Geschichte/Politik

Wahlplakate der Jahre 1953 und 1957

Nobelpreisträger

1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959

1956

01. Januar In Friedrichshafen stirbt der Luftschiff-Konstrukteur Ludwig Dürr.
Bundespräsident der Schweiz wird Markus Feldmann.
Durch einen Brand wird in Ottawa, Kanada, das Gebäude der Sowjetischen Botschaft total zerstört.
In der DDR wird der freie Verkauf von Kirchenzeitungen verboten.
Der Sudan erlangt seine Unabhängigkeit von Großbritannien und Ägypten.
02. Januar In Wilhelmshaven, Nörvenich und Andernach werden die ersten 1.000 freiwilligen Bundeswehr-Soldaten einberufen.
03. Januar Der deutsche Politiker und ehemalige Reichskanzler der Weimarer Republik, Joseph Wirth, stirbt in Freiburg im Breisgau.
05. Januar Die ersten italienischen Gastarbeiter treffen in Siersdorf am Niederrhein ein.
Bundeskanzler Konrad Adenauer feiert seinen 80. Geburtstag.
Als erster Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Österreich überreicht Carl-Hermann Mueller-Graef in Wien dem österreichischen Bundespräsidenten Theodor Körner sein Beglaubigungsschreiben.
Das bischöfliche Palais in Mailand wird durch einen Bombenanschlag schwer beschädigt.
07. Januar Als erster Botschafter der Sowjetunion in der Bundesrepublik Deutschland überreicht Valerian A. Sorin Bundespräsident Theodor Heuss in Bonn sein Beglaubigungsschreiben.
Die britischen Kolonialtruppen in Kenia beginnen eine Offensive gegen die Mau-Mau-Untergrundorganisation, die für die staatliche Unabhängigkeit des ostafrikanischen Landes kämpft.
12. Januar Der deutsche Bundestag beschließt die Senkung der Zündwarensteuer zum 1. April 1956. Eine Schachtel Streichhölzer wird nur noch 5 statt bisher 10 Pfennig kosten.
13. Januar In New York stirbt der Maler und Graphiker Lyonel Feininger.
14. Januar Im hessischen Herleshausen treffen die letzten deutschen Kriegsgefangenen ein, die in der UdSSR wegen Kriegsverbrechen verurteilt und nicht amnestiert worden waren.
15. Januar Das österreichische Finanzministerium gibt in Wien die Freigabe bisher gesperrter deutscher Guthaben bis zu einer Höhe von 500 Schilling bekannt. In Ausnahmefällen können Deutsche bis zu 5.000 Schilling von ihren Konten in Österreich abheben.
In Ost-Berlin endet ein dreitägiger Schriftstellerkongress der DDR. In seiner Abschlussrede fordert der Erste Sekretär des ZK der SED, Walter Ulbricht, die Ausrichtung der DDR-Literatur am Stil des "sozialistischen Realismus".
16. Januar Der Rat der Westeuropäischen Union gibt in Paris die Einrichtung eines Schiedsgerichts bekannt, das Streitigkeiten zwischen Franzosen und Deutschen im Saargebiet regeln soll.
18. Januar Nach mehrmonatiger Fahndung nimmt die Kriminalpolizei in Essen eine 14köpfige Kinderbande fest, die über 80 Einbrüche in Lebensmittel- und Sportgeschäften begangen hat. Die Bandenmitglieder sind zwischen 9 und 14 Jahre alt. Wegen ihres Alters wird kein Verfahren gegen sie eröffnet. Für die Schäden müssen die Eltern aufkommen.
Die Volkskammer der DDR beschließt die Schaffung der Nationalen Volksarmee (NVA) und des "Ministeriums für Nationale Verteidigung".  Erster Verteidigungsminister der DDR wird Willi Stoph.
19. Januar Aufgrund einer Verordnung des DDR-Innenministeriums müssen sämtliche Mitarbeiter staatlicher Behörden sowie alle Verwaltungsangestellten der Volkseigenen Betriebe (VEB) in Fragebögen detaillierte Angaben über Verwandte in der Bundesrepublik machen.
Das "Sozialkabinett", ein Fachministerausschuss der Bundesregierung, fasst in Bonn einen Grundsatzbeschluss über die Neuordnung des Rentensystems in der Bundesrepublik Deutschland. Kernstück ist die Einführung der dynamischen Leistungsrente, d. h. die Höhe der Renten soll an der Entwicklung von Löhnen und Gehältern orientiert werden.
Auf dem Testgelände in der Wüste von Nevada unternimmt die US-amerikanische Armee einen oberirdischen Atombombenversuch.
20. Januar In der Kaserne von Andernach findet in Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Feierstunde aus Anlass des Dienstantritts der ersten 1.600 Freiwilligen für die westdeutschen Streitkräfte statt. In seiner Ansprache hebt Adenauer den rein defensiven Charakter der deutschen Armee hervor.
DDR-Präsident Wilhelm Pieck ernennt in Ost-Berlin den bisherigen stellvertretenden Ministerpräsidenten Willi Stoph zum ersten Verteidigungsminister der DDR.
22. Januar In den indischen Städten Bombay und Kalkutta kommen bei gewalttätigen Demonstrationen über 50 Menschen ums Leben. Mehrere hundert Menschen werden verletzt. Der Protest richtet sich vor allem gegen die Nichtbeachtung von Sprachgrenzen bei der vorgesehenen Neugliederung des Landes.
25. Januar Das Bonner Verteidigungsministerium teilt mit, dass von den 1.500 Anfang Januar eingerückten Soldaten der Bundeswehr fünf den Dienst quittiert haben. Für zwei waren familiäre Gründe ausschlaggebend, drei Soldaten waren mit der Besoldung unzufrieden.
27. Januar Der am 30. März 1955 wegen angeblicher Spionage in einem Geheimprozess zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Paul Merker wird aus der Haft entlassen.
Mit einer offiziellen Feier in seiner Geburtsstadt Salzburg gedenkt Österreich des 200. Geburtstags des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart.
Die britische Königin Elisabeth II. trifft in Lagos zu einem dreiwöchigen Besuch in der britischen Kronkolonie Nigeria ein.
28. Januar Die NVA-Einheiten der DDR werden in den Warschauer Pakt einbezogen.
30. Januar Vor der Westküste Norwegens bringen norwegische Kriegsschiffe mehrere sowjetische Fisch-Trawler auf, die innerhalb der Viermeilenzone ihre Netze ausgeworfen hatten.
31. Januar Staatspräsident Brasiliens wird Juscelino Kubitschek de Oliveira.
Guy Mollet wird französischer Premierminister.
In Sussex/England stirbt der Kinderbuchautor (Winnie the Pooh) Alan Alexander Milne.
01. Februar Der Bundesgerichtshof entscheidet, dass der unter Spionageverdacht stehende ehemalige Chef des westdeutschen Verfassungsschutzes, Otto John, wegen Fluchtgefahr weiterhin in Untersuchungshaft bleiben muss.
In Österreich werden die ersten Büros zur Registrierung von Freiwilligen für das aufzustellende Bundesheer eröffnet. Bereits am ersten Tag lassen sich 15.000 Freiwillige in die ausliegenden Listen einschreiben.
02. Februar Der Deutsche Bundestag verabschiedet eine Erklärung, in der er scharf gegen die am 27. Januar von einem Ostberliner Gericht gefällten Todesurteile wegen angeblicher Spionage protestiert.
Der britische Premierminister Anthony Eden und US-Präsident Dwight D. Eisenhower geben in London eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die Wiedervereinigung Deutschlands als Voraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Europa bezeichnen.
04. Februar Durch verschärfte Ausweiskontrollen auf den Bahnhöfen der DDR und Ost-Berlins behindert die Volkspolizei der DDR den Besuchsverkehr nach West-Berlin.
Das Verwaltungsgericht München erkennt dem ehemaligen Wehrmachtsgeneral Ferdinand Schörner den Heimkehrerstatus zu, was diesen zum Empfang des staatlichen Entlassungsgeldes und der Übergangshilfe berechtigt. Das bayerische Arbeitsministerium hatte dem 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassenen Schörner diese Leistungen mit dem Hinweis verweigert, gegen den ehemaligen General laufe ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher Verwicklungen in Kriegsverbrechen.
05. Februar Das Verteidigungsministerium gibt in Bonn die Aufbauplanung für die Marine bekannt. Innerhalb von vier Jahren sollen 170 Einheiten mit 20.000 Mann Besatzung in Dienst gestellt werden.
06. Februar Eine aufgebrachte Menge weißer US-Amerikaner verhindert im US-Bundesstaat Alabama, dass eine Schwarze ihr Studium an der dortigen Universität aufnimmt.
08. Februar Das Bundeskabinett verabschiedet in Bonn den Entwurf eines Wehrpflichtgesetzes, das die Dauer des Wehrdienstes auf 18 Monate festsetzt.
Zur Unterstützung des deutschen Steinkohlebergbaus beschließt das Bundeskabinett in Bonn die Erhöhung des Kohlepreises um 2 DM pro Tonne. Zugleich wird die Einführung einer steuerfreien Prämie für Untertage-Arbeiter bekannt gegeben, die die Abwanderung aus dem Bergbau stoppen soll.
In Bonn unterzeichnen Bundeskanzler Konrad Adenauer und der italienische Ministerpräsident Antonio Segnie in Kulturabkommen, das u. a. den verstärkten Austausch von Büchern und Zeitschriften und die Förderung des italienischen bzw. deutschen Sprachunterrichts vorsieht.
09. Februar In Ost-Berlin beschließt die Regierung der DDR den umfassenden Ausbau der Sportförderung. Die systematische Talentsuche soll bereits im Vorschulalter beginnen, Sportklubs und Betriebssportgemeinschaften werden finanziell stärker unterstützt. Sportliche Erfolge sollen nach dem Willen der DDR-Führung die "Überlegenheit der gesellschaftlichen Ordnung in der DDR" dokumentieren.
11. Februar Die britischen Diplomaten Guy F. Burgess und Donald D. Maclean, die seit Mai 1951 vermisst wurden, treten in Moskau auf einer Pressekonferenz auf. Sie geben bekannt, dass sie sich aus politischen Gründen zur Übersiedlung in die Sowjetunion entschlossen hätten.
14. Februar Bis zum 25. Februar dauert der XX. Parteitag der KPdSU in Moskau. Er gilt als Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion.
15. Februar Das Bundesverteidigungsministerium bestellt bei den westdeutschen Dornier-Flugzeugwerken 428 Maschinen vom Typ DO 27. Die einmotorigen Flugzeuge sollen als Heeresaufklärer eingesetzt werden.
16. Februar Der Verteidigungsausschuss des Bundestags in Bonn gibt rund 340 Mio. DM zur Anschaffung der ersten Schiffe für die im Aufbau befindliche westdeutsche Marine frei. Es sollen u. a. acht Zerstörer, 30 Schnellboote und 24 Minensuchboote in Dienst gestellt werden. Das gesamte Schiffsprogramm umfasst eine Summe von rund 1,9 Mrd. DM.
17. Februar In Anwesenheit des Bundespräsidenten Theodor Heuss findet im Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf die offizielle Gedenkfeier der Bundesrepublik anlässlich des 100. Todestages von Heinrich Heine statt.
Die US-amerikanische Regierung erlässt einen Lieferstopp für Waffen in Länder des Nahen Ostens. Begründet wird diese Maßnahme mit der angespannten Lage in der Region.
Das französische Außenministerium verweigert dem Kulturminister der DDR Johannes R. Becher ein Einreisevisum für Frankreich. Becher wollte an den Feierlichkeiten zum 100. Todestag des Schriftstellers Heinrich Heine in Paris teilnehmen.
18. Februar In Washington wird von Regierungsvertretern der USA und der Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie unterzeichnet. Die Bundesrepublik erhält die Möglichkeit, in den USA Atomreaktoren zu Versuchszwecken zu kaufen.
19. Februar Aus den Parlamentswahlen in Griechenland geht die konservative Nationale Radikale Union von Ministerpräsident Konstantin Karamanlis als stärkste politische Kraft hervor.
20. Februar Durch ein konstruktives Misstrauensvotum von SPD und FDP wird der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Karl Arnold (CDU), gestürzt. Der Sozialdemokrat Fritz Steinhoff wird zum neuen Regierungschef gewählt.
Das Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten veröffentlicht den "Grünen Bericht" über die Lage der westdeutschen Landwirtschaft. Darin wird u. a. festgestellt, dass vor allem kleine Betriebe unter 10 ha Gesamtfläche sich in einer finanziellen Notlage befinden.
In Dresden stirbt der Physiker Heinrich Barkhausen, Entdecker der Ummagnetisierungssprünge im Eisen.
22. Februar Der langjährige Vorsitzende des FDP-Landesverbands Nordrhein-Westfalen, Friedrich Middelhauve, tritt von seinem Amt zurück. Middelhauve ist ein Gegner des Koalitionswechsels seiner Partei von der CDU zur SPD.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower verfügt in Washington die Freigabe von 40.000 kg Uran 235 zur friedlichen Verwendung in Atomreaktoren. Die Hälfte des radioaktiven Materials soll ausländischen Interessenten, mit Ausnahme der UdSSR und ihrer Verbündeten, zur Verfügung gestellt werden.
23. Februar Die FDP-Bundestagsmitglieder beschließen unter der Führung von Thomas Dehler die Aufkündigung der Koalition mit der CDU/CSU und gehen damit in die Opposition. 16 Mitglieder der FDP-Bundestagsfraktion, darunter die vier Minister, spalten sich von der Partei ab, bilden die "Freie Volkspartei" (FVP) und bleiben in der Regierungskoalition.
In London schließen Großbritannien und mehrere Westindische Inseln einen Vertrag über die Bildung einer Föderation der britischen Besitzungen in der Karibik. An diesem Zusammenschluss, einer Vorstufe der Unabhängigkeit sind u. a. Barbados, Jamaika und Trinidad beteiligt.
24. Februar Die Bundesrepublik wird Mitglied der Europäischen Atomenergie-Gesellschaft (EAEG), deren Aufgabe es ist, die wissenschaftliche Zusammenarbeit in der Kernforschung zu fördern.
Der Bundesrat in Bonn gibt seine Zustimmung zu einer Reihe von neuen Verkehrsvorschriften. Künftig müssen Kraftfahrzeuge über einen Innen- und Außenspiegel verfügen. An den neu einzurichtenden Verkehrsüberwegen für Fußgänger (Zebrastreifen) haben Fußgänger Vorrang.
25. Februar In seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU rechnet Chruschtschow im Rahmen der Entstalinisierung mit dem Stalinismus ab, die Tauwetter-Periode beginnt.
27. Februar Beide Häuser des südafrikanischen Parlaments verabschieden in Pretoria ein Gesetz über die parlamentarische Vertretung sog. Mischlinge. Demnach entsendet der gemischtrassige Bevölkerungsteil vier Vertreter, die jedoch Weiße sein müssen, in das Parlament.
28. Februar Das Bundeskabinett in Bonn verabschiedet den Entwurf zu einem Soldatenversorgungsgesetz. Vorgesehen ist u. a., dass Soldaten, die sich auf 12 Jahre verpflichtet haben, nach Ablauf ihrer Dienstzeit einen Arbeitsplatz bei Behörden erhalten sollen.
Der Magistrat von Ost-Berlin erlässt eine Verordnung, nach der mit Ablauf des Schuljahrs 1955/56 an den Ostberliner Oberschulen kein Religionsunterricht mehr erteilt werden darf.
29. Februar In Düsseldorf stellt der neu gewählte Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Fritz Steinhoff sein Kabinett vor, dem Vertreter der SPD, der FDP und des Zentrums angehören.
Die FDP-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen erstattet gegen den Minister für Atomfragen, Franz Josef Strauß, Strafanzeige wegen übler Nachrede. Strauß hatte geäußert, die FDP wolle die Westbindung der Bundesrepublik aufweichen und strebe einen politischen und wirtschaftlichen Ausgleich mit der DDR an.
01. März In der DDR wird aus Einheiten der Kasernierten Volkspolizei (KVP) die Nationale Volksarmee (NVA) gebildet und das Ministerium für Nationale Verteidigung gegründet.
König Hussein II. von Jordanien entlässt mit sofortiger Wirkung den langjährigen Stabschef der Arabischen Legion, den Briten John Glubb Pascha. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit einer stärkeren Anlehnung Jordaniens an seine arabischen Nachbarstaaten.
Gegen die Stimmen der Kommunistischen Partei billigt der österreichische Nationalrat in Wien den Beitritt Österreichs in den Europarat.
Urho Kaleva Kekkonen wird neuer Staatspräsident von Finnland.
Der Supreme Court der USA entscheidet, dass die Universität von Alabama die erste schwarze Studentin Autherine Lucy zum Studium zulassen muss. Wenige Stunden später wird sie von der Universität wegen Verleumdung wieder vom Studium ausgeschlossen.
In den Vereinigten Staaten tritt ein Gesetz in Kraft, das den vorgeschriebenen Mindestlohn von 0,75 US-Dollar auf 1 US-Dollar (3,15 DM) pro Stunde erhöht. Von der Regelung sind landesweit über 2 Mio. Arbeiter betroffen.
02. März Die 16 FDP-Bundestagsabgeordneten, die sich am 23. Februar von der Fraktion abgespalten haben, gründen unter dem Namen "Arbeitsgemeinschaft Freier Demokraten" eine eigenständige parlamentarische Gruppe, der am 15. März der Fraktionsstatus zuerkannt wird.
Die Volkspolizei beschlagnahmt in Ost-Berlin das "St. Hedwigsblatt" der katholischen Diözese Berlin. In der Kirchenzeitung war ein Hirtenbrief der deutschen Bischöfe erschienen, der sich gegen die materialistische Staatsideologie der DDR wendete.
Marokko erklärt seine Unabhängigkeit von Frankreich.
03. März In Helsinki stellt der neu ernannte finnische Ministerpräsident, der Sozialdemokrat Karl-August Fagerholm, sein Kabinett vor. Der Koalitionsregierung gehören Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, der Agrarpartei, der Schwedischen und Finnischen Volkspartei an.
04. März Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg kann die CDU 42,6 % der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen.
Walter Ulbricht erklärt im SED-Parteiorgan "Neues Deutschland": "Stalin ist kein Klassiker des Marxismus". Damit distanziert er sich vom Persönlichkeitskult um Stalin.
In einer Volksabstimmung billigt eine deutliche Mehrheit (77,5 %) der schweizerischen Bevölkerung die Beibehaltung einer beschränkten Preiskontrolle.
Zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz verabschiedet der Generalrat der Sozialistischen Internationale, ein Zusammenschluss sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien aus aller Welt in Zürich eine Resolution, in der er sich trotz der sich abzeichnenden Veränderungen innerhalb der Kommunistischen Parteien des Ostblocks gegen eine Zusammenarbeit mit diesen Parteien ausspricht.
Bei den Wahlen zur Nationalversammlung von Südvietnam erringt die "Bewegung der Nationalen Revolution" des antikommunistischen Ministerpräsidenten Ngô Dinh Diêm 58 der insgesamt 123 Parlamentssitze.
05. März Im Rahmen der Entstalinisierung kommt es in Tiflis (Georgien) zu Studentendemonstrationen für Stalin. Sie beginnen friedlich, münden jedoch am 8. März in einen Aufstand gegen die sowjetische Herrschaft in Georgien.
06. März Mit 390 gegen 20 Stimmen billigt der deutsche Bundestag in Bonn Änderungen des Grundgesetzes im Hinblick auf die Aufstellung von deutschen Streitkräften. Zugleich verabschiedet das Parlament gegen die Stimmen der SPD das Soldatengesetz, das u. a. das von den Armeeangehörigen zu leistende Gelöbnis festschreibt und den Streitkräften den Namen "Bundeswehr" gibt.
Nach rund dreijährigen Verhandlungen unterzeichnen Regierungsvertreter Italiens und Äthiopiens in Rom ein Abkommen über Reparationszahlungen Italiens in Höhe von 16 Mio. US-Dollar (67,2 Mio. DM). Damit sollen Schäden abgegolten werden, die das ostafrikanische Land beim Überfall des faschistischen Italien 1935/36 erlitten hatte.
07. März Bundesaußenminister Heinrich von Brentano trifft in Den Haag zu einem dreitägigen offiziellen Besuch in den Niederlanden ein. Gegenstand der Gespräche ist auch das Schicksal der in Breda einsitzenden deutschen Kriegsverbrecher. Die niederländische Regierung entschließt sich im Zusammenhang mit dem Besuch Brentanos, einige Verurteilte vorzeitig zu entlassen.
Die Stadtverordnetenversammlung von Kiel beschließt mehrheitlich, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Großadmiral Erich Raeder, die Ende 1945 aberkannte Ehrenbürgerschaft der Stadt wieder zuzuerkennen. Raeder, bis 1943 Oberster Marinechef, war 1946 vom Nürnberger Militärgerichtshof zu lebenslänglicher Haft verurteilt und 1955 aus Gesundheitsgründen entlassen worden.
Der Zentralbankrat der Bank deutscher Länder beschließt in Frankfurt am Main die Erhöhung des Diskontsatzes von 3,5 % auf 4 %. Durch diese finanzpolitische Maßnahme, die Kredite verteuert, soll inflationären Tendenzen in der Bundesrepublik Deutschland entgegengewirkt werden.
Angesichts wachsender Spannungen im Nahen Osten verfügt das US-amerikanische Verteidigungsministerium in Washington die Verstärkung der im östlichen Mittelmeer stationierten 6. US-Flotte.
08. März Der deutsche Bundestag in Bonn verabschiedet ein Gesetz nach dem die deutsche Staatsangehörigkeit von Einwohnern Österreichs im Juni 1945 offiziell ungültig wurde.
In der pakistanischen Hauptstadt Karatschi endet eine zweitägige Konferenz des Rates des Südostasien-Pakts (SEATO). In einer Erklärung bezeichnen die Teilnehmer es weiterhin als wichtigste Aufgabe des Bündnisses, kommunistische Vorstöße im südostasiatischen Raum zu verhindern.
In Oslo (Norwegen) unterzeichnen Delegationen Norwegens und Schwedens ein Abkommen, das Schweden im Verteidigungsfall die Benutzung des eisfreien norwegischen Atlantikhafens Trondheim erlaubt.
In der sowjetischen Teilrepublik Georgien kommt es zu Demonstrationen, auf denen gegen die Kritik der KPdSU am Personenkult um den ehemaligen Partei- und Regierungschef Josef W. Stalin, einem gebürtigen Georgier, protestiert wird.
Das Präsidium des Obersten Sowjet beschließt in Moskau eine Verkürzung der Arbeitszeit für Arbeiter und Angestellte vor Sonn- und Feiertagen. An diesen Tagen soll statt bisher acht nur noch sechs Stunden gearbeitet werden.
09. März Der Führer der griechischen Bevölkerungsmehrheit auf der Mittelmeerinsel Zypern, Erzbischof Makarios III., wird auf Anordnung des britischen Gouverneurs, Feldmarschall John Harding, auf die Seychellen im Indischen Ozean deportiert. Begründet wird diese Maßnahme mit den politischen Aktivitäten von Makarios, die auf einen Anschluss Zyperns an Griechenland gerichtet sind.
Die sowjetische Armee eröffnet in Tiflis (Georgien) das Feuer auf die revoltierenden Demonstranten und beendetet die Auseinandersetzung innerhalb von drei Stunden. Mindestens 80 Menschen werden getötet. Die Niederschlagung geht als Massaker von Tiflis in die Geschichte ein.
10. März Zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Jugoslawien wird in Bonn nach mehrmonatigen Verhandlungen ein Abkommen über Entschädigungszahlungen unterzeichnet. Darin erklärt sich die Bundesrepublik bereit, Jugoslawien zum Ausgleich für im Zweiten Weltkrieg erlittene Schäden insgesamt 300 Mio. DM zu zahlen.
In Moskau unterzeichnen Regierungsvertreter der UdSSR und Kanadas ein Handelsabkommen, das u. a. für 1956 die Lieferung von 400.000 t Weizen an die Sowjetunion vorsieht.
Die Londoner Tageszeitung "The Times" veröffentlicht eine Statistik, derzufolge die Länder des Nahen Ostens einen Anteil von über 20 % an der Welt-Erdölproduktion haben. Der Anteil hat sich demnach innerhalb der vergangenen zehn Jahre mehr als verdoppelt.
12. März Der erste Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Sowjetunion, Wilhelm Haas, überreicht in Moskau dem sowjetischen Staatsoberhaupt, Marschall Kliment J. Woroschilow, sein Beglaubigungsschreiben.
Das britische Unterhaus in London beschließt mit 286 gegen 262 Stimmen die Abschaffung der Todesstrafe für Mord. Das Oberhaus lehnt jedoch die Abschaffung der Todesstrafe ab.
In Kairo endet eine sechstägige Konferenz, auf der sich Ägyptens Ministerpräsident Gamal Abd an Nasser, der syrische Präsident Schukri Al Kuwwatli und König Saud Ibn Abd Al Asis von Saudi-Arabien u. a. auf eine Koordinierung ihrer gegen Israel gerichteten Politik verständigten.
Die französische Nationalversammlung stimmt in Paris militärischen Sondervollmachten für die Regierung bezüglich Algerien zu. Die Administration erhält damit einen größeren Handlungsspielraum zur Wiederherstellung der Ordnung in der nordafrikanischen Kolonie.
13. März Unter Hinweis auf den Viermächtestatus von Berlin sprechen sich die Bonner Botschafter der drei Westmächte gegen einen Antrag der SPD aus, die Berliner Bundestagsabgeordneten in Zukunft direkt von den stimmberechtigten Bewohnern West-Berlins wählen zu lassen. Die Berliner Bundestagsabgeordneten werden bisher vom Abgeordnetenhaus bestimmt.
Die Regierung der Sowjetunion beschließt in Moskau eine Veränderung des Entlohnungssystems in den landwirtschaftlichen Genossenschaften (Kolchosen). Durch eine stärkere Leistungsorientierung bei der Entlohnung soll die Produktivität der Kolchosen erhöht werden.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower fordert in einem Schreiben die britische Regierung auf, im Interesse einer friedlichen Lösung im Zypernkonflikt so bald wie möglich Verhandlungen mit Repräsentanten der griechischen und türkischen Bevölkerungsgruppe aufzunehmen.
14. März In einer Rundfunkansprache warnt Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard davor, angesichts der anhaltenden Hochkonjunktur in der Bundesrepublik Deutschland überzogene Lohnforderungen zu stellen oder durch Preiserhöhungen die Gewinne der Unternehmen überproportional steigern zu wollen.
Auf Anweisung des Internationalen Währungsfonds beschließt die Regierung von Paraguay die Abwertung der Landeswährung Guarani um rund 300 %. Durch diese Maßnahme soll die Wirtschaft des Landes stabilisiert werden.
15. März Der deutsche Bundestag beschließt in Bonn für die nächsten Bundestagswahlen die Beibehaltung einer 5 %-Klausel. Bundestagsmandate sollen nur diejenigen Parteien erhalten, die mehr als 5 % der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen können.
16. März Erstmals tagt der Deutsche Bundesrat in West-Berlin. Gegen diese Sitzung wurde von sowjetischer Seite bei den Westalliierten Protest eingelegt.
17. März In Paris stirbt die Nobelpreisträgerin und Tochter von Marie Curie, Irène Joliot-Curie.
In der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag beschließt das Exekutivkomitee des kommunistisch gelenkten Weltgewerkschaftsbundes, den jugoslawischen Gewerkschaftsverband wieder aufzunehmen. Die jugoslawischen Gewerkschaften waren in Zusammenhang mit dem Bruch zwischen Josef W. Stalin und Josip Tito, dem jugoslawischen Staatspräsidenten, 1950 aus dem Verband ausgeschlossen worden.
18. März Auf einer Klausurtagung in Bad Wimpfen bestätigt der FDP-Bundesvorstand offiziell den faktisch am 23. Februar 1956 vollzogenen Auszug aus der Regierungskoalition mit der CDU/CSU und der Deutschen Partei (DP).
Auf einem außerordentlichen Parteitag in Sulzbach beschließt die Sozialdemokratische Partei Saar (SPS) im Hinblick auf die bevorstehende Eingliederung des Saarlands in die Bundesrepublik ihre Auflösung und empfiehlt ihren Mitgliedern, sich dem Landesverband Saar der SPD anzuschließen.
Nach einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden erzielte die Bundesrepublik Deutschland (zusammen mit Berlin/West) im Jahr 1955 einen Außenhandelsüberschuss in Höhe von rund 1,2 Mio. DM.
In Columbus (Ohio) stirbt der amerikanische Schriftsteller (Pulitzer-Preis 1927) Louis Bromfield.
19. März Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und Schwedens vereinbaren in Stockholm, ihre diplomatischen Vertretungen in den Rang von Botschaften zu erheben.
20. März Der deutsche Bundestag beschließt in Bonn die Reduzierung der Zuckersteuer. Durch diese Maßnahme verbilligt sich ein Doppelzentner Zucker von 25,50 DM auf 10 DM.
In Paris unterzeichnen der französische Außenminister Christian Pineau und der tunesische Ministerpräsident Tahar Ben Ammar ein Protokoll, das die offizielle Anerkennung der Unabhängigkeit Tunesiens durch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich beinhaltet.
In Finnland wird ein landesweiter Streik, an dem große Teile der Arbeiterschaft teilgenommen haben, nach dreiwöchiger Dauer beendet. Die Streikenden akzeptieren einen von der sozialdemokratischen Regierung unter Karl-August Fagerholm gemachten Vorschlag, der eine durchschnittliche Erhöhung des Stundenlohns um rund 8 % vorsieht.
21. März In einer in Bonn veröffentlichten Erklärung bezeichnen die Fraktionsspitzen von CDU/CSU die "Demokratische Arbeitsgemeinschaft" von 16 ehemaligen FDP-Abgeordneten als neuen Koalitionspartner.
In London beginnen Abrüstungsverhandlungen, an denen Delegationen aus den USA Großbritannien, Frankreich, Kanada und der UdSSR teilnehmen.
22. März Das Zentralkomitee der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) wählt Edward Ochab zum Parteichef. Ochab, ein orthodoxer, reformunwilliger Kommunist, tritt die Nachfolge des verstorbenen Ersten Sekretärs Boleslaw Bierut an.
23. März Vor dem deutschen Bundestag erklärt Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, dass er zur Sicherung der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung in Europa die baldige Schaffung eines Gemeinsamen Marktes für notwendig hält.
Die "Islamische Republik Pakistan" wird proklamiert. Hauptstadt der Präsidialrepublik ist Rawalpindi. Erster Staatspräsident wird Iskander Mirza.
24. März Auf der bis zum 30. März dauernden III. Parteikonferenz der SED wird die Direktive für den nächsten Fünfjahresplan festgelegt. Die Zielsetzung lautet "Modernisierung, Mechanisierung und Automatisierung" und sieht eine Leistungssteigerung von 50 % bis 1960 vor.
25. März In einem Zeitungsinterview tritt Bundeskanzler Konrad Adenauer Vorwürfen gegen den Leiter des Bundeskanzleramtes, Hans Globke, wegen dessen Rolle während des Nationalsozialismus entgegen.
Bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung in Tunesien erringt die Nationale Front von Habib Burgiba alle 98 Mandate.
26. März In Moskau vereinbaren Delegierte aus den sozialistischen Staaten die Einrichtung eines "Vereinigten Instituts für Kernforschung" mit Sitz in Moskau, in dem die Arbeiten an der Nutzung der Kernenergie in den kommunistisch geführten Ländern vorangetrieben werden sollen.
27. März Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Ungarns gibt eine Erklärung heraus, in der es heißt, eine Überprüfung habe die Unrechtmäßigkeit des Gerichtsverfahrens gegen den früheren ungarischen Außenminister László Rajk ergeben. Rajk war im Jahr 1949 mit anderen in einem Schauprozess wegen angeblicher staatsfeindlicher Handlungen zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.
Auf der Konferenz des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen in London legt der sowjetische Delegationsleiter Andrei A. Gromyko einen Vorschlag seiner Regierung vor, der die weltweite Reduzierung der Landstreitkräfte vorsieht. Die UdSSR rückt dabei von ihrer Position ab, dass die Abschaffung aller Atomwaffen Vorbedingung für eine Einigung im Bereich der konventionellen Rüstung sei.
28. März Das Parlament von Island verlangt in einer mit 31 gegen 18 Stimmen verabschiedeten Entschließung den Abzug aller NATO-Streitkräfte von der Atlantik-Insel.
31. März Das britische Verteidigungsministerium gibt in London den Abzug von 2.200 britischen Soldaten aus Kenia, wo sie gegen die Mau-Mau-Untergrundorganisation kämpften, bekannt. Die militärische Lage lasse einen baldigen Sieg der Briten erwarten.
01. April In Pullach bei München nimmt der Bundesnachrichtendienst (BND) offiziell seine Tätigkeit auf.
Das am 6. März vom deutschen Bundestag gegen die Stimmen der SPD verabschiedete Soldatengesetz, das die allgemeine Wehrpflicht vorsieht, tritt in Kraft. Die Streitkräfte der Bundesrepublik erhalten offiziell den Namen "Bundeswehr".
02. April Der 70 km nördlich der irakischen Hauptstadt Bagdad errichtete Tigris-Staudamm, an dessen Fertigstellung US-amerikanische und bundesdeutsche Firmen beteiligt waren, wird seiner Bestimmung übergeben. Der Damm ist Teil eines groß angelegten Bewässerungsprojekts, mit dem Steppengebiete landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden sollen.
Nach dem Rücktritt der kambodschanischen Regierung unter Prinz Norodom Sihanouk bildet der Politiker Kim Tit ein neues Kabinett. Politische Beobachter rechnen mit einer Annäherung des südostasiatischen Landes an die Vereinigten Staaten.
Das ägyptische Innenministerium in Kairo erlässt eine Verordnung, nach der sich innerhalb von drei Jahren alle männlichen Staatsbediensteten nach westlicher Mode kleiden sollen. Die traditionelle Kleidung der Fellachen und Beduinen soll verdrängt werden. Beamte, die sich dieser Anordnung widersetzen, sollen mit Geldbußen belegt werden.
In Istanbul verhaftet die türkische Polizei 60 Mitglieder einer Bande, die ihrem Anführer durch gewerbsmäßige Bettelei zu einem Monatseinkommen von umgerechnet mehreren 1.000 DM verhalf. Zu der Bande gehörten überwiegend verwaiste Kinder, die zur Bettelei gezwungen wurden.
03. April Die englische Königin empfängt den sowjetischen Präsidenten Nikita Chruschtschow.
Auf ihrem Versuchsgelände in Kasachstan bringt die UdSSR im Rahmen einer Versuchsreihe eine Atombombe zur Explosion.
04. April An der Militärparade aus Anlass des siebenjährigen Bestehens des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses NATO in Düsseldorf nimmt erstmals eine westdeutsche Einheit, das Andernacher Musikkorps, teil.
In einem Interview mit der in Paris erscheinenden Tageszeitung "Le Monde" erklärt der französische Ministerpräsident Guy Mollet, er sei überzeugt, dass von der UdSSR keine Kriegsgefahr für Europa ausgehe.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erteilt in New York dem Generalsekretär der Weltorganisation, Dag Hammarskjöld, das Mandat zu einer Friedensmission im Palästina-Konflikt.
05. April In einer offiziellen Note bittet die Bundesregierung die Vereinigten Staaten um zusätzliche Militärhilfe in Höhe von rund 8,4 Mrd. DM.
Das Organ der KPdSU, "Prawda", veröffentlicht einen Grundsatzartikel, in dem betont wird, dass die Kritik am Personenkult um den früheren Partei- und Staatschef Josef Stalin nicht zu einer Verdammung der Leninschen Prinzipien des politischen Kampfes führen dürfe.
06. April In Gauting stirbt die als Ratschkathl bekannt gewordene bayerische Komödiantin Ida Schumacher.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg hat sich im März 1956 die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik sprunghaft um rund 800.000 auf nunmehr rund 1.019.000 verringert.
Aus den Parlamentswahlen in Ceylon (heute Sri Lanka) geht die linksgerichtete Vereinigte Volksfront als Siegerin hervor. Sie kann 51 von 96 Sitzen und damit die absolute Mehrheit erringen. Die Vereinigte Volksfront unter Führung von Ministerpräsident Solomon Bandaranaike strebt die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung unter Betonung nationalistischer Elemente an.
07. April Im Rahmen eines Spanienbesuchs des Sultans von Marokko, Sidi Mohammad Ibn Jusuf, erkennt die spanische Regierung unter Francisco Franco Bahamonde in einer offiziellen Erklärung die staatliche Unabhängigkeit Marokkos an. Der Nordteil des Landes stand seit 1912 unter spanischem Protektorat.
