Geschichte/Politik

Wahlplakate der Jahre 1953 und 1957

Nobelpreisträger

1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959

1954

01. Januar Die letzten 33 Betriebe der Sowjetischen Aktiengesellschaften (SAG), mit Ausnahme der Urangruben Wismut-AG, werden an die DDR zurückgegeben und in Volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt.
Bundespräsident der Schweiz wird Rodolphe Rubattel.
02. Januar Bundeskanzler Konrad Adenauer begrüßt im Lager Friedland 4.400 Heimkehrer, die in den letzten Tagen des alten Jahres aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurden.
05. Januar Das Bundesverteidigungsministerium veröffentlicht eine Aufstellung, nach der 10.390 deutsche Soldaten seit September 1953 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt sind.
06. Januar Das Stuttgarter Schöffengericht lässt zum ersten Mal in der Justizgeschichte bei einem Strafprozess Tonbandaufzeichnungen als Beweismittel zu.
07. Januar Erster Minister des neu gebildeten Ministeriums für Kultur in der DDR wird der Schriftsteller Johannes R. Becher.
Der Ministerrat der DDR bildet den "Ausschuss für deutsche Einheit".
11. Januar In Bad Ischl stirbt der österreichische Operettenkomponist Oscar Straus.
12. Januar Bei einer Lawinenkatastrophe im österreichischen Vorarlberg kommen über 200 Menschen ums Leben.
13. Januar Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer erklärt in Bonn, dass noch 16.000 deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion zurückgehalten würden.
Der deutsche Conférencier, Film- und Bühnenschauspieler Adolf Gondrell stirbt in München.
14. Januar Das erste neu eingerichtete Sozialgericht im Bundesgebiet nimmt in Dortmund seine Arbeit auf.
15. Januar Anlässlich des 70. Geburtstages des Bundespräsidenten Theodor Heuss schlagen CSU-Abgeordnete eine Amnestie vor, die u. a. Straffreiheit bei Haftstrafen bis zu drei Monaten gewähren soll.
In Karlsruhe stirbt der erste Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hermann Höpker-Aschoff.
16. Januar In der DDR werden 6.143 Gefangene freigelassen. Sie waren nach dem 9. Mai 1945 von sowjetischen Militärtribunalen zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden.
Bundespräsident Theodor Heuss überreicht dem "Arzt von Stalingrad" Othmar Kohler, das Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens.
René Coty wird neuer Staatspräsident von Frankreich.
18. Januar Adone Zoli wird Finanzminister von Italien.
19. Januar Als Antwort auf einen 24stündigen Streik schließen die Arbeitgeberverbände der britischen Elektroindustrie über 30.000 Arbeiter aus.
20. Januar In Korea übergibt die von Indien geführte Neutrale Repatriierungskommission den UNO-Truppen 22.000 nicht heimkehrwillige nordkoreanische und chinesische Kriegsgefangene.
Frankreich beordert Kriegsschiffe in den Golf von Oran und verschärft dadurch den Streit mit Spanien um die gemeinsame Verwaltung Marokkos, das in einen französischen und einen spanischen Sektor unterteilt ist.
Die sowjetische Parteizeitung "Iswestija" unterstellt Österreich, es betreibe Anschluss-Politik an die Bundesrepublik, was besonders im Hinblick auf die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik und deren Integration in die NATO verwerflich sei.
Vor dem Wiener Landesgericht beginnt der Prozess gegen den ehemaligen österreichischen Minister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung, Peter Krauland. Ihm und seinen sechs Mitangeklagten wird Amtsmissbrauch vorgeworfen. Am 6. Juli endet das Verfahren mit einem Freispruch.
Die Bundesanstalt für Flugsicherung nimmt ihre Arbeit in Frankfurt am Main auf. Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm übergibt das neue Dienstgebäude seiner Bestimmung.
21. Januar Alle Fraktionen des Bundestags in Bonn empfehlen übereinstimmend die Ratifizierung der 1948 von den Vereinten Nationen (UN) abgeschlossenen Konvention zur Verhütung des Völkermordes.
Der US-amerikanische Militärhaushalt 1954/55 gibt der Atomforschung und den Luftstreitkräften Vorrang gegenüber den Land- und Seestreitkräften. Damit will Präsident Dwight D. Eisenhower langfristig mit möglichst geringen Kosten eine hohe Verteidigungsbereitschaft der USA sicherstellen.
In den USA läuft das erste atomgetriebene U-Boot, die "Nautilus", vom Stapel.
22. Januar Das Kultusministerium von Nordrhein-Westfalen führt durch Erlass ein neuntes Volksschuljahr ein. Damit soll eine Ausweitung der Jugendarbeitslosigkeit verhindert werden.
23. Januar Das Zentralkomitee der SED schließt den ehemaligen Staatssicherheitsminister, Wilhelm Zaisser, und den früheren Chefredakteur des Zentralorgans "Neues Deutschland", Rudolf Herrnstadt, aus der Partei aus.
Der US-amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway überlebt in Afrika zwei Flugzeugabstürze an zwei aufeinander folgenden Tagen.
24. Januar In Madrid protestieren etwa 8.000 Studenten vor dem britischen Botschaftsgebäude für die Rückgabe Gibraltars an Spanien durch Großbritannien.
25. Januar Die Außenminister der Vier Mächte treffen in Berlin zusammen, um über eine Beilegung der gestiegenen Spannungen zwischen Ost und West und eine mögliche Wiedervereinigung Deutschlands zu beraten. Die Konferenz dauert bis zum 18. Februar und bleibt ergebnislos.
27. Januar Nach siebenmonatiger Verhandlungsdauer wird in der Türkei die zweitgrößte Oppositionspartei, die Volkspartei, verboten.
29. Januar Die Stadtverordnetenversammlung Bremerhaven protestiert erneut gegen die fortdauernde Bombardierung des "Großen Knechtsandes". Die Sandbank diente seit 1952 statt Helgoland als Ziel für Bombenabwürfe der Royal Air Force.
Der britische Außenminister Robert Anthony Eden unterbreitet auf einer alliierten Außenministerkonferenz den Eden-Plan zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Josip Tito wird von der Volksversammlung in Belgrad einstimmig für weitere vier Jahre zum jugoslawischen Staatspräsidenten gewählt.
In Marseille verurteilt ein Militärtribunal zwei ehemalige Angehörige des nationalsozialistischen Reichssicherheitsdienstes in Frankreich zum Tode, weitere acht erhalten Gefängnisstrafen zwischen acht und zehn Jahren.
Das Ressort von Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer (BHE) wird um die Zuständigkeit für alle Kriegssachgeschädigten und Evakuierten erweitert. Von nun an heißt das Ministerium "Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte".
Bei den "Vulkan-Prozessen" in Karlsruhe werden mehrere Verdächtige, die der Spionage für die Sowjetunion beschuldigt wurden, auf freien Fuß gesetzt. Die Verfahren werden eingestellt.
30. Januar In Italien wird mit Amintore Fanfani der zweite Ministerpräsident innerhalb eines Monats gestürzt.
31. Januar Die Bundesregierung geht in ihrem Wirtschaftsplan für das Jahr 1954 von einer Erhöhung des Bruttosozialprodukts um 2,4 Mrd. DM auf 141 Mrd. DM aus. Außerdem sollen 720.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Bundesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling fordert in Bonn als Gegengewicht zu den "destruktiven Tendenzen" in den Produktionen der deutschen Filmindustrie eine "echte Volkszensur".
01. Februar Die Bundesregierung überträgt dem Bundesvertriebenenministerium die Zuständigkeit für Kriegsgeschädigte und Evakuierte. Die neue offizielle Bezeichnung für das Ressort ist nun "Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte".
Karl Böhm wird zum Direktor der Wiener Staatsoper ernannt.
03. Februar Die CDU von Rheinland-Pfalz wendet sich gegen eine schematische Regelung bei der Rückerstattung jüdischen Eigentums. Während des Dritten Reiches sei jüdisches Eigentum keineswegs nur unter Ausnutzung der Notlage der Juden erworben worden, sondern auch, um bedrängten Juden zur Flucht zu verhelfen.
Vor dem britischen Unterhaus verteidigt die Regierung die laufende Ausbildung von Piloten der deutschen Lufthansa im englischen Southampton. Die Ausbildung der Piloten diene der Förderung der zivilen bundesdeutschen Luftfahrt und werde Großbritannien nicht schaden.
04. Februar Das US-Verteidigungsministerium in Washington gibt die Stationierung des 264. Feldartillerie-Bataillons der US-Armee in der Bundesrepublik bekannt. Das Bataillon ist u. a. mit 28-cm-Atomgeschützen bestückt.
05. Februar Vor einem Essener Verkehrsschöffengericht werden drei Angeklagte freigesprochen, obwohl sie mit Promillewerten von 1,5–1,8 Auto gefahren waren. Nach den Bestimmungen des am 24. Januar 1953 in Kraft getretenen Gesetzes zur Sicherung des Straßenverkehrs stellen 1,5 Promille Blutalkoholgehalt eine Gemeingefahr dar, so dass die Staatsanwaltschaft sofort ein Verfahren eröffnen muss.
Beim Besuch der britischen Königin Elisabeth II. in Sydney (Australien) muss das Rote Kreuz fast 2.000 Ohnmächtige betreuen. Viele davon hatten bis zu 12 Stunden in einer Menge von 150.000 Menschen auf die Vorbeifahrt der Königin gewartet.
06. Februar In Berlin stirbt der deutsche Historiker Friedrich Meinecke.
09. Februar Österreichs Außenminister Leopold Figl trifft in West-Berlin ein. Die Außenminister der vier Großmächte hatten ihn am 8. Februar eingeladen, an den Beratungen über die Beendigung des Besatzungsregimes in Österreich teilzunehmen.
16. Februar In Mannheim endet der Schadenersatzprozess des deutschstämmigen US-Bürgers und ehemaligen Zwangsarbeiters Rudolf Waxmann gegen den Liquidationsvorstand des früheren Chemiekonzerns I. G. Farben mit einem außergerichtlichen Vergleich.
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hebt ein Urteil des Landgerichts von Zweibrücken auf, das unter Verwendung eines Lügendetektors gefällt worden war. Der Einsatz des Lügendetektors bei Strafverfahren in der Bundesrepublik sei nicht zulässig.
In Kalkutta (Indien) kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und mehr als 20.000 Demonstranten. Ursache der Auseinandersetzungen ist die Verhaftung von 250 Lehrern, die trotz eines Versammlungsverbots für höhere Gehälter demonstrieren.
17. Februar Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard legt dem Bundeskabinett in Bonn einen Entwurf für ein Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung (Kartellgesetz) vor.
18. Februar In den USA beginnt ein Konflikt zwischen der Armee und Senator Joseph Raymond McCarthy, dem Vorsitzenden des Senatsausschusses zur Untersuchung "unamerikanischer Umtriebe", als der Senator bei einem Verhör US-General Ralph W. Zwicker beleidigt.
Der als "Anwalt der Obdachlosen" bekannte französische Priester Abbé Pierre erwirkt beim französischen Wirtschaftsministerium die Ausschreibung einer Anleihe, mit deren Hilfe er u. a. Notwohnungen für Obdachlose erstellen will.
Das israelische Kabinett in Tel Aviv beschließt, die Todesstrafe als Sühne für Mord abzuschaffen.
19. Februar Die französische Regierung verhängt einen allgemeinen Preisstopp. Damit soll verhindert werden, dass die Heraufsetzung der Mindestlöhne um 15% vom 9. Februar zu Preiserhöhungen führt.
20. Februar Bei einer Volksabstimmung im Schweizer Kanton Basel sprechen sich 59% der Frauen für ein allgemeines Frauenstimmrecht aus. Der Entscheid hat jedoch nur beratenden Charakter, über die Einführung des Frauenwahlrechts entscheiden in der Schweiz die Männer.
Die USA erhöhen die Zahl ihrer in Französisch-Marokko stationierten Atom-Düsenbomber von 55 auf 100. Die Bomber vom Typ B-47 auf dem Luftwaffenstützpunkt in Sidi Slimane sollen im Kriegsfall gegen die Sowjetunion eingesetzt werden.
22. Februar In Worms gesteht die 29-jährige Christa Lehmann, ihre Freundin Anna Hamann sowie ihren Ehemann und ihren Schwiegervater mit dem Pflanzenschutzmittel E 605 vergiftet zu haben. In den folgenden Monaten wird in der Bundesrepublik eine Welle von Selbstmorden mit E 605 registriert.
In Paris beginnt der Prozess gegen den ehemaligen SS-Obergruppenführer Karl Albrecht Oberg und seinen Adjutanten, den früheren SS-Standartenführer Helmut Knochen. Oberg und Knochen werden u. a. Deportationen von rund 200.000 Juden aus dem besetzten Frankreich vorgeworfen.
23. Februar Bei einem Besuch in West-Berlin gibt Bundeskanzler Konrad Adenauer Pläne der Bundesregierung zur wirtschaftlichen Unterstützung der Stadt bekannt. So sollen z. B. mehr öffentliche Aufträge nach Berlin vergeben und die bestehenden Steuererleichterungen für Berliner Bürger ausgebaut werden.
In Bonn warnt der Deutsche Ausschuss für Erziehungs- und Bildungswesen vor einer übereilten Schulreform. Nach Ansicht des von den Bundesländern gemeinsam eingesetzten wissenschaftlichen Gremiums können frühestens in zwei Jahren die Grundlagen für eine geordnete Reform des Bildungswesens in der Bundesrepublik geschaffen werden.
Die Hochkommissare der Westalliierten in West-Berlin schlagen gemeinsam ihrem östlichen Kollegen vor, die Verkehrsbeschränkungen an den Sektorengrenzen sowie ständige Polizeikontrollen und Straßensperren aufzuheben.
Die Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften in Potsdam (DDR) ruft schulentlassene Jugendliche zur Absolvierung eines dreijährigen Jurastudiums auf. Das Abitur sei als Voraussetzung für den Zugang zur Akademie nicht notwendig.
25. Februar In einer Bundestagsdebatte beschließen alle Parteien einstimmig, die Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands in "Frieden und Freiheit" herbeizuführen.
In Ägypten wird Staats- und Ministerpräsident Muhammad Ali Nagib gestürzt. Neuer Ministerpräsident und Vorsitzender des Revolutionsrates wird Gamal Abdel Nasser.
Nach einem Putsch der Armee tritt in Syrien Staatspräsident Adib Schischakli zurück. Zu seinem Nachfolger berufen die Aufständischen den früheren Staatspräsidenten Nur Ad Din Al Atasi.
26. Februar Mit ihrer Zweidrittelmehrheit verabschieden die Regierungsparteien im Bonner Bundestag die Wehrergänzung zum Grundgesetz, der Bund erhält dadurch das Recht zur Gesetzgebung über die Verteidigung einschließlich der Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht.
Der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe entscheidet, dass die Soldaten der früheren Wehrmacht mit der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 ihr Dienstverhältnis beendet haben.
Auf dem vierten Bauerntag in Görlitz in der DDR verspricht DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl staatliche Förderung auch für Bauern, die keiner landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft angeschlossen sind.
27. Februar Nach Ansicht des hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn, der von einem fünftägigen Besuch Großbritanniens zurückkehrt, steht die britische Bevölkerung einer Wiederbewaffnung der Bundesrepublik sehr skeptisch gegenüber.
Radio Peking fordert Frankreich auf, sich vom Einfluss der Vereinigten Staaten zu lösen, wenn es an einer friedlichen Lösung im Indochina-Konflikt wirklich interessiert sei.
28. Februar Jakob Kaiser, Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, fordert in einer Rundfunkansprache eine "echte Volksbewegung" zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Die Mehrheit der sozialistischen Parteien Europas spricht sich auf dem Europa-Kongress der Sozialistischen-Internationale in Brüssel für die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) aus. Nur die Vertreter der bundesdeutschen Sozialdemokraten votieren gegen die Entschließung.
01. März Auf dem Bikini-Atoll im Pazifik zünden die USA eine Wasserstoffbombe mit der 600-fachen Stärke der Hiroshima-Bombe.
Während einer Sitzung des US-amerikanischen Repräsentantenhauses schießen vier puertoricanische Nationalisten von der Galerie in den Sitzungssaal. Bei dem Anschlag werden fünf Abgeordnete zum Teil schwer verletzt.
In der sudanesischen Hauptstadt Khartum kommt es anlässlich der ersten Parlamentssitzung zu blutigen Ausschreitungen zwischen Befürwortern und Gegnern eines Anschlusses an Ägypten. 30 Menschen werden getötet, über 100 werden verletzt.
Der indische Ministerpräsident Jawaharlal Nehru wendet sich in Neu-Delhi gegen die geplante militärische Unterstützung der USA für Pakistan und lehnt gleichzeitig jede US-amerikanische Militärhilfe für Indien ab.
02. März Aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik werden neun weitere Selbstmordfälle mit dem Pflanzenschutzmittel E 605 bekannt.
03. März Der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower übt an den Untersuchungsmethoden des republikanischen Senators Joseph Raymond McCarthy scharfe Kritik. McCarthy ist Vorsitzender eines Ausschusses des Senats, der "unamerikanische Umtriebe" in den USA aufdecken soll.
05. März US-Präsident Dwight D. Eisenhower ernennt den Rechtsanwalt Ernest Wilkins zum stellvertretenden Arbeitsminister. Wilkins ist der erste Farbige im US-Kabinett.
Auf den Sultan von Marokko, Mohammad Ben Arafa, wird innerhalb eines halben Jahres das zweite Attentat von Nationalisten verübt.
In Paris nennt der französische Ministerpräsident Joseph Laniel die Bedingungen Frankreichs für einen sofortigen Waffenstillstand in Indochina; er fordert die Evakuierung von Laos, Kambodscha und des Tongking-Deltas durch die kommunistischen Vietminh-Rebellen.
06. März Coburgs letzter regierender Herzog, Karl Eduard, stirbt im Alter von 70 Jahren in Coburg.
1. Staatsbesuch des Bundeskanzlers Konrad Adenauer in den USA.
Im Zusammenhang mit dem Attentat im US-Repräsentantenhaus am 1. März werden in Puerto Rico die Parteivorsitzenden und zahlreiche Mitglieder der Kommunistischen Partei und der rechten Nationalisten verhaftet.
07. März Auf dem fünften Bundesparteitag der FDP wird Thomas Dehler als Nachfolger von Franz Blücher zum Parteivorsitzenden gewählt.
In Kiel stirbt der deutsche Chemiker und Nobelpreisträger (1950 Chemie) Otto Diels.
08. März Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Karl Arnold fordert in Bochum die Rückgabe der Gebiete von Eupen und Malmedy, die 1949 unter vorläufige niederländische und belgische Verwaltung gestellt worden waren.
In Tokio unterzeichnen Regierungsvertreter Japans und der USA ein Verteidigungsabkommen zur Unterstützung der japanischen Wiederaufrüstung.
Neuer deutscher Botschafter beim Vatikan wird der bisherige Botschafter in Pakistan, Wolfgang Jaenicke. "Leichtes Befremden" löst nach Presseberichten die Tatsache aus, dass Jaenicke Protestant ist.
In Kairo wird der ägyptische Ministerpräsident Gamal Abd an Nasser nach nur elftägiger Amtszeit von seinem Vorgänger Muhammad Ali Nagib im Amt abgelöst.
09. März In Fischerhude stirbt die deutsche Bildhauerin und Malerin Clara Westhoff.
In Paris verhandelt Bundeskanzler Konrad Adenauer mit dem französischen Außenminister Georges Bidault über die Saarfrage. Im Anschluss an seine Gespräche in Paris reist Adenauer zu Staatsbesuchen nach Griechenland, Italien und in die Türkei.
In dem vom DDR-Kulturminister Johannes R. Becher neu gebildeten künstlerisch-wissenschaftlichen Rat fehlen Hanns Eisler, Anna Seghers und Paul Dessau. Eisler und Dessau werden von der SED-Parteileitung "formalistische Tendenzen" vorgeworfen.
In Rom protestieren Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche scharf gegen einen vom Vatikan veröffentlichten Hirtenbrief, in dem die Gläubigen zum Kampf gegen alle "nichtkatholischen Bewegungen" aufgefordert wurden. Nach Ansicht der Protestanten werden darin "Kommunisten und Protestanten schlicht in einen Topf geworfen".
10. März In Nordrhein-Westfalen wird auf Antrag der CDU das Wahlgesetz geändert. Künftig haben es kleinere Parteien schwerer, in den Landtag zu kommen.
Bundesinnenminister Gerhard Schröder beendet den in der Bundesrepublik schwelenden Streit um die Neuregelung des Eheschließungsgesetzes, indem er den Gesetzentwurf der Bundesregierung zurückzieht.
In Paris verbietet die französische Regierung jede Demonstration für oder gegen die geplante Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG).
11. März In Bonn wendet sich der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, gegen die Bezeichnung "Ostzone" für das Staatsgebiet der DDR. Das deutsche Land im Osten liege jenseits der Oder-Neiße-Linie.
Bundesfinanzminister Fritz Schäffer kündigt vor dem Bundestag eine Steuerreform an, die vor allem die Einkommenssteuer-Tarife senken soll.
Eine Kampfabstimmung im Parlament beendet in Italien eine Regierungskrise. Ministerpräsident Mario Scelba wird mit 300:283 Stimmen im Amt bestätigt.
12. März In der Bundesrepublik wird die Ehescheidung erschwert. Eine vom schuldigen Ehepartner beantragte Scheidung soll in Zukunft gegen den Willen des unschuldigen nicht mehr möglich sein.
13. März Der sowjetische Geheimdienst KGB wird gegründet.
Im Indochinakrieg greifen die Viet Minh in der Schlacht von Dien Bien Phu die französischen Truppen überraschend mit chinesischem Beutegut aus dem Koreakrieg an. Die Franzosen erleiden in der Folge eine entscheidende Niederlage.
In Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, endet die zehnte Panamerikanische Konferenz zwischen den USA und den südamerikanischen Ländern, auf der Maßnahmen zur Eindämmung des Kommunismus beschlossen werden. Die Konferenz begann am 1. März.
In der iranischen Hauptstadt Teheran wird der ehemalige persische Außenminister Hussein Fatemi verhaftet. Nach dem Sturz von Ministerpräsident Mohammad Mossadegh im August 1953 war Fatemi in den Untergrund gegangen.
14. März In Wiesbaden stirbt der deutsche Schauspieler Otto Gebühr.
In Ungarn wird der ehemalige Leiter des Staatssicherheitsdienstes Gabor Peter wegen angeblicher "Verbrechen gegen Staat und Volk" zu lebenslanger Haft verurteilt.
15. März In Washington gibt der US-Verteidigungsminister Charles Wilson die Reduzierung der Heeres- und Marinestreitkräfte um 400.000 Mann bekannt. Die Luftstreitkräfte sollen bis Juli 1955 um 57.000 Mann verstärkt werden.
In Japan kehren 23 Fischer mit Anzeichen radioaktiver Strahlenverseuchung heim. Sie hatten sich während der Zündung einer US-amerikanischen H-Bombe auf dem Bikini-Atoll im Pazifischen Ozean ca. 100 km von der Explosionsstelle entfernt aufgehalten.
16. März Mit Blick auf die rückläufigen Geburtenzahlen seit 1900 spricht Bundesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling in Fulda davon, dass "Deutschland bereits ein sterbendes Volk" sei.
Bei einem Überfall in der Nähe der ägyptischen Stadt Ismailia am Suezkanal werden zwei britische Soldaten von ägyptischen Nationalisten getötet. Großbritannien hält seit 1882 die Zone um den Suezkanal besetzt.
Die sowjetische Regierung schränkt ihr Entwicklungsprogramm für die Wasserstoffbombe wegen zu hoher Kosten und technischer Schwierigkeiten ein.
17. März Bei einem Überfall bewaffneter Araber auf einen Autobus werden in der Wüste Negev (Israel) elf Israelis getötet.
Großbritannien gibt die Tantiemen-Guthaben deutscher Musiker für die Jahre 1950 bis 1952 frei. Sie waren nach dem Zweiten Weltkrieg als Feindvermögen beschlagnahmt worden.
18. März Wegen der schlechten Absatzlage im Bergbau werden auf neun Schachtanlagen im Ruhrgebiet erstmals seit 22 Jahren Feierschichten eingelegt.
Auf einer Kundgebung der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft fordert Bundespräsident Theodor Heuss Hilfe für geistige Berufe weil "ein Staat und eine Wirtschaft, die ihre besten geistigen Kräfte verkümmern lassen, eines Tages nicht mehr wettbewerbsfähig sein werden".
In der DDR übernimmt die Liberal-Demokratische Partei (LDP) als erste bürgerliche Partei die Organisationsstruktur der SED.
In Kairo werden sieben Frauen der Organisation "Töchter des Nils" nach einem siebentägigen Hungerstreik für das Frauenwahlrecht in Ägypten ins Krankenhaus eingeliefert.
Das norwegische Parlament entscheidet sich mit 138:12 Stimmen für die Verlängerung der Wehrpflicht von 12 auf 18 Monate.
19. März In Bonn stimmt der Bundesrat der sog. Wehrergänzungsvorlage zum Grundgesetz zu.
In Köln stirbt der deutsche Komponist Walter Braunfels.
In Polen wird Józef Cyrankiewicz vom Zentralkomitee der Kommunistischen Vereinigten Arbeiterpartei zum Nachfolger des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Boleslaw Bierut gewählt.
Die italienische Regierung beschließt eine Reihe von Maßnahmen zur Kontrolle kommunistischer Aktivitäten. Unter anderem soll die Finanzierung der Kommunistischen Partei Italiens einer strengen Kontrolle unterworfen werden.
20. März Die USA erweitern das Sperrgebiet rund um das Bikini-Atoll auf einen Radius von 1.400 km, nachdem bei der H-Bombenexplosion am 1. März mehrere japanische Fischer, die sich ca. 100 km von der Explosionsstelle entfernt aufgehalten hatten, radioaktiv verseucht worden waren.
21. März Die Unabhängige Deutsche Partei erklärt in Essen ihre Auflösung und empfiehlt ihren Mitgliedern den Beitritt zur Freien Demokratischen Partei.
22. März In Duisburg konstituiert sich der "Freie Demokratische Arbeitnehmerverband". Nach eigenen Angaben soll er sich an Arbeitnehmer wenden, die "weder marxistisch noch konfessionell" gebunden sind.
In der brandenburgischen Stadt Wittstock (DDR) brennt das 700 Jahre alte Rathaus ab, nachdem ein Nachtwächter über seiner Zigarette eingeschlafen war. Die örtliche SED-Leitung sowie bundesdeutsche Zeitungen benutzen den Vorfall zu politischer Agitation.
In einem Rundfunkinterview spricht sich Jugoslawiens Staatspräsident Josip Tito für die uneingeschränkte Gleichberechtigung der Bundesrepublik mit anderen Völkern aus. So müsse der Bundesrepublik z. B.. das Recht auf Landesverteidigung zugestanden werden.
Auf Taiwan (Formosa) wird Chiang Kai-shek für weitere sechs Jahre zum Staatspräsidenten gewählt.
Auf der Pazifikinsel Iwo Jima wird ein Massengrab mit Leichen von 2.000 gefallenen japanischen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.
23. März Als letztes Bundesland beschließt Bayern das Ende der Entnazifizierung.
In Washington wird vom Oberkommando der US-Armee eine Überprüfung aller Offiziere auf ihre "politische Zuverlässigkeit" angeordnet. Die Maßnahme steht in Zusammenhang mit dem Streit zwischen der US-Armee und Senator Joseph Raymond McCarthy, dem Vorsitzenden des Senatsausschusses zur Untersuchung "unamerikanischer Umtriebe".
24. März Der Hohe Kommissar Frankreichs in der Bundesrepublik, André François-Poncet, erhält vom französischen Außenministerium die Anweisung, der Wehrergänzung zum Bonner Grundgesetz nicht zuzustimmen.
25. März Die deutsche Frauenrechtlerin Gertrud Bäumer stirbt in Bethel bei Bielefeld.
Vor dem Verfassungsausschuss des bayerischen Landtags protestieren Frauen einer Damenringer-Riege gegen das Verbot von Frauenringkämpfen.
In Köln spricht sich die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gegen die einheitliche Einführung der Fünf-Tage-Woche in deutschen Unternehmen aus.
Der ehemalige Leiter des Nachrichtendienstes der Dienststelle Blank, Friedrich Wilhelm Heinz, wird verhaftet. Ihm wird Spionage für den sowjetischen Geheimdienst vorgeworfen. Die Dienststelle Blank ist für Sicherheitsfragen der Bundesrepublik zuständig.
Die drei westlichen Hohen Kommissare fordern ihren sowjetischen Kollegen Wladimir S. Semjonow auf, Hafterleichterungen für die sieben noch im Gefängnis von Berlin-Spandau einsitzenden Nürnberger Kriegsverbrecher schnellstmöglich zuzustimmen.
Die Sowjetunion erkennt die Souveränität der DDR an.
In Kairo beschließt das ägyptische Parlament, sich nach dem Zusammentritt der Verfassungsgebenden Versammlung am 23. Juli aufzulösen.
26. März Mit der Unterzeichnung des Wehrverfassungsgesetzes durch Bundespräsident Theodor Heuss schafft die Bundesrepublik die Voraussetzung für den Aufbau der Bundeswehr.
Die DDR beginnt in Aue mit dem Bau des ersten Atomkraftwerkes.
27. März In verschiedenen griechischen Städten demonstrieren Studenten für die Wiedervereinigung der britischen Kronkolonie Zypern mit Griechenland. Die Mehrheit der griechischen Inselbevölkerung fordert seit Jahrzehnten den Anschluss an Griechenland, während Großbritannien Zypern langfristig Autonomie gewähren will.
29. März In Bonn unterzeichnet Bundespräsident Theodor Heuss das Abkommen zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und den Deutschlandvertrag, der das alliierte Besatzungsstatut ablösen soll.
In Ägypten ruft der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Hakim Amer, den Belagerungszustand aus, nachdem am Wochenende erneut Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen um Staatspräsident Ali Muhammad Nagib und seinem Widersacher Gamal Abd an Nasser ausgebrochen waren.
Bei einem Überfall auf das jordanische Dorf Nahalin töten israelische Soldaten acht Menschen.
30. März Auf dem bis zum 6. April dauernden IV. Parteitag der SED wird beschlossen, dass die Partei-Mitgliedschaft lebenslang gilt und nur durch Partei-Ausschluss beendet werden kann. Walter Ulbricht wird als Erster Sekretär des ZK bestätigt.
Der britische Premierminister Winston Churchill lehnt in London eine Unterbrechung der US-amerikanischen H-Bomben-Versuche ab.
Der amerikanische Außenminister John Foster Dulles spricht sich in New York für ein "vereintes Vorgehen der freien Welt zur Verhinderung einer kommunistischen Eroberung Indochinas und ganz Südostasiens" aus.
Der ehemalige amerikanische Konteradmiral Robert A. Theobald wirft dem 1945 gestorbenen Ex-Präsidenten Franklin D. Roosevelt vor, die US-Flotte bei dem japanischen Angriff 1941 auf den US-Stützpunkt Pearl Harbor bewusst geopfert zu haben, um den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg zu ermöglichen.
31. März Die Sowjetunion schlägt den Westmächten ihren Beitritt zum Nordatlantischen Verteidigungspakt (NATO) vor, wenn sich die Westmächte an einem europäischen Sicherheitspakt beteiligen.
01. April Bundesinnenminister Gerhard Schröder lehnt im Bundestag die Forderung von Familienminister Franz-Josef Wuermeling nach Einführung einer "Volkszensur" für den bundesdeutschen Film ab.
In Berlin feiert der "Stahlhelm", der Bund der Frontsoldaten, den 141. Geburtstag des früheren deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck.
Auf der bis zum 8. April dauernden Tagung landsmannschaftlicher Jugendverbände auf der Burg Ludwigstein (DDR) wird die "Deutsche Jugend des Ostens" als Dachorganisation gegründet.
Die französische Regierung enthebt Marschall Alphonse Juin, den ranghöchsten Offizier der französischen Streitkräfte, seiner Ämter. Er war verschiedenen Aufforderungen von Ministerpräsident Joseph Laniel, sich für seine EVG-feindlichen Äußerungen zu rechtfertigen, nicht nachgekommen.
In Kairo beschließt der ägyptische Revolutionsrat, mehrere Omnibusunternehmen in der Hauptstadt zu enteignen. Der Rat folgt damit einer Forderung der sozialistischen Verkehrsgewerkschaft.
In der Sowjetunion beginnt eine Welle von Preissenkungen für Konsumartikel.
Die US-amerikanische Regierung gibt einen Film frei, der die Wasserstoffbomben-Explosion auf dem Südsee-Atoll Eniwetok vom November 1952 zeigt.
02. April In Zürich verbrennt der Regisseur Veit Harlan öffentlich eine Kopie des Films "Jud Süß", den er 1940 während der nationalsozialistischen Herrschaft im Deutschen Reich als Propaganda-Film gedreht hatte. Harlan will sich damit von einem aufkommenden neuen Antisemitismus distanzieren.
Die Türkei und Pakistan unterzeichnen in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi einen Vertrag über militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit.
03. April Das Chemnitzer Tanzorchester Karl Walter flüchtet nach West-Berlin, nachdem der Kapelle wegen seiner "amerikanisierten Tanzmusik" in der DDR Auftrittsverbot erteilt worden war.
Bei einer Kundgebung gegen die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) in Paris werden der französische Ministerpräsident Joseph Laniel und Verteidigungsminister René Pleven von rechtsgerichteten Demonstranten tätlich angegriffen.
Im New Yorker Hafen beenden 10.000 Mitglieder der Internationalen Dockarbeitergewerkschaft (ILA) ihren 29tägigen Lohnstreik.
04. April Auf dem SED-Parteitag in Ost-Berlin fordert Walter Ulbricht, Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, die gemeinsame Ächtung von Atomwaffen durch den Bundestag und die DDR-Volkskammer.
05. April In Oslo stirbt Märtha von Schweden, die Kronprinzessin von Norwegen.
In London fordert der Vorsitzende der Labour-Partei und frühere Premierminister Clement Richard Attlee sofortige Abrüstungsgespräche zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und den USA, um "die Menschheit von der Furcht vor der Wasserstoffbombe zu befreien".
US-Außenminister John Foster Dulles ruft in Washington die westlichen Staaten auf, Frankreich beim Krieg in Indochina zu helfen.
06. April In Ost-Berlin geht der IV. Parteitag der SED zu Ende, bei dem ein neues Parteistatut verabschiedet wird.
In einer Rundfunkansprache nennt US-Präsident Dwight D. Eisenhower fünf Ängste der USA: Die Männer im Kreml, das Atomzeitalter, den Verlust von Freunden Amerikas, die unter kommunistischer Diktatur hinter dem Eisernen Vorhang zu leben haben, die kommunistischen Versuche, die USA im Innern zu unterwandern, und die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Depression.
07. April In der Bundesrepublik wird erstmals der Weltgesundheitstag begangen.
Bundesregierung und Bundestag lehnen die Anerkennung der DDR ab und stellen den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik fest.
Die Stadtverwaltung der britischen Stadt Coventry beschließt, den Luftschutz aufzulösen, weil Luftschutzmaßnahmen im Zeitalter der Atombomben sinnlos geworden seien.
Das sowjetische Rote Kreuz erklärt sich bereit, zusammen mit dem bundesdeutschen Roten Kreuz das Schicksal verschollener Deutscher in der Sowjetunion zu klären.
Frankreich bittet die USA um die Lieferung von Kriegsmaterial für den Indochina-Krieg.
Das französische Parlament verabschiedet ein Gesetz, das für Eltern, die ihre Kinder zu Tode prügeln oder verhungern lassen, die Todesstrafe vorsieht.
In Santiago de Chile unterzeichnet der chilenische Staatspräsident Carlos Ibáñez del Campo eine Verordnung, durch die Chile die während des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmten deutschen und italienischen Vermögen freigibt.
08. April In Bonn fordert der FDP-Bundestagsabgeordnete Karl Georg Pfleiderer die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Ostblockstaaten.
09. April Der Bundesrat verändert wesentliche Teile der Einkommensteuer-Reform von Bundesfinanzminister Fritz Schäffer. So soll z. B. der Bundesanteil am Einkommenssteueraufkommen nur 35% und nicht – wie von Schäffer gefordert – 40% betragen.
10. April Italien erkennt die Bundesrepublik als einzigen "rechtmäßigen" Vertreter Deutschlands an.
Das Repräsentantenhaus des US-Bundesstaates Texas beschließt ein Gesetz das die Kommunistische Partei in Texas verbietet und die Zugehörigkeit zu ihr mit 20 Jahren Gefängnis bestraft.
In Lyon stirbt der französische Filmpionier und Erfinder des Cinématographen Auguste Lumière.
In Rom stirbt der deutsche Archäologe Ludwig Curtius.
11. April In Belgien verliert die Christlich-Soziale Partei bei den Parlamentswahlen ihre absolute Mehrheit. Sozialisten und Liberale bilden unter Ministerpräsident Achille van Acker am 22. April eine neue Regierungskoalition.
13. April Der US-amerikanische Atomforscher Robert J. Oppenheimer wird in Washington von der Atomenergie-Kommission von den laufenden Atomforschungsprojekten ausgeschlossen. Ihm werden Verbindungen zu Kommunisten vorgeworfen.
Die australische Regierung gibt bekannt, dass der dritte Sekretär der sowjetischen Botschaft in Australien, Wladimir Petrow, in Canberra um politisches Asyl nachgesucht hat.
Großbritannien und die zukünftigen Mitglieder der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft unterzeichnen in Paris ein Abkommen, das die Mitarbeit Großbritanniens in der EVG regelt.
14. April Der Vorsitzende der sowjetischen Emigrantenorganisation "Nationaler Bund des Schaffens Russländischer Solidaristen" (NTS), Alexander Truchnowitsch, verschwindet unter mysteriösen Umständen aus West-Berlin.
Aus Verärgerung über die zustimmende Haltung seiner Partei zu einer möglichen westdeutschen Wiederaufrüstung tritt der Führer des linken Flügels der britischen Labour Partei, Aneurin Bevan, aus der Fraktionsführung der oppositionellen Partei zurück.
In London warnt der Arzt, Philosoph und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer vor den Gefahren der Wasserstoffbombe.
15. April Der französische Staatspräsident René Coty begnadigt den früheren deutschen Botschafter während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg, Otto Abetz, der 1949 in Paris wegen Kriegsverbrechen zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war.
16. April Präsident Dwight D. Eisenhower gibt in einer Botschaft an die Mitgliedstaaten der geplanten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft die Garantie für den weiteren Verbleib US-amerikanischer Truppen in Europa.
Der Autor des Buches "Don Camillo und Peppone", Giovanni Guareschi, wird in Mailand wegen Beleidigung des früheren italienischen Ministerpräsidenten Alcide de Gasperi zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Der Kommandant der französischen Festung Dien Bien Phu in Vietnam, Christian de la Croix de Castries, wird zum General befördert.
Sieben Albaner, die wegen "Spionage im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes" zum Tode verurteilt worden waren, werden in der albanischen Hauptstadt Tirana hingerichtet.
19. April Der südkoreanische Staatspräsident Syngman Rhee kündigt die Teilnahme seines Landes an der Genfer Konferenz am 26. April an, auf der die Korea- und die Indochinafrage beraten werden sollen.
In New York fordert der sowjetische UNO-Delegierte Andrei J. Wyschinski "das Verbot der Wasserstoffbombe, obgleich wir die Wasserstoffbombe gebaut haben". Damit gibt die UdSSR erstmals den Besitz der H-Bombe öffentlich zu.
20. April In einer Erklärung zu ihren wirtschaftspolitischen Zielen spricht sich die SPD für freie Konsumwahl und gegen jede Zwangswirtschaft aus. Bislang hatte die Partei Sozialisierungsmaßnahmen als oberstes Ziel einer langfristigen Wirtschaftspolitik propagiert.
21. April Zwischen Deutschland und Frankreich wird im Grenzverkehr kein Visum mehr benötigt.
In Siegen protestieren rund 1.500 Bergarbeiter gegen die geplante Schließung der unrentablen Zeche "Eisenzecherzug" bei Eiserfeld.
Die Sowjetunion tritt der Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen (UNESCO) bei.
22. April In Frankfurt am Main stellen sich drei Mitglieder des sowjetischen Geheimdienstes (MWD) den US-amerikanischen Behörden und enthüllen den Mordplan an einem führenden Mitglied einer sowjetischen Widerstandsgruppe.
Die Genfer Flüchtlingskonvention tritt in Kraft.
Der indische Ministerpräsident Jawaharlal Nehru erklärt in Neu-Delhi die Sperrung des indischen Luftraums für US-amerikanische Nachschubflüge nach Indochina.
Die britische Regierung schlägt zur Beilegung des Indochina-Kriegs die Teilung Vietnams in ein kommunistisches und ein französisches Gebiet vor.
23. April Bei den Kämpfen um die Festung Dien Bien Phu in Vietnam rücken die Vietminh-Soldaten bis auf 600 m an das französische Hauptquartier vor.
Die drei Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich verweigern der Volksrepublik China für die bevorstehende Genfer Indochina-Konferenz den Status einer Großmacht.
Der Rat des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses (NATO) lehnt die Anerkennung der DDR als souveränen Staat ab.
24. April Das japanische Parlament in Tokio lehnt einen Misstrauensantrag der beiden sozialistischen Parteien gegen den liberalen Ministerpräsidenten Shigeru Yoshida ab. Yoshida wird die Verwicklung in einen Bestechungsskandal vorgeworfen.
Der General der 8. US-amerikanischen Armee in Korea, Maxwell Taylor, schließt bei einem erneuten Konflikt in Korea den Einsatz der Atombombe nicht aus. Seit Ende des Koreakrieges 1953 kommt es an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea immer wieder zu Gefechten.
US-Vizepräsident Richard Nixon erklärt in Tucson (Arizona), ein Sieg des kommunistischen Vietminh im Indochina-Krieg würde einen Dritten Weltkrieg auslösen.
In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires kommt es während einer Wahlkundgebung zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen; ein Mensch wird getötet.
25. April In Argentinien wird Juan Perón bei den Wahlen als Staatspräsident bestätigt.
26. April Der Verband der Kriegsgeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands (VdK) fordert den Rücktritt von Bundesarbeitsminister Anton Storch. Storch hatte die Streichung der Grundrenten der Kriegsopfer zugunsten anderer Bedürftiger angeregt.
Dem bundesdeutschen Schlagerkomponisten und Musikverleger Ralph Maria Siegel wird die Einreise in die USA verweigert. Siegels Name stand auf einer drei Jahre alten Liste, die bei einem angeblich kommunistischen Friedenskomitee sichergestellt wurde.
In Genf beginnt eine Konferenz zwischen Frankreich, Großbritannien, den USA, der Sowjetunion, der Volksrepublik China und den beiden koreanischen Staaten über die Korea-Frage und die Beendigung des Indochina-Krieges.
Die britische Kolonialregierung in Kenia gibt umfangreiche Verhaftungen von Anhängern der Unabhängigkeitsbewegung Mau-Mau bekannt.
In London beginnen Beratungen von Experten aus 42 Staaten der Welt über die Ölverschmutzung der Meere.
Die Sowjetunion stimmt überraschend einem Vorschlag der drei Westmächte zu, den in Spandau (West-Berlin) einsitzenden deutschen Kriegsverbrechern Hafterleichterungen zu gewähren.
König Frederik und Königin Ingrid von Dänemark treffen zu einem Staatsbesuch in den Niederlanden ein.
In Argentinien lässt Staatspräsident Juan Domingo Perón zahlreiche Mitglieder der oppositionellen Radikalen Partei verhaften. Perón ist durch die Wahlen vom Vortag in seinem Amt bestätigt worden.
Der französische Außenminister Georges Bidault fordert in Genf eine Kampfpause in Indochina, um den Abtransport der über 1.000 Verwundeten aus der französischen Dschungelfestung Dien Bien Phu zu ermöglichen.
27. April Großbritanniens Premierminister Winston Churchill erklärt in London, dass sein Land für die Dauer der Genfer Konferenz nicht in den Indochina-Krieg eingreifen werde.
Im schleswig-holsteinischen Landtag wird der Antrag des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), die Fünf-Prozent-Klausel bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein aufzuheben, mit den Stimmen von CDU, FDP und BHE abgelehnt.
28. April In Freiburg stirbt der Erzbischof von Freiburg im Breisgau, Wendelin Rauch.
Die FDP schlägt in Bonn vor, die nächste Wahl des Bundespräsidenten in Berlin abzuhalten, um damit zu dokumentieren, dass der Bundespräsident das "rechtmäßige Staatsoberhaupt für ganz Deutschland" sei.
Die für den Aufbau der Bundeswehr zuständige Dienststelle Blank in Bonn verschickt Bewerbungsbögen an 140.000 Freiwillige.
In Colombo (Sri Lanka) treffen die Ministerpräsidenten von Indien, Pakistan, Birma, Ceylon und Indonesien zu einer Asienkonferenz zusammen, auf der u. a. die aktuelle Situation in Indochina beraten wird. Die Gespräche enden am 2. Mai.
29. April In Paris stirbt der Gewerkschaftsführer und Friedensnobelpreisträger von 1951, Léon Jouhaux.
In Peking schließen Indien und die Volksrepublik China ein Abkommen über Handel und Verkehr zwischen den tibetischen Gebieten beider Länder.
01. Mai Bei den Maifeiern in der Bundesrepublik fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund die Einführung der Fünf-Tage-Woche und eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden.
Erstmals nehmen in der DDR auch die "Kampfgruppen der Arbeiterklasse" an den Maidemonstrationen teil. Ihre Losung heißt: "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat". Aufgabe der Kampfgruppen soll es sein, künftige mögliche Aufstände der DDR-Bürger gegen die SED-Diktatur wie am 17. Juni 1953 mit Waffengewalt niederzuschlagen.
02. Mai Bei den türkischen Parlamentswahlen erringt die Demokratische Partei, die seit Mai 1950 das Land regiert, 504 von 541 Parlamentssitzen.
03. Mai Die Demokratische Republik Vietnam wird nachträglich von der Sowjetunion und der Volksrepublik China zur Genfer Konferenz eingeladen.
04. Mai Die Regierungen von Dänemark, Schweden, Norwegen und Island verweigern in einer gemeinsamen Erklärung in Kopenhagen der DDR die Anerkennung als souveräner Staat.
Im iranischen Parlament in Teheran kommt es während einer Sitzung zu Sympathiekundgebungen für den 1953 abgesetzten ehemaligen Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh, an der sich drei Viertel der Abgeordneten beteiligen.
06. Mai Bei der Abstimmung über den Etat von Familienminister Franz Josef-Wuermeling im Bundestag stimmen mehrere Abgeordnete der FDP überraschend gegen den Etatentwurf der Regierungskoalition aus CDU, FDP und dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE).
Vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe werden die KPD-Funktionäre Horst Reichel und Herbert Beyer zu drei bzw. eineinhalb Jahren Gefängnis wegen Hochverrats verurteilt.
Die SED erklärt in West-Berlin ihre Absicht, sich an den Wahlen zum Westberliner Abgeordnetenhaus im Dezember zu beteiligen.
In Paris spricht die französische Nationalversammlung Ministerpräsident Joseph Laniel das Vertrauen aus. Das Parlament will Laniel damit die Möglichkeit geben, den Indochina-Krieg zu beenden.
In Paraguay beginnt mit einen Putsch die 35 Jahre dauernde Diktatur Alfredo Stroessners.
07. Mai Der Bundesrat verabschiedet zwei Gesetze zur Neuordnung des Verkehrs, die u. a. die Senkung der Kraftfahrzeug-Steuer um 10% vorsehen.
Die USA, Großbritannien und Frankreich lehnen den von der UdSSR vorgeschlagenen Beitritt der Sowjetunion zum Nordatlantischen Verteidigungsbündnis (NATO) ab.
Die letzte Bastion Frankreichs in Indochina (Dien-Bien-Phu) fällt. Am 21. Juli endet die französische Kolonialherrschaft in Indochina.
08. Mai Auf dem Parteitag des Gesamtdeutschen Blocks/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) in Bielefeld wird Theodor Oberländer als Nachfolger von Waldemar Kraft zum Parteivorsitzenden gewählt.
Zwei ehemalige Soldaten der Deutschen Wehrmacht werden in Darmstadt zu drei bzw. vier Jahren Haft verurteilt. Ihnen war die Tötung von mindestens 60 Juden in der sowjetischen Stadt Smolensk während des Zweiten Weltkriegs vorgeworfen worden.
Nach der Niederlage der französischen Truppen in Dien Bien Phu (Vietnam) kommt es in Frankreich zu antikommunistischen Demonstrationen.
Nach einem Militärputsch übernimmt in Paraguay General Alfredo Stroessner die Macht.
09. Mai In Paris kommt es anlässlich einer Kranzniederlegung von Charles de Gaulle am Grab des unbekannten Soldaten zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und erregten de Gaulle-Anhängern.
In Großbritannien wird die während des Zweiten Weltkriegs vorgenommene Fettrationierung aufgehoben.
10. Mai In Kassel wird das Bundesarbeitsgericht offiziell eröffnet.
Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag klagt Italien gegen die drei Westmächte, um die Herausgabe von Münzgold im Wert von umgerechnet 11,76 Mio. DM zu erreichen. Das Gold war nach der deutschen Besetzung Italiens 1943 in Rom von deutschen Truppen beschlagnahmt worden.
In Frankreich wird die zweite Volkszählung nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt. Gegenüber 1946 ist die Bevölkerung um 2,2 Mio. Einwohner auf 42,7 Mio. gewachsen.
11. Mai Das DDR-Außenministerium dementiert in Ost-Berlin Gerüchte, nach denen zwischen der Sowjetunion und der DDR Verhandlungen über einen separaten Friedensvertrag geführt werden.
Der ehemalige italienische Ministerpräsident Alcide de Gasperi wird in Straßburg per Akklamation zum Präsidenten der Montanunion gewählt.
13. Mai US-Präsident Dwight D. Eisenhower unterzeichnet ein Abkommen mit Kanada über den Bau eines Kanals, der die Großen Seen über den St. Lorenz-Strom mit dem Atlantik verbinden soll.
In London beginnt die Fünf-Mächte-Abrüstungskonferenz, auf der Vertreter Kanadas, Großbritanniens, Frankreichs, der USA und der Sowjetunion über eine internationale Kontrolle der Verbreitung von Atomwaffen verhandeln. Die Gespräche enden am 22. Juni ergebnislos.
14. Mai In Schwangau bei Füssen stirbt der deutsche Panzergeneral der Wehrmacht Heinz Guderian.
In einer Presseverlautbarung lehnt die Bundesregierung in Bonn die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion ab. Die Regierung sei hingegen fest entschlossen, die bestehende Zusammenarbeit zu Ländern des freien Westens weiter auszubauen.
Die SPD fordert in Bonn die Schließung des Rekrutierungsbüros der Fremdenlegion und ein Werbungsverbot für "diese verdammte Legion".
Im Revisionsverfahren der Ärzte Otto Bickenbach und Eugen Haagen, denen vorgeworfen wird, während des Zweiten Weltkriegs medizinische Experimente an Häftlingen im KZ Struthof durchgeführt zu haben, verurteilt ein Militärgericht in Lyon (Frankreich) die Angeklagten zu 20 Jahren Haft.
Die belgische Regierung beschließt die Herabsetzung der Militärdienstzeit von 21 auf 18 Monate. Sie erfüllt damit ein Wahlversprechen.
15. Mai An der Kölner Universität wird die Pflichtsemesterzahl für Studenten der Studiengänge Volkswirtschaft, Diplom-Kaufmann und Diplom-Handelslehrer von sechs auf acht Semester heraufgesetzt, um eine bessere Ausbildung der Akademiker zu gewährleisten.
Königin Elisabeth II. von Großbritannien kehrt nach einer fast sechsmonatigen Weltreise nach Großbritannien zurück.
16. Mai Vor der Küste der chinesischen Provinz Zhe Kiang kommt es zu einem kleineren Seegefecht zwischen nationalchinesischen und rotchinesischen Kriegsschiffen.
In Mexiko-Stadt stirbt der österreichische Dirigent Clemens Krauss.
17. Mai Der FDP-Bundesvorstand stimmt dem Vorschlag von Karl Georg Pfleiderer zu, eine Delegation von Bundestagsabgeordneten in die Sowjetunion zu entsenden, um erste Gespräche über zwischenstaatliche Kontakte beider Länder miteinander zu führen.
In Japan registrieren Wissenschaftler der Universitäten Osaka und Niigaka starke radioaktive Verseuchung des Regenwassers. Grund dafür sind die zahlreichen H-Bombenversuche der USA im Südpazifik.
In den USA wird die Rassentrennung an öffentlichen Schulen verboten.
18. Mai Das Bundesverkehrsministerium kündigt in Bonn den Ausbau bundesdeutscher Autobahnen im Frühjahr 1955 an.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wird in Bonn eingerichtet.
In Schweden werden riesige Uranvorkommen gefunden, die nach amtlichen Angaben die Energieversorgung des skandinavischen Landes für mehrere Jahrtausende decken können.
In Rom trifft ein Protestmarsch von 600 Blinden ein, die am 8. Mai in Florenz aufgebrochen waren. Mit dem "Marsch des Elends" demonstrieren sie für eine Erhöhung ihrer Renten.
19. Mai Die bayerische Landesregierung beschließt, bei Staatsfeierlichkeiten neben der bayerischen Nationalflagge künftig auch die schwarz-rot-goldene Bundesflagge zu hissen.
In New York City stirbt der amerikanische Komponist Charles Ives.
In der pakistanischen Hauptstadt Karatschi unterzeichnen Vertreter Pakistans und der USA ein gegenseitiges Militärhilfe-Abkommen.
20. Mai Bundeskanzler Konrad Adenauer und der stellvertretende französische Ministerpräsident Pierre-Henri Teitgen erzielen in Straßburg Einigung über die Saarfrage. Danach soll das Saargebiet einen europäischen Status erhalten, über den die saarländische Bevölkerung abstimmen soll.
Nicaragua bricht die diplomatischen Beziehungen zu Guatemala ab. Die Beziehungen beider Länder sind bereits seit Anfang des Jahres gespannt: Die guatemaltekische Regierung beschuldigt Nicaragua, den Sturz der Regierung unter Präsident Jacobo Arbenz Guzmán planmäßig vorzubereiten.
Bei den Parlamentswahlen in Irland verliert die Regierungspartei Fianna Fáil von Ministerpräsident Eamon de Valera ihre Mehrheit.
Chiang Kai-shek wird Präsident von Taiwan.
21. Mai Bei den Parlamentswahlen in Korea gewinnt die Liberale Partei von Ministerpräsident Syngman Rhee die absolute Mehrheit.
22. Mai Regierungsvertreter aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland unterzeichnen in Kopenhagen ein Abkommen zur Bildung eines gemeinsamen Arbeitsmarktes.
23. Mai In London kündigt der britische Premierminister Winston Churchill die Abreise der britischen Delegation bei der Genfer Konferenz für den Fall an, dass in zehn Tagen keine Einigung über die Indochina-Frage erreicht wird.
24. Mai In der Bundesrepublik werden eine Reihe von kommunistischen Politikern verhaftet, darunter die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Walter Fisch und Friedrich Rische.
Das US-amerikanische Außenministerium beschließt, Ländern, die für Verzögerungen bei der Bildung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft verantwortlich sind, keine Finanzhilfe mehr zu gewähren.
In London wird der US-amerikanische Komponist und Dirigent Igor Skawinski von den Einwanderungsbehörden an der Einreise nach Großbritannien gehindert, weil er keine Arbeitsgenehmigung vorweisen kann.
25. Mai Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" meldet eine schlechte Versorgungslage für Gebrauchsgüter in der DDR. So fehle es in vielen Städten in den staatseigenen Läden an Haushaltsartikeln wie Kannen, Bestecken und Sieben.
In Marokko werden während des Abschiedsbesuchs des abberufenen französischen Generalresidenten General Augustin Guillaume 36 Menschen durch ein Bombenattentat verletzt. Der Anschlag wird marokkanischen Nationalisten zugeschrieben, die mit Terroraktionen den Abzug der französischen Kolonialtruppen herbeiführen wollen.
Die US-amerikanische Regierung liefert Honduras und Nicaragua Waffenmaterial, um die beiden Staaten für eine mögliche kriegerische Auseinandersetzung mit Guatemala zu stärken.
Äthiopiens Kaiser Haile Selassie I. trifft zu einem siebenwöchigen Staatsbesuch in den USA ein.
In einer weltweiten Aktion gegen Geldfälscher erklärt das US-amerikanische Verteidigungsministerium den sog. Militärdollar für alle Militärstützpunkte außerhalb der USA für ungültig. Die Militärdollars wurden bislang in den außerhalb der USA gelegenen Stützpunkten der US-Streitkräfte anstatt regulärer Zahlungsmittel ausgegeben.
26. Mai In Kiel konstituiert sich mit dem "Schleswig-Holstein Block" eine neue Landespartei. Die Partei will alle rechts stehenden politischen Kräfte sammeln, die mit der Politik der CDU in Schleswig-Holstein unzufrieden sind.
In Bonn und München wird der Verkauf der "Münchener Illustrierten" von den zuständigen Amtsgerichten untersagt, weil auf dem Titelbild die US-amerikanische Schauspielerin Jane Russell in "einem die Jugend gefährdenden Aufzug" abgebildet ist.
27. Mai In München verurteilt ein US-amerikanisches Distriktgericht den ehemaligen stellvertretenden Lagerkommandanten des Internierungslagers Budweis, Wenzel Hrnecek, wegen Misshandlung von Sudetendeutschen zu acht Jahren Gefängnis.
28. Mai Der Bundestag verabschiedet ein neues Diätengesetz. Danach erhalten Abgeordnete eine Aufwandsentschädigung von 750 DM und eine Unkostenpauschale von 700 DM monatlich.
29. Mai Bis zum 31. Mai findet im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek (Niederlande) die erste Bilderberg-Konferenz statt.
Der ehemalige Papst Pius X. (Amtszeit von 1903 bis 1914) wird in Rom heilig gesprochen.
In Tunis wird auf den tunesischen Ministerpräsidenten Salah M'Zali von Unbekannten ein Mordanschlag verübt.
In Ägypten löst Gamal Abd an Nasser den bisherigen Parteivorsitzenden Ali Muhammad Nagib auch als Parteivorsitzenden der Nationalen Befreiungsbewegung ab.
30. Mai Die französische Nationalversammlung lehnt den Vertrag zur Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft ab.
Bulgarien und Griechenland nehmen die seit 1941 unterbrochenen diplomatischen Beziehungen wieder auf.
01. Juni Die Bundesregierung spricht sich gegen West-Berlin als Ort für die Wahl des zweiten Bundespräsidenten am 16. Juli aus. Das Kabinett macht u. a. rechtliche und politische Bedenken geltend.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums von West-Berlin haben im Mai 258 DDR-Volkspolizisten im Westsektor der Stadt um politisches Asyl nachgesucht.
Großbritannien verhängt den Ausnahmezustand über die Provinz Buganda im britischen Protektorat Uganda (Ostafrika), nachdem der Uganda National Congress zum Boykott britischer Waren aufgerufen hatte.
In Dresden stirbt der dänische Schriftsteller Martin Andersen-Nexø (Pelle, der Eroberer).
02. Juni Heinrich Brüning, deutscher Reichskanzler von 1930–32, wendet sich in Düsseldorf gegen eine "dogmatische" Westbindung der bundesdeutschen Außenpolitik. In Anlehnung an die Außenpolitik des Deutschen Reichs Mitte der 20er Jahre müsse die Bundesrepublik versuchen, eine "souveräne" Position zwischen Ost und West einzunehmen.
03. Juni Der bundesdeutsche Verband der Automobilindustrie kritisiert das vom Bundeskabinett verabschiedete Straßenentlastungs- und Verkehrsfinanzierungsgesetz, das u. a. eine Einschränkung des LKW-Verkehrs zugunsten des Gütertransports durch die Deutsche Bundesbahn vorsieht.
04. Juni Die USA sichern Frankreich die sofortige Entsendung von Kriegsschiffen und Flugzeugen zu, sollten sowjetische oder chinesische Streitkräfte im Indochina-Konflikt gegen Frankreich eingreifen.
Im japanischen Parlament in Tokio kommt es wegen einer Tagesordnungsfrage zu einer Schlägerei zwischen Vertretern von Opposition und Regierungsfraktion. 34 Abgeordnete werden bei dem Tumult verletzt.
05. Juni In Washington verspricht US-Präsident Dwight D. Eisenhower dem türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes verstärkte Militärhilfe für die Mitgliedstaaten des Balkan-Freundschaftsvertrages, dem die Türkei, Griechenland und Jugoslawien angehören.
Die Regierung von Pakistan lässt in der Provinz Ost-Pakistan (Ost-Bengalen) 564 Menschen verhaften. Diese Maßnahme richtet sich gegen Anhänger der Ende Mai abgesetzten Provinzregierung die in Opposition zur Zentralregierung stand.
06. Juni In Ost-Berlin findet bis zum 7. Juni das zweite sog. Deutschlandtreffen der DDR-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) statt. Rund 500.000 Jugendliche aus der DDR und einige Tausend aus der Bundesrepublik nehmen an den Demonstrationen für Frieden und die Einheit Deutschlands teil.
In mehreren Städten der Bundesrepublik treffen sich die Landsmannschaften der aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Vertriebenen. In München betont ein Vertreter der Sudetendeutschen die Notwendigkeit der Wiedervereinigung Deutschlands.
07. Juni Frankreich gibt bekannt, dass die kommunistischen Vietminh ihren Truppenaufmarsch gegen das Delta des Roten Flusses (Nord-Vietnam) beendet haben. Für die Verteidigung gegen die erwartete kommunistische Offensive hat auf französischer Seite General Paul Ely, der neu ernannte Hohe Kommissar für Indochina, den Oberbefehl.
In Südtunesien rücken französische Truppen gegen Verbände tunesischer Nationalisten vor, die in den vergangenen Wochen Terroranschläge auf französische Siedler verübt haben.
08. Juni Nach Angaben von Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer leben in der Bundesrepublik noch rund 350.000 Menschen in Auswanderer- und Durchgangslagern.
Der ehemalige Außenminister der DDR Georg Dertinger wird in Ost-Berlin wegen "Verschwörung zum Sturz der DDR" zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Die US-amerikanische Botschaft in Moskau erteilt erstmals Visa für die Einreise in die USA an sowjetische Bürger. Vierzehn Schachspieler aus der UdSSR dürfen die Vereinigten Staaten besuchen.
09. Juni Die Bundesprüfstelle zur Beachtung des Gesetzes über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften wird eingerichtet.
In der DDR wird der im Januar 1953 verhaftete ehemalige DDR-Außenminister Georg Dertinger (CDU) wegen "Verschwörung und Spionage" zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Der außenpolitische Ausschuss der französischen Nationalversammlung spricht sich gegen den Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) aus und fordert die Nationalversammlung auf, das Vertragswerk nicht zu ratifizieren.
11. Juni Parteiausschuss und Parteivorstand der SPD geben den Verzicht auf einen eigenen Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten am 16. Juli bekannt. Den sozialdemokratischen Vertretern in der Bundesversammlung wird empfohlen, für Theodor Heuss zu stimmen.
Vertreter der bundesrepublikanischen Lebensmittelbranche kritisieren die vom Bundesministerium des Inneren geplante Hygieneverordnung. Danach sollen in allen Betrieben, die Lebensmittel herstellen oder verkaufen, u. a. Textilhandtücher durch Papierhandtücher oder Heißlufttrockner ersetzt werden.
Der im Kriegsverbrecher-Gefängnis in Spandau (West-Berlin) einsitzende frühere Reichswirtschaftsminister Walther Funk soll in einem britischen Militärgefängnis operiert werden. Es ist das erste Mal, dass sich die vier Besatzungsmächte darauf einigen, schwerkranke Kriegsverbrecher außerhalb des Gefängnisses behandeln zu lassen.
12. Juni Die französische Nationalversammlung versagt der Koalitionsregierung unter Ministerpräsident Joseph Laniel das Vertrauen in der Frage des Indochina-Konfliktes. Laniel reicht daraufhin den Rücktritt seiner Regierung ein.
13. Juni Die Ankündigung der Bundesregierung, einen "Koordinierungsausschuss für Verlautbarungen der Bundesregierung" unter der Leitung des CDU-Bundestagsabgeordneten Otto Lenz einzurichten, wird allgemein heftig kritisiert.
14. Juni In Bad Neuenahr wird das "Kuratorium Unteilbares Deutschland – Ausschuss für Fragen der Wiedervereinigung e.V." gegründet.
In Hamburg wird eine Ladung schweizerischer Flakmunition auf dem bundesdeutschen Hapag-Dampfer "Coburg" beschlagnahmt. Die für die Streitkräfte Guatemalas bestimmte Munition wird auf Antrag der US-amerikanischen Hochkommission in Deutschland von den bundesdeutschen Behörden eingezogen.
In den USA wird die größte Luftschutzübung in Friedenszeiten durchgeführt. Bei einem fiktiven Angriff von 400 Bombern wird in 41 Großstädten Luftalarm ausgelöst und die Straßen von Passanten geräumt.
15. Juni Bundestagspräsident Hermann Ehlers (FDP) gibt bekannt, dass er die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten für den 17. Juli nach West-Berlin einlädt. Damit setzt er sich über außenpolitische und rechtliche Bedenken der CDU gegen Berlin als Wahlort hinweg.
16. Juni Ngô Dinh Diêm wird zum neuen Ministerpräsidenten Vietnams berufen. Die von Frankreich unterstützte autonome Republik kontrolliert den Süden des Landes.
In der nicaraguanischen Hauptstadt Managua wird der diktatorisch regierende Präsident, Anastasio Somoza Garcia, bei einem Attentat leicht verletzt.
17. Juni Der "Tag der deutschen Einheit" wird erstmals als gesetzlicher Feiertag begangen.
Die Landesregierung von Schleswig-Holstein verbietet den für den 24. bis 26. Juni in Lübeck geplanten "Europäischen Kongress der nationalen Kräfte". Nach Ansicht der Regierung handelt es sich bei der Veranstalterorganisation der sog. Europäischen Verbindungssteile um eine neofaschistische Gruppe, deren Tätigkeit gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik gerichtet sei.
Israel und die Sowjetunion einigen sich darauf, ihre Gesandtschaften in Moskau und Tel Aviv zu Botschaften zu erheben.
18. Juni Der radikalsozialistische Politiker Pierre Mendès-France wird neuer Ministerpräsident Frankreichs.
Der Exilguatemalteke Oberst Carlos Castillo Armas dringt von Honduras aus mit 4.000 Mann nach Guatemala ein, um die Regierung unter Präsident Jacobo Arbenz Guzmán zu stürzen.
19. Juni Bei den Genfer Verhandlungen über Indochina kommt es zu einer ersten Annäherung der Verhandlungsteilnehmer: Die Westmächte sowie die Vertreter des Ostblocks und der betroffenen Staaten beschließen, dass die Verhandlungen über Laos und Kambodscha in Genf oder in Indochina von den Oberkommandos der Vietminh bzw. der französischen Truppen vor Ort fortgeführt werden sollen.
20. Juni In Düsseldorf fordert Bundeskanzler Konrad Adenauer die Wiederherstellung der bundesrepublikanischen Souveränität unabhängig davon, ob der Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) ratifiziert werde oder nicht.
21. Juni In München treffen die Mitglieder des sog. Kersten-Ausschusses des US-amerikanischen Kongresses ein. Die sieben Abgeordneten sollen unter Führung des republikanischen Abgeordneten Charles J. Kersten das Vordringen der Sowjetunion in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen untersuchen.
Die USA warnen die Bundesrepublik vor einer Ostorientierung in der Außenpolitik. Die Regierung in Washington fürchtet, die Bundesrepublik wolle eine neutrale Position in Europa durch Annäherung an den Osten anstreben. Hintergrund der Warnung ist u. a. der Vorschlag des FDP-Politikers Karl Georg Pfleiderer, die Bundesrepublik solle diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion aufnehmen.
Kommunistische Streitkräfte des Vietminh stürmen ein französisches Kriegsgefangenenlager bei Saigon und befreien 500 Gefangene.
22. Juni Der Senat für Kriegsopferversorgung des Landessozialgerichts von Rheinland-Pfalz spricht in Mainz einer Kriegerwitwe die gesetzlich vorgeschriebene Hinterbliebenenrente zu. Der Ehemann der Klägerin war 1941 als Feldpostsachbearbeiter wegen Unterschlagung zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Nach Einschätzung des Gerichts war die Tat nicht so schwerwiegend, dass eine Aberkennung des Versorgungsanspruches zu rechtfertigen sei.
Die argentinische Regierung beschließt, dass die Parlamentsabgeordneten an Sitzungstagen Gratismahlzeiten im Parlamentsrestaurant erhalten sollen. Zahlreichen Abgeordneten entstünden durch den Aufenthalt in der Landeshauptstadt Buenos Aires Ausgaben, die durch ihre Diäten nicht abgedeckt seien.
23. Juni In Luxemburg beraten die Außenminister der drei Beneluxstaaten Niederlande, Belgien und Luxemburg über eine mögliche Ersatzlösung, falls die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) scheitern sollte.
Kwame Nkrumah, Führer der nationalistischen Convention People's Party (CPP), bildet in der britischen Kolonie Goldküste (Ghana) die erste schwarze Regierung.
24. Juni Bundesinnenminister Gerhard Schröder verspricht vor dem Bundestag, für alle in der sog. Aktion Vulkan schuldlos Verhafteten nach Abschluss der Ermittlungen Ehrenerklärungen abzugeben. Im April 1953 waren 39 Personen unter dem Verdacht der Ostspionage festgenommen worden, der sich in fast allen Fällen als haltlos erwies.
25. Juni Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Reinhold Maier (FDP) wirft Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) vor, die Entwicklung der Bundesrepublik von der Demokratie zur Herrschaft einiger weniger voranzutreiben.
In Washington beginnen Beratungen zwischen Großbritannien und den USA über die voneinander abweichenden Sicherheitskonzeptionen beider Länder für den südostasiatischen Raum.
26. Juni In 10.000 Wahllokalen beginnt in der DDR eine dreitägige Volksbefragung zum Thema "Friedensvertrag oder EVG?". Die zu erwartende Ablehnung der geplanten westlichen Verteidigungsgemeinschaft soll die offizielle politische Linie der DDR-Regierung in dieser Frage unterstützen. Nach dem am 28. Juni bekannt gegebenen Ergebnis sprechen sich 93% der rund 13 Mio. Stimmberechtigten gegen die EVG aus.
Zehn amerikanische Länder, darunter die USA, fordern anlässlich der Invasion Guatemalas durch die sog. Befreiungsarmee unter Oberst Carlos Castillo Armas die Einberufung einer interamerikanischen Friedenskonferenz.
27. Juni Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen verliert die bisherige Regierungskoalition unter Ministerpräsident Karl Arnold (CDU) ihre Mehrheit. CDU und Zentrum erhalten nur noch 99 von 200 Mandaten.
Bei einer bis zum 29. Juni dauernden Volksbefragung in der DDR zu "Friedensvertrag oder EVG" entscheiden sich 93,5% für den Friedensvertrag.
Der Oberbefehlshaber der in Europa stationierten US-Luftstreitkräfte, General John Tunner, ordnet an, dass alle Soldaten ab 1. Juli Unterricht in den Sprachen ihres Stationierungslandes erhalten, die rund 80.000 Angehörigen der US-Armee sollen so die Sprachbarrieren überwinden, die sie bisher von der einheimischen Bevölkerung trennen.
In Guatemala wird unter Mitwirkung der USA Staatspräsident Jacobo Arbenz Guzman gestürzt.
In Obninsk bei Moskau wird das weltweit erste zivil genutzte Kernkraftwerk der Welt erfolgreich in Betrieb genommen.
28. Juni Die englische Königin Elizabeth II. empfängt ihre ersten Staatsbesucher in London, König Gustaf und Königin Luise von Schweden.
Indiens Ministerpräsident Jawaharlal Nehru und der chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai sprechen sich für eine politische Lösung in Indochina aus, durch die freie, demokratische und geeinte Staaten in der Region geschaffen werden.
29. Juni Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Walter Hallstein äußert sich in Bonn zur Zahl der Deutschen in der französischen Fremdenlegion und zum Vorgehen der Regierung gegen Werber der Fremdenlegion in der Bundesrepublik.
In Moskau wird ein sowjetisch-französisches Abkommen über die Errichtung einer regelmäßigen Flugverbindung zwischen Moskau und Paris unterzeichnet.
In Den Haag beginnen Geheimverhandlungen zwischen der niederländischen und der indonesischen Regierung über die Auflösung der zwischen beiden Staaten bestehenden Union.
30. Juni In Bonn trifft der griechische Ministerpräsident Marschall Alexandros Papagos ein. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch eines griechischen Regierungschefs in der Bundesrepublik.
01. Juli Das "Notopfer Berlin" wird abgeschafft, da der Deutsche Bundestag ab 1955 für Westberliner Arbeitnehmer eine Ermäßigung der Lohn- und Einkommensteuer um 20 % in Aussicht gestellt hat.
Durch den Übertritt des Zentrumspolitikers Josef Rösing zur CDU gewinnt die CDU im Bundestag die absolute Mehrheit zurück.
In Berlin stirbt die deutsche Theater-Schauspielerin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin Thea von Harbou.
Der US-amerikanische Botschafter in Frankreich, Douglas Dillon, stellt Frankreich vor die Alternative, entweder die Zustimmung zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) zu geben oder den Aufbau einer deutschen Nationalarmee zuzulassen.
In Japan ersteht mit der Vereidigung der ersten Einheiten eine neue Armee. Damit vollendet der Inselstaat seine Bemühungen um die Wiedererlangung der staatlichen Souveränität.
02. Juli In einem Rundfunkinterview fordert Bundeskanzler Konrad Adenauer Frankreich zur Ratifizierung des Vertrages über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) in unveränderter Fassung auf. Damit wendet sich Adenauer gegen in Paris diskutierte Alternativ-Pläne für eine gemeinsame europäische Verteidigung.
Auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin äußert sich der ehemalige Generalfeldmarschall Friedrich Paulus erstmals seit seiner Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zu aktuellen politischen Fragen und zu seiner Rolle als "Verteidiger von Stalingrad".
Die französischen Streitkräfte in Indochina beenden die Räumung des Deltas des Roten Flusses (Nordvietnam) und konzentrieren ihre Truppen um die Hauptstadt Hanoi sowie die Hafenstadt Haiphong. In Hanoi mussten bereits 50.000 Menschen aufgenommen werden, die vor den nachrückenden kommunistischen Vietminh-Truppen geflüchtet waren.
Ein Militärgericht in Metz (Frankreich) fällt im Prozess gegen ehemalige Mitglieder der Lagermannschaften des KZ Struthof im Elsass sechs Todesurteile.
03. Juli Großbritannien schafft die seit 1940 währende Rationierung von Speck und Fleisch ab.
04. Juli Der frühere Generalinspekteur der deutschen Luftwaffe, Generalfeldmarschall Erhard Milch, wird wegen guter Führung aus der Haftanstalt Landsberg (Bayern) entlassen. Milch war 1947 im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess zu lebenslänglicher Haft verurteilt und 1951 zu 15 Jahren Strafe begnadigt worden.
05. Juli In London beginnen britische und US-amerikanische Experten mit der Ausarbeitung eines Konzepts zur Herstellung der bundesdeutschen Souveränität.
Der griechische Ministerpräsident Alexandros Papagos beendet seinen Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Zwischen Bonn und Athen sollen künftig alle vier bis sechs Monate politische Beratungen abgehalten werden.
Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Rupert Gießler, befürwortet in Freiburg im Breisgau die Bildung von Presseausschüssen, die innerhalb der bundesdeutschen Presse eine Art Selbstkontrolle ausüben sollen.
Im Delta des Roten Flusses (Nordvietnam) kommt es zu schweren Kämpfen zwischen den zurückweichenden französischen Einheiten und den nachrückenden Verbänden des Vietminh. Die neuen französischen Verteidigungsstellungen befinden sich nun 35 km südlich von Hanoi.
06. Juli Die wachsende Zahl der Terroranschläge bewirkt in Tunesien die massenhafte Flucht französischer Siedler nach Frankreich. Die tunesischen Nationalisten verlagern das Aktionsfeld für ihre Anschläge mit Beginn der Traubenernte in die Weinberge der französischen Siedler.
In Wien wird der ehemalige österreichische Minister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung, Peter Krauland, von der Anklage des Missbrauchs der Amtsgewalt freigesprochen. Die Veruntreuung beschlagnahmter deutscher Vermögen konnte Krauland vor Gericht nicht nachgewiesen werden.
In Oak Ridge (Tennessee) und in Paducah (Kentucky) treten insgesamt 4.000 Arbeiter der dortigen Atom-Fabriken in Streik. Damit ist die gesamte US-amerikanische Produktion von Atombomben vorerst lahm gelegt.
07. Juli Mit großer Mehrheit aus allen Parteien verabschiedet der hessische Landtag das neue Landtags-Wahlgesetz, das u. a. die Erweiterung des hessischen Landtages von 80 auf 96 Abgeordnete vorsieht.
Julius Nyerere und Oscar Kambona gründen die "Tanganyika African National Union" (TANU), die als Sammelbecken der politischen Kräfte in Ostafrika (Tansania) eine baldige Unabhängigkeit von Großbritannien anstrebt.
08. Juli In einer Bundestagsdebatte verteidigt Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) die Arbeitsweise des Verfassungsschutzes. Schröder reagiert damit auf Vorwürfe des FDP-Abgeordneten Reinhold Maier, der den Verfassungsschutz u. a. als neue "Gestapo" der Bundesregierung bezeichnet hatte.
Im Saarland kommt es zum Bruch der seit 1952 unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann amtierenden Koalitionsregierung aus Christdemokratischer Volkspartei (CVP) und Sozialdemokraten (SPS). Die beiden Parteien finden keine Einigung in der Frage des geplanten Betriebsverfassungsgesetzes.
Der Bundestag lehnt einen Antrag der SPD ab, den Erlass des Bundesinnenministeriums aufzuheben, wonach die Zugehörigkeit zu der im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) eingesetzten deutschen "Legion Condor" als ruhegehaltsfähige Dienstzeit doppelt auf die Rentenansprüche der betroffenen Soldaten angerechnet wird.
Einstimmig nimmt der Bundestag den Beitritt der Bundesrepublik zur Konvention der Vereinten Nationen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes an.
In Brüssel wird ein Abkommen zwischen den Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande und Luxemburg) unterzeichnet das die Beschränkungen des Kapitalverkehrs zwischen den Mitgliedsstaaten vollständig aufhebt.
09. Juli Der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer schlägt vor, beim Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) anstelle einer bundesdeutschen Nationalarmee die Truppen der Bundesrepublik in eine westliche Koalitionsarmee einzubinden.
In Australien wird der liberale Politiker Robert Gordon Menzies erneut zum Premierminister gewählt.
10. Juli Die Bundesrepublik tritt der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bei. Die WMO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN).
In Trung Gia (Nordvietnam) einigen sich die Delegationen der französischen Streitkräfte und der Vietminh grundsätzlich in der Frage der Kriegsgefangenen. Gleichzeitig versuchen die meisten der rund 6.000 französischen Zivilisten, Hanoi auf der Flucht vor den vorrückenden Vietminh auf dem Land- und Luftweg zu verlassen.
11. Juli General Alfredo Stroessner wird zum neuen Staatspräsidenten von Paraguay gewählt.
12. Juli Der britische Premierminister Winston S. Churchill betont in einer Regierungserklärung, Großbritannien müsse neben einer engen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten gute Beziehungen zum Ostblock aufbauen.
13. Juli Die DDR amnestiert 138 Häftlinge, die 1950 in den sog. Waldheim-Prozessen als angebliche Naziverbrecher verurteilt worden waren.
In Mexiko-Stadt stirbt die mexikanische Malerin Frida Kahlo.
14. Juli Das oberste Gericht der DDR in Ost-Berlin verurteilt den ehemaligen Versorgungsminister Karl Hamann wegen Sabotage und verbrecherischer Beziehungen zu imperialistischen Agenten zu zehn Jahren Zuchthaus.
15. Juli Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger wird gegründet.
16. Juli Der Bundestag stimmt dem Amnestiegesetz zu. Das Gesetz sieht Straferlass für Straftaten vor, die vor dem 1. Dezember 1953 begangen wurden und deren Strafmaß drei Monate nicht überschreitet.
Im Stockholmer Hafen treffen ein Kreuzer und vier Zerstörer der sowjetischen Marine ein. Es ist der erste sowjetische Flottenbesuch in Schweden seit der Gründung der UdSSR.
17. Juli In West-Berlin wird Theodor Heuss erneut zum Bundespräsidenten gewählt.
Der Bundesverwaltungsgerichtshof in Karlsruhe entscheidet, dass die kommunistische Jugendorganisation FDJ gegen das Grundgesetz verstößt. Das Gericht bestätigt damit in letzter Instanz das FDJ-Verbot der Bundesregierung aus dem Jahr 1951.
18. Juli In Frankfurt am Main findet ein Treffen von rund 250.000 Schlesiern statt. In Reden und Erklärungen bekennen sich Vertreter der Schlesier zum europäischen Gedanken und zur deutschen Wiedervereinigung. Gleichzeitig betonen sie ihren Willen zur Rückkehr in die alten deutschen Ostgebiete.
19. Juli Bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde der Technischen Universität in West-Berlin lobt Bundeskanzler Konrad Adenauer die maßvolle und kluge politische Haltung der Studenten.
Im Norden von West-Berlin, an der Sektorengrenze, weiht Bundespräsident Theodor Heuss die Ernst-Reuter-Siedlung ein. Die insgesamt zwanzig Häuser mit bis zu 12 Stockwerken wurden u. a. mit Mitteln aus dem US-amerikanischen Marshall-Plan finanziert.
20. Juli Vor zehn Jahren, am 20. Juli 1944, scheiterte der Attentatsversuch einer Gruppe von Widerstandskämpfern auf den deutschen Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. In der Bundesrepublik wird in Gedenkveranstaltungen an die Männer des 20. Juli erinnert.
Otto John, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, nimmt an einer Gedenkfeier für die Widerständler im Bendlerblock teil und verschwindet anschließend spurlos.
21. Juli Auf der Genfer Konferenz über Indochina wird ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet: Vietnam soll am 17. Breitengrad geteilt werden, Kambodscha und Laos erhalten ihre volle Souveränität.
22. Juli Der schwedische Ministerpräsident Tage Erlander kritisiert in West-Berlin die deutsch-schwedischen Handelsbeziehungen. Während die Bundesrepublik der größte Lieferant Schwedens sei, werde die geringe Ausfuhr Schwedens in die Bundesrepublik durch eine "ziemlich protektionistische" Handelspolitik der Bundesregierung behindert.
23. Juli Otto John, der bisherige Präsident des Bundesverfassungsschutzes, gibt in einer Rundfunkansprache aus Ost-Berlin seinen Wechsel in die DDR bekannt.
Die österreichische Regierung sendet gleichlautende Noten an Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion und die USA. Darin fordert sie neue Verhandlungen über die Abschaffung des Besatzungsregimes in Österreich.
Jagdflugzeuge der Volksrepublik China schießen vor der südchinesischen Insel Hainan eine britische Verkehrsmaschine ab. Zehn der 17 Insassen kommen dabei ums Leben.
24. Juli Die Sowjetunion schlägt den drei Westmächten Großbritannien, Frankreich und USA die Einberufung einer Europa-Konferenz vor, die vor allem die "Neutralisierung Deutschlands" zum Ziel haben soll. Die US-Regierung lehnt das sowjetische Anliegen sofort ab.
Aus Anlass der Besetzung der portugiesischen Besitzung Dadra (Indien) durch indische Nationalisten fordern in Lissabon rund 100.000 Menschen, den Erhalt der portugiesischen Besitzungen in Indien notfalls mit Waffengewalt sicherzustellen.
25. Juli Ho Chi Minh, seit 1945 Präsident und Ministerpräsident der Demokratischen Republik Vietnam und Führer der kommunistischen Vietminh, sieht die Demarkationslinie am 17. Breitengrad nur als Provisorium an. Niemand könne die Kommunisten daran hindern, so Ho bei einer Pressekonferenz in Hanoi, auch Südvietnam zu befreien. Nach dem Genfer Waffenstillstandsabkommen vom 21. Juli steht der Demokratischen Republik Vietnam die Regierung nördlich des 17. Breitengrades zu, der Süden des Landes soll der von Frankreich unterstützten Republik Vietnam überlassen bleiben.
26. Juli Enver Hoxha, bis zum 20. Juli Ministerpräsident von Albanien, wird zum Ersten Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei gewählt.
27. Juli Fünfzehn CDU-Abgeordnete legen im Bundestag einen Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe vor.
28. Juli Die britische Regierung lehnt die Forderung zypriotisch-griechischer Nationalisten nach einer Vereinigung Zyperns mit Griechenland ab. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges versucht die Enosis-Bewegung mit Terrorakten, den Anschluss der britischen Kolonie an Griechenland zu erzwingen.
Der außenpolitische Ausschuss des US-Senats spricht sich dafür aus, Präsident Dwight D. Eisenhower die Vollmacht zu erteilen, der Bundesrepublik die Souveränität zuzuerkennen, auch wenn sich der US-amerikanische Kongress zu diesem Zeitpunkt in den Ferien befindet.
Südkoreas Präsident Syngman Rhee schlägt in Washington vor, die Volksrepublik China anzugreifen. Zu diesem Zweck müsse eine Armee von zwei Mio. Mann aufgestellt und von den USA ausgerüstet werden.
Eine von den USA verhängte Erhöhung der Zölle auf Schweizer Uhren und Uhrwerke um 50% tritt in Kraft. Diese handelspolitische Maßnahme sorgt für erhebliche Unruhe bei den Schweizer Uhrenexporteuren.
29. Juli Nach Angaben der Regierung in London haben die aufständischen Mau-Mau bei Anschlägen in der britischen Kronkolonie Kenia (Ostafrika) seit 1952 1.145 Zivilisten sowie 422 Polizisten und Soldaten getötet.
Die französische Regierung beschließt ein umfassendes Programm zur Wirtschafts- und Sozialreform. Geplant sind u. a. die Angleichung von Löhnen und Preisen, verstärkte Bemühungen um Vollbeschäftigung und die Stärkung der Handelsbeziehungen mit den überseeischen Besitzungen Frankreichs.
30. Juli Der Metropolit der serbisch-orthodoxen Kirche von Montenegro (Jugoslawien), Arsenije Bradvareviç, wird in der montenegrinischen Hauptstadt Cetinje wegen "antijugoslawischer Tätigkeit" zu elfeinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Bradvareviç hatte in der Vergangenheit mehrfach die KP-Führung kritisiert.
In Maagan (Israel) entgeht der israelische Ministerpräsident Moshe Sharet äußerst knapp dem Tod, als ein Flugzeug 10 m von ihm entfernt in eine Menschenmenge stürzt. Das Unglück fordert 15 Tote und 26 Verletzte.
31. Juli Aus der Burg Hohenzollern bei Hechingen werden die Preußischen Kronjuwelen gestohlen.
Frankreich gewährt Tunesien "innere Autonomie". Die Außenpolitik und Verteidigung Tunesiens werden weiterhin von den französischen Behörden wahrgenommen.
01. August Der US-Kongress beschließt den Bau von 20 modernen Tankern für die US-Marine. Die Kosten für den Bau der 25.000-t-Tanker belaufen sich auf umgerechnet rund 30 Mio. DM pro Stück.
02. August Wegen Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Vereinigung verurteilt der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die KPD-Funktionäre Oskar Neumann und Karl Dickel zu je drei Jahren Gefängnis.
In Tunesien wird der Politiker Tahar Ben Amar zum Ministerpräsidenten ernannt.
Portugals Regierung schickt Truppen in seine Kolonie Goa, um Protestkundgebungen indischer Nationalisten vorzubeugen.
03. August Der Staatssicherheitsdienst der DDR (SSD) gibt die Verhaftung von zahlreichen Agenten des US-amerikanischen Geheimdienstes und bundesrepublikanischer Verfassungsschutzämter bekannt.
In Paris stirbt die französische Schriftstellerin, Varietékünstlerin und Journalistin, Sidonie-Gabrielle Colette.
Der US-amerikanische Außenminister John Foster Dulles kündigt in Washington an, dass die USA Taiwan gegen jeden Angriff verteidigen würden. Dulles reagiert damit auf Ankündigungen von hochrangigen Funktionären der Volksrepublik China, die Insel Taiwan in Kürze zu befreien.
Bei einer Rede in New York erklärt der südkoreanische Staatspräsident Syngman Rhee, der einzige Meinungsunterschied zwischen ihm und US-Präsident Dwight D. Eisenhower bestehe in der Frage, ob der Dritte Weltkrieg jetzt oder in einigen Jahren geführt werden solle.
04. August Im Landtag von Baden-Württemberg in Stuttgart spricht sich die Mehrheit der Abgeordneten gegen die Entscheidung des Kultusministers aus, Religion zum mitentscheidenden Fach für die Versetzung im Gymnasium zu machen.
Die DDR gewährt dem übergelaufenen Präsident des Amtes für Verfassungsschutz, Otto John, politisches Asyl.
05. August In der iranischen Hauptstadt Teheran wird der Konflikt zwischen Großbritannien und dem Iran über die Ausbeutung der iranischen Ölvorkommen durch die Anglo-Iranian Oil Company beigelegt. Ein internationales Ölkonsortium tritt an die Stelle der britischen Firma, die mit 294 Mio. DM entschädigt wird.
06. August Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) setzt 500.000 DM Belohnung für die Aufklärung der "Affäre John" aus.
Die DDR nimmt erstmals ein Hilfsangebot der USA zur Unterstützung der Landesteile an, die kürzlich durch Hochwasser geschädigt wurden.
Um die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder zu dokumentieren, hebt die Sowjetunion alle Besatzungsbefehle auf, die zwischen 1945 und 1953 zur Regelung des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens in der DDR erlassen wurden.
Im japanischen Hiroshima wird die Weltfriedenskirche als Mahnmal zum Gedenken des ersten Atombombenabwurfs der USA vor neun Jahren eingeweiht.
07. August Nach einer Studie der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung Wissenschaft und Kultur (UNESCO) sind immer noch 45 bis 55% der Weltbevölkerung über einem Alter von zehn Jahren Analphabeten.
09. August Die Außenminister Jugoslawiens, Griechenlands und der Türkei unterzeichnen ein Militärabkommen, das den Balkan-Pakt vom 28. Februar 1953 ergänzen soll. Das Bündnis ist zunächst auf 20 Jahre befristet, die Verpflichtungen Griechenlands und der Türkei als Mitglieder der NATO werden dadurch nicht berührt.
10. August In Lübeck wird der sog. Bildfälscherprozess eröffnet. Hauptangeklagte sind der Maler Lothar Malskat und der Restaurator Dietrich Fey.
Die französische Nationalversammlung billigt in Paris ein Ermächtigungsgesetz, das Ministerpräsident Pierre Mendès-France das Recht einräumt, bis zum 31. März 1955 durch Gesetze die französische Wirtschaft zu reformieren.
Die Regierungen der Niederlande und Indonesiens beschließen in Den Haag die Auflösung der Niederländisch-Indonesischen Union, die seit 1949 bestand.
Französische Truppen verhaften bei einer Razzia in Port Lyautey (Französisch-Marokko) 3.000 Personen. Die Aktion richtet sich gegen marokkanische Nationalisten, die gegen die französische Kolonialherrschaft opponieren.
11. August Auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin begründet der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes, Otto John, seinen Übertritt in die DDR vor allem mit dem angeblich in der Bundesrepublik wieder erstarkenden Nationalsozialismus.
12. August Aus Protest gegen das Verbot oppositioneller Zeitungen durch die britische Regierung wird in Zypern ein 24stündiger Generalstreik ausgerufen.
13. August In Hamburg kündigt der Chefredakteur der Illustrierten "Stern", Henri Nannen, Verfassungsbeschwerde an, nachdem die Nummer 33 des "Stern" beschlagnahmt worden war. Grund für die Beschlagnahme ist ein Artikel über die Affäre John.
Die Sowjetunion lehnt Vorschläge der österreichischen Regierung ab, auf einer Konferenz der vier Großmächte und Österreichs über Erleichterungen des Besatzungsregimes für das Alpenland zu verhandeln.
14. August In Friedrichshafen stirbt Hugo Eckener, der Nachfolger von Ferdinand Graf von Zeppelin.
Eine Delegation der britischen Labourpartei trifft zu politischen Gesprächen in Peking ein. Damit hält sich erstmals eine Delegation der Labourpartei in der Volksrepublik auf.
16. August In der nordvietnamesischen Hafenstadt Haiphong trifft das erste US-Schiff zur Evakuierung von Flüchtlingen ein. Die USA helfen Frankreich, die nach dem Indochina-Abkommen vor den Truppen des Vietminh flüchtenden Vietnamesen in den Süden des Landes zu bringen.
17. August US-Präsident Dwight D. Eisenhower ernennt Herbert Hoover junior zum stellvertretenden Außenminister der USA.
18. August Der US-amerikanische Senat billigt ein Gesetz, nach dem Spionage auch in Friedenszeiten mit der Todesstrafe belegt werden kann.
Das US-Verteidigungsministerium kündigt den Abzug von vier der sechs in Südkorea stationierten US-Divisionen in den folgenden Monaten an. Die Truppenverringerung in Südkorea soll Teil des Planes der USA sein, ihre Truppenpräsenz im Ausland weltweit zu verringern.
19. August In Brüssel beginnt eine Konferenz der EVG-Partner, die über die französischen Änderungswünsche für die Europäische Verteidigungsgemeinschaft beraten. Die Konferenz endet am 22. August ergebnislos.
Der US-amerikanische Kongress verabschiedet ein Gesetz, das die Kommunistische Partei verbietet.
20. August In Herbsdorf im Chiemgau stirbt der langjährige Chefadjutant von Adolf Hitler, Wilhelm Brückner.
In der griechischen Hauptstadt Athen kommt es zu Unruhen, als ca. 100.000 Demonstranten vor die britische Botschaft ziehen, um die Rückgabe Zyperns an Griechenland zu fordern.
21. August Der CDU-Bundestagsabgeordnete Karlfranz Schmidt-Wittmack bittet in der DDR um politisches Asyl.
22. August Papst Pius XII. führt zum Abschluss der Hundertjahrfeier der Verkündigung des Dogmas von der unbefleckten Empfängnis das Fest "Maria Königin" ein.
23. August Eine rotchinesische Marinepatrouille landet auf der von nationalchinesischen Truppen kontrollierten Insel Quemoy. Nach einem kurzen Feuergefecht zieht die rotchinesische Patrouille wieder ab.
24. August In Brasilien begeht Staatspräsident Getulio Dornelles Vargas nach seinem von den Streitkräften erzwungenen Rücktritt Selbstmord.
26. August Japan übernimmt mit der Stationierung von zwei Einheiten der neu geschaffenen Streitkräfte den Schutz seiner nördlichsten Insel Hokkaido selbst. Bisher hatten US-amerikanische Truppen die Insel geschützt.
Dänemark erklärt gegenüber den Vereinten Nationen (UN), dass Grönland durch eine Verfassungsänderung Bestandteil Dänemarks sei. Bisher musste die dänische Regierung der UN jährlich einen Rechenschaftsbericht über das in Treuhandschaft verwaltete Gebiet vorlegen.
Dänische Gerichte in Sonderburg und Graasten erklären die von bundesdeutschen Busunternehmen veranstalteten "Kaffee-Fahrten" nach Dänemark für ungesetzlich.
27. August In Bad Hersfeld wird ein für den 25. September geplantes Treffen ehemaliger SS-Angehöriger vom Landrat verboten.
Frankreich lehnt das Angebot der polnischen Regierung ab, einen gegen die Bundesrepublik gerichteten Beistands- und Nichtangriffspakt abzuschließen. Der diplomatische Vorstoß Polens wird als Versuch gewertet, eine militärisch-politische Integration der Bundesrepublik in den Westen zu verhindern.
In der südafrikanischen Kap-Provinz beschließt der Provinzialrat Maßnahmen zur strengeren Durchführung der Rassentrennung. Danach dürfen Weiße und Farbige weder zusammen in Bussen und Eisenbahnen fahren noch dasselbe Strandbad besuchen.
28. August Im Iran werden über 250 oppositionelle Militärangehörige festgenommen. Sie sollen eine Verschwörung zum Sturz des persischen Schahs, Mohammed Resa Pahlawi, vorbereitet haben.
30. August Die französische Nationalversammlung lehnt ohne ausführliche Debatte mit 319 zu 264 Stimmen endgültig den Vertrag über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft ab.
In Indochina wird die erste Phase des Gefangenenaustauschs zwischen Frankreich und der Führung des kommunistischen Vietminh beendet. Bisher wurden 34.000 Gefangene freigelassen.
In Washington unterzeichnet US-Präsident Dwight D. Eisenhower eine Novelle zum Atomenergiegesetz, wonach privatwirtschaftliche Unternehmen Atomkraft zur friedlichen Nutzung verwenden können.
In London wird das Ausfuhrverbot für britische Waffen nach Ägypten aufgehoben. Es war 1951 verhängt worden, nachdem Ägypten einseitig das ägyptisch-britische Abkommen über den Suezkanal gekündigt hatte. Seit Beginn des Jahres verhandeln beide Seiten über eine Regelung der Suezfrage.
Der Wirtschaftsrat der Vereinten Nationen (UN) gibt in New York bekannt, dass in 17 Ländern noch immer kein Frauenwahlrecht bestehe.
31. August Der britische Schriftsteller Graham Greene wird bei seiner Ankunft auf Puerto Rico von den Behörden ohne Angabe von Gründen festgehalten. Bereits 1952 hatte Greene bei der Einreise in die USA Schwierigkeiten wegen angeblicher Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei während seiner Studentenzeit.
01. September In Großbritannien plädiert die britische Regierung für die Aufnahme der Bundesrepublik in das Nordatlantische Verteidigungsbündnis (NATO).
02. September In Hanoi proklamierte Ho Chi Minh die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam.
05. September Der ehemalige Leiter der Gestapo-Leitstelle Danzig, Günther Venediger, wird in Heilbronn von der Anklage der Beihilfe zum vierfachen Mord an britischen Kriegsgefangenen freigesprochen. Venediger hatte sich vor Gericht auf den Befehlsnotstand berufen.
07. September Der Bundestagsabgeordnete Rudolf Meyer-Ronnenberg tritt aus Unzufriedenheit mit der Mittelstandspolitik seiner Partei vom Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) zur CDU über. Damit verfügt die CDU/CSU-Fraktion wieder über die absolute Mehrheit im Bundestag
In Wiesbaden fordert Bundeswohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker (FDP) die Wiedereinführung eines Außenministeriums. Bisher hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer diese Aufgaben übernommen.
08. September In Manila auf den Philippinen gründen die USA, Thailand, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Frankreich, Pakistan und die Philippinen die SEATO (South East Asia Treaty Organization).
In Garches bei Paris stirbt der französische Künstler André Derain.
09. September In Bonn empfängt Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) die chilenischen Minister für Wirtschaft und Siedlung, Jorge Silva Guerra und Mario Montero Schmidt. Während des achttägigen Besuchs werden mehrere bilaterale Handelsabkommen geschlossen.
Die DDR-Volkspolizei öffnet mehrere Kontrollpunkte zwischen der DDR und West-Berlin, um ihren Bürgern, die im Westteil der Stadt arbeiten, den Weg zum Arbeitsplatz zu erleichtern.
10. September In Leipzig findet die I. Deutsche Arbeiterkonferenz statt. Damit sollen die im Sommer 1948 unterbrochenen Interzonenkonferenzen der Gewerkschaften wieder aufgenommen werden. Ziel der Konferenzbeschlüsse ist die Herstellung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse in Deutschland.
In Stuttgart beginnt der Weltkongress der Internationalen Union der Familienorganisation (UIOF), auf dem 500 Delegierte aus 26 Nationen bis zum 19. September über aktuelle Familienprobleme diskutieren.
Frankreich, Großbritannien und die USA stimmen dem sowjetischen Vorschlag einer Konferenz über die europäische Sicherheit unter der Bedingung zu, dass die Sowjetunion zuvor den österreichischen Staatsvertrag unterzeichnet und freie Wahlen in ganz Deutschland zulässt.
In Bad Homburg einigen sich die Tarifpartner des Öffentlichen Dienstes auf einen neuen Tarifvertrag, der unter anderem eine Erhöhung der Ecklöhne um 6 Pfennige vorsieht.
11. September In Kassel findet zur Eröffnung des Bundessozialgerichtes durch Bundesarbeitsminister Anton Storch (CDU) ein Festakt statt.
In München stirbt der deutsche Schauspieler und Regisseur Reinhold Schünzel.
12. September Bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein erhält die SPD 33% der abgegebenen Stimmen. Sie stellt damit die stärkste Fraktion im künftigen Landtag.
Der Dalai Lama führt in Peking erste Gespräche mit Mao Zedong über eine friedliche Beilegung des Tibet-Konflikts.
13. September In Hessen beschließt die Landesregierung zwei Wohnungsbau- und Wirtschaftsförderungsprogramme in Höhe von 45 Mio. DM. Damit sollen u. a. Maßnahmen zur Bekämpfung des Wohnraummangels finanziert werden.
In der DDR kritisiert das SED-Zentralkomitee die Produktionsleistungen in den Betrieben und fordert die Arbeiter erstmals seit dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 zur Erhöhung der Arbeitsnorm auf.
Die iranische Regierung ordnet ohne Angabe von Gründen ein Einfuhrverbot für bundesdeutsche Waren an.
14. September Die im sog. Oradour-Prozess 1953 zum Tode verurteilten SS-Mitglieder Karl Lenz und Georg Boos werden vom französischen Staatspräsidenten René Coty zu lebenslanger Haft begnadigt. Der französische Ort Oradour-sur-Glane (bei Limoges/Zentralfrankreich) war am 10. Juni 1944 von SS-Verbänden zur Vergeltung für Partisanenaktionen dem Erdboden gleichgemacht worden.
15. September Die DDR-Volkskammer beschließt in Ost-Berlin ein Passgesetz, nach dem die Behörden in der DDR allen Deutschen einen Pass ausstellen können.
16. September In Bonn trifft US-Außenminister John Foster Dulles ein, um mit Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) die neue Lage nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft zu besprechen.
In Köln legt Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm ein Programm vor, durch das in den nächsten zehn Jahren der Ausbau des bundesdeutschen Straßennetzes um 75.000 km gewährleistet werden soll.
18. September In Münster kündigt Bundesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling zinsverbilligte Darlehen für junge Ehepaare an.
20. September Die 1. Chinesischen Verfassung tritt in Kraft. Sie löst Übergangsgesetze von 1949 ab und garantiert verschiedene Bürgerrechte, aber keine Gewaltenteilung.
21. September In Frankfurt am Main schließen die Tarifpartner der Metallindustrie einen neuen Tarifvertrag ab, in dem die Gewerkschaft zusichert, für die nächsten eineinhalb Jahre keine Lohnforderungen zu stellen.
Im Alter von 96 Jahren stirbt der Japaner Kokichi Mikimoto, dem erstmals gelang, vollrunde Zuchtperlen zu produzieren und auf den Markt zu bringen.
22. September In Bonn verabschiedet das Kabinett einen Gesetzentwurf, mit dem die Altersgrenze für Bundesrichter bis 1956 um drei Jahre auf 68 Jahre heraufgesetzt wird. Damit reagiert das Kabinett auf sich abzeichnende Nachwuchssorgen im Richterberuf.
Die Alliierte Hohe Kommission legt in München gegen die geplante Produktionsaufnahme der Ufa-Film AG und der Bavaria-Filmkunst GmbH Beschwerde ein. Da sich die Gesellschaften noch im Besitz des Bundes befinden, liege die Gefahr einer wirtschaftlichen und politischen Einflussnahme nahe.
In West-Berlin meldet sich die SED für die Wahlen zum Westberliner Abgeordnetenhaus an.
In Leipzig kritisiert der 1. Sekretär der SED, Walter Ulbricht, die Leistung der DDR-Sportler. "Durch die ungenügende politische Erziehung ist die Bewusstseinsbildung bei einem Teil der Sportler noch nicht so ausgeprägt, dass sie in den Wettkämpfen für den ersten Staat der Arbeiter und Bauern in Deutschland ihre ganze Kraft einsetzen".
25. September Führende Vertreter der FDP kritisieren die Äußerungen des CDU-Politikers Heinrich von Brentano, die deutsche Wiedervereinigung sei "zweitrangig".
27. September In Jakarta (Indonesien) protestiert die bundesdeutsche Botschaft offiziell gegen einen Artikel der Zeitschrift "Nanyang Post", in dem Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) mit Adolf Hitler verglichen wird.
28. September Auf der bis zum 3. Oktober dauernden Londoner Neunmächte-Konferenz wird über Alternativen nach dem Scheitern des EVG-Vertrages beraten. In der "Londoner Akte" wird die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland und Italiens in den Fünfmächtepakt (Brüsseler-Vertrag vom 17. März 1948) und in die NATO empfohlen.
29. September Das Frankfurter Landesarbeitsgericht erklärt Gehaltsabschläge für weibliche Angestellte für verfassungswidrig.
Von 12 europäischen Staaten wird das Europäische Kernforschungslabor CERN gegründet.
01. Oktober In Niedersachsen tritt ein neues Schulgesetz in Kraft, mit dem die Mehrzahl der Konfessionsschulen im Land in sog. Gemeinschaftsschulen umgewandelt wird. Die katholische Kirche kündigt dauernden Widerstand bis zur Rücknahme des Gesetzes an.
02. Oktober Der türkische Ministerpräsident Adnan Menderes trifft zu einem einwöchigen offiziellen Staatsbesuch in Bonn ein. Bei den Gesprächen mit der Bundesregierung geht es um die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen.
Auf der Londoner Außenministerkonferenz wird die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland und die Aufnahme in die Nato beschlossen.
04. Oktober In Frankfurt am Main wird der 3. ordentliche Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) eröffnet (bis 9. Oktober). Hauptziel der 400 Delegierten von 16 Fachgewerkschaften ist die Festlegung einer Strategie zur Durchsetzung der 40-Stunden-Woche.
Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer (BHE) gibt bekannt, dass täglich mehr als 500 Flüchtlinge aus der DDR in die Bundesrepublik oder nach West-Berlin überwechseln.
Der Hamburger Senat beschließt, die traditionsreiche Werft "Blohm & Voss" wieder aufzubauen.
06. Oktober In Niedersachsen treten 12.000 katholische Schulkinder in einen Warnstreik gegen das am 1. Oktober in Kraft getretene Schulgesetz.
In Ost-Berlin trifft der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow ein, um mit der DDR-Regierung über die Londoner Beschlüsse der Westmächte zu beraten.
07. Oktober Der Bundestag billigt gegen die Stimmen der SPD eine Entschließung zur Europapolitik. Die Resolution bekundet den Willen der Bundesrepublik, zur Einigung und Sicherung Europas beizutragen und dafür einen aktiven Verteidigungsbeitrag zu leisten.
Der Chefdelegierte Indiens bei den Vereinten Nationen (UNO) in New York, Krischna Menon, fordert die Bundesrepublik und die DDR zu direkten Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands auf.
09. Oktober Ein französisches Militärgericht verurteilt den ehemaligen SS-Obergruppenführer Carl Albrecht Oberg und den früheren SS-Standartenführer Helmut Knochen zum Tode.
11. Oktober Der Landtag von Schleswig-Holstein wählt Kai Uwe von Hassel (CDU) zum neuen Ministerpräsidenten.
In Vietnam übernehmen die Viet Minh die Kontrolle über den Nordteil und bilden die kommunistische Demokratische Republik Vietnam.
12. Oktober Nach einem Beschluss des Finanz- und Steuerausschusses im Bundestag tritt die Steuerreform am 1. Januar 1955 in Kraft. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat.
Der japanische Ministerpräsident Shigeru Yoshida trifft zu einem Staatsbesuch in der Bundesrepublik ein.
14. Oktober Der Bundestag trifft zwei wichtige sozialpolitische Entscheidungen: Das Gesetz über die Kinderbeihilfe wird mit den Stimmen von CDU/CSU verabschiedet, die Erhöhung der Renten findet auch die Zustimmung der Opposition.
DDR-Kulturminister Johannes R. Becher gibt seine Vorstellungen über die Entwicklung der "demokratischen und nationalen Volkskultur" der DDR bis 1960 bekannt. Danach ist der "sozialistische Realismus" die fortschrittlichste Methode in allen Zweigen des künstlerischen Schaffens.
15. Oktober Der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) droht mit dem Austritt aus der Bonner Regierungskoalition, da die Bundesregierung auf dem Gebiet der Sozialpolitik die Koalitionsabmachungen nicht eingehalten habe. So habe z. B. Bundesfinanzminister Fritz Schäffer (CSU) noch nicht genügend Mittel für die Entschädigung der Kriegsheimkehrer bereitgestellt.
17. Oktober Bei den Volkskammerwahlen in der DDR erhalten die Einheitslisten 99,46%.
20. Oktober Der Bundestag beschließt einstimmig, dass Ostberliner, die im West-Sektor der Stadt einen Arbeitsplatz hatten und diesen verlieren, ein Anrecht auf Arbeitslosenunterstützung haben.
In einer Bundestagsdebatte über Probleme der Jugend wirft die SPD der Regierungskoalition mangelndes Interesse an der Jugend vor.
Gemäß den Beschlüssen der Londoner Konferenz wird der Brüsseler Pakt in Paris erweitert und in die Westeuropäische Union (WEU) umgewandelt.
21. Oktober Die Bundesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene beginnt mit einem Untersuchungsprogramm für Flugstaub. Seit einigen Jahren vermuten Fachleute, dass Flugstaub und Ruß vor allem in der Luft der Städte für die Zunahme der Krebserkrankungen verantwortlich seien. Auch das Wachstum der Bäume werde dadurch behindert.
22. Oktober In der Bundestagsdebatte über die veränderte Vorlage des Personenstandsgesetzes kommt es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen CDU und SPD über die Frage, ob das religiöse Bekenntnis in die Personalpapiere aufgenommen werden darf oder nicht.
23. Oktober Die Pariser Verträge werden unterzeichnet.
25. Oktober Das Darmstädter Schwurgericht spricht die beiden ehemaligen Gestapo-Angehörigen Waldemar Eisfeld und Heinrich Lorenz, die beschuldigt werden, während des Dritten Reichs an Massendeportationen jüdischer Bürger maßgeblich beteiligt gewesen zu sein, wegen Mangels an Beweisen frei.
In Venedig findet der 2. Europäische Gemeindetag statt. Vertreter aus acht europäischen Ländern und dem Saargebiet fordern eine Basisbewegung zur Einigung Europas.
27. Oktober Bundeskanzler Adenauer (CDU) trifft zu einem viertägigen Besuch in den USA ein. Bei den Besprechungen mit der US-amerikanischen Regierung wird ein neuer Freundschafts- und Handelsvertrag geschlossen.
28. Oktober Das deutsch-französische Saarabkommen wird von der FDP-Bundestagsfraktion abgelehnt. Nach Ansicht der Liberalen hat Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) das Abkommen eigenmächtig und "ohne Unterrichtung und Befragung der Bundesregierung" abgeschlossen.
29. Oktober Bundestagspräsident Hermann Ehlers stirbt in Oldenburg.
30. Oktober Das Bundesverwaltungsgericht in West-Berlin erklärt die rund 75.000 in der Bundesrepublik lebenden Österreicher zu deutschen Staatsbürgern.
01. November Der Algerienkrieg bricht aus.
In Washington sichert die US-amerikanische Regierung der Bundesrepublik für die ersten drei Jahre der Wiederaufrüstung Finanzhilfen in Höhe von umgerechnet 12,6 Mrd. DM zu.
Die Volkspolizei der DDR erhält grau-grüne Uniformen.
02. November In Lüneburg wird gegen den Leiter einer Tanzkapelle ein Ermittlungsverfahren eröffnet, weil er das Deutschlandlied als Foxtrott gespielt haben soll.
03. November Der Hessische Landtag beauftragt die Landesregierung, dem Saarabkommen bei der bevorstehenden Abstimmung im Bundesrat die Zustimmung zu verweigern.
In Nizza stirbt der französische Maler Henri Matisse.
04. November Der Friedensnobelpreisträger von 1952, Albert Schweitzer, hält in Oslo eine viel beachtete Rede über "Das Problem des Friedens", in der er die Ursachen von Gewalt zu ergründen versucht. Nach Schweitzers Ansicht hat der technische Fortschritt den Menschen zum "Übermenschen" gemacht. Mit dem Glauben an die technische Perfektion habe der Mensch zunehmend seine ethischen Normen verloren.
06. November Konstantin Freiherr von Neurath, zwischen 1932 und 1938 deutscher Außenminister, wird aus Altersgründen vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Neurath war 1946 bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.
08. November Kaiser Haile Selassie I. von Äthiopien trifft zu einem Staatsbesuch in der Bundesrepublik ein.
Der deutsche Wissenschaftler und Raketeningenieur Wernher von Braun, der seit 1945 in den USA lebt, erhält zusammen mit 32 weiteren deutschen Wissenschaftlern die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.
09. November Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landtagspräsidiums sind in Nordrhein-Westfalen im laufenden Jahr insgesamt 391 Bergleute unter Tage ums Leben gekommen.
10. November In Bonn schlägt der FDP-Bundestagsabgeordnete Hasso von Manteuffel die Bildung von Milizverbänden im Anschluss an die Schaffung einer bundesdeutschen Armee vor.
Das Bundeswirtschaftsministerium gibt Entschädigungen für Opfer des Nationalsozialismus frei, die im Ausland leben.
Jean Monnet tritt nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft als Präsident der Hohen Behörde der EGKS zurück.
11. November Das Bundeskanzleramt gibt die Umbesetzung des Kabinetts zum Jahreswechsel bekannt. Heinrich von Brentano (CDU) soll das Außenministerium übernehmen, das bislang von Bundeskanzler Konrad Adenauer mitbetreut wurde.
Der Kaiser von Äthiopien, Haile Selassie I., besucht Düsseldorf.
12. November In Bonn sorgt die Aussage von Bundeskanzler Konrad Adenauer für Aufsehen, das Reichskonkordat zwischen dem Vatikan und den Nationalsozialisten aus dem Jahr 1933 habe nach wie vor Gültigkeit.
Der Bundesrat beschließt die Einführung der Führerscheinpflicht für Motorräder über 50 ccm ab 1. Dezember.
Im britischen Fernsehen erklärt der ehemalige deutsche Generalfeldmarschall Albert Kesselring, in den SS-Divisionen sei "ein Teil des besten deutschen Blutes" vertreten gewesen. Darauf könne beim Wiederaufbau einer bundesdeutschen Armee nicht verzichtet werden.
13. November In der DDR wird ein "Zentraler Ausschuss für Jugendweihe" gegründet. Im Neuen Deutschland erscheint ein "Aufruf zur Vorbereitung der Jugendweihe 1955".
14. November In der Bundesrepublik gedenken die Menschen am Volkstrauertag der in den zwei Weltkriegen Gefallenen und der in Konzentrationslagern Ermordeten.
In Ägypten stürzt Ministerpräsident Gamal Abdel Nasser Staatspräsident Ali Muhammad Nagib, stellt diesen unter Hausarrest und übernimmt selbst dessen Amt.
15. November Die Bundesrepublik und Saudi-Arabien beschließen die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
Bei der Fahndung nach den sog. Autoräubern, die seit Wochen vor allem in Nordrhein-Westfalen Überfälle auf Autofahrer verüben, erschießt die Polizei eine unbeteiligte Frau.
Die Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung wählt Friedrich Ebert (SED) erneut zum Bürgermeister.
16. November Eugen Gerstenmaier wird zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt.
Die Bundesregierung verabschiedet in Bonn ein Gesetz, das finanzielle Zuwendungen an politische Parteien begünstigt.
60 evangelische Pfarrer der Kirchengemeinde Dortmund veröffentlichen eine Resolution gegen die Wiederaufrüstung der Bundesrepublik, in der es u. a. heißt: "Wir sind überzeugt, dass die Wiederaufrüstung unter den gegebenen Umständen kein Mittel ist, die Wiedervereinigung herbeizuführen und den Frieden zu suchen".
In Kassel wird die ehemalige Gestapo-Agentin Dagmar Imgard zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie wird für schuldig befunden, zwischen 1941 und 1944 christlich-politische Widerstandskämpfer an die nationalsozialistische Geheimpolizei verraten zu haben.
17. November Gamal Abd an-Nasser wird als ägyptischer Präsident vereidigt.
18. November Im Bonner Bundestag distanziert sich die CDU/CSU-Fraktion von Äußerungen des Bundesfamilienministers Franz-Josef Wuermeling, der einen Tag zuvor erklärt hatte: "Im öffentlichen Leben gibt es heute keine Fronten der Konfessionen untereinander, sondern nur eine gemeinsame Front gegen das moderne Antikirchentum derer, die keine Konfession mehr haben".
Das britische Unterhaus spricht sich mit 264:4 Stimmen für die Annahme der Pariser Verträge aus, die u. a. eine Aufnahme der Bundesrepublik in die NATO beinhalten.
19. November Das Bundesverwaltungsgericht in West-Berlin entscheidet, dass Otto Strasser, der als Staatenloser in Kanada lebt, in die Bundesrepublik eingebürgert werden muss. Strasser, bis 1930 enger Mitarbeiter von Adolf Hitler und Mitglied der NSDAP, war 1933 zunächst nach Wien emigriert.
In Ost-Berlin stellt DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl sein neues Kabinett vor, in dem DDR-Innenminister Willi Stoph das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten einnimmt.
22. November Der französische Ministerpräsident Pierre Mendès-France präsentiert der UNO-Generalversammlung einen Plan zum stufenweise Abzug der alliierten Truppen aus Österreich.
23. November Vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe beginnt die Verhandlung über die Verfassungswidrigkeit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Der britische Premierminister Winston Churchill bestätigt in London, dass er Ende des Zweiten Weltkriegs an die Wiederbewaffnung der besiegten deutschen Wehrmacht gedacht habe, falls die sowjetischen Truppen weiter nach Westen vorgerückt wären.
24. November Auf einer Wahlveranstaltung der CSU in Augsburg wird der Sicherheitsbeauftragte der Bundesrepublik, Theodor Blank, von Gegnern der Wiederbewaffnungspläne der Regierung verprügelt.
25. November Mit 126:7 Stimmen billigt das norwegische Parlament die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und ihre Aufnahme in die NATO gemäß den Pariser Verträgen.
26. November Die niederländische Regierung legt ein Gutachten über die zunehmende Versalzung des Rheins vor. Danach transportiert der Strom jede Sekunde 250 kg Salz in die Niederlande, pro Tag fast 22.000 t. Vor 25 Jahren waren es nur 11.000 t täglich.
28. November Bei den Landtagswahlen in Hessen verliert die SPD die absolute Mehrheit. Ministerpräsident der Koalitionsregierung wird am 17. Dezember erneut Georg August Zinn (SPD).
Die Landtagswahlen in Bayern bringen starke Zugewinne für die CSU. Dennoch wird sie als stärkste Fraktion von der Koalition aus SPD, Bayernpartei (BP), Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) und FDP ausgeschlossen. Neuer Ministerpräsident wird am 14. Dezember Wilhelm Hoegner (SPD).
In Chicago stirbt Enrico Fermi, einer der bedeutendsten Kernphysiker des 20. Jahrhunderts. Ihm gelang am 2. Dezember 1942 die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion.
30. November Wilhelm Furtwängler, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, stirbt in Baden-Baden.
01. Dezember In einem Schreiben an die bundesdeutschen Bischöfe beklagt Papst Pius XII. die Politik der Bundesländer, die katholischen Konfessionsschulen zugunsten sog. Gemeinschaftsschulen zu schließen. Der Papst sieht darin eine Verletzung des Rechts der Katholiken, ihre Kinder katholisch zu erziehen.
02. Dezember DDR-Kulturminister Johannes R. Becher diskutiert im Westberliner Hotel Sachsenhof mit Künstlern und Journalisten über Probleme des Gesamtberliner Kulturlebens.
03. Dezember In der Bonner "Dienststelle Blank", die für sicherheitspolitische Planungen der Bundesrepublik zuständig ist, zeigen Grenzschutzbeamte die neuen Uniformen für die geplanten Streitkräfte der Bundesrepublik.
04. Dezember Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet die Resolution 810(IX) über die Einrichtung einer internationalen Behörde zur Überwachung der friedlichen Nutzung der Atomenergie.
05. Dezember Bei den Wahlen zum Westberliner Abgeordnetenhaus erreicht die SPD mit 44,6% die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
06. Dezember Das statistische Landesamt in Düsseldorf teilt mit, dass Nordrhein-Westfalen und besonders das Ruhrgebiet Anziehungspunkt für die innerdeutsche Bevölkerungsbewegung sei: Das Landesamt hat in den letzten vier Jahren einen Bevölkerungsanstieg von 1,2 Mio. Einwohnern in Nordrhein-Westfalen registriert.
Nach Angaben von Vertriebenenminister Theodor Oberländer vom Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) sind im Lauf der letzten fünf Jahre 13.980 Volkspolizisten der DDR in den Westen geflüchtet.
Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts von Hamm darf ein Radfahrer noch mit mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut am Verkehr teilnehmen, weil im Gegensatz zum Personenwagen das Fahren eines Rades nur geringe Aufmerksamkeit erfordere.
07. Dezember Die Bundesregierung stellt dem Deutschen Roten Kreuz die finanziellen Mittel zur Verfügung, die für den Aufbau der größten Suchkartei der Welt notwendig sind. 20 Mio. Einzelunterlagen, die bisher nicht ausgewertet wurden, sollen zur Aufklärung von über 10.000 Vermisstenschicksalen beitragen.
Der Bundestagsausschuss zum Schutz der Verfassung empfiehlt Innenminister Gerhard Schröder (CDU), gegen den Buchautor Friedrich Lenz ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anzustrengen, um ihm die Grundrechte absprechen zu lassen. Lenz hatte in seinem Buch "Der ekle Wurm der deutschen Zwietracht" u. a. den Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944 die Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegeben.
08. Dezember Das Bundesfinanzministerium legt in Bonn den Bundeshaushalt 1955/56 vor. Der Plan sieht Ausgaben des Bundes in Höhe von 26,2 Mrd. DM vor.
09. Dezember Der Kriegsopferausschuss des Deutschen Bundestags beschließt die Erhöhung der Grundrenten der Kriegsopfer um 20% bis 30%, je nach Schwere der Beschädigung.
10. Dezember Sprecher aller Bundestagsfraktionen kritisieren, dass die Zahlung von Wiedergutmachungsleistungen an Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes nicht zügig abgewickelt werden.
Max Born und Walther Bothe erhalten den Nobelpreis für Physik, Ernest Hemingway erhält den Literaturnobelpreis.
11. Dezember In Bonn wird ein Kulturabkommen zwischen der Bundesrepublik und Spanien unterzeichnet. Der Vertrag regelt u. a. den gegenseitigen Studentenaustausch.
12. Dezember SPD und BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) beschließen in Hessen die Bildung einer Koalition, Ministerpräsident wird erneut Georg August Zinn (SPD).
13. Dezember Der Rechtsausschuss des Bundestages lehnt es ab, unverheirateten Frauen die Anrede "Frau" für den Umgang mit Behörden zuzugestehen. Somit bleibt  im amtlichen Sprachgebrauch die Bezeichnung "Fräulein" gültig.
Der Chefredakteur des Bundespresseamtes, Heinz Diestelmann, wird wegen angeblicher antisemitischer Äußerungen fristlos entlassen.
Das Polnische Rote Kreuz willigt ein, mit dem Deutschen Roten Kreuz in der Frage der Familienrückführung zusammenzuarbeiten. In Polen leben noch etwa 175.000 Deutsche.
Die bundesdeutsche Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände fordert die Bevölkerung zum Boykott überteuerter Lebensmittel auf. Besonders bei Brot Milch, Butter und Schweinefleisch seien die Verbraucherpreise in den letzten Wochen und Monaten ungerechtfertigt schnell gestiegen.
14. Dezember Wilhelm Hoegner (SPD) wird in Bayern zum Ministerpräsident der Koalition aus SPD, FDP und BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten) gewählt.
Nach Berechnungen der westlichen Alliierten beträgt der Beitrag der Bundesrepublik für den Aufbau der Streitkräfte in den ersten drei Jahren über 45 Mrd. DM.
15. Dezember Im Bonner Bundestag beginnt eine zweitägige Debatte über die Pariser Verträge.
In München kündigt die CSU eine Volksbewegung gegen die "sozialistische Herrschaft" in Bayern an. Die CSU ist nicht an der von Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) geführten Koalitionsregierung beteiligt, obwohl sie die stärkste Fraktion im bayerischen Landtag stellt.
Nach zweitägigen Verhandlungen einigen sich Regierungsvertreter der Bundesrepublik und Italiens über die Anwerbung italienischer Arbeitskräfte für die bundesdeutsche Wirtschaft.
16. Dezember Nach Angaben der Bundespost sind seit Anfang November über vier Mio. Pakete und Päckchen aus der Bundesrepublik in die DDR gesandt worden.
Die DDR nimmt zur Demokratischen Republik Vietnam (Nordvietnam) diplomatische Beziehungen auf.
17. Dezember Die Patentkammer des Landgerichts Mannheim beendet den dreijährigen Streit um das "geistige Erstrecht" am Volkswagen. Der Stuttgarter Autokonstrukteur Bela Bareny konnte beweisen, dass er schon 1929 typische Merkmale des VW-Käfer entworfen hat. Dies war von dem Autor Horst Mönnich in seinem Buch "Autostadt" bestritten worden.
18. Dezember Bertolt Brecht wird vom Komitee des Internationalen Stalin-Friedenspreises in Moskau "Für die Festigung des Friedens unter den Völkern" der Stalin-Preis zugesprochen.
20. Dezember Der frühere Leiter der Abteilung Abwehr in der Dienststelle Blank, Friedrich Wilhelm Heinz, behauptet vor der Presse in West-Berlin, bei einem Aufenthalt am 16. Dezember in den Ostteil der Stadt entführt worden zu sein. Im Laufe der Ermittlungen erweisen sich die Aussagen allerdings als zweifelhaft.
21. Dezember Die katholische Kirche in Bayern lehnt die Pläne der neuen Landesregierung unter Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) zur Reform der Lehrerausbildung ab. Die Reform sieht die gleiche Ausbildung von Lehrern ohne konfessionelle Trennung vor.
In der Bundesrepublik tritt das Wohnungsbauprämiengesetz in Kraft, das von staatlicher Seite den Wohnungsbau fördern soll.
Zur Bekämpfung der Schwarzarbeit beschließt das Bundeskabinett, für schwere Fälle die Höchststrafe von sechs Monaten Gefängnis einzuführen.
Durch einen Beschluss der Bundesregierung wird die gebührenpflichtige Verwarnung im Verkehr von zwei auf fünf DM heraufgesetzt. Der Gesetzentwurf sieht außerdem die Einrichtung einer Verkehrssünderkartei vor.
Im sog. Volkswagensparer-Prozess entscheidet der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, dass die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront (DAF) und nicht das Volkswagenwerk Vertragspartnerin der Sparer gewesen sei. Damit werden Ansprüche der einstigen Sparer gegen das Volkswagenwerk abgewiesen.
Der Europäische Gerichtshof verkündet sein erstes Urteil.
22. Dezember Die bayerische Landesregierung unter Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) beschließt die Abschaffung der Prügelstrafe an bayerischen Volksschulen. Die Prügelstrafe war nach einem zwischenzeitlichen Verbot 1947 wieder eingeführt worden.
23. Dezember Das italienische Parlament billigt mit 315:215 Stimmen die Pariser Verträge über den Eintritt der Bundesrepublik in die NATO. Nach Island, Norwegen und Großbritannien hat Italien damit als viertes NATO-Mitglied die Verträge ratifiziert.
24. Dezember Laos wird unabhängig.
27. Dezember Die französische Nationalversammlung ratifiziert mit 289:251 Stimmen die Pariser Verträge über die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik im Rahmen der NATO.
29. Dezember Auf der bis zum 31. Dezember dauernden Konferenz der Vertreter der DDR, Polens und der Tschechoslowakei in Prag wird der gemeinsame Schutz der Unantastbarkeit der Grenzen der drei Staaten beschlossen.
30. Dezember In Meran (Südtirol) stirbt Erzherzog Eugen von Österreich.
In Kairo stirbt der deutsche Industrielle Günther Quandt.

 

1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1958 1959

Sie haben auf der Seite einen Fehler entdeckt? Dann informieren Sie mich bitte: