Geschichte/Politik

Wahlplakate der Jahre 1953 und 1957

Nobelpreisträger

1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959

1955

01. Januar Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beträgt die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik Deutschland z. Zt. rund 1.288.000.
In Nordrhein-Westfalen wird die millionste Wohnung des sozialen Wohnungsbaus übergeben.
Bundespräsident der Schweiz wird Max Petitpierre.
02. Januar José Antonio Remón Cantera, der Diktator von Panama, stirbt bei einem Anschlag.
07. Januar Nach Angaben der Bundesregierung sind in den letzten 12 Monaten rund 200.000 Menschen aus der DDR geflüchtet, davon 104.000 nach West-Berlin.
08. Januar In Hamburg stirbt der deutsche Musiker und Komponist Erich Anders.
10. Januar Ab sofort müssen auf Anweisung des Magistrats von Ost-Berlin West-Berliner und Westdeutsche in den gastronomischen Einrichtungen in Ost-Berlin mit West-Mark zum Kurs 1:1 zahlen.
11. Januar In West-Berlin wählt das Abgeordnetenhaus mit den Stimmen von SPD und CDU den Sozialdemokraten Otto Suhr als Nachfolger Walther Schreibers (CDU) zum Regierenden Bürgermeister der Stadt. Präsident des Abgeordnetenhauses wird Willy Brandt (SPD).
12. Januar In Purley Surrey stirbt der englische Ingenieur und Erfinder des Staubsaugers, Hubert Cecil Booth.
14. Januar Bundespräsident Theodor Heuss verleiht in der Bundeshauptstadt Bonn dem Schriftsteller Hermann Hesse, dem Arzt, Philosophen und Musiker Albert Schweitzer sowie dem schweizerischen Schriftsteller und Diplomaten Carl Jacob Burckhardt den deutschen Pour-le-mérite-Orden der Friedensklasse.
15. Januar Die sowjetische Regierung bietet an, freien gesamtdeutschen Wahlen beim Verzicht auf die Ratifizierung der Pariser Verträge zuzustimmen.
16. Januar In Düsseldorf findet bis zum 17. Januar die Konferenz der Ministerpräsidenten der Deutschen Länder statt.
17. Januar Die "Nautilus" das erste amerikanische atombetriebene U-Boot, läuft zur ersten Probefahrt aus.
18. Januar In Madrid stellt der spanische Staatschef Francisco Franco Bahamonde der Öffentlichkeit Prinz Juan Carlos als künftigen spanischen Thronfolger vor.
Die Rote Armee der Volksrepublik China besetzt nach einem heftigen Gefecht, an dem mehr als 60 Flugzeuge beteiligt waren, einen nördlich von Formosa (heute: Taiwan) gelegenen nationalchinesischen Stützpunkt auf der Insel Jikiangschan.
19. Januar Der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn stellt in Wiesbaden sein Kabinett vor, dem Minister der SPD und des Gesamtdeutschen Blocks (BHE) angehören. Der Landtag spricht der Regierung mit 50 gegen 44 Stimmen das Vertrauen aus.
20. Januar Der Ministerrat der DDR betont in einer Stellungnahme zur Deutschland-Erklärung der UdSSR vom 15. Januar seine grundsätzliche Bereitschaft, Verhandlungen über die Wiedervereinigung aufzunehmen.
Die sowjetische Regierung übermittelt den Regierungen Frankreichs und Großbritanniens eine Note, in der sie für den Fall der Ratifizierung der Pariser Verträge mit der Kündigung der 1944 geschlossenen französisch-sowjetischen bzw. britisch-sowjetischen Bündnisverträge droht.
21. Januar Der tschechoslowakische Außenminister Vaclav David erklärt vor der Nationalversammlung in Prag, die Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland könnten erweitert und normalisiert werden. Im Falle einer deutschen Wiedervereinigung bestünden große Möglichkeiten zu einer engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland.
In Charlottesville, Virginia, stirbt der amerikanische Leichtathlet Charles Archibald "Archie" Hahn, genannt der Meteor von Milwaukee.
22. Januar Im Ruhrgebiet treten rund 79.000 Bergleute in einen Generalstreik, um vor einem Abbau des Mitbestimmungsrechts zu warnen. Der Streik bricht aus, nachdem der Generaldirektor der Gutehoffnungshütte, Hermann Reusch, das Mitbestimmungsrecht in der Montanindustrie als Ergebnis einer Erpressung durch die Gewerkschaften bezeichnet hatte.
Die Landesversammlung der CSU wählt in München den früheren bayerischen Wirtschaftsminister Hanns Seidel zum Landesvorsitzenden.
Im Durchgangslager Friedland bei Göttingen trifft nach dreimonatiger Pause erstmals wieder eine Gruppe von 108 Heimkehrern aus der Sowjetunion ein.
23. Januar In der französischen Hauptstadt Paris endet der V. Kongress der Union der Europäischen Föderalisten. Während der zweitägigen Konferenz beklagten die Teilnehmer, dass durch die Pariser Verträge die europäische Einigungspolitik gescheitert sei.
25. Januar Der Landtag des Landes Rheinland-Pfalz verabschiedet das Volksschulgesetz. Es bestätigt die in der Verfassung festgelegte Gleichberechtigung zwischen Bekenntnisschulen und christlichen Simultanschulen.
Die Sowjetunion erklärt den Kriegszustand mit Deutschland für beendet.
27. Januar In München stirbt der deutsche Schriftsteller, Bildhauer und Maler Ernst Penzoldt.
29. Januar In der Frankfurter Paulskirche unterzeichnen Repräsentanten aus Politik, Kirche und Wissenschaft das "Deutsche Manifest", indem sie die "Pariser Verträge" von 1954 ablehnen.
31. Januar Nach Angaben des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen ist in der DDR die Kasernierte Volkspolizei (KVP) auf 100.000 Mann verstärkt worden. Damit habe die KVP die Truppenstärke der früheren deutschen Reichswehr erreicht.
01. Februar Zum Nachfolger des am 29. Januar in Stockholm verstorbenen dänischen Ministerpräsidenten Hans Hedtoft wählt das Kabinett in Kopenhagen den bisherigen Außenminister Hans Christian Hansen.
In Washington ratifiziert der US-amerikanische Senat den Südostasiatischen Verteidigungspakt SEATO, der sich gegen das massive Expansionsstreben der UdSSR richtet.
03. Februar Die Volksrepublik China führt die allgemeine Wehrpflicht ein.
Die tschechoslowakische Regierung erklärt den Kriegszustand mit Deutschland offiziell für beendet.
04. Februar In Berlin stirbt der deutsche Schriftsteller und Philosoph Hans Blüher.
05. Februar Nach einer Misstrauenserklärung durch das Parlament tritt der französische Ministerpräsident Pierre Mendès-France zurück. Sein Nachfolger wird Edgar Faure.
06. Februar In Bonn wird der "Verband Liberaler Akademiker" als "Seniorenverband Liberaler Studenten" gegründet.
In Stuttgart beginnt ein Prozess gegen 23 Funktionäre der in der Bundesrepublik Deutschland verbotenen kommunistischen Jugendorganisation FDJ. Zwei Angeklagte werden am 20. Februar zu Freiheitsstrafen zwischen zwei bis dreieinhalb Jahren verurteilt.
09. Februar Die Fernsehkommission der beiden christlichen Kirchen legt in Bethel ihre "Grundsätze für das deutsche Fernsehen" vor. Die Programme sollten keinen attraktiven Charakter anstreben, der seine Wirkung allein aus Reizbedürfnissen hernimmt, u. a. dürfe die Ehe nicht herabgesetzt oder verhöhnt werden.
In einer Note erklärt sich die dänische Regierung bereit, mit der deutschen Bundesregierung Verhandlungen über die Minderheitenfrage in Schleswig-Holstein aufzunehmen.
Im Westen der Stadt Johannesburg (Südafrikanische Union) beginnt die Zwangsräumung eines von Schwarzen bewohnten Stadtteils. Rund 50.000 Menschen werden in den kommenden Wochen in eine rund 20 km vor der Stadt gelegene Siedlung verbracht.
Georgi Schukow, 1945/46 Vertreter der UdSSR im Alliierten Kontrollrat und Leiter der "Sowjetischen Militäradministration in Deutschland", wird neuer Verteidigungsminister der UdSSR.
10. Februar In Washington beginnen Verhandlungen zwischen den Regierungen der Bundesrepublik und der USA über die Rückgabe von während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmtem deutschem Eigentum in den Vereinigten Staaten sowie über die Freigabe deutscher Patente.
12. Februar In der portugiesischen Stadt Cascais heiratet Prinz Alexander von Jugoslawien Prinzessin Maria Pia von Savoyen, Tochter des früheren Königs Umberto von Italien.
13. Februar In zahlreichen Feierstunden wird in Dresden des 10. Jahrestages der Zerstörung der Stadt durch britische und US-amerikanische Bomberverbände gedacht.
15. Februar Der deutsche Mieterbund überbringt der Bundesregierung in Bonn Tausende von Briefen, in denen sich Bürger gegen das geplante neue Mietrecht aussprechen. Die als unsozial bezeichnete Gesetzesvorlage sieht vor, die Miete von Wohnungen, die bis zum 20.6.1948 bezugsfertig wurden, um 10 bis 20 % zu erhöhen.
Die US-amerikanischen Streitkräfte beginnen auf einem Wüstengelände in Nevada mit einer Serie von oberirdischen Atombombenversuchen.
16. Februar Das Bundesfinanzministerium in Bonn erlässt eine Reihe von Erleichterungen im Devisenverkehr. Reisende dürfen u. a. jährlich Devisen in einer Höhe von 1.500 DM ohne Genehmigung erwerben.
Der innenpolitische Ausschuss des US- Repräsentantenhauses beschließt in Washington mit 19 gegen 6 Stimmen, Alaska und Hawaii als 49. und 50. Staat in die Vereinigten Staaten von Amerika aufzunehmen.
Die Besetzer der rumänischen Gesandtschaft in Bern, die sich seit einer Woche – bewaffnet mit Maschinenpistolen und Handgranaten – verschanzt haben und einen Angestellten der Gesandtschaft töteten, ergeben sich der schweizerischen Polizei. Mit dieser Aktion wollten die exilrumänischen Besetzer politische Häftlinge freipressen.
17. Februar Die Kultusminister der Länder, außer Bayern, einigen sich in Düsseldorf auf ein Abkommen zur Vereinheitlichung des Schulwesens in der Bundesrepublik. Das Schuljahr soll einheitlich zu Ostern beginnen, die verschiedenen Bundesländer erkennen die Abschlüsse gegenseitig an. Die Schulabschlüsse und die Lehrmittel werden angeglichen.
In Bonn billigt der Außenpolitische Ausschuss des Bundestages mit 16 gegen 13 Stimmen das deutsch-französische Saarabkommen.
Auf Antrag der Verteidigung wird nach dreitägiger Verhandlung der Prozess gegen die KPD vom Verfassungsgericht erneut vertagt. Der 1954 aufgenommene Prozess soll klären, ob die Kommunistische Partei auf dem Boden des Grundgesetzes steht.
Christian Pineau wird Premierminister Frankreichs.
18. Februar In Bonn erklärt Bundesarbeitsminister Anton Storch, ausländische Arbeitskräfte würden nicht vor 1957 angeworben werden.
Eine Delegation der Volkskammer der DDR überreicht in Bonn dem Bundestagspräsidium ein Schreiben, in dem Verhandlungen zur Frage von freien Wahlen in ganz Deutschland vorgeschlagen werden.
Der österreichische Außenminister Leopold Figl fordert auf dem ÖVP-Landesparteitag in Baden (Niederösterreich) die Beteiligung Österreichs an Verhandlungen über einen Staatsvertrag. Figl betont, Österreich lehne jede Blockbildung ab und werde sich nicht dem westlichen Verteidigungsbündnis NATO anschließen.
Die französische Nationalversammlung lehnt das von dem mit der Regierungsbildung beauftragten Sozialisten Christian Pineau vorgestellte Kabinett mit 312 gegen 268 Stimmen ab. Mit der Regierungsbildung wird der Radikalsozialist Edgar Faure beauftragt.
Die polnische Regierung in Warschau gibt die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland bekannt.
19. Februar DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl fordert auf einer Großkundgebung in Ost-Berlin die Bundesregierung auf, gemeinsam mit der DDR von den vier Großmächten die Aufnahme von Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands aufzunehmen.
Der 1954 in Manila unterzeichnete SEATO-Pakt tritt offiziell in Kraft. Dem südostasiatischen Verteidigungsbündnis gehören Australien, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Pakistan, die Philippinen, Thailand und die USA an.
22. Februar In einem von Bischof Otto Dibelius verfassten Schreiben ersucht der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland die Bundesregierung, die Wiedergutmachung an den Opfern der NS-Herrschaft zu beschleunigen.
23. Februar In Hamburg trifft das iranische Kaiserpaar Mohammed Resa Pahlawi und Soraya zu einem Staatsbesuch ein.
Die französische Nationalversammlung in Paris wählt den Radikalsozialisten Edgar Faure zum Ministerpräsidenten des Landes. Faure tritt die Amtsnachfolge des am 5. Februar zurückgetretenen Pierre Mendès-France an.
Die Länder Türkei, Irak und Iran schließen den Bagdad-Pakt. Darin werden gemeinsame Militäroperationen gegen jede kurdische Befreiungsbewegung vereinbart.
24. Februar Der Deutsche Bundestag verabschiedet ein Gesetz zur Erweiterung des Lastenausgleiches. Der Gesamtumfang der Hilfeleistungen für Opfer des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit wird um rund 300 Mio. DM pro Jahr erhöht.
Der Wahlprüfungsausschuss des Deutschen Bundestages erkennt dem Abgeordneten Franz Schmidt-Wittmack das Mandat ab, da dieser sich in die DDR abgesetzt und dort um politisches Asyl gebeten hat.
Regierungsvertreter des Irak und der Türkei unterzeichnen in Bagdad einen Verteidigungspakt (Central Treaty Organization oder Bagdad-Pakt). Die Staaten der Arabischen Liga werden aufgefordert, sich dem Pakt anzuschließen.
25. Februar In Bangkok (Thailand) endet nach zwei Tagen die erste Konferenz der Mitglieder des Südostasien-Paktes (SEATO).
27. Februar Nach einer 40stündigen Debatte nimmt der Bundestag in Bonn gegen die Stimmen der SPD-Opposition die am 23. Oktober 1954 paraphierten Pariser Verträge an.
Die Demokratische Partei unter Ministerpräsident Ijiro Hatojama geht aus den Wahlen zum japanischen Parlament mit 185 von insgesamt 455 Sitzen als stärkste Partei hervor. Zweitstärkste politische Kraft werden die Liberalen mit 112 Sitzen.
Zwischen israelischen und ägyptischen Soldaten kommt es im Gebiet von Gaza zu einem Feuergefecht, bei dem mehr als 30 Menschen ums Leben kommen. Beide Staaten beschuldigen sich gegenseitig, die Grenze unerlaubt überschritten zu haben.
28. Februar Aufgrund der Meinungsverschiedenheiten innerhalb der FDP-Fraktion über das am Vortag vom Bundestag ratifizierte Saarabkommen bietet Vizekanzler Franz Blücher Bundeskanzler Konrad Adenauer seinen Rücktritt an. Nachdem Adenauer den Rücktritt ablehnt, zieht Blücher das Gesuch zurück.
01. März In der Bundesrepublik Deutschland tritt eine neue Passverordnung in Kraft. Ausländer aus 55 Staaten erhalten bei ihrer Einreise keinen Sichtvermerk (Visum) mehr, sondern einen Stempel in ihren Reisepass.
Der Schah von Persien Reza Pahlevi und Kaiserin Soraya besuchen Düsseldorf.
Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März wird in Ost-Berlin eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Woche der deutschen Frauen gegen den Faschismus" eröffnet. Nach offiziellen Angaben nehmen rund 800.000 Frauen an den mehr als 1.500 Veranstaltungen teil.
In einer Rede vor dem Unterhaus in London wendet sich der britische Premierminister Winston Churchill gegen die Forderung der oppositionellen Labour Party nach einem Abbau der britischen Atomstreitmacht. Die Politik der Abschreckung gegenüber der Sowjetunion müsse beibehalten werden, um die Kriegsgefahr gering zu halten.
Die bulgarische Regierung erklärt in Sofia den Kriegszustand mit Deutschland offiziell für beendet.
Ein zwischen den Regierungen Frankreichs und der DDR geschlossenes Handelsabkommen tritt in Kraft. Die auf ein Jahr befristete Vereinbarung hat ein Volumen von rund 120 Mio. DM.
02. März "Proklamation an das deutsche Volk" der DDR-Volkskammer gegen die Ratifizierung der "Pariser Verträge" durch den Bundestag.
Norodom Sihanouk, König von Kambodscha, gibt in Phnom Penh seine Abdankung zugunsten seines Vaters Norodom Suramarit bekannt. Sihanouk will in die Politik des Landes, das eine konstitutionelle Monarchie ist, künftig direkt eingreifen.
Auf Weisung des Vatikans zieht sich der Erzbischof von Sevilla, Kardinal Segura, in ein Kloster bei Burgos zurück. Segura hatte in den letzten Wochen mehrfach die spanische Regierung unter Generalissimus Francisco Franco Bahamonde kritisiert.
04. März Die Kultusminister der Länder kündigen auf einer Sitzung in West-Berlin an, den kulturellen Austausch zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zu vertiefen.
Die US-amerikanische Regierung erklärt in Washington ihre Bereitschaft, während des Zweiten Weltkrieges in den USA beschlagnahmte deutsche Vermögenswerte bis zu einer Höhe von 10.000 US-Dollar (43.000 DM) freizugeben.
Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Ungarns erklärt in Budapest, die von Ministerpräsident Imre Nagy vertretene Wirtschaftspolitik sei in weiten Teilen "antimarxistisch". Nagy unterstütze "rechte Abweichungen" und mache "billige demagogische Versprechungen".
In Moskau ernennt der sowjetische Ministerrat Arkadi A. Sobolew zum ständigen Vertreter der UdSSR im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Sobolew tritt damit die Nachfolge des verstorbenen Andrei J. Wyschinski an.
05. März Ende der Besatzungszeit, die alliierten Dienststellen in der Bundesrepublik werden aufgelöst.
Das DDR-Kultusministerium übermittelt der Ständigen Konferenz der Kultusminister in West-Berlin ein Schreiben mit Vorschlägen zur "Erhaltung der Einheit unserer deutschen Kultur". Vorgeschlagen werden u. a. die gegenseitige Anerkennung von Zeugnissen sowie ein Informationsaustausch der Kultusministerien.
In Kopenhagen enden nach sechstägiger Dauer deutsch-dänische Verhandlungen über die nationalen Minderheiten in Schleswig-Holstein. Die Delegationen erarbeiteten eine Reihe von Vorschlägen, die den Regierungen der beiden Staaten empfohlen werden und die kulturelle Identität der Minderheiten gewährleisten sollen.
06. März In der sowjetischen Zeitung "Prawda" erscheint ein Aufruf des britischen Atomphysikers Bruno Pontecorvo. Er fordert die Wissenschaftler in den westlichen Ländern auf, nur noch an der zivilen Nutzung der Atomenergie zu arbeiten. Der Aufruf ist die Bestätigung von Gerüchten, dass sich der 1950 in Finnland unter mysteriösen Umständen verschwundene britische Forscher in der Sowjetunion aufhält.
07. März Die US-amerikanischen Bankhäuser "National Bank of New York" und "First National Bank of the City New York" schließen sich zur "The First National City Bank of New York" zusammen. Die neue Bank, die über Einlagen in Höhe von 7 Mrd. US-Dollar (30,1 Mrd. DM) verfügt, ist damit das drittgrößte Geldinstitut der Welt.
08. März In West-Berlin wählt die Hauptversammlung der Deutschen UNESCO-Kommission Theodor Stelzer zum Präsidenten.
Der US-amerikanische Verteidigungsminister Charles E. Wilson ermächtigt in Washington das Pentagon, Rüstungsaufträge auch an ausländische Firmen zu vergeben. Voraussetzung ist jedoch, dass die Preise ausländischer Unternehmen um mindestens 6 % unter denen von US-Firmen liegen.
09. März Der Hauptausschuss der FDP beschließt in Bonn, trotz der Meinungsverschiedenheiten über das Saarabkommen die Regierungskoalition fortzusetzen.
10. März Die Regierungen Ägyptens, Syriens und Saudi-Arabiens wenden sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen den am 24. Februar geschlossenen irakisch-türkischen Beistandspakt und kündigen an, unter der Beteiligung des Jemen, Libanons und Jordaniens ein eigenes arabisches Verteidigungsbündnis abzuschließen.
11. März In London stirbt der Entdecker des Penicillins, Alexander Fleming.
In West-Berlin endet nach dreijähriger Dauer der Prozess gegen den 34-jährigen Dietrich Dietz mit der Verurteilung zu lebenslanger Haft. Dietz hatte seinen Vater und dessen Geliebte vergiftet.
Die sowjetische Regierung gibt in Moskau ihre Bereitschaft zu einem Truppenabzug aus Österreich bekannt. Voraussetzung sei die Garantie der österreichischen Regierung, sich keinem Militärblock anzuschließen.
Gegen die Stimmen der Kommunisten und Linkssozialisten ratifiziert der italienische Senat in Rom die Pariser Verträge.
12. März In Avegno in der Schweiz stirbt der deutsche Schriftsteller Theodor Plievier.
Nach den Parlamentswahlen in Malta, bei denen die Labour Party die Mehrzahl der Stimmen erringen kann, tritt Ministerpräsident Borg Olivier (Nationalistische Partei) zurück. Amtsnachfolger ist der Vorsitzende der Labour Party, Dominic Mintoff.
14. März Nach dem Tod von König Tribhuvan Bir Bikram Schah von Nepal besteigt sein Sohn Mahendra Bir Bikram Schah den Thron des asiatischen Königreiches.
Nach Angaben von Radio Peking ist der geistliche und weltliche Führer des Tibet, der Dalai Lama, nach sechsmonatigem Aufenthalt in der VR China in sein Heimatland zurückgekehrt. Der Dalai Lama wird ein Komitee leiten, das die regionale Autonomie Tibets innerhalb der chinesischen Volksrepublik gewährleisten soll.
15. März In Bonn wird Karl Mocker zum Fraktionsvorsitzenden des Gesamtdeutschen Blocks/Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) gewählt. Mocker tritt die Amtsnachfolge von Horst Haasler an.
In Denver wendet sich der Verband US-amerikanischer Wissenschaftler gegen die Weiterführung der oberirdischen Atombombenversuche in Nevada. Der vom Wind bis nach Colorado getriebene radioaktive Staub gefährde zunehmend die Bevölkerung.
16. März Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Einwohner der Bundesrepublik Deutschland in den letzten fünf Jahren stark angestiegen. Durch die hohe Zahl von Flüchtlingen hat sich die Bevölkerung auf 50,32 Mio. Menschen (1950: 47,85 Mio.) erhöht.
17. März Die Volkspolizei-Bereitschaften der DDR werden in das Staatssekretariat für Staatssicherheit überführt.
In der US-Öffentlichkeit wird der Inhalt streng geheimer Aufzeichnungen der Konferenz von Jalta bekannt. Die Protokolle der Konferenz, auf der im Februar 1945 die "Großen Drei" (US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der britische Premier Winston S. Churchill und der sowjetische Staats- und Parteichef Josef W. Stalin) die Gestaltung der Nachkriegswelt festgelegt hatten, lösen bei vielen Menschen Befremden aus.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower erklärt in Washington, taktische Atomwaffen der USA würden im Kriegsfall nur gegen militärische Ziele eingesetzt.
18. März Der Bundesrat in Bonn billigt die am 27. Februar vom Bundestag angenommenen Pariser Verträge.
In Bonn nimmt der Deutsche Bundestag das Personalvertretungsgesetz in dritter Lesung an. Das Gesetz regelt die Mitbestimmung der im öffentlichen Dienst Beschäftigten.
Mitglieder der SPD, der KPD, der Gewerkschaften und Angehörige der Kirchen gründen in Bochum das "Kuratorium Einiges Deutschland". Das Ziel dieser Organisation ist die Durchführung einer Volksbefragung über die Annahme der Pariser Verträge.
Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldet die Aufnahme von Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den kommunistisch geführten Staaten Osteuropas über einen Verteidigungspakt und die Bildung eines gemeinsamen militärischen Oberkommandos.
Paul Scholz, Stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR, wird auf eigenen Wunsch von seinem Amt des Land- und Forstwirtschaftsministers entbunden. Zu seinem Nachfolger wird Hans Reichelt ernannt.
19. März Nach Angaben der polnischen Regierung hat die Einwohnerzahl Warschaus die Millionen-Grenze überschritten. Warschau, das vor dem Krieg rund 1,3 Mio. Einwohner hatte, gilt als die im Zweiten Weltkrieg am schwersten zerstörte Stadt. 1945 lebten nur noch 150.000 Einwohner in der polnischen Hauptstadt.
20. März Die Bundesrepublik Deutschland tritt dem Weltpostverein bei. Die in Bern (Schweiz) ansässige Unterorganisation der Vereinten Nationen hat die Aufgabe, die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Postwesens zu fördern.
21. März In Paris unterzeichnen der französische Außenminister Antoine Pinay und der saarländische Ministerpräsident Johannes Hoffmann ein Abkommen über die künftigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Saarland.
Die Regierungen der Volksrepublik Ungarn und der Volksrepublik Albanien geben in getrennten Erklärungen bekannt, dass sie den Kriegszustand mit Deutschland für beendet ansehen.
22. März Nach Angaben von Radio Moskau ist der sowjetische Kulturminister Georgi F. Alexandrow wegen "Unfähigkeit" seines Postens enthoben worden. Zu seinem Nachfolger wird Nikolai A. Michailow ernannt.
In Canberra verfügt die australische Regierung drastische Einfuhrbeschränkungen. Durch diese Maßnahme soll das hohe Außenhandelsdefizit abgebaut werden.
23. März Die erste öffentliche Sitzung des Bundessozialgerichts findet statt.
25. März Der Generalgouverneur von Pakistan, Ghulam Mohammed, verfügt die Vereinigung der Provinzen von Westpakistan. Der Name von Ostbengalen wird in Ostpakistan geändert. Um Unruhen nationaler Minderheiten zu verhindern, verhängt der Generalgouverneur den Ausnahmezustand über Pakistan.
26. März Auf dem 6. ordentlichen Parteitag der FDP in Oldenburg wird der Parteivorsitzende Thomas Dehler in seinem Amt bestätigt. In einer Rede an die Delegierten übt Dehler nach seiner Wahl heftige Kritik an der Regierungspolitik. Zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden wird Friedrich Middelhauve wieder gewählt.
Die französische Nationalversammlung billigt die Pariser Verträge, in denen u. a. die deutsche Wiederbewaffnung und der deutsche Beitritt zur NATO vereinbart wurden.
28. März Vertreter einer deutschen und dänischen Delegation unterzeichnen das Deutsch-Dänische Papier.
29. März Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt in Bonn, er erwarte angesichts der veränderten weltpolitischen Lage die Bereitschaft der sowjetischen Regierung, einer Wiedervereinigung Deutschlands zuzustimmen.
Der dänische Ministerpräsident Hans Christian Hansen und Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnen die "Bonn-Kopenhagener Erklärungen".
In New York verurteilt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einstimmig Israel wegen eines am 28. Februar unternommen Luftangriffs auf den von Ägypten besetzten Gazastreifen. Durch den Angriff, der 46 Todesopfer forderte, sei das Waffenstillstandsabkommen verletzt worden.
30. März Die Straßenbenutzungsgebühren für die Transitstraßen zwischen West-Berlin und dem Bundesgebiet werden seitens der DDR auf 30 Mark pro Personenkraftwagen und auf 100 bis 550 Mark für Lastkraftwagen erhöht.
Das ehemalige SED-Politbüromitglied Paul Merker wird in einem Geheimprozess wegen angeblicher Spionage zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.
In Wien beschließt der österreichische Ministerrat, die sowjetische Einladung an Bundeskanzler Julius Raab zu Gesprächen über einen Staatsvertrag anzunehmen.
Vor dem britischen Unterhaus in London gibt Außenminister Anthony Eden den Beitritt Großbritanniens zum türkisch-irakischen Verteidigungspakt bekannt. Das Bündnis, das am 5. April in Kraft tritt, soll die Grundlage für ein allgemeines Verteidigungsabkommen im Mittleren Osten bilden.
31. März Indien und Deutschland schließen ein Handelsabkommen ab.
Mit 226 gegen 186 Stimmen lehnt der Bundestag in Bonn einen Antrag der SPD ab, das Inkrafttreten des Saarstatuts so lange auszusetzen, bis in Verhandlungen mit der französischen Regierung sämtliche Unklarheiten des Vertrages ausgeräumt sind.
01. April Der Bundesrat in Bonn billigt das am 23. März vom Bundestag verabschiedete Bundesverkehrsgesetz, das u. a. eine Erhöhung der Kfz- und Mineralölsteuer vorsieht. Die Mehreinnahmen sollen für den Ausbau der Bundesautobahnen verwendet werden.
In Bonn trifft der Präsident der Hohen Behörde der Montanunion, der französische Wirtschaftspolitiker Jean Monnet, mit Bundeskanzler Konrad Adenauer zu Gesprächen über die Festlegung von Höchstpreisen für die deutsche Steinkohle zusammen.
Die Hohen Kommissare der drei Westmächte legen beim sowjetischen Hohen Kommissar scharfen Protest gegen die von der DDR am 30. März verfügte Erhöhung der Straßenbenutzungsgebühren für nicht in der DDR zugelassene Kfz ein.
Das Oberste US-amerikanische Berufungsgericht in Frankfurt am Main beendet offiziell seine fast zehnjährige Tätigkeit. Damit haben sämtliche US-Gerichte in der Bundesrepublik Deutschland ihre Arbeit eingestellt.
In Paris verabschiedet die französische Nationalversammlung ein Dringlichkeitsgesetz, durch das in Algerien für sechs Monate praktisch das Kriegsrecht gilt.
In Nikosia, der Hauptstadt der britischen Kronkolonie Zypern, überfällt eine Gruppe maskierter Männer das Rundfunkgebäude und zerstört mit Hilfe von Sprengsätzen die Sendeanlagen. Zu dem Anschlag bekennen sich Befürworter eines Anschlusses Zyperns an Griechenland.
Die argentinische Regierung verfügt in Buenos Aires, den Religionsunterricht in öffentlichen Schulen abzuschaffen und streicht sämtliche Subventionen für kirchliche Privatschulen. Durch diese Maßnahme soll die strikte Trennung von Staat und Kirche unterstrichen werden.
Der stellvertretende sowjetische Außenminister Andrei A. Gromyko erläutert in London die Abrüstungsvorschläge der UdSSR. Danach sollen die Militärausgaben der Großmächte um 50 % reduziert werden.
Die Sowjetunion sagt der DDR die Rückgabe von 750 Kunstwerken der Dresdner Gemäldegalerie zu. Die Sammlung, die u. a. Werke von Tizian, Raffael, Peter Paul Rubens und Albrecht Dürer enthält, war 1945 in die UdSSR verbracht worden.
02. April In einer Rundfunkansprache bezeichnet der französische Ministerpräsident Edgar Faure die Pariser Verträge als den Grundstein der deutsch-französischen Aussöhnung. Ein entwaffnetes Deutschland würde eine gefährliche militärische Leere im Herzen Europas entstehen lassen.
Der frühere Präsident von Panama, José Ramon Guizado, wird vom Obersten Gerichtshof des Landes wegen Beihilfe zum Mord an seinem Amtsvorgänger José Antonio Ramon Cantero zu sechs Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.
03. April In Berlin stirbt der deutsche Maler und Direktor der Berliner Hochschule für Bildende Künste, Karl Hofer.
In München konstituiert sich der Sudetendeutsche Rat, der die außenpolitischen Interessen der rund 2,5 Mio. in der Bundesrepublik lebenden Sudetendeutschen vertreten soll.
Aus den Gemeindewahlen in Vorarlberg und Steiermark geht die Österreichische Volkspartei (ÖVP) als Siegerin hervor.
Nach Angaben der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS werden bis zum Jahresende in den südlichen Sowjetrepubliken rund 580.000 Hektar forstwirtschaftlich nutzbarer Wald angelegt.
04. April Auf einer Pressekonferenz in Los Alamos gibt der Leiter der US-Atombombenversuchsreihe, Edward Teller, bekannt, dass zwei Wissenschaftler während eines Atombombentests durch Strahlungsschäden ums Leben gekommen sind.
05. April Der britische Premierminister Winston Churchill tritt zurück. Nachfolger wird der bisherige Außenminister Anthony Eden.
Der Außenminister der Südafrikanischen Union, Erich Louw, erklärt vor dem Parlament in Johannesburg den Austritt des Landes aus den Vereinten Nationen. Er begründet diese Maßnahme mit der Kritik der UN an der Rassentrennungspolitik, die eine Einmischung in innere Angelegenheiten darstelle.
Großbritannien tritt dem Bagdad-Pakt bei.
06. April Königin Elisabeth II. ernennt den bisherigen Außenminister Anthony Eden zum britischen Premierminister.
In Kairo unterzeichnen Regierungsvertreter Ägyptens und Indiens einen Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Ländern.
Der iranische Ministerpräsident Mohammad Fazlollah Zahedi tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Schah Mohammed Resa Pahlawiernennt den bisherigen Hofminister Hussein Ala zum neuen Ministerpräsidenten.
In der indischen Stadt Neu-Delhi beginnt eine fünftägige Konferenz asiatischer Länder. Die Teilnehmer betonen das Prinzip friedlicher Koexistenz, fordern das Verbot von Atomwaffen und sprechen sich für die Aufnahme der Volksrepublik China in die Vereinten Nationen aus.
07. April Nach der Vermittlung durch die Bundesregierung einigen sich der Unternehmensverband Ruhr und die IG Bergbau auf eine Erhöhung der Bergarbeiterlöhne um durchschnittlich 9,5 %.
Durch einen Erlass des Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Mao Zedong, wird der Kriegszustand mit Deutschland offiziell beendet.
Nach der Billigung durch den Kongress ratifiziert US-Präsident Dwight D. Eisenhower in Washington die Pariser Verträge.
09. April Der Ministerrat der UdSSR empfiehlt dem Präsidium des Obersten Sowjet, des sowjetischen Parlaments, die Annullierung des britisch-sowjetischen Bündnisvertrages von 1942 und des französisch-sowjetischen Paktes von 1944.
In Ost-Berlin gibt die Regierung der DDR den Bau einer Reihe von Atomkraftwerken bekannt. Die Vorarbeiten sollen – unter Mithilfe sowjetischer Wissenschaftler – noch 1955 begonnen werden.
10. April In New York stirbt der französische Jesuit und Theologe Pierre Teilhard de Chardin.
11. April In Moskau trifft der österreichische Bundeskanzler Julius Raab zu Verhandlungen mit der sowjetischen Regierung über den Abschluss eines österreichischen Staatsvertrages zusammen.
12. April Nach Angaben des Ministerrates der DDR haben die Sicherheitsorgane in einer Großoperation insgesamt 521 westliche Agenten verhaftet.
In einer Pressekonferenz teilt der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, General Anthony McAuliffe, mit, dass durch neuartige taktische Atomwaffen Westdeutschland im Falle eines sowjetischen Angriffes durchaus mit Erfolg verteidigt werden könne. Bislang sah die Verteidigungsstrategie der US-Truppen einen Rückzug bis zum Rhein vor.
Nach einem erfolgreich verlaufenen Großversuch gibt die US-amerikanische Regierung in Washington die Freigabe des von Jonas E. Salk entwickelten Impfstoffes gegen Kinderlähmung bekannt. Der Impfstoff, um dessen Bereitstellung bereits am folgenden Tage zahlreiche Staaten bitten, darf wegen Produktionsengpässen zunächst aus den USA nicht ausgeführt werden.
In Taiss (Jemen) wird der ehemalige Außenminister des Jemen, Prinz Abd Allah, zum Tode verurteilt. Prinz Abd Allah, Bruder des jemenitischen Königs Ahmad, wird die Beteiligung an einem geplanten Staatsstreich vorgeworfen.
13. April In Brüssel veröffentlicht die NATO ein Abkommen über den Austausch von Erkenntnissen der Atomforschung ihrer Mitgliedstaaten.
14. April Der französische Ministerpräsident Edgar Faure bekräftigt in einer Rede in Paris die Absicht seiner Regierung, Frankreich zur Atommacht auszubauen.
15. April Nach Abschluss der dreitägigen Verhandlungen zwischen dem österreichischen Bundeskanzler Julius Raab und der sowjetischen Regierung wird in Moskau die Einigung über einen Staatsvertrag für Österreich bekannt gegeben. Der Staatsvertrag soll am 15. Mai in Wien unterzeichnet werden.
Nach dem Rücktritt Winston Churchills vom Amt des britischen Premierministers schreibt Amtsnachfolger Anthony Eden für den 26. Mai Neuwahlen aus.
16. April In Washington ordnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower die Schaffung einer International Cooperation Administration (ICA) an, die als selbständige Behörde des Außenministeriums das US-Auslandshilfeprogramm mit einem Etat von rund 3,5 Mrd. US-Dollar verwalten und koordinieren soll.
17. April Aus den Kantonalwahlen in Frankreich gehen die konservativen Unabhängigen mit rund 27 % der abgegebenen Stimmen als stärkste Partei hervor. Mit 21 % werden die Kommunisten zweitstärkste politische Kraft.
Um Zwischenfälle bei den Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag der Befreiung der Niederlande zu vermeiden, empfiehlt der Deutsche Reisebüro-Verband vor der Presse, bis Ende Mai auf Reisen in die Niederlande zu verzichten.
Zusammen mit einer Gruppe deutscher Wissenschaftler, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Arbeit in der Sowjetunion verpflichtet worden waren, kehrt Manfred von Ardenne in die DDR zurück. Ardenne hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Fernsehens.
18. April Albert Einstein stirbt in Princetown/USA.
Die ungarische Nationalversammlung setzt wegen angeblicher Rechtsabweichung den ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy ab. Noch am selben Tag schließt ihn das Zentralkomitee der ungarischen Kommunistischen Partei aus der KP aus. Zu seinem Amtsnachfolger wird András Hegedüs ernannt, der einen Ausbau der Schwerindustrie und die Verschärfung der Arbeitsdisziplin ankündigt.
In Bandung (Indonesien) beginnt die asiatisch-afrikanische Konferenz unter der Beteiligung von 29 blockfreien Staaten. Auf der bis zum 24. April dauernden Konferenz sprechen sich die Teilnehmer für ein gemeinsames Auftreten gegenüber den Industrienationen aus.
19. April Das Auswärtige Amt gibt in Bonn bekannt, dass das deutsche Abitur künftig in mehreren europäischen Staaten, u. a. in Frankreich, Großbritannien und Norwegen, zur Aufnahme eines Studiums berechtigt.
In Niedersachsen werden 175 Flüchtlingslager und Massenunterkünfte geräumt und abgerissen. Nach Angaben der Landesregierung konnte den rund 10.000 Bewohnern in den letzten Monaten ein fester Wohnsitz vermittelt werden. Insgesamt gibt es in Niedersachsen noch 1.600 Lager mit rund 135.000 Flüchtlingen aus der DDR und den ehemaligen deutschen Ostgebieten.
20. April In Bonn hinterlegen Vertreter der USA und der Bundesrepublik Deutschland die Ratifikationsurkunden für das Protokoll der Pariser Verträge. Die Beendigung des Besatzungsregimes soll am 5. Mai nach der Hinterlegung der britischen und französischen Urkunden offiziell in Kraft treten.
Die Bundesregierung verfügt, ab dem 5. Mai – dem Tag der offiziellen Beendigung des Besatzungsregimes – die Dienstgebäude der obersten Bundesbehörden in Bonn täglich beflaggen zu lassen.
Nach dreiwöchiger Dauer endet in London ein Lohnstreik der Drucker nach einer Einigung zwischen den Gewerkschaften und Arbeitgebern. Nach Angaben von "The Times" hat der Zeitungsstreik Verluste in Höhe von rund 7 Mio. Pfund (83 Mio. DM) verursacht.
21. April In Peking beginnt eine 10tägige Konferenz der Kommunistischen Partei Chinas, auf der mehrere parteifeindliche, der Verschwörung verdächtigte Funktionäre ihrer Ämter enthoben werden.
In einer Erklärung des Ministerrates der DDR wird der österreichische Staatsvertrag, der das Ende des Besatzungsregimes und die strikte Neutralität Österreichs beinhaltet, als ein Modell für Deutschland bezeichnet. In einer Antwort lehnt die Bundesregierung eine Neutralität Deutschlands als unrealistisch und gefährlich ab.
In London wählt die Konservative Partei Anthony Eden zum Vorsitzenden der Partei. Eden tritt die Nachfolge des aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Winston Churchill an.
22. April Der chinesische Ministerpräsident und Außenminister Zhou Enlai und der indonesische Außenminister Sunarjo unterzeichnen in Bandung ein Abkommen zur Beendigung der doppelten Staatsbürgerschaft von 2,5 Mio. in Indonesien lebenden Chinesen. Die Betroffenen sollen sich innerhalb von zwei Jahren entscheiden, ob sie die chinesische oder indonesische Staatsbürgerschaft behalten wollen.
23. April Der polnische Ministerrat verfügt in Warschau die Senkung der Preise für Lebensmittel, Industriewaren und Dienstleistungen.
24. April Aus den Landtagswahlen in Niedersachsen geht die SPD trotz leichter Stimmenverluste als stärkste politische Kraft hervor. Trotzdem verliert sie die Macht. Zweitstärkste Partei wird die CDU.
Das Präsidium des Obersten Sowjet begnadigt 613 während des Zweiten Weltkrieges wegen Kriegsverbrechen zu langjährigen Haftstrafen verurteilte Österreicher.
In Zürich stirbt der österreichische Schriftsteller Alfred Polgar.
25. April In Moskau ratifiziert das Präsidium des Obersten Sowjet das iranisch-sowjetische Abkommen über die Regelung des Grenzverlaufs zwischen den beiden Staaten. Der iranische Kaiser Schah Mohammed Resa Pahlawi hat das Abkommen bereits am 16. April unterzeichnet.
26. April Regierungsvertreter Spaniens und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen in Bonn ein Wirtschaftsabkommen, u. a. sollen Zollerleichterungen den Handel zwischen den beiden Staaten fördern.
27. April Der Ministerrat der DDR beschließt mit Wirkung vom 1. Mai 1955 die deutsche Lufthansa zu gründen.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower erklärt auf einer Pressekonferenz in Washington, Verhandlungen zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten von Amerika zur Lösung des Formosa-Konflikts seien auch ohne Beteiligung der Nationalchinesen möglich.
28. April In Frankfurt am Main stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund ein Aktionsprogramm vor, das die Einführung der Fünf-Tage-Woche, höhere Löhne und Gehälter, Mitbestimmung und verbesserten Arbeitsschutz zum Inhalt hat.
29. April Der Vorstand der SPD verabschiedet in Bonn ein Arbeitsprogramm für die Wiedervereinigung Deutschlands.
In Rom wird der Christdemokrat Giovanni Gronchi mit Unterstützung der Linksparteien zum Nachfolger des zurückgetretenen italienischen Staatspräsidenten Luigi Einaudi gewählt.
30. April Nach tagelangen Kämpfen schlagen in Saigon südvietnamesische Regierungstruppen einen Putschversuch politisch-religiöser Sekten nieder. Bei den Auseinandersetzungen kommen mehr als 400 Menschen ums Leben.
Der argentinische Staatspräsident Juan Domingo Perón kündigt in Buenos Aires die Rückgabe des 1946 beschlagnahmten deutschen Vermögens an.
01. Mai Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Außenminister Antoine Pinay einigen sich in Bonn über strittige Fragen des Saarabkommens, u. a. sollen die von Frankreich beanspruchten Röchling-Stahlwerke je zur Hälfte in französischen und deutschen Privatbesitz übergehen.
In Bonn verleiht Bundespräsident Theodor Heuss dem bisherigen Chef des Bundespresseamtes Felix von Eckart den Rang eines Botschafters. Eckart soll künftig als Beobachter die deutschen Interessen bei den Vereinten Nationen in New York vertreten.
Mit zahlreichen Kundgebungen und Aufmärschen feiern Gewerkschaften und Parteien in aller Welt den Tag der Arbeit. Der DGB fordert bei dieser Gelegenheit erneut die Einführung der 40-Stunden-Woche.
Bei den Mai-Demonstrationen in Ost-Berlin treten erstmals bewaffnete Verbände der Kampfgruppen der DDR-Betriebe ("Kampfgruppen der Arbeiterklasse") öffentlich auf.
In Bombay beschließt das indische Parlament ein Gesetz, das die Diskriminierung der Kaste der Unberührbaren (Parias) unter Strafe stellt.
02. Mai Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen saisonal bedingt auf rund 893.000 gesunken. Im März dieses Jahres waren in der Bundesrepublik Deutschland noch fast 1,4 Mio. Menschen ohne Arbeit.
In Regensburg stirbt Margarete Clementine Fürstin von Thurn und Taxis.
Aus einer in Genf veröffentlichten Untersuchung der Weltorganisation UNO geht hervor, dass im ersten Quartal 1955 2.339 Deutsche aus der BRD ausgewandert sind. Davon hofft rund die Hälfte, in Australien eine neue Heimat zu finden.
In Moskau unterzeichnet die sowjetische Regierung Verträge mit Vertretern Chinas, der DDR, Polens, Rumäniens und der Tschechoslowakei über die Weitergabe von Erkenntnissen der zivilen Atomforschung.
Die afghanische Regierung verfügt in Kabul die allgemeine Mobilmachung. Mit dieser Maßnahme soll Pakistan davon abgehalten werden, sich wie im März angekündigt die bislang autonomen Pathan-Stammesgebiete an der afghanisch-pakistanischen Grenze einzuverleiben.
03. Mai Die Regierung der USA sichert Spanien ihre Hilfe beim Aufbau einer modernen Kriegsmarine zu. Neben einer technischen Beratung soll Spanien auch ausgediente Kriegsschiffe der US-Marine erhalten.
04. Mai In Karlsruhe erklärt das Bundesverfassungsgericht das Saarabkommen für rechtmäßig. Damit wird die Klage der SPD, nach deren Ansicht das Abkommen gegen das Grundgesetz verstößt, zurückgewiesen.
In Paris stirbt der französische Flugzeugkonstrukteur und Mitbegründer der Fluggesellschaft Air France, Louis Charles Breguet.
05. Mai In Regensburg wird unter Teilnahme von Vertretern des Hochadels aus aller Welt Margarete Clementine Fürstin von Thurn und Taxis beigesetzt. Rund 5.000 Menschen waren in den vergangenen zwei Tagen am Sarg der am 2. Mai Verstorbenen vorbeidefiliert.
Die "Pariser Verträge" treten in Kraft. Abgesehen von einigen alliierten Sonderrechten wie Truppenstationierung, Berlin-Status, Wiedervereinigungs- und Friedensvertragsfrage erlischt das Besatzungsstatut, die Bundesrepublik wird bedingt souverän.
Die Kommandanten der drei Westsektoren Berlins überreichen dem Regierenden Bürgermeister Otto Suhr aus Anlass des Inkrafttretens der Pariser Verträge eine Erklärung über den Status der Stadt.
Nach Inkrafttreten der Pariser Verträge überreichen der britische Botschafter Hoyer Millar und der französische Botschafter André François-Poncet Bundespräsident Theodor Heuss ihre Beglaubigungsschreiben. US-Botschafter James Conant folgt am 6. Mai.
Die französische Regierung gibt in Paris die Entlassung von 21 Deutschen bekannt, die wegen Verstößen gegen das Besatzungsrecht inhaftiert waren.
06. Mai Anlässlich des bevorstehenden 10. Jahrestages der deutschen Kapitulation vom 8. Mai 1945 treffen der Erste Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR, Michail G. Perwuchin, und der sowjetische Verteidigungsminister Georgi K. Schukow in Ost-Berlin ein.
In Brüssel endet eine Tagung der Außen-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister der Benelux-Staaten mit einer Vereinbarung, einen gemeinsamen Markt für landwirtschaftliche Produkte zu bilden.
Der Rat der Westeuropäischen Union (WEU) hält in Paris seine konstituierende Sitzung ab.
07. Mai Die Bundesrepublik tritt der Westeuropäischen Union (WEU) bei.
In Hangelar bei Bonn wird vom Bundesgrenzschutz eine Hubschrauber-Flugbereitschaft eingerichtet.
Das Präsidium des Obersten Sowjet annulliert in Moskau auf Antrag des Ministerrates den britisch-sowjetischen und den französisch-sowjetischen Beistandspakt.
09. Mai In Paris beginnt die 16. Tagung des Nordatlantikrates der NATO, auf der in Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer die Bundesrepublik offiziell als 15. Mitglied der westlichen Allianz aufgenommen wird.
11. Mai In Italien wird Giovanni Gronchi neuer Staatspräsident.
13. Mai In Kopenhagen endet nach dreitägiger Dauer die vierte Vollversammlung des Internationalen Presseinstituts. Zum Abschluss der Tagung verabschieden die Delegierten eine Resolution, in der auf die wachsende Bedrohung der Pressefreiheit in zahlreichen Staaten hingewiesen wird.
14. Mai Regierungsvertreter der DDR, Albaniens, Bulgariens, Polens, Rumäniens, Ungarns, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion unterzeichnen in Warschau den "Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand". Der Warschauer Pakt ist als Gegengewicht zur NATO gedacht, sichert der Sowjetunion das Recht zur Stationierung ihrer Truppen in Ost- und Mitteleuropa und schließt die kommunistischen Staaten unter sowjetischer Führung stärker zusammen.
Am Vortag der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags wird die Mitschuld Österreichs am 2. Weltkrieg aus der Präambel gestrichen.
In Kairo schließen sich verschiedene algerische Rebellengruppen zur Nationalen Befreiungsfront FLN (Front de Libération Nationale) zusammen.
15. Mai Die CDU geht aus den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz als stärkste Partei hervor und verfügt im Landesparlament erstmals über die absolute Mehrheit der Mandate.
Die Deutsche Grenzpolizei (DG) der DDR wird wieder in das Staatssekretariat für Staatssicherheit eingegliedert.
Die vier Siegermächte und Österreich unterzeichnen im Wiener Schloss Belvedere den Staatsvertrag, mit dem Österreich die volle Souveränität wiedererhält.
16. Mai Die US-amerikanische Regierung schließt mit Kambodscha einen Vertrag über die Gewährung direkter Militärhilfe ab.
17. Mai Der niederländische Ministerpräsident Willem Drees tritt nach einer Abstimmungsniederlage im Parlament zurück. Die Mehrzahl der Abgeordneten hatte sich gegen einen Gesetzentwurf über die Erhöhung von Altbaumieten ausgesprochen. Nachdem am 3. Juni ein Kompromiss erzielt werden kann, zieht Drees seine Demission zurück.
18. Mai Führende Offiziere der US-amerikanischen Streitkräfte äußern sich auf einer Pressekonferenz in Detroit besorgt über den hohen Standard der sowjetischen Rüstungstechnik. Vor allem die bei der diesjährigen Maiparade in Moskau vorgestellten neuen Kampfflugzeuge seien den modernsten US-Maschinen vergleichbar.
19. Mai In Paris beschließt die französische Regierung, zur Unterdrückung von Unruhen in Algerien weitere Truppen nach Nordafrika zu verlegen.
Das argentinische Parlament billigt in Buenos Aires ein Gesetz über die Trennung von Staat und Kirche.
21. Mai In der Bundesrepublik Deutschland kommt es zu massiven Protesten gegen die im österreichischen Staatsvertrag vorgesehenen Enteignungen deutscher Vermögenswerte in Österreich, die nach 1938 erworben wurden. Sie haben einen Wert von rund 650 Mio. DM.
Der Staatspräsident der DDR, Wilhelm Pieck, ratifiziert nach der Billigung durch die Volkskammer den Warschauer Vertrag.
23. Mai In Ost-Berlin gibt die Kommandantur des sowjetischen Sektors die Freigabe der im sowjetischen Sperrgebiet von Karlshorst gelegenen evangelischen Kirche bekannt. Das Gotteshaus war in den letzten Jahren als Lagerraum genutzt worden und wird nun wieder der Landeskirche übergeben.
Der jugoslawische Staatspräsident Josip Tito empfängt in Belgrad eine Delegation des deutschen Bundestages unter der Führung von Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier zu Gesprächen über die Möglichkeit einer deutschen Wiedervereinigung.
24. Mai In Paris teilt die französische Regierung den Abschluss des Abzugs der rund 100.000 in Südvietnam stationierten französischen Streitkräfte mit. Bis zum 30. Juni soll der letzte französische Soldat das Land verlassen haben.
25. Mai Vom Bundestag in Bonn wird das "Dritte Gesetz zur Förderung der Wirtschaft im Lande Berlin" beschlossen.
Der thailändische Ministerpräsident Pibul Songgram trifft zu einem offiziellen Staatsbesuch in Bonn ein.
26. Mai Der am 24. April neu gebildete niedersächsische Landtag wählt mit den Stimmen von CDU, DP, FDP und BHE Heinrich Hellwege von der Deutschen Partei mit 89 von 159 Stimmen zum Ministerpräsidenten des Landes. Auf den bisherigen Amtsinhaber Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) entfallen 61 Stimmen.
Die Konservative Partei unter Premierminister Anthony Eden geht mit 49,8 % der abgegebenen Stimmen aus den Wahlen zum britischen Unterhaus als stärkste Partei hervor. Die Labour Party erhält 46,2 %.
Mit einem Besuch in Belgrad nimmt die sowjetische Staats- und Parteiführung erstmals seit 1948 wieder offiziell politische Kontakte mit Jugoslawien auf. Der Erste Sekretär des Zentralkomitees der UdSSR Nikita S. Chruschtschow und der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin erkennen die Beziehungen Jugoslawiens zum Westen an und akzeptieren die vom jugoslawischen Staatschef Tito vertretene These von den verschiedenen Wegen zum Sozialismus.
27. Mai In einer Regierungserklärung zur Außenpolitik bezeichnet Bundeskanzler Konrad Adenauer die Abhaltung von gesamtdeutschen Wahlen als einzigen Weg zur Wiedervereinigung.
In Erfurt endet nach zweitägiger Dauer das V. Parlament der Freien Deutschen Jugend (FDJ), auf dem ein neues Statut der Jugendorganisation verabschiedet wird. Zum Ersten Sekretär wird als Nachfolger von Erich Honecker Karl Namokel ernannt.
In Mexiko-City endet nach 17tägiger Dauer die achte Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen WHO (World Health Organization).
Die südamerikanischen Staaten Chile, Peru und Ecuador erweitern ihr Hoheitsgebiet auf See von bislang drei auf nunmehr 200 Seemeilen. Die US-Regierung erhebt gegen diese Maßnahme scharfen Protest.
28. Mai In Wien endet der vierte Weltkongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG). Auf dem am 20. Mai eröffneten Kongress wurde der Belgier Omar Becu zum neuen Präsidenten des Bundes gewählt.
29. Mai In mehreren Großstädten der Bundesrepublik fordern auf Kundgebungen Vertreter der Vertriebenen die Rückgabe der früheren deutschen Ostgebiete. Allein in Nürnberg treffen sich rund 450.000 Sudetendeutsche.
Der französische Ministerpräsident Edgar Faure und der tunesische Ministerpräsident Tahar Ben Ammar paraphieren in Paris einen Vertrag über die Gewährung der inneren Autonomie für Tunesien.
30. Mai In Amman ernennt König Hussein II. von Jordanien Sayed Said Mufti zum Ministerpräsidenten des Landes. Mufti tritt die Nachfolge des am Vortag aus Gesundheitsgründen zurückgetretenen Tewfic Abulhuda an.
Nach einer Regierungskrise, die durch anhaltende Streiks ausgelöst wurde, bildet Chiles Staatspräsident Carlos Ibáñez del Campo auf sieben Posten die von ihm geführte Regierung um.
Die chinesische Regierung gibt in Peking die Freilassung der vier US-Piloten bekannt, die 1952 über chinesischem Staatsgebiet abgeschossen und 1954 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren.
31. Mai In Karlsruhe nimmt das Bundesverfassungsgericht nach neunwöchiger Unterbrechung den Prozess über die Verfassungstreue der KPD wieder auf. Seit 1954 berät das oberste deutsche Gericht die Frage, ob die KPD auf dem Boden des Grundgesetzes steht.
In Starnberg stirbt der deutsche Autor und Verleger Ernst Heimeran.
Nach Ausbruch des Lohnstreiks bei der britischen Lokomotivführer-Gewerkschaft ruft Königin Elisabeth II. den nationalen Notstand aus und ermächtigt damit die Regierung, Kraftfahrzeuge und Vorräte zu beschlagnahmen.
Der Abzug der sowjetischen Truppen aus dem Marinestützpunkt Port Arthur in der Mandschurei wird offiziell abgeschlossen. Damit befinden sich nach Angaben aus Moskau keine sowjetischen Streitkräfte mehr auf dem Gebiet der Volksrepublik China.
Der Nationalrat in Wien, das österreichische Parlament, billigt einstimmig den Entwurf für den Staatsvertrag und die Neutralitätserklärung Österreichs.
Die Sowjetunion gibt 10 t Gold, die während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmt worden waren, an die iranische Regierung zurück.
In Moskau trifft eine japanische Regierungsdelegation zu Verhandlungen über die Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen ein. Die Verhandlungen scheitern, da die UdSSR sich weigert, die 1945 besetzten südlichen Kurilen sowie die Inseln Habomai und Shikotan an Japan zurückzugeben.
01. Juni Der Christdemokrat Peter Altmeier wird vom neu gewählten Landtag als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz wieder gewählt.
René Mayer wird zum Präsidenten der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gewählt.
Auf der bis zum 2. Juni dauernden Konferenz von Messina beschließen die Außenminister der sechs EGKS-Länder, die europäische Integration auf die gesamte Wirtschaft auszudehnen.
02. Juni Das Zentralkomitee der SED verabschiedet ein 10-Punkte-Programm zur Wiedervereinigung Deutschlands.
03. Juni In Stuttgart endet der Prozess gegen Angehörige der in der Bundesrepublik verbotenen kommunistischen Jugendorganisation FDJ mit der Verurteilung von zwei Angeklagten zu Haftstrafen von vier bzw. fünf Jahren.
Das Verkehrsministerium der DDR nimmt teilweise die am 1. April drastisch erhöhten Straßenbenutzungsgebühren für nicht in der DDR zugelassene Kfz zurück.
Auf der in Messina (Italien) tagenden Ministerratskonferenz der Montanunion wird der Franzose René Mayer als Nachfolger seines Landsmannes Jean Monnet zum Präsidenten der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl gewählt.
In Wiener Neustadt trifft gemäß der Vereinbarungen des österreichischen Staatsvertrages der erste größere Heimkehrertransport aus der Sowjetunion ein.
04. Juni Bundespräsident Heuss ernennt mit Heinrich von Brentano (CDU) zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik einen Außenminister.
05. Juni Mit der Hinterlegung der rumänischen und albanischen Ratifikationsurkunden tritt das Verteidigungsbündnis "Warschauer Pakt" offiziell in Kraft. Die anderen Mitgliedsstaaten hatten dies bereits in den letzten Wochen getan.
06. Juni Aus Anlass seines 80. Geburtstages wird in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in zahlreichen Feierstunden Thomas Mann geehrt, der als der bedeutendste deutschsprachige Schriftsteller der Gegenwart gilt.
07. Juni Die "Dienststelle Blank" wird in das Bundesministerium der Verteidigung umgewandelt, erster Verteidigungsminister wird Theodor Blank.
Bundeskanzler Konrad Adenauer wird von der sowjetischen Staats- und Parteiführung zu Gesprächen über die Normalisierung der deutsch-sowjetischen Beziehungen nach Moskau eingeladen.
Bundespräsident Theodor Heuss ernennt Heinrich von Brentano zum Außenminister. Da bislang Konrad Adenauer als Bundeskanzler die Aufgaben des Außenministers innehatte, ist Brentano der erste Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Neuer Bundesminister für Bundesratsangelegenheiten wird Hans-Joachim von Merkatz (DP).
In Wien billigt der österreichische Nationalrat einstimmig den am 15. Mai unterzeichneten österreichischen Staatsvertrag sowie den Antrag, einen Entwurf eines Neutralitätsgesetzes auszuarbeiten.
Der indische Ministerpräsident Jawaharlal Pandit Nehru trifft zu einem Staatsbesuch in Moskau ein. Im Mittelpunkt der zweiwöchigen Gespräche mit der Staatsführung der UdSSR steht der Ausbau der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Staaten.
08. Juni Außenminister der Bundesrepublik wird Heinrich von Brentano.
In einem Schreiben an den Senat von West-Berlin schlägt der Oberbürgermeister von Ost-Berlin Friedrich Ebert die Aufnahme von Gesprächen vor, um die Auswirkungen der Teilung der Stadt zu lindern.
09. Juni Der erst am 26. Mai neu ernannte niedersächsische Kultusminister Leonhard Schlüter tritt nach massiven Protesten der Öffentlichkeit von seinem Amt zurück. Schlüter wird vorgeworfen, Mitglied der verbotenen rechtsgerichteten Deutschen Reichspartei gewesen zu sein.
Das in Ost-Berlin erscheinende SED- Zentralorgan "Neues Deutschland" übt Kritik am Wohnungsbau in der DDR. Selbst aufwendige Neubauten würden nicht den heutigen Qualitätsansprüchen genügen.
10. Juni In Bonn lehnt der Bundesrat die Annahme des von der Bundesregierung eingebrachten Freiwilligengesetzes mit der Begründung ab, die Bundesregierung müsse den Gesetzentwurf vervollständigen, um die rechtlichen Voraussetzungen für die Durchführbarkeit, d. h. die Einberufung von Freiwilligen, zu schaffen.
Auf einer Tagung in Paris beschließt der Ministerrat des Europäischen Wirtschaftsrates die Bildung einer Arbeitsgruppe, die die Möglichkeiten einer europäischen Zusammenarbeit in der Erforschung der Kernenergie prüfen soll.
11. Juni In Casablanca verüben Unbekannte auf den Befürworter der französisch-marokkanischen Verständigung Jacques Lemaigre-Debreuil ein Attentat. Der einflussreiche Verleger erliegt wenige Stunden nach dem Anschlag seinen Verletzungen.
Der französische Außenminister Antoine Pinay erklärt in Paris, eine Neutralität Deutschlands würde zu einer Überbewaffnung und zu einem Wiedererstarken des deutschen Militarismus führen.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower kündigt in Philadelphia (US-Bundesstaat Pennsylvania) an, den westeuropäischen Staaten Forschungsreaktoren und spaltbares Material zu Forschungszwecken zur Verfügung zu stellen.
12. Juni In Versailles endet nach zweitägiger Dauer eine Konferenz des Internationalen Rates der Europäischen Bewegung. Unter dem Vorsitz des früheren französischen Ministerpräsidenten Robert Schuman erarbeiteten die Delegierten aus 22 Staaten u. a. Möglichkeiten einer Wirtschaftshilfe für rückständige europäische Staaten.
In Goslar veranstaltet der "Stahlhelm-Bund der Frontsoldaten" unter dem Vorsitz des ehemaligen Wehrmachtgenerals Albert Kesselring – begleitet vom massiven Protest der Gewerkschaften und Linksparteien – ein Jahrestreffen.
Die US-amerikanische Harvard-Universität verleiht dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer die Ehrendoktorwürde.
13. Juni In Brüssel billigt das belgische Parlament nach mehrtägiger Debatte den strittigen Gesetzesentwurf über die Neuordnung des Schulwesens. Der Entwurf, der u. a. die Streichung von Subventionen für die kirchlichen Schulen vorsieht, hat zu massiven Protesten in der Bevölkerung geführt.
Die sowjetische Regierung erklärt sich mit dem Vorschlag der drei Westmächte einverstanden, im Juli in Genf ein Gipfeltreffen der Großmächte abzuhalten.
14. Juni In Großbritannien endet nach der Schlichtung durch die Regierung der am 29. Mai ausgebrochene Streik der Eisenbahner, der am 31. Mai zur Ausrufung des nationalen Notstandes geführt hatte.
Der österreichische Bundeskanzler Julius Raab erklärt in Wien, Österreich werde auch nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages die Rechte der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol vertreten.
Der argentinische Gewerkschaftsbund ruft seine Mitglieder zu einem Generalstreik auf. Sie wollen damit ihre Unterstützung für die antikirchliche Politik der Regierung Perón ausdrücken.
15. Juni In Bonn wählen die CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten Heinrich Krone (CDU) als Nachfolger von Heinrich von Brentano zum Fraktionsvorsitzenden.
In der US-amerikanischen Hauptstadt Washington beginnt eine dreitägige Großübung zur Evakuierung der Regierungsbehörden im Falle eines atomaren Angriffs. Etwa 1.500 hohe Regierungsbeamte, darunter Präsident Dwight D. Eisenhower und das Kabinett, nehmen an der Übung teil und verlassen die Stadt.
16. Juni In Köln stirbt der deutsche Dramatiker und Schriftsteller Maxim Ziese.
In London ernennt der Rat der Westeuropäischen Union die Mitglieder der Internationalen Kommission für die Überwachung der im Oktober geplanten Volksbefragung im Saarland.
In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires putscht die Luftwaffe und bombardiert das Palais von Staatspräsident Juan Perón. Perón gelingt es in den folgenden Tagen, mit Hilfe der regierungstreuen Offiziere die Kontrolle über die Luftstreitkräfte zurückzuerobern.
Papst Pius XII. exkommuniziert den argentinischen Präsidenten Juan Perón.
17. Juni Anlässlich des 2. Jahrestages der Niederschlagung des Volksaufstandes in Ost-Berlin durch sowjetische Truppen finden in zahlreichen Städten der Bundesrepublik Deutschland Gedenkveranstaltungen statt.
Die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und der USA bereiten in New York unter der Beteiligung von Bundeskanzler Konrad Adenauer die im Juli geplante Vier-Mächte-Konferenz vor.
18. Juni Unter der Beteiligung ehemaliger Soldaten aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Griechenland und Luxemburg wird in Paris die Europäische Vereinigung ehemaliger Frontkämpfer gegründet. Die Organisation tritt für eine Vereinigung der europäischen Staaten ein.
Die französische Regierung verhängt ein an der gesamten französischen Mittelmeerküste gültiges Hupverbot für Autofahrer. Durch diese Maßnahme soll der in den Sommermonaten herrschende Lärmpegel gesenkt werden.
19. Juni In Hannover demonstrieren rund 150.000 ehemalige deutsche Kriegsgefangene für die Freilassung der noch in der Sowjetunion verbliebenen ehemaligen Wehrmachtsoldaten und fordern von der Bundesregierung eine höhere finanzielle Unterstützung der Kriegsbeschädigten.
20. Juni Der Ausschuss für wirtschaftliche Fragen der Verteidigung tritt in Bonn zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Der Ausschuss soll die Arbeit des Verteidigungs- und Wirtschaftsministeriums koordinieren.
In Ost-Berlin endet nach sechstägiger Dauer der 4. Bundeskongress des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB). Zum Vorsitzenden des FDGB wird einstimmig Herbert Warncke wieder gewählt.
Auf Ceylon beobachten Wissenschaftler aus aller Welt die längste Sonnenfinsternis seit 1.200 Jahren. Erst im Jahre 2150 wird sich auf der Erde erneut eine Sonnenfinsternis von sieben Minuten und acht Sekunden ereignen.
In München muss der Prozess gegen den deutschen Rennfahrer Manfred von Brauchitsch, der vor zwei Jahren unter dem Verdacht des Hochverrats verhaftet und zwischenzeitlich auf freien Fuß gesetzt worden war, ausgesetzt werden. Brauchitsch, bei dem Flugblätter mit kommunistischer Propaganda gefunden worden waren, hat sich in die DDR abgesetzt.
Paraguay wird Mitglied in der UNESCO.
21. Juni Der US-amerikanische Senat billigt in Washington den Beitritt der Vereinigten Staaten zur International Finance Corporation. Die Unterorganisation der Internationalen Bank für Wiederaufbau leistet Wirtschafts- und Finanzhilfe in unterentwickelten Regionen der Welt.
22. Juni In Wien billigt der österreichische Nationalrat das "Wehrkompetenzgesetz", das der Bundesregierung die Möglichkeit gibt, den Aufbau eines Heeres vorzubereiten.
Unter der Teilnahme von 2.000 Delegierten aus 68 Staaten beginnt in der finnischen Hauptstadt Helsinki ein Weltfriedenskongress. In einer am Konferenzende (29. Juni) verabschiedeten Entschließung wird die Politik der Stärke und das Wettrüsten in Ost und West verurteilt.
23. Juni Der Bundestag verabschiedet in dritter Lesung den Bundeshaushalt für das Rechnungsjahr 1955/56. Mit 30,6 Mrd. DM ist der Haushalt gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Mrd. DM gestiegen.
In Rom erklärt der italienische Ministerpräsident Mario Scelba seinen Rücktritt, nachdem eine von seiner Regierung eingebrachte Gesetzesvorlage im Parlament abgelehnt wurde.
Die NATO beginnt ein achttägiges Manöver, bei dem das Verhalten der Soldaten im Falle eines Atomangriffs geübt wird.
Auf der 38. Internationalen Arbeitskonferenz, die in Genf seit dem 1. Juni tagt, beschließen die Delegierten Empfehlungen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes und der gewerkschaftlichen Rechte.
26. Juni Die Vereinten Nationen feiern in New York ihr zehnjähriges Jubiläum.
27. Juni In Ost-Berlin wird ein Informant des Westberliner Senders RIAS wegen Spionage zum Tode verurteilt. Es ist bereits das fünfte Todesurteil, das von einem DDR-Gericht im Juni verhängt wird.
Die kanadische Regierung teilt in Ottawa mit, dass der Bundesrepublik Deutschland 36 Düsenjäger zur Verfügung gestellt werden. Sie sollen dem Aufbau der deutschen Bundeswehr dienen.
28. Juni In der Bundestagsdebatte um das Freiwilligengesetz, das die Aufstellung von bundesdeutschen Streitkräften regeln soll, kommt es zu tumultartigen Szenen im Plenum. Besonders die Redner der SPD-Fraktion wenden sich in scharfer Form gegen die Annahme der Gesetzesvorlage der Bundesregierung.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Bonn leben zur Zeit in der Bundesrepublik Deutschland rund 466.000 Ausländer, davon etwa 64.000 Polen und 56.000 Österreicher.
Der US-amerikanische Senat und das Repräsentantenhaus genehmigen das Bewilligungsgesetz für den Verteidigungshaushalt in Höhe von 31,9 Mrd. US-Dollar für das Rechnungsjahr 1955.
29. Juni In West-Berlin stirbt der Maler und Graphiker Max Pechstein.
Die polnische Militärmission in West-Berlin gibt bekannt, dass Deutschen Einreisegenehmigungen nach Schlesien nur in wichtigen Fällen erteilt werden.
Nach einem Misstrauensantrag wegen der Kastner-Affäre tritt der israelische Ministerpräsident Moshe Sharett von seinem Amt zurück. Das Mitglied der Regierungspartei Mapai, Israel Kastner, soll mit den Nationalsozialisten kollaboriert haben. Sharett wird bis zu den Neuwahlen am 25. Juli die Regierungsgeschäfte weiterführen.
In Moskau gibt die sowjetische Regierung die Rückgabe von 56 Torpedobooten und sechs U-Boot-Jägern an die USA bekannt. Die UdSSR hatte die Schiffe im Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Pacht- und Leihgesetzes von den USA zur Verfügung gestellt bekommen.
30. Juni Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen beschließt in Düsseldorf die Bereitstellung von 60 Mio. DM für den Bau von dringend benötigten Flüchtlingswohnungen.
Der Senat von West-Berlin lehnt ein Gesprächsangebot des Ostberliner Oberbürgermeisters Friedrich Ebert über verwaltungs- und verkehrstechnische Belange als Versuch des SED-Magistrats, offizielle Anerkennung zu erlangen, ab.
In Washington unterzeichnen Vertreter der USA und der Bundesrepublik ein Abkommen über US-Hilfsleistungen beim Aufbau der Bundeswehr.
01. Juli Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums teilt in Bonn mit, dass zur Zeit in seiner Behörde täglich rund 1.000 Freiwilligenmeldungen für die aufzustellenden Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland eingehen.
Zum Nachfolger des zurückgetretenen Innenministers der DDR, Willi Stoph, ernennt Ministerpräsident Otto Grotewohl in Ost-Berlin den bisherigen Chef der Deutschen Volkspolizei, Karl Maron.
Rund 2.000 Wissenschaftler aus 41 Ländern kommen in Moskau zu einer fünftägigen Konferenz über Probleme bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie zusammen. Forscher aus den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland haben ihre Teilnahme abgesagt.
03. Juli Zum Abschluss des viertägigen Kongresses der Sozialistischen Partei Frankreichs in Paris verabschieden die Delegierten mehrere Entschließungen, in denen sie u. a. eine Garantie der Vollbeschäftigung fordern und jedes Zusammengehen mit der Kommunistischen Partei ablehnen.
Bei den Parlamentswahlen in Mexiko gewinnt die regierende "Institutionalisierte Revolutionspartei" (PRI) 159 von insgesamt 162 Abgeordnetensitzen. Die linksgerichtete Opposition im Lande wirft der PRI Wahlbetrug vor.
Die portugiesische Regierung erlässt in Lissabon ein Dekret, das den zum portugiesischen Kolonialreich gehörenden Gebieten auf dem indischen Subkontinent weitgehende administrative und finanzielle Autonomie gewährt.
04. Juli Zwischen Großbritannien und der Südafrikanischen Union wird in London ein Abkommen geschlossen, das die Rückgabe des britischen Flottenstützpunktes Simonstown an Südafrika beinhaltet.
05. Juli In Moskau unterzeichnen Vertreter der sowjetischen und der chinesischen Regierung ein Abkommen über gegenseitige wissenschaftliche und technische Hilfe. Die UdSSR wird demnach der Volksrepublik China vor allem auf dem Gebiet des Schwermaschinenbaus technische Unterstützung gewähren.
Matus Cernak, Vorsitzender des Slowakischen Nationalrates, eines Zusammenschlusses slowakischer Emigranten in Deutschland, wird in München bei einem Paketbombenattentat getötet. Die Polizei vermutet als Drahtzieher Angehörige des tschechoslowakischen Geheimdienstes.
06. Juli Eric de Carbonnel wird von der französischen Regierung zum Chef der französischen Mission im Saarland ernannt. Er tritt die Nachfolge von Gilbert Grandval an, der zum französischen Generalresidenten in Marokko berufen wurde.
In Rom stellt der Christdemokrat Antonio Segni seine neue Regierung vor, die aus Mitgliedern der Christdemokraten (DC), der Sozialdemokraten und der Liberalen gebildet wird. Das Kabinett von Mario Scelba (DC) war wegen Unstimmigkeiten über die Wirtschaftspolitik zurückgetreten.
07. Juli Der Bundestag verabschiedet in Bonn ein "Bannmeilen-Gesetz", das politische Kundgebungen im Bereich des Bonner Regierungsviertels untersagt.
Vertreter der US-Regierung und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen in Washington ein Abkommen über den Luftverkehr zwischen beiden Staaten, das u. a. Landungs- und Überflugrechte regelt.
08. Juli Der Deutsche Bundestag verabschiedet in Bonn ein Landwirtschaftsgesetz, das die indirekte Subventionierung der deutschen Landwirtschaft durch steuerliche und kreditpolitische Stützung vorsieht.
In Peking unterzeichnen der chinesische Staats- und Parteiführer Mao Zedong und der Staatspräsident Nordvietnams, Ho Chi Minh, ein Abkommen über chinesische Wirtschaftshilfe für Nordvietnam.
09. Juli Die französische Nationalversammlung stimmt mit großer Mehrheit dem im Juni 1955 unterzeichneten Abkommen zwischen Frankreich und Tunesien zu, das dem nordafrikanischen Land weitgehende innere Autonomie garantiert. Die Landesverteidigung und die äußeren Beziehungen Tunesiens werden weiterhin durch Frankreich wahrgenommen.
In Mexiko-Stadt stirbt der Politiker und ehemalige Präsident von Mexiko, Adolfo de la Huerta.
10. Juli In Israel wird David Ben-Gurion zum neuen Ministerpräsident gewählt.
Zum Abschluss eines offiziellen Staatsbesuches des indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru in Jugoslawien veröffentlichen Staats- und Parteichef Josip Tito und Nehru eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Politik der Blockfreiheit bekräftigen.
11. Juli Sieben Bundestagsabgeordnete, darunter die Bundesminister Waldemar Kraft und Theodor Oberländer, treten aus der Regierungspartei "Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (GB/BHE) aus. Die Gruppe um Kraft und Oberländer unterstützt weiter die CDU und tritt dieser 1956 bei. Die GB/BHE geht am 23. Juli in die Opposition. Die Regierungskoalition verliert damit ihre Zweidrittelmehrheit.
12. Juli In 19 deutschen Großstädten, darunter Hamburg und Stuttgart, wird die Getränkesteuer abgeschafft. Vorausgegangen war eine mehrmonatige Kampagne des Hotel- und Gaststättenverbandes mit dem Ziel der Aufhebung dieser Abgabe.
Nach rund vierwöchiger Dauer enden in Wien Verhandlungen zwischen Österreich und der Sowjetunion über die Höhe der von Österreich zu leistenden Reparationen. In einem Abkommen verpflichtet sich Österreich, in den nächsten sechs Jahren an die Sowjetunion Kriegsentschädigungen im Gesamtwert von 150 Mio. US-Dollar (630 Mio. DM) zu liefern.
In London beginnt ein fünftägiger Kongress der Sozialistischen Internationale, einem Zusammenschluss von rund 40 sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien. Die rund 150 Delegierten aus 36 Ländern beraten u. a. über ein europäisches Sicherheitssystem und verabschieden eine Erklärung, in der sie die Wiedervereinigung Deutschlands und die Abhaltung gesamtdeutscher freier Wahlen fordern.
In Rabat (Marokko) kommt es zu schweren Zusammenstößen zwischen Einheimischen und Angehörigen der französischen Kolonie des Landes.
13. Juli Wegen vorsätzlichen Mordes an ihrem Geliebten wird Ruth Ellis in Großbritannien gehängt. Sie ist die letzte Frau, die in Großbritannien gehängt wird.
15. Juli Als erstes Wehrgesetz nimmt der Deutsche Bundestag in Bonn gegen die Stimmen der Deutschen Partei und mehrerer SPD-Abgeordneten das Gesetz über den Personalausschuss an.
Bei einer Zusammenkunft auf der Bodensee-Insel Mainau unterzeichnen 18 Nobelpreisträger, unter ihnen die Deutschen Otto Hahn und Werner Heisenberg, einen Appell, in dem sie eindringlich vor den Gefahren eines Atomkrieges warnen.
Der argentinische Präsident Juan Domingo Perón erklärt in Buenos Aires seinen Rücktritt als Vorsitzender der Partido Laborista (Arbeiterpartei). Mit diesem Schritt wolle er eine Phase größerer politischer Freiheiten in dem südamerikanischen Land einleiten.
16. Juli In dritter Lesung billigt der deutsche Bundestag in Bonn gegen die Stimmen der Sozialdemokraten das Freiwilligengesetz. Am 23. Juli setzt es Bundespräsident Theodor Heuss durch seine Unterschrift in Kraft.
Kardinal József Mindszenty, das frühere Oberhaupt der katholischen Kirche Ungarns, wird nach sechsjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen. Mindszenty war im Februar 1949 vor einem Volksgerichtshof in Budapest des Hochverrats, der Spionage und des Devisenschmuggels angeklagt und zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden.
17. Juli Nach blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei verhängt der französische Generalresident in Marokko, General Gilbert Grandval, über die Hafenstadt Casablanca den Ausnahmezustand.
18. Juli In der schweizerischen Stadt Genf kommen bis zum 23. Juli die Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion, Dwight D. Eisenhower, Anthony Eden, Edgar Faure und Nikolai A. Bulganin, zu einer Konferenz zusammen. Im Mittelpunkt der fünftägigen Beratungen stehen Fragen der Abrüstung und der internationalen Zusammenarbeit.
Nach einem Beschluss des Finanz-Kontrollausschusses in Bonn stehen für den Lastenausgleichsfonds, aus dem von Krieg und Vertreibung besonders hart betroffene Deutsche entschädigt werden, im Rechnungsjahr 1955/56 insgesamt 4,4 Mrd. DM zur Verfügung. Dies ist die höchste Summe seit Einrichtung des Fonds.
20. Juli Auf der in Genf (Schweiz) tagenden Viermächtekonferenz legt die sowjetische Delegation einen Entwurf für einen europäischen Sicherheitsvertrag vor, in dem den beiden deutschen Staaten bis zur Schaffung eines einheitlichen demokratischen deutschen Staates ein gleichberechtigter Status im europäischen Staatensystem eingeräumt wird.
21. Juli Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Rat der Westeuropäischen Union überreichen den Delegierten der übrigen Mitgliedsstaaten eine Erklärung zu mehreren vom saarländischen Landtag verabschiedeten Gesetzen. Die Bundesregierung erhebt darin u. a. Bedenken gegen das Presse- und das Vereinsgesetz, das weit reichende Eingriffe in das politische Leben des Saarlandes zulasse.
22. Juli Der Bundesrat in Bonn verabschiedet ein Gesetz, das die Erhöhung der Altbaumieten in der Bundesrepublik Deutschland um 10 bis 20 % ermöglicht. Ausgenommen sind Behelfswohnungen in Baracken, ehemaligen Bunkern oder Nissenhütten.
In Bonn werden die Uniformen der künftigen deutschen Streitkräfte der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Farbe der nach US-amerikanischem Vorbild gestalteten Heeresuniform ist anthrazit und grau, während die Angehörigen der Luftwaffe taubenblaue Dienstkleidung tragen sollen. Für die Uniformen der Seestreitkräfte ist das traditionelle Marineblau vorgesehen.
Der Vorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) der DDR ruft seine Mitglieder dazu auf, zu Ehren des 80. Geburtstags des Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, die Anstrengungen zur vorfristigen Erfüllung des Produktionsplans für 1955 zu verstärken.
23. Juli In der Bundesrepublik tritt das "Freiwilligen-Gesetz" in Kraft. Es sieht eine Rekrutierung von Freiwilligen für die künftige Bundeswehr vor.
Der farbige Student James Ritter besteigt in Richmond (US-Bundesstaat Virginia) einen für Weiße reservierten Omnibus und wird von der Polizei verhaftet. Ritter will durch diese Aktion einen Musterprozess gegen das örtliche Autobusunternehmen provozieren, das sich bisher weigert, die Trennung von Farbigen und Weißen in Autobussen aufzuheben.
In Bethesda, Maryland, stirbt der amerikanische Politiker und Nobelpreisträger (Frieden 1945) Cordell Hull.
25. Juli Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärt auf einer Pressekonferenz in Mürren (Schweiz) seine Zufriedenheit über den Ausgang der Genfer Viermächtekonferenz. Er hebt hervor, die Großmächte seien darüber einig, dass die Wiedervereinigung Deutschlands eine Grundfrage der europäischen Stabilität sei.
Bei den Parlamentswahlen in Israel kann die rechtsgerichtete Cherut-Partei erhebliche Stimmengewinne erzielen und erringt 15 Sitze. Die regierende Sozialistische Partei unter der Leitung von Ben Gurion erleidet empfindliche Stimmeneinbußen und verliert fünf ihrer bisher 45 Mandate, bleibt jedoch stärkste politische Kraft in Israel.
26. Juli CDU-Politiker weisen in Bonn auf eine in der Bundesrepublik Deutschland drohende Kohleknappheit hin, da wegen der umfangreichen Exportverpflichtungen die deutschen Kohlezechen den Inlandsbedarf nicht mehr decken können. Die CDU fordert daher den Import teurer US-Kohle.
In Saarbrücken erscheint die erste Ausgabe der "Neuesten Nachrichten", das Parteiblatt der CDU des Saarlandes. Die "Neuesten Nachrichten" sind nach Aufhebung des Lizenzzwanges die erste prodeutsche Zeitung an der Saar.
Nach Abschluss der Genfer Viermächtekonferenz trifft der Partei- und Staatsführer der UdSSR, Nikita S. Chruschtschow, zu einem zweitägigen Besuch in Ost-Berlin ein. Auf einer Kundgebung erklärt Chruschtschow, dass eine Wiedervereinigung Deutschlands nur auf der Grundlage der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR erfolgen könne.
US-Außenminister John Foster Dulles erklärt auf einer Pressekonferenz in Washington mit Blick auf die deutsche Frage, die Wiedervereinigung Deutschlands sei in greifbare Nähe gerückt, könne aber nur im Rahmen eines europäischen Sicherheitssystems realisiert werden.
Nachdem Frankreich als letzter der fünf Unterzeichnerstaaten (UdSSR, Großbritannien, Frankreich, USA und Österreich) den österreichischen Staatsvertrag ratifiziert hat, tritt dieser in Kraft. Damit endet nach zehn Jahren die Besatzungsherrschaft in Österreich. Der Alliierte Rat kommt in Wien zu seiner letzten Sitzung zusammen, auf der er seine Tätigkeit offiziell für beendet erklärt.
Der britische Schatzkanzler Richard Austin Butler verkündet Maßnahmen zur Drosselung der Inlandsnachfrage, u. a. eine Verteuerung von Krediten, die Reduzierung öffentlicher Investitionen und die Erschwerung von Ratenzahlungen. Ziel dieser Verfügungen ist die Erhöhung des Exports, um das bedrohlich gestiegene Außenhandelsdefizit Großbritanniens abzubauen.
27. Juli Der Österreichische Staatsvertrag tritt offiziell in Kraft.
Im Hauptquartier der NATO-Streitkräfte in Paris (SHAPE) treffen die ersten Offiziere der zu bildenden deutschen Streitkräfte zu einem Ausbildungslehrgang ein.
Eine israelische Passagiermaschine vom Typ Constellation wird über Bulgarien von der bulgarischen Luftabwehr abgeschossen. Sämtliche 58 Insassen der Maschine kommen dabei ums Leben. In einer Erklärung spricht die bulgarische Regierung ihr Bedauern über den schweren Luftzwischenfall aus.
28. Juli Der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower lässt verkünden, dass er als nationalen Beitrag der USA zum Internationalen Geophysikalischen Jahr einen Erdsatelliten in Auftrag geben werde.
29. Juli Der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower gibt in Washington auf einer Pressekonferenz den Beschluss der US-Regierung bekannt, 1957 den ersten künstlichen Erdsatelliten in den Weltraum zu schießen.
30. Juli Der US-amerikanische Kongress verabschiedet in Washington ein Gesetz, das die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes von 0,75 US-Dollar (3,15 DM) auf 1 US-Dollar (4,20 DM) vorsieht.
31. Juli Vor dem Stuttgarter Neuen Schloss findet eine Großkundgebung der Vertriebenen statt.
In Halle an der Saale (DDR) endet eine zweitägige "Zentrale Konferenz der Produktionsgenossenschaften des Handwerks" mit der Verabschiedung eines Musterstatuts, das die Selbständigkeit von Handwerksbetrieben in der DDR einschränkt.
In der polnischen Hauptstadt Warschau beginnen die 5. Weltfestspiele der Jugend und Studenten mit rund 80.000 Teilnehmern aus mehr als 50 Ländern. Die kommunistisch ausgerichtete Veranstaltung dauert bis zum 15. August.
Die rumänische Regierung erlässt in Bukarest eine Amnestie für Rumänen, die aus politischen Gründen illegal das Land verlassen haben.
01. August Der deutsche Jurist Hubert Schrübbers erhält seine Ernennung zum Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz.
In der schweizerischen Stadt Genf nehmen der US-amerikanische Botschafter Alexis Johnson und sein chinesischer Amtskollege Wang Ping-nan Verhandlungen über die Rückführung US-amerikanischer Zivilisten, die während des Koreakrieges (1950–53) in der Volksrepublik China interniert worden waren, auf.
Die Volksrepublik China lässt elf Piloten der US-Luftwaffe frei, die 1953 während des Koreakrieges über chinesischem Gebiet abgeschossen und unter dem Vorwurf der Spionage gefangen genommen worden waren. China und die USA hatten sich im Juli über die Freilassung geeinigt.
Nach hohen Verlusten im Aktiengeschäft muss die größte Bank von Monaco, die monegassische Bank- und Edelmetallgesellschaft, wegen Zahlungsunfähigkeit ihren Schalterbetrieb einstellen.
02. August In Peking verabschiedet der Nationale Volkskongress, das chinesische Parlament, ein Gesetz über die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in China.
In Washington billigen beide Häuser des US-amerikanischen Kongresses einen Gesetzentwurf der Regierung, der den Bau von 45.000 Wohnungen aus Staatsmitteln bis Mitte 1956 vorsieht.
03. August Die Bundesregierung beschließt in Bonn, dass der erste deutsche Atomreaktor bei Karlsruhe errichtet werden soll.
Der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin berichtet vor dem Obersten Sowjet in Moskau über Verlauf und Ergebnisse der Genfer Viermächtekonferenz. Die Verhandlungen hätten Fortschritte auf dem Weg zu einem von der UdSSR vorgeschlagenen europäischen Sicherheitssystem gebracht. Allerdings bestünden zwischen der UdSSR und den Westmächten weiterhin tiefe Meinungsverschiedenheiten, u. a. über die politische Situation in Osteuropa und in der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands.
04. August In Bonn unterzeichnen Vertreter der Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und Ungarns ein Abkommen über den Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Das Abkommen sieht für 1956 die Einfuhr ungarischer Produkte in die Bundesrepublik im Gesamtwert von 26 Mio. US-Dollar (109 Mio. DM) vor.
Die Sowjetunion beginnt auf ihrem Versuchsgelände in Semipalatinsk (Kasachstan) mit einer mehrtägigen Serie von Kernwaffenversuchen.
05. August In Paris unterzeichnen Vertreter der französischen Regierung und der Bundesregierung ein Handelsabkommen zwischen ihren beiden Ländern, das den gegenseitigen Warenaustausch für den Zeitraum von 3½ Jahren regelt.
Die Mitglieder der "Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit" (OEEC) unterzeichnen das Europäische Währungsabkommen, das die Europäische Zahlungsunion ersetzt.
In Beverly Hills stirbt die Sängerin und Schauspielerin Carmen Miranda.
06. August Der Zentralbankrat der Bank Deutscher Länder beschließt in Frankfurt am Main die Erhöhung des Diskontsatzes von 3 % auf 3,5 % und des Lombardsatzes von 4 % auf 4,5 %. Durch diese Maßnahme soll inflationären Tendenzen entgegengewirkt werden.
07. August Das Deutsche Rote Kreuz teilt in seiner "Suchdienst-Zeitung" mit, dass es Kontakt zum Sowjetischen Roten Kreuz aufgenommen habe, um das Schicksal vermisster Wehrmachtsangehöriger zu klären.
08. August Als dritte deutsche Partei im Saarland konstituiert sich in Saarbrücken die Christlich-Demokratische Union.
Der Bundesrat in Bonn stimmt einer Gesetzesvorlage über die Besoldung der Freiwilligen für die aufzustellenden deutschen Streitkräfte zu. Danach soll der Sold für einen Gefreiten 239 DM, für einen Feldwebel 298 DM, für einen Brigadegeneral 1.633 DM betragen.
Die "Organisation Gehlen", der Nachrichtendienst des ehemaligen deutschen Generalleutnants Reinhard Gehlen, wird der direkten Kontrolle des Bundeskanzleramtes unterstellt.
Ein ehemaliger Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der DDR (SSD), der sich in die Bundesrepublik Deutschland abgesetzt hatte, wird von SSD-Angehörigen aus der süddeutschen Ortschaft Heubach in die DDR entführt.
Mit einer Ansprache des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, wird in Genf (Schweiz) eine zwölftägige Konferenz über die friedliche Nutzung der Atomenergie eröffnet, an der rund 1.200 Delegierte aus über 72 Ländern teilnehmen.
09. August Nach einer Erhebung des US-amerikanischen Atomindustrie-Forums sind derzeit weltweit 42 Atomreaktoren in Betrieb. Davon stehen 29 in den USA, fünf in Frankreich und einer in der UdSSR.
10. August Das Bundeswirtschaftsministerium in Bonn verfügt eine Liefersperre von Erzeugnissen der Eisenindustrie in die DDR. Begründet wird diese Maßnahme mit der zunehmenden Verschuldung der DDR und der Nichteinhaltung von Terminen im innerdeutschen Handel.
Das Düsseldorfer Oberverwaltungsgericht verfügt die sofortige Schließung mehrerer Spielbanken in Nordrhein-Westfalen, deren Betrieb, so die Begründung des Gerichts, gegen das gesetzliche Verbot von Glücksspielen verstieße.
Nach einem Beschluss der sowjetischen Regierung dürfen Einwohner der UdSSR künftig Auslandsreisen unternehmen. Allerdings können sie nur die sozialistischen Staaten des Ostblocks, China sowie Schweden und Finnland besuchen.
11. August Der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erlässt für alle Funktionäre ein Verbot, an Veranstaltungen in der DDR und den Staaten des Ostblocks teilzunehmen. Hintergrund dieser Maßnahme ist die Befürchtung, dass die Anwesenheit westdeutscher Gewerkschafter von den Kommunisten zu Propagandazwecken missbraucht werden könnte.
Regierungsvertreter Frankreichs und Libyens unterzeichnen in der libyschen Hauptstadt Tripolis einen Freundschaftsvertrag zwischen beiden Ländern, der den Rückzug französischer Truppen aus der libyschen Provinz Fessan und die Einrichtung von Stützpunkten für die französischen Luftstreitkräfte in dem nordafrikanischen Land vorsieht.
In Indonesien bildet nach dem Rücktritt des linksorientierten Kabinetts unter Ministerpräsident Ali Sastroamidjojo der Fraktionsvorsitzende der mohammedanischen Masjumi-Partei, Burhanuddin Harahap, eine neue Koalitionsregierung. Dieser gehören Vertreter von 12 Parteien an.
Die Vereinten Nationen stimmen in New York (USA) dem Antrag Japans auf Aufnahme in das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) zur Regelung des internationalen Handels zu.
12. August Der Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl (SED), gibt vor der Volkskammer in Ost-Berlin eine Regierungserklärung ab, in der er der Bonner Bundesregierung Verhandlungen über den Abbau der Spannungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik anbietet. Grundlage sei die Anerkennung der Existenz zweier deutscher Staaten durch die Bundesregierung.
Der deutsche Schriftsteller Thomas Mann stirbt in Zürich.
13. August Der Ministerpräsident des autonomen, wirtschaftlich an Frankreich angeschlossenen Saarlandes, Johannes Hoffmann (Christliche Volkspartei), spricht sich auf einer Kundgebung in Saarbrücken für die Annahme des Saarstatuts aus, das einen provisorischen Status des Saarlandes innerhalb der Westeuropäischen Union vorsieht. Am Rande der Veranstaltung kommt es zu Zusammenstößen zwischen Gegnern des Statuts und der Polizei.
Der Fliegerhorst Büchel im Landkreis Cochem-Zell wird an die Bundeswehrverwaltung übergeben.
Die Sowjetunion übergibt nach Beendigung der Besatzungsherrschaft in Österreich offiziell die ehemaligen deutschen Vermögenswerte und Ölförderstätten in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone an die österreichische Regierung.
Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS teilt den Beschluss der Regierung der UdSSR mit, bis Mitte Dezember 1955 den Effektivbestand der sowjetischen Streitkräfte um 640.000 Mann herabzusetzen.
Angehörige der Irisch-Republikanischen Armee, die für die Unabhängigkeit Nordirlands von Großbritannien eintritt, überfallen in Arborfield (Grafschaft Berkshire) ein britisches Armeedepot.
15. August Auf Beschluss der Bundesregierung wird der Deutsche Wetterdienst ab sofort die radioaktive Belastung der Luft über dem Bundesgebiet messen. Dieser Schritt ist nach den Worten des Verkehrsministers Hans-Christoph Seebohm notwendig geworden, da infolge der zahlreichen Atombombentests die Radioaktivität in der Atmosphäre stark gestiegen ist.
In der DDR erlässt das Staatssekretariat für Erfassung und Aufkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse eine Anordnung, welche die Bevölkerung zur Sammlung von Kastanien und Eicheln verpflichtet. Die Früchte sollen als Futtermittel in der Tierhaltung eingesetzt werden.
In der portugiesischen Kolonie Goa kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und indischen Demonstranten, die den Anschluss Goas an Indien fordern.
16. August Das Parlament des Sudan verabschiedet in Khartum eine Resolution, in der die Autonomie des britisch-ägyptischen Kondominiums Sudan und der Abzug der ausländischen Truppen innerhalb von 90 Tagen gefordert werden.
17. August Das nordrhein-westfälische Ministerium für Wiederaufbau bewilligt in Düsseldorf 10 Mio. DM für den Aufbau einer nach neuesten Gesichtspunkten geplanten Kleinstadt in der Nähe von Bielefeld. In der Ortschaft, die den Namen "Sennestadt" tragen und in etwa fünf Jahren fertig gestellt sein soll, wird es keine Straßenkreuzungen geben.
In San Marino, der kleinsten Republik der Welt, finden Parlamentswahlen statt, aus denen die Christlichen Demokraten als stärkste Partei hervorgehen.
Die Sowjetunion entlässt die ersten österreichischen Spezialisten in ihre Heimat, die nach Beendigung ihrer Kriegsgefangenschaft in der UdSSR zur Mitarbeit in sowjetischen Forschungsinstituten verpflichtet worden waren. Nach österreichischen Schätzungen befinden sich noch rund 200 Dienstverpflichtete in der UdSSR.
18. August Der Ministerrat der DDR ordnet die Bildung von "Produktionsgenossenschaften des Handwerks" (PGH) an.
In Antigua (Guatemala) beginnt die erste Konferenz der Organisation der zentralamerikanischen Staaten, an der die Außenminister von Honduras, Costa Rica, Guatemala, Nicaragua und El Salvador teilnehmen. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Kampf gegen kommunistische Bewegungen in den Ländern Zentralamerikas.
Das Handelsministerium der Republik Korea (Südkorea) teilt in Seoul mit, dass Südkorea jeglichen Handelsverkehr mit Japan eingestellt habe, da Japan auch mit kommunistischen Staaten wie der Volksrepublik Korea (Nordkorea) Wirtschaftsbeziehungen unterhalte.
19. August Nach Angaben des Deutschen Industrie- Instituts sind in den letzten 12 Monaten rund 72.000 Deutsche, davon rund 45 % im berufsfähigen Alter, aus der Bundesrepublik Deutschland ausgewandert.
Nach Angaben des Landesarbeitsamtes Nordrhein-Westfalen fehlen im Ruhrbergbau zur Zeit rund 17.000 Bergleute. Der Arbeitskräftemangel hat bereits zu einem Rückgang der Fördermenge geführt.
Die portugiesische Regierung gibt in Lissabon den Abbruch sämtlicher diplomatischer Beziehungen zu Indien bekannt. Hintergrund dieser Maßnahme sind die seit Wochen anhaltenden Unruhen in der portugiesischen Besitzung Goa an der Westküste des indischen Subkontinents.
In der französischen Hafenstadt Nantes kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen mehreren tausend streikenden Werftarbeitern und der Polizei, bei denen über 60 Personen zum Teil schwer verletzt werden. Die Streikenden fordern höhere Löhne und soziale Verbesserungen.
20. August In den französischen Kolonialgebieten Marokko und Algerien kommt es zu blutigen Unruhen, bei denen rund 600 Menschen getötet werden.
22. August Vor dem Hintergrund anhaltender Unruhen in Marokko beginnen in Aix-les-Bains (Frankreich) französisch-marokkanische Verhandlungen über eine Beilegung der Konflikte. Bei den Gesprächen wird u. a. die Bildung einer neuen Regierung in Marokko unter Einschluss nationalistischer Politiker vereinbart.
23. August Nach einem Beschluss der Bank Deutscher Länder mit Sitz in Frankfurt am Main dürfen deutsche und ausländische Reisende vom 1. September 1955 an bei der Ausreise 1.500 DM statt bisher 300 DM mitführen.
Der rumänische Ministerpräsident Gheorghe Gheorghiu-Dej bietet der Bundesregierung die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland an. Bonn weist das Angebot mit der Begründung, der Austausch von Botschaftern mit Rumänien würde die Anerkennung der deutschen Teilung bedeuten, zurück.
24. August Aufgrund akuter Versorgungsengpässe wird in China die Abgabe von Weizenmehl an die städtische Bevölkerung rationiert.
Nach elfjähriger Haft in den USA trifft der deutsche Spion Erich Gimpel in der Bundesrepublik Deutschland ein. Der Kurzwellentechniker Gimpel hatte während des Zweiten Weltkriegs im Auftrag der Nationalsozialisten in den Vereinigten Staaten in der Rüstungsindustrie spioniert.
25. August Der deutsche Schriftsteller Heinrich Spoerl stirbt in Rottach-Egern.
In der finnischen Hauptstadt Helsinki beginnt eine sechstägige Konferenz der Interparlamentarischen Union. Während der Exekutivausschuss der Organisation den Beitritt der Sowjetunion, Albaniens und Spaniens befürwortet, lehnt er das Ersuchen der DDR um Aufnahme ab.
US-Außenminister John F. Dulles erklärt in einer Rede in Washington die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, im Zuge einer Lösung des Nahost-Problems sowohl Israel als auch seinen arabischen Nachbarstaaten Sicherheitsgarantien zu gewähren.
27. August DDR-Außenminister Lothar Bolz beantragt in einem Schreiben an die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) in Paris die Aufnahme der DDR in die UNESCO.
28. August In Money, Mississippi, wir der 14-jährige Emmett Till aus rassistischen Motiven brutal misshandelt und ermordet.
29. August Die Außenminister Großbritanniens, Griechenlands und der Türkei kommen in London zu einer Konferenz zusammen, in deren Mittelpunkt politische und militärische Fragen des östlichen Mittelmeergebiets und der Konflikt um die sowohl von Griechenland als auch von der Türkei beanspruchte Insel Zypern stehen.
30. August Die Regierung der Tschechoslowakei gibt in Prag den Beschluss bekannt, die Streitkräfte des Landes bis Ende Dezember 1955 um 34.000 Mann zu verringern. Sie begründet diesen Schritt mit der Verbesserung der internationalen Beziehungen im Gefolge der Genfer Viermächtekonferenz. Auch Rumänien verpflichtet sich, seine Truppen innerhalb der nächsten Monate um 40.000 Mann zu reduzieren.
An der israelisch-ägyptischen Demarkationslinie bei Gaza kommt es zwischen Ägyptern und Israelis zu Schießereien, bei denen mehrere Menschen getötet werden.
31. August Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums teilt in Bonn mit, dass bis zum 1. August 1955 152.166 Freiwilligenmeldungen für die aufzustellenden bundesdeutschen Streitkräfte bei seinem Ministerium eingegangen seien.
Der Staatspräsident der DDR, Wilhelm Pieck, richtet ein Schreiben an den Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjet, Kliment J. Woroschilow, in dem er um die Entlassung aller deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und um ihre Rückführung in die Heimat ersucht.
Der Minister für Schwerindustrie der DDR, Fritz Selbmann, macht bei Hoyerswerda in der Niederlausitz den ersten Spatenstich zur Errichtung des Braunkohlekombinates "Schwarze Pumpe".
Die französische Regierung gibt in Paris die Ablösung des Generalresidenten in Marokko, General Gilbert Grandval, bekannt. Zu seinem Nachfolger wird General Pierre Boyer de la Tour berufen.
Der Maler und Bühnenbildner Willi Baumeister stirbt in Stuttgart.
01. September In der finnischen Hauptstadt Helsinki wird zwischen Finnland und der Bundesrepublik Deutschland ein Handelsabkommen geschlossen.
02. September Bundeskanzler Konrad Adenauer empfängt in Bonn die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien zu einer Aussprache über die bevorstehende Kanzlerreise nach Moskau. Hauptthemen sind dabei das Problem der deutschen Teilung und die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus sowjetischem Gewahrsam.
Nach zehnjähriger verwaltungsrechtlicher Selbständigkeit wird der Landkreis Lindau am Bodensee offiziell wieder dem Bundesland Bayern angegliedert. Die Eigenständigkeit Lindaus war eine Folge der willkürlichen Grenzziehung in diesem Gebiet zwischen der französischen und US-amerikanischen Besatzungszone.
In Halle an der Saale (DDR) endet nach drei Tagen der 4. Parteitag der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD). Ernst Goldenbaum wird als Parteivorsitzender in seinem Amt bestätigt.
04. September Auf Kundgebungen in Saarbrücken erklären die Vorsitzenden der drei prodeutschen Parteien des Saarlands, der Saar-CDU, der DSP (Saar) und der DPS, ihre Entschlossenheit, entgegen einer Empfehlung von Bundeskanzler Adenauer für die Ablehnung des Saarstatuts bei der bevorstehenden Volksabstimmung zu werben.
05. September Nach Angaben der Passkontrollstelle Helmstedt erkennt die DDR bei Transitreisen seit kurzem auch den grünen Reisepass als Ausweispapier an. Bisher mussten westdeutsche Transitreisende nach Berlin ihren Personalausweis vorlegen.
06. September Als Nachfolger des zurückgetretenen Leonhard Schlüter (FDP) übernimmt Richard Tantzen (FDP) das Amt des niedersächsischen Kultusministers.
In Istanbul und Izmir kommt es zu schweren antigriechischen Pogromen. Dabei werden fast alle orthodoxen Kirchen verwüstet.
07. September Unter Einführung der allgemeinen Wehrpflicht für Männer wird das österreichische Bundesheer gegründet.
08. September In Bad Godesberg bei Bonn kommen Wirtschaftsminister Ludwig Erhard und Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zu einem Gespräch über die konjunkturelle Lage in der Bundesrepublik zusammen. Es besteht Einigkeit zwischen beiden Seiten, dass Preissenkungen angestrebt werden müssen, ein Lohn- und Preisstopp jedoch nicht in Frage komme.
09. September Bundeskanzler Adenauer reist bis zum 14. September mit einer Regierungsdelegation nach Moskau. Am 12. September unterzeichnen der sowjetische Ministerpräsident Nikolai A. Bulganin und Adenauer eine Vereinbarung über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und über die Rückführung der letzten deutschen Kriegsgefangenen.
In einer Rede in Leipzig fordert der stellvertretende Ministerpräsident der DDR, Walter Ulbricht, die Bonner Bundesregierung dazu auf, gemeinsam mit der DDR eine gesamtdeutsche Delegation zur Außenministerkonferenz im Oktober 1955 nach Genf (Schweiz) zu entsenden.
In Münster (Westfalen) stirbt die Clemensschwester Maria Euthymia. Sie wird im Jahr 2001 selig gesprochen.
12. September In München wird der mit 25.000 DM dotierte Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik an die deutsche Atomphysikerin Lise Meitner und den Chemiker und Nobelpreisträger Heinrich Wieland verliehen.
13. September Zum Abschluss ihrer viertägigen Verhandlungen in Moskau veröffentlichen die Regierungsdelegationen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR ein Kommuniqué, in dem sie u. a. ihren Entschluss zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten bekannt geben.
14. September Bundeskanzler Adenauer äußert sich unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Moskau zufrieden mit den Ergebnissen seiner Verhandlungen mit der sowjetischen Staats- und Parteiführung.
Die Wiener Internationale Militärpolizeipatrouille, bekannt als "Die Vier im Jeep", stellt ihre Tätigkeit ein.
16. September Auf einer Pressekonferenz in Bonn berichtet Bundeskanzler Konrad Adenauer über die Ergebnisse seines Moskau-Besuches. Er betont dabei, dass die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur UdSSR nichts an den engen Verbindungen der Bundesrepublik Deutschland zum Westen ändern werde.
In Argentinien beginnt ein zweiter Militärputsch gegen Staatspräsidenten Juan Domingo Perón statt, der diesmal erfolgreich ist. Er dauert bis zum 21. September und führt zum Sturz von Perón.
In Innsbruck stirbt die österreichische Schriftstellerin Adelheid Schneller.
17. September Die französische Gendarmerie verlässt Rheinland-Pfalz.
Eine Regierungsdelegation der DDR unter der Leitung von Ministerpräsident Otto Grotewohl reist zu viertägigen Verhandlungen mit der sowjetischen Regierung nach Moskau.
In Leipzig endet der zweitägige Parteitag der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NDPD). Als Parteivorsitzender wird der Außenminister der DDR, Lothar Bolz, wiedergewählt.
In Venedig heiratet Alfonso Prinz zu Hohenlohe die erst 15-jährige Ira von Fürstenberg.
18. September Der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer übt auf einer Parteiveranstaltung in Bremerhaven scharfe Kritik an den Ergebnissen der Moskaureise von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Zwar begrüße die SPD die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion, jedoch stelle sich die Frage, ob damit nicht ein weiterer Schritt zur Teilung Deutschlands getan sei.
Die ersten Douglas DC-8 gehen für die Fluggesellschaften United und Delta in den Liniendienst.
20. September In Moskau unterzeichnen der Vorsitzende des sowjetischen Ministerrates, Nikolai A. Bulganin, und der Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, den "Vertrag über die Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken". Mit diesem Vertrag gewährt die UdSSR der DDR die staatliche Souveränität.
22. September Der Bundestag billigt die Moskauer Vereinbarungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe stellt in einem Grundsatzurteil über die "Rechtsstellung der Rechtsanwälte, die jenseits der Oder-Neiße-Linie zugelassen waren", fest, dass sich die Gerichtsbarkeit der Bundesrepublik Deutschland weiterhin auf das Gebiet des ehemaligen Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 und damit auch auf die Gebiete östlich von Oder und Neiße erstreckt.
23. September Bundeskanzler Adenauer verkündet vor dem Bundestag die Hallstein-Doktrin, nach der die Bundesregierung keine diplomatischen Beziehungen mit Staaten unterhalten könne, die die DDR anerkennen (mit Ausnahme der Sowjetunion).
Pakistan tritt dem Bagdad-Pakt bei.
26. September Der frühere Großadmiral Erich Raeder, von 1935 bis 1943 Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, wird in Anbetracht seines vorgerückten Alters von 79 Jahren aus dem Spandauer Kriegsverbrechergefängnis entlassen. Raeder war 1946 vom Nürnberger Militärgerichtshof zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden.
Die Volkskammer der DDR beschließt Gesetz zur Ergänzung der Verfassung als verfassungsmäßige Voraussetzung zum Aufbau von Streitkräften.
Das Gesetz über das Staatswappen und die Staatsflagge der DDR wird verabschiedet.
28. September In Moskau beschließt das Präsidium des Obersten Sowjet die Entlassung von 9.626 deutschen Kriegsgefangenen in ihre Heimat. Von diesen sollen 749 wegen schwerer Kriegsverbrechen Verurteilte an die zuständigen Behörden der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zur weiteren Verbüßung ihrer Strafen übergeben werden.
30. September Der amerikanische Schauspieler James Dean stirbt bei einem Autounfall in Kalifornien.
03. Oktober Zum Abschluss seines viertägigen USA-Besuches erklärt Außenminister Heinrich von Brentano in Washington, eine Normalisierung der politischen Verhältnisse in Europa könne nur durch die Wiedervereinigung Deutschlands erreicht werden.
06. Oktober Das Bundeskabinett in Bonn bildet einen Verteidigungsrat, dem sieben Minister unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Adenauer (CDU) angehören.
Nach einem Beschluss des Bundeskabinetts wird das Bundesministerium für Atomfragen ins Leben gerufen.
Der am 20. September zwischen der UdSSR und der DDR abgeschlossene Vertrag über die Souveränität der DDR tritt nach der Ratifizierung durch beide Parlamente in Kraft.
In der DDR tritt eine Verfassungsänderung in Kraft, nach der entsprechend dem Warschauer Vertrag für die Bürger eine allgemeine Verteidigungspflicht gilt.
07. Oktober Im Lager Friedland/Kreis Göttingen treffen die ersten Spätheimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft ein.
Anlässlich einer Kundgebung zum sechsten Jahrestag der Gründung der DDR auf dem Marx-Engels-Platz in Ost-Berlin bezeichnet SED-Parteichef Walter Ulbricht die DDR als einzig rechtmäßigen deutschen Staat.
09. Oktober Bei den Wahlen zur Bremer Bürgerschaft kann die regierende SPD ihre Stellung ausbauen. Mit 52 von 100 Mandaten gibt es jetzt eine absolute Mehrheit für die Sozialdemokraten.
In Wien stirbt der Wiener Erzbischof Theodor Kardinal Innitzer.
12. Oktober In Bonn verabschiedet der deutsche Bundestag gegen die Stimmen der SPD das Soldatengesetz. Darin wird die Rechtsstellung der Soldaten der neuen Streitkräfte in der Gesellschaft geregelt.
Die nationalchinesische Regierung in Taipeh (Taiwan) erklärt den Kriegszustand mit Deutschland für beendet.
13. Oktober Das Kuratorium Unteilbares Deutschland fordert in einem in Bonn veröffentlichten Schreiben die vier Großmächte auf, bei der Genfer Konferenz praktische Maßnahmen zur Überwindung der deutschen Teilung zu ergreifen.
16. Oktober Der in Kassel tagende Bundesparteitag des Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) beschließt das Ausscheiden der Partei aus der Regierungskoalition.
19. Oktober Erstmals tritt der Deutsche Bundestag zu einer Plenarsitzung in West-Berlin zusammen.
21. Oktober Der bisherige Bundesminister für Besondere Aufgaben Franz-Josef Strauß wird zum Bundesminister für Atomfragen ernannt.
Der Karlsruher Stadtrat beschließt mit 43 gegen sechs Stimmen, den Bau des ersten Kernkraftwerkes der Bundesrepublik bei Karlsruhe zu genehmigen.
23. Oktober Die saarländische Bevölkerung lehnt in einer Volksabstimmung mit 67,71 % der Stimmen das Saarstatut ab, die Landesregierung Hoffmann tritt zurück.
In Oberösterreich finden die ersten Landtagswahlen nach dem Abzug der Alliierten aus Österreich statt.
25. Oktober Die Vollversammlung der UNO in New York genehmigt die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation ICAO.
Der letzte Besatzungssoldat verlässt Österreich.
In Hiroshima stirbt die 12-jährige Sadako Sasaki an den Folgen des Atombombenabwurfs. Durch sie werden Origami-Kraniche zum Symbol gegen Atomwaffen.
26. Oktober Der ehemalige Kommandeur der Leibstandarte SS "Adolf Hitler", Generaloberst der Waffen-SS Sepp Dietrich, wird aus dem Gefängnis in Landsberg entlassen. Dietrich war 1946 wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Durch Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes beschließt Österreich die immerwährende Neutralität.
27. Oktober Die bis zum 16. November dauernde Außenminister-Konferenz der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs in Genf bleibt ergebnislos.
Auf seiner 25. Tagung kündigt das ZK der SED eine Staatsbeteiligung an Privatunternehmen an.
Bis zum 10. November besucht DDR-Außenminister Rau mit einer Regieringsdelegation Indien und Ägypten.
01. November Das "Gesetz über Staatswappen und die Staatsflagge der DDR" vom 26. September tritt in Kraft. Danach hat die offizielle Fahne die Farben Schwarz-Rot-Gold; das Wappen besteht aus Hammer und Zirkel, von einem Ährenkranz umgeben.
Das Zentralkomitee der SED veröffentlicht in Ost-Berlin eine Erklärung, in der die DDR als der einzig rechtmäßige deutsche Staat bezeichnet wird, von dessen Erfolgen die Sicherung des Friedens und ein glückliches Leben des deutschen Volkes abhängen.
In Forest Hills, New York, stirbt der amerikanische Schriftsteller und Motivationstrainer im Bereich des Positiven Denkens, Dale Carnegie.
02. November Die Zollfahndung in West-Berlin verhaftet den Chef einer von Ost-Berlin aus operierenden Schmugglerbande, die seit 1949 über 67 t Kaffee und 12 Mio. Zigaretten nach West-Berlin gebracht hat. Der Mann, der unter dem Namen "Duce" bekannt wurde lebt im Ostteil Berlins in einer komfortablen Villa, während er im Westen der Stadt Sozialhilfe bezog.
03. November Iran tritt dem Bagdad-Pakt bei.
04. November Bundeskanzler Konrad Adenauer nimmt nach einer rund vierwöchigen Erkrankung die Amtsgeschäfte wieder auf.
05. November In Dax (Frankreich) stirbt der französische Maler Maurice Utrillo.
06. November Der 6. Bundesparteitag der Deutschen Partei (DP) bestätigt den amtierenden Parteivorsitzenden, den niedersächsischen Ministerpräsident Heinrich Hellwege, in seinem Amt. Der Parteitag verabschiedet weiterhin 20 Thesen "einer zeitnahen konservativen Politik".
08. November Vor dem SED-Zentralkomitee in Ost-Berlin kritisiert Karl Schirdewan, Mitglied des Politbüros, die politische Arbeit der SED. Besonders die "faule Atmosphäre, die kleinbürgerliche Erstarrung" sowie die Unfähigkeit vieler Parteimitglieder, sich rasch und gründlich neu zu orientieren, werden von Schirdewan verurteilt. Der Funktionär fordert eine strengere Auswahl der Kandidaten für die Neubesetzung von Führungspositionen.
09. November Die Bundesregierung in Bonn beschließt nach heftigen Protesten der Verbraucher, die Milchpreise nicht zu erhöhen. Um der Forderung der Landwirte nach höheren Preisen trotzdem zu entsprechen, wird ab 1956 die Milcherzeugung mit monatlich 43 Mio. DM subventioniert werden.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entscheidet in einem Urteil, dass die 75.000 in der Bundesrepublik lebenden Österreicher, die durch den Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt haben, diese mit der Souveränität der Republik Österreich verloren haben.
10. November Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn den Haushalt des Jahres 1956. Das Gesamtvolumen beträgt 32,576 Mrd. DM. Für den Neuaufbau der Streitkräfte sind darin 8,768 Mrd. DM vorgesehen.
In Ost-Berlin wird der stellvertretende Ministerpräsident der DDR, Willi Stoph zum Minister für Atomfragen ernannt und ist damit in der DDR für alle Fragen der Kernforschung und Kerntechnik verantwortlich.
11. November Die Bundesregierung beschließt in Bonn, Mitglieder des Bundesgrenzschutzes auf freiwilliger Basis in die Streitkräfte zu übernehmen. Damit soll der Engpass bei der Rekrutierung für die neue Armee behoben werden.
Das Bundesverteidigungsministerium gibt in Bonn die Aufstellung der ersten Lehrkompanien der neuen Streitkräfte bekannt. Danach werden ab 2. Januar 1956 in Andernach die ersten 850 Soldaten des Heeres und in Nörvenich 120 Angehörige der Luftwaffe ausgebildet.
12. November Die ersten 101 Freiwilligen der Bundeswehr erhalten von Verteidigungsminister Theodor Blank in der Ermekeil-Kaserne in Bonn ihre Ernennungsurkunden.
13. November In Saarbrücken konstituiert sich der Landesverband Saar der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Landesverbandsvorsitzender wird Kurt Conrad.
14. November Die Bundesregierung beschließt in Bonn den militärischen Teil des Verteidigungsministeriums in die vier Abteilungen Streitkräfte, Heer, Luftwaffe und Marine umzubilden. Damit sind die Teilstreitkräfte der militärischen Gesamtführung gleichberechtigt vertreten. Gleichzeitig wird eine Gruppe "Innere Führung" beim Militärischen Führungsrat gebildet.
15. November In seiner neuesten Ausgabe bezeichnet das in Ost-Berlin herausgegebene SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" alle Deutschen, die für freie Wahlen eintreten, als Verräter an der Nation.
In Japan bildet sich die Liberaldemokratische Partei (LDP). Sie wird bis 1993 ununterbrochen an der Regierung bleiben.
16. November Bundesaußenminister Heinrich von Brentano trifft in der österreichischen Hauptstadt Wien zu einem viertägigen Staatsbesuch ein.
17. November Bei seiner Rückreise von der Genfer Konferenz erklärt der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow in Ost-Berlin, die Deutschen müssten die Lösung der deutschen Frage selbst in die Hand nehmen.
19. November Der Vorsitzende der FDP, Thomas Dehler, tritt bei einer Rede in Mülheim/Ruhr für direkte Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR zum Zwecke der Wiedervereinigung Deutschlands ein. Er kritisiert dabei vor allem die zu starke Westorientierung der Bundesregierung. Die Rede löst eine Krise der Regierungskoalition aus.
In Monza stirbt der italienische Maler, Grafiker und Schriftsteller und einer der Begründer der Kunstrichtung Novecento, Anselmo Bucci.
20. November Vor dem Schöneberger Rathaus demonstrieren 50.000 Berliner gegen den ergebnislosen Ausgang der Genfer Konferenz und erneuern ihren Willen zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Auf den Höhen von Tobruk (Libyen) wird ein Ehrenmal für das ehemalige deutsche Afrikakorps eingeweiht. In dem Mausoleum sind 6.012 während des Zweiten Weltkrieges in Nordafrika gefallene deutsche Soldaten beigesetzt.
Auf den Ministerpräsidenten der Färöer, Kristian Djurhuus, wird in Tvøroyri ein Attentat verübt. Er bleibt aber unverletzt.
24. November Umstrukturierung im Regierungsapparat der DDR. Walter Ulbricht wird 1. Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates.
25. November Auf dem in West-Berlin stattfindenden dreitägigen 8. Jahreskongress der Europa-Union verabschieden die Teilnehmer mehrere Resolutionen, in denen u. a. die deutsche Wiedervereinigung und die wirtschaftliche Integration Europas propagiert werden.
26. November Der stellvertretende Außenminister der UdSSR, Valerian Sorin, wird in Moskau zum ersten Botschafter der Sowjetunion in der Bundesrepublik Deutschland ernannt.
27. November In Paris stirbt der französisch-schweizerische Komponist Arthur Honegger.
29. November Der sowjetische Stadtkommandant von Berlin, Generalmajor P. A. Dibrowa, teilt den Westalliierten mit, dass Ost-Berlin von der UdSSR nunmehr als Hauptstadt der DDR angesehen werde. Damit sei der Viermächtestatus der Stadt aufgehoben.
30. November Zum Abschluss eines sechstägigen Besuchs in Italien gibt Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard den Abschluss eines Vertrages über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder bekannt. Zudem werde sich die Bundesrepublik an der wirtschaftlichen Entwicklung Süditaliens beteiligen.
01. Dezember Bundesaußenminister Heinrich von Brentano verliest im Bonner Bundestag die Regierungserklärung zur Genfer Außenministerkonferenz der Vier Mächte. Das Kabinett gibt darin seiner Enttäuschung über den unbefriedigenden Ausgang der Debatte zur deutschen Wiedervereinigung Ausdruck und kritisiert die unnachgiebige Haltung der Sowjetunion zur deutschen Frage.
Ein Antrag der Fraktion des BHE im Bonner Bundestag, die aus der Partei ausgetretenen Bundesminister Waldemar Kraft und Theodor Oberländer von ihren Ämtern zu entbinden, wird in einer Kampfabstimmung mit 212 gegen 162 Stimmen bei 29 Enthaltungen nicht als Tagesordnungspunkt zugelassen.
Die DDR-Regierung gibt in Ost-Berlin bekannt, dass nunmehr die Grenzpolizei die bisher von Sowjettruppen vorgenommene Überwachung und Kontrolle der Zufahrtswege zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland vornimmt. Die Kontrolle an den Sektorengrenzen wird von der Volkspolizei übernommen. Die DDR beruft sich hierbei auf das am 20. September unterzeichnete Abkommen zwischen der DDR und der UdSSR.
Im US-Bundesstaat Montgomery weigert sich die Farbige Rosa Parks, ihren Sitzplatz in einem Bus für einen Weißen zu räumen. Sie wird verhaftet.
02. Dezember James B. Conant, Botschafter der USA in Bonn, erklärt in West-Berlin, dass die Vereinigten Staaten auf dem Viermächte-Status von ganz Berlin bestehen.
03. Dezember In Ost-Berlin wählt der Ministerrat der DDR den Ersten Sekretär des ZK der SED, Walter Ulbricht, zum neuen ersten Stellvertreter des DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl.
04. Dezember Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages gibt die drastische Senkung der Zündwarensteuer bekannt. Künftig wird eine Schachtel Streichhölzer statt zehn Pfennig nur noch fünf Pfennig kosten.
05. Dezember In Mainz wird das Institut für staatsbürgerliche Bildung gegründet. Es ist der Vorläufer der Landeszentrale für politische Bildung.
In Ost-Berlin verabschiedet der DDR-Ministerrat den Volkswirtschaftsplan für 1956, der eine Steigerung um 8,6 % gegenüber 1955 vorsieht.
06. Dezember Nach achtwöchigen Tarifverhandlungen einigen sich in Bonn die Vertreter des Bundes für Angestellte mit dem Innenministerium auf Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst um durchschnittlich 8 %.
07. Dezember Gegen die Stimmen der SPD ratifiziert der Deutsche Bundestag in Bonn das deutsch-US-amerikanische Verteidigungsabkommen vom 30. Juni des Jahres.
Das DDR-Staatssekretariat für das Hochschulwesen gibt in Ost-Berlin bekannt, dass evangelische Studentengemeinden künftig ihre Veranstaltungen außerhalb der Hochschulen durchführen müssen.
08. Dezember Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen lehnt in New York mit 13 gegen fünf Stimmen die Aufnahme der DDR in die für Erziehungs-, Wissenschafts- und Kulturfragen zuständige Unterorganisation UNESCO ab, da die DDR nicht von allen Mitgliedsstaaten als souveräner Staat anerkannt wird.
In Berlin findet bis zum 10. Dezember der 5. Kongress der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft statt. Friedrich Ebert wird zum Präsidenten wiedergewählt.
Der Europarat beschließt sein Emblem: Eine blaue Flagge mit 12 goldenen Sternen.
09. Dezember Die Bundesregierung gibt in Bonn offiziell bekannt, dass sie ihre diplomatischen Beziehungen mit allen Staaten, die ihrerseits diplomatische Beziehungen zur DDR aufnehmen sollten, abbrechen werde. Außerdem werde die Bundesrepublik Deutschland mit Ausnahme der Sowjetunion als eine der vier Besatzungsmächte keine Beziehungen zu den Ostblockstaaten aufnehmen.
Der neue Bundesminister für Atomfragen, Franz Josef Strauß (CSU), fordert in einer Rundfunkansprache den raschen und umfangreichen Ausbau der friedlichen Nutzung der Atomenergie in der Bundesrepublik Deutschland.
10. Dezember Die DDR erklärt die Zonengrenze zur "Staatsgrenze" und übernimmt deren Bewachung von der Sowjetarmee.
Die Nobelpreise werden verliehen, der Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr nicht vergeben.
11. Dezember Albert Speer richtet ein Gnadengesuch an die Botschafter der vier Siegermächte.
12. Dezember Das Ministerium für Volksbildung der DDR gibt in Ost-Berlin neue Richtlinien für die Aufnahme von Schülern in die Mittel- und Oberschulen bekannt. Danach sind bei der Auswahl "die Kinder der Arbeiter und werktätigen Bauern zu bevorzugen".
In Zagreb stirbt der jugoslawische Komponist Antun Dobronić.
13. Dezember Die CDU des Saargebietes fordert in einem in Saarbrücken veröffentlichten Programm die Wiedervereinigung der Saar mit der Bundesrepublik Deutschland und die Aufhebung der bilateralen Staatsverträge des Saarlandes mit Frankreich.
Der am 20. Juli 1954 in die DDR übergelaufene ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Otto John, kehrt in die Bundesrepublik zurück.
14. Dezember Albanien, Ungarn, Spanien, Sri Lanka, Nepal, Österreich, Portugal, Rumänien, Laotische Volksdemokratische Republik, Libyen, Jordanien, Kambodscha , Irland, Italien, Finnland und Bulgarien werden Mitglieder bei den Vereinten Nationen.
15. Dezember In Ascona im Tessin stirbt der ehemalige preußische Ministerpräsident Otto Braun.
16. Dezember Der zu einer zweitägigen Sitzung in Paris zusammengetretene Atlantikrat der NATO bekennt sich in einem Abschlusskommuniqué zur Einheit Deutschlands. Die Außenminister der Mitgliedsstaaten beschließen zudem, die Regierung der DDR nicht als legitime Volksvertretung anzuerkennen.
17. Dezember Der bisherige französische Botschafter in Moskau, Louis Joxe, wird von der französischen Regierung in Paris als Nachfolger von André François-Poncet zum Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland ernannt.
18. Dezember Bei den Wahlen zum saarländischen Landtag erringen die für die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland eintretenden Parteien die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
Zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz der Richter und Staatsanwälte kündet DDR-Justizministerin Hilde Benjamin verschärfte Strafen für Verbrechen gegen die "Arbeiter- und Bauernmacht" an. Besonders die "Verleitung zur Republikflucht" sowie "Hetze gegen den Staat" werden unter schwere Strafen gestellt.
19. Dezember Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften verbietet die Einfuhr eines US-Spielzeugflugzeuges. Das Modell ist einer Messerschmitt ME 109 nachempfunden und trägt einen Hakenkreuz-Aufkleber.
20. Dezember Die SED beginnt in West-Berlin mit der Herausgabe eines Informationsblattes mit dem Titel "Die Wahrheit". Die Zeitung soll zunächst zwei- bis dreimal im Monat erscheinen und für die Politik der Staatspartei der DDR werben.
Der italienische Außenminister Gaetano Martino und Bundesarbeitsminister Anton Storch unterzeichnen in Rom ein Abkommen, das die Beschäftigung von zunächst 100.000 italienischen Arbeitern in der Bundesrepublik vorsieht.
21. Dezember Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn eine neue Verordnung für Kraftverkehrskennzeichen. Darin wird u. a. bestimmt, dass die Fahrzeuge der künftigen Streitkräfte künftig ein "Y" in den Nummernschildern führen werden.
22. Dezember Im Notaufnahmelager Marienfelde in West-Berlin wird der 150.000. Flüchtling aus der DDR und Ost-Berlin registriert. Dies sind 50.000 Menschen mehr als im Vorjahr.
Die DDR-Regierung teilt in Ost-Berlin mit, dass 2.616 ehemalige deutsche Kriegsgefangene, die aus sowjetischen Lagern vor Jahren als verurteilte Kriegsverbrecher in Gefängnisse der DDR zur Strafverbüßung gebracht wurden, im Rahmen einer Amnestie freigelassen werden.
23. Dezember Der Deutsche Bundestag beschließt in Bonn das Finanzverfassungsgesetz, das den Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern regelt. Danach erhält der Bund aus den Erträgen der Einkommens- und Körperschaftssteuer ab 1958 35 %, die Länder bekommen 65 % der Einnahmen.
Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ordnet die Verhaftung des aus der DDR in die Bundesrepublik zurückgekehrten ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Otto John, an. Ihm werden landesverräterische Beziehungen zur DDR zur Last gelegt.
Als erste Kraftfahrzeuge der neuen deutschen Streitkräfte werden in Ingolstadt elf DKW-Geländewagen vom Bundesverteidigungsministerium übernommen. Die Wagen, die nach dem Vorbild der US-amerikanischen Jeeps konstruiert wurden, sollen in der Lehrkompanie in Andernach erprobt werden.
25. Dezember Zum Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Hauptquartier der NATO in Brüssel (SHAPE) wird in Bonn Brigadegeneral Johann Adolf Graf Kielmannsegg ernannt.
In Peking unterzeichnen die Ministerpräsidenten Chinas (Zhou Enlai) und der DDR (Otto Grotewohl) einen Freundschaftsvertrag.
27. Dezember Mit dem Austausch der Ratifikationsurkunden des deutsch-amerikanischen Verteidigungsabkommens in Bonn und Washington beginnt die Militärhilfe der USA für den Aufbau der deutschen Streitkräfte. Dazu gehört u. a. die Ausbildung deutscher Piloten auf amerikanischen Maschinen, die in den Vereinigten Staaten durchgeführt wird.
28. Dezember Die Bremer SPD beschließt, trotz ihrer bei den Wahlen vom 9. Oktober errungenen absoluten Mehrheit in der Bürgerschaft die Koalition mit CDU und FDP unter Bürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD) fortzusetzen.
31. Dezember Nach Angaben des Bonner Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen sind im Verlauf des Jahres 252.870 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin geflüchtet, darunter rund 70.000 Jugendliche.
In der Presse äußern führende deutsche Wirtschaftswissenschaftler die Ansicht, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Bundesrepublik Deutschland unvermindert fortsetzen wird.

 

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