Auf dem ersten Parteitag der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) in Graz wird Anton Reinthaller zum Vorsitzenden gewählt. Einige Tage später erklären zwei führende Parteimitglieder wegen des wachsenden Einflusses ehemaliger Nationalsozialisten in der FPÖ ihren Austritt aus der im November 1955 gegründeten Partei.
Zum Abschluss einer Tagung in London veröffentlicht das Büro der Sozialistischen Internationale, ein Zusammenschluss sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien, eine Erklärung, in der die Unvereinbarkeit von sozialistischen Ideen und kommunistischen Herrschaftsprinzipien unterstrichen wird. Eine politische Zusammenarbeit mit kommunistischen Parteien wird strikt abgelehnt.
08. April An der israelisch-ägyptischen Grenze im Gaza-Streifen kommt es zu militärischen Zusammenstößen, bei denen auf beiden Seiten mehrere Soldaten verletzt werden.
09. April In einer offiziellen Note fordert die Bundesregierung von der Regierung der UdSSR die Freilassung aller gegen ihre Willen in der Sowjetunion festgehaltenen Deutschen. Nach Erkenntnissen der Bonner Regierung befinden sich elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch immer mehrere tausend Deutsche unfreiwillig in der UdSSR.
Nach seiner Vereidigung in der Hauptstadt Jakarta gibt der neue indonesische Ministerpräsident Ali Sastroamidjojo vor dem Parlament eine Regierungserklärung ab. Darin bezeichnet er die völlige Loslösung Indonesiens von der ehemaligen Kolonialmacht Niederlande als seine Hauptaufgabe.
In einer Rede in Warschau erklärt der Erste Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), Edward Ochab, die Verurteilung einer Gruppe um den früheren Ministerpräsidenten Wladyslaw Gomulka im Jahr 1951 wegen angeblich nationalistischer Politik für ungerechtfertigt und gibt die Freilassung der Verurteilten bekannt.
11. April Der jordanische König Hussein II. und Syriens Staatspräsident Schukri al-Quwatli unterzeichnen in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein Abkommen über verstärkte militärische Zusammenarbeit, das gegen Israel gerichtet ist.
12. April In Pamplona und anderen Städten des spanischen Baskenlandes treten mehrere tausend Arbeiter in den Streik, um soziale Verbesserungen zu erreichen. Da in Spanien Streiks seit 1939 verboten sind, ordnet die Regierung die Entlassung der streikenden Arbeiter an.
13. April In Seebüll stirbt der Maler Emil Nolde.
 Der französische Ministerrat beschließt in Paris angesichts der sich verschärfenden Unruhen in Algerien die Mobilisierung von weiteren 100.000 Soldaten, die im Kampf gegen die algerische Unabhängigkeitsbewegung zum Einsatz kommen sollen.
14. April Auf einer Parteiversammlung in der bulgarischen Hauptstadt Sofia gibt der Erste Sekretär des ZK der Kommunistischen Partei Bulgariens, Todor Schiwkow, die posthume Rehabilitierung Traitscho Kostows bekannt. Kostow war 1949 wegen angeblicher antisozialistischer Tätigkeiten zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.
In New York stellt die US-Marine den Flugzeugträger "USS Saratoga" in Dienst.
15. April Bei der Bundeswehr kommt es zum ersten Fall von Desertion. Ein 34-jähriger Luftwaffenoffizier begeht Fahnenflucht weil er in Verdacht geraten ist, Sprengstoff entwendet zu haben.
Die Delegierten des Deutschen Städtetages sprechen sich auf einem Treffen in Lüneburg für die Verlängerung der Schulpflicht in der Bundesrepublik Deutschland von acht auf neun Jahre aus. Der allgemeine Bildungsstand der jungen Generation soll dadurch gehoben werden.
Österreich wird auf einer Sitzung des Ministerkomitees in Straßburg als 15. Mitglied in den Europarat aufgenommen.
In der tunesischen Hauptstadt Tunis stellt Ministerpräsident Habib Burgiba sein Kabinett vor. Ihm gehören mit einer Ausnahme nur Mitglieder seiner nationalistischen Neo-Destur-Partei an.
Mehrere tausend Arbeitnehmer demonstrieren in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen gegen die Weigerung der Regierung, einer Herabsetzung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 44 Stunden zuzustimmen.
16. April Österreich tritt dem Europarat bei.
Nach Angaben des österreichischen Innenministeriums wollen von rund 4.000 Sowjetbürgern, die zur Zeit in Österreich in Lagern leben, nur drei in ihre Heimat zurückkehren. In den vergangenen Tagen hatte eine sowjetische Delegation zehn Lager besucht, um die Flüchtlinge zur Rückkehr zu bewegen.
Der seit 1950 amtierende bulgarische Ministerpräsident Walko Tscherwenkow wird durch einen Beschluss der Nationalversammlung in Sofia seines Postens enthoben. Seine Nachfolge tritt Anton Jugow an. Die Entmachtung Tscherwenkows erfolgt im Zuge der nach dem XX. Parteitag der KPdSU einsetzenden Entstalinisierung in den Staaten Osteuropas.
Der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, US-General Alfred M. Gruenther, erklärt in Washington seinen Rücktritt. Für seinen Schritt nennt Gruenther persönliche Gründe. Er wolle einen Posten in der Wirtschaft annehmen. Zu Gruenthers Nachfolger wird der US-amerikanische Luftwaffengeneral Lauris Norstad ernannt.
17. April In Bulgarien wird Anton Jugov Regierungspräsident.
Die kommunistische Regierung Polens veröffentlicht in Warschau eine Erklärung über die Rehabilitierung aller ehemaligen Angehörigen der sog. Heimatarmee. Die von bürgerlichen Kräften bestimmte Heimatarmee hatte während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutschen Besatzer gekämpft. Dabei war sie in Konflikt mit der kommunistischen Untergrundorganisation Polens geraten.
18. April In Monte Carlo findet die standesamtliche Trauung von Fürst Rainer von Monaco und der amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly statt.
In Moskau wird die Auflösung des "Informationsbüros der kommunistischen und Arbeiterparteien" (Kominform) bekannt gegeben.
Der Erste Sekretär des ZK der KPdSU Nikita S. Chruschtschow und der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin treffen zu einem offiziellen Besuch Großbritanniens in London ein. Im Mittelpunkt ihrer Gespräche mit Premierminister Anthony Eden stehen die beiderseitigen Beziehungen und Abrüstungsfragen.
Das britische Verteidigungsministerium beauftragt General Richard Hall, bislang Oberkommandierender der britischen Truppen in Ägypten, mit der Vorbereitung der Umstellung der britischen Streitkräfte auf eine reine Berufsarmee. Nach den Vorstellungen der Regierung soll in nächster Zeit in Großbritannien auf die Wehrpflicht verzichtet werden.
In Budapest gibt das ungarische Wirtschaftsministerium Preiserhöhungen für die meisten Konsumgüter bekannt. Durch diese Maßnahme sollen die drastisch gestiegenen Rohstoff- und Herstellungskosten zum Teil ausgeglichen werden.
19. April In Königswinter werden Verhandlungen zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände über eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit, die zur Zeit durchschnittlich 48 Stunden beträgt, ergebnislos abgebrochen.
In der St.-Charles-Kathedrale von Monte Carlo heiratet Fürst Rainer von Monaco die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly.
Auf Vermittlung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, wird zwischen Israel und Ägypten ein unbefristeter Waffenstillstand an der gemeinsamen Grenze vereinbart.
20. April Der US-amerikanische Botschafter in der UdSSR, Charles E. Bohlen, erklärt gegenüber US-Präsident Dwight D. Eisenhower, dass er die kollektive Führung in der Sowjetunion mit Nikita S. Chruschtschow und Nikolai A. Bulganin an der Spitze für dauerhaft halte. Bohlen war von der US-Regierung nach Washington beordert worden, um über die Machtverhältnisse in der UdSSR Auskunft zu geben.
21. April Die Delegierten des Bundesparteitags der FDP bestätigen in Würzburg mit 155 gegen 67 Stimmen den Parteivorsitzenden Thomas Dehler im Amt. Zugleich billigen sie mit großer Mehrheit den am 23. Februar vollzogenen Bruch der Regierungskoalition mit der CDU/CSU.
König Abd Al Asis Ibn Saud von Saudi-Arabien, der Imam Ahmed des Jemen und der ägyptische Ministerpräsident Gamal Abd an Nasser unterzeichnen in Dschidda (Saudi-Arabien) eine militärische Allianz ihrer Staaten. Am 23. April 1956 wird der ägyptische Kriegsminister Generalmajor Abd el Hakim Amer zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte der drei Länder ernannt.
In der Ostberliner Humboldt-Universität erklärt der Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, die SED sei bereit, "gewisse Fehlerquellen" zu beseitigen. So sei der gefährliche Personenkult bereits erfolgreich bekämpft worden, die kollektive Führung der Partei gesichert.
22. April Auf einer Festveranstaltung zum 10. Jahrestag der SED-Gründung weist der stellvertretende Ministerpräsident der DDR Walter Ulbricht energisch den Vorwurf zurück, in der DDR herrsche ein totalitäres Regime. Es bestehe kein Widerspruch zwischen den Interessen des Staates und der einzelnen Menschen.
Angehörige der "Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" entdecken in Alt-Glienicke im Süden Berlins einen von US-amerikanischen Geheimdienstleuten angelegten Spionagestollen.
24. April In der Sowjetunion wird eine Abteilung beim Generalstaatsanwalt gebildet, deren Aufgabe die Überwachung der Tätigkeiten des sowjetischen Geheimdienstes KGB sein soll.
Das Oberste Bundesgericht in Washington bestätigt in zweiter Instanz das Urteil eines Gerichts im US-Bundesstaat South Carolina, das die Rassentrennung in öffentlichen Omnibussen für verfassungswidrig erklärt.
25. April Das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen in Bonn warnt westdeutsche Eltern davor, ihre Kinder an Ferienaktionen in der DDR teilnehmen zu lassen, die von der Arbeitsgemeinschaft "Frohe Ferien für alle Kinder" veranstaltet werden. Unter dem Deckmantel sozialer Aktionen werde dabei kommunistische Propaganda betrieben.
In New York wird das Statut für eine internationale Atomenergiebehörde veröffentlicht, auf das sich 12 Nationen, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich und die UdSSR, verständigt haben. Aufgabe der Behörde ist, die weltweite Forschung für die friedliche Nutzung der Atomenergie zu fordern.
In Hödingen (Sachsen-Anhalt) stirbt der deutsche Typograf Paul Renner. Die von ihm entworfene "Futura" gilt als eine der beliebtesten Schriftarten des 20. Jahrhunderts.
26. April Das Bundesverkehrsministerium in Bonn gibt die Freigabe des Rheins für ausländische Binnenschiffe zum 1. Mai 1956 bekannt. Ausländische Schiffe brauchen in Zukunft keine administrative Genehmigung für das Befahren des Rheins mehr.
Gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten des Saarlands, Johannes Hoffmann, spricht das Präsidium des saarländischen Landtags ein Hausverbot aus. Zur Begründung wird angeführt, Hoffmann habe in mehreren Reden und Artikeln Abgeordnete des Landtags und Mitglieder der Regierungskoalition unsachlich angegriffen und zum Teil verächtlich gemacht.
27. April Bis zum 19. Mai besucht DDR-Außenminister Rau den Sudan, Syrien, Libanon und Ägypten.
Die DDR-Regierung gibt in Ost-Berlin die vorzeitige Freilassung von 698 Personen bekannt, die wegen Kriegsverbrechen von sowjetischen Militärtribunalen bzw. DDR-Gerichten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. 52 wegen schwerer Kriegsverbrechen Verurteilte sind von der Amnestie ausgeschlossen.
Der Sejm, das polnische Parlament, beschließt in Warschau eine Amnestie für über 80.000 Strafgefangene. Ein Großteil von ihnen war nach 1945 von der kommunistischen Justiz aus politischen Gründen zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden.
28. April Das französische Oberkommando für Indochina wird offiziell aufgelöst. Damit ist das Engagement Frankreichs in Südostasien nach mehrjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen beendet.
29. April Auf dem Bundesparteitag der CDU in Stuttgart wird Bundeskanzler Konrad Adenauer einstimmig in seinem Amt als Parteivorsitzender bestätigt.
30. April In Ludwigshafen fordert der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes die Einführung der 40-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich sowie eine Erhöhung der Renten.
Die kubanische Regierung verhängt über das ganze Land eine Presse- und Rundfunkzensur. Am Vortag hatten rund 70 bewaffnete Gegner des Diktators Fulgenico Batista y Zaldivar erfolglos versucht, eine Militärstation zu stürmen.
01. Mai Aus Anlass der Feiern zum internationalen "Tag der Arbeit" demonstrieren vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin über 100.000 Menschen für die Wiedervereinigung Deutschlands. In Ost-Berlin nehmen erstmals Einheiten der Nationalen Volksarmee (NVA) am Maiaufmarsch teil.
Walter Ulbricht, Parteichef der SED, und Otto Grotewohl, Ministerpräsident der DDR, bieten in einem Schreiben an die SPD die Freilassung der in der DDR inhaftierten Sozialdemokraten an. Im Gegenzug soll das Ostbüro der SPD seine Tätigkeit einstellen.
Generalleutnant Hans Speidel eröffnet in der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen den ersten Lehrgang für Generale und Stabsoffiziere der Bundeswehr. Mehr als 300 Lehrgangsteilnehmer sollen hier für Führungspositionen geschult werden.
In Nepal wird König Mahendra Bir Bikram Schah im Hanuman-Palast der Hauptstadt Katmandu feierlich inthronisiert.
02. Mai Bei Besprechungen von Bundesaußenminister Heinrich von Brentano mit der britischen Regierung in London betonen beide Seiten die Wiedervereinigung Deutschlands als Ziel ihrer Politik. Brentano lehnt gleichzeitig eine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als östliche Grenze Deutschlands ab.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, erreicht im Rahmen seiner Friedensinitiative für den Nahen Osten in Jerusalem den Abschluss eines Waffenstillstands zwischen Israel und Ägypten.
Die Jahresversammlung der methodistischen Kirche der USA verurteilt in Minneapolis/Minnesota die Politik der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten.
03. Mai Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe weist die Klage des früheren Bundestagsabgeordneten Karlfranz Schmidt-Wittmack zurück, der gegen die Aberkennung seines Mandats protestiert hatte. Schmidt-Wittmack war 1954 in die DDR übergesiedelt.
In Marrakesch (Marokko) werden bei Ausschreitungen der islamischen Bevölkerung gegen Anhänger des verstorbenen pro-französischen Berberfürsten El Glaoui 35 Menschen getötet.
04. Mai Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn eine Gesetzesvorlage, die den Bau von 1,8 Mio. Wohnungen mit Unterstützung aus Bundesmitteln vorsieht.
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl schlägt Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem saarländischen Ministerpräsidenten Hubert Ney gemeinsame Beratungen über die Zukunft des Saarlandes vor. Grotewohl betont, dass die DDR keine Beschlüsse in der Saarfrage anerkennen werde, die ohne ihre Mitwirkung getroffen werden.
05. Mai Im Rahmen einer zweitägigen Tagung des Nordatlantikrats, dem politischen Gremium der NATO, beschließen die Außenminister der drei Westmächte zukünftig den UN-Sicherheitsrat als verantwortlich für die Aufrechterhaltung des Friedens im Nahen Osten anzuerkennen. Bisher waren die USA, Großbritannien und Frankreich aufgrund einer Erklärung von 1950 als Garantiemächte im Nahen Osten aufgetreten.
06. Mai Der belgische Außenminister Paul-Henri Spaak legt seinen EGKS-Amtskollegen einen Bericht über den Entwurf von Gemeinschaftsverträgen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) vor.
07. Mai Der jugoslawische Staatschef Josip Tito trifft zu einem viertägigen Staatsbesuch in Paris ein. In einem Kommuniqué betonen beide Länder den Wunsch nach weltweiter Rüstungskontrolle und schrittweiser Abrüstung.
Der französische Ministerrat verfügt in Paris die Einberufung von weiteren 30.000 Soldaten zur Verstärkung des über 300.000 Mann zählenden Expeditionskorps in Algerien. Damit setzt die Regierung ihren harten Kurs gegenüber der algerischen Unabhängigkeitsbewegung FLN fort.
08. Mai Die Botschafter der USA, Großbritanniens und Frankreichs fordern die Bundesregierung in Bonn auf, die Stationierungskosten der alliierten Truppen in der Bundesrepublik weiterhin zu übernehmen. Auf deutscher Seite war wiederholt gefordert worden, angesichts des Aufbaus der Bundeswehr müssten die Alliierten die Kosten selber tragen.
In einem Abkommen mit Marokko verpflichtet sich die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, beim Aufbau einer scherifischen Armee mit Material und Ausbildern mitzuwirken.
Österreich und Israel vereinbaren die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen.
09. Mai Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg vom 4. März wird Gebhard Müller erneut zum Ministerpräsidenten einer Allparteienregierung gewählt.
Der Bonner Bundestag verabschiedet ein Gesetz, das die Übernahme von rund 15.000 Angehörigen des Bundesgrenzschutzes in die Bundeswehr ermöglicht. Dadurch soll der Aufbau der Bundeswehr beschleunigt werden.
Der Oberbefehlshaber der NATO-Truppen in Europa, Alfred M. Gruenther, erklärt in Bonn, ohne einen umfassenden deutschen Verteidigungsbeitrag könne die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland nicht gewährleistet werden.
Auf einer Konferenz der Richter und Staatsanwälte der DDR in Ost-Berlin fordert Generalstaatsanwalt Ernst Melsheimer in Zukunft mehr den Aspekt der Umerziehung zu berücksichtigen. Gleichzeitig räumt er Verletzungen der Bürgerrechte bei Gerichtsverfahren in der Vergangenheit ein.
In London gibt die Regierung die Reduzierung der britischen Streitkräfte von rund 850.000 auf 700.000 Mann bekannt.
10. Mai Auf Befehl des Exekutivrates der britischen Kronkolonie Zypern werden zwei griechische Mitglieder der Befreiungsorganisation EOKA wegen Terroranschlägen gegen britische Einrichtungen hingerichtet. Am folgenden Tag ermordet die EOKA zwei britische Soldaten, die sich als Geiseln in ihrer Gewalt befanden.
