Wahlplakate
der Jahre 1953 und 1957
| 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 |
| 01. Januar | In
Friedrichshafen stirbt der Luftschiff-Konstrukteur Ludwig Dürr. Bundespräsident der Schweiz wird Markus Feldmann. Durch einen Brand wird in Ottawa, Kanada, das Gebäude der Sowjetischen Botschaft total zerstört. In der DDR wird der freie Verkauf von Kirchenzeitungen verboten. Der Sudan erlangt seine Unabhängigkeit von Großbritannien und Ägypten. |
| 02. Januar | In Wilhelmshaven, Nörvenich und Andernach werden die ersten 1.000 freiwilligen Bundeswehr-Soldaten einberufen. |
| 03. Januar | Der deutsche Politiker und ehemalige Reichskanzler der Weimarer Republik, Joseph Wirth, stirbt in Freiburg im Breisgau. |
| 05. Januar | Die ersten italienischen Gastarbeiter treffen
in Siersdorf am Niederrhein ein. Bundeskanzler Konrad Adenauer feiert seinen 80. Geburtstag. Als erster Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Österreich überreicht Carl-Hermann Mueller-Graef in Wien dem österreichischen Bundespräsidenten Theodor Körner sein Beglaubigungsschreiben. Das bischöfliche Palais in Mailand wird durch einen Bombenanschlag schwer beschädigt. |
| 07. Januar | Als erster Botschafter der Sowjetunion in
der Bundesrepublik Deutschland überreicht Valerian A. Sorin Bundespräsident
Theodor Heuss in Bonn sein Beglaubigungsschreiben. Die britischen Kolonialtruppen in Kenia beginnen eine Offensive gegen die Mau-Mau-Untergrundorganisation, die für die staatliche Unabhängigkeit des ostafrikanischen Landes kämpft. |
| 12. Januar | Der deutsche Bundestag beschließt die Senkung der Zündwarensteuer zum 1. April 1956. Eine Schachtel Streichhölzer wird nur noch 5 statt bisher 10 Pfennig kosten. |
| 13. Januar | In New York stirbt der Maler und Graphiker Lyonel Feininger. |
| 14. Januar | Im hessischen Herleshausen treffen die letzten deutschen Kriegsgefangenen ein, die in der UdSSR wegen Kriegsverbrechen verurteilt und nicht amnestiert worden waren. |
| 15. Januar | Das österreichische Finanzministerium gibt
in Wien die Freigabe bisher gesperrter deutscher Guthaben bis zu einer Höhe
von 500 Schilling bekannt. In Ausnahmefällen können Deutsche bis zu 5.000
Schilling von ihren Konten in Österreich abheben. In Ost-Berlin endet ein dreitägiger Schriftstellerkongress der DDR. In seiner Abschlussrede fordert der Erste Sekretär des ZK der SED, Walter Ulbricht, die Ausrichtung der DDR-Literatur am Stil des "sozialistischen Realismus". |
| 16. Januar | Der Rat der Westeuropäischen Union gibt in Paris die Einrichtung eines Schiedsgerichts bekannt, das Streitigkeiten zwischen Franzosen und Deutschen im Saargebiet regeln soll. |
| 18. Januar | Nach mehrmonatiger Fahndung nimmt die
Kriminalpolizei in Essen eine 14köpfige Kinderbande fest, die über 80
Einbrüche in Lebensmittel- und Sportgeschäften begangen hat. Die
Bandenmitglieder sind zwischen 9 und 14 Jahre alt. Wegen ihres Alters wird
kein Verfahren gegen sie eröffnet. Für die Schäden müssen die Eltern
aufkommen. Die Volkskammer der DDR beschließt die Schaffung der Nationalen Volksarmee (NVA) und des "Ministeriums für Nationale Verteidigung". Erster Verteidigungsminister der DDR wird Willi Stoph. |
| 19. Januar | Aufgrund einer Verordnung des
DDR-Innenministeriums müssen sämtliche Mitarbeiter staatlicher Behörden
sowie alle Verwaltungsangestellten der Volkseigenen Betriebe (VEB) in
Fragebögen detaillierte Angaben über Verwandte in der Bundesrepublik machen.
Das "Sozialkabinett", ein Fachministerausschuss der Bundesregierung, fasst in Bonn einen Grundsatzbeschluss über die Neuordnung des Rentensystems in der Bundesrepublik Deutschland. Kernstück ist die Einführung der dynamischen Leistungsrente, d. h. die Höhe der Renten soll an der Entwicklung von Löhnen und Gehältern orientiert werden. Auf dem Testgelände in der Wüste von Nevada unternimmt die US-amerikanische Armee einen oberirdischen Atombombenversuch. |
| 20. Januar | In der Kaserne von Andernach findet in
Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Feierstunde aus Anlass
des Dienstantritts der ersten 1.600 Freiwilligen für die westdeutschen
Streitkräfte statt. In seiner Ansprache hebt Adenauer den rein defensiven
Charakter der deutschen Armee hervor. DDR-Präsident Wilhelm Pieck ernennt in Ost-Berlin den bisherigen stellvertretenden Ministerpräsidenten Willi Stoph zum ersten Verteidigungsminister der DDR. |
| 22. Januar | In den indischen Städten Bombay und Kalkutta kommen bei gewalttätigen Demonstrationen über 50 Menschen ums Leben. Mehrere hundert Menschen werden verletzt. Der Protest richtet sich vor allem gegen die Nichtbeachtung von Sprachgrenzen bei der vorgesehenen Neugliederung des Landes. |
| 25. Januar | Das Bonner Verteidigungsministerium teilt mit, dass von den 1.500 Anfang Januar eingerückten Soldaten der Bundeswehr fünf den Dienst quittiert haben. Für zwei waren familiäre Gründe ausschlaggebend, drei Soldaten waren mit der Besoldung unzufrieden. |
| 27. Januar | Der am 30. März 1955 wegen angeblicher
Spionage in einem Geheimprozess zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte
Paul
Merker wird aus der Haft entlassen. Mit einer offiziellen Feier in seiner Geburtsstadt Salzburg gedenkt Österreich des 200. Geburtstags des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Die britische Königin Elisabeth II. trifft in Lagos zu einem dreiwöchigen Besuch in der britischen Kronkolonie Nigeria ein. |
| 28. Januar | Die NVA-Einheiten der DDR werden in den Warschauer Pakt einbezogen. |
| 30. Januar | Vor der Westküste Norwegens bringen norwegische Kriegsschiffe mehrere sowjetische Fisch-Trawler auf, die innerhalb der Viermeilenzone ihre Netze ausgeworfen hatten. |
| 31. Januar | Staatspräsident Brasiliens wird Juscelino Kubitschek de
Oliveira. Guy Mollet wird französischer Premierminister. In Sussex/England stirbt der Kinderbuchautor (Winnie the Pooh) Alan Alexander Milne. |
| 01. Februar | Der Bundesgerichtshof entscheidet, dass
der unter Spionageverdacht stehende ehemalige Chef des westdeutschen
Verfassungsschutzes, Otto John, wegen Fluchtgefahr weiterhin in
Untersuchungshaft bleiben muss. In Österreich werden die ersten Büros zur Registrierung von Freiwilligen für das aufzustellende Bundesheer eröffnet. Bereits am ersten Tag lassen sich 15.000 Freiwillige in die ausliegenden Listen einschreiben. |
| 02. Februar | Der Deutsche Bundestag verabschiedet eine
Erklärung, in der er scharf gegen die am 27. Januar von einem Ostberliner
Gericht gefällten Todesurteile wegen angeblicher Spionage protestiert. Der britische Premierminister Anthony Eden und US-Präsident Dwight D. Eisenhower geben in London eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Wiedervereinigung Deutschlands als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Europa bezeichnen. |
| 04. Februar | Durch verschärfte Ausweiskontrollen auf
den Bahnhöfen der DDR und Ost-Berlins behindert die Volkspolizei der DDR den
Besuchsverkehr nach West-Berlin. Das Verwaltungsgericht München erkennt dem ehemaligen Wehrmachtsgeneral Ferdinand Schörner den Heimkehrerstatus zu, was diesen zum Empfang des staatlichen Entlassungsgeldes und der Übergangshilfe berechtigt. Das bayerische Arbeitsministerium hatte dem 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassenen Schörner diese Leistungen mit dem Hinweis verweigert, gegen den ehemaligen General laufe ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verwicklungen in Kriegsverbrechen. |
| 05. Februar | Das Verteidigungsministerium gibt in Bonn die Aufbauplanung für die Marine bekannt. Innerhalb von vier Jahren sollen 170 Einheiten mit 20.000 Mann Besatzung in Dienst gestellt werden. |
| 06. Februar | Eine aufgebrachte Menge weißer US-Amerikaner verhindert im US-Bundesstaat Alabama, dass eine Schwarze ihr Studium an der dortigen Universität aufnimmt. |
| 08. Februar | Das Bundeskabinett verabschiedet in Bonn
den Entwurf eines Wehrpflichtgesetzes, das die Dauer des Wehrdienstes auf 18
Monate festsetzt. Zur Unterstützung des deutschen Steinkohlebergbaus beschließt das Bundeskabinett in Bonn die Erhöhung des Kohlepreises um 2 DM pro Tonne. Zugleich wird die Einführung einer steuerfreien Prämie für Untertage-Arbeiter bekannt gegeben, die die Abwanderung aus dem Bergbau stoppen soll. In Bonn unterzeichnen Bundeskanzler Konrad Adenauer und der italienische Ministerpräsident Antonio Segnie in Kulturabkommen, das u. a. den verstärkten Austausch von Büchern und Zeitschriften und die Förderung des italienischen bzw. deutschen Sprachunterrichts vorsieht. |
| 09. Februar | In Ost-Berlin beschließt die Regierung der DDR den umfassenden Ausbau der Sportförderung. Die systematische Talentsuche soll bereits im Vorschulalter beginnen, Sportklubs und Betriebssportgemeinschaften werden finanziell stärker unterstützt. Sportliche Erfolge sollen nach dem Willen der DDR-Führung die "Überlegenheit der gesellschaftlichen Ordnung in der DDR" dokumentieren. |
| 11. Februar | Die britischen Diplomaten Guy F. Burgess und Donald D. Maclean, die seit Mai 1951 vermisst wurden, treten in Moskau auf einer Pressekonferenz auf. Sie geben bekannt, dass sie sich aus politischen Gründen zur Übersiedlung in die Sowjetunion entschlossen hätten. |
| 14. Februar | Bis zum 25. Februar dauert der XX. Parteitag der KPdSU in Moskau. Er gilt als Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion. |
| 15. Februar | Das Bundesverteidigungsministerium bestellt bei den westdeutschen Dornier-Flugzeugwerken 428 Maschinen vom Typ DO 27. Die einmotorigen Flugzeuge sollen als Heeresaufklärer eingesetzt werden. |
| 16. Februar | Der Verteidigungsausschuss des Bundestags in Bonn gibt rund 340 Mio. DM zur Anschaffung der ersten Schiffe für die im Aufbau befindliche westdeutsche Marine frei. Es sollen u. a. acht Zerstörer, 30 Schnellboote und 24 Minensuchboote in Dienst gestellt werden. Das gesamte Schiffsprogramm umfasst eine Summe von rund 1,9 Mrd. DM. |
| 17. Februar | In Anwesenheit
des Bundespräsidenten Theodor Heuss findet im Robert-Schumann-Saal in
Düsseldorf die offizielle Gedenkfeier der Bundesrepublik anlässlich des 100.
Todestages von Heinrich Heine statt. Die US-amerikanische Regierung erlässt einen Lieferstopp für Waffen in Länder des Nahen Ostens. Begründet wird diese Maßnahme mit der angespannten Lage in der Region. Das französische Außenministerium verweigert dem Kulturminister der DDR Johannes R. Becher ein Einreisevisum für Frankreich. Becher wollte an den Feierlichkeiten zum 100. Todestag des Schriftstellers Heinrich Heine in Paris teilnehmen. |
| 18. Februar | In Washington wird von Regierungsvertretern der USA und der Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie unterzeichnet. Die Bundesrepublik erhält die Möglichkeit, in den USA Atomreaktoren zu Versuchszwecken zu kaufen. |
| 19. Februar | Aus den Parlamentswahlen in Griechenland geht die konservative Nationale Radikale Union von Ministerpräsident Konstantin Karamanlis als stärkste politische Kraft hervor. |
| 20. Februar | Durch ein konstruktives Misstrauensvotum
von SPD und FDP wird der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Karl
Arnold (CDU), gestürzt. Der Sozialdemokrat Fritz Steinhoff wird zum neuen
Regierungschef gewählt. Das Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten veröffentlicht den "Grünen Bericht" über die Lage der westdeutschen Landwirtschaft. Darin wird u. a. festgestellt, dass vor allem kleine Betriebe unter 10 ha Gesamtfläche sich in einer finanziellen Notlage befinden. In Dresden stirbt der Physiker Heinrich Barkhausen, Entdecker der Ummagnetisierungssprünge im Eisen. |
| 22. Februar | Der langjährige Vorsitzende des
FDP-Landesverbands Nordrhein-Westfalen, Friedrich Middelhauve, tritt von
seinem Amt zurück. Middelhauve ist ein Gegner des Koalitionswechsels seiner
Partei von der CDU zur SPD. US-Präsident Dwight D. Eisenhower verfügt in Washington die Freigabe von 40.000 kg Uran 235 zur friedlichen Verwendung in Atomreaktoren. Die Hälfte des radioaktiven Materials soll ausländischen Interessenten, mit Ausnahme der UdSSR und ihrer Verbündeten, zur Verfügung gestellt werden. |
| 23. Februar | Die FDP-Bundestagsmitglieder beschließen unter der Führung
von
Thomas Dehler die Aufkündigung der Koalition mit der CDU/CSU und gehen
damit in die Opposition. 16 Mitglieder der FDP-Bundestagsfraktion, darunter
die vier Minister, spalten sich von der Partei ab, bilden die "Freie
Volkspartei" (FVP) und bleiben in der Regierungskoalition. In London schließen Großbritannien und mehrere Westindische Inseln einen Vertrag über die Bildung einer Föderation der britischen Besitzungen in der Karibik. An diesem Zusammenschluss, einer Vorstufe der Unabhängigkeit sind u. a. Barbados, Jamaika und Trinidad beteiligt. |
| 24. Februar | Die Bundesrepublik wird Mitglied der Europäischen
Atomenergie-Gesellschaft (EAEG), deren Aufgabe es ist, die wissenschaftliche
Zusammenarbeit in der Kernforschung zu fördern. Der Bundesrat in Bonn gibt seine Zustimmung zu einer Reihe von neuen Verkehrsvorschriften. Künftig müssen Kraftfahrzeuge über einen Innen- und Außenspiegel verfügen. An den neu einzurichtenden Verkehrsüberwegen für Fußgänger (Zebrastreifen) haben Fußgänger Vorrang. |
| 25. Februar | In seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU rechnet Chruschtschow im Rahmen der Entstalinisierung mit dem Stalinismus ab, die Tauwetter-Periode beginnt. |
| 27. Februar | Beide Häuser des südafrikanischen Parlaments verabschieden in Pretoria ein Gesetz über die parlamentarische Vertretung sog. Mischlinge. Demnach entsendet der gemischtrassige Bevölkerungsteil vier Vertreter, die jedoch Weiße sein müssen, in das Parlament. |
| 28. Februar |
Das Bundeskabinett in Bonn verabschiedet den Entwurf zu einem
Soldatenversorgungsgesetz. Vorgesehen ist u. a., dass Soldaten, die sich auf
12 Jahre verpflichtet haben, nach Ablauf ihrer Dienstzeit einen
Arbeitsplatz bei Behörden erhalten sollen. Der Magistrat von Ost-Berlin erlässt eine Verordnung, nach der mit Ablauf des Schuljahrs 1955/56 an den Ostberliner Oberschulen kein Religionsunterricht mehr erteilt werden darf. |
| 29. Februar |
In Düsseldorf stellt der neu gewählte Ministerpräsident
Nordrhein-Westfalens, Fritz Steinhoff sein Kabinett vor, dem Vertreter der
SPD, der FDP und des Zentrums angehören. Die FDP-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen erstattet gegen den Minister für Atomfragen, Franz Josef Strauß, Strafanzeige wegen übler Nachrede. Strauß hatte geäußert, die FDP wolle die Westbindung der Bundesrepublik aufweichen und strebe einen politischen und wirtschaftlichen Ausgleich mit der DDR an. |
| 01. März |
In der DDR wird aus Einheiten der Kasernierten Volkspolizei (KVP) die
Nationale Volksarmee (NVA) gebildet und das Ministerium für Nationale
Verteidigung gegründet. König Hussein II. von Jordanien entlässt mit sofortiger Wirkung den langjährigen Stabschef der Arabischen Legion, den Briten John Glubb Pascha. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit einer stärkeren Anlehnung Jordaniens an seine arabischen Nachbarstaaten. Gegen die Stimmen der Kommunistischen Partei billigt der österreichische Nationalrat in Wien den Beitritt Österreichs in den Europarat. Urho Kaleva Kekkonen wird neuer Staatspräsident von Finnland. Der Supreme Court der USA entscheidet, dass die Universität von Alabama die erste schwarze Studentin Autherine Lucy zum Studium zulassen muss. Wenige Stunden später wird sie von der Universität wegen Verleumdung wieder vom Studium ausgeschlossen. In den Vereinigten Staaten tritt ein Gesetz in Kraft, das den vorgeschriebenen Mindestlohn von 0,75 US-Dollar auf 1 US-Dollar (3,15 DM) pro Stunde erhöht. Von der Regelung sind landesweit über 2 Mio. Arbeiter betroffen. |
| 02. März |
Die 16 FDP-Bundestagsabgeordneten, die sich am 23. Februar von der Fraktion
abgespalten haben, gründen unter dem Namen "Arbeitsgemeinschaft Freier
Demokraten" eine eigenständige parlamentarische Gruppe, der am 15. März der
Fraktionsstatus zuerkannt wird. Die Volkspolizei beschlagnahmt in Ost-Berlin das "St. Hedwigsblatt" der katholischen Diözese Berlin. In der Kirchenzeitung war ein Hirtenbrief der deutschen Bischöfe erschienen, der sich gegen die materialistische Staatsideologie der DDR wendete. Marokko erklärt seine Unabhängigkeit von Frankreich. |
| 03. März | In Helsinki stellt der neu ernannte finnische Ministerpräsident, der Sozialdemokrat Karl-August Fagerholm, sein Kabinett vor. Der Koalitionsregierung gehören Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, der Agrarpartei, der Schwedischen und Finnischen Volkspartei an. |
| 04. März |
Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg kann die CDU 42,6
% der
abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen. Walter Ulbricht erklärt im SED-Parteiorgan "Neues Deutschland": "Stalin ist kein Klassiker des Marxismus". Damit distanziert er sich vom Persönlichkeitskult um Stalin. In einer Volksabstimmung billigt eine deutliche Mehrheit (77,5 %) der schweizerischen Bevölkerung die Beibehaltung einer beschränkten Preiskontrolle. Zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz verabschiedet der Generalrat der Sozialistischen Internationale, ein Zusammenschluss sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien aus aller Welt in Zürich eine Resolution, in der er sich trotz der sich abzeichnenden Veränderungen innerhalb der Kommunistischen Parteien des Ostblocks gegen eine Zusammenarbeit mit diesen Parteien ausspricht. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung von Südvietnam erringt die "Bewegung der Nationalen Revolution" des antikommunistischen Ministerpräsidenten Ngô Dinh Diêm 58 der insgesamt 123 Parlamentssitze. |
| 05. März | Im Rahmen der Entstalinisierung kommt es in Tiflis (Georgien) zu Studentendemonstrationen für Stalin. Sie beginnen friedlich, münden jedoch am 8. März in einen Aufstand gegen die sowjetische Herrschaft in Georgien. |
| 06. März | Mit 390 gegen 20 Stimmen billigt der
deutsche Bundestag in Bonn Änderungen des Grundgesetzes im Hinblick auf die
Aufstellung von deutschen Streitkräften. Zugleich verabschiedet das
Parlament gegen die Stimmen der SPD das Soldatengesetz, das u. a. das von den
Armeeangehörigen zu leistende Gelöbnis festschreibt und den Streitkräften
den Namen "Bundeswehr" gibt. Nach rund dreijährigen Verhandlungen unterzeichnen Regierungsvertreter Italiens und Äthiopiens in Rom ein Abkommen über Reparationszahlungen Italiens in Höhe von 16 Mio. US-Dollar (67,2 Mio. DM). Damit sollen Schäden abgegolten werden, die das ostafrikanische Land beim Überfall des faschistischen Italien 1935/36 erlitten hatte. |
| 07. März | Bundesaußenminister Heinrich von Brentano
trifft in Den Haag zu einem dreitägigen offiziellen Besuch in den
Niederlanden ein. Gegenstand der Gespräche ist auch das Schicksal der in
Breda einsitzenden deutschen Kriegsverbrecher. Die niederländische Regierung
entschließt sich im Zusammenhang mit dem Besuch Brentanos, einige
Verurteilte vorzeitig zu entlassen. Die Stadtverordnetenversammlung von Kiel beschließt mehrheitlich, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder, die Ende 1945 aberkannte Ehrenbürgerschaft der Stadt wieder zuzuerkennen. Raeder, bis 1943 Oberster Marinechef, war 1946 vom Nürnberger Militärgerichtshof zu lebenslänglicher Haft verurteilt und 1955 aus Gesundheitsgründen entlassen worden. Der Zentralbankrat der Bank deutscher Länder beschließt in Frankfurt am Main die Erhöhung des Diskontsatzes von 3,5 % auf 4 %. Durch diese finanzpolitische Maßnahme, die Kredite verteuert, soll inflationären Tendenzen in der Bundesrepublik Deutschland entgegengewirkt werden. Angesichts wachsender Spannungen im Nahen Osten verfügt das US-amerikanische Verteidigungsministerium in Washington die Verstärkung der im östlichen Mittelmeer stationierten 6. US-Flotte. |
| 08. März | Der deutsche Bundestag in Bonn
verabschiedet ein Gesetz nach dem die deutsche Staatsangehörigkeit von
Einwohnern Österreichs im Juni 1945 offiziell ungültig wurde. In der pakistanischen Hauptstadt Karatschi endet eine zweitägige Konferenz des Rates des Südostasien-Pakts (SEATO). In einer Erklärung bezeichnen die Teilnehmer es weiterhin als wichtigste Aufgabe des Bündnisses, kommunistische Vorstöße im südostasiatischen Raum zu verhindern. In Oslo (Norwegen) unterzeichnen Delegationen Norwegens und Schwedens ein Abkommen, das Schweden im Verteidigungsfall die Benutzung des eisfreien norwegischen Atlantikhafens Trondheim erlaubt. In der sowjetischen Teilrepublik Georgien kommt es zu Demonstrationen, auf denen gegen die Kritik der KPdSU am Personenkult um den ehemaligen Partei- und Regierungschef Josef W. Stalin, einem gebürtigen Georgier, protestiert wird. Das Präsidium des Obersten Sowjet beschließt in Moskau eine Verkürzung der Arbeitszeit für Arbeiter und Angestellte vor Sonn- und Feiertagen. An diesen Tagen soll statt bisher acht nur noch sechs Stunden gearbeitet werden. |
| 09. März | Der Führer der griechischen
Bevölkerungsmehrheit auf der Mittelmeerinsel Zypern, Erzbischof Makarios
III., wird auf Anordnung des britischen Gouverneurs, Feldmarschall John
Harding, auf die Seychellen im Indischen Ozean deportiert. Begründet wird
diese Maßnahme mit den politischen Aktivitäten von Makarios, die auf einen
Anschluss Zyperns an Griechenland gerichtet sind. Die sowjetische Armee eröffnet in Tiflis (Georgien) das Feuer auf die revoltierenden Demonstranten und beendetet die Auseinandersetzung innerhalb von drei Stunden. Mindestens 80 Menschen werden getötet. Die Niederschlagung geht als Massaker von Tiflis in die Geschichte ein. |
| 10. März | Zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und Jugoslawien wird in Bonn nach mehrmonatigen Verhandlungen ein Abkommen
über Entschädigungszahlungen unterzeichnet. Darin erklärt sich die
Bundesrepublik bereit, Jugoslawien zum Ausgleich für im Zweiten Weltkrieg
erlittene Schäden insgesamt 300 Mio. DM zu zahlen. In Moskau unterzeichnen Regierungsvertreter der UdSSR und Kanadas ein Handelsabkommen, das u. a. für 1956 die Lieferung von 400.000 t Weizen an die Sowjetunion vorsieht. Die Londoner Tageszeitung "The Times" veröffentlicht eine Statistik, derzufolge die Länder des Nahen Ostens einen Anteil von über 20 % an der Welt-Erdölproduktion haben. Der Anteil hat sich demnach innerhalb der vergangenen zehn Jahre mehr als verdoppelt. |
| 12. März | Der erste Botschafter der Bundesrepublik
Deutschland in der Sowjetunion, Wilhelm Haas, überreicht in Moskau dem
sowjetischen Staatsoberhaupt, Marschall Kliment J. Woroschilow, sein
Beglaubigungsschreiben. Das britische Unterhaus in London beschließt mit 286 gegen 262 Stimmen die Abschaffung der Todesstrafe für Mord. Das Oberhaus lehnt jedoch die Abschaffung der Todesstrafe ab. In Kairo endet eine sechstägige Konferenz, auf der sich Ägyptens Ministerpräsident Gamal Abd an Nasser, der syrische Präsident Schukri Al Kuwwatli und König Saud Ibn Abd Al Asis von Saudi-Arabien u. a. auf eine Koordinierung ihrer gegen Israel gerichteten Politik verständigten. Die französische Nationalversammlung stimmt in Paris militärischen Sondervollmachten für die Regierung bezüglich Algerien zu. Die Administration erhält damit einen größeren Handlungsspielraum zur Wiederherstellung der Ordnung in der nordafrikanischen Kolonie. |
| 13. März | Unter Hinweis auf den Viermächtestatus von
Berlin sprechen sich die Bonner Botschafter der drei Westmächte gegen einen
Antrag der SPD aus, die Berliner Bundestagsabgeordneten in Zukunft direkt
von den stimmberechtigten Bewohnern West-Berlins wählen zu lassen. Die
Berliner Bundestagsabgeordneten werden bisher vom Abgeordnetenhaus bestimmt.
Die Regierung der Sowjetunion beschließt in Moskau eine Veränderung des Entlohnungssystems in den landwirtschaftlichen Genossenschaften (Kolchosen). Durch eine stärkere Leistungsorientierung bei der Entlohnung soll die Produktivität der Kolchosen erhöht werden. US-Präsident Dwight D. Eisenhower fordert in einem Schreiben die britische Regierung auf, im Interesse einer friedlichen Lösung im Zypernkonflikt so bald wie möglich Verhandlungen mit Repräsentanten der griechischen und türkischen Bevölkerungsgruppe aufzunehmen. |
| 14. März | In einer Rundfunkansprache warnt
Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard davor, angesichts der anhaltenden
Hochkonjunktur in der Bundesrepublik Deutschland überzogene Lohnforderungen
zu stellen oder durch Preiserhöhungen die Gewinne der Unternehmen
überproportional steigern zu wollen. Auf Anweisung des Internationalen Währungsfonds beschließt die Regierung von Paraguay die Abwertung der Landeswährung Guarani um rund 300 %. Durch diese Maßnahme soll die Wirtschaft des Landes stabilisiert werden. |
| 15. März | Der deutsche Bundestag beschließt in Bonn für die nächsten Bundestagswahlen die Beibehaltung einer 5 %-Klausel. Bundestagsmandate sollen nur diejenigen Parteien erhalten, die mehr als 5 % der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen können. |
| 16. März | Erstmals tagt der Deutsche Bundesrat in West-Berlin. Gegen diese Sitzung wurde von sowjetischer Seite bei den Westalliierten Protest eingelegt. |
| 17. März | In Paris stirbt die Nobelpreisträgerin und
Tochter von Marie Curie,
Irène
Joliot-Curie. In der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag beschließt das Exekutivkomitee des kommunistisch gelenkten Weltgewerkschaftsbundes, den jugoslawischen Gewerkschaftsverband wieder aufzunehmen. Die jugoslawischen Gewerkschaften waren in Zusammenhang mit dem Bruch zwischen Josef W. Stalin und Josip Tito, dem jugoslawischen Staatspräsidenten, 1950 aus dem Verband ausgeschlossen worden. |
| 18. März | Auf einer Klausurtagung in Bad Wimpfen
bestätigt der FDP-Bundesvorstand offiziell den faktisch am 23. Februar 1956
vollzogenen Auszug aus der Regierungskoalition mit der CDU/CSU und der
Deutschen Partei (DP). Auf einem außerordentlichen Parteitag in Sulzbach beschließt die Sozialdemokratische Partei Saar (SPS) im Hinblick auf die bevorstehende Eingliederung des Saarlands in die Bundesrepublik ihre Auflösung und empfiehlt ihren Mitgliedern, sich dem Landesverband Saar der SPD anzuschließen. Nach einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden erzielte die Bundesrepublik Deutschland (zusammen mit Berlin/West) im Jahr 1955 einen Außenhandelsüberschuss in Höhe von rund 1,2 Mio. DM. In Columbus (Ohio) stirbt der amerikanische Schriftsteller (Pulitzer-Preis 1927) Louis Bromfield. |
| 19. März | Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und Schwedens vereinbaren in Stockholm, ihre diplomatischen Vertretungen in den Rang von Botschaften zu erheben. |
| 20. März | Der deutsche Bundestag beschließt in Bonn
die Reduzierung der Zuckersteuer. Durch diese Maßnahme verbilligt sich ein
Doppelzentner Zucker von 25,50 DM auf 10 DM. In Paris unterzeichnen der französische Außenminister Christian Pineau und der tunesische Ministerpräsident Tahar Ben Ammar ein Protokoll, das die offizielle Anerkennung der Unabhängigkeit Tunesiens durch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich beinhaltet. In Finnland wird ein landesweiter Streik, an dem große Teile der Arbeiterschaft teilgenommen haben, nach dreiwöchiger Dauer beendet. Die Streikenden akzeptieren einen von der sozialdemokratischen Regierung unter Karl-August Fagerholm gemachten Vorschlag, der eine durchschnittliche Erhöhung des Stundenlohns um rund 8 % vorsieht. |
| 21. März | In einer in Bonn veröffentlichten
Erklärung bezeichnen die Fraktionsspitzen von CDU/CSU die "Demokratische
Arbeitsgemeinschaft" von 16 ehemaligen FDP-Abgeordneten als neuen
Koalitionspartner. In London beginnen Abrüstungsverhandlungen, an denen Delegationen aus den USA Großbritannien, Frankreich, Kanada und der UdSSR teilnehmen. |
| 22. März | Das Zentralkomitee der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) wählt Edward Ochab zum Parteichef. Ochab, ein orthodoxer, reformunwilliger Kommunist, tritt die Nachfolge des verstorbenen Ersten Sekretärs Boleslaw Bierut an. |
| 23. März | Vor dem deutschen Bundestag erklärt
Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, dass er zur Sicherung der
wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in Europa die baldige Schaffung eines
Gemeinsamen Marktes für notwendig hält. Die "Islamische Republik Pakistan" wird proklamiert. Hauptstadt der Präsidialrepublik ist Rawalpindi. Erster Staatspräsident wird Iskander Mirza. |
| 24. März | Auf der bis zum 30. März dauernden III. Parteikonferenz der SED wird die Direktive für den nächsten Fünfjahresplan festgelegt. Die Zielsetzung lautet "Modernisierung, Mechanisierung und Automatisierung" und sieht eine Leistungssteigerung von 50 % bis 1960 vor. |
| 25. März | In einem Zeitungsinterview tritt
Bundeskanzler Konrad Adenauer Vorwürfen gegen den Leiter des
Bundeskanzleramtes, Hans Globke, wegen dessen Rolle während des
Nationalsozialismus entgegen. Bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung in Tunesien erringt die Nationale Front von Habib Burgiba alle 98 Mandate. |
| 26. März | In Moskau vereinbaren Delegierte aus den sozialistischen Staaten die Einrichtung eines "Vereinigten Instituts für Kernforschung" mit Sitz in Moskau, in dem die Arbeiten an der Nutzung der Kernenergie in den kommunistisch geführten Ländern vorangetrieben werden sollen. |
| 27. März | Das Zentralkomitee der Kommunistischen
Partei Ungarns gibt eine Erklärung heraus, in der es heißt, eine Überprüfung
habe die Unrechtmäßigkeit des Gerichtsverfahrens gegen den früheren
ungarischen Außenminister László Rajk ergeben. Rajk war im Jahr 1949 mit
anderen in einem Schauprozess wegen angeblicher staatsfeindlicher Handlungen
zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Auf der Konferenz des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen in London legt der sowjetische Delegationsleiter Andrei A. Gromyko einen Vorschlag seiner Regierung vor, der die weltweite Reduzierung der Landstreitkräfte vorsieht. Die UdSSR rückt dabei von ihrer Position ab, dass die Abschaffung aller Atomwaffen Vorbedingung für eine Einigung im Bereich der konventionellen Rüstung sei. |
| 28. März | Das Parlament von Island verlangt in einer mit 31 gegen 18 Stimmen verabschiedeten Entschließung den Abzug aller NATO-Streitkräfte von der Atlantik-Insel. |
| 31. März | Das britische Verteidigungsministerium gibt in London den Abzug von 2.200 britischen Soldaten aus Kenia, wo sie gegen die Mau-Mau-Untergrundorganisation kämpften, bekannt. Die militärische Lage lasse einen baldigen Sieg der Briten erwarten. |
| 01. April | In Pullach bei München nimmt der
Bundesnachrichtendienst (BND) offiziell seine Tätigkeit auf. Das am 6. März vom deutschen Bundestag gegen die Stimmen der SPD verabschiedete Soldatengesetz, das die allgemeine Wehrpflicht vorsieht, tritt in Kraft. Die Streitkräfte der Bundesrepublik erhalten offiziell den Namen "Bundeswehr". |
| 02. April | Der 70 km nördlich der irakischen
Hauptstadt Bagdad errichtete Tigris-Staudamm, an dessen Fertigstellung
US-amerikanische und bundesdeutsche Firmen beteiligt waren, wird seiner
Bestimmung übergeben. Der Damm ist Teil eines groß angelegten
Bewässerungsprojekts, mit dem Steppengebiete landwirtschaftlich nutzbar
gemacht werden sollen. Nach dem Rücktritt der kambodschanischen Regierung unter Prinz Norodom Sihanouk bildet der Politiker Kim Tit ein neues Kabinett. Politische Beobachter rechnen mit einer Annäherung des südostasiatischen Landes an die Vereinigten Staaten. Das ägyptische Innenministerium in Kairo erlässt eine Verordnung, nach der sich innerhalb von drei Jahren alle männlichen Staatsbediensteten nach westlicher Mode kleiden sollen. Die traditionelle Kleidung der Fellachen und Beduinen soll verdrängt werden. Beamte, die sich dieser Anordnung widersetzen, sollen mit Geldbußen belegt werden. In Istanbul verhaftet die türkische Polizei 60 Mitglieder einer Bande, die ihrem Anführer durch gewerbsmäßige Bettelei zu einem Monatseinkommen von umgerechnet mehreren 1.000 DM verhalf. Zu der Bande gehörten überwiegend verwaiste Kinder, die zur Bettelei gezwungen wurden. |
| 03. April | Die englische Königin empfängt den sowjetischen Präsidenten
Nikita Chruschtschow. Auf ihrem Versuchsgelände in Kasachstan bringt die UdSSR im Rahmen einer Versuchsreihe eine Atombombe zur Explosion. |
| 04. April | An der Militärparade aus Anlass des
siebenjährigen Bestehens des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses NATO
in Düsseldorf nimmt erstmals eine westdeutsche Einheit, das Andernacher
Musikkorps, teil. In einem Interview mit der in Paris erscheinenden Tageszeitung "Le Monde" erklärt der französische Ministerpräsident Guy Mollet, er sei überzeugt, dass von der UdSSR keine Kriegsgefahr für Europa ausgehe. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erteilt in New York dem Generalsekretär der Weltorganisation, Dag Hammarskjöld, das Mandat zu einer Friedensmission im Palästina-Konflikt. |
| 05. April | In einer offiziellen Note bittet die Bundesregierung die Vereinigten Staaten
um zusätzliche Militärhilfe in Höhe von rund 8,4 Mrd. DM. Das Organ der KPdSU, "Prawda", veröffentlicht einen Grundsatzartikel, in dem betont wird, dass die Kritik am Personenkult um den früheren Partei- und Staatschef Josef Stalin nicht zu einer Verdammung der Leninschen Prinzipien des politischen Kampfes führen dürfe. |
| 06. April | In Gauting
stirbt die als Ratschkathl bekannt gewordene bayerische Komödiantin
Ida
Schumacher. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg hat sich im März 1956 die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik sprunghaft um rund 800.000 auf nunmehr rund 1.019.000 verringert. Aus den Parlamentswahlen in Ceylon (heute Sri Lanka) geht die linksgerichtete Vereinigte Volksfront als Siegerin hervor. Sie kann 51 von 96 Sitzen und damit die absolute Mehrheit erringen. Die Vereinigte Volksfront unter Führung von Ministerpräsident Solomon Bandaranaike strebt die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung unter Betonung nationalistischer Elemente an. |
| 07. April | Im Rahmen eines Spanienbesuchs des Sultans
von Marokko, Sidi Mohammad Ibn Jusuf, erkennt die spanische Regierung unter
Francisco Franco Bahamonde in einer offiziellen Erklärung die staatliche
Unabhängigkeit Marokkos an. Der Nordteil des Landes stand seit 1912 unter
spanischem Protektorat. Auf dem ersten Parteitag der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) in Graz wird Anton Reinthaller zum Vorsitzenden gewählt. Einige Tage später erklären zwei führende Parteimitglieder wegen des wachsenden Einflusses ehemaliger Nationalsozialisten in der FPÖ ihren Austritt aus der im November 1955 gegründeten Partei. Zum Abschluss einer Tagung in London veröffentlicht das Büro der Sozialistischen Internationale, ein Zusammenschluss sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien, eine Erklärung, in der die Unvereinbarkeit von sozialistischen Ideen und kommunistischen Herrschaftsprinzipien unterstrichen wird. Eine politische Zusammenarbeit mit kommunistischen Parteien wird strikt abgelehnt. |
| 08. April | An der israelisch-ägyptischen Grenze im Gaza-Streifen kommt es zu militärischen Zusammenstößen, bei denen auf beiden Seiten mehrere Soldaten verletzt werden. |
| 09. April | In einer offiziellen Note fordert die
Bundesregierung von der Regierung der UdSSR die Freilassung aller gegen ihre
Willen in der Sowjetunion festgehaltenen Deutschen. Nach Erkenntnissen der
Bonner Regierung befinden sich elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs
noch immer mehrere tausend Deutsche unfreiwillig in der UdSSR. Nach seiner Vereidigung in der Hauptstadt Jakarta gibt der neue indonesische Ministerpräsident Ali Sastroamidjojo vor dem Parlament eine Regierungserklärung ab. Darin bezeichnet er die völlige Loslösung Indonesiens von der ehemaligen Kolonialmacht Niederlande als seine Hauptaufgabe. In einer Rede in Warschau erklärt der Erste Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), Edward Ochab, die Verurteilung einer Gruppe um den früheren Ministerpräsidenten Wladyslaw Gomulka im Jahr 1951 wegen angeblich nationalistischer Politik für ungerechtfertigt und gibt die Freilassung der Verurteilten bekannt. |
| 11. April | Der jordanische König Hussein II. und Syriens Staatspräsident Schukri al-Quwatli unterzeichnen in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein Abkommen über verstärkte militärische Zusammenarbeit, das gegen Israel gerichtet ist. |
| 12. April | In Pamplona und anderen Städten des spanischen Baskenlandes treten mehrere tausend Arbeiter in den Streik, um soziale Verbesserungen zu erreichen. Da in Spanien Streiks seit 1939 verboten sind, ordnet die Regierung die Entlassung der streikenden Arbeiter an. |
| 13. April | In Seebüll stirbt der Maler
Emil Nolde. Der französische Ministerrat beschließt in Paris angesichts der sich verschärfenden Unruhen in Algerien die Mobilisierung von weiteren 100.000 Soldaten, die im Kampf gegen die algerische Unabhängigkeitsbewegung zum Einsatz kommen sollen. |
| 14. April | Auf einer Parteiversammlung in der
bulgarischen Hauptstadt Sofia gibt der Erste Sekretär des ZK der
Kommunistischen Partei Bulgariens, Todor Schiwkow, die posthume
Rehabilitierung Traitscho Kostows bekannt. Kostow war 1949 wegen angeblicher
antisozialistischer Tätigkeiten zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. In New York stellt die US-Marine den Flugzeugträger "USS Saratoga" in Dienst. |
| 15. April | Bei der Bundeswehr kommt es zum ersten
Fall von Desertion. Ein 34-jähriger Luftwaffenoffizier begeht Fahnenflucht
weil er in Verdacht geraten ist, Sprengstoff entwendet zu haben. Die Delegierten des Deutschen Städtetages sprechen sich auf einem Treffen in Lüneburg für die Verlängerung der Schulpflicht in der Bundesrepublik Deutschland von acht auf neun Jahre aus. Der allgemeine Bildungsstand der jungen Generation soll dadurch gehoben werden. Österreich wird auf einer Sitzung des Ministerkomitees in Straßburg als 15. Mitglied in den Europarat aufgenommen. In der tunesischen Hauptstadt Tunis stellt Ministerpräsident Habib Burgiba sein Kabinett vor. Ihm gehören mit einer Ausnahme nur Mitglieder seiner nationalistischen Neo-Destur-Partei an. Mehrere tausend Arbeitnehmer demonstrieren in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen gegen die Weigerung der Regierung, einer Herabsetzung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 44 Stunden zuzustimmen. |
| 16. April | Österreich
tritt dem Europarat bei. Nach Angaben des österreichischen Innenministeriums wollen von rund 4.000 Sowjetbürgern, die zur Zeit in Österreich in Lagern leben, nur drei in ihre Heimat zurückkehren. In den vergangenen Tagen hatte eine sowjetische Delegation zehn Lager besucht, um die Flüchtlinge zur Rückkehr zu bewegen. Der seit 1950 amtierende bulgarische Ministerpräsident Walko Tscherwenkow wird durch einen Beschluss der Nationalversammlung in Sofia seines Postens enthoben. Seine Nachfolge tritt Anton Jugow an. Die Entmachtung Tscherwenkows erfolgt im Zuge der nach dem XX. Parteitag der KPdSU einsetzenden Entstalinisierung in den Staaten Osteuropas. Der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, US-General Alfred M. Gruenther, erklärt in Washington seinen Rücktritt. Für seinen Schritt nennt Gruenther persönliche Gründe. Er wolle einen Posten in der Wirtschaft annehmen. Zu Gruenthers Nachfolger wird der US-amerikanische Luftwaffengeneral Lauris Norstad ernannt. |
| 17. April | In Bulgarien wird Anton Jugov Regierungspräsident. Die kommunistische Regierung Polens veröffentlicht in Warschau eine Erklärung über die Rehabilitierung aller ehemaligen Angehörigen der sog. Heimatarmee. Die von bürgerlichen Kräften bestimmte Heimatarmee hatte während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutschen Besatzer gekämpft. Dabei war sie in Konflikt mit der kommunistischen Untergrundorganisation Polens geraten. |
| 18. April | In Monte Carlo
findet die standesamtliche Trauung von Fürst Rainer von Monaco und der
amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly statt. In Moskau wird die Auflösung des "Informationsbüros der kommunistischen und Arbeiterparteien" (Kominform) bekannt gegeben. Der Erste Sekretär des ZK der KPdSU Nikita S. Chruschtschow und der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin treffen zu einem offiziellen Besuch Großbritanniens in London ein. Im Mittelpunkt ihrer Gespräche mit Premierminister Anthony Eden stehen die beiderseitigen Beziehungen und Abrüstungsfragen. Das britische Verteidigungsministerium beauftragt General Richard Hall, bislang Oberkommandierender der britischen Truppen in Ägypten, mit der Vorbereitung der Umstellung der britischen Streitkräfte auf eine reine Berufsarmee. Nach den Vorstellungen der Regierung soll in nächster Zeit in Großbritannien auf die Wehrpflicht verzichtet werden. In Budapest gibt das ungarische Wirtschaftsministerium Preiserhöhungen für die meisten Konsumgüter bekannt. Durch diese Maßnahme sollen die drastisch gestiegenen Rohstoff- und Herstellungskosten zum Teil ausgeglichen werden. |
| 19. April | In Königswinter werden Verhandlungen
zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände über eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit,
die zur Zeit durchschnittlich 48 Stunden beträgt, ergebnislos abgebrochen. In der St.-Charles-Kathedrale von Monte Carlo heiratet Fürst Rainer von Monaco die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly. Auf Vermittlung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, wird zwischen Israel und Ägypten ein unbefristeter Waffenstillstand an der gemeinsamen Grenze vereinbart. |
| 20. April | Der US-amerikanische Botschafter in der UdSSR, Charles E. Bohlen, erklärt gegenüber US-Präsident Dwight D. Eisenhower, dass er die kollektive Führung in der Sowjetunion mit Nikita S. Chruschtschow und Nikolai A. Bulganin an der Spitze für dauerhaft halte. Bohlen war von der US-Regierung nach Washington beordert worden, um über die Machtverhältnisse in der UdSSR Auskunft zu geben. |
| 21. April | Die Delegierten des Bundesparteitags der
FDP bestätigen in Würzburg mit 155 gegen 67 Stimmen den Parteivorsitzenden
Thomas Dehler im Amt. Zugleich billigen sie mit großer Mehrheit den am 23.
Februar vollzogenen Bruch der Regierungskoalition mit der CDU/CSU. König Abd Al Asis Ibn Saud von Saudi-Arabien, der Imam Ahmed des Jemen und der ägyptische Ministerpräsident Gamal Abd an Nasser unterzeichnen in Dschidda (Saudi-Arabien) eine militärische Allianz ihrer Staaten. Am 23. April 1956 wird der ägyptische Kriegsminister Generalmajor Abd el Hakim Amer zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte der drei Länder ernannt. In der Ostberliner Humboldt-Universität erklärt der Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, die SED sei bereit, "gewisse Fehlerquellen" zu beseitigen. So sei der gefährliche Personenkult bereits erfolgreich bekämpft worden, die kollektive Führung der Partei gesichert. |
| 22. April | Auf einer Festveranstaltung zum 10.
Jahrestag der SED-Gründung weist der stellvertretende Ministerpräsident der
DDR Walter Ulbricht energisch den Vorwurf zurück, in der DDR herrsche ein
totalitäres Regime. Es bestehe kein Widerspruch zwischen den Interessen des
Staates und der einzelnen Menschen. Angehörige der "Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" entdecken in Alt-Glienicke im Süden Berlins einen von US-amerikanischen Geheimdienstleuten angelegten Spionagestollen. |
| 24. April | In der Sowjetunion wird eine Abteilung
beim Generalstaatsanwalt gebildet, deren Aufgabe die Überwachung der
Tätigkeiten des sowjetischen Geheimdienstes KGB sein soll. Das Oberste Bundesgericht in Washington bestätigt in zweiter Instanz das Urteil eines Gerichts im US-Bundesstaat South Carolina, das die Rassentrennung in öffentlichen Omnibussen für verfassungswidrig erklärt. |
| 25. April | Das Bundesministerium für Gesamtdeutsche
Fragen in Bonn warnt westdeutsche Eltern davor, ihre Kinder an
Ferienaktionen in der DDR teilnehmen zu lassen, die von der
Arbeitsgemeinschaft "Frohe Ferien für alle Kinder" veranstaltet werden.
Unter dem Deckmantel sozialer Aktionen werde dabei kommunistische Propaganda
betrieben. In New York wird das Statut für eine internationale Atomenergiebehörde veröffentlicht, auf das sich 12 Nationen, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich und die UdSSR, verständigt haben. Aufgabe der Behörde ist, die weltweite Forschung für die friedliche Nutzung der Atomenergie zu fordern. In Hödingen (Sachsen-Anhalt) stirbt der deutsche Typograf Paul Renner. Die von ihm entworfene "Futura" gilt als eine der beliebtesten Schriftarten des 20. Jahrhunderts. |
| 26. April | Das Bundesverkehrsministerium in Bonn gibt
die Freigabe des Rheins für ausländische Binnenschiffe zum 1. Mai 1956
bekannt. Ausländische Schiffe brauchen in Zukunft keine administrative
Genehmigung für das Befahren des Rheins mehr. Gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten des Saarlands, Johannes Hoffmann, spricht das Präsidium des saarländischen Landtags ein Hausverbot aus. Zur Begründung wird angeführt, Hoffmann habe in mehreren Reden und Artikeln Abgeordnete des Landtags und Mitglieder der Regierungskoalition unsachlich angegriffen und zum Teil verächtlich gemacht. |
| 27. April | Bis zum 19.
Mai besucht DDR-Außenminister Rau den Sudan, Syrien, Libanon und Ägypten. Die DDR-Regierung gibt in Ost-Berlin die vorzeitige Freilassung von 698 Personen bekannt, die wegen Kriegsverbrechen von sowjetischen Militärtribunalen bzw. DDR-Gerichten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. 52 wegen schwerer Kriegsverbrechen Verurteilte sind von der Amnestie ausgeschlossen. Der Sejm, das polnische Parlament, beschließt in Warschau eine Amnestie für über 80.000 Strafgefangene. Ein Großteil von ihnen war nach 1945 von der kommunistischen Justiz aus politischen Gründen zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. |
| 28. April | Das französische Oberkommando für Indochina wird offiziell aufgelöst. Damit ist das Engagement Frankreichs in Südostasien nach mehrjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen beendet. |
| 29. April | Auf dem Bundesparteitag der CDU in Stuttgart wird Bundeskanzler Konrad Adenauer einstimmig in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt. |
| 30. April | In Ludwigshafen fordert der Vorstand des
Deutschen Gewerkschaftsbundes die Einführung der 40-Stunden-Woche bei vollem
Lohnausgleich sowie eine Erhöhung der Renten. Die kubanische Regierung verhängt über das ganze Land eine Presse- und Rundfunkzensur. Am Vortag hatten rund 70 bewaffnete Gegner des Diktators Fulgenico Batista y Zaldivar erfolglos versucht, eine Militärstation zu stürmen. |
| 01. Mai | Aus Anlass der Feiern zum internationalen
"Tag der Arbeit" demonstrieren vor dem Schöneberger Rathaus in
West-Berlin über 100.000 Menschen für die Wiedervereinigung Deutschlands. In Ost-Berlin
nehmen erstmals Einheiten der Nationalen Volksarmee (NVA) am Maiaufmarsch
teil. Walter Ulbricht, Parteichef der SED, und Otto Grotewohl, Ministerpräsident der DDR, bieten in einem Schreiben an die SPD die Freilassung der in der DDR inhaftierten Sozialdemokraten an. Im Gegenzug soll das Ostbüro der SPD seine Tätigkeit einstellen. Generalleutnant Hans Speidel eröffnet in der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen den ersten Lehrgang für Generale und Stabsoffiziere der Bundeswehr. Mehr als 300 Lehrgangsteilnehmer sollen hier für Führungspositionen geschult werden. In Nepal wird König Mahendra Bir Bikram Schah im Hanuman-Palast der Hauptstadt Katmandu feierlich inthronisiert. |
| 02. Mai | Bei Besprechungen von Bundesaußenminister
Heinrich von Brentano mit der britischen Regierung in London betonen beide
Seiten die Wiedervereinigung Deutschlands als Ziel ihrer Politik. Brentano
lehnt gleichzeitig eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als östliche Grenze
Deutschlands ab. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, erreicht im Rahmen seiner Friedensinitiative für den Nahen Osten in Jerusalem den Abschluss eines Waffenstillstands zwischen Israel und Ägypten. Die Jahresversammlung der methodistischen Kirche der USA verurteilt in Minneapolis/Minnesota die Politik der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. |
| 03. Mai | Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
weist die Klage des früheren Bundestagsabgeordneten Karlfranz
Schmidt-Wittmack zurück, der gegen die Aberkennung seines Mandats
protestiert hatte. Schmidt-Wittmack war 1954 in die DDR übergesiedelt. In Marrakesch (Marokko) werden bei Ausschreitungen der islamischen Bevölkerung gegen Anhänger des verstorbenen pro-französischen Berberfürsten El Glaoui 35 Menschen getötet. |
| 04. Mai | Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn
eine Gesetzesvorlage, die den Bau von 1,8 Mio. Wohnungen mit Unterstützung
aus Bundesmitteln vorsieht. DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl schlägt Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem saarländischen Ministerpräsidenten Hubert Ney gemeinsame Beratungen über die Zukunft des Saarlandes vor. Grotewohl betont, dass die DDR keine Beschlüsse in der Saarfrage anerkennen werde, die ohne ihre Mitwirkung getroffen werden. |
| 05. Mai | Im Rahmen einer zweitägigen Tagung des Nordatlantikrats, dem politischen Gremium der NATO, beschließen die Außenminister der drei Westmächte zukünftig den UN-Sicherheitsrat als verantwortlich für die Aufrechterhaltung des Friedens im Nahen Osten anzuerkennen. Bisher waren die USA, Großbritannien und Frankreich aufgrund einer Erklärung von 1950 als Garantiemächte im Nahen Osten aufgetreten. |
| 06. Mai | Der belgische Außenminister Paul-Henri Spaak legt seinen EGKS-Amtskollegen einen Bericht über den Entwurf von Gemeinschaftsverträgen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) vor. |
| 07. Mai | Der jugoslawische Staatschef Josip Tito
trifft zu einem viertägigen Staatsbesuch in Paris ein. In einem Kommuniqué
betonen beide Länder den Wunsch nach weltweiter Rüstungskontrolle und
schrittweiser Abrüstung. Der französische Ministerrat verfügt in Paris die Einberufung von weiteren 30.000 Soldaten zur Verstärkung des über 300.000 Mann zählenden Expeditionskorps in Algerien. Damit setzt die Regierung ihren harten Kurs gegenüber der algerischen Unabhängigkeitsbewegung FLN fort. |
| 08. Mai | Die Botschafter der USA, Großbritanniens
und Frankreichs fordern die Bundesregierung in Bonn auf, die
Stationierungskosten der alliierten Truppen in der Bundesrepublik weiterhin
zu übernehmen. Auf deutscher Seite war wiederholt gefordert worden,
angesichts des Aufbaus der Bundeswehr müssten die Alliierten die Kosten
selber tragen. In einem Abkommen mit Marokko verpflichtet sich die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, beim Aufbau einer scherifischen Armee mit Material und Ausbildern mitzuwirken. Österreich und Israel vereinbaren die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen. |
| 09. Mai | Nach den Landtagswahlen in
Baden-Württemberg vom 4. März wird Gebhard Müller erneut zum
Ministerpräsidenten einer Allparteienregierung gewählt. Der Bonner Bundestag verabschiedet ein Gesetz, das die Übernahme von rund 15.000 Angehörigen des Bundesgrenzschutzes in die Bundeswehr ermöglicht. Dadurch soll der Aufbau der Bundeswehr beschleunigt werden. Der Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa, Alfred M. Gruenther, erklärt in Bonn, ohne einen umfassenden deutschen Verteidigungsbeitrag könne die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland nicht gewährleistet werden. Auf einer Konferenz der Richter und Staatsanwälte der DDR in Ost-Berlin fordert Generalstaatsanwalt Ernst Melsheimer in Zukunft mehr den Aspekt der Umerziehung zu berücksichtigen. Gleichzeitig räumt er Verletzungen der Bürgerrechte bei Gerichtsverfahren in der Vergangenheit ein. In London gibt die Regierung die Reduzierung der britischen Streitkräfte von rund 850.000 auf 700.000 Mann bekannt. |
| 10. Mai | Auf Befehl des Exekutivrates der
britischen Kronkolonie Zypern werden zwei griechische Mitglieder der
Befreiungsorganisation EOKA wegen Terroranschlägen gegen britische
Einrichtungen hingerichtet. Am folgenden Tag ermordet die EOKA zwei
britische Soldaten, die sich als Geiseln in ihrer Gewalt befanden. Die ungarische Regierung verfügt in Budapest die Beseitigung der Grenzsperren zu Österreich. |
| 11. Mai | Die japanische Regierung verpflichtet
sich, Reparationen im Wert von insgesamt 550 Mio. US-Dollar (rund 2,3 Mrd.
DM) an die Philippinen zu zahlen. Damit soll Wiedergutmachung für die im
Zweiten Weltkrieg während der japanischen Okkupation verursachten Schäden
geleistet werden. In Frankfurt am Main hebt die Bank Deutscher Länder die sog. Devisenanbietungspflicht auf. Damit ist deutschen Staatsangehörigen der uneingeschränkte Erwerb ausländischer Wertpapiere gestattet. |
| 12. Mai | József Grősz, Erzbischof von Kalocsa, wird im Rahmen einer Amnestie aus dem gegen ihn verhängten Hausarrest entlassen. Grösz, der als Vorsitzender der Ungarischen Bischofskonferenz entscheidend am Zustandekommen der Vereinbarung zwischen dem ungarischen Staat und der Kirche von 1950 beteiligt war, wurde im Mai 1951 verhaftet und in einem Schauprozess "als Verschwörer gegen die demokratische Ordnung" zu 15 Jahren Haft verurteilt. |
| 13. Mai | Walter Ulbricht, Erster Sekretär des ZK
der SED, erklärt in Ost-Berlin, die Wiedervereinigung sei Ziel seiner
Politik. Zunächst müssten sich jedoch die Kräfte des Volkes gegen den
deutschen Militarismus zusammenschließen. Die sowjetische Regierung kündigt in Moskau die Auflösung aller Straflager an. Die Lager, in denen die Gefangenen Zwangsarbeit verrichten müssen, sollen innerhalb der nächsten 18 Monate geschlossen werden. Bei den Wahlen zum österreichischen Nationalrat wird die Österreichische Volkspartei (ÖVP) mit 82 von 165 Sitzen zur stärksten politischen Kraft, gefolgt von der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) mit 75 Mandaten. |
| 14. Mai | Im Rahmen der Entstalinisierung werden in Ungarn etwa 150 seit mehreren Jahren inhaftierte Sozialdemokraten und katholische Würdenträger amnestiert. |
| 15. Mai | Der FDP-Vorsitzende Thomas Dehler fordert
in einem Artikel in der "Neuen Zürcher Zeitung" die Bundesregierung zu
Verhandlungen mit den vier Großmächten über die Wiedervereinigung
Deutschlands auf. Dehler sieht in einem Angebot wirtschaftlicher
Zugeständnisse an die Sowjetunion eine große Erfolgschance. Die Bundeswehr erhält die erste Lieferung schwerer Waffen aus den USA. Der französische Ministerpräsident Guy Mollet trifft in der sowjetischen Hauptstadt Moskau zu einem viertägigen Staatsbesuch ein. Dabei werden zwischen den beiden Staaten eine Reihe von Handels- und Kulturabkommen geschlossen. Bei den Präsidentenwahlen in Südkorea wird Staatspräsident Syngman Rhee mit rund 60 % der Stimmen wieder gewählt. Vizepräsident wird der Kandidat der oppositionellen Demokratischen Partei, Chang Myun. |
| 16. Mai | Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard
fordert vor dem Bundestag in Bonn die Bereitstellung von 35 Mio. DM aus
Haushaltsmitteln, um den Wiederaufbau einer eigenen Luftfahrtindustrie zu
ermöglichen. Als 27. Staat erkennt Ägypten die Volksrepublik China diplomatisch an. Im Gegenzug bietet die chinesische Regierung die Lieferung von Waffen an. |
| 17. Mai | Bundespräsident Theodor Heuss und
Außenminister Heinrich von Brentano unterzeichnen zum Abschluss eines
dreitägigen Staatsbesuchs in Griechenland ein Kulturabkommen zwischen beiden
Ländern. Bulgarien wird Mitglied in der UNESCO. |
| 18. Mai | In Ost-Berlin wird die 7. Tagung des Rates
für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) eröffnet. Die Wirtschaftspläne der
Mitgliedstaaten des Ostblocks werden dabei dem sowjetischen Fünfjahresplan
angepasst. Der Zentralbankrat der Bank deutscher Länder beschließt in Frankfurt am Main die Erhöhung des Diskontsatzes um 1 % auf nunmehr 5,5 %. Durch diese Maßnahme werden Kredite verteuert. |
| 19. Mai | Bei Kämpfen zwischen der französischen Armee und der algerischen Befreiungsbewegung FLN an der Grenze zu Tunesien werden auf beiden Seiten mehr als 100 Menschen getötet. Das französische Oberkommando kündigt daraufhin die Entsendung von weiteren 25.000 Soldaten nach Algerien an. |
| 20. Mai | Der Halbbruder von Adolf Hitler,
Alois Hitler (Jr.) stirbt. Nach dem Rücktritt der jordanischen Regierung unter Ministerpräsident Samir el Rafai bildet Said el Mufti ein neues Kabinett. Rafai war wegen Meinungsverschiedenheiten über die "antibritische" Politik von König Hussein II. zurückgetreten. |
| 21. Mai | Das US-Verteidigungsministerium gibt den erfolgreichen Test der ersten transportablen Wasserstoffbombe der USA über dem Pazifik-Atoll Namu bekannt. Die H-Bombe wurde von einem B-52-Bomber aus 17 km Höhe abgeworfen. |
| 22. Mai | Der indische Ministerpräsident Jawaharlal
Nehru schlägt zur Lösung der Krise in Algerien Verhandlungen zwischen der
französischen Regierung und allen politischen Kräften in Algerien vor.
Dadurch soll –in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen –
eine baldige Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzungen erreicht
werden. Der ägyptische Staatsminister Oberst Muhammad Anwar as Sadat beendet einen achttägigen Besuch in der Bundesrepublik. In einem Gespräch mit Bundeskanzler Adenauer bekräftigt Sadat den Wunsch nach einer Vertiefung der deutsch-ägyptischen Beziehungen. |
| 23. Mai | Anlässlich einer Feierstunde des
Abgeordnetenhauses von West-Berlin wird der geteilten Stadt vom
französischen Staatsminister Jacques Michel Pierre Chaban-Delmas der
Europapreis verliehen. In einer Rede vor Mitgliedern des Bundesverbands der Deutschen Industrie in Köln übt Bundeskanzler Konrad Adenauer scharfe Kritik an der Zins- und Konjunkturpolitik der Bundesbank sowie der Amtsführung von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und Finanzminister Fritz Schäffer. |
| 24. Mai | Der frühere Hohe Kommissar der USA für Deutschland John J. McCloy schlägt der Bundesregierung den Verzicht auf die deutschen Ostgebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie vor. Dadurch soll die Voraussetzung für eine Wiedervereinigung Deutschlands geschaffen werden. |
| 25. Mai | In Kopenhagen trifft Bundesaußenminister
Heinrich von Brentano zu einem offiziellen Staatsbesuch in Dänemark ein. Der
Besuch soll – elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs – der
Normalisierung der deutsch-dänischen Beziehungen dienen. US-Präsident Dwight D. Eisenhower fordert in einer Rede in Waco/Texas die europäischen Verbündeten der USA zur Gründung der "Vereinigten Staaten von Europa" auf. Der DDR-Gewerkschaftsverband FDGB schlägt dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vor, gemeinsam gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der Bundesrepublik zu kämpfen. |
| 26. Mai | Zum Abschluss des zweitägigen 10. Jahreskongresses der Internationalen Union Christlicher Demokraten in Luxemburg fordern die Delegierten u. a. ein einheitliches Vorgehen des Westens gegenüber der Sowjetunion. |
| 27. Mai | Die USA zünden mit "Redwing Zuni" erstmals eine Dreistufige Wasserstoffbombe auf dem Bikini-Atoll. |
| 28. Mai | Bundesaußenminister Heinrich von Brentano
trifft zu einem Staatsbesuch in der norwegischen Hauptstadt Oslo ein.
Während des dreitägigen Besuchs wird u. a. ein Kulturabkommen zwischen den
beiden Staaten geschlossen. In der Wiener Messehalle findet die erste Musterung für das österreichische Bundesheer statt. Von 32.482 Gemusterten des Jahrgangs 1937 werden 26.362 Männer für tauglich erklärt. Die Weltbank beschließt in New York, 32 Mio. US-Dollar (134 Mio. DM) für den Ausbau von Kraftwerken in Europa zur Verfügung zu stellen. |
| 29. Mai | Die
Bundesrepublik Deutschland und Norwegen unterzeichnen ein Kulturabkommen. Der belgische Außenminister Paul-Henri Spaak legt seinen EGKS-Amtskollegen einen Bericht über den Entwurf von Gemeinschaftsverträgen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) vor. DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl beschuldigt in einer Regierungserklärung vor der Volkskammer in Ost-Berlin die Bundesregierung der "verbrecherischen Wühlarbeit" gegen die DDR. Zur Entspannung im innerdeutschen Verhältnis fordert Grotewohl die Bundesregierung auf, von der allgemeinen Wehrpflicht Abstand zu nehmen. Als erste Schiffe der Bundesmarine werden in Kiel drei Schnellboote in Dienst gestellt. Die Schiffe wurden in deutschen Werften für die britische Marine gebaut und sind ein Geschenk der Regierung in London. |
| 30. Mai | Der Bundesgrenzschutz erhält per Gesetz Bestandsgarantie in
Zusammenhang mit der Aufstellung der Bundeswehr zum 01. Juli 1956. Auf eine Anfrage im Deutschen Bundestag erklärt der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, dass die Zahl der politischen Häftlinge in der DDR zur Zeit rund 18.900 betrage. |
| 31. Mai | Die Außenminister der Mitgliedstaaten der
Montanunion stimmen in Venedig dem Ausbau der Organisation zu einem
"Gemeinsamen Markt" sowie der Errichtung einer "Europäischen
Atomgemeinschaft" EURATOM zu. Bei einem Besuch des syrischen Staatspräsidenten Schukri Al Kuwwatli in der jordanischen Hauptstadt Amman wird die Zusammenlegung der Streitkräfte beider Länder unter einem gemeinsamen Militärrat beschlossen. Das UNO-Oberkommando in Südkorea löst in Panmunjom die neutrale Waffenstillstandskommission auf, die seit Ende des Koreakrieges vor drei Jahren den Waffenstillstand kontrolliert. Die USA werfen den kommunistischen Mitgliedern der Kommission Obstruktion der Verhandlungen vor. |
| 01. Juni | In Frankfurt am Main stellt die
US-Luftwaffe ihre neue lenkbare Überschall-Flakrakete "Nike" erstmals in
Europa der Öffentlichkeit vor. Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow gibt in Moskau seinen Rücktritt bekannt. Zu seinem Nachfolger ernennt das Politbüro der Kommunistischen Partei Dimitri T. Schepilow, einen engen Vertrauten von Parteichef Nikita S. Chruschtschow. Der britische Premierminister Anthony Eden wendet sich in einer Rede vor Mitgliedern der konservativen Partei in Norwich scharf gegen die Politik der griechischen Regierung, die in der Vergangenheit die Terror-Organisation EOKA auf Zypern unterstützt habe. |
| 02. Juni | Der Bundesminister für Atomfragen Franz Josef Strauß gibt in Bonn die Lieferung von drei Forschungsreaktoren durch die US-amerikanische Atomenergiekommission bekannt. Die Reaktoren sollen in den Universitäten in München, Frankfurt/Main und Hamburg installiert werden. Gleichzeitig erhält die Bundesrepublik 10 kg radioaktives Uran 235 zum Betrieb der Anlagen. |
| 03. Juni | Mehr als 20.000 ehemalige Marinesoldaten begehen in Kiel den 40. Jahrestag der "Skagerak-Schlacht" im Ersten Weltkrieg. Der frühere Großadmiral Erich Raeder wird vom Kameradschaftsbund der Marine zum Ehrenmitglied gewählt. |
| 04. Juni | Der Deutsche Bundestag ratifiziert in Bonn
ein internationales Zollabkommen. Zukünftig ist die Einfuhr von 250
Zigaretten, einer Flasche Wein und von Reiseandenken bis zu 50 US-Dollar
(rund 210 DM) zollfrei. Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Ministerpräsident Guy Mollet vereinbaren in Luxemburg die Eingliederung des Saargebiets in die Bundesrepublik Deutschland. Das US-Außenministerium veröffentlicht in Washington den Text der Rede des sowjetischen Parteichefs Nikita S. Chruschtschow, die dieser auf dem XX. Parteitag der KPdSU in Moskau gehalten hat. Darin hatte Chruschtschow zahlreiche Verbrechen Stalins enthüllt. Im Zuge einer Dezentralisierung des sowjetischen Justizwesens beschließt die Regierung in Moskau die Auflösung des Ministeriums für Justiz der UdSSR. Seine Aufgaben werden auf die Justizministerien der einzelnen Sowjetrepubliken übertragen. |
| 05. Juni | Der französische Finanzminister Paul Ramadier kündigt in Paris Steuererhöhungen in Höhe von rund 100 Mrd. Francs (1,25 Mrd. DM) zur Deckung der Militärausgaben in Algerien an. |
| 06. Juni | Nach Verhandlungen mit den Vereinigten
Staaten verpflichtet sich die Bundesregierung die Kosten für in Deutschland
stationierte US-Soldaten zu übernehmen. Für das Finanzjahr 1956/57 erstattet
die Bundesrepublik den USA rund 650 Mio. DM. Die britische Admiralität in London gibt die Schließung des Marinestützpunkts Scapa Flow (Schottland) bekannt. Der Hafen war im Zweiten Weltkrieg eine der größten Flottenbasen der britischen Kriegsmarine. |
| 07. Juni | Zum Abschluss eines sechstägigen
Staatsbesuchs des nordkoreanischen Ministerpräsidenten Kim Il Sung in der
DDR werden in Ost-Berlin Abkommen über wirtschaftliche und kulturelle
Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten unterzeichnet. In einer Erklärung
spricht sich die nordkoreanische Delegation für das Prinzip der friedlichen
Koexistenz sowie der Abrüstung als ersten Schritt zur Wiedervereinigung der
beiden geteilten Länder aus. Das US-Repräsentantenhaus kürzt trotz eines Appells von Präsident Dwight D. Eisenhower das von diesem eingebrachte Auslandshilfeprogramm um 1,1 Mrd. US-Dollar (4,62 Mrd. DM). In Fontenay-aux-Roses bei Paris stirbt der französische Philosoph und Schriftsteller Julien Benda. |
| 08. Juni | Der Rat der Evangelischen Kirche in
Deutschland beschließt, Pastor Martin Niemöller von seinen Aufgaben als
Leiter des Kirchlichen Außenamts zu entbinden. Er soll durch den
Landessuperintendenten Adolf Wischmann ersetzt werden. Niemöller protestiert
gegen diese Entscheidung. Dahinter vermutet er politische Gründe, die mit
seiner Kritik an der deutschen Wiederbewaffnung zusammenhängen. Josef Kammhuber, Fliegergeneral des Zweiten Weltkriegs, übernimmt im Range eines Generalleutnants die Abteilung Luftwaffe des Bundesverteidigungsministeriums in Bonn. Auf die unbestätigte Nachricht eines Herzanfalls von US-Präsident Dwight D. Eisenhower hin kommt es an der New Yorker Börse zu starken Kurseinbrüchen. Regierungsvertreter der DDR und Syriens unterzeichnen in Damaskus eine Reihe von Handels- und Kulturabkommen. |
| 09. Juni | Ein Militärputsch von Anhängern des 1955 gestürzten argentinischen Staatschefs Juan Domingo Perón wird von regierungstreuen Truppen niedergeschlagen. Der Führer des Aufstands, General Juan José Valle wird zusammen mit weiteren 250 Meuterern standrechtlich erschossen. |
| 11. Juni | Die Regierung der DDR ruft
Militärangehörige in der Bundesrepublik Deutschland zum Übertritt in die DDR
auf. Das Angebot soll auch für jugendliche Flüchtlinge aus der DDR gelten. Auf der Parteikonferenz der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei weist Parteichef Antonin Novotný auf Fehler und Mängel in der Parteiarbeit hin. Diese seien durch die Anwendung der falschen Thesen des früheren sowjetischen Staats- und Parteichefs Josef W. Stalin zustande gekommen. |
| 12. Juni | Zwischen Irland und der Bundesrepublik
wird ein Luftverkehrsabkommen unterzeichnet, das im Transatlantikverkehr der
Lufthansa Zwischenlandungen auf dem irischen Flughafen Shannon ermöglicht.
Das südafrikanische Parlament verabschiedet in Kapstadt eine Gesetzesänderung, nach der für schwere Verbrechen wie Vergewaltigung und schwerer Raub die Prügelstrafe zwingend vorgeschrieben ist. |
| 14. Juni | Der Oberkommandierende der "Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" kündigt in Ost-Berlin die Reduzierung der sowjetischen Truppen in der DDR um 50.000 Mann an. |
| 15. Juni | Anlässlich seiner USA-Reise wird
Bundeskanzler Konrad Adenauer in Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) von
der Vereinigung der Indianerstämme die Würde eines Ehrenhäuptlings
verliehen. Frankreich und die ehemalige französische Kolonie Tunesien nehmen mit dem Austausch von Botschaftern offizielle diplomatische Beziehungen auf. |
| 16. Juni | In Rostock stirbt der Zeichner, Karikaturist, Illustrator und Schriftsteller Fritz Koch-Gotha (Die Häschenschule). |
| 17. Juni | Am "Tag der deutschen Einheit", dem
dritten Jahrestag der Niederschlagung des Arbeiteraufstands in der DDR,
finden in West-Berlin und in Städten der Bundesrepublik Deutschland
zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. In Essen wird der erste Bundeskongress der 1955 gegründeten Christlichen Gewerkschaftsbewegung (CGD) abgehalten. Die Mitglieder wählen Johannes Even (CDU) zum ersten Vorsitzenden und Erich König zum Generalsekretär der CGD. Im bayerischen Miltenberg gründet Otto Strasser, früher mit seinem Bruder Gregor zur linken Fraktion der NSDAP gehörend, die Deutsch-Soziale Union (DSU). Als Nachfolgerin von Moshe Sharet übernimmt Golda Meir (Arbeiterpartei) das Amt des israelischen Außenministers. Aus den Wahlen für das Amt des Staatspräsidenten in Bolivien geht der Kandidat der Regierungspartei, Hernán Siles Zuazo, mit knapp 70 % der Stimmen als eindeutiger Sieger hervor. |
| 18. Juni | Mit dem Abzug der letzten Soldaten aus der Suezkanal-Zone endet die 74-jährige britische Besetzung Ägyptens. |
| 19. Juni | Der
indonesische Staatspräsident Ahmed Sukarno besucht Düsseldorf. In Zypern kommen 19 britische Soldaten bei einem von Mitgliedern der griechischen Untergrundorganisation EOKA gelegten Waldbrand ums Leben. In New York City stirbt der langjährige IBM-Vorstand Thomas J. Watson. |
| 21. Juni | In der DDR werden im Rahmen einer
umfangreichen Amnestie rund 11.800 Häftlinge, darunter auch politische
Gefangene, entlassen. Der Westberliner Regierende Bürgermeister Otto Suhr wird auf der 9. Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Essen als Präsident des Gremiums wieder gewählt. |
| 22. Juni | Die Staats- und Parteichefs des Ostblocks treffen sich in Moskau, um über eine Wiederannäherung an Jugoslawien zu beraten. |
| 23. Juni | Eine Volksabstimmung in Ägypten
verabschiedet die vorgelegte Verfassung des Landes und bestätigt
Ministerpräsident Oberst Gamal Abd an Nasser mit 99,84 % der abgegebenen
Stimmen als neuen Staatspräsidenten. Der jugoslawische Staatschef Josip Tito beendet eine dreiwöchige Reise durch die Sowjetunion, bei der über eine weitere Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen nach der Abkehr vom Stalinismus in der UdSSR verhandelt wurde. |
| 24. Juni | Die rechtsliberale Freie Volkspartei (FVP),
die sich aus ehemaligen FDP-Abgeordneten des Bundestages zusammensetzt, hält
in Bochum ihren Gründungsparteitag ab. Zum Parteivorsitzenden wird
Wohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker gewählt. Aus den Wahlen zum isländischen Parlament gehen die regierende Konservative Unabhängigkeitspartei und die Partei der Fortschrittlichen Agrarier mit 19 bzw. 17 Mandaten als stärkste Kräfte hervor. Zum Tag der sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Flughafen Kubinka bei Moskau zeigt die sowjetische Luftwaffe im Beisein hoher Militärs der NATO ihre neuesten Kampfflugzeuge, darunter Atombomber die von der NATO die Codenamen "Bear" und "Bison" erhalten. |
| 25. Juni | Die sowjetische Regierung übergibt das
Haus des Rundfunks in West-Berlin dem Senat der Stadt. Das Gebäude war seit
1945 eine sowjetische Enklave im britischen Sektor. Der sowjetische Parteichef Nikita S. Chruschtschow erklärt gegenüber ägyptischen Journalisten, ein Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten würde zwangsläufig den dritten Weltkrieg auslösen. Der Schah des Iran, Mohammed Resa Pahlawi, trifft mit Kaiserin Soraya in Moskau zu einem offiziellen Staatsbesuch der Sowjetunion ein. |
| 26. Juni | Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn
einen Gesetzentwurf, der eine allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung in
Städten von 60 km/h vorsieht. Dadurch sollen die rapide steigenden
Unfallzahlen im Straßenverkehr gesenkt werden. Auf Beschluss der Außenministerkonferenz der Montanunion vom 31. Mai in Venedig beginnen in Brüssel die Regierungsvertreter der sechs Mitgliedstaaten mit der Ausarbeitung von Verträgen über einen gemeinsamen europäischen Markt und die europäische Atomgemeinschaft (EURATOM). |
| 27. Juni | Der Bundesrat billigt in Bonn das Zweite
Wohnungsbaugesetz. Durch den verstärkten Bau von Sozialwohnungen sollen
einkommensschwache und kinderreiche Familien unterstützt werden. Die französische Nationalversammlung verabschiedet in Paris ein Gesetz zur Schaffung eines nationalen Fonds für die Altersversorgung. Bei den Präsidentschaftswahlen in Peru setzt sich der Kandidat der konservativen Regierungspartei, Manuel Prado y Ugarteche, gegen den Oppositionellen Fernando Bellaúnde Terry durch. Rumänien wird Mitglied in der UNESCO. |
| 28. Juni | Der Bundestag verabschiedet in Bonn den
Haushalt für 1956, der mit rund 35 Mrd. DM ein Rekordvolumen aufweist. Bundeskanzler Adenauer ernennt in Bonn Felix von Eckardt als Nachfolger von Edmund Forschbach zum Leiter des Bundespresseamtes. Eckardt, der in den letzten 12 Monaten Beobachter der Bundesrepublik bei der UNO war, hatte dieses Amt bereits von 1952 bis 1955 inne. In der polnischen Stadt Posen wird ein Arbeiteraufstand durch Armee-Einheiten niedergeschlagen. Nach offiziellen Angaben kommen dabei 53 Menschen ums Leben, rund 300 werden verletzt. |
| 29. Juni | In Bremen billigt der Arbeitgeberverband
der Metallindustrie die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf
45 Stunden. Das Auswärtige Amt in Bonn gibt den Abschluss der Verhandlungen über die Stationierungskosten für die Alliierten bekannt. Danach erhalten die USA 650 Mio. DM, Großbritannien 400 Mio. DM und Frankreich 278 Mio. DM zum Unterhalt der in der Bundesrepublik stationierten Truppen. In Wien stellt Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP) sein Kabinett vor, dem Minister der beiden großen Parteien ÖVP und SPÖ angehören. In Washington unterzeichnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower ein Gesetz, das die Bereitstellung von rund 33,4 Mrd. US-Dollar (140 Mrd. DM) für den Ausbau des Fernstraßennetzes in den Vereinigten Staaten vorsieht. Die Sowjetunion gibt die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in die UdSSR verbrachte Gothaer Bibliothek an die DDR zurück. Die Bibliothek, die als eine der bedeutendsten Büchersammlungen Europas gilt, umfasst rund 300.000 Bände. |
| 30. Juni | Das Zentralkomitee (ZK) der SED fordert
die SPD in der Bundesrepublik zu gemeinsamen Beratungen über
Abrüstungsfragen und Maßnahmen zur Verhinderung der allgemeinen Wehrpflicht
in der Bundesrepublik auf. In London wird zwischen Regierungsvertretern Ungarns und Großbritanniens ein Entschädigungsabkommen unterzeichnet, in dem sich Ungarn zur Zahlung von rund 10 Mio. US-Dollar (40,2 Mio. DM) für Beeinträchtigungen britischen Vermögens im und nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet. |
| 01. Juli | Durch die Aufstellung der Bundeswehr entscheiden sich 9.572
Angehörige des Bundesgrenzschutzes freiwillig für den Dienst in der
Bundeswehr. Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft in Begleitung von Außenminister Heinrich von Brentano in Rom zu einem viertägigen Staatsbesuch ein. Die deutsche Delegation führt u. a. Gespräche mit dem italienischen Staatspräsidenten Giovanni Gronchi und Ministerpräsident Antonio Segni. Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" gibt den Beschluss des Ministerrats der DDR bekannt, die Nationale Volksarmee (NVA) um 30.000 Mann zu verringern. Die Gesamtstärke der NVA beträgt bislang 120.000 Mann. Die DDR führt Erleichterungen im deutsch-deutschen Reiseverkehr ein. Die Ausweise von Bundesbürgern werden von den DDR-Grenzpolizisten nicht mehr generell, sondern nur noch in Einzelfällen mit den Fahndungslisten verglichen. Dadurch wird die Wartezeit an den Grenzübergängen erheblich verkürzt. Die sowjetische Zeitschrift "Kommunist" veröffentlicht das bislang geheime Testament Wladimir I. Lenins, der darin die Ablösung Stalins als Generalsekretär der KPdSU fordert. In Washington unterzeichnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower das Gesetz über die Verteidigungsausgaben im Finanzjahr 1956/57. Der Militärhaushalt der USA beträgt insgesamt rund 35 Mrd. US-Dollar (147 Mrd. DM). Einen Schwerpunkt wird der Ausbau der strategischen Luftstreitkräfte bilden. |
| 02. Juli | In der Bundesrepublik werden neue
Kfz-Kennzeichen ausgegeben. An der US-amerikanischen Ostküste treten rund 650.000 Stahlarbeiter in den Streik. In Moskau veröffentlicht das Zentralorgan der KPdSU "Prawda" einen Beschluss des Zentralkomitees über die Überwindung des Personenkults in der Sowjetunion. In dem Beschluss wird in scharfer Form auf Verfehlungen des früheren Staats- und Parteichefs Josef W. Stalin hingewiesen. |
| 03. Juli | In Hamburg registrieren Wissenschaftler
eine deutlich erhöhte radioaktive Belastung der Luft. Die gemessenen Werte
liegen etwa beim Zehnfachen der Normalwerte. Als Ursache werden die
US-amerikanischen Atombombenversuche im Pazifik vermutet. Auf der Konferenz der UN-Abrüstungskommission in New York schlägt der sowjetische Delegierte Andrei A. Gromyko eine internationale "Deklaration der Staaten über Maßnahmen zur Festigung des allgemeinen Friedens und der Sicherheit der Völker" vor. Darin sollen sich die Unterzeichnerstaaten u. a. verpflichten, auf Kernwaffen zu verzichten. Der Vorschlag wird von den USA abgelehnt. Der US-amerikanische Vizepräsident Richard M. Nixon erklärt in Manila (Philippinen), die USA würden die Souveränität der philippinischen Regierung achten und auf sämtliche Besitzansprüche auf US-Militärstützpunkte in der ehemaligen Kolonie verzichten. |
| 04. Juli | Nach Angaben des Bundesministeriums für
Verteidigung in Bonn hat bereits mehr als die Hälfte der 16.614 Angehörigen
des Bundesgrenzschutzes von dem Angebot Gebrauch gemacht, in die Bundeswehr
einzutreten. Der Bundestag wählt den FDP-Abgeordneten Max Becker zum vierten Vizepräsidenten des Parlaments. Die Wahl war nötig geworden, da der von der FDP gestellte Vizepräsident Ludwig Schneider zur FVP übergetreten war. In Warschau beschließt der polnische Ministerrat die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Revolte vom 28./29. Juni in Poznan (Posen). Den Vorsitz übernimmt der Sekretär des ZK der polnischen Arbeiterpartei, Edward Gierek. |
| 05. Juli | Der deutsche Bundestag verabschiedet in
Bonn eine Reihe von Steuersenkungen. Betroffen sind u. a. die Umsatzsteuer,
die Einkommensteuer und die Gewerbesteuer. Insgesamt haben die Senkungen
einen Umfang von rund 3 Mrd. DM. Papst Pius XII. empfängt Bundeskanzler Adenauer im Vatikan zu einer Privataudienz. Das Treffen kommt auf Wunsch des Heiligen Vaters zustande. Das sudanesische Parlament wählt Abd Allah Chalil zum Ministerpräsidenten des Landes. Chalil tritt die Nachfolge des nach einem Misstrauensvotum zurückgetretenen Ismail Ashari an. In Paris verfügt die französische Regierung eine Erhöhung der Tabaksteuer um 20 %. Die Mehreinnahmen sollen den französischen Streitkräften in Algerien zugute kommen. |
| 06. Juli | In London endet eine Konferenz der
Premierminister der Commonwealth-Staaten. Im Mittelpunkt der Gespräche
standen die Lage auf Zypern und die politische Situation im Nahen Osten. Die sowjetische Stadt Krementschuk wird in Chruschtschow umbenannt. Nach Mitteilung der UdSSR-Nachrichtenagentur ist es die erste Ortschaft, die den Namen des KPdSU-Parteichefs trägt. 83 sowjetische Städte sind nach dem Staatsgründer Wladimir I. Lenin, 81 nach dem verstorbenen Staats- und Parteichef Josef W. Stalin benannt. |
| 07. Juli | Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über
die allgemeine Wehrpflicht. Damit wird die künftige Bundeswehr eine
Wehrpflichtarmee. Im September wird die Dauer des Wehrdienstes auf 12 Monate
festgelegt. Außerdem wird ein ziviler Ersatzdienst für
Kriegsdienstverweigerer eingerichtet. In Berlin stirbt der deutsche Arzt, Dichter und Essayist Gottfried Benn. |
| 08. Juli | Das Politbüro der DDR veröffentlicht in
Ost-Berlin eine Erklärung, in der zu einer offenen Debatte über die
Schwierigkeiten beim Aufbau des Sozialismus aufgefordert wird. Bei den Wahlen zum japanischen Senat müssen die regierenden Liberaldemokraten Stimmenverluste hinnehmen. Die Sozialisten können ihre Stellung als stärkste Oppositionskraft ausbauen. |
| 09. Juli | Die Bundesregierung ernennt den bisherigen
Botschafter in Norwegen, Georg von Broich-Oppert, zum Ständigen Beobachter
der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen. Broich-Oppert
tritt die Nachfolge von Felix von Eckardt an, der als Pressesprecher nach
Bonn wechselt. Der Landtag des Saarlandes beschließt in Saarbrücken ein Gesetz, das die Einführung der deutschen Bundesflagge im Saarland mit Wirkung vom 1. Januar 1957 vorsieht. |
| 10. Juli | Das Bundesverteidigungsministerium gibt in
Bonn die Bestellung von 137 französischen Transportflugzeugen vom Typ "Atlas
2501" bekannt. Die Maschinen sollen den Grundstock der bundesdeutschen
Luftwaffe bilden. In Ost-Berlin findet bis zum 12. Juli die 28. Tagung des ZK der SED statt. In London lehnt das britische Oberhaus den am 28. Juni vom Unterhaus verabschiedeten Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe ab. |
| 11. Juli | Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard
(CDU) spricht sich in einem Interview mit der "Financial Times" für eine
Neuregelung der europäischen Währungsparitäten aus. Die britische Regierung
reagiert auf den Vorschlag Erhards, der eine Aufwertung der DM für notwendig
hält, ablehnend. Die Regierung der DDR bietet anlässlich der Verabschiedung des Wehrpflichtgesetzes durch den Bundestag bundesdeutschen Wehrpflichtigen politisches Asyl in der DDR an. Der US-amerikanische Außenminister John F. Dulles wertet auf einer Pressekonferenz die Entstalinisierung in der Sowjetunion als eine Chance für die freie Welt. Hinter dem Eisernen Vorhang würden sich offensichtlich "Kräfte der Freiheit" durchsetzen. Dies könnte in den kommenden zehn Jahren die weltpolitische Lage völlig verändern. In Wien verfügt der österreichische Nationalrat die Bildung eines Bundesministeriums für Landesverteidigung. |
| 12. Juli | Das ungarische Justizministerium erlässt
in Budapest eine Amnestie für insgesamt 11.398 Häftlinge. Darunter sind auch
Personen, die wegen Verstößen "gegen die sozialistische Legalität" zu
langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Vor der in New York tagenden UN-Abrüstungskommission erklärt der sowjetische Delegierte Andrei A. Gromyko seine Bereitschaft, die von den Westmächten vorgeschlagene Begrenzung der Streitkräfte zu akzeptieren. Danach sollten der UdSSR den USA sowie China jeweils 2,5 Mio. Soldaten zugestanden werden. Die Streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens dürften eine Stärke von jeweils 750.000 Mann nicht überschreiten. Die sowjetische Führung übermittelt an die Regierungen der europäischen Staaten und der USA eine Erklärung über internationale Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die UdSSR schlägt u. a. die Schaffung einer internationalen Atom-Organisation vor. Der Nationale Sicherheitsrat der USA veröffentlicht ein Grundsatzdokument zur amerikanischen Politik gegenüber den osteuropäischen Ländern. |
| 13. Juli | Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit
beträgt die Arbeitslosenquote zur Zeit rund 2,5 %. Dies ist der niedrigste
Stand seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. In Germersheim werden das Ersatzteildepot und die Standortverwaltung der neuen deutschen Streitkräfte stationiert. |
| 14. Juli | In München endet nach viertägiger Dauer
der Bundesparteitag der SPD. Erich Ollenhauer wird als Vorsitzender wiedergewählt. Zum Abschluss des Parteitags nehmen die Teilnehmer eine
Entschließung an, in der u. a. eine Zusammenarbeit zwischen der
Bundesrepublik und der DDR gefordert wird. Der "Deutsche Bundeswehrverband" wird gegründet. In die neue Garnison in Koblenz ziehen Soldaten der deutschen Streitkräfte ein. |
| 15. Juli | In Bonn gibt das Auswärtige Amt bekannt, dass die kanadischen Streitkräfte der Bundeswehr 75 moderne Düsenflugzeuge zur Verfügung stellen. Zusätzlich zu den Maschinen, die einen Wert von rund 75 Mio. US-Dollar (315 Mio. DM) haben, sagt Kanada die kostenlose Versorgung mit Ersatzteilen zu. |
| 16. Juli | In Moskau endet nach fünftägiger Dauer eine Sitzung des Obersten Sowjet. Das Parlament der UdSSR verabschiedete u. a. eine Reform der Rentengesetze sowie die Auflösung der Karelo-finnischen Sowjetrepublik. |
| 17. Juli | Der indische Ministerpräsident Jawaharlal
Nehru beendet einen viertägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik
Deutschland. Nehru traf u. a. mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und
Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard zusammen. Er vereinbarte eine
Vertiefung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den
beiden Ländern. Der Generalstaatsanwalt der Volksrepublik Polen, Marian Rybicki, erklärt gegenüber der amtlichen polnischen Nachrichtenagentur PAP, die Aufstände in Posen vom 27. und 28. Juni hätten insgesamt 53 Todesopfer – darunter neun Soldaten und Polizisten – sowie mehr als 300 Verletzte gefordert. Rund 326 Abenteurer, verbrecherische Elemente und Provokateure befänden sich in Haft. US-Präsident Dwight D. Eisenhower gibt in Washington seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen bekannt. Die Regierung der UdSSR erklärt sich in Moskau bereit, für das Jahr 1956 auf die Erstattung der Kosten, die durch die Stationierung sowjetischer Soldaten in der DDR entstehen, zu verzichten. Der Betrag wird auf rund 800 Mio. Mark veranschlagt. |
| 18. Juli | In Budapest wird Ernö Gerö zum Ersten
Sekretär der ungarischen kommunistischen Partei gewählt. Gerö kündigt eine
Verlangsamung der Kollektivierung in der Landwirtschaft sowie den Ausbau der
Konsumgüterindustrie an. Tunesische Regierungsvertreter brechen in Paris Verhandlungen mit der französischen Regierung über die künftigen politischen Beziehungen ab. Grund ist eine Rede des französischen Außenministers Christian Pineau vom 12. Juli. Pineau hatte den Verbleib französischer Truppen in der ehemaligen Kolonie als unverzichtbar bezeichnet. |
| 19. Juli | Auf der Insel Brioni (Jugoslawien) treffen
der ägyptische Staatspräsident Gamal Abd an Nasser, der jugoslawische
Staatschef Josip Tito und der indische Premier Jawaharlal Nehru zu
politischen Gesprächen zusammen. Die US-Streitkräfte geben in Washington die Verlegung des US-Fernostkommandos von Tokio nach Hawaii bekannt. Damit verlassen die US-Truppen das Territorium des ehemaligen Kriegsgegners Japan. |
| 20. Juli | Der Bundesrat wählt in Bonn den Hamburger
Bürgermeister Kurt Sieveking einstimmig zu seinem Präsidenten für das am 1.
September beginnende Geschäftsjahr. Der australische Ministerpräsident Robert G. Menzies beendet in Bonn seinen viertägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland. |
| 21. Juli | In Bonn billigt der Bundesrat das
Wehrpflichtgesetz mit 21 gegen 17 Stimmen. Gegen das Gesetz stimmen die
Vertreter Bayerns, Bremens, Hessens und Nordrhein-Westfalens, Berlin enthält
sich der Stimme. Aus den Parlamentswahlen in Island gehen die Linksparteien als Sieger hervor. Der neue Ministerpräsident, Hermann Jonasson, bezeichnet den Verbleib seines Landes in der NATO als nötig. Er fordert jedoch den baldigen Abzug der auf Island stationierten US-Streitkräfte. Nach Ansicht führender Vertreter der US-Streitkräfte könnten die Armeen der USA, Großbritanniens und der Bundesrepublik Deutschland deutlich verringert werden. Allein die Vereinigten Staaten könnten Truppen in einem Umfang von rund 800.000 Mann abbauen. Wahrend US-Außenminister John Foster Dulles die Vorschläge begrüßt, warnt Bundeskanzler Konrad Adenauer nachdrücklich vor einer Schwächung der westlichen Verteidigungsfähigkeit. |
| 22. Juli | In Panama-Stadt endet eine zweitägige Konferenz der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS). |
| 23. Juli | In Saarbrücken vereinigen sich die
Deutsche Zentrumspartei und die Christliche Volkspartei des Saargebiets
(CVP) zur Christlichen Volkspartei-Zentrum. Der bisherige CVP-Vorsitzende
und frühere Ministerpräsident des Saarlands, Johannes Hoffmann, tritt aus
gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. Bei Wahlen in den britischen Kolonien Goldküste, Aschanti und Togoland erringt die gemäßigte Volkskonventionspartei die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Die Partei tritt für die baldige Entlassung der Kolonien in die Unabhängigkeit und die Gründung eines Staates Ghana ein. |
| 24. Juli | Die tschechoslowakische Regierung gibt in Prag die Reduzierung ihrer Streitkräfte um weitere 10.000 Mann bekannt. Bereits vor einem Jahr waren die tschechischen Streitkräfte um rund 34.000 Mann verringert worden. |
| 25. Juli | Der Bundesminister für Atomfragen Franz-Josef Strauß gibt
das erste deutsche Programm zur Nutzung der Kernenergie bekannt. In drei
Stufen sollen in den kommenden Jahren Forschungseinrichtungen und
Versuchsreaktoren errichtet werden. Das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht tritt in Kraft. |
| 26. Juli | Ägypten verstaatlicht den Sueskanal und löst damit die Sueskrise aus. |
| 28. Juli |
Bundeskanzler Konrad Adenauer wendet sich vor der Presse scharf gegen die
Äußerung des sowjetischen Ministerpräsidenten Nikolai A. Bulganin, Schlesien
sei "für immer polnisch". Nach Ansicht Adenauers stünden die ehemaligen
deutschen Ostgebiete nur unter vorläufiger polnischer Verwaltung. Eine
endgültige Regelung der Grenzfrage könne nur durch einen Friedensvertrag
getroffen werden. Die Internationale Bank für Wiederaufbau gibt die Gründung der Internationalen Finanzgesellschaft bekannt. Ziel der mit einem Kapital von rund 80 Mio. US-Dollar (336 Mio. DM) ausgestatteten Gesellschaft ist die Förderung von Unternehmensgründungen. |
| 29. Juli |
In Washington billigt der Kongress ein Auslandshilfeprogramm in Höhe von
rund 3,8 Mrd. US-Dollar (16 Mrd. DM). In Kilchberg im Schweizer Kanton Zürich stirbt der deutsche Philosoph und Begründer der ausdruckwissenschaftlichen Graphologie, Ludwig Klages. |
| 30. Juli |
Der ungarische Ministerpräsident Andras Hagedüs tritt vor dem Parlament in
Budapest für die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik
ein. Nach Angaben der Regierung in Wien hat Österreich im Rechnungsjahr 1956 Waren im Werte von rund 120 Mio. DM an die Sowjetunion als Ausgleich für erlittene Kriegsschäden geliefert. |
| 31. Juli |
Das Zentralkomitee der SED kündigt die Aufhebung der
Lebensmittelrationierung sowie die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 48
auf 45 Stunden an. In Monte Carlo (Monaco) wird offiziell bekannt gegeben, dass Fürstin Gracia Patricia ein Kind erwartet. Die Nachricht wird von der Bevölkerung mit Jubel aufgenommen. Nach einem völkerrechtlich bindenden Vertrag fällt das Fürstentum an Frankreich, falls das Geschlecht der Grimaldis keine Nachkommen hat. Die Monegassen müssten höhere Steuern zahlen und unterlägen der Wehrpflicht. |
| 01. August |
In Belgien wird die Führerschein-Pflicht eingeführt. Bisher war in Belgien
keine Fahrerlaubnis nötig. Alle Autobesitzer, die älter als 21 Jahre sind
und bereits Steuern für ein Auto bezahlen, erhalten den neuen Führerschein
ohne Fahrprüfung. Der tschechoslowakische Ministerpräsident Viliam Siroky gibt in Prag bekannt, dass seine Regierung bereit sei, mit der Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen aufzunehmen und über den Abschluss eines Nichtangriffspakts zu verhandeln. Die Bundesregierung lehnt unter dem Hinweis ab, die Tschechoslowakei unterhalte offizielle Beziehungen zur DDR. Zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland tritt ein Abkommen zur Erleichterung des Reiseverkehrs in Kraft. Für Reisen in die Schweiz benötigen Bundesbürger künftig nur noch den Personalausweis. In Moskau gibt die Regierung eine Reihe von drastischen Preissenkungen für Verbrauchs- und Konsumgüter bekannt. Haushaltsartikel, Stoffe, Zigaretten und Fotoapparate sind ab sofort bis zu 30 % billiger. Die ungarische Regierung reduziert die Stärke der Streitkräfte auf 15.000 Mann. |
| 02. August |
Das US-amerikanische Verteidigungsministerium kündigt in Washington weit
reichende Änderungen des Verteidigungskonzepts der USA an. In Manila fordert die Regierung der Philippinen eine Revision des Militärabkommens mit der ehemaligen Kolonialmacht USA. Sie verlangt u. a. die Beteiligung der philippinischen Behörden an der Verwaltung der US-Stützpunkte. |
| 03. August |
Nach Angaben des Senats von West-Berlin sind im Westteil der ehemaligen
Reichshauptstadt zum ersten mal seit 1945 weniger als 100.000 Menschen
arbeitslos. In Washington unterzeichnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower ein Gesetz zur Vereinfachung von Zollverfahren. Durch diese Maßnahme wird der Import von Waren erleichtert. |
| 04. August |
Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes arbeiten bereits rund 3,2
Mio. Arbeitnehmer in der Bundesrepublik weniger als 48 Stunden in der
Woche. Vorreiter sind die 2,4 Mio. Beschäftigten der Metallindustrie.
In Jakarta erklärt die indonesische Regierung, dass sie ab sofort ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber der ehemaligen Kolonialmacht Niederlande nicht mehr nachkommen werde. |
| 05. August |
Helgoland wird nach jahrelangen Räumungsarbeiten für den Tourismus
freigegeben. Die Nordseeinsel war während des Zweiten Weltkrieges von der
deutschen Wehrmacht zu einer Festung ausgebaut worden und diente in der
unmittelbaren Nachkriegszeit der britischen Luftwaffe als Übungsziel. Regierungsvertreter der DDR, der Sowjetunion und Jugoslawiens unterzeichnen in Belgrad ein Abkommen über die Errichtung eines Großkombinats zur Erzeugung von Aluminium in Jugoslawien. Das Werk soll nach seiner für 1957 geplanten Fertigstellung jährlich rund 100.000 t Leichtmetall produzieren. |
| 06. August |
In Bonn erklärt der Leiter des Presse- und Informationsamtes der
Bundesregierung, Felix von Eckardt, auch nach dem Aufbau der Bundeswehr
sollten die US-amerikanischen Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland
in vollem Umfang stationiert bleiben. Die USA gewähren Brasilien einen Kredit in Höhe von 150 Mio. US-Dollar (630 Mio. DM). Mit dem Darlehen soll das ehrgeizige Industrialisierungsprogramm der brasilianischen Regierung unterstützt werden. |
| 07. August | Die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs verständigen sich auf die Aufstellung gemeinsam geführter Streitkräfte zur Beendigung der Suezkrise. |
| 08. August | Der britische Premierminister Anthony Eden hält in London eine Ansprache, in der er die Rücknahme der von Ägypten verfügten Verstaatlichung des Suezkanals verlangt. In der von mehreren Fernseh- und Rundfunkstationen direkt übertragenen Rede schließt Eden eine militärische Intervention Großbritanniens nicht aus. |
| 09. August |
In Ägypten wird auf Befehl von Staatspräsident Gamal Abd an Nasser
angesichts der drohenden militärischen Eskalation der Suezkrise eine
Nationale Befreiungsarmee gebildet. Nach vierwöchiger Dauer endet in New York die 22. Tagung des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen. Die Delegierten verabschieden eine Reihe von Resolutionen. Darin werden u. a. die Hilfe für unterentwickelte Länder, die Einhaltung der Menschenrechte, die Gleichberechtigung der Frau und der verschärfte Kampf gegen den Drogenhandel als vorrangige Aufgaben der kommenden Jahre bezeichnet. |
| 10. August |
In Moskau verhandelt der japanische Außenminister Mamoru Schigemitsu mit dem
sowjetischen Ministerpräsidenten Nikolai A. Bulganin und dem Ersten Sekretär
des ZK der KPdSU, Nikita S. Chruschtschow, über die Rückgabe der gegen Ende
des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee besetzten japanischen
Landesteile. Die UdSSR erklärt sich zwar bereit, die Inseln Shikotan und
Habomais zurückzugeben, weigert sich aber, die südlichen Kurilen-Inseln zu
räumen. Der Bund Arabischer Gewerkschaften droht für den Fall einer militärischen Intervention Frankreichs und Großbritanniens in Ägypten mit der Sprengung des Suezkanals. |
| 11. August | Nach einer Mitteilung des Bundes der Steuerzahler betragen die Einnahmen aus den in den letzten 12 Monaten erhobenen Länder- und Bundessteuern 4 Mrd. DM. Dies ist der höchste Betrag, der seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhoben wurde. |
| 13. August | Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Heinrich Weitz, gibt nach Gesprächen in Prag bekannt, dass die tschechoslowakische Regierung deutschstämmigen Bürgern die Ausreise in die Bundesrepublik zugesagt hat. Von den rund 160.000 Deutschstämmigen, die in der Tschechoslowakei leben, haben 50.000 einen Antrag auf Übersiedlung gestellt. |
| 14. August |
Der deutsche Schriftsteller
Berthold Brecht stirbt in Ost-Berlin. Das 7. Plenum des ZK der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei verabschiedet in Warschau den Fünfjahresplan 1956–1960 und rehabilitiert eine Reihe von Parteimitgliedern, die in den letzten Jahren unter dem Vorwurf von Verfehlungen aus ihren Staats- und Parteiämtern entlassen worden waren. Unter ihnen befindet sich der ehemalige Generalsekretär der Partei, Wladyslaw Gomulka. |
| 15. August | Die für die Unabhängigkeit Zyperns kämpfende Befreiungsorganisation EOKA verkündet eine Waffenpause, um Verhandlungen mit der britischen Regierung aufzunehmen. Der britische Gouverneur auf Zypern erklärt am 22. August, die EOKA müsse sich bedingungslos ergeben. Dafür sichere er den Rebellen freies Geleit nach Griechenland zu. Die EOKA lehnt die britischen Vorschläge ab. |
| 16. August | In den USA nominieren die Demokraten Adlai E. Stevenson zum Präsidentschaftskandidaten. Stevenson war bei den letzten Wahlen 1952 dem Republikaner Dwight D. Eisenhower unterlegen. |
| 17. August | Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) für verfassungswidrig und verfügt ihre Auflösung. Noch am gleichen Tag werden die Parteibüros geschlossen und die Druckereien beschlagnahmt. |
| 18. August | Die Volksrepublik Polen tritt durch die
Hinterlegung der Ratifikationsurkunde bei der Regierung der UdSSR dem
österreichischen Staatsvertrag bei. Der im Mai 1955 in Kraft getretene
Staatsvertrag regelt die staatliche Souveränität Österreichs. Im Gaza-Streifen kommt es zwischen israelischen und ägyptischen Einheiten zu einem Feuergefecht. Die Auseinandersetzungen fordern zwei Todesopfer. |
| 19. August | In Warschau erklärt der Präsident des Zentralrates der polnischen Gewerkschaften, Viktor Klosiewiecz, die Gewerkschaften in Polen müssten von Grund auf erneuert werden und mehr Kompetenzen erhalten. Nur so könne das in den letzten Jahren verlorene Vertrauen der polnischen Arbeiter zurück gewonnen werden. |
| 20. August | Syrien und die Türkei beschließen, ihre Truppen aus dem Grenzgebiet zurückzuziehen. Dadurch sollen gewalttätige Auseinandersetzungen, die zwischen syrischen und türkischen Soldaten in den letzten Monaten wiederholt vorgekommen waren, vermieden werden. |
| 21. August | In Bonn spricht sich Bundeskanzler Konrad Adenauer gegen die
diskutierte atomare Aufrüstung der US-Streitkräfte aus, da Kernwaffen die
"größte Gefahr für die Menschheit" seien. Der Bundesverband der deutschen Luftfahrtindustrie gibt in Düsseldorf den Bau von Flugzeugen für die im Aufbau befindliche Luftwaffe bekannt. |
| 22. August | In Moskau wird Marschall Rodion J. Malinowski zum Oberbefehlshaber der sowjetischen Landstreitkräfte ernannt. Malinowski tritt die Nachfolge von Marschall Iwan S. Konew an, der seit 1955 den Oberbefehl über die Streitkräfte des Warschauer Paktes innehatte. |
| 23. August | Bundesernährungsminister Heinrich Lübke
(CDU) genehmigt in Bonn den verstärkten Import von ausländischer Butter. Der
Deutsche Bauernverband kritisiert die Entscheidung scharf. Er erklärt, die
ausländische Butter entspreche nicht den deutschen Qualitätsansprüchen. So
werde z. B. neuseeländische Butter mit chemischen Zusätzen gefärbt, die im
Verdacht stehen, krebserregend zu sein. In Ost-Berlin erlässt der Ministerrat der DDR eine Verordnung zur Entschädigung von ehemaligen Gesellschaftern enteigneter Unternehmen. Betroffene sollen ihre Entschädigung in Jahresraten von 300 Mark erhalten. Bürger der Bundesrepublik können ihre Ansprüche geltend machen, dürfen jedoch die Entschädigung aufgrund der geltenden Bestimmungen für den Zahlungsverkehr nicht ausführen. In London endet eine internationale Konferenz von Regierungsvertretern aus 22 Staaten zur Beilegung der Suezkrise ohne konkrete Ergebnisse. Der Plan, den Suezkanal zu internationalisieren stößt bei der sowjetischen Delegation auf Ablehnung. Ägyptens Staatschef Nasser bezeichnet eine Internationalisierung des Suezkanals als unannehmbar. Der erste Sekretär der KPdSU, Nikita S. Chruschtschow, erklärt in Moskau die Sowjetunion werde im Falle eines britischen Angriffs auf Ägypten Freiwillige entsenden, die gegen die Aggressoren kämpfen sollen. In San Francisco (US-Bundesstaat Kalifornien) wählt der Nationalkonvent der Republikanischen Partei den amtierenden Präsidenten Dwight D. Eisenhower zum Kandidaten für die am 6. November ausgeschriebenen Wahlen. Zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten wählt der Parteitag Richard M. Nixon. |
| 24. August | Die Bundesanwaltschaft erhebt in Karlsruhe
nach Beendigung der gerichtlichen Voruntersuchung Anklage gegen den
ehemaligen Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Otto John. 1954
war er unter mysteriösen Umständen aus West-Berlin verschwunden. John wird
verdächtigt, für östliche Geheimdienste gearbeitet zu haben. Die Bank deutscher Länder dehnt die Ermächtigung zum Zahlungsverkehr mit dem Ausland auf alle deutschen Kreditinstitute aus. Bislang durften nur zugelassene Außenhandelsbanken den Zahlungsverkehr mit dem Ausland abwickeln. |
| 25. August | Nach dreiwöchiger Unterbrechung nehmen in
Bonn deutsche und französische Regierungsvertreter die Verhandlungen über
den Bau des Moselkanals wieder auf. Die Gespräche waren abgebrochen worden,
da sowohl die Bundesrepublik als auch Frankreich die Oberhoheit über das
Gemeinschaftsprojekt fordern. Im SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" erscheint ein Artikel, der in scharfer Form Positionen des Physikers Robert Havemann (SED) kritisiert. Havemann hatte im Juli einen viel beachteten Aufsatz unter der Überschrift "Meinungsstreit fördert die Wissenschaften" veröffentlicht. In Ost-Berlin teilt die DDR-Regierung mit, dass im Rahmen der Aktion "Frohe Ferientage für alle Kinder" rund 2 Mio. Jugendliche 1956 ihre Sommerferien in staatlichen Ferienlagern verbracht haben. Unter den Teilnehmern befanden sich auch 60.000 Kinder aus der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin. In Bloomington/Indiana stirbt der amerikanische Sexualforscher Charles Kinsey. |
| 26. August | Die Parteizeitung "Neues Deutschland" veröffentlicht in der DDR eine offizielle Stellungnahme des Zentralkomitees der SED zum KPD-Verbot in der Bundesrepublik. Die Adenauer-Regierung habe – so die SED – ein schweres Attentat gegen die Interessen des deutschen Volks begangen. Nun sei das einheitliche Handeln aller deutschen Arbeiterorganisationen, vor allem der SPD und der SED, zwingendes und unaufschiebbares Gebot. |
| 27. August | Nach Angaben des
Bundesverteidigungsministeriums erhält die deutsche Luftwaffe rund 1.000
Flugzeuge aus Beständen der Verbündeten. Die außer Dienst gestellten
Maschinen, darunter 558 US-Düsenjäger vom Typ F-84, werden mit
Flugzeugträgern in die Bundesrepublik gebracht und von deutschen Firmen
überholt. Die isländische Regierung erlässt in Reykjavik einen Lohn- und Preisstopp. Durch diese Maßnahme soll die Inflationsrate, die zur Zeit rund 18 % beträgt, gesenkt werden. In der sizilianischen Stadt Palermo sterben bei einem Kampf rivalisierender Mafia-Familien fünf Menschen. Damit hat sich die Zahl der seit Beginn des Bandenkriegs vor drei Monaten Getöteten auf 53 erhöht. |
| 28. August | Die südvietnamesische Marine besetzt die
im Chinesischen Meer gelegene Spratley-Inselgruppe. Die früher zum
französischen Kolonialreich gehörenden Inseln werden neben Südvietnam auch
von der Volksrepublik China und Nationalchina (Taiwan) beansprucht. In der italienischen Stadt Pralognan nehmen der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Italiens, Pietro Nenni, und der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Giuseppe Saragat, Verhandlungen über den Zusammenschluss der beiden Parteien auf. |
| 29. August | In Ost-Berlin gibt DDR-Außenminister
Lothar Bolz eine Regierungserklärung zur Außenpolitik ab. Darin bezeichnet
Bolz die DDR neben der Bundesrepublik Deutschland als den legitimen
Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs. Vor der Volkskammer in Ost-Berlin, dem Parlament der DDR, fordert Parteichef Walter Ulbricht eine Begrenzung der Streitkräfte in beiden deutschen Staaten. |
| 30. August | Die polnische Regierung gibt in Warschau
die Reduzierung der polnischen Streitkräfte um 50.000 auf nunmehr 300.000
Soldaten bekannt. Über Sibirien unternimmt die Rote Armee einen oberirdischen Kernwaffentest. Es ist bereits der zweite sowjetische Atombombenversuch innerhalb einer Woche. Nach Angaben einer Regierungskommission in Den Haag hat Königin Juliana der Niederlande ihre Beziehungen zu der Wunderheilerin Greet Hofmanns abgebrochen. In der Öffentlichkeit ist es zu heftigen Protesten gekommen, nachdem bekannt geworden war, dass die Königin an Vorträgen der Wunderheilerin teilgenommen hatte. |
| 31. August | Auf einer Tagung des "Ausschusses für
deutsche Einheit" in Ost-Berlin fordern Mitglieder der KPD-Führungsspitze
die Bundesrepublik auf, die Partei unverzüglich wiederzuzulassen. Die
deutsche Wiedervereinigung sei seit dem 17. August, dem Tag des Verbots der
KPD, nicht mehr möglich, da in der Bundesrepublik keine demokratischen
Verhältnisse herrschen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit erreicht die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland mit rund 409.000 Beschäftigungslosen einen neuen Tiefststand. In Rio de Janeiro verfügt die brasilianische Regierung die Freigabe der während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmten deutschen Vermögen. |
| 01. September | Im Ministerialblatt des Bundesministers
für Verteidigung wird ein Beschluss über die Aufnahme ehemaliger Angehöriger
der Waffen-SS in die Bundeswehr veröffentlicht. DDR-Verteidigungsminister Willi Stoph (SED) eröffnet in Naumburg an der Saale die erste Kadettenanstalt zur Ausbildung von Offiziersanwärtern der Nationalen Volksarmee. In Moskau enden nach fünftägiger Dauer Verhandlungen zwischen Regierungsdelegationen Ceylons und der UdSSR. Neben der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen vereinbaren die Gesprächspartner eine intensive wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten. In New York legt der israelische UN-Delegierte Abba Eban beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen die von Ägypten betriebene Nationalisierung des Suezkanals scharfen Protest ein. |
| 05. September | In Frankfurt am Main senkt die Bank deutscher Länder den Diskontsatz von bisher 5,5 % auf 5 %. Diese Maßnahme, die Kredite verbilligt und den Geldumlauf erhöht, stößt bei Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard auf Kritik. Er bezeichnet die Diskontsenkung angesichts der in den letzten Monaten zu beobachtenden konjunkturellen Beruhigung als verfrüht. |
| 06. September | Die Bundesregierung bestreitet in einem in Bonn veröffentlichten Bulletin nachdrücklich die am 29. August von DDR-Außenminister Lothar Bolz (SED) geäußerte Ansicht, die DDR sei ein legitimer Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches. Vielmehr sei der Bundestag die einzige demokratisch gewählte Volksvertretung der Deutschen und habe daher das Recht, das gesamte deutsche Volk zu vertreten. |
| 07. September | In einer Note fordert die Bundesregierung die Sowjetunion zu Verhandlungen über die deutsche Wiedervereinigung auf. Dabei solle auch die Wahrung der sowjetischen Sicherheitsinteressen im Mittelpunkt stehen. |
| 08. September | In Moskau bezeichnet der stellvertretende Außenminister der Sowjetunion, Andrei A. Gromyko, in einer ersten Reaktion auf Noten der Bundesrepublik Deutschland und der Westmächte die UdSSR als "konsequenten Befürworter der nationalen Einheit Deutschlands". Die Aufrüstung der Bundesrepublik mache die Wiedervereinigung jedoch unmöglich. |
| 11. September | DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl beendet einen Staatsbesuch in der ÇSSR. Zum Abschluss der sechstägigen Konsultationen unterzeichnen Grotewohl und sein tschechoslowakischer Amtskollege Viliam Siroky eine Reihe von Wirtschafts- und Kulturabkommen. |
| 12. September | In Rittsteig bei Passau stirbt der deutsche Dichter, Schriftsteller und Arzt Hans Carossa. |
| 13. September | In Bonn teilt das Bundesverteidigungsministerium mit, dass täglich rund 600 Freiwillige in die Bundeswehr aufgenommen werden. Bis zum Jahresende wird die Truppenstärke der im Aufbau befindlichen deutschen Streitkräfte rund 100.000 Mann betragen. |
| 14. September | Im britischen Unterhaus in London wird die Lage auf Zypern erörtert. Dabei äußert die Labour Party massive Kritik an der Regierungspolitik. Sie bezeichnet die Behandlung von Erzbischof Makarios III., der am 9. März von britischen Sicherheitskräften auf die Seychellen deportiert worden war, als skandalös. |
| 15. September | In Bonn trifft Bundeskanzler Konrad
Adenauer (CDU) mit dem FDP-Vorsitzenden Thomas Dehler zu Gesprächen
zusammen. Gerüchte, Adenauer habe dem früheren Koalitionspartner den
Vizekanzlerposten angeboten, werden von der FDP dementiert. Das Gespräch
habe keine Annäherung der politischen Standpunkte gebracht. In Düsseldorf wählt die Industriegewerkschaft Metall den 48-jährigen Otto Brenner mit großer Mehrheit zu ihrem Vorsitzenden. |
| 17. September | In Bonn fasst der Parteivorstand der SPD
eine Entschließung zur Aufnahme von früheren Angehörigen der Waffen-SS in
die Bundeswehr. Die Partei weist darauf hin, dass viele Deutsche gegen ihren
Willen Mitglieder der Waffen-SS waren. Dennoch müsse genauestens geprüft
werden, ob ehemalige Angehörige der Waffen-SS für den Dienst in der Armee
eines demokratischen Staates geeignet seien. Das Königspaar Paul I. und Friederike von Griechenland trifft in Begleitung des griechischen Außenministers Evangelos Averoff-Tositzas in Bonn zu einem Staatsbesuch ein. |
| 19. September | In Bonn gibt die Bundesregierung die
Bereitstellung von rund 800 Mio. DM für den sozialen Wohnungsbau bekannt.
Wohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker weist darauf hin, dass 1956 mit
mehr als 550.000 fertig gestellten Wohnungen alle bisherigen Rekorde im
sozialen Wohnungsbau gebrochen werden. Der Verband deutscher Kriegsopfer ruft in Bad Godesberg zu einer friedlichen Lösung des Suezkanal-Konflikts auf. Die Tatsache, dass seit Ende des Zweiten Weltkriegs noch mehr als 4,4 Mio. Deutsche vermisst würden, sei eine deutliche Mahnung zum Frieden. Der griechische König Paul II. und die Königin Friederike besuchen Düsseldorf. |
| 20. September | Der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Willy Brandt, gibt im Schöneberger Rathaus das Eintreffen des einmillionsten Flüchtlings aus der DDR im Notaufnahmelager Marienfelde (Tempelhof) bekannt. |
| 21. September | Der Magistrat der Stadt Berlin beschließt,
das
Brandenburger Tor wieder aufzubauen. Der Dichter Rigoberto López Pérez verübt in León, Nicaragua, ein Attentat auf den Präsidenten Anastasio Somoza García. |
| 23. September | Die Bank deutscher Länder gibt in
Frankfurt am Main bekannt, dass deutsche Geldinstitute künftig an Reisende
Devisen und DM-Reiseschecks in unbegrenzter Höhe abgeben dürfen. Beträge
über 1.500 DM müssen nicht mehr wie bisher in die Reisepapiere eingetragen
werden. In Frankfurt an der Oder trifft die erste Gruppe zurückkehrender deutscher Wissenschaftler und Techniker ein, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der sowjetischen Besatzungsmacht zur Arbeit in der UdSSR verpflichtet bzw. angeworben worden waren. |
| 24. September | Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft in
der belgischen Hauptstadt Brüssel zu einem zweitägigen Staatsbesuch ein. Zum
Abschluss des Besuchs wird ein Vertrag über die Berichtigung der
deutsch-belgischen Grenze unterzeichnet. Danach fallen die 1945 von den
alliierten Besatzungsmächten unter belgische Verwaltung gestellten Dörfer
Losheim und Bildchen an die Bundesrepublik. Bundespräsident Theodor Heuss bestimmt ein schwarzes Kreuz (Eisernes Kreuz) mit weißer Umrandung als Erkennungszeichen für die Luft- und Kampffahrzeuge der Bundeswehr. Die Bundesregierung verabschiedet einen Gesetzentwurf über die Schaffung einer Deutschen Bundesbank. |
| 25. September | Bundeswohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker von der Freien Volkspartei (FVP) und Bundesjustizminister Hans-Joachim von Merkatz von der Deutschen Partei (DP) geben vor der Presse die Bildung einer "Arbeits- und Aktionsgemeinschaft" der beiden Parteien bekannt. Auf eine Fusion von FVP und DP wolle man jedoch verzichten. |
| 26. September | Das Bundesministerium für Wirtschaft erlässt eine allgemeine Genehmigung für deutsche Investitionen im Ausland bis zu einer Höhe von 3 Mio. DM pro Objekt. |
| 27. September | Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn
einen Gesetzentwurf, der die Dauer des Grundwehrdienstes auf 12 Monate
festlegt. Ursprünglich hatte die CDU/CSU für einen 18monatigen Dienst
plädiert, konnte ihren Vorschlag im Bundestag jedoch nicht durchsetzen. Der Landesvorstand der FDP erklärt in Bonn, die Freien Demokraten seien zur Zeit nicht bereit, auf Bundesebene eine Koalition mit der CDU oder der SPD einzugehen. In den Bundestagswahlkampf 1957 werde die Partei ohne eine Koalitionsaussage ziehen. |
| 28. September | Das Presseamt der DDR-Regierung sichert in
Ost-Berlin jedem rückkehrwilligen Flüchtling Straffreiheit zu. In Washington stirbt der amerikanische Flugzeug-Konstrukteur und Gründer der Firma Boeing, William Edward Boeing. |
| 29. September | In Bonn trifft der französische
Ministerpräsident Guy Mollet mit Bundeskanzler Konrad Adenauer zusammen. In
den Gesprächen erzielen die beiden Regierungschefs u. a. eine Einigung über
Währungsfragen im Saarland und die Finanzierung des Moselkanals. Anastasio Somoza García, Präsident des mittelamerikanischen Staates Nicaragua, stirbt an den Folgen des auf ihn am 21. September verübten Attentats. |
| 01. Oktober | Die IG Metall erreicht die Durchsetzung der
45-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Gehaltsausgleich. In Berlin wird der frühere Großadmiral Karl Dönitz nach zehnjähriger Haft aus dem Kriegsverbrechergefängnis Spandau entlassen. |
| 02. Oktober | Die Regierung des Saarlands billigt
einstimmig die zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen
Ministerpräsidenten Guy Mollet getroffenen Vereinbarungen zur Eingliederung
des Saarlands in die Bundesrepublik Deutschland. Die ungarische Regierung überträgt die Kontrolle über die Gefängnisse vom Innenministerium auf das Justizministerium. |
| 04. Oktober | Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" kritisiert die zwischen der Bundesrepublik und Frankreich ausgehandelten Saarverträge. Die vereinbarte Eingliederung des Saarlands sei unrechtmäßig, da die Saar "zu ganz Deutschland" gehöre. Die DDR sei jedoch nicht konsultiert worden. |
| 05. Oktober | Die Bundesregierung beschließt die
Einberufung der ersten 40.000 Wehrpflichtigen des Jahrgangs 1937 zum 1.
April 1957. In Bad Neuenahr schlägt der Vizepräsident des deutschen Bundestags, Carlo Schmid (SPD), die Aufnahme von Verhandlungen mit Polen über die Oder-Neiße-Grenze vor. Die FDP-Politiker Erich Mende, Wolfgang Döring und Walter Scheel führen in Weimar (DDR) Gespräche mit der Führungsspitze der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD). Der Oberste Gerichtshof Ungarns spricht den evangelischen Bischof Lajos Ordass frei, der 1948 unrechtmäßig verurteilt wurde. |
| 06. Oktober | Vor Beginn des außerordentlichen
Parteitages der Freien Volkspartei (FVP) in Kassel geben die von der FVP in
der Bundesregierung gestellten vier Minister ihren Rücktritt bekannt. Franz
Blücher, Fritz Neumayer, Victor-Emanuel Preusker und Hermann Schäfer
begründen ihren Schritt mit der Unzulänglichkeit der jetzigen Regierung. Im
Kabinett gäbe es noch immer zu viele "schwache Punkte". Bundeskanzler
Adenauer lehnt die Rücktrittsgesuche ab. In Hamburg wählen die Teilnehmer des DGB-Bundeskongresses Willi Richter zum Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes. Richter tritt die Nachfolge von Walter Freitag an, der aus gesundheitlichen Gründen auf eine Kandidatur verzichtet hatte. Ehemalige Angehörige des deutschen Afrikakorps veranstalten in Düsseldorf ein Veteranentreffen. Ehrengast der Veranstaltung ist die Witwe des früheren Generalfeldmarschalls Erwin Rommel. Feierliche Umbettung von László Rajk, György Pálffy, Tibor Szõnyi und András Szalai auf dem Budapester Kerepesi út Friedhof, mit der die 7 Jahre vorher hingerichteten Kommunisten öffentlich rehabilitiert werden. 60.000 Menschen, unter ihnen Imre Nagy, nehmen an dem Begräbnis teil. |
| 07. Oktober | In Bonn findet eine Kundgebung des Bundes
vertriebener Deutscher statt. Die rund 40.000 Teilnehmer protestieren gegen
Versuche deutscher Politiker, die Wiedervereinigung mit dem Verlust der
Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Grenze zu "erkaufen". In Prag wird das Kultur- und Informationszentrum der DDR eröffnet. Papst Innozenz XI. wird selig gesprochen. |
| 08. Oktober | Der liberianische Staatspräsident William
Tubman trifft in Bonn zu einem fünftägigen Staatsbesuch ein. Im Mittelpunkt
der Gespräche mit Bundeskanzler Adenauer und Wirtschaftsminister Ludwig
Erhard stehen Fragen der Entwicklungshilfe für das westafrikanische Land. Der frühere stellvertretende Ministerpräsident der DDR und Vorsitzende der LDPD, Hermann Kastner, flüchtet über die bayerische Grenze in die Bundesrepublik und bittet um politisches Asyl. In Ost-Berlin unterzeichnen Regierungsvertreter der DDR und Indiens ein auf drei Jahre befristetes Handelsabkommen. Die DDR wird vor allem Maschinen, feinmechanische und optische Geräte und chemische Erzeugnisse nach Indien liefern und erhält dafür Rohstoffe, Lebensmittel und Tabak. |
| 10. Oktober | Finnland wird Mitglied in der UNESCO. |
| 11. Oktober | Durch einen Beschluss des Bundestages darf das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ab 2. Januar 1958 das Verkehrszentralregister führen. |
| 13. Oktober | Die sowjetische Regierung bestellt Andrei A. Smirnow zum Botschafter der UdSSR in der Bundesrepublik Deutschland. Smirnow tritt die Nachfolge von Valerian A. Sorin an. |
| 16. Oktober |
Franz-Josef Strauß
löst Theodor Blank ab und wird
Verteidigungsminister. Die Tarifparteien der chemischen Industrie einigen sich in Frankfurt am Main auf die Einführung der 45-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. |
| 17. Oktober | Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt vor der Bundestagsfraktion der CDU, dass die Bundesrepublik die vom bisherigen Verteidigungsminister Theodor Blank gegebenen Terminzusagen über den Aufbau der Bundeswehr nicht einhalten könne. Eine der ersten Aufgaben des neuen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß sei es, den NATO-Verbündeten diese bedauerliche Feststellung mitzuteilen. |
| 18. Oktober | Regierungsvertreter der Bundesrepublik
Deutschland und Rumäniens nehmen in Bukarest erste Gespräche über die
Ausreise von rund 8.500 Deutschstämmigen auf, die in die Bundesrepublik
Deutschland übersiedeln wollen. Der deutsche Mediziner Werner Forßmann erhält den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. |
| 19. Oktober | In Stockholm spricht das Karolinen-Institut den Nobelpreis für Physiologie und Medizin dem US-Amerikaner André Frédéric Cournand, seinem Landsmann Dickinson W. Richards jr., sowie dem Deutschen Werner Forßmann zu gleichen Teilen zu. |
| 20. Oktober | Bis zum 21. Oktober berät die Außenministerkonferenz der Staaten der Montanunion über die "EURATOM" (Europäische Atomgemeinschaft) und einen Gemeinsamen europäischen Markt. |
| 21. Oktober | Wladislaw Gomulka wird zum Parteichef der KP Polen wiedergewählt. |
| 22. Oktober | In Mainz wird
das tausendste gepanzerte
Fahrzeug aus Beständen der US-Armee an die Bundeswehr übergeben. Das Innenministerium der DDR lässt die in Ost-Berlin erscheinende "BZ am Abend" beschlagnahmen. In dem Blatt sind Auszüge aus einer Rede des neu gewählten Parteichefs der polnischen KP, Wladyslaw Gomulka, abgedruckt, in denen dieser Kritik an stalinistischen Herrschaftsmethoden in Osteuropa übt. |
| 23. Oktober | In Ungarn beginnt der bewaffnete Volksaufstand gegen das stalinistische Regime. |
| 24. Oktober | In Bonn beendet der österreichische
Bundeskanzler Julius Raab einen zweitägigen Staatsbesuch in der
Bundesrepublik. Bundeskanzler Konrad Adenauer bezeichnet in einer Tischrede
die Beziehungen zwischen Österreich und der Bundesrepublik als herzlich und
gutnachbarlich. In den frühen Morgenstunden erreichen die ersten sowjetischen Truppen Budapest. Ab 4:00 Uhr besetzen sie strategisch wichtige Punkte in der ungarischen Hauptstadt, stoßen jedoch auf den Widerstand der Bevölkerung. |
| 25. Oktober | Vom Amtsgericht Berchtesgaden wird Adolf Hitler amtlich für tot erklärt. |
| 26. Oktober | In London
stirbt der deutsche Pianist
Walter Gieseking. Auf Initiative von US-Präsident Dwight D. Eisenhower wird die Internationale Atomenergie Organisation (IAEA) mit Sitz in Wien gegründet. Österreich öffnet seine Grenzen und gewährte allen Flüchtlingen des Ungarnaufstandes Asyl. |
| 27. Oktober | Vertrag zwischen der Bundesrepublik und Frankreich zur Regelung der Saarfrage. Im "Luxemburger Vertrag" wird die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland geregelt. Die offizielle politische Eingliederung wird für den 1. Januar 1957 und die wirtschaftliche Eingliederung für den 1. Januar 1960 festgelegt. |
| 28. Oktober | Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen,
Nordrhein-Westfalen und Hessen muss die CDU starke Verluste hinnehmen, die
SPD kann erhebliche Stimmengewinne erzielen. Die "Schule der Bundeswehr für Innere Führung" wird in Köln offiziell eröffnet. Die neue ungarische Regierung unter Imre Nagy wird durch den Präsidenten des Präsidialrats der Ungarischen Volksrepublik vereidigt. Über den Rundfunk ordnet Nagy eine allgemeine Waffenruhe an. |
| 29. Oktober | Israelische Streitkräfte greifen Ägypten an und besetzen
innerhalb kürzester Zeit die gesamte Sinai-Halbinsel. Sie reagieren damit
auf die ägyptische Verstaatlichung des Suezkanals, der bisher in
französischem und britischem Besitz war. Auf Druck der USA und der UdSSR
wird der Konflikt im November beigelegt. Tanger, das seit 1923 einen internationalen Status hat, wird wieder an das seit März unabhängige Marokko angegliedert. |
| 30. Oktober | Der von den ungarischen Aufständischen als Ministerpräsident
eingesetzte Reformkommunist
Imre Nagy verkündet die Abschaffung des Einparteien-Systems und am 1.
November
den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt sowie die Neutralität des
Landes. In Madrid stirbt der spanische Schriftsteller und Vertreter der Generación del 98, Pío Baroja. |
| 31. Oktober | Im Zuge der
Sueskrise
starten Großbritannien und Frankreich eine Luftoffensive gegen Ägypten. Das Unterhaus in London billigt mit 270 gegen 218 Stimmen das britisch-französische Vorgehen gegen Ägypten. Der seit 1949 internierte Kardinal József Mindszenty kehrt in die ungarische Hauptstadt Budapest zurück. |
| 01. November | In Lüneburg beschlagnahmt die Polizei eine
größere Anzahl illegal gedruckter Zeitungen der verbotenen KPD. Nach dem
Verbot der Partei durch das Bundesverfassungsgericht am 14. August mussten
alle kommunistischen Presseorgane ihr Erscheinen einstellen. In Genf veröffentlicht die UNESCO das statistische Jahrbuch 1956. Danach hat das Saargebiet mit 283 Einwohnern pro km² nach Großbritannien (289) die größte Bevölkerungsdichte der Welt. In der Bundesrepublik Deutschland leben 205 Menschen auf einem km². Ungarn erklärt seinen Austritt aus dem Warschauer Pakt. |
| 02. November | Die UN-Generalversammlung nimmt eine
Resolution an, die Großbritannien, Frankreich und Israel im Rahmen der
Sueskrise
zum sofortigen Truppenrückzug aus Ägypten auffordert. In London stirbt der deutsche Rabbiner und bekannter Vertreter des deutschen liberalen Judentums, Leo Baeck. |
| 03. November | In Frankfurt am Main demonstrieren mehrere
hundert Studenten gegen die Bombenangriffe Frankreichs und Großbritanniens
auf ägyptische Städte. In einer Radioansprache unterstützt der Erzbischof von Esztergom, József Kardinal Mindszenty, die neue Regierung unter Imre Nagy. |
| 04. November | Zur Niederschlagung des
Volksaufstandes marschieren sowjetische Panzereinheiten in die ungarische
Hauptstadt Budapest ein. Der Volksaufstand dauert bis zum 15. November an. Der Erzbischof von Esztergom, József Kardinal Mindszenty, erhält vor den anrückenden Truppen der Sowjetunion Asyl in der amerikanischen Botschaft in Budapest. |
| 05. November | In München erzielen Regierungsvertreter
der Bundesrepublik Deutschland und Österreichs eine grundsätzliche Einigung
über die Behandlung von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Bürgern
der beiden Staaten. In mehreren deutschen Städten finden Massendemonstrationen statt, auf denen die Sowjetunion aufgefordert wird, Ungarn die Selbstbestimmung zu gewähren. In West-Berlin ziehen aufgebrachte Jugendliche zum Brandenburger Tor und bewerfen Volkspolizisten mit Steinen. In Los Angeles stirbt Art Tatum, einer der bedeutendsten amerikanischen Klaviervirtuosen und Erneuerer des Jazz. |
| 06. November | Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft in
Paris zu Gesprächen mit der französischen Staatsführung über die
Angliederung des Saarlandes ein. Angesichts der Ereignisse in Ägypten und
Ungarn wird der als mehrtägiger Staatsbesuch geplante Aufenthalt Adenauers
auf einen Tag begrenzt. Im Rahmen der Sueskrise landen mehrere Kommandos der Royal Marines mit amphibischen Fahrzeugen und Feuerunterstützung von Schlachtschiffen an den Stränden Ägyptens und beginnen mit der Invasion des Landes. Port Said wird durch verheerende Brände fast vollständig zerstört. Der republikanische Amtsinhaber Dwight D. Eisenhower besiegt bei den US-Präsidentschaftswahlen den demokratischen Herausforderer Adlai E. Stevenson II. zum zweiten Mal überlegen. |
| 07. November | Der neu ernannte Bundesminister für
Verteidigung, Franz Josef Strauß, erläutert vor der Presse in Bonn seine
Pläne für den Aufbau der Bundeswehr. Er kündigt an, im Gegensatz zu seinem
Amtsvorgänger Theodor Blank nach dem Grundsatz "Qualität geht vor Quantität"
verfahren zu wollen. Im Mittelpunkt seiner Bemühungen stehe die Aufstellung
komplett verwendbarer taktischer Verbände. Durch Versenken mehrerer Schiffe blockiert Ägypten den Suezkanal. Marokko wird Mitglied in der UNESCO. |
| 08. November | In einer Sondersitzung des Bundestags gibt
Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Regierungserklärung zur Lage in Ungarn,
im Nahen Osten und Polen ab. Adenauer äußert darin u. a. Bewunderung für den
Freiheitskampf des ungarischen Volkes und ruft zu einer friedlichen Lösung
der Suezkrise auf. Tunesien wird Mitglied in der UNESCO. |
| 09. November | Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn das Ladenschlussgesetz. Ab dem 1. Januar 1957 müssen die Geschäfte samstags um 16 Uhr schließen. Montags dürfen sie erst um 10 Uhr wieder geöffnet werden. |
| 10. November | In Bonn teilt das Statistische Bundesamt in einer offiziellen Erklärung mit, dass während des Zweiten Weltkriegs etwa 6,56 Mio. Deutsche ums Leben gekommen seien. 3,76 Mio. Wehrmachtssoldaten seien an der Front umgekommen und 500.000 Zivilisten durch alliierte Luftangriffe getötet worden. Die Zahl der bei Flucht und Vertreibung aus den Ostgebieten Getöteten beträgt 1,3 Mio., die der außerhalb der Reichsgrenzen getöteten Deutschen 1 Mio. |
| 12. November | Tunesien, Marokko und Sudan werden Mitglieder der Vereinten Nationen. |
| 13. November | Der Oberste Gerichtshof der USA erklärt Gesetze, mit denen
eine Rassentrennung in öffentlichen Nahverkehrsmitteln angeordnet wurde, für
verfassungswidrig. Der deutsche Motorradrennfahrer und dreifacher Motorrad-Weltmeister Werner Haas stirbt bei einem Flugzeugabsturz. |
| 14. November | Bundespräsident Theodor Heuss ernennt in
Bonn Ernst Lemmer zum Minister für das Post- und Fernmeldewesen. Der
Landesvorsitzende der Berliner CDU tritt die Nachfolge des jetzigen
Atomministers Siegfried Balke an. Die französischen Besatzungstruppen ziehen aus Koblenz ab. Die DDR stellt Ungarn eine Warenhilfe von 22 Mio. zu Verfügung, um die Folgen des Aufstands zu überwinden. |
| 15. November | Die französische Regierung sagt die
Rückgabe der Röchlingischen Eisen- und Stahlwerke in Völklingen (Saarland)
an die früheren Besitzer zu. Die französische Besatzungsmacht hatte das Werk
1945 beschlagnahmt. Da sie auf eine Demontage verzichtet hatte, müssen die
Besitzer nun 36 Mio. DM als Ausgleich an Frankreich zahlen. In Ost-Berlin beschließt der Ministerrat der DDR die Höhe der Weihnachtsgratifikationen für die Beschäftigten in der Verwaltung und den "Volkseigenen Betrieben". Verheiratete erhalten 35 Mark, Ledige 25 Mark und Lehrlinge 10 Mark. Sowjetischen Truppen gelingt es endlich, die seit dem 4. November andauernden Kämpfe aufständischer Ungarn niederzuschlagen. |
| 17. November | Zahlreiche Staaten, unter ihnen die USA, Schweden, die Niederlande und Australien, verpflichten sich, Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen. Die Bundesrepublik wird 3.000 Ungarn Asyl gewähren. |
| 18. November | Die bundesdeutschen Arbeitgeberverbände
der chemischen und der Textilindustrie einigen sich mit den Gewerkschaften
auf eine Arbeitszeitverkürzung von bisher 48 auf 45 Stunden in der Woche.
Zusätzlich sind für 1957 Lohnerhöhungen von rund 9 % vorgesehen. In Ost-Berlin unterzeichnen Regierungsvertreter der Bundesrepublik Deutschland und der DDR ein Abkommen, das für 1957 einen Warenaustausch im Wert von insgesamt 1 Mrd. Verrechnungseinheiten vorsieht. |
| 20. November | Der
Deutsche Presserat,
die freiwillige Instanz der publizistischen Selbstkontrolle, wird in Bonn gegründet. Die Bundesrepublik Deutschland und Chile schließen ein Kulturabkommen. |
| 21. November | Der Schwede Per Jacobsson wird Direktor des IWF (Internationaler Währungsfond). |
| 25. November | In Paris wählt die Versammlung der
Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) den Deutschen
Hans Furler zu ihrem Präsidenten. Der Christdemokrat tritt die Nachfolge des
Italieners Giuseppe Pella an. In der Nacht verlassen 82 Kämpfer der kubanischen Bewegung des 26. Juli unter Führung von Fidel Castro an Bord der Yacht Granma den Hafen von Tuxpan (Mexiko) mit Ziel Kuba, um das Batista-Regime zu stürzen. |
| 26. November | In Bonn gibt das Ministerium für
gesamtdeutsche Fragen bekannt, dass künftig jeder Besucher aus der DDR einen
Reisezuschuss von 10 DM erhält. Der Bund übernimmt ab sofort auch die
Kosten, die im Fall einer Krankheit des Besuchers aus der DDR entstehen. In Greenwich, Connecticut, stirbt der amerikanische Jazz-Musiker Tommy Dorsey. |
| 27. November | Vor der Presse in Bonn tritt Wirtschaftsminister Ludwig Erhard Gerüchten entgegen, wonach wegen der Blockade des Suezkanals auch in der Bundesrepublik das Benzin rationiert werden müsse. |
| 28. November | In Bonn veröffentlicht die Bundesregierung
eine Entschließung, in der Berlin zur Hauptstadt eines wiedervereinigten
Deutschlands erklärt wird. Rund 300 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland nehmen in Stuttgart an einem Kongress teil, in dessen Mittelpunkt die Raumfahrt steht. Forscher aus den Vereinigten Staaten teilen mit, dass US-Präsident Dwight D. Eisenhower persönlich den Bau eines Satelliten angeordnet hat. Der künstliche Himmelskörper soll spätestens im Jahr 1958 in eine erdnahe Umlaufbahn geschickt werden. |
| 29. November | In Ost-Berlin wird der Herausgeber der Deutschen Zeitschrift für Philosophie, das SED-Mitglied Wolfgang Harich, vom Staatssicherheitsdienst der DDR wegen "Bildung einer konspirativen Gruppe" verhaftet. Harich hatte öffentlich die Kulturpolitik der SED kritisiert. |
| 30. November | Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn ein Änderungsgesetz zur Einkommensteuer. Künftig dürfen vom zu versteuernden Einkommen jährlich 50 %, von Sparguthaben bis zu 6.000 DM abgesetzt werden. Dadurch soll das Sparen in der Bevölkerung gefördert werden. |
| 01. Dezember | Bei einem Treffen mit Vertretern der deutschen Wirtschaftsverbände lehnt Wirtschaftsminister Ludwig Erhard eine bundesdeutsche "Rüstungsautarkie" ab. Die Bundesregierung verfolge auch beim Aufbau der Bundeswehr den Grundsatz der internationalen Arbeitsteilung. |
| 02. Dezember | In Saarbrücken fordern die saarländischen
Sozialdemokraten angesichts der für das Jahr 1957 vorgesehenen Angliederung
des Saarlands an die Bundesrepublik Deutschland die Auflösung des Landtags
und die Ausschreibung von Neuwahlen. Fidel Castro erreicht bei Playa Las Coloradas mit seinen Kämpfern Kuba. |
| 05. Dezember | Der Bundestag beschließt in Bonn gegen die
Stimmen der SPD und einiger FDP-Abgeordneter die Einführung der
zwölfmonatigen Wehrpflicht. Papst Pius XII. ernennt im Einvernehmen mit der polnischen Regierung vier Generalvikare für die früheren deutschen Ostgebiete. Der Vatikan weist nach deutschen Protesten darauf hin, dass damit der Heilige Stuhl die Oder-Neiße-Grenze nicht zwangsläufig anerkennt. Es handele sich um eine rein administrative Maßnahme. Der Präsident der Volkskammer der DDR, Johannes Dieckmann (LDPD), fordert in Ost-Berlin die Bundesregierung auf, "politische Gefangene" in der Bundesrepublik unverzüglich freizulassen. Dieckmann bezeichnet die Inhaftierung von Mitgliedern der KPD als unerträglich. An der Grenzkontrollstelle Berlin-Babelsberg werden US-amerikanische Transporte von sowjetischen Soldaten festgehalten. Es ist der erste Zwischenfall dieser Art seit Ende der Berliner Blockade im Jahre 1949. |
| 06. Dezember | In Ost-Berlin beschließt der Ministerrat der DDR, mit Wirkung vom 1. Januar 1957 in sechs Maschinenbau-Kombinaten die 45-Stunden-Woche einzuführen. |
| 07. Dezember | Vor der Presse in Bonn sagt Bundeskanzler
Konrad Adenauer, er sei trotz der Ereignisse in Ungarn bereit, die
diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion zu vertiefen. Der Zeitpunkt zur
Einberufung einer Viermächtekonferenz zur Behandlung der deutschen Frage sei
jedoch nicht günstig. Die Tarifpartner der Textilindustrie beschließen in Frankfurt am Main die Einführung der 45-Stunden-Woche zum 1. April 1957. Bis zum 8. Dezember findet in Berlin der II. Kongress der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse statt. |
| 08. Dezember | Nach zweitägiger Dauer endet in Ost-Berlin eine von der SED einberufene Arbeiterkonferenz. Auf der Tagung gesteht SED-Parteichef Walter Ulbricht die mangelhafte Verwirklichung von Arbeiterrechten und die bürokratische Missachtung von Verbesserungsvorschlägen ein. Ulbricht gibt bekannt, dass künftig sog. Arbeiterkomitees "Beschlussrecht im Rahmen der betrieblichen Zuständigkeit" erhalten. |
| 09. Dezember | Im Zentralorgan der Polnischen Arbeiterpartei, "Trybuna Ludu", erscheint ein Artikel, in dem eine Verbesserung des deutsch-polnischen Verhältnisses und der Abschluss eines Vertrages zum Gewaltverzicht für möglich gehalten wird. |
| 10. Dezember | Der italienische Staatspräsident Giovanni
Gronchi beendet in Bonn nach viertägiger Dauer einen Staatsbesuch in der
Bundesrepublik Deutschland. Im Rahmen des Staatsbesuchs wurden eine Reihe
von Handels- und Kulturabkommen geschlossen. Nach seiner Rückkehr von einer Asienreise spricht sich der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer in Bonn für den Austritt aus der NATO im Fall der Wiedervereinigung aus. In Stockholm werden die Nobelpreise verliehen. Der Chirurg Werner Forßmann erhält zusammen mit Dickinson W. Richards und André Frédéric Cournand den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für Eingriffe am menschlichen Herzen. Der Friedensnobelpreis wird nicht vergeben. |
| 12. Dezember | In Bonn beschließt die Bundesregierung,
dem Saarland eine Finanzhilfe in Höhe von 350 Mio. DM zu gewähren. In Paris nimmt die französische Nationalversammlung die mit der Bundesregierung getroffenen Vereinbarungen über die Eingliederung des Saarlands in die Bundesrepublik Deutschland an. Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" veröffentlicht einen Aufruf des Ersten Sekretärs des ZK der SED, Walter Ulbricht, in dem die Wahrung der "studentischen Disziplin" gefordert wird. Japan tritt den Vereinten Nationen bei. |
| 13. Dezember | Der saarländische Landtag nimmt in Saarbrücken gemäß den zwischen Frankreich und der Bundesrepublik getroffenen Vereinbarungen die Erklärung zum Beitritt des Saarlands zur Bundesrepublik an. |
| 14. Dezember | Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Wehrbeschwerdeordnung. |
| 18. Dezember | Japan wird Mitglied bei den Vereinten Nationen. |
| 19. Dezember | In Bad Godesberg unterzeichnen Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen und des Vatikan einen Vertrag über die Errichtung eines Bistums Essen. In dem Gebiet, das aus Teilen der Bistümer Köln, Münster und Paderborn gebildet wird, leben rund 1,3 Mio. Katholiken. |
| 21. Dezember | Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß gibt in Bonn bekannt, die Bundeswehr werde nun doch mit geschlossenen "Knobelbechern" ausgerüstet. Die in den vergangenen Monaten erprobten Schnürstiefel der US-Streitkräfte seien mangelhaft verarbeitet und hätten bei schlechter Witterung "völlig versagt". |
| 22. Dezember | Der ehemalige Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz, Otto John, wird in Karlsruhe wegen Landesverrats zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. |
| 24. Dezember | Die rund 250.000 in Europa stationierten US-Soldaten stellen Waisenkindern Weihnachtsgeschenke zur Verfügung. Etwa 75.000 aus Spenden finanzierte Pakete mit Spielzeug, Süßigkeiten und Bekleidung werden im Rahmen der Operation "Santa Claus" in der Bundesrepublik, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden verteilt. |
| 25. Dezember | Bundeskanzler Konrad Adenauer fordert in
seiner vom Rundfunk verbreiteten Weihnachtsansprache die Deutschen zur
inneren Einkehr und Besinnlichkeit auf. Der Kanzler sagt u. a.: "Nur der
führt ein bewusstes Leben, der sich seiner selbst bewusst wird." In Herisau (Kanton Appenzell) stirbt der schweizerische Schriftsteller Robert Walser. |
| 27. Dezember | Auf dem Flughafen Düsseldorf treffen sich Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer und der indische Ministerpräsident Pandit Nehru. |
| 28. Dezember | Die Bundesregierung gibt in Bonn bekannt, dass nach ihrer Einschätzung in der DDR rund 11.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert sind. |
| 31. Dezember | Südafrika tritt aus der UNESCO aus. |
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