen ein.
In Bad Ems beginnt der erste Generalstabslehrgang der Bundeswehr für Heeresoffiziere. Alle 81 Teilnehmer waren Wehrmachtsoffiziere des Zweiten Weltkriegs.
General Hans Speidel wird zum Oberbefehlshaber der NATO-Landstreitkräfte in Mitteleuropa ernannt.
In Indien wird die Dezimalwährung eingeführt.
02. April Bundeskanzler Konrad Adenauer beendet seinen fünftägigen Besuch im Iran, bei dem u. a. die deutsche Unterstützung beim Aufbau von Gewerbeschulen und landwirtschaftlichen Musterbetrieben vereinbart wurde.
03. April Der französische Justizminister François Mitterrand bestätigt, dass in Algerien Gefangene misshandelt worden sind.
Die Vereinten Nationen veröffentlichen einen Bericht über die soziale Lage der Welt.
04. April Als eine Weiterentwicklung der Artillerie, auf die in der Bundeswehr nicht verzichtet werden könne, bezeichnet Bundeskanzler Konrad Adenauer die taktischen Atomwaffen.
Der Bundestag billigt einstimmig die achte Novelle zum Lastenausgleichsgesetz, das die Gesamtentschädigungssumme um etwa 10,5 Mrd. DM auf etwa 75 Mrd. DM bis zum Jahr 1979 erhöht.
Eine Ehrenerklärung für den Abgeordneten Herbert Wehner, der bis 1942 der Kommunistischen Partei angehörte, gibt der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer vor dem Bundestag ab.
In einem Weißbuch über ihre künftige Verteidigungspolitik kündigt die britische Regierung an, dass sie ihre Streitkräfte bis 1962 nahezu halbieren wird.
Die seit dem 23. März streikenden britischen Schiffsbau- und Maschinenbauarbeiter beenden ihren Ausstand, um ihren Standpunkt neu zu überdenken.
Nach dem Rücktritt der Regierung unter Ministerpräsident Hussein Ala übernimmt der bisherige Hofminister und Rektor der Universität Teheran, Manutschehr Eghbal, die iranische Regierung. Der neue Ministerpräsident kündigt die Aufhebung des seit Jahren bestehenden Kriegsrechts und die Zulassung einer parlamentarischen Opposition an.
06. April US-Vizepräsident Richard M. Nixon kehrt von einer mehrwöchigen Reise durch afrikanische Länder zurück.
In der Sowjetunion werden die Steuersätze für die Lohn- und Einkommensteuer gesenkt. Danach bleiben Einkommen bis zu 370 Rubel (rund 148 DM) monatlich steuerfrei, der höchste Steuersatz beträgt 13%.
07. April Bundesaußenminister Heinrich von Brentano betont, dass für die Wiedervereinigung Deutschlands die Grenzen von 1937 und nicht die von 1939 anzustreben seien. Er stellt sich damit gegen die Forderungen der Vertriebenenverbände nach einer Einbeziehung vom Sudetengebiet und Memelland in ein wiedervereinigtes Deutschland.
08. April Mit Todesurteilen für drei der elf Angeklagten endet in Budapest der erste Prozess gegen die Beteiligten am ungarischen Volksaufstand vom Oktober/November 1956.
Der indonesische Präsident Achmed Sukarno setzt mit der Bildung eines außerparlamentarischen Notstandskabinetts der innenpolitischen Krise des Landes ein vorläufiges Ende.
09. April Der seit November 1956 blockierte Suezkanal ist geräumt und für Schiffe aller Tonnagen und Flaggen mit Ausnahme der israelischen geöffnet.
Österreichische Schiffe können die Donau wieder bis zum Schwarzen Meer befahren. Dies legt ein Abkommen zwischen Österreich und der UdSSR fest.
Der bisher längste Mordprozess in der Geschichte des Londoner Schwurgerichts "Old Bailey" endet mit einem Freispruch für den angeklagten Arzt John Bodkin Adams.
10. April Einmütig sprechen sich die Bundestagsfraktionen gegen die Einführung einer gleitenden Arbeitswoche aus, die auch den Sonntag als Arbeitstag einbezieht.
Der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer wird zum Kanzlerkandidaten seiner Partei für die Bundestagswahl am 15. September nominiert.
Jugoslawien und die UdSSR schließen ein Handelsabkommen für 1958 bis 1960. Die Sowjetunion wird dabei Rohstoffe sowie Maschinen und Ausrüstungsgegenstände liefern, Jugoslawien exportiert u. a. Zement, chemische Produkte und landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Nach dreimonatiger Prozessdauer verurteilt das Landgericht Berlin den Vorsitzenden des "Sparverein Südost", Gerhard Hirschfeld, zu sieben Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust.
Der Sueskanal wird nach dreimonatiger Schließung wieder geöffnet.
11. April Der Bundestag beschließt das Gesetz über den Wehrbeauftragten.
Großbritannien gewährt seiner bisherigen Kronkolonie Singapur, einem wichtigen britischen Flottenstützpunkt zwischen Indien und China, ab dem 1. Januar 1958 die Selbstregierung innerhalb des Britischen Commonwealth.
In Teheran werden die Schlussdokumente über die Markierung der sowjetisch-iranischen Staatsgrenze unterzeichnet.
Die Schweiz, Österreich und Irland heben die Einschränkungen für den Benzinverbrauch auf, die während der Suezkrise Ende 1956 getroffen worden waren.
12. April Im "Göttinger Manifest" fordern 18 führende deutsche Atomwissenschaftler die Bundesregierung zum Verzicht auf die atomare Bewaffnung der Bundeswehr auf.
Bundesinnenminister Gerhard Schröder gibt Einzelheiten über die neue Wahlordnung bekannt, die u. a. die Möglichkeit der Briefwahl vorsieht.
13. April In Budapest wird nach fast sechs Monaten die Ausgangssperre aufgehoben.
15. April Vor Beginn der Urlaubssaison weist das Bundesinnenministerium darauf hin, dass Bundesbürger bei der Einreise nach Belgien, Luxemburg, Frankreich und in die Schweiz einen Personalausweis benötigen, für alle übrigen europäischen Länder ist ein Reisepass erforderlich. Spanien, Jugoslawien und die Ostblockstaaten verlangen zusätzlich ein Visum.
Mit einem Truppenstationierungsabkommen zwischen Rumänien und der UdSSR wird der rechtliche Status der sowjetischen Truppen in Rumänien festgelegt.
16. April In der Sowjetunion wird die bislang schwerste Atombombenexplosion ausgelöst.
17. April In Brüssel werden das Protokoll über die Vorrechte und Befreiungen der Europäischen Gemeinschaften und das Protokoll über die Satzung des Europäischen Gerichtshofs unterzeichnet.
In einer gemeinsamen Erklärung sprechen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und fünf Mitunterzeichner der "Göttinger Erklärung" nach einem mehrstündigen Gespräch gegen die Atombewaffnung in Ost und West aus.
Nach den Parlamentswahlen im März bildet der indische Premierminister Jawaharlal Nehru eine neue Regierung.
In Moskau wird ein Wirtschaftshilfeabkommen zwischen der UdSSR und Albanien unterzeichnet, durch das Albanien Kreditschulden erlassen und umfangreiche Lebensmittellieferungen zugesichert werden.
Die Polizei-Gewerkschaft in West-Berlin protestiert gegen die Regelung, die Polizeiangehörigen das Betreten der DDR verbietet.
Imre Nagy und seine Mitstreiter werden unter strengster Geheimhaltung mit verbundenen Augen und in Fesseln aus Rumänien zurück nach Budapest gebracht.
18. April In Rabat wird ein Handelsabkommen zwischen Marokko und der Sowjetunion unterzeichnet. Der nordafrikanische Staat liefert landwirtschaftliche Produkte sowie Felle und erhält dafür Werkzeugmaschinen, Erdöl, Holz und Konserven.
In einer über den Rundfunk verbreiteten Erklärung gibt das japanische Sozialministerium bekannt, dass die Atmosphäre über Japan durch die Atomwaffenversuche zunehmend radioaktiv verseucht wird. Die Hausfrauen werden aufgefordert, Lebensmittel vor der Zubereitung sorgfältig zu waschen.
Nach einer Mitteilung des österreichischen Verteidigungsministeriums haben sich bei den Musterungen die Städter als gesünder erwiesen als die auf dem Land wohnenden Wehrpflichtigen. Die Rekruten aus ländlichen Bezirken leiden vor allem an hochgradigen Zahnschäden, Sehfehlern sowie an Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen.
19. April In einer Note an die drei Westmächte kündigt die Sowjetunion die Ausrüstung des Ostblocks mit Atom- und Fernlenkwaffen an, falls die Verbündeten der USA vergleichbare Waffen erhalten sollten.
Nach einem 48stündigen Warnstreik nehmen die französischen Eisenbahner ihre Arbeit wieder auf.
22. April Nach dem Rücktritt von vier Ministern der Landarbeiterpartei bildet der chilenische Präsident Carlos Ibañez del Campo eine neue Regierung, die er als administrativ-militärisch bezeichnet.
23. April Rund 150 Rundfunkanstalten übertragen weltweit eine Ansprache des Nobelpreisträgers Albert Schweitzer, der vor den Gefahren durch Atomstrahlen warnt und zur Einstellung der Atomwaffen-Versuche aufruft.
25. April 500 Mio. DM zuwenig hat die Bundesregierung nach Ansicht des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft im Haushaltsjahr 1957/58 für Forschung, Lehre und Bildung vorgesehen. Auf seiner Jahresversammlung in Wiesbaden schlägt der Verband u. a. vor, die gewerbliche Wirtschaft solle steuerbegünstigte Rücklagen schaffen, die langfristig für die industrielle Forschung eingesetzt werden könnten.
Der jordanische König Hussein verhängt den Belagerungszustand über sein Land, nachdem es in den vergangenen Wochen einen zweimaligen Regierungswechsel und einen Umsturzversuch in Jordanien gegeben hat.
26. April Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) fordert eine baldige Verkürzung der Arbeitszeit für die Arbeiter, Angestellten und Beamten der Länder und Gemeinden.
27. April Auf seinem Bundesparteitag in Düsseldorf fordert der Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) die Wiedervereinigung Deutschlands in den Grenzen von 1937 unter Einbeziehung des Sudeten- und des Memellandes. Das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung ausschließlich der nach dem Krieg zugezogenen solle durch Volksabstimmungen gewahrt werden.
Vor einer Atomrüstung in der Bundesrepublik warnt die sowjetische Regierung in einem Schreiben an die Bundesregierung. Statt dessen schlägt die UdSSR ein Abkommen vor, nach dem weder in der Bundesrepublik noch in der DDR Atomwaffen stationiert werden.
Die Volkskammer der DDR berät den Staatshaushalt für 1957/58, der Einnahmen in Höhe von 39.109 Mio. Mark und Ausgaben in Höhe von 39.104 Mio. Mark vorsieht. Der Verteidigungshaushalt umfasst rund 976 Mio. Mark, für Volksbildung, Kultur sowie Sozial- und Gesundheitswesen sind 500 Mio. Mark vorgesehen.
Der stellvertretende Ministerpräsident der UdSSR, Anastas I. Mikojan, beendet seinen fünftägigen Staatsbesuch in Österreich. Neben Vereinbarungen über eine Intensivierung der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen werden im Abschlusskommuniqué das sowjetisch-österreichische Einvernehmen und die Neutralität der Donaurepublik besonders hervorgehoben.
29. April In Erwiderung auf die sowjetische Note vom 27. April erklärt Bundesaußenminister Heinrich von Brentano, dass derzeit nicht die Absicht bestehe, die Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen auszurüsten. Diese Möglichkeit käme erst in Betracht, wenn in den nächsten zwei Jahren keine echte atomare Abrüstung erreicht werde.
Die Mitgliedstaaten des Europarats mit Ausnahme Österreichs und der Türkei unterzeichnen in Straßburg eine Konvention über die friedliche Beilegung und Schlichtung von Streitfällen innerhalb des Europarats und verpflichten sich, gegeneinander keine Waffengewalt anzuwenden.
30. April Im April sinkt die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik um 113.712 auf 588.520. 313.290 der Arbeitslosen sind Männer, 275.230 Frauen. Gegenüber dem Stand von April 1956 sind 46.400 Arbeitslose weniger registriert.
Der Beauftragte des UN-Sicherheitsrats für die Vermittlung im Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan, Gunnar Jarrings, erklärt seine Mission für gescheitert, nachdem seine Vermittlungsvorschläge nicht angenommen wurden.
01. Mai An der österreich-ungarischen Grenze wird mit der Errichtung neuer Mienensperren begonnen.
02. Mai In Bethesda, Maryland, stirbt der als Kommunistenjäger bekannt gewordene US-Senator Joseph McCarthy.
03. Mai Das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau wird vom Bundestag verabschiedet.
Der Bundestag verabschiedet das "Arbeitnehmer-Erfinder-Gesetz".
Zum Abschluss ihrer zweitägigen Sitzung in Bonn bekräftigen die Außenminister der 15 Mitgliedsstaaten des westlichen Militärbündnisses NATO, dass sie die Teilung Deutschlands nicht hinnehmen werden. US-Außenminister John Foster Dulles erklärt, dass die US-amerikanischen Truppen in Europa auf dem gegenwärtigen Stand beibehalten werden sollen.
04. Mai Bundesatomminister Siegfried Balke teilt mit, dass er in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr für sein Amt zur Verfügung stehe, weil er fest entschlossen sei, keine militärische Anwendung der Atomenergie in der Bundesrepublik mitzumachen.
05. Mai Zum neuen österreichischen Bundespräsidenten wird Vizekanzler Adolf Schärf (SPÖ) gewählt.
06. Mai Im Unterausschuss der UN-Abrüstungskommission, der seit dem 18. März in London tagt, bringt Großbritannien einen neuen Vorschlag zur Registrierung, Begrenzung und Einstellung von Atomwaffenversuchen ein.
Die italienische Koalitionsregierung aus Christdemokraten (15 Minister), Sozialdemokraten (4) und Liberalen (3) unter Ministerpräsident Antonio Segni tritt zurück, nachdem die vier sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder ihr Ausscheiden erklärt haben.
07. Mai Den Bau von Atomkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 15 Mio. kWh in den sechs Montanstaaten fordern die drei "Atom-Weisen" in einem Bericht über den Energiebedarf Europas.
Im Auffanglager für ungarische Flüchtlinge in Österreich bricht ein Hungerstreik aus. Ausgelöst wurde er durch die Entscheidung der USA, keine ungarischen Flüchtlinge mehr aufzunehmen. Mehr als hundert ungarische Studenten demonstrieren gegen diese Entscheidung vor der Botschaft der USA in Wien.
08. Mai In der Haushaltsdebatte des Bundestags fordert die SPD-Fraktion, die Ausgaben für Wissenschaft und Forschung von 72 Mio. DM auf 755 Mio. DM zu Lasten des Verteidigungsetats zu erhöhen. Das wird jedoch abgelehnt.
Bundespostminister Ernst Lemmer gibt bekannt, dass Kranke, Invaliden und Rentner über 75 Jahre ihre Rente künftig auf Antrag mit der Post zugestellt bekommen.
Aus moralischen Gründen lehnt der baden-württembergische Landtag die Zulassung von Zahlenlotto ab. Damit bleibt Baden-Württemberg das einzige Bundesland, in dem das Lottospiel verboten ist.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower bringt seine Sympathie mit dem sowjetischen Vorschlag vom 30. April für eine kontrollierte neutralisierte Zone in Europa zum Ausdruck.
09. Mai Die Äußerung von Bundesaußenminister Heinrich von Brentano, die späte Lyrik Bertolt Brechts sei mit der des nationalsozialistischen "Märtyrers" Horst Wessel zu vergleichen, löst Kontroversen aus.
In Amsterdam stirbt der deutsche Maler und Grafiker Heinrich Campendonk.
Die erste Sitzung des ungarischen Parlamentes findet statt. Das Kossuth–Wappen wird durch ein neues Wappen der Volksrepublik Ungarn, dem so genannten Kádár–Wappen ersetzt.
10. Mai Nach einer zweitägigen Debatte über die atomare Bewaffnung der Bundeswehr appellieren die Bundestagsfraktionen an die Großmächte, Vorschläge zur Kontrolle, Begrenzung und Einstellung von Atomwaffentests zu machen.
Österreich und die USA schließen ein Abkommen, wonach Österreich bis Juni 1958 amerikanische Überschussgüter, darunter Futtermais, Weizen, Baumwolle, Schmalz und Tabak, erhalten soll. Ein Teil davon ist als Entschädigung für die österreichischen Aufwendungen zugunsten der ungarischen Flüchtlinge gedacht.
Der Oberste Sowjet erlässt gesetzliche Bestimmungen zur Dezentralisierung der Wirtschaft.
Eine fünfköpfige Militärjunta unter Führung von Kriegsminister General Gabriel Paris zwingt den kolumbianischen Präsidenten General Gustavo Rojas Pinilla zum Rücktritt.
11. Mai Das Bundesarbeitsgericht erklärt die so genannte "Zölibatsklausel" für ungültig, nach der ein Arbeitsverhältnis im öffentlichen Dienst mit der Eheschließung einer Arbeitnehmerin endet, sofern das Familieneinkommen für ihre wirtschaftliche Versorgung ausreicht.
Bei einem Treffen in Washington bekräftigen US-Präsident Dwight D. Eisenhower und der südvietnamesische Präsident Ngô Dinh Diêm ihre Absicht, gemeinsam gegen die Ausbreitung des Kommunismus in Indochina vorzugehen.
12. Mai In einem Fernsehinterview sagt der Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Nordatlantikpakts in Europa, US-General Lauris Norstad, dass die NATO in einem Krieg mit der Sowjetunion wenn nötig auch als erste Atomwaffen einsetzen würde.
Bei der Mille Miglia verunglückt der spanische Automobilrennfahrer und Bobsportler Alfonso de Portago nahe dem Dorf Guidizzolo, zwischen Mantua und dem Ziel in Brescia, tödlich.
13. Mai Bundespräsident Theodor Heuss beendet seinen neuntägigen Staatsbesuch in der Türkei.
14. Mai Zu je 18 Monaten Haft wegen Beihilfe zur Ermordung des SA-Stabschefs Ernst Röhm und Tötung von sechs SA-Führern am 30. Juni 1934 (Röhmputsch) werden der ehemalige SS-General Sepp Dietrich und der ehemalige SS-Wachen-Kommandant im KZ Dachau, Michael Lippert, verurteilt.
Bei den Neuwahlen zum dänischen Parlament, dem Folketing, verlieren die Sozialdemokraten, die bislang mit Unterstützung der Radikalen Partei eine Minderheitenregierung gebildet hatten, vier Sitze und verfügen damit nur noch über 70 der 175 Mandate. Gewinne können die Agrarpartei (45 Sitze) und die Rechtsstaatspartei (9 Sitze) verzeichnen.
15. Mai Auf ihrem Parteitag in Hamburg, der nach viertägiger Dauer beendet wird, rückt die CDU teilweise von ihrem Ahlener Programm ab. Statt der dort geforderten Sozialisierung soll nun vorrangig das persönliche Eigentum gefördert werden.
In Niedersachsen tritt ein Erlass des Kultusministers über Erziehungsmaßnahmen an Schulen in Kraft, der für Jungen unter bestimmten Bedingungen die körperliche Züchtigung erlaubt.
Nahe den Weihnachtsinseln im Pazifik zündet Großbritannien trotz japanischer Proteste seine erste Wasserstoffbombe.
Die Schweizerische Nationalbank erhöht den Diskontsatz um 1% auf 2,5%.
In der Sowjetunion werden Gerichtswesen und Strafvollzug neu geordnet.
16. Mai In Coudersport, Pennsylvania, stirbt der Finanzbeamte und Prohibitionsagent Eliot Ness. Er wurde für seine Bemühungen, als Leiter der legendären Gruppe mit dem Spitznamen "Die Unbestechlichen" Al Capones Alkoholhandel zu bekämpfen, bekannt.
Der ehemalige Reichswirtschaftsminister Walter Funk, der im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess 1946 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, wird wegen seines schlechten Gesundheitszustands vorzeitig aus der Haft entlassen.
Wegen des steigenden Energiebedarfs will die Schweiz nach einer Mitteilung von Bundesrat Max Petitpierre bis 1975 Atomkraftwerke mit einer Jahresleistung von sechs Mrd. kWh errichten.
18. Mai Auflösung der "Gesamtdeutschen Volkspartei" (GVP), ihre Mitglieder, darunter Gustav Heinemann und Helene Wessel, schließen sich überwiegend der SPD an.
Die Delegiertenkonferenz der Saar-CDU wählt den amtierenden Kultusminister Egon Reinert zum neuen Landesvorsitzenden der Partei. Er wird Nachfolger von Hubert Ney, der am 25. März mit seiner Regierung zurückgetreten ist und sich seither vergeblich um die Regierungsneubildung bemüht hatte.
In einer Botschaft an den französischen Ministerpräsidenten Guy Mollet schlägt der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin bilaterale französisch-sowjetische Abrüstungsverhandlungen vor.
Auf dem 9. Plenum des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei wird die Politik von Parteiführer Wladyslaw Gomulka bestätigt. Die rivalisierenden Richtungen innerhalb der Partei bleiben jedoch bestehen.
19. Mai Die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) löst sich auf und empfiehlt ihren Mitgliedern, der SPD beizutreten. Zu den ersten, die sich den Sozialdemokraten anschließen, gehört der GVP-Vorsitzende Gustav Heinemann.
Der bisherige italienische Budgetminister Adone Zoli bildet eine Minderheitenregierung, an der nur die Christdemokraten beteiligt sind. Diese verfügen im Parlament über 263 der 590 Sitze. Die frühere Koalitionsregierung war am 6. Mai zurückgetreten.
Bei den Gemeindewahlen in der Tschechoslowakei, an denen nach amtlichen Angaben 99,26% der Stimmberechtigten teilnehmen, erhält die Einheitsliste der Kandidaten der Nationalen Front 99,06% der Stimmen.
20. Mai In einem Memorandum an die UdSSR zur Wiedervereinigung Deutschlands lehnt die Bundesregierung Verhandlungen mit der DDR, ein Ausscheiden der Bundesrepublik Deutschland aus dem westlichen Militärbündnis NATO und Pläne zur Bildung einer deutschen Konföderation ab.
21. Mai Laut Feststellung des Bundesverfassungsgerichts ist West-Berlin ein Land der Bundesrepublik. Somit gilt auch dort das Grundgesetz.
Das mit 22 Regierungsmonaten bisher langlebigste französische Kabinett nach dem Zweiten Weltkrieg unter Ministerpräsident Guy Mollet wird wegen eines Antrags auf Steuererhöhungen gestürzt.
22. Mai In der Antwort auf die sowjetische Warnung vor einer atomaren Bewaffnung der Bundeswehr vom 27. April stellt die Bundesregierung fest, dass weder jetzt noch in absehbarer Zeit von einer Konzentration von Atomwaffen auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland gesprochen werden könne.
Einen Sturm auf die Lebensmittelgeschäfte löst der Direktor für wirtschaftliche Verteidigung in der schweizerischen Bundesregierung, Fritz Hummler, mit seiner Aufforderung aus, für den Ernstfall Lebensmittel in angemessenen Mengen zu bevorraten.
23. Mai Die SPD legt einen Deutschlandplan vor, in dem sie die Loslösung der Bundesrepublik und der DDR aus den jeweiligen Militärblöcken (NATO bzw. Warschauer Pakt) und die Einbindung eines wiedervereinigten Deutschlands in ein europäisches Sicherheitssystem vorschlägt.
24. Mai Das am 20. November 1956 geschlossene Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Chile tritt in Kraft.
Aufgebrachte Chinesen stürmen die US-Botschaft in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh; sie protestieren gegen den Freispruch eines US-amerikanischen Feldwebels, der einen Chinesen erschossen hat. Polizei und Feuerwehr beobachten die Verwüstung der Botschaft, greifen jedoch nicht ein.
Der Lohnkonflikt in Großbritannien, bei dem am 23. März eine Million Arbeiter in den Streik getreten waren, ist beigelegt. Die Metallarbeiter erhalten nun 11 Shilling (6,47 DM) mehr Wochenlohn, die Gewerkschaft verpflichtet sich im Gegenzug, in den nächsten 12 Monaten keine weiteren Lohnforderungen zu stellen.
25. Mai Der libysche Ministerpräsident Mustafa ben Halim tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein Nachfolger wird der bisherige stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Abd Al Madschid Kubar.
26. Mai In Tübingen wird der Deutsche Bund Ungarischer Universitäts- und Hochschulstudenten gegründet.
Abd al-Madschid Kubar wird Premierminister von Libyen.
27. Mai Nach den dänischen Parlamentswahlen vom 14. Mai bildet der bisherige Ministerpräsident Hans Christian Hansen eine Koalitionsregierung, der neun Vertreter der Sozialisten, vier der Radikal-Liberalen und drei der Rechtsstaatspartei angehören.
Nach dem Rücktritt der finnischen Koalitionsregierung unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Karl-August Fagerholm bildet Väino Johannes Sukselainen eine bürgerliche Minderheitsregierung, die über 79 der 200 Parlamentssitze verfügt.
In Budapest unterzeichnen die UdSSR und Ungarn ein Abkommen über die zeitweilige Stationierung sowjetischer Truppen in Ungarn.
Der jugoslawische Staatspräsident Marschall Josip Tito erklärt in einer Ansprache, sein Land habe gute Beziehungen zum Westen und zunehmend bessere Kontakte zu den östlichen Staaten.
28. Mai Mit zweiwöchiger Verspätung, die durch ungünstige Wetterverhältnisse verursacht wurde, beginnt auf dem US-amerikanischen Atomversuchsgelände in Nevada die bislang umfangreichste US-Atomtestreihe. Bis zum 1. September sollen insgesamt 15 Explosionen erfolgen. Als Versuchstiere über die Auswirkungen der radioaktiven Strahlen werden neben Ratten und Mäusen erstmals auch Schweine eingesetzt.
Großbritannien lockert das Handelsembargo gegenüber der Volksrepublik China, das 1950 nach Ausbruch des Koreakriegs auf Wunsch der USA von den Ländern des westlichen Militärblocks NATO verhängt wurde.
Nach viermonatiger Verhandlungsdauer endet in Venedig der Prozess um den Mord an der Italienerin Wilma Montesi mit Freisprüchen für die Angeklagten, weil der Fall nach Ansicht des Gerichts nicht geklärt werden konnte.
29. Mai Im Grenzverkehr zwischen Deutschland und Österreich wird kein Reisepass mehr benötigt.
Der Bundestag verabschiedet den Haushalt 1957/58 mit einem Umfang von 37,3 Mrd. DM, das sind 2,4 Mrd. DM mehr als 1956.
Den Mitgliedern der österreichischen Broad Peak-Expedition, Fritz Wintersteller, Marcus Schmuck, Kurt Diemberger und Hermann Buhl, gelingt die Erstbesteigung des Broad Peak-Vorgipfels.
In dem algerischen Dorf Melouza werden alle 303 männlichen Bewohner ermordet.
30. Mai Bundeskanzler Konrad Adenauer beendet seinen achttägigen Besuch in den USA.
Die ungarische Regierung fordert das Internationale Rote Kreuz auf, seine Tätigkeit in Ungarn bis zum 30. Juni einzustellen.
31. Mai Der Bundestag verabschiedet ein Gesetz über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Um 94.887 hat die Zahl der Arbeitslosen im Mai gegenüber dem Vormonat abgenommen. Arbeitslos sind im Mai 493.633 Bundesbürger, davon 252.789 Männer und 240.844 Frauen.
02. Juni Auf einer Veranstaltung in Bamberg äußert der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Konrad Adenauer die Ansicht, bei der Bundestagswahl am 15. September gehe es darum, ob Deutschland und Europa christlich bleiben oder unter kommunistische Gewalt geraten.
Die US-amerikanische Fernsehgesellschaft CBS strahlt ein Interview mit dem sowjetischen Parteichef Nikita S. Chruschtschow aus, in dem dieser sich für eine friedliche Koexistenz der Weltmächte ausspricht.
Auf Initiative des Physikers und Chemienobelpreisträgers Linus Pauling wenden sich 2.000 US-amerikanische Wissenschaftler an die Atommächte und fordern die Einstellung aller Kernwaffenversuche.
03. Juni 15 Soldaten der Bundeswehr ertrinken in der Iller, die sie im Rahmen einer Übung durchwaten.
2.000 US-amerikanische Wissenschaftler unterzeichnen einen Appell, in dem ein Abkommen über die Einstellung der Kernwaffenversuche gefordert wird.
04. Juni Mit der Wahl des amtierenden Kultusministers Egon Reinert zum saarländischen Ministerpräsidenten endet eine zweimonatige Regierungskrise im Saarland.
Der CDU-Vorsitzende Konrad Adenauer und der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer äußern sich zustimmend über die Aktivitäten des Kuratoriums Freies Wochenende. Sie wollen darauf hinwirken, das letzte Wochenende im Monat von Veranstaltungen freizuhalten, die nicht der Erholung und der Besinnung dienen.
Im Prozess um den Brand der Wiener Börse im April 1956, bei dem ein Sachschaden von 150 Mio. Schilling (25 Mio. DM) entstanden war, werden der ehemalige Saalchef und der Löschmeister der Feuerwehr zu drei bzw. fünf Monaten Haftstrafe mit Bewährung verurteilt.
Bei Kämpfen zwischen algerischen Aufständischen und französischen Kampfgruppen im Kabylengebirge östlich von Algier kommen nach französischen Angaben 125 Algerier und zehn Franzosen ums Leben.
05. Juni Für das Jahr 1957 muss die Bundesrepublik für die alliierten Truppen auf ihrem Territorium 1,2 Mrd. DM an Stationierungskosten bezahlen.
Abtreibung und Sterilisierung werden in der Volksrepublik China als Gesundheitsmaßnahmen legalisiert.
06. Juni Zum Abschluss ihres zweitägigen Parteikongresses in Hamburg verabschiedet die FDP ein sieben Punkte umfassendes Aktionsprogramm, in dem u. a. die Wiedervereinigung Deutschlands und der Verzicht auf Atomwaffen für die Bundeswehr gefordert werden.
Vom Ministerrat der DDR wird die Gründung des Beirates für naturwissenschaftlich-technische Forschung und Entwicklung beim Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik, kurz Forschungsrat der DDR, beschlossen.
07. Juni In Washington einigen sich die USA und Polen auf ein Abkommen, nach dem Polen wirtschaftliche Hilfe in Höhe von 95 Mio. US-Dollar (400 Mio. DM) erhält, die überwiegend der Entwicklung des Kohlebergbaus und der Landwirtschaft dienen sollen.
08. Juni In einer Verbalnote an die sowjetische Regierung erklärt die Bundesregierung, dass sie Verhandlungen über die Rückführung deutscher Staatsangehöriger aus der UdSSR als unabdingbare Voraussetzung für die Aufnahme von Handelsgesprächen ansieht.
10. Juni Der erst seit dem 19. Mai amtierende italienische Ministerpräsident Adone Zoli reicht seinen Rücktritt ein, nachdem er am Tag zuvor eine Vertrauensabstimmung im Parlament nur durch die Stimmen der von ihm abgelehnten Neofaschisten gewinnen konnte.
Der überraschende Wahlsieg der Konservativen Partei beendet die 22-jährige Herrschaft der Liberalen in Kanada. Neuer Ministerpräsident wird John Diefenbaker als Nachfolger des seit 1948 regierenden Louis Stephen Saint Laurent.
Die Nachricht von der Erkrankung des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower – er leidet an einer Magenstörung – löst eine Verkaufswelle an der New Yorker Börse aus. Führende Papiere sinken um bis zu fünf US-Dollar (21 DM).
11. Juni Der Radikalsozialist und bisherige Verteidigungsminister Maurice Bourgès-Maunoury wird neuer französischer Ministerpräsident. Die alte Regierung unter Guy Mollet war am 21. Mai zurückgetreten.
Der erste Abschuss der US-amerikanischen Interkontinentalrakete "Atlas" missglückt: Das Geschoß, das eine Reichweite von 9.000 km – etwa die Entfernung New York-Moskau – haben soll, steigt zwar senkrecht auf, explodiert jedoch nach kurzer Zeit.
12. Juni Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht eine Untersuchung über die Eigentumsverhältnisse in deutschen Aktiengesellschaften. Demnach befinden sich höchstens 40% der Aktien im Besitz freier Aktionäre, der Rest ist Schachtel- oder Dauerbesitz.
In La-Chaux-de-Fonds in der Westschweiz versammeln sich 6.000 Menschen, die den Verzicht auf alle künftigen Experimente mit Kernwaffen fordern.
13. Juni Während eines diplomatischen Empfangs beurteilt das sowjetische Politbüromitglied Anastas I. Mikojan den Vorschlag von US-Außenminister John Foster Dulles über den Austausch von Fernsehsendungen grundsätzlich positiv.
14. Juni Ab dem 1. Oktober soll die Arbeitszeit für Arbeiter und Angestellte der Gemeinden bei gleichem Lohn von 48 auf 45 Stunden verkürzt werden. Darauf einigen sich die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft sowie die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr einerseits und die Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände andererseits.
Eine Militärjunta unter Brigadegeneral Antonio Krebeau übernimmt die Regierung in Haiti, nachdem sie den Präsidenten Daniel Fignole zum Rücktritt gezwungen hat. Anschließende blutige Unruhen fordern mindestens 50 Todesopfer und 200 Verletzte.
15. Juni Bundeskanzler Konrad Adenauer beendet seinen dreitägigen Staatsbesuch in Österreich.
Die SPD verabschiedet zum Abschluss ihres zwei Tage dauernden Wahlkongresses in Dortmund ein zehn Punkte umfassendes Wahlprogramm.
16. Juni Das am 17. Mai 1956 unterzeichnete Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Griechenland tritt in Kraft.
Über 100 französische Flugzeuge greifen ein Gebiet in den Bergen Ostalgeriens an, weil sie dort Aufständische vermuten. Es ist der bisher schwerste Luftangriff der französischen Armee in Algerien.
17. Juni Nach 18 Jahren hält das österreichische Bundesheer zum ersten Mal wieder ein Manöver ab.
In Panama City stirbt der 19. Staatspräsident von Panama und Sohn des ehemaligen Präsidenten Federico Boyd, Augusto Samuel Boyd.
18. Juni Der Gehorsamsparagraph (§ 1354 Bürgerliches Gesetzbuch) wird ersatzlos gestrichen.
Die Bundesrepublik und weitere Staaten schließen sich der Teilaufhebung des Handelsembargos gegen die Volksrepublik China an, die Großbritannien am 28. Mai verkündet hatte.
Die Bundesmarine läuft in Kiel zu ihrem ersten Manöver aus, das fünf Tage dauern wird und an dem fast alle Schiffe der Flotte beteiligt sind.
19. Juni Neuer Ministerpräsident des Irak wird Ali Jawdat Ayoubi, der als Anhänger des Bagdadpaktes und der Zusammenarbeit mit dem Westen gilt. Die bisherige Regierung unter Nuri es Said war am 8. Juni zurückgetreten.
In der Nähe der tschechoslowakischen Grenze wird der "Frauenschreck von Steyr", der 37-jährige Fabrikarbeiter Alfred Engleder, verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, in den vergangenen zwei Jahren in der oberösterreichischen Stadt Steyr zwei Sexualmorde sowie mehrere Überfälle und Vergewaltigungen begangen zu haben.
20. Juni Der Ungarn-Ausschuss der Vereinten Nationen berichtet über seine Untersuchungen zum ungarischen Volksaufstand im Oktober des Jahres 1956.
Die französische Regierung hebt die seit der Suezkrise im November 1956 bestehende Benzinrationierung auf und erhöht zugleich den Benzinpreis von 81 auf 90 Francs (rund 1,08 DM).
21. Juni In Traunstein stirbt der deutsche Physiker und Nobelpreisträger (Physik 1919) Johannes Stark.
John George Diefenbaker von der Konservativen Partei wird neuer kanadischer Premierminister.
Die Vereinigten Staaten sichern zu, dass sie ihre Streitkräfte in Japan abziehen werden, sobald Japan eine eigene Armee aufgebaut hat.
In den USA wird der sowjetische Spion Rudolf Iwanowitsch Abel verhaftet.
22. Juni Eine französisch-nordafrikanische Gemeinschaft, die durch General Charles de Gaulle zu verwirklichen wäre, schlägt der tunesische Ministerpräsident Habib Burgiba zur Lösung der algerischen Frage vor.
23. Juni Bei den Wahlen in der DDR erhält die Einheitsliste eine Zustimmung von 99,5%. Die Wahlbeteiligung liegt bei 97,2%.
24. Juni Das bayerische Kultusministerium kündigt an, dass 1958 in zwei Klassenstufen der Oberrealschule Garmisch-Partenkirchen versuchsweise die Fünf-Tage-Woche eingeführt wird. Zwei der wegfallenden Unterrichtsstunden sollen nachmittags nachgeholt werden, der Rest entfällt.
US-amerikanische Wissenschaftler teilen Präsident Dwight D. Eisenhower mit, dass die USA eine Wasserstoffbombe herstellen könnten, die zu fast 95% frei von radioaktiver Ausschüttung sei.
25. Juni Der italienische Ministerpräsident Adone Zoli erklärt dem Parlament die Zurücknahme seines Rücktritts, den er am 10. Juni ausgesprochen hatte.
26. Juni Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, womit Arbeiter und Angestellte annähernd gleichgestellt sind.
Der Bundestag in Bonn verabschiedet eine provisorische Neuregelung für die Ehegattenbesteuerung, die verschiedene Wahlmöglichkeiten zwischen einer getrennten und einer gemeinsamen Veranlagung zulässt. Die bisherige Regelung wurde vom Verfassungsgericht in Karlsruhe am 21. Februar für verfassungswidrig erklärt.
In Emmendingen stirbt der Schriftsteller Alfred Döblin.
27. Juni Das Bundeskabinett in Bonn erhöht die Mindestsätze der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte um 33 1/3 %. In ersten Stellungnahmen bezeichnen Ärzteverbände die Erhöhung lediglich als eine Abschlagszahlung.
Die sowjetische Regierung warnt die Bundesregierung abermals davor, die Bundeswehr mit Atomwaffen auszurüsten. Damit riskiere sie, "als Totengräber der Einheit Deutschlands in die Geschichte einzugehen".
Das Oberste Schweizer Bundesgericht in Lausanne entscheidet, dass ein Frauenstimmrecht in der Schweiz nicht ohne Verfassungsänderung eingeführt werden darf.
Der österreichische Bergsteiger Hermann Buhl verunglückt tödlich im zentralasiatischen Karakorum.
28. Juni Der Bundestag verabschiedet ein neues Beamtenbesoldungsgesetz, das die Erhöhung der Gehälter von 155% des Satzes von 1927 auf 165% vorsieht.
Eine heftige Debatte geht der Abstimmung über das Ordensgesetz voraus. Vor allem die SPD-Fraktion im Bundestag wendet sich gegen die Bestimmung, dass ein Eisernes Kreuz aus dem Ersten Weltkrieg am schwarz-weiß-roten Band getragen werden darf.
29. Juni Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Wahl von Vertrauensmännern in den Streitkräften. Sie sollen zur einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Vorgesetzten und Untergebenen beitragen.
In Zürich stirbt der schweizer Schriftsteller Adrien Turel.
30. Juni Im Juni sinkt die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik um 39.961 auf 453.672 (237.257 Männer und 216.415 Frauen).
In der Dortmunder Westfalenhalle eröffnet die CDU ihren Wahlkampf.
Um 8,4% sind die Bruttolöhne und -gehälter in der Bundesrepublik im ersten Halbjahr 1957 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gestiegen.
Im ersten Halbjahr 1957 hat die Zahl der Arbeitnehmer mit tariflich vereinbarter Arbeitszeitverkürzung auf 45 Stunden bei vollem Lohnausgleich um 28% auf rund 8,6 Mio. zugenommen.
Mit einem überwältigenden Sieg der prowestlichen Regierungsparteien enden die am 9. Juni begonnenen Parlamentswahlen im Libanon. 50 der 66 Sitze gehen an die Regierungsparteien, 13 an die proägyptische Opposition und drei an prowestliche Unabhängige.
01. Juli Die ersten drei Divisionen der Bundeswehr werden der NATO unterstellt.
Bei einer Umfrage des sozialwissenschaftlichen Instituts Emnid in Bielefeld sprechen sich 55% der Befragten für die Neutralität der Bundesrepublik Deutschland aus. Im Jahr zuvor waren es noch 62%.
Das Honnefer Modell zur Unterstützung bedürftiger Studenten, das bereits vor anderthalb Jahren erarbeitet wurde, wird erstmals angewendet.
In Feldberg (Schwarzwald) stirbt der deutsche Flugpionier August Euler.
In den USA tritt der "Narcotic Control Act" in Kraft. Dadurch wird der Drogenhandel zu einem Bundesvergehen.
Die Pekinger Volkszeitung meldet, dass die Regierung der Volksrepublik China gegen ungerechtfertigte Kritiken vorgehen werde, wie sie vor einem Monat in dem Organ veröffentlicht wurden.
02. Juli Der Bundestag in Bonn billigt eine Änderung des Kindergeldgesetzes, wonach das Kindergeld vom dritten Kind an von 25 DM auf 30 DM monatlich erhöht wird.
Bei den Londoner Abrüstungsgesprächen legen die Westmächte neue gemeinsame Vorschläge über die vorübergehende zehnmonatige Einstellung von Atomwaffenversuchen vor.
Der demokratische US-Senator John F. Kennedy fordert die amerikanische Regierung auf, ihren Einfluss zur Lösung des Algerienkonflikts geltend zu machen und sich nicht auf "lauwarme Moralpredigten für beide Seiten" zu beschränken. Präsident Dwight D. Eisenhower lehnt eine aktive Intervention der USA zugunsten eines unabhängigen Algerien ab und bezeichnet den Konflikt als innerfranzösisches Problem.
03. Juli Der Bundestag verabschiedet das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellgesetz).
Durch das Gesetz zur Alterssicherung der Landwirte, das vom Bundestag gebilligt wird, wird erstmals eine Selbständigengruppe zwangsversichert.
In Stralsund stirbt die deutsche Malerin Elisabeth Büchsel.
04. Juli Der Bundestag verabschiedet das Kartellgesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Der Aufbau des Bundeskartellamtes zur Sicherung des freien Wettbewerbes stellt eine der Grundlagen der freien Marktwirtschaft dar.
Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Errichtung einer Deutschen Bundesbank als Währungs- und Notenbank.
Der luxemburgische Ministerpräsident Joseph Bech beendet seinen zweitägigen Besuch in Bonn.
Nach ihrem Ausschluss aus dem ZK der KPdSU am 29. Juni werden Wjatscheslaw M. Molotow, Georgi M. Malenkow und Lasar M. Kaganowitsch nun auch ihrer Regierungs- bzw. Parteiämter enthoben. In der Öffentlichkeit werden sie der "Fraktionstätigkeit" und weiterer Vergehen beschuldigt.
05. Juli Gegen die Stimmen der FDP und des Gesamtdeutschen Blocks/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) billigt der Bundestag in Bonn die Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM).
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Adolf Heusinger, unterstellt die ersten drei Bundeswehrdivisionen dem Kommando des westlichen Militärbündnisses NATO.
06. Juli Der Bundestag billigt das Fernstraßen-Ausbaugesetz, das einen Zehn-Jahres-Plan für Neu- und Umbauten von Autobahnen, Bundesstraßen und besonderen Fremdenverkehrsstraßen festlegt.
Zum dritten Mal scheitert der Versuch, im Bundestag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit eine Grundgesetzänderung durchzusetzen, die als Voraussetzung für das geplante Atomgesetz notwendig ist.
Nach fünftägiger Dauer geht in Wien der 5. Kongress der Sozialistischen Internationale zu Ende, an dem über 160 Delegierte aus 40 Ländern teilgenommen haben. Der Kongress beschäftigte sich mit der Abrüstung, der Wiedervereinigung Deutschlands, den Problemen der Entwicklungsländer, der Algerienfrage und dem Zypernproblem.
07. Juli Überraschend beruft der britische Premierminister Harold Macmillan eine Kabinettssitzung über die Zypernfrage ein, nachdem es die Regierung in London in letzter Zeit abgelehnt hatte, sich weiter mit diesem Problem zu befassen.
08. Juli Die ersten 125 Kinder aus West-Berlin werden von der US-amerikanischen Luftwaffe zu ihren Ferieneltern in der Bundesrepublik geflogen. Insgesamt sollen 2.000 Berliner Kinder über die Ferienluftbrücke transportiert werden.
Aufgrund eines neuen Regierungserlasses werden in der Republik Irland über 60 Angehörige der illegalen Irisch Republikanischen Armee (IRA) verhaftet und in einem Militärlager interniert. Der Erlass ermächtigt zur Verhaftung jeder Person, die nach Auffassung eines Ministers Tätigkeiten ausübt, die den Frieden stören könnten.
09. Juli Als erstes Bundesland erhält Bayern ein Atomgesetz, das den Bau und den Betrieb von Kernreaktoren und die Anwendung radioaktiver Isotopen regelt.
Der französische Staatspräsident René Coty spricht sich gegen die Unabhängigkeit Algeriens aus.
10. Juli Das Bundeskabinett in Bonn beschließt die Senkung der Zölle für gewerbliche Güter um 25% für die Zeit vom 15. August bis zum Jahresende. Damit sollen Preisauftriebstendenzen gedämpft und die Gläubigerstellung der Bundesrepublik in der Europäischen Zahlungsunion abgebaut werden.
Erst nach mehrfachem Eingreifen des UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld wird ein zehnstündiges Feuergefecht an der israelisch-syrischen Waffenstillstandslinie beendet. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die Waffenruhe verletzt zu haben.
In London stirbt der jüdische Schriftsteller und Dramatiker Schalom Asch.
11. Juli Das Schwurgericht Nürnberg verurteilt den "Badewannenmörder" Georg Alt aus Fürth zu lebenslanger Haft. Er wurde für schuldig befunden, am 9. Juli 1956 seine Frau Pauline mit einem Stromschlag in der Badewanne getötet zu haben.
Sultan Mohammed Shah, der dritte Träger des Titels Aga Khan, der seinem Großvater von der britischen Königin Victoria verliehen wurde, stirbt in Versoix am Genfer See. Sein Nachfolger als Oberhaupt der Ismailiten und vierter Aga Khan wird sein Enkel, Prinz Karim.
12. Juli Der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer bezeichnet die Wahlreden von Bundeskanzler Konrad Adenauer als eine Verwilderung der politischen Sitten und ein Abgleiten des Wahlkampfes auf das Niveau der Unanständigkeit. Adenauer hatte auf einer Wahlveranstaltung behauptet, ein Wahlsieg der Sozialdemokraten bedeute den Untergang Deutschlands.
Die US-amerikanische Regierung bringt zur Information der Öffentlichkeit ein 579 Seiten umfassendes Handbuch der Atomgefahren heraus. Gleichzeitig läuft in den USA die bislang größte Atomluftschutzübung an.
13. Juli In Tunis endet die fünfte Tagung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, die am 5. Juli begonnen hatte.
Die polnische Regierung in Warschau gestattet den privaten Landerwerb bis zu 15 ha.
14. Juli Bei den ersten Wahlen zur ägyptischen Nationalversammlung in Kairo haben die Stimmberechtigten die Wahl zwischen verschiedenen Kandidaten, die jedoch alle vor den Wahlen der Billigung der Regierung bedurften. Im neu gewählten ägyptischen Parlament mit 345 Sitzen sind auch zwei weibliche Abgeordnete vertreten.
Bei einem Jubiläumsrennen der Formel 2 auf dem Circuit de Reims-Gueux verunglückt der amerikanische Rennfahrer Herbert MacKay-Fraser tödlich.
15. Juli In der Bundesrepublik tritt das Krankenpflegegesetz in Kraft.
Der spanische Ministerpräsident Luis Carrero Blanco kündigt die Einführung der Monarchie in Spanien nach dem Tod des diktatorisch regierenden Staatschefs General Francisco Franco Bahamonde an.
Zwischen der staatlichen Österreichischen Mineralölverwaltung AG und der Mineralölgesellschaft BP wird ein Konsortialvertrag über gemeinsame Erdölforschung und -förderung in Österreich abgeschlossen.
16. Juli US-Verteidigungsminister Charles E. Wilson ordnet die Verringerung der amerikanischen Streitkräfte um 100.000 Mann innerhalb der nächsten sechs Monate an.
Der österreichische Ministerrat in Wien lehnt die Forderung des Aachener Domkapitels ab, die Reichskleinodien auszuliefern.
17. Juli Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Adolf Heusinger, begrüßt den 100.000. Bundeswehrsoldaten.
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl und seine Frau helfen Genossenschaftsbauern in Waltersdorf (Kreis Königswusterhausen) bei der Maispflege und jäten Unkraut. Etwa 100 Mitarbeiter verschiedener Regierungsstellen haben sich ebenfalls für den Arbeitseinsatz gemeldet.
18. Juli Die Bundesrepublik und Frankreich unterzeichnen ein Abkommen mit der "American Telephone and Telegraph Company" über das Verlegen und den Betrieb eines zweiten Telefonkabels zwischen Europa und Nordamerika. Das Kabel, das im Sommer 1959 mit einem Kostenaufwand von 40 Mio. US-Dollar (164 Mio. DM) verlegt werden soll, kann gleichzeitig 36 Gespräche übertragen. Bisher werden Telefonverbindungen über Funk hergestellt, nur Großbritannien ist seit 1956 durch ein Überseekabel telefonisch mit Nordamerika verbunden.
Die französische Wochenschrift "France Observateur" berichtet über Kontaktversuche der französischen Regierung mit algerischen Rebellenführern.
19. Juli Der Bundesrat wählt den Regierenden Bürgermeister von West-Berlin, Otto Suhr, für das am 1. September beginnende Geschäftsjahr zum Präsidenten.
Bei einem Geheimtreffen der Parteiführer von Jugoslawien, Bulgarien und Albanien mit dem sowjetischen Parteichef Nikita S. Chruschtschow werden Möglichkeiten erörtert, wie die Beziehungen zu Albanien verbessert werden können.
Auf dem Atomversuchsgelände Yucca Flat in Nevada wird zum ersten Mal eine US-amerikanische atomare Luft-Luft-Rakete abgefeuert.
20. Juli Der Ministerrat der Sowjetunion sperrt die Gewässer von Wladiwostok, dem bedeutendsten Kriegshafen der UdSSR am Pazifik, für ausländische Schiffe und weitet zugleich seine Territorialgewässer in diesem Gebiet aus. Die Maßnahme führt zu heftigem Protest Japans.
21. Juli Britische Truppen greifen zugunsten des Sultans von Oman Said Ibn Taimur in einen Aufstand im Innern des Landes ein.
22. Juli Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm (DP) kündigt an, dass künftig der Ausbau des Autobahnnetzes Vorrang vor anderen Straßenbaumaßnahmen haben soll. Künftig sollen jährlich mindestens 200 km Autobahnstrecke neu gebaut werden.
23. Juli In Moskau werden die deutsch-sowjetischen Regierungsverhandlungen über gegenseitige Wirtschaftsbeziehungen und die Repatriierung der in der Sowjetunion lebenden Deutschen aufgenommen.
In Rom stirbt der italienische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Giuseppe Tomasi di Lampedusa (Der Leopard).
24. Juli Der von Israel gecharterte dänische Frachter "Brigitte Toft" passiert den Suezkanal. Ein israelisches Besatzungsmitglied wird von den ägyptischen Behörden in Suez unter Spionageverdacht verhaftet.
In Paris stirbt der französische Schauspieler Sacha Guitry.
25. Juli Nach Auskunft des Bundesernährungsministeriums bleibt Obst in diesem Jahr teuer und knapp, weil die schlechte Inlandsernte durch Importe nicht ausgeglichen werden kann.
In Bonn stirbt der deutsche Schriftsteller Adolf von Hatzfeld.
In Tunesien wird die seit 250 Jahren bestehende Monarchie abgeschafft und die Republik ausgerufen. Die verfassungsgebende Versammlung wählt den bisherigen Ministerpräsidenten Habib Bourguiba zum ersten Präsidenten der Republik.
26. Juli Durch das Bundesbankgesetz wird in Frankfurt/Main die Deutsche Bundesbank als zentrale Finanzstelle der Bundesrepublik und West-Berlin eingerichtet.
In West-Berlin wird das Bundeskartellamt eingerichtet.
Das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen (Ordensgesetz) tritt in Kraft.
52% der Bundesbürger glauben nicht, dass eine Wiedervereinigung Deutschlands in absehbarer Zeit auf friedlichem Weg möglich ist. Dies ist das Ergebnis einer Repräsentativumfrage des Emnid-Instituts.
In der DDR wird der am 6. Dezember 1956 wegen konterrevolutionärer Verschwörung verhaftete Verleger und Mexiko-Emigrant Walter Janka zu fünf Jahren Zuchthaus mit verschärfter Einzelhaft verurteilt.
27. Juli Die Regierung der DDR schlägt die Bildung eines Staatenbundes/Konföderation zwischen der DDR und der Bundesrepublik vor.
Das Gesetz über den Ausbau der Bundesfernstraßen tritt in Kraft.
28. Juli Der französische Verteidigungsminister André Morice gibt bekannt, dass Frankreich in Ostalgerien eine mit Stacheldraht und Wachttürmen befestigte Grenzlinie aufbaut, die eine Unterstützung der Algerier von tunesischem Gebiet aus verhindern soll.
In Argentinien werden die 205 Abordneten einer verfassungsgebenden Versammlung gewählt. Dabei erhalten die eine Verfassungsreform befürwortenden Parteien 115 Sitze, deren Gegner 90 Mandate. Etwa ein Drittel der abgegebenen Stimmen sind weiße Zettel, die von den Anhängern des 1955 gestürzten Präsidenten Juan Domingo Perón stammen.
29. Juli Der Staatskirchenvertrags, in dem unter anderem die evangelische Militärseelsorge geregelt wird, wird verkündet.
Der Bundestag beschließt ein neues Jugendschutzgesetz, eine Korrektur des Ladenschlussgesetzes von 1956 sowie die Einführung einer Verkehrssünderkartei beim Kraftfahrzeugbundesamt in Flensburg.
Die drei Westmächte und die Bundesrepublik veröffentlichen die "Berlin-Erklärung" zur deutschen Einheit. Darin wird die Forderung nach Viermächte-Verhandlungen und Abschluss eines Friedensvertrages mit einer frei gewählten gesamtdeutschen Regierung gestellt.
In der DDR ist entsprechend dem Befehl 60/57 des Ministers für Nationale Verteidigung bis zum 15. August das Regierungs- und Verbindungsfliegergeschwader der Deutschen Demokratischen Republik zu bilden.
Gründung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA).
US-Außenminister John Foster Dulles legt bei den Abrüstungsgesprächen in London einen gemeinsamen Luft- und Bodeninspektionsplan der Westmächte vor.
31. Juli In der Bundesrepublik erreicht die Arbeitslosenzahl im Juli den tiefsten Stand seit Kriegsende. Die Zahl hat sich gegenüber dem Vormonat um 63.422 auf 390.250 verringert, davon 204.381 Männer und 185.869 Frauen.
In Österreich liegt die Zahl der Arbeitslosen Ende Juli bei knapp 65.000 und erreicht damit den niedrigsten Stand seit 1918.
01. August Aufgrund des Bundesbankgesetzes vom 26.7. wird in Frankfurt/Main die Deutsche Bundesbank als zentrale Notenbank der Bundesrepublik und West-Berlins gegründet. Ihr Präsident wird Wilhelm Vocke, der auch schon an der Spitze der Bank deutscher Länder gestanden hat.
Das Schöffengericht München-Land verurteilt den 51-jährigen "Wunderdoktor" Bruno Gröning wegen fortgesetzten Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz zu einer Geldstrafe von 2.000 DM.
Das wissenschaftliche UN-Komitee legt einen ersten Bericht über die Gefahren radioaktiver Verseuchung vor. Es wird vermutet, dass die Strahlen genetische Veränderungen hervorrufen und bestimmte Krebsarten erzeugen können.
Eine Reduzierung der Streitkräfte um 620.000 Soldaten in der Volksrepublik China gibt deren stellvertretender Ministerpräsident und Verteidigungsminister Marshall Peng Tehhuai bekannt.
02. August Das Bundesverteidigungsministerium richtet eine Überwachungsstelle gegen Korruption ein. Anlass ist ein Bestechungsskandal im Bundeswehrbeschaffungsamt in Koblenz.
In Geheimbesprechungen zwischen dem sowjetischen Parteichef Nikita S. Chruschtschow und dem jugoslawischen Staatschef Marschall Josip Tito wird Einigkeit über die unabhängige Stellung Jugoslawiens erzielt.
03. August Eine heftige Debatte löst in Großbritannien Lord John Grigg Alkicham mit seiner Kritik an Königin Elisabeth II. und dem Hof aus.
Australien und die Bundesrepublik treffen neue Vereinbarungen über deutsche Auswanderer nach Australien.
04. August Die Regierung der Volksrepublik China gibt die Einrichtung von Arbeitsbesserungslagern für soziale Schädlinge und gesetzlose Elemente bekannt.
05. August Der Rat der Stadt Lüneburg verurteilt in einer außerordentlichen Sitzung einstimmig die Übergriffe britischer Soldaten gegenüber der deutschen Bevölkerung. In der Garnisonsstadt ist es seit April zu 54 Zwischenfällen, darunter ein Sittlichkeitsverbrechen, elf Körperverletzungen und sechs Diebstähle, gekommen, an denen britische Soldaten beteiligt waren.
In München stirbt der Chemiker und Nobelpreisträger von 1927, Heinrich Otto Wieland.
Acht europäische Staaten, die während der NS-Zeit von Deutschland besetzt waren, lehnen Vorschläge der Bundesregierung zur Entschädigung politischer Häftlinge aus dieser Zeit unter Protest ab.
06. August Im Wehrbereichskommando IV (Hessen und Rheinland-Pfalz) beginnt ein regelmäßiges Austauschprogramm zwischen Bundeswehr und US-amerikanischer Armee.
In Moskau beendet eine syrische Regierungsdelegation ihre einwöchigen Gespräche mit der Sowjetunion. Das Ergebnis: Syrien soll Eisenbahnmaterial und Industrieeinrichtungen auf Kredit erhalten.
07. August Durch die Aufstellung eines schweren Pionierbataillons in Koblenz-Metternich beginnt in der Bundesrepublik der Aufbau einer bodenständigen Landverteidigung.
Der sowjetische Parteichef Nikita S. Chruschtschow trifft an der Spitze einer Regierungsdelegation zu einem einwöchigen Besuch in Ost-Berlin ein.
Zum Nachfolger des zurückgetretenen US-Verteidigungsministers Charles E. Wilson ernennt US-Präsident Dwight D. Eisenhower den ehemaligen Präsidenten einer großen Seifenfabrik, Neil E. McElroy.
Der amerikanische Schauspieler Oliver Hardy (Dick & Doof) stirbt in Hollywood.
08. August In Bad Godesberg stirbt der deutsche Maler, Grafiker und Karikaturist André Osterritter.
Die französische Regierung billigt eine Kürzung des Haushaltes für 1958 um 676 Mio. Francs (acht Mio. DM), mit der das Haushaltsdefizit auf fast die Hälfte verringert wird. Die Sparmaßnahmen gehen hauptsächlich zu Lasten der Militärausgaben, die französischen Truppen müssen bis zum Jahresende um 130.000 Soldaten reduziert werden.
09. August Das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen legt den zweiten Tätigkeitsbericht des 1952 gegründeten Forschungsbeirats für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands vor. Darin wird es als dringlichste Aufgabe bezeichnet, die zentralistische Planwirtschaft in der DDR in eine marktwirtschaftliche Ordnung zu überführen.
Die FDP wendet sich dagegen, dass der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Konrad Adenauer seine Wahlkampfreise in einem Sonderzug der Bundesbahn absolviert, den die CDU nach Ansicht der Freien Demokraten nicht ordnungsgemäß bezahlt. Regierungssprecher Felix von Eckardt hält dem entgegen, der Kanzler müsse auch während des Wahlkampfes die Regierungsgeschäfte leiten, ziehe aber eine deutliche Trennlinie zwischen Regierungs- und Parteiangelegenheiten.
11. August Auf ihrem Landesparteitag in Saarbrücken erklärt sich die Demokratische Partei Saar unter Beibehaltung ihres Namens zum Landesverband Saar der FDP.
Die Festung Naswa, Hauptstadt des Aufstandsgebietes im Sultanat Oman, ergibt sich den Truppen des Sultans, die von britischen Einheiten unterstützt werden.
Frankreich subventioniert Exporte mit 20% und schlägt auf Importe, mit Ausnahme von Rohstoffen, 20% auf, was einer Abwertung des Francs um 20% gleichkommt. Damit sollen die Ausfuhr gesteigert und die unausgeglichene Zahlungsbilanz verbessert werden.
US-Senator Hubert Humphrey fordert eine Lebensmittelbevorratung für den Kriegsfall in den europäischen Mitgliedstaaten des westlichen Militärpakts NATO. Der Mangel an Nahrungsmittelreserven sei eine lebensgefährliche Lücke in den US-amerikanischen Verteidigungsplänen.
13. August Die syrische Regierung weist drei US-amerikanische Botschaftsangehörige aus, weil diese eine Verschwörung gegen den Staatspräsidenten Schukri Al Kuwwatli angezettelt haben sollen.
Aus gesundheitlichen Gründen tritt der neuseeländische Premierminister Sidney Holland, der seit 1949 regierte, zurück. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Keith Holyoake.
14. August Der nordafrikanische Staat Marokko wird künftig als Königreich und nicht mehr als scherifisches Reich bezeichnet. Der Sultan von Marokko wird als Muhammad V. König des Landes, das 1956 von Frankreich und Spanien (Französisch- bzw. Spanisch-Marokko) unabhängig wurde.
15. August Auf der letzten SPD-Parteikonferenz vor der Bundestagswahl am 15. September vergleicht der Bundestagsabgeordnete Heinz Kühn die Regierung Konrad Adenauer mit der DDR-Regierung. Beide lebten von der Teilung Deutschlands.
In der DDR wird unter dem Kommando von Oberstleutnant Kurt Bauditz das Regierungs- und Verbindungsfliegergeschwader gegründet. Sitz ist in Marxwalde.
Die britischen Truppen im Sultanat Oman ziehen sich aus der Festung Naswa zurück, an deren Eroberung vier Tage zuvor sie beteiligt waren.
Der frühere Ministerpräsident der Kronkolonie Britisch-Guayana. Cheddi Jagan, der vor vier Jahren wegen Kommunistenfreundlichkeit abgesetzt und später verhaftet wurde, erringt bei den Parlamentswahlen einen beachtlichen Erfolg. Seine Fortschrittliche Volkspartei gewinnt neun der 14 Sitze.
16. August Eine Denkschrift über Ausmaß und Ursachen des Geburtenrückgangs legt das Bundesfamilienministerium vor.
Eine mehrstündige Sitzung der deutsch-sowjetischen Regierungsverhandlungen in Moskau endet ohne Ergebnis. Beide Seiten können sich nicht über die Frage der Repatriierung Deutscher aus der Sowjetunion einigen. Der deutsche Delegationsleiter Rolf Lahr wird nach Bonn zurückbeordert.
In Woods Hole, Massachusetts, stirbt der amerikanische Chemiker, Physiker und Nobelpreisträger (Chemie 1932) Irving Langmuir.
17. August Durch einen Wechsel in der syrischen Armeeführung wird die Wende zu einem arabisch-nationalistischen Kurs in der syrischen Politik, die in den letzten Wochen ihren Anfang genommen hat, manifestiert.
Die Montanunion beschließt die Einführung einer Arbeitskarte, die es anerkannten Facharbeitern in Berufen der Kohlen- und Stahlindustrie gestattet, innerhalb dieser europäischen Gemeinschaft eine Beschäftigung aufzunehmen.
19. August Der Vorsitzende der US-amerikanischen Atomenergiekommission, Lewis L. Strauss, teilt dem Kongress mit, dass nach seiner Auffassung eine Armbanduhr mit einem leuchtenden Zifferblatt für den Menschen gefährlicher sei als alle radioaktiven Niederschläge nach Atomexplosionen.
20. August Das Rösten, Mahlen und Mischen von Kaffee wird nach einem Beschluss des Bundeskabinetts von der Großhandels-Umsatzsteuer befreit. Es wird erwartet, dass die Kaffeepreise von durchschnittlich 10 DM bis 13 DM je kg ab 1. September um 0,80 DM bis 1,80 DM sinken werden.
Der UN-Sicherheitsrat lehnt einen Antrag der arabischen Staaten ab, das britische Eingreifen im Sultanat Oman zu erörtern.
21. August US-Präsident Dwight D. Eisenhower schließt eine militärische Intervention in Syrien nach Maßgabe der Eisenhower-Doktrin gegenwärtig aus. Gleichzeitig sticht die 6. US-amerikanische Flotte im Mittelmeer in See. Laut Marinehauptquartier handelt es sich um ein Routinemanöver.
Der römische Polizeipräsident weist alle Polizeireviere in der Stadt und der Provinz Rom an, "Unsitten und Mangel an Anstand in der Bekleidung" energisch zu bekämpfen. Die Verordnung richtet sich in erster Linie gegen ausländische Touristen, die in Shorts und anderer leichter Kleidung auf Straßen und Plätzen der Ewigen Stadt flanieren.
Die weltweit erste Interkontinentalrakete, die sowjetische R-7, macht ihren ersten erfolgreichen Testflug.
22. August Alfred Kantorowicz, Leiter des Germanistischen Seminars an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin, bittet in der Bundesrepublik Deutschland um politisches Asyl.
23. August Im Prozess um das Unglück an der Iller, bei dem am 3. Juni 15 Bundeswehrsoldaten ertrunken sind, werden die Urteile gefällt. Der Oberstabsjäger, der den Befehl zur Durchquerung des Flusses gegeben hat, wird zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Die Mitangeklagten, ein weiterer Oberstabsjäger und ein Oberleutnant, werden freigesprochen.
Auf einer Tagung der Volkskammer der DDR wird der Forschungsrat der DDR gegründet.
In den Vereinigten Staaten wird der Diskontsatz von 3% auf 3,5% erhöht und erreicht damit den höchsten Stand seit 23 Jahren.
24. August Konstituierung des "Forschungsrates" als zentrales Organ des Ministerrates der DDR für naturwissenschaftlich-technische Forschung.
25. August In Bad Ischl stirbt der österreichische Schriftsteller Leo Perutz.
Die sowjetische Regierung in Moskau erklärt die Erschließung Sibiriens für den Getreideanbau zur wichtigsten Staatsaufgabe.
26. August Die Sowjetunion gibt den ersten Start einer Interkontinentalrakete bekannt.
27. August Wegen der Bestechungsaffäre im Bundeswehrbeschaffungsamt in Koblenz konstituiert sich der Verteidigungsausschuss des Bundestages zu einem Untersuchungsausschuss. Mit knapper Mehrheit lehnt die CDU den Antrag der übrigen Fraktionen ab, die Ausschuss-Sitzungen öffentlich zu machen.
28. August Frankreich friert die Preise auf dem Stand vom 31. Juli ein und ergreift weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Preisniveaus.
29. August In Bonn tritt der Zweite Bundestag zu seiner letzten Sitzung zusammen. Haupttagesordnungspunkt ist die Ansprache von Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier zur Auflösung des Parlaments.
Bei der UN-Abrüstungskonferenz in London legen die Westmächte einen Gesamtplan über ihre Abrüstungsvorschläge vor. Der sowjetische Delegierte Valerian A. Sorin kritisiert den Plan und wirft dem Westen vor, er zeige keinerlei Entgegenkommen gegenüber den Vorschlägen der Sowjetunion.
31. August Auf einer Veranstaltung in Mannheim erklärt der SPD-Politiker Carlo Schmid, in seiner Partei wolle niemand mehr eine Verstaatlichung der Wirtschaft.
Die Arbeitslosenzahl ist in der Bundesrepublik im August um 25.248 auf 365.002 gesunken. Es sind 187.610 Männer und 177.392 Frauen arbeitslos gemeldet.
Die Föderation Malaya in Südostasien wird zu einem unabhängigen Staat innerhalb des Britischen Commonwealth.
01. September Französische Truppen verfolgen eine Gruppe algerischer Aufständischer von Algerien bis auf tunesisches Gebiet und töten dabei sechs Algerier und fünf Tunesier.
02. September Am Abend vor Schulbeginn postierte der Gouverneur des US-Staates Arkansas, Orval Faubus, in Little Rock Truppen seiner Nationalgarde vor der örtlichen High School, um neun schwarze Schüler (bekannt geworden unter dem Namen "Little Rock Nine") am Betreten der Schule für Weiße zu hindern.
04. September In einem gemeinsamen Appell warnen 20 deutsche Schriftsteller vor den Folgen einer atomaren Bewaffnung der Bundeswehr.
Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums sind die Geburtenziffern im ersten Halbjahr 1957 wieder leicht angestiegen.
05. September Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entscheidet, dass allen zugelassenen Parteien für ihre Wahlwerbung Sendezeit im Hörfunk eingeräumt werden muss. Der Norddeutsche Rundfunk hatte dem Bund der Deutschen (BdD) Sendezeit verweigert, weil die Partei nicht im Bundestag vertreten ist.
Zwischen Bund und Ländern wird ein Verwaltungsabkommen über die Einrichtung eines Wissenschaftsrates unterzeichnet.
Das Schwurgericht Berlin-Moabit verurteilt den ehemaligen Aufseher im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Otto Locke, wegen Mordes in mindestens sieben Fällen zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe.
06. September Der Bundesrat wählt seinen bisherigen Präsidenten, den Hamburger Bürgermeister Kurt Sieveking, erneut in dieses Amt, nachdem der zunächst gewählte Berliner Regierende Bürgermeister Otto Suhr am 30. August verstorben ist.
Nicht an der Bereitstellung von Kriegsgütern mitarbeiten wollen 101 bundesdeutsche Professoren. Sie unterstützen mit dieser Ankündigung die "Göttinger Erklärung" vom 12. April.
In Kiel schließen Arbeitgeberverbände und Industriegewerkschaft Metall einen Vertrag über die grundsätzliche Lohngleichheit für männliche und weibliche Arbeiter in Schleswig-Holstein. Die Vereinbarung, die erste ihrer Art in der Bundesrepublik, tritt rückwirkend zum 1. September in Kraft.
07. September In einer Note zur Wiedervereinigung stellt die Sowjetunion die Bundesrepublik vor die Alternative, sich aus der NATO zu lösen und mit der DDR einen Staatenbund zu bilden oder die bisherige Politik beizubehalten, die zu einer Gefährdung der Bevölkerung führen könne.
09. September In der Sowjetunion beginnt ein Prozess gegen Leningrader Studenten, die 1956 an der Leningrader Universität Sympathiekundgebungen mit Ungarn organisiert und Flugblätter verteilt hatten. Sie werden zu Haftstrafen bis zu zehn Jahren verurteilt.
14. September Der Schah von Afghanistan, König Mohammed Sahir, beendet seinen zweitägigen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland.
In Wien stirbt der österreichische Theater- und Filmschauspieler und Schauspiellehrer Alfred Neugebauer.
15. September Bei den Wahlen zum 3. Deutschen Bundestag erreicht die CDU/CSU mit 50,2% die absolute Mehrheit.
Nach amtlichen Angaben beteiligen sich 99,8% der Wahlberechtigten an den bulgarischen Parlamentswahlen. 99,95% der Stimmen entfallen auf die Einheitsliste der Vaterländischen Front.
16. September Der deutsche Botschafter in Belgrad, Karl Georg Pfleiderer, wird nach Bonn beordert, nachdem der jugoslawische Staatspräsident, Marschall Josip Tito, die Oder-Neiße-Linie als Grenze zwischen Deutschland und Polen als "die einzige und dauernde Lösung" bezeichnet hat.
17. September Malaysia wird Mitglied bei den Vereinten Nationen.
19. September Die Bundesbank in Frankfurt am Main senkt zum zweiten Mal in diesem Jahr den Diskontsatz um 0,5% auf 4% und den Lombardsatz von 5,5% auf 5%.
20. September In Järvenpää bei Helsinki stirbt der finnische Komponist Jean Sibelius.
21. September In Essen stirbt Bertha Krupp von Bohlen und Halbach.
Der norwegische König Haakon VII. stirbt in Oslo.
Der Nürnberger Oberbürgermeister Otto Bärnreuther stirbt im Alter von 49 Jahren.
In Rom stirbt der italienische Filmregisseur und Drehbuchautor Aldo Vergano.
24. September Präsident Eisenhower entsendet auf Bitte des Bürgermeisters von Little Rock Truppen der 101. US-Luftlandedivision, um den schwarzen Schülern (Little Rock Nine) den Schulbesuch zu ermöglichen.
25. September Eine Erhöhung der bundesdeutschen Militärausgaben von neun auf 12 Mrd. DM jährlich verlangt der NATO-Oberbefehlshaber in Europa, General Lauris Norstad.
Der SPD-Vorstand erklärt, dass die CDU schamlos Millionen von Wählern irregeführt habe, wie sich an den Preiserhöhungen kurz nach der Wahl zeige.
27. September Die UdSSR und die DDR schließen ein Handelsabkommen für die Jahre 1958 bis 1960. Die DDR soll vorwiegend Maschinenbauerzeugnisse liefern und erhält dafür Rohstoffe.
30. September Die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik ist im September weiter um 2.475 auf 367.477 gesunken. Es gibt 189.500 arbeitslose Männer und 177.977 Frauen ohne Beschäftigung.
Die Bundesrepublik und die Volksrepublik China schließen ein Rahmenabkommen, das einen Warenaustausch von je 230 Mio. DM in beide Richtungen vorsieht. Die Chinesen werden in erster Linie Rohstoffe und Nahrungsmittel liefern, die Bundesrepublik exportiert Eisen und Stahlerzeugnisse, Industrieanlagen und Maschinen sowie elektrische und feinmechanische Instrumente.
In Genf wird unter Anleitung der Wirtschaftskommission für Europa das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße beschlossen.
01. Oktober Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard scheitert mit seinen Bemühungen, den Unternehmensverband Ruhrkohle zur Verschiebung der Kohlepreiserhöhung auf den 1. November zu bewegen.
In der Bundesrepublik und West-Berlin haben etwa zehn Mio. Arbeiter und Angestellte eine tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit von weniger als 48 Stunden. Dies sind etwas mehr als die Hälfte aller Beschäftigten.
02. Oktober Der polnische Außenminister Adam Rapacki schlägt in einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York eine kernwaffenfreie Zone in Europa vor, die Polen, die Bundesrepublik Deutschland und die DDR umfassen soll.
In Varese stirbt der italienische Radrennfahrer und erster Gesamtsieger des Giro d’Italia, Luigi Ganna.
03. Oktober Willy Brandt wird als Nachfolger von Otto Suhr zum Regierenden Bürgermeister von West-Berlin gewählt.
04. Oktober Mit "Sputnik 1" startet die Sowjetunion den ersten künstlichen Erdsatelliten.
05. Oktober Die Außenminister der USA und der UdSSR, John Foster Dulles und Andrei A. Gromyko, treffen sich in Washington zu einem knapp vierstündigen Gespräch.
Der ehemalige jugoslawische Parteisekretär Milovan Djilas wird in einem Geheimverfahren wegen seines in den USA erschienenen Buchs "Die neue Klasse" zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt.
06. Oktober Die Hamburger FDP kündigt an, dass sie für die Bürgerschaftswahlen am 10. November eine eigene Liste aufstellen will. Sie bricht damit aus dem Hamburg-Block von CDU, FDP und DP aus, der die Regierung bildet. Daraufhin entschließt sich auch die CDU zu einer eigenen Liste.
07. Oktober Auf Beschluss der Volks- und der Länderkammer wird die Amtszeit von Wilhelm Pieck als Präsident der DDR um weitere vier Jahre verlängert.
08. Oktober Die bayerische Landesregierung unter Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) tritt zurück, nachdem der GB/BHE und die Bayernpartei ihre Minister aus dem Kabinett zurückgezogen haben.
In Gräfelfing stirbt der bayerische Intendant, Regisseur, Film- und Hörspielautor Alois Johannes Lippl.
15. Oktober Der dritte Deutsche Bundestag tritt in West-Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Eugen Gerstenmaier (CDU) wird erneut zum Bundestagspräsidenten gewählt.
Das Münchner Schwurgericht verurteilt den ehemaligen Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner wegen Totschlags und versuchten Totschlags zu viereinhalb Jahren Gefängnis. Er hatte während des Zweiten Weltkriegs in drei Fällen Erschießungsbefehle gegen Soldaten gegeben, ohne dass diese zuvor vor ein Kriegsgericht gestellt wurden.
Die DDR und Jugoslawien nehmen gegenseitig diplomatische Beziehungen auf.
16. Oktober Hanns Seidel (CSU) wird zum neuen bayerischen Ministerpräsidenten gewählt.
In Zürich stirbt der österreichische Komponist Ralph Benatzky.
18. Oktober Das Soldatenhilfswerk der Bundeswehr wird gegründet. Anlass war das Illerunglück vom 3. Juni, bei dem 15 Soldaten in dem Fluss ertranken.
19. Oktober Im Fall Jugoslawiens wird erstmals die Hallstein-Doktrin angewandt und die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Jugoslawien abgebrochen.
22. Oktober Konrad Adenauer wird erneut zum Bundeskanzler gewählt. Die Regierung besteht aus CDU, CSU und DP.
Weil er seine politische Überzeugung nicht verleugnen wolle, tritt der schleswig-holsteinische Sozialminister Hans Adolf Asbach (GB/BHE) zurück. Nachfolgerin wird Lena Ohnesorge, die ebenfalls dem GB/BHE angehört.
François Duvalier tritt das Amt als Präsident Haitis an.
23. Oktober Der Bundesgerichtshof erkennt die Züchtigungsbefugnis der Lehrer gegenüber den Schülern grundsätzlich an, verweist aber darauf, dass diese nur in Ausnahmefällen angewendet werden sollte.
24. Oktober Im italienischen Kurort Montecatini stirbt der Modeschöpfer Christian Dior nach einem Herzanfall.
25. Oktober Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, wird zum Präsidenten des Deutschen Bundesrates gewählt.
Gegen den am 21. Juni 1957 verhafteten sowjetischen Spion Rudolf Iwanowitsch Abel wird in den USA Anklage erhoben.
In einem Friseursalon im Park Sheraton Hotel in New York wird Albert Anastasia, hochrangiges Mitglied der Cosa Nostra in New York City und Anführer der Gambino-Familie, erschossen.
26. Oktober In Freiburg im Breisgau stirbt Nikos Kazantzakis, einer der bedeutendsten griechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts (Alexis Sorbas).
27. Oktober Gründung des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Deutschland.
28. Oktober Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) stellt in Bonn sein neues Kabinett vor. 15 Minister gehören der CDU/CSU, zwei der DP an.
29. Oktober Die Fortführung der Sozialreform und eine breite Streuung des Eigentums nennt Bundeskanzler Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung als zwei wichtige Ziele der kommenden Legislaturperiode.
31. Oktober Aufgrund der Verhandlungen des Deutschen Roten Kreuzes mit osteuropäischen Ländern über eine Familienzusammenführung sind bisher rund 117.000 Deutsche aus dem Osten in der Bundesrepublik und West-Berlin eingetroffen.
Im Oktober steigt die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik geringfügig um 1.160 auf 368.637 (187.904 Männer, 180.733 Frauen).
Als erstes deutsches Kernkraftwerk geht in Garching bei München ein Forschungsreaktor ("Atom-Ei") in Betrieb.
01. November Rosemarie Nitribitt, eine 24-jährige Prostituierte, wird erwürgt in ihrer Wohnung in Frankfurt/Main aufgefunden.
Ernst Wollweber, Staatssicherheitsminister der DDR, tritt nach offiziellen Angaben aus Gesundheitsgründen zurück. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Erich Mielke.
02. November In Ungarn wird das Standrecht aufgehoben.
03. November Die UdSSR startet ihren Satelliten Sputnik 2, an dessen Bord sich mit der Hündin Laika das erste Lebewesen im Weltraum befindet.
05. November Der Deutsche Bundestag beschließt das Allgemeine Kriegsfolgengesetz.
06. November Die gemeinsame Fraktion von CDU und DP im niedersächsischen Landtag zieht sich aus der Regierungskoalition mit der FDP und GB/BHE zurück. Dieser Schritt richtet sich gegen sechs Abgeordnete der rechtsradikalen Deutschen Reichspartei, die von der FDP-GB/BHE-Fraktion als Hospitanten aufgenommen wurden.
Félix Gaillard wird bisher jüngster Premierminister Frankreichs.
08. November Mit einem Acht-Punkte-Programm zur Gesunderhaltung der Familie wendet sich der Deutsche Hausfrauenbund an die Bundesregierung in Bonn.
Großbritannien zündet seine erste thermonukleare Bombe.
10. November Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg gewinnt die SPD mit 53,9% der Stimmen die absolute Mehrheit. Bisher hatte der sog. Hamburg-Block aus CDU, FDP und DP die Regierung gestellt.
12. November Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident Heinrich Hellwege (DP) bildet nach der Auflösung der Koalition mit FDP und GB/BHE am 6. November eine Regierung aus CDU, SPD und DP.
Wegen des Mordes an einem Polizeimeister in Tateinheit mit besonders schwerem Raub verurteilt das Mannheimer Schwurgericht zwei Bankräuber zu lebenslangen Zuchthausstrafen.
14. November Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) gibt in Bonn bekannt, dass die Bundeswehr mit Raketen, nicht aber mit Atomwaffen ausgerüstet wird.
In der Gemeinde Apalachin in New York findet eine Zusammenkunft fast aller Bosse der amerikanischen La Cosa Nostra (LCN) statt.
Die am 16. August vertagten deutsch sowjetischen Regierungsverhandlungen werden in Moskau fortgesetzt, nachdem die UdSSR ihre Bereitschaft erklärt hat, auch über Repatriierungsfragen zu sprechen.
15. November Als Konsequenz aus der Bestechungsaffäre im Koblenzer Bundeswehrbeschaffungsamt soll in Koblenz ein neues Amt für Wehrtechnik und Beschaffung gebildet werden. Generalmajor Fritz Stambach übernimmt die Leitung des Amtes, sein Vorgänger, Ministerialdirektor Wilhelm Rentrop, wird in den vorläufigen Ruhestand versetzt. Die gerichtliche Klärung der Vorgänge steht noch aus.
Der Spion Rudolf Iwanowitsch Abel wird in den USA vor Gericht in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.
16. November Die Interzonenhandelsbehörden der Bundesrepublik und der DDR vereinbaren ein neues zweijähriges Handelsabkommen. Außer der Erhöhung des "Swings" von bisher 100 auf 150 Mio. DM enthalten die neuen Abmachungen keine wesentlichen Änderungen gegenüber den früheren Vereinbarungen.
17. November 35.000 Südtiroler fordern auf Schloss Sigmundskron eine neue Autonomie.
Abebe Aragai wird Ministerpräsident von Äthiopien.
18. November Bundesatomminister Siegfried Balke (CSU) kündigt an, dass die Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 1965 vier bis fünf Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 500 Megawatt installieren will, um die seit zwei Jahren bestehende Abhängigkeit von importierter Energie wieder zu reduzieren.
Franz Hengsbach wird zum Bischof des neu gegründeten Bistums Essen berufen.
22. November Einzelne Werke der eisenschaffenden Industrie kündigen eine Erhöhung der Stahlpreise um 3% bis 5% an. Dies wird als Reaktion auf die Anhebung der Kohlepreise zum 1. Oktober gewertet.
24. November In einer Rundfunkrede bezeichnet der ehemalige US-amerikanische Botschafter in Moskau und Geschichtsprofessor an der Universität von Princeton, George F. Kennan, die deutsche Frage als Mittelpunkt der Weltspannungen.
25. November Das Landgericht Hannover verkündet die Einstellung des Strafverfahrens gegen den "Spiegel"-Redakteur Hans-Konrad Schmeißer. Er hatte am 9. Juli 1952 in einem Artikel Bundeskanzler Konrad Adenauer, Botschafter Herbert Blankenhorn und Generalkonsul Adolph Reifferscheidt als ehemalige Mitarbeiter eines französischen Agentennetzes bezeichnet. Die Betroffenen hatten ihn daraufhin wegen Verleumdung und übler Nachrede verklagt.
26. November Erziehungsfachleute aus zehn Nationen erörtern im UNESCO-Institut für Pädagogik in Hamburg die Neufassung des Begriffs "Allgemeinbildung". Sie plädieren für eine Verbreiterung der Erziehungsmaßstäbe, weil die früheren Ideale nur auf eine Elite zugeschnitten gewesen seien.
Das Schöffengericht Passau verurteilt einen der führenden Weinimporteure aus dem Balkan zu sieben Monaten Haft und 70.000 DM Geldstrafe, weil er rund eine Mio. Liter jugoslawischen Weins unter falschen oder irreführenden Bezeichnungen in den Handel gebracht hat.
27. November Das Bundeskabinett beschließt die Streichung von fünf der insgesamt sieben Subventionszahlungen für Mehl und Getreide per 1. Januar 1958. Der Bund spart dadurch jährlich etwa 140 Mio. DM. Der Brotpreis wird um etwa vier bis fünf Pfennig je kg erhöht.
Bundespräsident Theodor Heuss beendet seinen neuntägigen Staatsbesuch in Italien, in dessen Verlauf er auch im Vatikan von Papst Pius XII. empfangen wurde.
Hans Furler wird zum Präsidenten der Gemeinsamen Versammlung der EGKS gewählt.
Caroline Bouvier Kennedy, die Tochter des späteren Präsidenten der USA John F. Kennedy und seiner Frau Jacqueline, wird geboren.
J. Edgar Hoover verkündet das "Top Hoodlum Program", mit dem das FBI den Kampf gegen die Cosa Nostra aufnimmt.
29. November Das Landgericht München verurteilt die Bilanzbuchhalterin Ursula Sonntag zu vier Jahren Gefängnis, weil sie 1943 den Direktor der Deutschen Bank in Hindenburg (Oberschlesien) an die nationalsozialistischen Behörden denunziert hatte.
Jugendstrafen zwischen sechs Monaten und dreieinhalb Jahren verhängt das Landgericht Nürnberg-Fürth über 16 Mitglieder der Jugendbande "Rote Teufel". Der Motorradbande werden Einbruch, Diebstahl, Körperverletzung, Urkundenfälschung, Unzucht und Landfriedensbruch zur Last gelegt.
In Los Angeles stirbt der österreichische Komponist Erich Wolfgang Korngold.
30. November Im November steigt die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik um 110.479 auf 479.116. Es gibt 264.983 arbeitslose Männer und 214.133 arbeitslose Frauen.
In Rotholz bei Jenbach stirbt der Landeshauptmann des österreichischen Bundeslandes Tirol, Alois Grauß.
In Rom stirbt der italienische Tenor Beniamino Gigli.
In Rom stirbt der Erzbischof und Patriarch von Venedig, Adeodato Giovanni Piazza.
02. Dezember Zu 15 Jahren Zuchthaus wegen fünffachen Totschlags verurteilt das Schwurgericht Hagen den ehemaligen SS-Sturmmann und Leiter des jüdischen Zwangsarbeiterlagers in Galizien, Paul Thomanek.
In Shippingport, Pennsylvania, geht der erste kommerzielle Atomreaktor in Betrieb.
03. Dezember Im ersten Prozess um den Bestechungsskandal im Koblenzer Bundeswehrbeschaffungsamt wird ein Amtsrat zu einer Strafe von zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Insgesamt wurden 160 Ermittlungsverfahren eingeleitet.
04. Dezember Die bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen vom 10. November erfolgreiche SPD bildet zusammen mit der FDP eine Koalitionsregierung. Dem Senat unter Leitung von Max Brauer (SPD) als Erstem Bürgermeister gehören neun SPD-Senatoren und drei FDP-Senatoren an.
05. Dezember Bundesaußenminister Heinrich von Brentano (CDU) beendet seinen zweitägigen Besuch in London.
In Leningrad läuft der erste atomgetriebene Eisbrecher der Welt, die "Lenin", vom Stapel.
06. Dezember Lohnerhöhungen um 5% bis 6% ab 1. Januar 1958 und die Einführung einer 44-Stunden-Woche ab 1. Januar 1959 vereinbaren der Gesamtverband der metallindustriellen Arbeitgeberverbände und die IG Metall in Bad Soden.
Der erste Startversuch eines US-Satelliten schlägt fehl, die Rakete explodiert auf dem Versuchsstand.
07. Dezember Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg wurden 1957 7.725 Italiener auf Arbeitsplätze in der Bundesrepublik vermittelt. Dies sind etwa 2.500 weniger als im Jahr zuvor. 3.272 Italiener wurden in der Landwirtschaft, 1.642 im Bergbau eingesetzt.
09. Dezember Das am 8. Februar 1956 unterzeichnete Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Italien tritt in Kraft.
In Baasrode stirbt der flämische Bildhauer und Landschaftsmaler Achilles Moortgat.
10. Dezember Albert Camus erhält den Literaturnobelpreis. Der Friedensnobelpreis geht an den kanadischen Außenminister Lester Bowles Pearson, der sich besonders für die Lösung der Suezkrise eingesetzt hat.
11. Dezember Das Bundesatomministerium legt ein erstes kommerzielles Atomprogramm der Bundesrepublik vor, das bis 1965 verwirklicht werden soll.
Die DDR-Volkskammer billigt die Änderung der Passgesetze, wonach künftig die "Republikflucht", die unerlaubte Ausreise aus der DDR, mit Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren belegt wird.
13. Dezember Zehn Professoren der Universität Heidelberg, an ihrer Spitze der Soziologe Alfred Weber, appellieren an Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), auf die Errichtung von Abschussbasen für Atomwaffen auf dem Gebiet der Bundesrepublik zu verzichten.
Wegen Mangel an Beweisen wird der ehemalige Leiter des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Viktor Agartz, vom Vorwurf des Hochverrats freigesprochen.
Die Bundesrepublik Deutschland schließt mit der Dominikanischen Republik einen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag.
Max Brauer (SPD) löst in Koalition mit der FDP die Regierung von Kurt Sieveking ab und wird erneut Erster Bürgermeister von Hamburg.
17. Dezember In Witham, Essex, stirbt die englische Schriftstellerin Dorothy L. Sayers.
18. Dezember Mit der Einführung der reinen Fünf-Prozent-Klausel in das nordrhein-westfälische Wahlgesetz können Parteien, die weniger als 5% der Stimmen erhalten, auch dann nicht mehr in den Landtag einziehen, wenn sie ein Direktmandat gewinnen.
Wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung verurteilt das Schöffengericht Würzburg den Torwart des Fußballvereins Unterleinbach. Er hatte im April einen gegnerischen Spieler geschlagen und mit Füßen getreten.
20. Dezember Der österreichische Bundesrat verabschiedet ein Gesetz, dass für untere und mittlere Einkommen bis zu einer Höhe von 145.000 Schilling (etwa 24.000 DM) im Jahr die Steuerprogression ab 1. Januar 1958 spürbar mildert.
21. Dezember Einen sechstägigen Weihnachtsurlaub tritt die Hälfte der Bundeswehrangehörigen an, während die andere Hälfte am 28. Dezember die Kaserne verlassen darf.
23. Dezember 29% der Bundesbürger schicken vor Weihnachten Pakete und Päckchen in die DDR. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Bielefelder Emnid-Instituts für Meinungsforschung.
25. Dezember In seiner Weihnachtsansprache ruft Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zur inneren Besinnung auf. Politische Themen schneidet er nicht an.
In Wien stirbt die deutsche Schauspielerin Käthe Dorsch.
26. Dezember Bis zum 1. Januar 1958 findet in Kairo die Afro-Asiatische Solidaritätskonferenz statt.
27. Dezember Der deutscher Politiker und CDU-Vorsitzender in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR, sowie stellvertretender Ministerpräsident der DDR, Otto Nuschke, stirbt.
31. Dezember Mehr als verdoppelt hat sich die Arbeitslosenzahl im Dezember: Es sind 1.212.866 (930.129 Männer und 282.737 Frauen) Arbeitslose und damit 733.750 mehr als im November registriert. Der starke Anstieg wird vor allem auf das kalte Winterwetter zurückgeführt, das zahlreiche Entlassungen im Baugewerbe zur Folge hatte.

 

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