Die ungarische Regierung verfügt in Budapest die Beseitigung der Grenzsperren zu Österreich.
11. Mai Die japanische Regierung verpflichtet sich, Reparationen im Wert von insgesamt 550 Mio. US-Dollar (rund 2,3 Mrd. DM) an die Philippinen zu zahlen. Damit soll Wiedergutmachung für die im Zweiten Weltkrieg während der japanischen Okkupation verursachten Schäden geleistet werden.
In Frankfurt am Main hebt die Bank Deutscher Länder die sog. Devisenanbietungspflicht auf. Damit ist deutschen Staatsangehörigen der uneingeschränkte Erwerb ausländischer Wertpapiere gestattet.
12. Mai József Grősz, Erzbischof von Kalocsa, wird im Rahmen einer Amnestie aus dem gegen ihn verhängten Hausarrest entlassen. Grösz, der als Vorsitzender der Ungarischen Bischofskonferenz entscheidend am Zustandekommen der Vereinbarung zwischen dem ungarischen Staat und der Kirche von 1950 beteiligt war, wurde im Mai 1951 verhaftet und in einem Schauprozess "als Verschwörer gegen die demokratische Ordnung" zu 15 Jahren Haft verurteilt.
13. Mai Walter Ulbricht, Erster Sekretär des ZK der SED, erklärt in Ost-Berlin, die Wiedervereinigung sei Ziel seiner Politik. Zunächst müssten sich jedoch die Kräfte des Volkes gegen den deutschen Militarismus zusammenschließen.
Die sowjetische Regierung kündigt in Moskau die Auflösung aller Straflager an. Die Lager, in denen die Gefangenen Zwangsarbeit verrichten müssen, sollen innerhalb der nächsten 18 Monate geschlossen werden.
Bei den Wahlen zum österreichischen Nationalrat wird die Österreichische Volkspartei (ÖVP) mit 82 von 165 Sitzen zur stärksten politischen Kraft, gefolgt von der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) mit 75 Mandaten.
14. Mai Im Rahmen der Entstalinisierung werden in Ungarn etwa 150 seit mehreren Jahren inhaftierte Sozialdemokraten und katholische Würdenträger amnestiert.
15. Mai Der FDP-Vorsitzende Thomas Dehler fordert in einem Artikel in der "Neuen Zürcher Zeitung" die Bundesregierung zu Verhandlungen mit den vier Großmächten über die Wiedervereinigung Deutschlands auf. Dehler sieht in einem Angebot wirtschaftlicher Zugeständnisse an die Sowjetunion eine große Erfolgschance.
Die Bundeswehr erhält die erste Lieferung schwerer Waffen aus den USA.
Der französische Ministerpräsident Guy Mollet trifft in der sowjetischen Hauptstadt Moskau zu einem viertägigen Staatsbesuch ein. Dabei werden zwischen den beiden Staaten eine Reihe von Handels- und Kulturabkommen geschlossen.
Bei den Präsidentenwahlen in Südkorea wird Staatspräsident Syngman Rhee mit rund 60 % der Stimmen wieder gewählt. Vizepräsident wird der Kandidat der oppositionellen Demokratischen Partei, Chang Myun.
16. Mai Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard fordert vor dem Bundestag in Bonn die Bereitstellung von 35 Mio. DM aus Haushaltsmitteln, um den Wiederaufbau einer eigenen Luftfahrtindustrie zu ermöglichen.
Als 27. Staat erkennt Ägypten die Volksrepublik China diplomatisch an. Im Gegenzug bietet die chinesische Regierung die Lieferung von Waffen an.
17. Mai Bundespräsident Theodor Heuss und Außenminister Heinrich von Brentano unterzeichnen zum Abschluss eines dreitägigen Staatsbesuchs in Griechenland ein Kulturabkommen zwischen beiden Ländern.
Bulgarien wird Mitglied in der UNESCO.
18. Mai In Ost-Berlin wird die 7. Tagung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) eröffnet. Die Wirtschaftspläne der Mitgliedstaaten des Ostblocks werden dabei dem sowjetischen Fünfjahresplan angepasst.
Der Zentralbankrat der Bank deutscher Länder beschließt in Frankfurt am Main die Erhöhung des Diskontsatzes um 1 % auf nunmehr 5,5 %. Durch diese Maßnahme werden Kredite verteuert.
19. Mai Bei Kämpfen zwischen der französischen Armee und der algerischen Befreiungsbewegung FLN an der Grenze zu Tunesien werden auf beiden Seiten mehr als 100 Menschen getötet. Das französische Oberkommando kündigt daraufhin die Entsendung von weiteren 25.000 Soldaten nach Algerien an.
20. Mai Der Halbbruder von Adolf Hitler, Alois Hitler (Jr.) stirbt.
Nach dem Rücktritt der jordanischen Regierung unter Ministerpräsident Samir el Rafai bildet Said el Mufti ein neues Kabinett. Rafai war wegen Meinungsverschiedenheiten über die "antibritische" Politik von König Hussein II. zurückgetreten.
21. Mai Das US-Verteidigungsministerium gibt den erfolgreichen Test der ersten transportablen Wasserstoffbombe der USA über dem Pazifik-Atoll Namu bekannt. Die H-Bombe wurde von einem B-52-Bomber aus 17 km Höhe abgeworfen.
22. Mai Der indische Ministerpräsident Jawaharlal Nehru schlägt zur Lösung der Krise in Algerien Verhandlungen zwischen der französischen Regierung und allen politischen Kräften in Algerien vor. Dadurch soll –in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen – eine baldige Beendigung der bewaffneten Auseinandersetzungen erreicht werden.
Der ägyptische Staatsminister Oberst Muhammad Anwar as Sadat beendet einen achttägigen Besuch in der Bundesrepublik. In einem Gespräch mit Bundeskanzler Adenauer bekräftigt Sadat den Wunsch nach einer Vertiefung der deutsch-ägyptischen Beziehungen.
23. Mai Anlässlich einer Feierstunde des Abgeordnetenhauses von West-Berlin wird der geteilten Stadt vom französischen Staatsminister Jacques Michel Pierre Chaban-Delmas der Europapreis verliehen.
In einer Rede vor Mitgliedern des Bundesverbands der Deutschen Industrie in Köln übt Bundeskanzler Konrad Adenauer scharfe Kritik an der Zins- und Konjunkturpolitik der Bundesbank sowie der Amtsführung von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und Finanzminister Fritz Schäffer.
24. Mai Der frühere Hohe Kommissar der USA für Deutschland John J. McCloy schlägt der Bundesregierung den Verzicht auf die deutschen Ostgebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie vor. Dadurch soll die Voraussetzung für eine Wiedervereinigung Deutschlands geschaffen werden.
25. Mai In Kopenhagen trifft Bundesaußenminister Heinrich von Brentano zu einem offiziellen Staatsbesuch in Dänemark ein. Der Besuch soll – elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs – der Normalisierung der deutsch-dänischen Beziehungen dienen.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower fordert in einer Rede in Waco/Texas die europäischen Verbündeten der USA zur Gründung der "Vereinigten Staaten von Europa" auf.
Der DDR-Gewerkschaftsverband FDGB schlägt dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vor, gemeinsam gegen die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der Bundesrepublik zu kämpfen.
26. Mai Zum Abschluss des zweitägigen 10. Jahreskongresses der Internationalen Union Christlicher Demokraten in Luxemburg fordern die Delegierten u. a. ein einheitliches Vorgehen des Westens gegenüber der Sowjetunion.
27. Mai Die USA zünden mit "Redwing Zuni" erstmals eine Dreistufige Wasserstoffbombe auf dem Bikini-Atoll.
28. Mai Bundesaußenminister Heinrich von Brentano trifft zu einem Staatsbesuch in der norwegischen Hauptstadt Oslo ein. Während des dreitägigen Besuchs wird u. a. ein Kulturabkommen zwischen den beiden Staaten geschlossen.
In der Wiener Messehalle findet die erste Musterung für das österreichische Bundesheer statt. Von 32.482 Gemusterten des Jahrgangs 1937 werden 26.362 Männer für tauglich erklärt.
Die Weltbank beschließt in New York, 32 Mio. US-Dollar (134 Mio. DM) für den Ausbau von Kraftwerken in Europa zur Verfügung zu stellen.
29. Mai Die Bundesrepublik Deutschland und Norwegen unterzeichnen ein Kulturabkommen.
Der belgische Außenminister Paul-Henri Spaak legt seinen EGKS-Amtskollegen einen Bericht über den Entwurf von Gemeinschaftsverträgen zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) vor.
DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl beschuldigt in einer Regierungserklärung vor der Volkskammer in Ost-Berlin die Bundesregierung der "verbrecherischen Wühlarbeit" gegen die DDR. Zur Entspannung im innerdeutschen Verhältnis fordert Grotewohl die Bundesregierung auf, von der allgemeinen Wehrpflicht Abstand zu nehmen.
Als erste Schiffe der Bundesmarine werden in Kiel drei Schnellboote in Dienst gestellt. Die Schiffe wurden in deutschen Werften für die britische Marine gebaut und sind ein Geschenk der Regierung in London.
30. Mai Der Bundesgrenzschutz erhält per Gesetz Bestandsgarantie in Zusammenhang mit der Aufstellung der Bundeswehr zum 01. Juli 1956.
Auf eine Anfrage im Deutschen Bundestag erklärt der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, dass die Zahl der politischen Häftlinge in der DDR zur Zeit rund 18.900 betrage.
31. Mai Die Außenminister der Mitgliedstaaten der Montanunion stimmen in Venedig dem Ausbau der Organisation zu einem "Gemeinsamen Markt" sowie der Errichtung einer "Europäischen Atomgemeinschaft" EURATOM zu.
Bei einem Besuch des syrischen Staatspräsidenten Schukri Al Kuwwatli in der jordanischen Hauptstadt Amman wird die Zusammenlegung der Streitkräfte beider Länder unter einem gemeinsamen Militärrat beschlossen.
Das UNO-Oberkommando in Südkorea löst in Panmunjom die neutrale Waffenstillstandskommission auf, die seit Ende des Koreakrieges vor drei Jahren den Waffenstillstand kontrolliert. Die USA werfen den kommunistischen Mitgliedern der Kommission Obstruktion der Verhandlungen vor.
01. Juni In Frankfurt am Main stellt die US-Luftwaffe ihre neue lenkbare Überschall-Flakrakete "Nike" erstmals in Europa der Öffentlichkeit vor.
Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow gibt in Moskau seinen Rücktritt bekannt. Zu seinem Nachfolger ernennt das Politbüro der Kommunistischen Partei Dimitri T. Schepilow, einen engen Vertrauten von Parteichef Nikita S. Chruschtschow.
Der britische Premierminister Anthony Eden wendet sich in einer Rede vor Mitgliedern der konservativen Partei in Norwich scharf gegen die Politik der griechischen Regierung, die in der Vergangenheit die Terror-Organisation EOKA auf Zypern unterstützt habe.
02. Juni Der Bundesminister für Atomfragen Franz Josef Strauß gibt in Bonn die Lieferung von drei Forschungsreaktoren durch die US-amerikanische Atomenergiekommission bekannt. Die Reaktoren sollen in den Universitäten in München, Frankfurt/Main und Hamburg installiert werden. Gleichzeitig erhält die Bundesrepublik 10 kg radioaktives Uran 235 zum Betrieb der Anlagen.
03. Juni Mehr als 20.000 ehemalige Marinesoldaten begehen in Kiel den 40. Jahrestag der "Skagerak-Schlacht" im Ersten Weltkrieg. Der frühere Großadmiral Erich Raeder wird vom Kameradschaftsbund der Marine zum Ehrenmitglied gewählt.
04. Juni Der Deutsche Bundestag ratifiziert in Bonn ein internationales Zollabkommen. Zukünftig ist die Einfuhr von 250 Zigaretten, einer Flasche Wein und von Reiseandenken bis zu 50 US-Dollar (rund 210 DM) zollfrei.
Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Ministerpräsident Guy Mollet vereinbaren in Luxemburg die Eingliederung des Saargebiets in die Bundesrepublik Deutschland.
Das US-Außenministerium veröffentlicht in Washington den Text der Rede des sowjetischen Parteichefs Nikita S. Chruschtschow, die dieser auf dem XX. Parteitag der KPdSU in Moskau gehalten hat. Darin hatte Chruschtschow zahlreiche Verbrechen Stalins enthüllt.
Im Zuge einer Dezentralisierung des sowjetischen Justizwesens beschließt die Regierung in Moskau die Auflösung des Ministeriums für Justiz der UdSSR. Seine Aufgaben werden auf die Justizministerien der einzelnen Sowjetrepubliken übertragen.
05. Juni Der französische Finanzminister Paul Ramadier kündigt in Paris Steuererhöhungen in Höhe von rund 100 Mrd. Francs (1,25 Mrd. DM) zur Deckung der Militärausgaben in Algerien an.
06. Juni Nach Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten verpflichtet sich die Bundesregierung die Kosten für in Deutschland stationierte US-Soldaten zu übernehmen. Für das Finanzjahr 1956/57 erstattet die Bundesrepublik den USA rund 650 Mio. DM.
Die britische Admiralität in London gibt die Schließung des Marinestützpunkts Scapa Flow (Schottland) bekannt. Der Hafen war im Zweiten Weltkrieg eine der größten Flottenbasen der britischen Kriegsmarine.
07. Juni Zum Abschluss eines sechstägigen Staatsbesuchs des nordkoreanischen Ministerpräsidenten Kim Il Sung in der DDR werden in Ost-Berlin Abkommen über wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten unterzeichnet. In einer Erklärung spricht sich die nordkoreanische Delegation für das Prinzip der friedlichen Koexistenz sowie der Abrüstung als ersten Schritt zur Wiedervereinigung der beiden geteilten Länder aus.
Das US-Repräsentantenhaus kürzt trotz eines Appells von Präsident Dwight D. Eisenhower das von diesem eingebrachte Auslandshilfeprogramm um 1,1 Mrd. US-Dollar (4,62 Mrd. DM).
In Fontenay-aux-Roses bei Paris stirbt der französische Philosoph und Schriftsteller Julien Benda.
08. Juni Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland beschließt, Pastor Martin Niemöller von seinen Aufgaben als Leiter des Kirchlichen Außenamts zu entbinden. Er soll durch den Landessuperintendenten Adolf Wischmann ersetzt werden. Niemöller protestiert gegen diese Entscheidung. Dahinter vermutet er politische Gründe, die mit seiner Kritik an der deutschen Wiederbewaffnung zusammenhängen.
Josef Kammhuber, Fliegergeneral des Zweiten Weltkriegs, übernimmt im Range eines Generalleutnants die Abteilung Luftwaffe des Bundesverteidigungsministeriums in Bonn.
Auf die unbestätigte Nachricht eines Herzanfalls von US-Präsident Dwight D. Eisenhower hin kommt es an der New Yorker Börse zu starken Kurseinbrüchen.
Regierungsvertreter der DDR und Syriens unterzeichnen in Damaskus eine Reihe von Handels- und Kulturabkommen.
09. Juni Ein Militärputsch von Anhängern des 1955 gestürzten argentinischen Staatschefs Juan Domingo Perón wird von regierungstreuen Truppen niedergeschlagen. Der Führer des Aufstands, General Juan José Valle wird zusammen mit weiteren 250 Meuterern standrechtlich erschossen.
11. Juni Die Regierung der DDR ruft Militärangehörige in der Bundesrepublik Deutschland zum Übertritt in die DDR auf. Das Angebot soll auch für jugendliche Flüchtlinge aus der DDR gelten.
Auf der Parteikonferenz der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei weist Parteichef Antonin Novotný auf Fehler und Mängel in der Parteiarbeit hin. Diese seien durch die Anwendung der falschen Thesen des früheren sowjetischen Staats- und Parteichefs Josef W. Stalin zustande gekommen.
12. Juni Zwischen Irland und der Bundesrepublik wird ein Luftverkehrsabkommen unterzeichnet, das im Transatlantikverkehr der Lufthansa Zwischenlandungen auf dem irischen Flughafen Shannon ermöglicht.
Das südafrikanische Parlament verabschiedet in Kapstadt eine Gesetzesänderung, nach der für schwere Verbrechen wie Vergewaltigung und schwerer Raub die Prügelstrafe zwingend vorgeschrieben ist.
14. Juni Der Oberkommandierende der "Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" kündigt in Ost-Berlin die Reduzierung der sowjetischen Truppen in der DDR um 50.000 Mann an.
15. Juni Anlässlich seiner USA-Reise wird Bundeskanzler Konrad Adenauer in Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) von der Vereinigung der Indianerstämme die Würde eines Ehrenhäuptlings verliehen.
Frankreich und die ehemalige französische Kolonie Tunesien nehmen mit dem Austausch von Botschaftern offizielle diplomatische Beziehungen auf.
16. Juni In Rostock stirbt der Zeichner, Karikaturist, Illustrator und Schriftsteller Fritz Koch-Gotha (Die Häschenschule).
17. Juni Am "Tag der deutschen Einheit", dem dritten Jahrestag der Niederschlagung des Arbeiteraufstands in der DDR, finden in West-Berlin und in Städten der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt.
In Essen wird der erste Bundeskongress der 1955 gegründeten Christlichen Gewerkschaftsbewegung (CGD) abgehalten. Die Mitglieder wählen Johannes Even (CDU) zum ersten Vorsitzenden und Erich König zum Generalsekretär der CGD.
Im bayerischen Miltenberg gründet Otto Strasser, früher mit seinem Bruder Gregor zur linken Fraktion der NSDAP gehörend, die Deutsch-Soziale Union (DSU).
Als Nachfolgerin von Moshe Sharet übernimmt Golda Meir (Arbeiterpartei) das Amt des israelischen Außenministers.
Aus den Wahlen für das Amt des Staatspräsidenten in Bolivien geht der Kandidat der Regierungspartei, Hernán Siles Zuazo, mit knapp 70 % der Stimmen als eindeutiger Sieger hervor.
18. Juni Mit dem Abzug der letzten Soldaten aus der Suezkanal-Zone endet die 74-jährige britische Besetzung Ägyptens.
19. Juni Der indonesische Staatspräsident Ahmed Sukarno besucht Düsseldorf.
In Zypern kommen 19 britische Soldaten bei einem von Mitgliedern der griechischen Untergrundorganisation EOKA gelegten Waldbrand ums Leben.
In New York City stirbt der langjährige IBM-Vorstand Thomas J. Watson.
21. Juni In der DDR werden im Rahmen einer umfangreichen Amnestie rund 11.800 Häftlinge, darunter auch politische Gefangene, entlassen.
Der Westberliner Regierende Bürgermeister Otto Suhr wird auf der 9. Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Essen als Präsident des Gremiums wieder gewählt.
22. Juni Die Staats- und Parteichefs des Ostblocks treffen sich in Moskau, um über eine Wiederannäherung an Jugoslawien zu beraten.
23. Juni Eine Volksabstimmung in Ägypten verabschiedet die vorgelegte Verfassung des Landes und bestätigt Ministerpräsident Oberst Gamal Abd an Nasser mit 99,84 % der abgegebenen Stimmen als neuen Staatspräsidenten.
Der jugoslawische Staatschef Josip Tito beendet eine dreiwöchige Reise durch die Sowjetunion, bei der über eine weitere Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen nach der Abkehr vom Stalinismus in der UdSSR verhandelt wurde.
24. Juni Die rechtsliberale Freie Volkspartei (FVP), die sich aus ehemaligen FDP-Abgeordneten des Bundestages zusammensetzt, hält in Bochum ihren Gründungsparteitag ab. Zum Parteivorsitzenden wird Wohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker gewählt.
Aus den Wahlen zum isländischen Parlament gehen die regierende Konservative Unabhängigkeitspartei und die Partei der Fortschrittlichen Agrarier mit 19 bzw. 17 Mandaten als stärkste Kräfte hervor.
Zum Tag der sowjetischen Luftstreitkräfte auf dem Flughafen Kubinka bei Moskau zeigt die sowjetische Luftwaffe im Beisein hoher Militärs der NATO ihre neuesten Kampfflugzeuge, darunter Atombomber die von der NATO die Codenamen "Bear" und "Bison" erhalten.
25. Juni Die sowjetische Regierung übergibt das Haus des Rundfunks in West-Berlin dem Senat der Stadt. Das Gebäude war seit 1945 eine sowjetische Enklave im britischen Sektor.
Der sowjetische Parteichef Nikita S. Chruschtschow erklärt gegenüber ägyptischen Journalisten, ein Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten würde zwangsläufig den dritten Weltkrieg auslösen.
Der Schah des Iran, Mohammed Resa Pahlawi, trifft mit Kaiserin Soraya in Moskau zu einem offiziellen Staatsbesuch der Sowjetunion ein.
26. Juni Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn einen Gesetzentwurf, der eine allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung in Städten von 60 km/h vorsieht. Dadurch sollen die rapide steigenden Unfallzahlen im Straßenverkehr gesenkt werden.
Auf Beschluss der Außenministerkonferenz der Montanunion vom 31. Mai in Venedig beginnen in Brüssel die Regierungsvertreter der sechs Mitgliedstaaten mit der Ausarbeitung von Verträgen über einen gemeinsamen europäischen Markt und die europäische Atomgemeinschaft (EURATOM).
27. Juni Der Bundesrat billigt in Bonn das Zweite Wohnungsbaugesetz. Durch den verstärkten Bau von Sozialwohnungen sollen einkommensschwache und kinderreiche Familien unterstützt werden.
Die französische Nationalversammlung verabschiedet in Paris ein Gesetz zur Schaffung eines nationalen Fonds für die Altersversorgung.
Bei den Präsidentschaftswahlen in Peru setzt sich der Kandidat der konservativen Regierungspartei, Manuel Prado y Ugarteche, gegen den Oppositionellen Fernando Bellaúnde Terry durch.
Rumänien wird Mitglied in der UNESCO.
28. Juni Der Bundestag verabschiedet in Bonn den Haushalt für 1956, der mit rund 35 Mrd. DM ein Rekordvolumen aufweist.
Bundeskanzler Adenauer ernennt in Bonn Felix von Eckardt als Nachfolger von Edmund Forschbach zum Leiter des Bundespresseamtes. Eckardt, der in den letzten 12 Monaten Beobachter der Bundesrepublik bei der UNO war, hatte dieses Amt bereits von 1952 bis 1955 inne.
In der polnischen Stadt Posen wird ein Arbeiteraufstand durch Armee-Einheiten niedergeschlagen. Nach offiziellen Angaben kommen dabei 53 Menschen ums Leben, rund 300 werden verletzt.
29. Juni In Bremen billigt der Arbeitgeberverband der Metallindustrie die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf 45 Stunden.
Das Auswärtige Amt in Bonn gibt den Abschluss der Verhandlungen über die Stationierungskosten für die Alliierten bekannt. Danach erhalten die USA 650 Mio. DM, Großbritannien 400 Mio. DM und Frankreich 278 Mio. DM zum Unterhalt der in der Bundesrepublik stationierten Truppen.
In Wien stellt Bundeskanzler Julius Raab (ÖVP) sein Kabinett vor, dem Minister der beiden großen Parteien ÖVP und SPÖ angehören.
In Washington unterzeichnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower ein Gesetz, das die Bereitstellung von rund 33,4 Mrd. US-Dollar (140 Mrd. DM) für den Ausbau des Fernstraßennetzes in den Vereinigten Staaten vorsieht.
Die Sowjetunion gibt die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in die UdSSR verbrachte Gothaer Bibliothek an die DDR zurück. Die Bibliothek, die als eine der bedeutendsten Büchersammlungen Europas gilt, umfasst rund 300.000 Bände.
30. Juni Das Zentralkomitee (ZK) der SED fordert die SPD in der Bundesrepublik zu gemeinsamen Beratungen über Abrüstungsfragen und Maßnahmen zur Verhinderung der allgemeinen Wehrpflicht in der Bundesrepublik auf.
In London wird zwischen Regierungsvertretern Ungarns und Großbritanniens ein Entschädigungsabkommen unterzeichnet, in dem sich Ungarn zur Zahlung von rund 10 Mio. US-Dollar (40,2 Mio. DM) für Beeinträchtigungen britischen Vermögens im und nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichtet.
01. Juli Durch die Aufstellung der Bundeswehr entscheiden sich 9.572 Angehörige des Bundesgrenzschutzes freiwillig für den Dienst in der Bundeswehr.
Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft in Begleitung von Außenminister Heinrich von Brentano in Rom zu einem viertägigen Staatsbesuch ein. Die deutsche Delegation führt u. a. Gespräche mit dem italienischen Staatspräsidenten Giovanni Gronchi und Ministerpräsident Antonio Segni.
Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" gibt den Beschluss des Ministerrats der DDR bekannt, die Nationale Volksarmee (NVA) um 30.000 Mann zu verringern. Die Gesamtstärke der NVA beträgt bislang 120.000 Mann.
Die DDR führt Erleichterungen im deutsch-deutschen Reiseverkehr ein. Die Ausweise von Bundesbürgern werden von den DDR-Grenzpolizisten nicht mehr generell, sondern nur noch in Einzelfällen mit den Fahndungslisten verglichen. Dadurch wird die Wartezeit an den Grenzübergängen erheblich verkürzt.
Die sowjetische Zeitschrift "Kommunist" veröffentlicht das bislang geheime Testament Wladimir I. Lenins, der darin die Ablösung Stalins als Generalsekretär der KPdSU fordert.
In Washington unterzeichnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower das Gesetz über die Verteidigungsausgaben im Finanzjahr 1956/57. Der Militärhaushalt der USA beträgt insgesamt rund 35 Mrd. US-Dollar (147 Mrd. DM). Einen Schwerpunkt wird der Ausbau der strategischen Luftstreitkräfte bilden.
02. Juli In der Bundesrepublik werden neue Kfz-Kennzeichen ausgegeben.
An der US-amerikanischen Ostküste treten rund 650.000 Stahlarbeiter in den Streik.
In Moskau veröffentlicht das Zentralorgan der KPdSU "Prawda" einen Beschluss des Zentralkomitees über die Überwindung des Personenkults in der Sowjetunion. In dem Beschluss wird in scharfer Form auf Verfehlungen des früheren Staats- und Parteichefs Josef W. Stalin hingewiesen.
03. Juli In Hamburg registrieren Wissenschaftler eine deutlich erhöhte radioaktive Belastung der Luft. Die gemessenen Werte liegen etwa beim Zehnfachen der Normalwerte. Als Ursache werden die US-amerikanischen Atombombenversuche im Pazifik vermutet.
Auf der Konferenz der UN-Abrüstungskommission in New York schlägt der sowjetische Delegierte Andrei A. Gromyko eine internationale "Deklaration der Staaten über Maßnahmen zur Festigung des allgemeinen Friedens und der Sicherheit der Völker" vor. Darin sollen sich die Unterzeichnerstaaten u. a. verpflichten, auf Kernwaffen zu verzichten. Der Vorschlag wird von den USA abgelehnt.
Der US-amerikanische Vizepräsident Richard M. Nixon erklärt in Manila (Philippinen), die USA würden die Souveränität der philippinischen Regierung achten und auf sämtliche Besitzansprüche auf US-Militärstützpunkte in der ehemaligen Kolonie verzichten.
04. Juli Nach Angaben des Bundesministeriums für Verteidigung in Bonn hat bereits mehr als die Hälfte der 16.614 Angehörigen des Bundesgrenzschutzes von dem Angebot Gebrauch gemacht, in die Bundeswehr einzutreten.
Der Bundestag wählt den FDP-Abgeordneten Max Becker zum vierten Vizepräsidenten des Parlaments. Die Wahl war nötig geworden, da der von der FDP gestellte Vizepräsident Ludwig Schneider zur FVP übergetreten war.
In Warschau beschließt der polnische Ministerrat die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Revolte vom 28./29. Juni in Poznan (Posen). Den Vorsitz übernimmt der Sekretär des ZK der polnischen Arbeiterpartei, Edward Gierek.
05. Juli Der deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn eine Reihe von Steuersenkungen. Betroffen sind u. a. die Umsatzsteuer, die Einkommensteuer und die Gewerbesteuer. Insgesamt haben die Senkungen einen Umfang von rund 3 Mrd. DM.
Papst Pius XII. empfängt Bundeskanzler Adenauer im Vatikan zu einer Privataudienz. Das Treffen kommt auf Wunsch des Heiligen Vaters zustande.
Das sudanesische Parlament wählt Abd Allah Chalil zum Ministerpräsidenten des Landes. Chalil tritt die Nachfolge des nach einem Misstrauensvotum zurückgetretenen Ismail Ashari an.
In Paris verfügt die französische Regierung eine Erhöhung der Tabaksteuer um 20 %. Die Mehreinnahmen sollen den französischen Streitkräften in Algerien zugute kommen.
06. Juli In London endet eine Konferenz der Premierminister der Commonwealth-Staaten. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Lage auf Zypern und die politische Situation im Nahen Osten.
Die sowjetische Stadt Krementschuk wird in Chruschtschow umbenannt. Nach Mitteilung der UdSSR-Nachrichtenagentur ist es die erste Ortschaft, die den Namen des KPdSU-Parteichefs trägt. 83 sowjetische Städte sind nach dem Staatsgründer Wladimir I. Lenin, 81 nach dem verstorbenen Staats- und Parteichef Josef W. Stalin benannt.
07. Juli Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht. Damit wird die künftige Bundeswehr eine Wehrpflichtarmee. Im September wird die Dauer des Wehrdienstes auf 12 Monate festgelegt. Außerdem wird ein ziviler Ersatzdienst für Kriegsdienstverweigerer eingerichtet.
In Berlin stirbt der deutsche Arzt, Dichter und Essayist Gottfried Benn.
08. Juli Das Politbüro der DDR veröffentlicht in Ost-Berlin eine Erklärung, in der zu einer offenen Debatte über die Schwierigkeiten beim Aufbau des Sozialismus aufgefordert wird.
Bei den Wahlen zum japanischen Senat müssen die regierenden Liberaldemokraten Stimmenverluste hinnehmen. Die Sozialisten können ihre Stellung als stärkste Oppositionskraft ausbauen.
09. Juli Die Bundesregierung ernennt den bisherigen Botschafter in Norwegen, Georg von Broich-Oppert, zum Ständigen Beobachter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen. Broich-Oppert tritt die Nachfolge von Felix von Eckardt an, der als Pressesprecher nach Bonn wechselt.
Der Landtag des Saarlandes beschließt in Saarbrücken ein Gesetz, das die Einführung der deutschen Bundesflagge im Saarland mit Wirkung vom 1. Januar 1957 vorsieht.
10. Juli Das Bundesverteidigungsministerium gibt in Bonn die Bestellung von 137 französischen Transportflugzeugen vom Typ "Atlas 2501" bekannt. Die Maschinen sollen den Grundstock der bundesdeutschen Luftwaffe bilden.
In Ost-Berlin findet bis zum 12. Juli die 28. Tagung des ZK der SED statt.
In London lehnt das britische Oberhaus den am 28. Juni vom Unterhaus verabschiedeten Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe ab.
11. Juli Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) spricht sich in einem Interview mit der "Financial Times" für eine Neuregelung der europäischen Währungsparitäten aus. Die britische Regierung reagiert auf den Vorschlag Erhards, der eine Aufwertung der DM für notwendig hält, ablehnend.
Die Regierung der DDR bietet anlässlich der Verabschiedung des Wehrpflichtgesetzes durch den Bundestag bundesdeutschen Wehrpflichtigen politisches Asyl in der DDR an.
Der US-amerikanische Außenminister John F. Dulles wertet auf einer Pressekonferenz die Entstalinisierung in der Sowjetunion als eine Chance für die freie Welt. Hinter dem Eisernen Vorhang würden sich offensichtlich "Kräfte der Freiheit" durchsetzen. Dies könnte in den kommenden zehn Jahren die weltpolitische Lage völlig verändern.
In Wien verfügt der österreichische Nationalrat die Bildung eines Bundesministeriums für Landesverteidigung.
12. Juli Das ungarische Justizministerium erlässt in Budapest eine Amnestie für insgesamt 11.398 Häftlinge. Darunter sind auch Personen, die wegen Verstößen "gegen die sozialistische Legalität" zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren.
Vor der in New York tagenden UN-Abrüstungskommission erklärt der sowjetische Delegierte Andrei A. Gromyko seine Bereitschaft, die von den Westmächten vorgeschlagene Begrenzung der Streitkräfte zu akzeptieren. Danach sollten der UdSSR den USA sowie China jeweils 2,5 Mio. Soldaten zugestanden werden. Die Streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens dürften eine Stärke von jeweils 750.000 Mann nicht überschreiten.
Die sowjetische Führung übermittelt an die Regierungen der europäischen Staaten und der USA eine Erklärung über internationale Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die UdSSR schlägt u. a. die Schaffung einer internationalen Atom-Organisation vor.
Der Nationale Sicherheitsrat der USA veröffentlicht ein Grundsatzdokument zur amerikanischen Politik gegenüber den osteuropäischen Ländern.
13. Juli Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit beträgt die Arbeitslosenquote zur Zeit rund 2,5 %. Dies ist der niedrigste Stand seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland.
In Germersheim werden das Ersatzteildepot und die Standortverwaltung der neuen deutschen Streitkräfte stationiert.
14. Juli In München endet nach viertägiger Dauer der Bundesparteitag der SPD. Erich Ollenhauer wird als Vorsitzender wiedergewählt. Zum Abschluss des Parteitags nehmen die Teilnehmer eine Entschließung an, in der u. a. eine Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und der DDR gefordert wird.
Der "Deutsche Bundeswehrverband" wird gegründet.
In die neue Garnison in Koblenz ziehen Soldaten der deutschen Streitkräfte ein.
15. Juli In Bonn gibt das Auswärtige Amt bekannt, dass die kanadischen Streitkräfte der Bundeswehr 75 moderne Düsenflugzeuge zur Verfügung stellen. Zusätzlich zu den Maschinen, die einen Wert von rund 75 Mio. US-Dollar (315 Mio. DM) haben, sagt Kanada die kostenlose Versorgung mit Ersatzteilen zu.
16. Juli In Moskau endet nach fünftägiger Dauer eine Sitzung des Obersten Sowjet. Das Parlament der UdSSR verabschiedete u. a. eine Reform der Rentengesetze sowie die Auflösung der Karelo-finnischen Sowjetrepublik.
17. Juli Der indische Ministerpräsident Jawaharlal Nehru beendet einen viertägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland. Nehru traf u. a. mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard zusammen. Er vereinbarte eine Vertiefung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.
Der Generalstaatsanwalt der Volksrepublik Polen, Marian Rybicki, erklärt gegenüber der amtlichen polnischen Nachrichtenagentur PAP, die Aufstände in Posen vom 27. und 28. Juni hätten insgesamt 53 Todesopfer – darunter neun Soldaten und Polizisten – sowie mehr als 300 Verletzte gefordert. Rund 326 Abenteurer, verbrecherische Elemente und Provokateure befänden sich in Haft.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower gibt in Washington seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen bekannt.
Die Regierung der UdSSR erklärt sich in Moskau bereit, für das Jahr 1956 auf die Erstattung der Kosten, die durch die Stationierung sowjetischer Soldaten in der DDR entstehen, zu verzichten. Der Betrag wird auf rund 800 Mio. Mark veranschlagt.
18. Juli In Budapest wird Ernö Gerö zum Ersten Sekretär der ungarischen kommunistischen Partei gewählt. Gerö kündigt eine Verlangsamung der Kollektivierung in der Landwirtschaft sowie den Ausbau der Konsumgüterindustrie an.
Tunesische Regierungsvertreter brechen in Paris Verhandlungen mit der französischen Regierung über die künftigen politischen Beziehungen ab. Grund ist eine Rede des französischen Außenministers Christian Pineau vom 12. Juli. Pineau hatte den Verbleib französischer Truppen in der ehemaligen Kolonie als unverzichtbar bezeichnet.
19. Juli Auf der Insel Brioni (Jugoslawien) treffen der ägyptische Staatspräsident Gamal Abd an Nasser, der jugoslawische Staatschef Josip Tito und der indische Premier Jawaharlal Nehru zu politischen Gesprächen zusammen.
Die US-Streitkräfte geben in Washington die Verlegung des US-Fernostkommandos von Tokio nach Hawaii bekannt. Damit verlassen die US-Truppen das Territorium des ehemaligen Kriegsgegners Japan.
20. Juli Der Bundesrat wählt in Bonn den Hamburger Bürgermeister Kurt Sieveking einstimmig zu seinem Präsidenten für das am 1. September beginnende Geschäftsjahr.
Der australische Ministerpräsident Robert G. Menzies beendet in Bonn seinen viertägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland.
21. Juli In Bonn billigt der Bundesrat das Wehrpflichtgesetz mit 21 gegen 17 Stimmen. Gegen das Gesetz stimmen die Vertreter Bayerns, Bremens, Hessens und Nordrhein-Westfalens, Berlin enthält sich der Stimme.
Aus den Parlamentswahlen in Island gehen die Linksparteien als Sieger hervor. Der neue Ministerpräsident, Hermann Jonasson, bezeichnet den Verbleib seines Landes in der NATO als nötig. Er fordert jedoch den baldigen Abzug der auf Island stationierten US-Streitkräfte.
Nach Ansicht führender Vertreter der US-Streitkräfte könnten die Armeen der USA, Großbritanniens und der Bundesrepublik Deutschland deutlich verringert werden. Allein die Vereinigten Staaten könnten Truppen in einem Umfang von rund 800.000 Mann abbauen. Wahrend US-Außenminister John Foster Dulles die Vorschläge begrüßt, warnt Bundeskanzler Konrad Adenauer nachdrücklich vor einer Schwächung der westlichen Verteidigungsfähigkeit.
22. Juli In Panama-Stadt endet eine zweitägige Konferenz der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS).
23. Juli In Saarbrücken vereinigen sich die Deutsche Zentrumspartei und die Christliche Volkspartei des Saargebiets (CVP) zur Christlichen Volkspartei-Zentrum. Der bisherige CVP-Vorsitzende und frühere Ministerpräsident des Saarlands, Johannes Hoffmann, tritt aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück.
Bei Wahlen in den britischen Kolonien Goldküste, Aschanti und Togoland erringt die gemäßigte Volkskonventionspartei die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Die Partei tritt für die baldige Entlassung der Kolonien in die Unabhängigkeit und die Gründung eines Staates Ghana ein.
24. Juli Die tschechoslowakische Regierung gibt in Prag die Reduzierung ihrer Streitkräfte um weitere 10.000 Mann bekannt. Bereits vor einem Jahr waren die tschechischen Streitkräfte um rund 34.000 Mann verringert worden.
25. Juli Der Bundesminister für Atomfragen Franz-Josef Strauß gibt das erste deutsche Programm zur Nutzung der Kernenergie bekannt. In drei Stufen sollen in den kommenden Jahren Forschungseinrichtungen und Versuchsreaktoren errichtet werden.
Das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht tritt in Kraft.
26. Juli Ägypten verstaatlicht den Sueskanal und löst damit die Sueskrise aus.
28. Juli Bundeskanzler Konrad Adenauer wendet sich vor der Presse scharf gegen die Äußerung des sowjetischen Ministerpräsidenten Nikolai A. Bulganin, Schlesien sei "für immer polnisch". Nach Ansicht Adenauers stünden die ehemaligen deutschen Ostgebiete nur unter vorläufiger polnischer Verwaltung. Eine endgültige Regelung der Grenzfrage könne nur durch einen Friedensvertrag getroffen werden.
Die Internationale Bank für Wiederaufbau gibt die Gründung der Internationalen Finanzgesellschaft bekannt. Ziel der mit einem Kapital von rund 80 Mio. US-Dollar (336 Mio. DM) ausgestatteten Gesellschaft ist die Förderung von Unternehmensgründungen.
29. Juli In Washington billigt der Kongress ein Auslandshilfeprogramm in Höhe von rund 3,8 Mrd. US-Dollar (16 Mrd. DM).
In Kilchberg im Schweizer Kanton Zürich stirbt der deutsche Philosoph und Begründer der ausdruckwissenschaftlichen Graphologie, Ludwig Klages.
30. Juli Der ungarische Ministerpräsident Andras Hagedüs tritt vor dem Parlament in Budapest für die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik ein.
Nach Angaben der Regierung in Wien hat Österreich im Rechnungsjahr 1956 Waren im Werte von rund 120 Mio. DM an die Sowjetunion als Ausgleich für erlittene Kriegsschäden geliefert.
31. Juli Das Zentralkomitee der SED kündigt die Aufhebung der Lebensmittelrationierung sowie die Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 45 Stunden an.
In Monte Carlo (Monaco) wird offiziell bekannt gegeben, dass Fürstin Gracia Patricia ein Kind erwartet. Die Nachricht wird von der Bevölkerung mit Jubel aufgenommen. Nach einem völkerrechtlich bindenden Vertrag fällt das Fürstentum an Frankreich, falls das Geschlecht der Grimaldis keine Nachkommen hat. Die Monegassen müssten höhere Steuern zahlen und unterlägen der Wehrpflicht.
01. August In Belgien wird die Führerschein-Pflicht eingeführt. Bisher war in Belgien keine Fahrerlaubnis nötig. Alle Autobesitzer, die älter als 21 Jahre sind und bereits Steuern für ein Auto bezahlen, erhalten den neuen Führerschein ohne Fahrprüfung.
Der tschechoslowakische Ministerpräsident Viliam Siroky gibt in Prag bekannt, dass seine Regierung bereit sei, mit der Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen aufzunehmen und über den Abschluss eines Nichtangriffspakts zu verhandeln. Die Bundesregierung lehnt unter dem Hinweis ab, die Tschechoslowakei unterhalte offizielle Beziehungen zur DDR.
Zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland tritt ein Abkommen zur Erleichterung des Reiseverkehrs in Kraft. Für Reisen in die Schweiz benötigen Bundesbürger künftig nur noch den Personalausweis.
In Moskau gibt die Regierung eine Reihe von drastischen Preissenkungen für Verbrauchs- und Konsumgüter bekannt. Haushaltsartikel, Stoffe, Zigaretten und Fotoapparate sind ab sofort bis zu 30 % billiger.
Die ungarische Regierung reduziert die Stärke der Streitkräfte auf 15.000 Mann.
02. August Das US-amerikanische Verteidigungsministerium kündigt in Washington weit reichende Änderungen des Verteidigungskonzepts der USA an.
In Manila fordert die Regierung der Philippinen eine Revision des Militärabkommens mit der ehemaligen Kolonialmacht USA. Sie verlangt u. a. die Beteiligung der philippinischen Behörden an der Verwaltung der US-Stützpunkte.
03. August Nach Angaben des Senats von West-Berlin sind im Westteil der ehemaligen Reichshauptstadt zum ersten mal seit 1945 weniger als 100.000 Menschen arbeitslos.
In Washington unterzeichnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower ein Gesetz zur Vereinfachung von Zollverfahren. Durch diese Maßnahme wird der Import von Waren erleichtert.
04. August Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes arbeiten bereits rund 3,2 Mio. Arbeitnehmer in der Bundesrepublik weniger als 48 Stunden in der Woche. Vorreiter sind die 2,4 Mio. Beschäftigten der Metallindustrie.
In Jakarta erklärt die indonesische Regierung, dass sie ab sofort ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber der ehemaligen Kolonialmacht Niederlande nicht mehr nachkommen werde.
05. August Helgoland wird nach jahrelangen Räumungsarbeiten für den Tourismus freigegeben. Die Nordseeinsel war während des Zweiten Weltkrieges von der deutschen Wehrmacht zu einer Festung ausgebaut worden und diente in der unmittelbaren Nachkriegszeit der britischen Luftwaffe als Übungsziel.
Regierungsvertreter der DDR, der Sowjetunion und Jugoslawiens unterzeichnen in Belgrad ein Abkommen über die Errichtung eines Großkombinats zur Erzeugung von Aluminium in Jugoslawien. Das Werk soll nach seiner für 1957 geplanten Fertigstellung jährlich rund 100.000 t Leichtmetall produzieren.
06. August In Bonn erklärt der Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Felix von Eckardt, auch nach dem Aufbau der Bundeswehr sollten die US-amerikanischen Streitkräfte in der Bundesrepublik Deutschland in vollem Umfang stationiert bleiben.
Die USA gewähren Brasilien einen Kredit in Höhe von 150 Mio. US-Dollar (630 Mio. DM). Mit dem Darlehen soll das ehrgeizige Industrialisierungsprogramm der brasilianischen Regierung unterstützt werden.
07. August Die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs verständigen sich auf die Aufstellung gemeinsam geführter Streitkräfte zur Beendigung der Suezkrise.
08. August Der britische Premierminister Anthony Eden hält in London eine Ansprache, in der er die Rücknahme der von Ägypten verfügten Verstaatlichung des Suezkanals verlangt. In der von mehreren Fernseh- und Rundfunkstationen direkt übertragenen Rede schließt Eden eine militärische Intervention Großbritanniens nicht aus.
09. August In Ägypten wird auf Befehl von Staatspräsident Gamal Abd an Nasser angesichts der drohenden militärischen Eskalation der Suezkrise eine Nationale Befreiungsarmee gebildet.
Nach vierwöchiger Dauer endet in New York die 22. Tagung des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen. Die Delegierten verabschieden eine Reihe von Resolutionen. Darin werden u. a. die Hilfe für unterentwickelte Länder, die Einhaltung der Menschenrechte, die Gleichberechtigung der Frau und der verschärfte Kampf gegen den Drogenhandel als vorrangige Aufgaben der kommenden Jahre bezeichnet.
10. August In Moskau verhandelt der japanische Außenminister Mamoru Schigemitsu mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Nikolai A. Bulganin und dem Ersten Sekretär des ZK der KPdSU, Nikita S. Chruschtschow, über die Rückgabe der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee besetzten japanischen Landesteile. Die UdSSR erklärt sich zwar bereit, die Inseln Shikotan und Habomais zurückzugeben, weigert sich aber, die südlichen Kurilen-Inseln zu räumen.
Der Bund Arabischer Gewerkschaften droht für den Fall einer militärischen Intervention Frankreichs und Großbritanniens in Ägypten mit der Sprengung des Suezkanals.
11. August Nach einer Mitteilung des Bundes der Steuerzahler betragen die Einnahmen aus den in den letzten 12 Monaten erhobenen Länder- und Bundessteuern 4 Mrd. DM. Dies ist der höchste Betrag, der seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhoben wurde.
13. August Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Heinrich Weitz, gibt nach Gesprächen in Prag bekannt, dass die tschechoslowakische Regierung deutschstämmigen Bürgern die Ausreise in die Bundesrepublik zugesagt hat. Von den rund 160.000 Deutschstämmigen, die in der Tschechoslowakei leben, haben 50.000 einen Antrag auf Übersiedlung gestellt.
14. August Der deutsche Schriftsteller Berthold Brecht stirbt in Ost-Berlin.
Das 7. Plenum des ZK der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei verabschiedet in Warschau den Fünfjahresplan 1956–1960 und rehabilitiert eine Reihe von Parteimitgliedern, die in den letzten Jahren unter dem Vorwurf von Verfehlungen aus ihren Staats- und Parteiämtern entlassen worden waren. Unter ihnen befindet sich der ehemalige Generalsekretär der Partei, Wladyslaw Gomulka.
15. August Die für die Unabhängigkeit Zyperns kämpfende Befreiungsorganisation EOKA verkündet eine Waffenpause, um Verhandlungen mit der britischen Regierung aufzunehmen. Der britische Gouverneur auf Zypern erklärt am 22. August, die EOKA müsse sich bedingungslos ergeben. Dafür sichere er den Rebellen freies Geleit nach Griechenland zu. Die EOKA lehnt die britischen Vorschläge ab.
16. August In den USA nominieren die Demokraten Adlai E. Stevenson zum Präsidentschaftskandidaten. Stevenson war bei den letzten Wahlen 1952 dem Republikaner Dwight D. Eisenhower unterlegen.
17. August Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) für verfassungswidrig und verfügt ihre Auflösung. Noch am gleichen Tag werden die Parteibüros geschlossen und die Druckereien beschlagnahmt.
18. August Die Volksrepublik Polen tritt durch die Hinterlegung der Ratifikationsurkunde bei der Regierung der UdSSR dem österreichischen Staatsvertrag bei. Der im Mai 1955 in Kraft getretene Staatsvertrag regelt die staatliche Souveränität Österreichs.
Im Gaza-Streifen kommt es zwischen israelischen und ägyptischen Einheiten zu einem Feuergefecht. Die Auseinandersetzungen fordern zwei Todesopfer.
19. August In Warschau erklärt der Präsident des Zentralrates der polnischen Gewerkschaften, Viktor Klosiewiecz, die Gewerkschaften in Polen müssten von Grund auf erneuert werden und mehr Kompetenzen erhalten. Nur so könne das in den letzten Jahren verlorene Vertrauen der polnischen Arbeiter zurück gewonnen werden.
20. August Syrien und die Türkei beschließen, ihre Truppen aus dem Grenzgebiet zurückzuziehen. Dadurch sollen gewalttätige Auseinandersetzungen, die zwischen syrischen und türkischen Soldaten in den letzten Monaten wiederholt vorgekommen waren, vermieden werden.
21. August In Bonn spricht sich Bundeskanzler Konrad Adenauer gegen die diskutierte atomare Aufrüstung der US-Streitkräfte aus, da Kernwaffen die "größte Gefahr für die Menschheit" seien.
Der Bundesverband der deutschen Luftfahrtindustrie gibt in Düsseldorf den Bau von Flugzeugen für die im Aufbau befindliche Luftwaffe bekannt.
22. August In Moskau wird Marschall Rodion J. Malinowski zum Oberbefehlshaber der sowjetischen Landstreitkräfte ernannt. Malinowski tritt die Nachfolge von Marschall Iwan S. Konew an, der seit 1955 den Oberbefehl über die Streitkräfte des Warschauer Paktes innehatte.
23. August Bundesernährungsminister Heinrich Lübke (CDU) genehmigt in Bonn den verstärkten Import von ausländischer Butter. Der Deutsche Bauernverband kritisiert die Entscheidung scharf. Er erklärt, die ausländische Butter entspreche nicht den deutschen Qualitätsansprüchen. So werde z. B. neuseeländische Butter mit chemischen Zusätzen gefärbt, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.
In Ost-Berlin erlässt der Ministerrat der DDR eine Verordnung zur Entschädigung von ehemaligen Gesellschaftern enteigneter Unternehmen. Betroffene sollen ihre Entschädigung in Jahresraten von 300 Mark erhalten. Bürger der Bundesrepublik können ihre Ansprüche geltend machen, dürfen jedoch die Entschädigung aufgrund der geltenden Bestimmungen für den Zahlungsverkehr nicht ausführen.
In London endet eine internationale Konferenz von Regierungsvertretern aus 22 Staaten zur Beilegung der Suezkrise ohne konkrete Ergebnisse. Der Plan, den Suezkanal zu internationalisieren stößt bei der sowjetischen Delegation auf Ablehnung. Ägyptens Staatschef Nasser bezeichnet eine Internationalisierung des Suezkanals als unannehmbar.
Der erste Sekretär der KPdSU, Nikita S. Chruschtschow, erklärt in Moskau die Sowjetunion werde im Falle eines britischen Angriffs auf Ägypten Freiwillige entsenden, die gegen die Aggressoren kämpfen sollen.
In San Francisco (US-Bundesstaat Kalifornien) wählt der Nationalkonvent der Republikanischen Partei den amtierenden Präsidenten Dwight D. Eisenhower zum Kandidaten für die am 6. November ausgeschriebenen Wahlen. Zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten wählt der Parteitag Richard M. Nixon.
24. August Die Bundesanwaltschaft erhebt in Karlsruhe nach Beendigung der gerichtlichen Voruntersuchung Anklage gegen den ehemaligen Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Otto John. 1954 war er unter mysteriösen Umständen aus West-Berlin verschwunden. John wird verdächtigt, für östliche Geheimdienste gearbeitet zu haben.
Die Bank deutscher Länder dehnt die Ermächtigung zum Zahlungsverkehr mit dem Ausland auf alle deutschen Kreditinstitute aus. Bislang durften nur zugelassene Außenhandelsbanken den Zahlungsverkehr mit dem Ausland abwickeln.
25. August Nach dreiwöchiger Unterbrechung nehmen in Bonn deutsche und französische Regierungsvertreter die Verhandlungen über den Bau des Moselkanals wieder auf. Die Gespräche waren abgebrochen worden, da sowohl die Bundesrepublik als auch Frankreich die Oberhoheit über das Gemeinschaftsprojekt fordern.
Im SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" erscheint ein Artikel, der in scharfer Form Positionen des Physikers Robert Havemann (SED) kritisiert. Havemann hatte im Juli einen viel beachteten Aufsatz unter der Überschrift "Meinungsstreit fördert die Wissenschaften" veröffentlicht.
In Ost-Berlin teilt die DDR-Regierung mit, dass im Rahmen der Aktion "Frohe Ferientage für alle Kinder" rund 2 Mio. Jugendliche 1956 ihre Sommerferien in staatlichen Ferienlagern verbracht haben. Unter den Teilnehmern befanden sich auch 60.000 Kinder aus der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin.
In Bloomington/Indiana stirbt der amerikanische Sexualforscher Charles Kinsey.
26. August Die Parteizeitung "Neues Deutschland" veröffentlicht in der DDR eine offizielle Stellungnahme des Zentralkomitees der SED zum KPD-Verbot in der Bundesrepublik. Die Adenauer-Regierung habe – so die SED – ein schweres Attentat gegen die Interessen des deutschen Volks begangen. Nun sei das einheitliche Handeln aller deutschen Arbeiterorganisationen, vor allem der SPD und der SED, zwingendes und unaufschiebbares Gebot.
27. August Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums erhält die deutsche Luftwaffe rund 1.000 Flugzeuge aus Beständen der Verbündeten. Die außer Dienst gestellten Maschinen, darunter 558 US-Düsenjäger vom Typ F-84, werden mit Flugzeugträgern in die Bundesrepublik gebracht und von deutschen Firmen überholt.
Die isländische Regierung erlässt in Reykjavik einen Lohn- und Preisstopp. Durch diese Maßnahme soll die Inflationsrate, die zur Zeit rund 18 % beträgt, gesenkt werden.
In der sizilianischen Stadt Palermo sterben bei einem Kampf rivalisierender Mafia-Familien fünf Menschen. Damit hat sich die Zahl der seit Beginn des Bandenkriegs vor drei Monaten Getöteten auf 53 erhöht.
28. August Die südvietnamesische Marine besetzt die im Chinesischen Meer gelegene Spratley-Inselgruppe. Die früher zum französischen Kolonialreich gehörenden Inseln werden neben Südvietnam auch von der Volksrepublik China und Nationalchina (Taiwan) beansprucht.
In der italienischen Stadt Pralognan nehmen der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Italiens, Pietro Nenni, und der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Giuseppe Saragat, Verhandlungen über den Zusammenschluss der beiden Parteien auf.
29. August In Ost-Berlin gibt DDR-Außenminister Lothar Bolz eine Regierungserklärung zur Außenpolitik ab. Darin bezeichnet Bolz die DDR neben der Bundesrepublik Deutschland als den legitimen Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs.
Vor der Volkskammer in Ost-Berlin, dem Parlament der DDR, fordert Parteichef Walter Ulbricht eine Begrenzung der Streitkräfte in beiden deutschen Staaten.
30. August Die polnische Regierung gibt in Warschau die Reduzierung der polnischen Streitkräfte um 50.000 auf nunmehr 300.000 Soldaten bekannt.
Über Sibirien unternimmt die Rote Armee einen oberirdischen Kernwaffentest. Es ist bereits der zweite sowjetische Atombombenversuch innerhalb einer Woche.
Nach Angaben einer Regierungskommission in Den Haag hat Königin Juliana der Niederlande ihre Beziehungen zu der Wunderheilerin Greet Hofmanns abgebrochen. In der Öffentlichkeit ist es zu heftigen Protesten gekommen, nachdem bekannt geworden war, dass die Königin an Vorträgen der Wunderheilerin teilgenommen hatte.
31. August Auf einer Tagung des "Ausschusses für deutsche Einheit" in Ost-Berlin fordern Mitglieder der KPD-Führungsspitze die Bundesrepublik auf, die Partei unverzüglich wiederzuzulassen. Die deutsche Wiedervereinigung sei seit dem 17. August, dem Tag des Verbots der KPD, nicht mehr möglich, da in der Bundesrepublik keine demokratischen Verhältnisse herrschen.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit erreicht die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland mit rund 409.000 Beschäftigungslosen einen neuen Tiefststand.
In Rio de Janeiro verfügt die brasilianische Regierung die Freigabe der während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmten deutschen Vermögen.
01. September Im Ministerialblatt des Bundesministers für Verteidigung wird ein Beschluss über die Aufnahme ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS in die Bundeswehr veröffentlicht.
DDR-Verteidigungsminister Willi Stoph (SED) eröffnet in Naumburg an der Saale die erste Kadettenanstalt zur Ausbildung von Offiziersanwärtern der Nationalen Volksarmee.
In Moskau enden nach fünftägiger Dauer Verhandlungen zwischen Regierungsdelegationen Ceylons und der UdSSR. Neben der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen vereinbaren die Gesprächspartner eine intensive wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten.
In New York legt der israelische UN-Delegierte Abba Eban beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen die von Ägypten betriebene Nationalisierung des Suezkanals scharfen Protest ein.
05. September In Frankfurt am Main senkt die Bank deutscher Länder den Diskontsatz von bisher 5,5 % auf 5 %. Diese Maßnahme, die Kredite verbilligt und den Geldumlauf erhöht, stößt bei Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard auf Kritik. Er bezeichnet die Diskontsenkung angesichts der in den letzten Monaten zu beobachtenden konjunkturellen Beruhigung als verfrüht.
06. September Die Bundesregierung bestreitet in einem in Bonn veröffentlichten Bulletin nachdrücklich die am 29. August von DDR-Außenminister Lothar Bolz (SED) geäußerte Ansicht, die DDR sei ein legitimer Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches. Vielmehr sei der Bundestag die einzige demokratisch gewählte Volksvertretung der Deutschen und habe daher das Recht, das gesamte deutsche Volk zu vertreten.
07. September In einer Note fordert die Bundesregierung die Sowjetunion zu Verhandlungen über die deutsche Wiedervereinigung auf. Dabei solle auch die Wahrung der sowjetischen Sicherheitsinteressen im Mittelpunkt stehen.
08. September In Moskau bezeichnet der stellvertretende Außenminister der Sowjetunion, Andrei A. Gromyko, in einer ersten Reaktion auf Noten der Bundesrepublik Deutschland und der Westmächte die UdSSR als "konsequenten Befürworter der nationalen Einheit Deutschlands". Die Aufrüstung der Bundesrepublik mache die Wiedervereinigung jedoch unmöglich.
11. September DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl beendet einen Staatsbesuch in der ÇSSR. Zum Abschluss der sechstägigen Konsultationen unterzeichnen Grotewohl und sein tschechoslowakischer Amtskollege Viliam Siroky eine Reihe von Wirtschafts- und Kulturabkommen.
12. September In Rittsteig bei Passau stirbt der deutsche Dichter, Schriftsteller und Arzt Hans Carossa.
13. September In Bonn teilt das Bundesverteidigungsministerium mit, dass täglich rund 600 Freiwillige in die Bundeswehr aufgenommen werden. Bis zum Jahresende wird die Truppenstärke der im Aufbau befindlichen deutschen Streitkräfte rund 100.000 Mann betragen.
14. September Im britischen Unterhaus in London wird die Lage auf Zypern erörtert. Dabei äußert die Labour Party massive Kritik an der Regierungspolitik. Sie bezeichnet die Behandlung von Erzbischof Makarios III., der am 9. März von britischen Sicherheitskräften auf die Seychellen deportiert worden war, als skandalös.
15. September In Bonn trifft Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) mit dem FDP-Vorsitzenden Thomas Dehler zu Gesprächen zusammen. Gerüchte, Adenauer habe dem früheren Koalitionspartner den Vizekanzlerposten angeboten, werden von der FDP dementiert. Das Gespräch habe keine Annäherung der politischen Standpunkte gebracht.
In Düsseldorf wählt die Industriegewerkschaft Metall den 48-jährigen Otto Brenner mit großer Mehrheit zu ihrem Vorsitzenden.
17. September In Bonn fasst der Parteivorstand der SPD eine Entschließung zur Aufnahme von früheren Angehörigen der Waffen-SS in die Bundeswehr. Die Partei weist darauf hin, dass viele Deutsche gegen ihren Willen Mitglieder der Waffen-SS waren. Dennoch müsse genauestens geprüft werden, ob ehemalige Angehörige der Waffen-SS für den Dienst in der Armee eines demokratischen Staates geeignet seien.
Das Königspaar Paul I. und Friederike von Griechenland trifft in Begleitung des griechischen Außenministers Evangelos Averoff-Tositzas in Bonn zu einem Staatsbesuch ein.
19. September In Bonn gibt die Bundesregierung die Bereitstellung von rund 800 Mio. DM für den sozialen Wohnungsbau bekannt. Wohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker weist darauf hin, dass 1956 mit mehr als 550.000 fertig gestellten Wohnungen alle bisherigen Rekorde im sozialen Wohnungsbau gebrochen werden.
Der Verband deutscher Kriegsopfer ruft in Bad Godesberg zu einer friedlichen Lösung des Suezkanal-Konflikts auf. Die Tatsache, dass seit Ende des Zweiten Weltkriegs noch mehr als 4,4 Mio. Deutsche vermisst würden, sei eine deutliche Mahnung zum Frieden.
Der griechische König Paul II. und die Königin Friederike besuchen Düsseldorf.
20. September Der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Willy Brandt, gibt im Schöneberger Rathaus das Eintreffen des einmillionsten Flüchtlings aus der DDR im Notaufnahmelager Marienfelde (Tempelhof) bekannt.
21. September Der Magistrat der Stadt Berlin beschließt, das Brandenburger Tor wieder aufzubauen.
Der Dichter Rigoberto López Pérez verübt in León, Nicaragua, ein Attentat auf den Präsidenten Anastasio Somoza García.
23. September Die Bank deutscher Länder gibt in Frankfurt am Main bekannt, dass deutsche Geldinstitute künftig an Reisende Devisen und DM-Reiseschecks in unbegrenzter Höhe abgeben dürfen. Beträge über 1.500 DM müssen nicht mehr wie bisher in die Reisepapiere eingetragen werden.
In Frankfurt an der Oder trifft die erste Gruppe zurückkehrender deutscher Wissenschaftler und Techniker ein, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der sowjetischen Besatzungsmacht zur Arbeit in der UdSSR verpflichtet bzw. angeworben worden waren.
24. September Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft in der belgischen Hauptstadt Brüssel zu einem zweitägigen Staatsbesuch ein. Zum Abschluss des Besuchs wird ein Vertrag über die Berichtigung der deutsch-belgischen Grenze unterzeichnet. Danach fallen die 1945 von den alliierten Besatzungsmächten unter belgische Verwaltung gestellten Dörfer Losheim und Bildchen an die Bundesrepublik.
Bundespräsident Theodor Heuss bestimmt ein schwarzes Kreuz (Eisernes Kreuz) mit weißer Umrandung als Erkennungszeichen für die Luft- und Kampffahrzeuge der Bundeswehr.
Die Bundesregierung verabschiedet einen Gesetzentwurf über die Schaffung einer Deutschen Bundesbank.
25. September Bundeswohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker von der Freien Volkspartei (FVP) und Bundesjustizminister Hans-Joachim von Merkatz von der Deutschen Partei (DP) geben vor der Presse die Bildung einer "Arbeits- und Aktionsgemeinschaft" der beiden Parteien bekannt. Auf eine Fusion von FVP und DP wolle man jedoch verzichten.
26. September Das Bundesministerium für Wirtschaft erlässt eine allgemeine Genehmigung für deutsche Investitionen im Ausland bis zu einer Höhe von 3 Mio. DM pro Objekt.
27. September Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn einen Gesetzentwurf, der die Dauer des Grundwehrdienstes auf 12 Monate festlegt. Ursprünglich hatte die CDU/CSU für einen 18monatigen Dienst plädiert, konnte ihren Vorschlag im Bundestag jedoch nicht durchsetzen.
Der Landesvorstand der FDP erklärt in Bonn, die Freien Demokraten seien zur Zeit nicht bereit, auf Bundesebene eine Koalition mit der CDU oder der SPD einzugehen. In den Bundestagswahlkampf 1957 werde die Partei ohne eine Koalitionsaussage ziehen.
28. September Das Presseamt der DDR-Regierung sichert in Ost-Berlin jedem rückkehrwilligen Flüchtling Straffreiheit zu.
In Washington stirbt der amerikanische Flugzeug-Konstrukteur und Gründer der Firma Boeing, William Edward Boeing.
29. September In Bonn trifft der französische Ministerpräsident Guy Mollet mit Bundeskanzler Konrad Adenauer zusammen. In den Gesprächen erzielen die beiden Regierungschefs u. a. eine Einigung über Währungsfragen im Saarland und die Finanzierung des Moselkanals.
Anastasio Somoza García, Präsident des mittelamerikanischen Staates Nicaragua, stirbt an den Folgen des auf ihn am 21. September verübten Attentats.
01. Oktober Die IG Metall erreicht die Durchsetzung der 45-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Gehaltsausgleich.
In Berlin wird der frühere Großadmiral Karl Dönitz nach zehnjähriger Haft aus dem Kriegsverbrechergefängnis Spandau entlassen.
02. Oktober Die Regierung des Saarlands billigt einstimmig die zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Ministerpräsidenten Guy Mollet getroffenen Vereinbarungen zur Eingliederung des Saarlands in die Bundesrepublik Deutschland.
Die ungarische Regierung überträgt die Kontrolle über die Gefängnisse vom Innenministerium auf das Justizministerium.
04. Oktober Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" kritisiert die zwischen der Bundesrepublik und Frankreich ausgehandelten Saarverträge. Die vereinbarte Eingliederung des Saarlands sei unrechtmäßig, da die Saar "zu ganz Deutschland" gehöre. Die DDR sei jedoch nicht konsultiert worden.
05. Oktober Die Bundesregierung beschließt die Einberufung der ersten 40.000 Wehrpflichtigen des Jahrgangs 1937 zum 1. April 1957.
In Bad Neuenahr schlägt der Vizepräsident des deutschen Bundestags, Carlo Schmid (SPD), die Aufnahme von Verhandlungen mit Polen über die Oder-Neiße-Grenze vor.
Die FDP-Politiker Erich Mende, Wolfgang Döring und Walter Scheel führen in Weimar (DDR) Gespräche mit der Führungsspitze der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD).
Der Oberste Gerichtshof Ungarns spricht den evangelischen Bischof Lajos Ordass frei, der 1948 unrechtmäßig verurteilt wurde.
06. Oktober Vor Beginn des außerordentlichen Parteitages der Freien Volkspartei (FVP) in Kassel geben die von der FVP in der Bundesregierung gestellten vier Minister ihren Rücktritt bekannt. Franz Blücher, Fritz Neumayer, Victor-Emanuel Preusker und Hermann Schäfer begründen ihren Schritt mit der Unzulänglichkeit der jetzigen Regierung. Im Kabinett gäbe es noch immer zu viele "schwache Punkte". Bundeskanzler Adenauer lehnt die Rücktrittsgesuche ab.
In Hamburg wählen die Teilnehmer des DGB-Bundeskongresses Willi Richter zum Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes. Richter tritt die Nachfolge von Walter Freitag an, der aus gesundheitlichen Gründen auf eine Kandidatur verzichtet hatte.
Ehemalige Angehörige des deutschen Afrikakorps veranstalten in Düsseldorf ein Veteranentreffen. Ehrengast der Veranstaltung ist die Witwe des früheren Generalfeldmarschalls Erwin Rommel.
Feierliche Umbettung von László Rajk, György Pálffy, Tibor Szõnyi und András Szalai auf dem Budapester Kerepesi út Friedhof, mit der die 7 Jahre vorher hingerichteten Kommunisten öffentlich rehabilitiert werden. 60.000 Menschen, unter ihnen Imre Nagy, nehmen an dem Begräbnis teil.
07. Oktober In Bonn findet eine Kundgebung des Bundes vertriebener Deutscher statt. Die rund 40.000 Teilnehmer protestieren gegen Versuche deutscher Politiker, die Wiedervereinigung mit dem Verlust der Gebiete jenseits der Oder-Neiße-Grenze zu "erkaufen".
In Prag wird das Kultur- und Informationszentrum der DDR eröffnet.
Papst Innozenz XI. wird selig gesprochen.
08. Oktober Der liberianische Staatspräsident William Tubman trifft in Bonn zu einem fünftägigen Staatsbesuch ein. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Bundeskanzler Adenauer und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard stehen Fragen der Entwicklungshilfe für das westafrikanische Land.
Der frühere stellvertretende Ministerpräsident der DDR und Vorsitzende der LDPD, Hermann Kastner, flüchtet über die bayerische Grenze in die Bundesrepublik und bittet um politisches Asyl.
In Ost-Berlin unterzeichnen Regierungsvertreter der DDR und Indiens ein auf drei Jahre befristetes Handelsabkommen. Die DDR wird vor allem Maschinen, feinmechanische und optische Geräte und chemische Erzeugnisse nach Indien liefern und erhält dafür Rohstoffe, Lebensmittel und Tabak.
10. Oktober Finnland wird Mitglied in der UNESCO.
11. Oktober Durch einen Beschluss des Bundestages darf das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ab 2. Januar 1958 das Verkehrszentralregister führen.
13. Oktober Die sowjetische Regierung bestellt Andrei A. Smirnow zum Botschafter der UdSSR in der Bundesrepublik Deutschland. Smirnow tritt die Nachfolge von Valerian A. Sorin an.
16. Oktober Franz-Josef Strauß löst Theodor Blank ab und wird Verteidigungsminister.
Die Tarifparteien der chemischen Industrie einigen sich in Frankfurt am Main auf die Einführung der 45-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.
17. Oktober Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt vor der Bundestagsfraktion der CDU, dass die Bundesrepublik die vom bisherigen Verteidigungsminister Theodor Blank gegebenen Terminzusagen über den Aufbau der Bundeswehr nicht einhalten könne. Eine der ersten Aufgaben des neuen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß sei es, den NATO-Verbündeten diese bedauerliche Feststellung mitzuteilen.
18. Oktober Regierungsvertreter der Bundesrepublik Deutschland und Rumäniens nehmen in Bukarest erste Gespräche über die Ausreise von rund 8.500 Deutschstämmigen auf, die in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln wollen.
Der deutsche Mediziner Werner Forßmann erhält den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.
19. Oktober In Stockholm spricht das Karolinen-Institut den Nobelpreis für Physiologie und Medizin dem US-Amerikaner André Frédéric Cournand, seinem Landsmann Dickinson W. Richards jr., sowie dem Deutschen Werner Forßmann zu gleichen Teilen zu.
20. Oktober Bis zum 21. Oktober berät die Außenministerkonferenz der Staaten der Montanunion über die "EURATOM" (Europäische Atomgemeinschaft) und einen Gemeinsamen europäischen Markt.
21. Oktober Wladislaw Gomulka wird zum Parteichef der KP Polen wiedergewählt.
22. Oktober In Mainz wird das tausendste gepanzerte Fahrzeug aus Beständen der US-Armee an die Bundeswehr übergeben.
Das Innenministerium der DDR lässt die in Ost-Berlin erscheinende "BZ am Abend" beschlagnahmen. In dem Blatt sind Auszüge aus einer Rede des neu gewählten Parteichefs der polnischen KP, Wladyslaw Gomulka, abgedruckt, in denen dieser Kritik an stalinistischen Herrschaftsmethoden in Osteuropa übt.
23. Oktober In Ungarn beginnt der bewaffnete Volksaufstand gegen das stalinistische Regime.
24. Oktober In Bonn beendet der österreichische Bundeskanzler Julius Raab einen zweitägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Bundeskanzler Konrad Adenauer bezeichnet in einer Tischrede die Beziehungen zwischen Österreich und der Bundesrepublik als herzlich und gutnachbarlich.
In den frühen Morgenstunden erreichen die ersten sowjetischen Truppen Budapest. Ab 4:00 Uhr besetzen sie strategisch wichtige Punkte in der ungarischen Hauptstadt, stoßen jedoch auf den Widerstand der Bevölkerung.
25. Oktober Vom Amtsgericht Berchtesgaden wird Adolf Hitler amtlich für tot erklärt.
26. Oktober In London stirbt der deutsche Pianist Walter Gieseking.
Auf Initiative von US-Präsident Dwight D. Eisenhower wird die Internationale Atomenergie Organisation (IAEA) mit Sitz in Wien gegründet.
Österreich öffnet seine Grenzen und gewährte allen Flüchtlingen des Ungarnaufstandes Asyl.
27. Oktober Vertrag zwischen der Bundesrepublik und Frankreich zur Regelung der Saarfrage. Im "Luxemburger Vertrag" wird die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland geregelt. Die offizielle politische Eingliederung wird für den 1. Januar 1957 und die wirtschaftliche Eingliederung für den 1. Januar 1960 festgelegt.
28. Oktober Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen muss die CDU starke Verluste hinnehmen, die SPD kann erhebliche Stimmengewinne erzielen.
Die "Schule der Bundeswehr für Innere Führung" wird in Köln offiziell eröffnet.
Die neue ungarische Regierung unter Imre Nagy wird durch den Präsidenten des Präsidialrats der Ungarischen Volksrepublik vereidigt. Über den Rundfunk ordnet Nagy eine allgemeine Waffenruhe an.
29. Oktober Israelische Streitkräfte greifen Ägypten an und besetzen innerhalb kürzester Zeit die gesamte Sinai-Halbinsel. Sie reagieren damit auf die ägyptische Verstaatlichung des Suezkanals, der bisher in französischem und britischem Besitz war. Auf Druck der USA und der UdSSR wird der Konflikt im November beigelegt.
Tanger, das seit 1923 einen internationalen Status hat, wird wieder an das seit März unabhängige Marokko angegliedert.
30. Oktober Der von den ungarischen Aufständischen als Ministerpräsident eingesetzte Reformkommunist Imre Nagy verkündet die Abschaffung des Einparteien-Systems und am 1. November den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt sowie die Neutralität des Landes.
In Madrid stirbt der spanische Schriftsteller und Vertreter der Generación del 98, Pío Baroja.
31. Oktober Im Zuge der Sueskrise starten Großbritannien und Frankreich eine Luftoffensive gegen Ägypten.
Das Unterhaus in London billigt mit 270 gegen 218 Stimmen das britisch-französische Vorgehen gegen Ägypten.
Der seit 1949 internierte Kardinal József Mindszenty kehrt in die ungarische Hauptstadt Budapest zurück.
01. November In Lüneburg beschlagnahmt die Polizei eine größere Anzahl illegal gedruckter Zeitungen der verbotenen KPD. Nach dem Verbot der Partei durch das Bundesverfassungsgericht am 14. August mussten alle kommunistischen Presseorgane ihr Erscheinen einstellen.
In Genf veröffentlicht die UNESCO das statistische Jahrbuch 1956. Danach hat das Saargebiet mit 283 Einwohnern pro km² nach Großbritannien (289) die größte Bevölkerungsdichte der Welt. In der Bundesrepublik Deutschland leben 205 Menschen auf einem km².
Ungarn erklärt seinen Austritt aus dem Warschauer Pakt.
02. November Die UN-Generalversammlung nimmt eine Resolution an, die Großbritannien, Frankreich und Israel im Rahmen der Sueskrise zum sofortigen Truppenrückzug aus Ägypten auffordert.
In London stirbt der deutsche Rabbiner und bekannter Vertreter des deutschen liberalen Judentums, Leo Baeck.
03. November In Frankfurt am Main demonstrieren mehrere hundert Studenten gegen die Bombenangriffe Frankreichs und Großbritanniens auf ägyptische Städte.
In einer Radioansprache unterstützt der Erzbischof von Esztergom, József Kardinal Mindszenty, die neue Regierung unter Imre Nagy.
04. November Zur Niederschlagung des Volksaufstandes marschieren sowjetische Panzereinheiten in die ungarische Hauptstadt Budapest ein. Der Volksaufstand dauert bis zum 15. November an.
Der Erzbischof von Esztergom, József Kardinal Mindszenty, erhält vor den anrückenden Truppen der Sowjetunion Asyl in der amerikanischen Botschaft in Budapest.
05. November In München erzielen Regierungsvertreter der Bundesrepublik Deutschland und Österreichs eine grundsätzliche Einigung über die Behandlung von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Bürgern der beiden Staaten.
In mehreren deutschen Städten finden Massendemonstrationen statt, auf denen die Sowjetunion aufgefordert wird, Ungarn die Selbstbestimmung zu gewähren. In West-Berlin ziehen aufgebrachte Jugendliche zum Brandenburger Tor und bewerfen Volkspolizisten mit Steinen.
In Los Angeles stirbt Art Tatum, einer der bedeutendsten amerikanischen Klaviervirtuosen und Erneuerer des Jazz.
06. November Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft in Paris zu Gesprächen mit der französischen Staatsführung über die Angliederung des Saarlandes ein. Angesichts der Ereignisse in Ägypten und Ungarn wird der als mehrtägiger Staatsbesuch geplante Aufenthalt Adenauers auf einen Tag begrenzt.
Im Rahmen der Sueskrise landen mehrere Kommandos der Royal Marines mit amphibischen Fahrzeugen und Feuerunterstützung von Schlachtschiffen an den Stränden Ägyptens und beginnen mit der Invasion des Landes. Port Said wird durch verheerende Brände fast vollständig zerstört.
Der republikanische Amtsinhaber Dwight D. Eisenhower besiegt bei den US-Präsidentschaftswahlen den demokratischen Herausforderer Adlai E. Stevenson II. zum zweiten Mal überlegen.
07. November Der neu ernannte Bundesminister für Verteidigung, Franz Josef Strauß, erläutert vor der Presse in Bonn seine Pläne für den Aufbau der Bundeswehr. Er kündigt an, im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Theodor Blank nach dem Grundsatz "Qualität geht vor Quantität" verfahren zu wollen. Im Mittelpunkt seiner Bemühungen stehe die Aufstellung komplett verwendbarer taktischer Verbände.
Durch Versenken mehrerer Schiffe blockiert Ägypten den Suezkanal.
Marokko wird Mitglied in der UNESCO.
08. November In einer Sondersitzung des Bundestags gibt Bundeskanzler Konrad Adenauer eine Regierungserklärung zur Lage in Ungarn, im Nahen Osten und Polen ab. Adenauer äußert darin u. a. Bewunderung für den Freiheitskampf des ungarischen Volkes und ruft zu einer friedlichen Lösung der Suezkrise auf.
Tunesien wird Mitglied in der UNESCO.
09. November Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn das Ladenschlussgesetz. Ab dem 1. Januar 1957 müssen die Geschäfte samstags um 16 Uhr schließen. Montags dürfen sie erst um 10 Uhr wieder geöffnet werden.
10. November In Bonn teilt das Statistische Bundesamt in einer offiziellen Erklärung mit, dass während des Zweiten Weltkriegs etwa 6,56 Mio. Deutsche ums Leben gekommen seien. 3,76 Mio. Wehrmachtssoldaten seien an der Front umgekommen und 500.000 Zivilisten durch alliierte Luftangriffe getötet worden. Die Zahl der bei Flucht und Vertreibung aus den Ostgebieten Getöteten beträgt 1,3 Mio., die der außerhalb der Reichsgrenzen getöteten Deutschen 1 Mio.
12. November Tunesien, Marokko und Sudan werden Mitglieder der Vereinten Nationen.
13. November Der Oberste Gerichtshof der USA erklärt Gesetze, mit denen eine Rassentrennung in öffentlichen Nahverkehrsmitteln angeordnet wurde, für verfassungswidrig.
Der deutsche Motorradrennfahrer und dreifacher Motorrad-Weltmeister Werner Haas stirbt bei einem Flugzeugabsturz.
14. November Bundespräsident Theodor Heuss ernennt in Bonn Ernst Lemmer zum Minister für das Post- und Fernmeldewesen. Der Landesvorsitzende der Berliner CDU tritt die Nachfolge des jetzigen Atomministers Siegfried Balke an.
Die französischen Besatzungstruppen ziehen aus Koblenz ab.
Die DDR stellt Ungarn eine Warenhilfe von 22 Mio. zu Verfügung, um die Folgen des Aufstands zu überwinden.
15. November Die französische Regierung sagt die Rückgabe der Röchlingischen Eisen- und Stahlwerke in Völklingen (Saarland) an die früheren Besitzer zu. Die französische Besatzungsmacht hatte das Werk 1945 beschlagnahmt. Da sie auf eine Demontage verzichtet hatte, müssen die Besitzer nun 36 Mio. DM als Ausgleich an Frankreich zahlen.
In Ost-Berlin beschließt der Ministerrat der DDR die Höhe der Weihnachtsgratifikationen für die Beschäftigten in der Verwaltung und den "Volkseigenen Betrieben". Verheiratete erhalten 35 Mark, Ledige 25 Mark und Lehrlinge 10 Mark.
Sowjetischen Truppen gelingt es endlich, die seit dem 4. November andauernden Kämpfe aufständischer Ungarn niederzuschlagen.
17. November Zahlreiche Staaten, unter ihnen die USA, Schweden, die Niederlande und Australien, verpflichten sich, Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen. Die Bundesrepublik wird 3.000 Ungarn Asyl gewähren.
18. November Die bundesdeutschen Arbeitgeberverbände der chemischen und der Textilindustrie einigen sich mit den Gewerkschaften auf eine Arbeitszeitverkürzung von bisher 48 auf 45 Stunden in der Woche. Zusätzlich sind für 1957 Lohnerhöhungen von rund 9 % vorgesehen.
In Ost-Berlin unterzeichnen Regierungsvertreter der Bundesrepublik Deutschland und der DDR ein Abkommen, das für 1957 einen Warenaustausch im Wert von insgesamt 1 Mrd. Verrechnungseinheiten vorsieht.
20. November Der Deutsche Presserat, die freiwillige Instanz der publizistischen Selbstkontrolle, wird in Bonn gegründet.
Die Bundesrepublik Deutschland und Chile schließen ein Kulturabkommen.
21. November Der Schwede Per Jacobsson wird Direktor des IWF (Internationaler Währungsfond).
25. November In Paris wählt die Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) den Deutschen Hans Furler zu ihrem Präsidenten. Der Christdemokrat tritt die Nachfolge des Italieners Giuseppe Pella an.
In der Nacht verlassen 82 Kämpfer der kubanischen Bewegung des 26. Juli unter Führung von Fidel Castro an Bord der Yacht Granma den Hafen von Tuxpan (Mexiko) mit Ziel Kuba, um das Batista-Regime zu stürzen.
26. November In Bonn gibt das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen bekannt, dass künftig jeder Besucher aus der DDR einen Reisezuschuss von 10 DM erhält. Der Bund übernimmt ab sofort auch die Kosten, die im Fall einer Krankheit des Besuchers aus der DDR entstehen.
In Greenwich, Connecticut, stirbt der amerikanische Jazz-Musiker Tommy Dorsey.
27. November Vor der Presse in Bonn tritt Wirtschaftsminister Ludwig Erhard Gerüchten entgegen, wonach wegen der Blockade des Suezkanals auch in der Bundesrepublik das Benzin rationiert werden müsse.
28. November In Bonn veröffentlicht die Bundesregierung eine Entschließung, in der Berlin zur Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschlands erklärt wird.
Rund 300 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland nehmen in Stuttgart an einem Kongress teil, in dessen Mittelpunkt die Raumfahrt steht. Forscher aus den Vereinigten Staaten teilen mit, dass US-Präsident Dwight D. Eisenhower persönlich den Bau eines Satelliten angeordnet hat. Der künstliche Himmelskörper soll spätestens im Jahr 1958 in eine erdnahe Umlaufbahn geschickt werden.
29. November In Ost-Berlin wird der Herausgeber der Deutschen Zeitschrift für Philosophie, das SED-Mitglied Wolfgang Harich, vom Staatssicherheitsdienst der DDR wegen "Bildung einer konspirativen Gruppe" verhaftet. Harich hatte öffentlich die Kulturpolitik der SED kritisiert.
30. November Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn ein Änderungsgesetz zur Einkommensteuer. Künftig dürfen vom zu versteuernden Einkommen jährlich 50 %, von Sparguthaben bis zu 6.000 DM abgesetzt werden. Dadurch soll das Sparen in der Bevölkerung gefördert werden.
01. Dezember Bei einem Treffen mit Vertretern der deutschen Wirtschaftsverbände lehnt Wirtschaftsminister Ludwig Erhard eine bundesdeutsche "Rüstungsautarkie" ab. Die Bundesregierung verfolge auch beim Aufbau der Bundeswehr den Grundsatz der internationalen Arbeitsteilung.
02. Dezember In Saarbrücken fordern die saarländischen Sozialdemokraten angesichts der für das Jahr 1957 vorgesehenen Angliederung des Saarlands an die Bundesrepublik Deutschland die Auflösung des Landtags und die Ausschreibung von Neuwahlen.
Fidel Castro erreicht bei Playa Las Coloradas mit seinen Kämpfern Kuba.
05. Dezember Der Bundestag beschließt in Bonn gegen die Stimmen der SPD und einiger FDP-Abgeordneter die Einführung der zwölfmonatigen Wehrpflicht.
Papst Pius XII. ernennt im Einvernehmen mit der polnischen Regierung vier Generalvikare für die früheren deutschen Ostgebiete. Der Vatikan weist nach deutschen Protesten darauf hin, dass damit der Heilige Stuhl die Oder-Neiße-Grenze nicht zwangsläufig anerkennt. Es handele sich um eine rein administrative Maßnahme.
Der Präsident der Volkskammer der DDR, Johannes Dieckmann (LDPD), fordert in Ost-Berlin die Bundesregierung auf, "politische Gefangene" in der Bundesrepublik unverzüglich freizulassen. Dieckmann bezeichnet die Inhaftierung von Mitgliedern der KPD als unerträglich.
An der Grenzkontrollstelle Berlin-Babelsberg werden US-amerikanische Transporte von sowjetischen Soldaten festgehalten. Es ist der erste Zwischenfall dieser Art seit Ende der Berliner Blockade im Jahre 1949.
06. Dezember In Ost-Berlin beschließt der Ministerrat der DDR, mit Wirkung vom 1. Januar 1957 in sechs Maschinenbau-Kombinaten die 45-Stunden-Woche einzuführen.
07. Dezember Vor der Presse in Bonn sagt Bundeskanzler Konrad Adenauer, er sei trotz der Ereignisse in Ungarn bereit, die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion zu vertiefen. Der Zeitpunkt zur Einberufung einer Viermächtekonferenz zur Behandlung der deutschen Frage sei jedoch nicht günstig.
Die Tarifpartner der Textilindustrie beschließen in Frankfurt am Main die Einführung der 45-Stunden-Woche zum 1. April 1957.
Bis zum 8. Dezember findet in Berlin der II. Kongress der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse statt.
08. Dezember Nach zweitägiger Dauer endet in Ost-Berlin eine von der SED einberufene Arbeiterkonferenz. Auf der Tagung gesteht SED-Parteichef Walter Ulbricht die mangelhafte Verwirklichung von Arbeiterrechten und die bürokratische Missachtung von Verbesserungsvorschlägen ein. Ulbricht gibt bekannt, dass künftig sog. Arbeiterkomitees "Beschlussrecht im Rahmen der betrieblichen Zuständigkeit" erhalten.
09. Dezember Im Zentralorgan der Polnischen Arbeiterpartei, "Trybuna Ludu", erscheint ein Artikel, in dem eine Verbesserung des deutsch-polnischen Verhältnisses und der Abschluss eines Vertrages zum Gewaltverzicht für möglich gehalten wird.
10. Dezember Der italienische Staatspräsident Giovanni Gronchi beendet in Bonn nach viertägiger Dauer einen Staatsbesuch in der Bundesrepublik Deutschland. Im Rahmen des Staatsbesuchs wurden eine Reihe von Handels- und Kulturabkommen geschlossen.
Nach seiner Rückkehr von einer Asienreise spricht sich der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer in Bonn für den Austritt aus der NATO im Fall der Wiedervereinigung aus.
In Stockholm werden die Nobelpreise verliehen. Der Chirurg Werner Forßmann erhält zusammen mit Dickinson W. Richards und André Frédéric Cournand den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für Eingriffe am menschlichen Herzen. Der Friedensnobelpreis wird nicht vergeben.
12. Dezember In Bonn beschließt die Bundesregierung, dem Saarland eine Finanzhilfe in Höhe von 350 Mio. DM zu gewähren.
In Paris nimmt die französische Nationalversammlung die mit der Bundesregierung getroffenen Vereinbarungen über die Eingliederung des Saarlands in die Bundesrepublik Deutschland an.
Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" veröffentlicht einen Aufruf des Ersten Sekretärs des ZK der SED, Walter Ulbricht, in dem die Wahrung der "studentischen Disziplin" gefordert wird.
Japan tritt den Vereinten Nationen bei.
13. Dezember Der saarländische Landtag nimmt in Saarbrücken gemäß den zwischen Frankreich und der Bundesrepublik getroffenen Vereinbarungen die Erklärung zum Beitritt des Saarlands zur Bundesrepublik an.
14. Dezember Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Wehrbeschwerdeordnung.
18. Dezember Japan wird Mitglied bei den Vereinten Nationen.
19. Dezember In Bad Godesberg unterzeichnen Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen und des Vatikan einen Vertrag über die Errichtung eines Bistums Essen. In dem Gebiet, das aus Teilen der Bistümer Köln, Münster und Paderborn gebildet wird, leben rund 1,3 Mio. Katholiken.
21. Dezember Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß gibt in Bonn bekannt, die Bundeswehr werde nun doch mit geschlossenen "Knobelbechern" ausgerüstet. Die in den vergangenen Monaten erprobten Schnürstiefel der US-Streitkräfte seien mangelhaft verarbeitet und hätten bei schlechter Witterung "völlig versagt".
22. Dezember Der ehemalige Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz, Otto John, wird in Karlsruhe wegen Landesverrats zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.
24. Dezember Die rund 250.000 in Europa stationierten US-Soldaten stellen Waisenkindern Weihnachtsgeschenke zur Verfügung. Etwa 75.000 aus Spenden finanzierte Pakete mit Spielzeug, Süßigkeiten und Bekleidung werden im Rahmen der Operation "Santa Claus" in der Bundesrepublik, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden verteilt.
25. Dezember Bundeskanzler Konrad Adenauer fordert in seiner vom Rundfunk verbreiteten Weihnachtsansprache die Deutschen zur inneren Einkehr und Besinnlichkeit auf. Der Kanzler sagt u. a.: "Nur der führt ein bewusstes Leben, der sich seiner selbst bewusst wird."
In Herisau (Kanton Appenzell) stirbt der schweizerische Schriftsteller Robert Walser.
27. Dezember Auf dem Flughafen Düsseldorf treffen sich Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer und der indische Ministerpräsident Pandit Nehru.
28. Dezember Die Bundesregierung gibt in Bonn bekannt, dass nach ihrer Einschätzung in der DDR rund 11.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert sind.
31. Dezember Südafrika tritt aus der UNESCO aus.

 

1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959

Sie haben auf der Seite einen Fehler entdeckt? Dann informieren Sie mich bitte: